Blog-Artikel von Steffen Wagner

16.02.16 10:30

Berlinale 2016: INERTIA von Idan Haguel

Ein ver-rücktes Leben

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Mira wacht mit einem lauten Schrei auf. Sie liegt alleine im Bett und nimmt an, dass ihr Mann bereits zur Arbeit gegangen ist. Es wird ein schwieriger Tag. Ihre Mutter holt sie ab. Die beiden Frauen fahren gemeinsam zum Hafen. Auf einer Müllhalde liegt dort ein Schiffswrack, das etwas mit dem Tod des Vaters zu tun hat. Die Mutter befestigt einen Blumenstrauß an dem Wrack. Das hat sie anscheinend schon häufiger getan. Der Name des Schiffes: „Beth Saida“ – das Haus der Herrin. Miras Mann ist auch zum Abendbrot nicht zu Hause. Auf Anrufe reagiert er nicht. Für Mira beginnt in der kleinen Wohnung in der riesigen Hochhaussiedlung eine einsame und verwirrende Zeit.

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15.02.16 23:00

Berlinale 2016: REMAINDER von Omer Fast

Die Welt als Wille und Vorstellung

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Über den Unfall selbst kann er sehr wenig sagen, aber eines ist klar: Der Unfall hat sein Leben verändert. Etwas fiel vom Himmel, hat ihn getroffen und ihn zum Krüppel gemacht. Es hat ihn auch zu einem reichen Mann gemacht. Mit REMAINDER hat Omer Fast (Interview mit Omer Fast) den brillanten gleichnamigen Roman von Tom McCarthy verfilmt. Die Hauptfigur ist ein Mann ohne Namen (Tom Sturridge), der für seine Verletzungen 8,5 Millionen Pfund Entschädigung erhält und versucht, die Kontrolle über sein Leben wiederzugewinnen.

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14.02.16 20:30

Berlinale 2016: CONTINUITY von Omer Fast

Was ist, was war und was möglich ist

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Ein Ehepaar fährt im Auto, um seinen Sohn abzuholen. Was war da im Wald? War da was im Wald – ein Tier? Der Sohn wartet irgendwo an der Bundesstraße bei einer Bushaltestelle. Er trägt die Uniform der ISAF, der International Security Assistance Force in Afghanistan. Er war im Einsatz. War er im Einsatz und ist er der Sohn des Paares? Omer Fast (Interview mit Omer Fast) hat seinen Film von der documenta (13) erweitert: Genauer gesagt hat er ihn durch neu gedrehte Szenen von 41 auf 85 Minuten verlängert. Alle Szenen aus der 1. Version sind noch da, aber CONTINUITY 2016 ist ein völlig neuer Film im Vergleich zu CONTINUITY 2012. (Video der 40 Min-Version) Die Frage was im Film real und was innerhalb des Films bewusste Inszenierung der Eltern ist, stellt sich völlig neu. Und für diejenigen, die beide Versionen miteinander vergleichen können, eröffnet Fasts Fortschreibung des Films neue Möglichkeiten, die Regeln des Erzählens an sich neu zu interpretieren.

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Berlinale 2016: MIDNIGHT SPECIAL von Jeff Nichols

Schau mir nicht in die Augen, Kleiner

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Alton (Jaeden Lieberher) ist nur ein acht Jahre alter Junge, aber von einer Sekte wird jedes Wort, das er sagt, aufgeschrieben und gedeutet. Manchmal spricht Alton in Zungen, in bekannten oder unbekannten Sprachen. Der Sektenführer ist überzeugt: Die Interpretation von Altons Weissagungen künden vom Jüngsten Gericht und nur Altons Anwesenheit kann die Seelen der Gemeinde retten. Nun aber ist die Sekte in Not: Alton wurde entführt und die Agenten des FBI besetzen die Ranch der Sekte. Die Regierung hat auch von den ungewöhnlichen Fähigkeiten des Jungen und die NSA will die Prophezeiungen Altons und die Predigten des Sektenführers entschlüsseln. Als Ausgangspunkt für MIDNIGHT SPECIAL wählt Jeff Nichols also ein Szenario irgendwo zwischen Entführungsthriller und Science Fiction.

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12.02.16 23:00

Berlinale 2016: WAR ON EVERYONE von John Michael McDonagh

Cops & Drugs & Glen Campbell is all your brain and body need

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John Michael McDonagh entwickelt sich langsam aber sicher zu einer Art Elmore Leonard unter den Filmemachern. Auf THE GUARD der 2011 den Preis für den besten Debütfilm auf der Berlinale gewann, folgte der im Ton ernsthaftere Thriller CALVARY über einen Priester, der mit dem Tod bedroht wird. Mit WAR ON EVERYONE kehrt McDonagh wieder zur Formel des ebenso schwarzhumorigen wie gewalttätigen Copmovie zurück. Diese Cops sind Bob (Michael Peña) und Terry (Alexander Skarsgård). Das einzige, was sie zu Polizisten macht, sind ihre Dienstausweise und ihre Dienstwaffen. Zwar sind sie im Einsatz immer in akkuraten dreiteiligen Anzügen unterwegs – natürlich in einem makellosen Amischlitten der 70er Jahre – ansonsten sind weder Pantomimen noch Barbesitzer vor ihnen sicher: Sie sind immer auf der Suche nach guten Drogen und einem guten Geschäft und diese beiden Dinge lassen sich ja trefflich miteinander verbinden.

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Berlinale 2016: MAGGIE’S PLAN von Rebecca Miller

Sperma und anderer Kinderkram

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Maggie (Greta Gerwig) ist Uni-Dozentin in New York, Mitte 30 und will ein Kind. Dafür braucht sie keinen Mann, sondern Sperma. Das, so ihr Plan, soll ihr der bärtige Hipster Guy (Travis Fimmel) zu Verfügung stellen, der mit Essiggurken reich werden will. Doch dann trifft sie den Anthropologen und Möchtegern-Romanautor John (Ethan Hawke), der von seiner Frau (Julianne Moore) ziemlich untergebuttert wird, ein treusorgender Familienvater ist und in einer Schaffenskrise steckt. Eine klassische Komödienprämisse und tolle Schauspieler, aber leider kommt MAGGIE’S PLAN nie so wirklich auf Touren.

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10.02.16 10:04

Berlinale 2016: Berliner Filmorte im Internet besuchen

Interaktive Karte: Drehorte in Berlin 1930 bis 2015

Wimdu hat zur Berlinale 2016 eine interaktive Karte entwickelt, die Orte in Berlin zeigt, die in Filmen eine Rolle spielen oder an denen Filme gedreht worden: So zum Beispiel die S-Bahnbögen an der Bleibtreustraße in Bob Fosses CABARET von 1972 oder das Café Einstein in der Kurfürstenstraße, wo Quentin Tarantino in INGLORIOUS BASTERDS Hans Landa Strudel essen ließ. Die Orte sind klickbar und führen zu den Filmszenen oder Trailern.

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09.02.16 11:00

Berlinale 2016: Interview mit dem Regisseur Omer Fast

REMAINDER im Panorama, CONTINUITY im Forum Expanded

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Der israelische Regisseur Omer Fast.

Der Künstler und Filmemacher Omer Fast stellt bei der Berlinale 2016 zwei Filme vor (Screening-Zeiten). REMAINDER ist die Verfilmung des gleichnamigen Debütromans von Tom McCarthy. Der erste abendfüllende Spielfilm von Omer Fast läuft im Panorama. Außerdem stellt Fast im Forum Expanded eine neue, stark erweiterte Version von CONTINUITY vor. Dieser Film war Teil der documenta (13) im Jahr 2012. In Kassel wurde der Film in einer 41-minütigen Version gezeigt. Die Fassung, die jetzt auf der Berlinale gezeigt wird, ist über 80 Minuten lang. Der Regisseur hat dafür umfangreiches neues Material gedreht. Im Interview mit festivalblog sprach Omer Fast über seine beiden Filme und die Unterschiede zwischen der Kunstwelt und der Filmwelt.

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13.01.16 20:46

Berlinale Shorts 2016: 25 Kurzfilme im Wettbewerb

Filme von Gabriel Abrantes, Pimpaka Towira, Réka Bucsi, Ben Russell, Mahdi Fleifel, Christoph Girardet & Matthias Müller


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25 Kurzfilme aus 21 Ländern bewerben sich in diesem Jahr um den Goldenen und den Silbernen Bären in der Konkurrenz Berlinale Shorts. Außerdem werden eine Nominierung für den European Film Award und der mit 20.000 Euro dotierte Audi Short Film Award vergeben. Die Kurzfilmjury 2016 bilden die Kuratorin und Direktorin der Sharjah Biennale aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Sheikha Hoor Al-Qasimi, die griechische Kuratorin und Autorin Katerina Gregos und der israelische Filmemacher Avi Mograbi. Außer Konkurrenz wird außerdem LOS MURMULLOS von Rubén Gámez aus dem Jahr 1976 gezeigt.

11.12.15 15:13

Berlinale 2016: Erste Filme im Wettbewerb stehen fest

Die ersten fünf Filme, die sich bei der Berlinale 2016 um den Goldenen Bären bewerben, stehen fest: Es sind vier Spielfilme und ein Dokumentarfilm. Der amerikanische Regisseur stellt das Science-Fiction-Drama MIDNIGHT SPECIAL vor. Zu den Darstellern gehören Adam Driver, Kisten Dunst und Michael Shannon. Ebenfalls ins Rennen um die Bären geht die deutsch-französisch-britische Neuverfilmung von Hans Falladas Roman JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN. Regie führt der Schweizer Vincent Perez, es spielen Emma Thompson, Daniel Brühl und Brendan Gleeson.

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04.12.15 14:31

Berlinale 2016: HAIL, CESAR! eröffnet das Festival

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Der neue Film von Joel und Ethan Coen HAIL, CESAR! eröffnet die Berlinale am 11. Februar 2016. Der Film spielt am Set eines guten, alten Hollywood-Monumentalschinkens - weil es die Coen-Brothers sind, gehört auch eine Detektivgeschichte dazu. Unter den Darstellern sind Josh Brolin, George Clooney, Alden Ehrenreich, Ralph Fiennes, Jonah Hill, Scarlett Johansson, Frances McDormand, Tilda Swinton und Channing Tatum. Roger Deakins war für die Kamera verantwortlich, das könnte Oscarnominierung Nummer 13 werden, und die Filmmusik komponierte Carter Burwell. Nach THE BIG LEBOWSKI, der bei der Berlinale 1998 im Wettbewerb lief und dem Eröffnungsfilm von 2011 TRUE GRIT, kommen die Coens bei der 66. Auflage zum dritten Mal zum Festival. Kinostart in Deutschland ist am 18. Februar 2016.

20.11.15 15:12

Berlinale 2016: Retrospektive Deutschland 1966

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Quelle / Source: Deutsche Kinemathek, © Haro Senft

Die Retrospektive der 66. Internationalen Filmfestspiele Berlin widmet sich deutschen Filmen des Jahres 1966 aus dem Osten und dem Westen. Sie umfasst rund zwanzig Spiel- und Dokumentarfilme aus Kino und Fernsehen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Dazu gehören international ausgezeichnete Filme von Peter Schamoni, Volker Schlöndorff und Alexander Kluge und in der DDR von der DEFA produzierte aber vom 11. Plenums des Zentralkomitees SED verbotene Filme zum Beispiel von Egon Günther, Jürgen Böttcher und Herrmann Zschoche. Darüber hinaus mehr als dreißig kurze und mittellange Filme, wie sie für die Zeit typisch waren, in Filmprogrammen und als Vorfilme zu sehen sein.

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14.10.15 16:29

Meryl Streep Jury-Präsidentin der 66. Berlinale

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Die dreifache Oscar-Gewinnerin Meryl Streep wird Jury-Präsidentin der 66. Berlinale. Für Streep ist das eine Premiere: Sie saß noch nie bei einem internationalen Filmfestival in der Jury. Die Schauspielerin bekam 2012 den Goldenen Ehrenbären für Ihr Lebenswerk und nur wenige Tage nach der Berlinale ihren dritten Oscar für THE IRON LADY. 2014 und 2015 erhielt sie die Oscar-Nominierungen Nummer 18 und 19. Wer weiß, vielleicht bekommt Meryl Streep 2019 den Goldenen Ehrenbären zum 70. Geburtstag für das Lebenswerk reloaded.

Die Berlinale 2016 beginnt am 11. Februar.

17.02.15 13:24

Berlinale 2015: VICTORIA kommt in die amerikanischen Kinos

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Offensichtlich haben die Worte von Jury-Präsident Darren Aronovsky über VICTORIA "this film rocked my world and will rock audiences around the world" bei der Bärenverleihung für Aufmerksamkeit gesorgt. Wie das amerikanische Branchenmagazin Deadline meldet, hat der New Yorker Filmverleiher Adopt Films die US-Rechte des Films von Sebastian Schipper erworben und will den Film im Spätsommer oder Herbst 2015 in die amerikanischen Kinos bringen. VICTORIA-Kameramann Sturla Brandth Grøvlen wurde mit dem Silbernen Bären für seine "herausragende künstlerische Leistung" ausgezeichnet.

14.02.15 21:00

Berlinale 2015: Das sind die Bärengewinner

Goldener Bär für den Besten Film (für den Produzenten)
TAXI von Jafar Panahi

Silberner Bär für die Beste Darstellerin
Charlotte Rampling 45 YEARS

Silberner Bär für den Besten Darsteller
Tom Courtenay für 45 YEARS

Silberner Bär Großer Preis der Jury
EL CLUB von Pablo Larrain

Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet
IXCANUL von Jayro Bustamante

Silberner Bär für die Beste Regie
Radu Jude für AFERIM! und
Malgorzata Szumowska für BODY

Silberner Bär für das Beste Drehbuch
Patricio Guzman für EL BOTO DE NACAR

Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung aus den Kategorien Kamera, Schnitt, Musik, Kostüm oder Set-Design
Sturla Brandth Grøvlen (Kamera) in VICTORIA und
Alexey German jr., Ivgeni Privin (Kamera) UNDER ELECTRIC CLOUDS

13.02.15 22:31

BÄRENORAKEL

Wer sollte die Bären gewinnen. Nachdem ich 16 der 19 Filme gesehen habe, die im Wettbewerb in der Konkurrenz laufen - wie würde ich die Bären verteilen?


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Berlinale 2015: WHAT HAPPENED, MISS SIMONE? von Liz Garbus

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Nina Simone war eine der besten Jazz- und Bluessängerinnen aller Zeiten. Sie wurde in den Sechziger Jahren auch eine Ikone der Civil Rights Bewegung in den Vereinigten Staaten. „She was one of the greatest live performers ever, hands down“, sagt ihre Tochter Lisa Simone Kelly im Dokumentarfilm von Liz Garbus. Trotzdem war Nina Simone nicht das, was sie sein wollte: eine klassisch ausgebildete Pianistin, die die großen Werke klassischer Komponisten interpretiert. Bach ist der Komponist, den sie in Interviews nennt. „I wanted to play Bach.“ Und die Enttäuschung, dass sie damit kein Publikum fand, hört man sogar noch in den Interviews, die ein wichtiger Baustein des Films sind.

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Berlinale 2015: EISENSTEIN IN GUANAJUATO von Peter Greenaway

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Sergej Eisenstein scheiterte 1930 mit Filmprojekten in Hollywood und ging anschließend nach Mexiko, um das Revolutionsdrama Que Vivo Mexico? zu filmen. Financiers waren eine Gruppe von Privatleuten um den Upton Sinclair und seine Frau Mary. Der Film sollte eine Art Reisebericht werden. Peter Greenaway liefert eine fiktive und vor allem hoch subjektive Erzählung von Eisensteins Aufenthalt in Guanajuato vom 21. Bis 31. Oktober 1931. In diesen zehn Tagen dreht sich für den Regisseur alles um zwei Dinge, die Menschen von jeher beschäftigen: Sex und Tod.

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10.02.15 21:20

Berlinale 2015: POD ELECTRICHESKIMI OBLAKAMI (Under Electric Clouds) von Alexey German jr.

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POD ELECTRICHESKIMI OBLAKAMI ist kein Film, deshalb ist dies keine Filmkritik. Die 130 Leinwandminuten nutzt der Regisseur Alexey German jr. nicht um eine Geschichte zu erzählen, sondern lediglich, um eine Ansammlung von Metaphern, Symbolen und Konzepten vorzuführen, die in ihrer Plattheit und Fülle ermüdend sind. Die Handlung des Films ist keine Handlung, sondern nur die Behauptung einer Handlung. Die Charaktere des Films sind keine Charaktere, sondern Platzhalter, die hin- und hergeschoben werden. Die Dialoge sind keine Dialoge, sondern ein Generalbass in Form eines bedeutungsschwangeren Raunens ohne Bedeutung. Die Leinwandminuten summieren sich zu 130 Minuten verlorener Lebenszeit.

09.02.15 23:08

Berlinale 2015: EL CLUB von Pablo Larraín

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Vier Priester und die Nonne Schwester Monica leben in einem heruntergekommenen Haus in einem armseligen Kaff irgendwo an der chilenischen Küste. Drei der Priester trainieren einen Greyhound für Rennen. Der Hund ist schnell und hat schon einiges an Preisgeld gewonnen. Dann schickt die Kirche Priester Matias, der auch in das Haus einziehen soll. Als die Schwester dem Neuankömmling die Hausordnung vorliest und der wütend protestiert, wird deutlich: Die Mitglieder dieser Priester-WG haben sich schwerer Vergehen schuldig gemacht und wurden deshalb von der Kirche an diesen einsamen Ort geschickt.

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08.02.15 22:28

Berlinale 2015: VICTORIA von Sebastian Schipper

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Der Bass pumpt, das Stroboskoplicht blendet und Victoria (Laia Costa) tanzt. Victoria ist mitten drin am Berliner Nachtleben und wir auch – durch das Kameraauge von Sturla Brandth Grøvlen. In den nächsten 140 Minuten gibt es keinen Schnitt. Danach hat sich alles verändert für Victoria aus Madrid und die vier Berliner Mackertypen Sonne, Boxer, Blinker und Fuß. Die trifft Victoria morgens um vier vor dem Club und lässt sich von Sonne bequatschen, „real Berlin, we’ll show you“ zu erleben.

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06.02.15 18:45

Berlinale 2015: QUEEN OF THE DESERT von Werner Herzog

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Wer hätte das gedacht: Werner Herzog macht einen epischen Liebesfilm. Er macht das sehr gut. QUEEN OF THE DESERT ist unterhaltsam, gut erzählt und brillant gefilmt. „Watching a master tackling something new“, sagte Nebendarsteller James Franco in der Pressekonferenz zu seinen Erfahrungen beim Dreh. Die Königin der Wüste ist die englische Historikerin, Archäologin und Diplomatin Gertrude Bell (Nicole Kidman). Sie flieht Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Ödnis und der Enge des viktorianischen Englands in den Mittleren Osten.

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15.12.14 20:29

Berlinale 2015: Malicks KNIGHT OF CUPS im Wettbewerb

Die Berlinale hat die ersten Wettbewerbsfilme bekannt gegeben. Bären-Gewinner Terrence Malick zeigt seinen neusten Film KNIGHT OF CUPS. Die Hauptrolle spielt Christian Bale. In weiteren Rollen sind Cate Blanchett und Natalie Portman zu sehen. Die Produktionsfirma kündigt den Film mit der Tagline A man, temptations, celebrity, and excess an und gibt ansonsten nur preis, dass er im Movie Business spielt. Das macht Hoffnung, dass Malick nicht eine seiner versponnenen, pseudo-philosophischen Filmmeditationen in der Art von TREE OF LIFE vorlegt, sondern einen Film, der etwas mehr vom Hier und Jetzt handelt. Der KNIGHT OF CUPS ist eine Tarot-Karte, die den Ritter mit Pokal auf einem Schimmel zeigt. Ebenfalls im Wettbewerb starten die deutsch-französische Koproduktion ALS WIR TRÄUMTEN von Andreas Dresen und Peter Greenaways EINSTEIN IN GUANAJUATO.

15.02.14 16:03

MACONDO von Sudabeh Mortezai

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Ramasan (Ramasan Minkailov) ist elf Jahre alt. Vor sechs Jahren ist er mit seiner Mutter Aminat (Kheda Kazieva) und seinen beiden kleinen Schwestern aus Tschetschenien geflohen. Jetzt lebt er mit ihnen in einer Wohnanlage am Rand von Wien mit anderen Flüchtlingsfamilien. Ramasans Vater ist im Tschetschenienkrieg ums Leben gekommen. Fotos von ihm hängen wie in einer Art kleinem Schrein in der Wohnung der Familie, zusammen mit einem verzierten Krummsäbel. Dann taucht Isa (Aslan Elbiev) auf. Ein Freund des Vaters, der mit ihm im Krieg gekämpft hat. Bei sich hat er eine Uhr, die Ramasans Vater gehörte und ein Familienfoto.

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Panorama-Publikumspreise an DIFRET und DER KREIS

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Die Zuschauer haben entschieden: Der Panorama-Publikumspreis für den besten Spielfilm geht in diesem Jahr an DIFRET und der für die beste Dokumentation an DER KREIS. In DIFRET zeigt Regisseur Zeresenay Berhane Mehari die Geschichte der 14-jährigen Hirut. Sie wird, wie es Brauch ist, von der Familie ihres zukünftigen Bräutigams entführt. Sie wehrt sich und erschießt ihren zukünftigen Mann. Der Film hat vor einigen Wochen bereits den Publikumspreis beim Sundance Festival gewonnen. DER KREIS, die filmische Dokumentation von Stefan Haupt, blickt zurück auf die Geschichte der Schweizer Schwulenorganisation Der Kreis. Mitte der Fünfziger Jahre tritt der junge Lehrer Ernst Ostertag dem Interessenverband bei. Er lernt dort den Travestie-Star Röbi Rapp kennen und verliebt sich in ihn.

14.02.14 13:58

BOYHOOD von Richard Linklater

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von Tiziana Zugaro und Steffen Wagner

BOYHOOD von Richard Linklater ist ein einzigartiger Versuch: Die Langzeitbeobachtung einer Familie. Nicht als Dokumentation, das hat es schon öfter gegeben, sondern als Spielfilm. Im Zentrum steht der sechsjährige Mason (Ellar Coltrane). Mit seiner Mutter Olivia (Patricia Arquette) und seiner Schwester Sam (Lorelei Linklater) lebt er in einer Kleinstadt in Texas. Wir lernen Mason als verträumten Jungen kennen, der von seiner älteren Schwester bevormundet wird, sich aber, wenn es sein muss, gut wehren kann. Die Mutter hat sich schon vor längerer Zeit vom Vater Mason sr. (Ethan Hawke) getrennt. Linklater hat den Film über einen Zeitraum von zwölf Jahren mit seinem festen Schauspielerensemble gedreht. Mason und Sam wachsen also auf der Leinwand auf. Die dabei notwendigen Zeitsprünge inszeniert Linklater so geschickt, dass sie nicht als Brüche wahrnehmbar sind. Es entsteht ein Handlungsstrom, der uns über 164 Minuten nicht mehr loslässt.


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12.02.14 22:49

ALOFT von Claudia Llosa

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In ALOFT beginnt die Regisseurin Claudia Llosa, eine originelle Geschichte zu erzählen: Im Zentrum stehen der Wunsch nach Heilung und die Verzweiflung von unheilbar Kranken, die auf eine letzte Chance hoffen. Diese Chance verspricht ein „Architekt“ genannter Mann, der aus natürlichen Baumaterialen Kunstwerke schafft, die vermeintlich heilsame Fähigkeiten haben. Wenn die Geschichte zu Ende ist, versucht der entgeisterte Zuschauer, die Reste des ekelhaften Esoterikbreis, den Llosa angerührt hat, vom Teller zu kratzen und möglichst umweltgerecht zu entsorgen. Dieser Film ist unangenehm klebrig und liegt schwer im Magen.

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ZWISCHEN WELTEN (Inbetween Worlds) von Feo Aladag

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Dass die Wahrheit das erste Opfer des Krieges ist, ist ein Klischee. Ein Klischee muss ja nicht falsch sein. In Deutschland üben sich Politiker, Journalisten und die so angenehm anonyme Öffentlichkeit in Zeiten des Krieges gerne im Verschweigen und Beschönigen. Da hat es die Wahrheit auf jeden Fall nicht leicht. Das Wort Krieg zu Beispiel nehmen sie gar nicht gerne in den Mund, wenn sie darüber sprechen, was die Bundeswehr in Afghanistan tut oder, um einmal etwas genauer zu werden, was die 2.906 Männer und 202 Frauen tun, die momentan das deutsche Kontingent der International Security Assistance Force (ISAF) in Afghanistan und Usbekistan stellen. ZWISCHEN WELTEN zeigt den Alltag deutscher und afghanischer Soldaten – im Film treten nur Soldaten auf – die an einem Außenposten ein afghanisches Dorf vor den Taliban schützen sollen. Im Mittelpunkt stehen der deutsche Hauptmann Jesper (Ronald Zehrfeld) der afghanische Kommandant Haroon (Abdul Salam Yosofzai) und der junge afghanische Übersetzer Tarik (Mohsin Ahmady) und seine Schwester Nala (Saida Barmaki).

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11.02.14 16:22

KRAFTIDIOTEN (In Order of Disappearance) von Hans Petter Moland

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Norwegen – die Landschaft ist weiß, der Humor schwarz und ab und zu kommt noch der eine oder andere Liter rotes Blut hinzu. Mit KRAFTIDIOTEN beweist Hans Petter Moland einmal mehr, dass die Nordländer Genrekino einfach besser können. Hier die Story in einem Satz: Ein Vater rächt den Tod seines Sohnes mit einem Ein-Mann-Feldzug gegen die norwegische Drogenmafia. Aus dieser schlanken Storyline sollte man keineswegs schließen, dass der Film eindimensional ist. Weitere wichtige Themen, mit denen sich der Film auseinandersetzt, sind: gesunde Ernährung, Probleme des norwegischen Sorgerechts, Rassismus und die Vorzüge des norwegischen Wohlfahrtsstaates.

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10.02.14 10:04

HISTORIA DEL MIEDO (History of Fear) von Benjamin Naishtat

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Die Angst geht um in einer parkähnlichen eingezäunten Wohnanlage am Rande einer namenlosen Stadt irgendwo in Argentinien. Aber auch die Menschen, die in der Stadt wohnen, müssen mit einem ständigen Bedrohungsgefühl fertig werden. Der Sommer ist brütend heiß. Menschen verhalten sich seltsam. Vor allem – nichts funktioniert mehr so richtig: Der Lautsprecher des Hubschraubers, der zu Beginn der Films über die Stadt fliegt und die Menschen auffordert, die teils illegalen Siedlungen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu verlassen, setzt immer wieder aus. Alarmanlagen im bewachten Wohnpark fangen grundlos an zu heulen und Aufzüge bleiben immer wieder stecken. Es ist eindeutig: Hier rottet eine Gesellschaft langsam vor sich hin, alle misstrauen einander und niemand fühlt sich sicher.

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09.02.14 23:23

KREUZWEG von Dietrich Brüggemann

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Pater Weber bereitet Maria auf die Kommunion vor (Bild: Dietrich Brüggemann)

KREUZWEG ist ein Film der Strenge. Das wird schon deutlich bevor der eigentliche Film beginnt – beim Vorspann. In kleinen weißen kantigen Buchstaben taucht der Filmtitel auf dem ansonsten komplett schwarzen Hintergrund auf. Es gibt keine Musik, die Buchstaben bleiben unbewegt. Dann taucht genau so schlicht auf der Leinwand auf: „1. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt“. Der Kreuzweg kann beginnen. Nach diesem Auftakt ist die Begeisterung, die Pater Weber (Florian Stetter) für seinen Kommunionsunterricht fast eine Erleichterung, seine
Worte allerdings weniger: Er klagt über „dämonische Rhythmen“ und andere Versuchungen. Er warnt vor Oberflächlichkeit, dem Wunsch anderen zu gefallen und Hochmut. Seine Botschaft an die Kinder: Mit der Kommunion werden sie zu Erwachsenen und sollen als „Soldaten Jesu“ dienen, um Gottes Wort zu verbreiten und – „mit einem Lächeln“ andere auf sündhaftes Verhalten hinzuweisen. Maria (Lea van Acken) nimmt an diesem Kommunionsunterricht mit großem Ernst teil. Nach dem Unterricht bleibt sie als Einzige sitzen und fragt den Priester, was sie tun könne, um ihr ganzes Leben Jesus zu opfern.

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07.02.14 22:30

JACK von Edward Berger

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Jack und Manuel auf der Suche nach ihrer Mutter (Foto: Jens Harant)

Jack (Ivo Pietzcker) ist zehn Jahre alt. Jack ist nicht nur intelligent, sondern auch gut organisiert und vor allem beharrlich. Jack hat gar keine andere Wahl. Denn er muss etwas tun, was Kinder normalerweise nicht tun müssen: Für Struktur und Normalität im Leben sorgen. Das macht Jack übrigens nicht nur für sich selbst, sondern auch für seinen kleinen Bruder Manuel (Georg Arms), der vielleicht halb so alt ist wie er selbst. Sanna (Luise Heyer), die Mutter von Jack und Manuel ist eine circa Endzwanzigerin, die irgendwann den Faden in ihrem Leben verloren hat, wenn sie ihn denn je in der Hand hatte. Sie ist unfähig Verantwortung für sich oder gar ihre Söhne zu übernehmen und sie hat keinerlei Vorstellung davon, was ihr Verhalten für Konsequenzen hat. Seinen Vater hat Jack nie kennengelernt. Unter diesen Bedingungen versucht Jack, so etwas wie ein Familienleben für seinen Bruder und sich zu schaffen, aber die Hindernisse werden immer größer.

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06.02.14 22:50

THE GRAND BUDAPEST HOTEL von Wes Anderson

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Wes Anderson ist ein Ausstattungsfetischist. Er baut seine eigenen kleinen Welten: Alle Details sind gut überlegt und schaffen die Atmosphäre in der Wes Andersons Helden und Anti-Helden ihre absurden Abenteuer erleben. Die Welt, das ist in seinem neuen Film vor allem das Grand Budapest Hotel im schönen osteuropäischen Land Zubrowka, idyllisch in den Bergen gelegen aber leider ziemlich heruntergekommen,. Wir schreiben das Jahr 1985. Dann machen wir einen Zeitsprung nach hinten ins Jahr 1932 und gehen mit dem Concierge Monsieur Gustave H. (Ralph Fiennes) und dem frisch eingestellten Hotelpagen Zero Moustafa (Tony Revolori) auf eine Reise durch das 20. Jahrhundert. Dabei trotzen sie dem Krieg und versuchen einen ganz besonderen Schatz vor einer Reihe der erstaunlichsten Bösewichter zu retten, die die Filmgeschichte gesehen hat.

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05.02.14 11:52

Berlinale 2014: Ein erster Blick ins GRAND BUDAPEST HOTEL

Einmal werden wir noch wach, dann eröffnet Wes Andersons neuer Film THE GRAND BUDAPEST HOTEL die Berlinale 2014. Hier der Trailer zum Film:

15.01.14 13:21

Linklaters BOYHOOD im Wettbewerb der Berlinale 2014

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Ellar Coltrane in BOYHOOD: 12 Jahre Leben in 164 Minuten

Richard Linklaters Langzeit-Filmprojekt BOYHOOD hat im Wettbewerb der Berlinale 2014 seine internationale Premiere und nimmt an der Konkurrenz um den Goldenen Bären teil. BOYHOOD folgt dem Leben eines Jungen im Alter von sechs bis 18 Jahren. Seit dem Beginn des Projekts im Jahr 2002 drehte Linklater in jedem Jahr, um die Geschichte von Mason, dargestellt von Ellar Coltrane, und seiner Familie zu erzählen. Masons Eltern werden gespielt von Patricia Arquette und Ethan Hawke. Die Tochter von Richard Linklater Lorelei übernimmt die Rolle der älteren Schwester Samantha.

20.12.13 12:22

Berlinale 2014: NYMPHOMANIAC VOL. 1 in der Langversion

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Stacy Martin und Shia LaBeouf in NYMPHOMANIAC VOL. 1 (Foto: Christian Geisnaes)

Die Langversion von Lars von Triers neuem Film NYMPHOMANIAC VOL. 1 wird auf der Berlinale 2014 als Weltpremiere gezeigt. Sie ist 330 Minuten lang. Nach Angaben von von Triers Produktionsfirma Zentropa wird das das einzige Screening der Langversion sein, bis später im Jahr 2014 die Langversion von NYMPHOMANIAC VOL. 2 Premiere hat. NYMPHOMANIAC VOL. 1 erzählt in acht Kapiteln die sexuelle Biographie einer Fünfzigjährigen, gespielt von Charlotte Gainsbourg. In weiteren Rollen sind Stellan Skarsgård, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Christian Slater, Jamie Bell, Uma Thurman und Willem Dafoe zu sehen. Udo Kier spielt einen Kellner.

Eine kürzere Version von NYMPHOMANIAC VOL. 1 hat am 25. Dezember in Dänemark Premiere. Der Kinostart der Kurzversion in weiteren Ländern folgt in den kommenden Monaten. Die verschiedenen Kurztrailer und Filmposter haben schon vor dem Start für eine Diskussion darüber gesorgt, ob es sich bei dem Film um Pornographie handelt.

08.11.13 16:20

Berlinale 2014: THE MONUMENTS MEN im offiziellen Programm

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Nicht der Eröffnungsfilm, aber immerhin die internationale Premiere: Die Berlinale 2014 präsentiert George Clooneys THE MONUMENTS MEN im Rahmen des offiziellen Programms, allerdings erst nach der Uraufführung, die in den USA am 7. Februar läuft – sonst hätte sich das Festival mit einer Weltpremiere schmücken können. Clooney ist nicht nur Regisseur und Darsteller, sondern hat gemeinsam mit Grant Heslov auch das Drehbuch verfasst. THE MONUMENTS MEN basiert auf dem Roman von Robert M. Edsel und Bret Witter, der die Geschichte eine Spezialeinheit der Alliierten erzählt, die im Zweiten Weltkrieg auf die Jagd nach von den Nazis gestohlenen Kunstwerken ging. Neben Clooney stehen unter anderem Cate Blanchett, Matt Damon, John Goodman und Jean Dujardin vor der Kamera.

05.11.13 16:10

Berlinale 2014: Wes Andersons THE GRAND BUDAPEST HOTEL steht als Eröffnungsfilm fest

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Paul Schlase, Tony Revolori, Tilda Swinton und Ralph Fiennes in THE GRAND BUDAPEST HOTEL (Fox Searchlight)

Die Weltpremiere von Wes Andersons THE GRAND BUDAPEST HOTEL eröffnet am 6. Februar 2014 die 64. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Hauptdarsteller der britisch-deutschen Koproduktion sind Ralph Fiennes und Tony Revolori. Zum Ensemble gehören außerdem F. Murray Abraham, Mathieu Amalric, Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law, Bill Murray, Edward Norton, Saoirse Ronan, Jason Schwartzman, Tilda Swinton, Léa Seydoux, Tom Wilkinson und Owen Wilson.

Der Film erzählt die Geschichte des Concierge des Grand Hotels zwischen den Weltkriegen um wurde zum großen Teil in Görlitz und im Studio Babelsberg gedreht. Die Rolle des Hotels übernahm unter anderem das alte Görlitzer Kaufhaus.

Damit ist meine Vorhersage von THE MONUMENTS MEN als Berlinale Opener geplatzt. Ich lasse mich nicht verdrießen und sage: Dann haben wir eben THE GRAND BUDAPEST HOTEL als Eröffnungsfilm und die Monuments Men und Women George Clooney und Cate Blanchett kommen auch noch. Görlitz ist auf jeden Fall schon ein Gewinner der Berlinale.

27.10.13 19:02

Berlinale 2014: Gute Chancen für Monuments Men-Premiere

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Matt Damon und George Clooney in THE MONUMENTS MEN (Columbia Pictures/Sony)

Sony hat gerade den Start von THE MONUMENTS MEN, George Clooneys neuer Regiearbeit, von Mitte Dezember auf den 7. Februar verschoben. Damit steigen die Chancen auf eine Berlinale-Premiere. Die Berlinale beginnt 2014 am 6. Februar. Eine Weltpremiere in Berlin würde bestens zur Story über die amerikanische Einheit passen, die im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland kommt, um geraubte Kunstschätze zu finden und zu retten. Der Film wurde unter anderem in Berlin, Potsdam, Görlitz und an mehreren Orten im Harz gedreht. Clooney stand dabei nicht nur hinter, sondern auch vor der Kamera. Weitere Rollen spielen Cate Blanchett, Matt Damon, John Goodman und Bill Murray. Wer nimmt eine Wette an, dass THE MONUMENTS MEN der Eröffnungsfilm der Berlinale 2014 wird?

20.02.13 17:44

Interview mit Sebastian Mez - Regisseur von METAMORPHOSEN

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Der herausragende Film der diesjährigen Perspektive Deutsches Kino war der Dokumentarfilm METAMORPHOSEN von Sebastian Mez. Mez konfrontiert den Zuschauer mit den Folgen eines Ereignisses, das schon mehr als ein halbes Jahrhundert zurückliegt: Die Explosion in der damals sowjetischen, heute russischen Nuklearfabrik Majak. Am 29. September 1957 explodierte in der Anlage, in der waffenfähiges Plutonium angereichert wurde, ein großer Tank mit stark radioaktiver Flüssigkeit. Mez spricht mit den Menschen, die heute noch in unmittelbarer Nachbarschaft der Fabrik leben. Gerade weil er seinen Film nicht als investigative Recherche anlegt, werden die Auswirkungen und Verheerungen durch den Nuklearunfall umso spürbarer. Festivalblog hat ein Interview mit dem Regisseur geführt.

War Dir schon von Anfang an klar, wie Du den Film gestalten wolltest? In schwarz-weiß, keine klassische Interviewsituationen etc.
Immer wenn ich ein Thema habe, was mich interessiert und was zu mir passt, mache ich mir von Beginn an Gedanken über die filmische Form. Im Vordergrund steht die Frage: Welche Form ist angemessen für das Thema? Im Fall von METAMORPHOSEN war von Anfang an die Aufgabe, etwas, was nicht sichtbar und überhaupt nicht konkret ist, in Bilder umzusetzen. Insofern war schnell für mich klar, dass ich mit Artifizierung arbeite. Gleichzeitig wollte ich mit dem zeitlosen Charakter des Films arbeiten. Das Unglück in Majak ist vor mehr als 50 Jahren passiert, damals wäre der Film aktuell gewesen. Er wird aber in 100 Jahren noch genauso aktuell sein, weil der Ort, von dem der Film handelt, für immer radioaktiv verseucht ist.

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15.02.13 20:00

EINZELKÄMPFER von Sandra Kaudelka

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EINZELKÄMPFER heißt Sandra Kaudelkas Dokumentarfilm über die vier Spitzenathleten Brita Baldus, Udo Beyer, Ines Geipel und Marita Koch. Alle vier Sportler waren in der DDR erfolgreich, Beyer und Koch holten Olympisches Gold im Kugelstoßen beziehungsweise im 400-Meter-Lauf. Trotzdem sind die Geschichten der Sportler verschieden: Beyer und Koch waren Stars, Koch sogar schlicht die beste 400-Meter-Läuferin aller Zeiten. Die Sprinterin Ines Geipel dagegen wollte sich 1984 aus der DDR absetzen. Diese Pläne aber wurden an die Stasi verraten, so dass sie von einem Tag auf den anderen aus dem Leistungssport ausgeschlossen wurde. Die Wasserspringerin Brita Baldus wiederum holte ihre größten Erfolge nach der Wiedervereinigung: Sie wurde Dritte bei den Weltmeisterschaften 1991 und bei den Olympischen Spielen 1992. 1991 und 1993 wurde sie Europameisterin vom Drei-Meter-Brett. Einen Titel, den sie schon 1983 für die DDR geholt hatte. Sie alle haben auch heute ganz verschiedene Meinungen zum Leistungssport und den Unterschieden zwischen damaliger DDR und dem heutigen Deutschland.

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14.02.13 20:54

ZWEI MÜTTER von Anna Zohra Berrached

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Zwei Frauen lieben sich, leben zusammen und wollen ein gemeinsamen Kind haben. Das ist kein Problem. Das ist kein Problem? Es ist ein Problem! Jedenfalls für den deutschen Gesetzgeber und deshalb auch für die Frauen. Genau davon handelt der Film ZWEI MÜTTER von Anna Zohra Berrached. Konkret gesagt: Er handelt von dem Problem Sperma zu bekommen sowie eine professionelle Inseminationsbehandlung und von den finanziellen Belastungen und dem psychologischen Stress, wenn es Monate oder Jahre dauert bis zur erfolgreichen Befruchtung.

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13.02.13 21:00

PRINCE AVALANCHE von David Gordon Green

Alvin (Paul Rudd) hat einen etwas seltsamen Sommerjob angenommen. Er lässt Frau und Tochter zurück und arbeitet als Straßenarbeiter auf einem ländlichen Highway irgendwo in den Wäldern, die Monate zuvor von Bränden verwüstet wurden. Obwohl er die Einsamkeit sucht, ist er nicht allein: Als Hilfsarbeiter hat er Lance (Emile Hirsch) engagiert den jungen, einfältigen Bruder seiner Frau, der in der Einsamkeit des Waldes eigentlich immer nur an Frauen, genauer gesagt an Sex, denkt. Dieses ungleiche Paar verbringt die Sommerwochen damit, den Mittelstreifen neu zu zeichnen und Begrenzungspfeile einzuschlagen. Die Männer reden und streiten viel miteinander. Alvin fragt sich mehr als einmal, ob Lance nicht vielleicht doch geistig etwas zurückgeblieben ist. Dann stehen beide aus ganz unterschiedlichen Gründen plötzlich vor einer ernsten Lebenskrise.

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SIDE EFFECTS von Steven Soderbergh

Es ist ein glücklicher Tag für Emily (Rooney Mara): Ihr Mann Martin (Channing Tatum) hat seine vierjährige Haftstrafe für Insidertrading abgesessen und kommt wieder nach Hause. Doch Emily ist von der Situation völlig überfordert. Sie hat auf einer Party einen Nervenzusammenbruch, gibt im Parkhaus plötzlich Vollgas und fährt ungebremst frontal gegen die Mauer. Als sie dann im letzten Moment in der U-Bahn daran gehindert wird, vor einen Zug zu springen, hilft ihr der smarte Psychiater Dr. Banks (Jude Law) mit einem neuen Antidepressivum. Doch die Nebenwirkungen sind heftig: Emily beginnt zu schlafwandeln. Wenig später ist ein Mensch tot und Emily, Dr. Banks und alle anderen werden in einen bizarren Mordfall hineingezogen.

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12.02.13 21:00

ENDZEIT von Sebastian Fritzsch

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Dann ist das Unfassbare wirklich passiert: Ein Komet ist eingeschlagen. Als sie noch ein kleines Mädchen war. Sie hat überlebt, ihre Eltern nicht. Wenige haben überlebt. Jetzt ist das kleine Mädchen von einst eine junge Frau. Sie schlägt sich allein durch. Sie hat gelernt Fallen zu legen oder sich Vorräte aus leerstehenden Häusern zu besorgen. Sie folgt ihrem Instinkt. Andere Menschen sind für sie zunächst einmal genauso Gegner wie Wölfe. Dann trifft sie einen Mann. Sie muss entscheiden, ob er Freund ist oder Feind. ENDZEIT von Sebastian Fritzsch nach einem Drehbuch von Georg Tiefenbach erzählt eine Geschichte nach der Apokalypse.

In der Post-Apokalypse von ENDZEIT sind die Menschen in vielerlei Hinsicht in eine Art Naturzustand zurückgefallen: Sie haben keine Namen, sie misstrauen einander, sie kooperieren nur dann, wenn es ihnen nützt. ENDZEIT ist eine Art soziales Experiment: Fünf Menschen sind es irgendwann, die vom Schutz und von den Vorräten eines einsamen Gehöfts mitten in den Bergen profitieren wollen. Ob sie das schaffen oder nicht, ob sie zusammenbleiben oder doch nach einer unbekannten Stadt jenseits des Gebirgskamms suchen, die vielleicht nur ein imaginärer Sehnsuchtsort ist? Von diesen Fragen handelt der Film, dem es gut gelingt die paranoide Endzeitstimmung zu kreieren, die schon soviele Vertreter dieses Genres ausgezeichnet hat. Endzeit ist ein schauspielerisch und handwerklich überzeugender Film, der aber dem Thema keine neuen Seiten abgewinnt.

METAMORPHOSEN von Sebastian Mez

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Am 29. September 1957 explodierte in der damals sowjetischen, heute russischen Nuklearfabrik Majak, in der waffenfähiges Plutonium angereichert wurde, ein großer Tank mit stark radioaktiver Flüssigkeit. Mehr als 50 Jahre später geht Sebastian Mez mit Kamera und Mikrofon im nahe gelegenen Dorf Musljumowo auf Spurensuche. In ruhigen Einstellungen filmt er die karge Winterlandschaft und lässt die Menschen reden, die dort leben – Dorfbewohner, keine Funktionäre, keine Politiker. Die Alten erinnern sich immer noch gut an den Unglückstag und seine schrecklichen Folgen. Auch die jüngeren wissen, dass sie den Auswirkungen des Unglücks selbst Jahrzehnte später nicht entkommen können. METAMORPHOSEN beweist, dass beim Film gerade die Konzentration auf wesentliche filmische Mittel eine hohe ästhetische Wirkung erzeugen kann. Eine noch größere Leistung des Filmemachers ist es, seinen Dokumentarfilm nicht zur Faktenschlacht zu machen. So informiert er eindringlich über die Konsequenzen des Unglücks, ohne den Zuschauern mit Daten oder technischen Details zu überhäufen. METAMORPHOSEN ist der mit Abstand beste Film der Perspektive 2013. Ohne jeden Zweifel wäre das Forum die angemessene Sektion für diesen Film gewesen. Auch hier wäre er positiv aufgefallen.

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11.02.13 23:11

LAYLA FOURIE von Pia Marais

„Du sollst nicht Lügen“, so ermahnen Eltern ihre Kinder. Layla (Rayna Campbell) ist alleinerziehende Mutter, lebt mit ihrem Sohn in Johannesburg und bewirbt sich erfolgreich um einen neuen Job: Sie wird für eine Firma arbeiten, die Lügendetektortests durchführt. Das Aufspüren von Lügen wird in Zukunft also zu ihrer Profession. Doch bevor sie überhaupt bei ihrem ersten Mandantenangekommen ist, verschuldet sie bei einem Unfall den Tod eines Mannes und steht nun selbst vor der Entscheidung: Sage ich die Wahrheit oder verschweige sie? Pia Marais inszeniert ihr Drama um Aufrichtigkeit und Lüge und die Folgen von moralischem oder unmoralischem Handeln als klassischen Thriller.

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DeAD von Sven Halfar

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Patrick hat seinen „Erzeuger“ nie kennengelernt, weil der sich schon vor der Geburt aus dem Staub gemacht hat. Als er Ende 20 ist, bringt sich seine Mutter um. Patrick selbst entdeckt sie. Sie hat sich erhängt. Nach der Beerdigung findet er Informationen über seinen Vater und macht sich gemeinsam mit seinem Kumpel Elmer auf die Suche. DeAD klingt wie ganz schwere Kost, Familientragödie eben. Allerdings sind die beiden mit einem amerikanischen Oldtimercabrio unterwegs und haben einen Hang zu rabulistischem Irrsinn und narzisstischen Rachegelüsten. So wird aus der Aufarbeitung des gestörten Vater-Sohn-Verhältnis eine schwarze Komödie mit einem guten Schuss detailverliebter Perversität
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In ihren besten Momenten ist der Film von Sven Halfar eine wahnwitzige Mischung aus FUNNY GAMES, DAS FEST und von Tarrantino infizierter Freude an stilisierter Gewalt. Das düstere Duo sucht den runden Geburtstag des Vaters mit einer ganz eigenen Art von sadistischem Charme heim. Schicht für Schicht legen sie die Schwachstellen der feiernden Familie bloß und lassen nach und nach die Gewalt mit mordlüsterner Höflichkeit eskalieren. Das Filmteam und die Darsteller kreieren mit Lust am Wahnwitz und in übersteigerter B-Movie-Ästhetik einige grandiose Szenen. Letztlich gelingt der Film nicht in allen Passagen, weil nicht alle Figuren überzeugen. Aber trotzdem lohnt das Gucken für den, der Spaß am Makaberen, an der Übertreibung und am Geschmacklosen hat.

10.02.13 17:34

GLORIA von Sebastián Lelio

Gloria ist älter als 50. In der Auftaktszene ist alleine in einem Tanzlokal und macht einen etwas schüchternen Eindruck. Wenn sie jemanden anspricht, erzählt sie sofort von ihrer schon lange zurückliegenden Scheidung. Zack! Schon habe ich als erfahrener Kinogänger Gloria in eine Schublade gepackt: Gloria ist eine einsame, frustrierte Frau, die verunsichert ist und nach Sinn im Leben sucht. Nun, meine Beschränktheit und meine Vorurteile sind mein ganz persönliches Problem, darüber hinaus habe ich Glück: GLORIA von Sebastián Lelio ist kein deutscher Film mit den üblichen Problemhorizonten, sondern ein chilenischer Film. So entsteht eine lebendige, nuancierte Geschichte, die konsequent aus der Perspektive der Protagonistin erzählt wird. Hauptdarstellerin Paulina Garcia gibt Gloria soviel Emotion und Echtheit, dass schon nach einer Viertelstunde klar wird: GLORIA ist auch ein Glücksfall für diese Berlinale.

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A SINGLE SHOT von David M. Rosenthal

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In A SINGLE SHOT wird weit mehr als ein einziger Schuss abgefeuert. Doch es ist dieser eine Schuss gleich zu Beginn des Films, der John Moon einerseits in einen Strudel der Schuldgefühle hinabreißt, ihm aber andererseits die große Chance auf einen Ausweg aus seinem verunglückten Leben eröffnet. Denn in den Bergen irgendwo in den USA ist John der größte Loser in einem gottverlassenen Kaff, das eigentlich nur Verlierer kennt. Sein Vater hat vor Jahren die Familienfarm verloren, John wird einen Job nach dem anderen los und nun ist seine Frau mit dem gemeinsamen Sohn aus dem verrotteten Trailer am Waldrand ausgezogen und will die Scheidung. A SINGLE SHOT ist ein klassischer Thriller mit einer ganz besonders dunklen Geschichte um Schicksal, Schuld und eskalierende Gewalt.

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09.02.13 17:00

ASSISTANCE MORTELLE (Fatal Assistence) von Raoul Peck

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Viele Leute reden mit, wenn es um Hilfe für Haiti geht. Bild: Velvet Flim.

Am 12. Januar 2010 bebte in Haiti die Erde. Etwa 250.000 Menschen starben, rund 1,2 Millionen Menschen verloren Ihr Zuhause und wurden obdachlos - das alles bei einer Gesamtbevölkerung von knapp zehn Millionen. Ausnahmsweise einmal war Hilfe nicht weit: Die weltweite Spendenbereitschaft von Menschen, Unternehmen und Institutionen war immens, die großen internationalen Hilfsorganisationen waren schnell vor Ort, um Soforthilfe zu leisten. Unter dem Motto „Towards a New Future for Haiti“ trafen sich am 31. März 2010 über 150 Staaten und zahlreiche internationale Organisationen im UN-Hauptquartier in New York zu einer Geberkonferenz. Die Teilnehmer machten Spendenzusagen von mehr mehr als neun Millarden US-Dollar, davon mehr als fünf Milliarden allein für die Jahre 2010 und 2011. Zur Koordinierung wurde die Haiti Recovery Commission (IHRC) ins Leben gerufen. „We look forward with hope to a future for Haiti in which the damage from the earthquake has been mended … and all the women and men of Haiti enjoy opportunity, security, prosperity, and peace.”, heißt es stolz im letzten Absatz des offiziellen Communiqués. Von den vielen guten Absichten, den geplatzten Pläne, dem Idealismus, dem Unvermögen, dem unermüdlichen Einsatz und vor allem von der wütenden Enttäuschung über den schieren organisatorischen Wahnsinn erzählt Raoul Pecks ASSISTANCE MORTELLE (FATAL ASSISTENCE).

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08.02.13 21:00

FREIER FALL von Stephan Lacant

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Marc und Kay kurz bevor der freie Fall beginnt. Bild: Sten Mende, kurhaus production

Bereitschaftspolizist, also Beamter, verheiratet – Kind ist unterwegs – und der Einzug in die Doppelhaushälfte in unmittelbarer Nähe der Schwiegereltern und von Schwägerin und Schwager läuft gerade. Wie es für Marc bis zur Pensionierung weitergeht, steht fest. Noch vorgezeichneter kann ein Lebensweg gar nicht sein. Doch dann lernt Marc auf einem Polizeilehrgang Kay kennen und schnell kippt dieses Leben ins Ungewisse.

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06.02.13 9:00

Das Highlight in der Perspektive: METAMORPHOSEN

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Musljumowo mehr als 50 Jahre nach der Katastrophe, Quelle: Berlinale.

Der herausragende Film der diesjährigen Perspektive Deutsches Kino ist ein Dokumentarfilm: METAMORPHOSEN von Sebastian Mez. Mez konfrontiert den Zuschauer mit den Folgen eines Ereignisses, das schon mehr als ein halbes Jahrhundert zurückliegt: Die Explosion in der damals sowjetischen, heute russischen Nuklearfabrik Majak. Am 29. September 1957 explodierte in der Anlage, in der waffenfähiges Plutonium angereichert wurde, ein großer Tank mit stark radioaktiver Flüssigkeit. METAMORPHOSEN beschäftigt sich nicht mit Technik, versucht keine komplizierten Erklärungen. Mez filmt mit großer Ruhe und langen Einstellungen im nahen Dorf Musljumowo. Und er lässt Menschen sprechen. Mit diesem einfachen Rezept gelingt eine inhaltlich und ästhetisch sehr beeindruckende Dokumentation. Weil solche Filme bei der Berlinale viel zu oft übersehen werden, hier gleich die Aufführungsdaten: Der Film hat seine Premiere am Montag, 11. Februar, um 19.30 Uhr im Cinemaxx 3 und wird am Dienstag, 12. Februar, zweimal gezeigt - um 13 Uhr im Colosseum und um 20.30 Uhr im Cinemaxx 1.

METAMORPHOSEN sticht aus einem guten Perspektive-Jahrgang mit vielen handwerklich ansprechenden und thematisch interessanten Filmen hervor. Nur zwei Filme, die eher im essayistisch-experimientellen Bereich angesiedelt sind, fallen stark ab. Ein besonderer Tipp bei den Spielfilmen ist FREIER FALL von Stephan Lacant mit Hanno Koffler, Max Riemelt und Katharina Schüttler in den Hauptrollen. FREIER FALL erzählt eine spannende Beziehungs-Geschichte zweier Polizisten und einer Frau. Ebenfalls überzeugend ist bei den Spielfilmen ENDZEIT von Sebastian Fritzsch. Der Titel gibt hier das Thema vor: Es geht um das Überleben nach der großen Katastrophe. Wer es gerne bizarr mag und mit den Filmen von Quentin Tarrantino etwas anfangen kann, sollte es mit DeAD von Sven Halfar versuchen. Mich hat der Film nicht vollkommen überzeugt, aber er hat viele gute Einfälle und eine ganze Reihe von überraschenden Szenen für die Freundinnen und Freunde brutal-heiterer Geschmacklosigkeiten.

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02.02.13 9:00

Berlinale Classics zeigt Meisterwerke in restaurierten Fassungen

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Marlon Brando in ON THE WATERFRONT, Bild: Deutsche Kinemathek, Sony Pictures/Park Circus.

Berlinale Classics heißt eine neue Untersektion der Retrospektive, in der die Berlinale in Zukunft wiederentdeckte und aufwendig restaurierte Fassungen von Filmklassiker zeigen wird. In diesem Jahr werden fünf Filme gezeigt. Unter den fünf Kinodiamanten funkelt ON THE WATERFRONT (Die Faust im Nacken) von Elia Kazan ganz besonders. Die amerikanische Produktion von 1954 wurde mit acht Oscars ausgezeichnet: unter anderem als Bester Film, Marlon Brando als Bester Hauptdarsteller, Kazan für die Beste Regie und Budd Schulberg für das Beste Drehbuch. Die Story um Terry Malloy und den Kampf gegen korrupte Gewerkschaftsbosse erlebt als Welterstaufführung ihre Leinwandpremiere in der digital restaurierten Fassung im 4k-Format.

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31.01.13 9:00

Filmgespräche bei der Berlinale Special

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Wenn Entwicklungshilfe tötet: Assistance Mortelle von Raoul Peck, Bild: Velvet Film)

Auch 2013 wird es zu einigen Filmen des Berlinale Special nach den Vorstellungen moderierte Gespräche geben. Veranstaltungsort für dieses Format ist erneut das Haus der Berliner Festspiele, namhafte Regisseure werden hier ihre jüngsten Filme vorstellen und diskutieren. Ken Loach wirft in THE SPIRIT OF '45 einen Blick auf das Großbritannien der Nachkriegszeit und spürt dem damaligen neuen Geist des Sozialismus nach.

Auch Dokumentationen nehmen bei den Filmgesprächen einen breiten Raum ein. Raoul Peck dokumentiert in ASSISTANCE MORTELLE die Auswirkungen des Charity-Rummels nach den Erdbeben auf Haiti. Zwei Dokumentarfilme über die Paralympics zeigen die Wertschätzung des Unterschieds: GOLD - DU KANNST MEHR ALS DU DENKST von Michael Hammon und MEIN WEG NACH OLYMPIA von Niko von Glasow. Außerdem thematisiert UNTER MENSCHEN von Christian Rost und Claus Strigel die Folgen von Tierversuchen

Mit Jane Campions Mehrteiler TOP OF THE LAKE präsentiert das Berlinale Special 2013darüber hinaus wie bereits gemeldet eine außergewöhnliche TV-Produktion.

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29.01.13 10:08

Gar nicht mal so interessant: Die Berlinale-Pressekonferenz

„Das ist wie beim 22. Parteitag der KPdSU, hier oben sitzen immer dieselben“, sagte Berlinale-Direktor Dieter Kosslick zur Eröffnung der Berlinale Pressekonferenz. Vermutlich war der 22. Parteitag der KPdSU am 17. Oktober 1961 sogar etwas interessanter als diese Berlinale-Pressekonferenz, schließlich hatte die DDR gut zwei Monate zuvor mit dem Bau der Berliner Mauer begonnen und die Welt war knapp an einem heißen Krieg vorbeigeschrammt. Immerhin hatte Kosslick genau eine interessante Nachricht zu verkünden: die Zusammensetzung der Jury. Die besteht ja zum Glück jedes Jahr aus anderen Gesichtern.

Die Sektionsleiter sagen dann das, was schon in den Pressemitteilungen stand, die in den vergangenen Wochen verschickt wurden, oder das, was in den Presseunterlagen steht, die ohnehin schon alle vor Langeweile beim Warten durchgeblättert haben. Halt! Eine Nachricht gab es noch: In der Berlinale-Pressestelle gibt es eine neue Mitarbeiterin, die Marlene Dietrich heißt. Über sowas lachen Journalistinnen und Journalisten gerne (sie haben's auch nicht leicht) und Marlene Dietrich wird von einem Dutzend Fotografen mit Dieter Kosslick fotografiert.

27.01.13 9:00

27 Filme im Rennen um den Preis Bester Erstlingsfilm

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Diesen Viewfinder erhält der Regisseur des besten Erstlingsfilms neben dem Preisgeld (Bild: Ali Ghandtschi, Berlinale)

Seit 2006 vergibt die Berlinale einen Preis für das beste Spielfilmdebüt. Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert und wird von der Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten (GWFF) gestiftet. Das Geld teilen sich Regisseur und Produzent. Der Preis wird sektionsübergreifend an einen Debütfilm aus den Sektionen Wettbewerb, Panorama, Forum, Generation oder der Perspektive Deutsches Kino vergeben. In diesem Jahr bewerben sich insgesamt 27 Filme um die Auszeichnung, darunter auch der kasachisch-deutsche Wettbewerbsbeitrag UROKI GARMONII (Harmony lessons) von Emir Baigazin. Hinzu kommen acht Bewerber aus dem Forum, sieben aus der Reihe Generation, sechs aus dem Panorama und fünf Filme aus der Perspektive Deutsches Kino.

Über die Vergabe des Preises für den besten Erstlingsfilm entscheidet eine dreiköpfige Jury. Das sind in diesem Jahr der Drehbuchautor und Regisseur Oren Moverman, der auf der Berlinale 2009 für sein eigenes Regiedebüt THE MESSENGER den Silbernen Bären erhielt, der Regisseur Taika Waititi, Gewinner des Großen Preis des Deutschen Kinderhilfswerks bei der Berlinale 2010 für BOY und die Dokumentarfilmerin Lucy Walker. Sie gewann mit nur fünf Filmen mehr als 50 Preise und wurde sowohl für WASTE LAND als auch für THE TSUNAMI AND THE CHERRY BLOSSOM für den Oscar nominiert.

24.01.13 8:00

Panorama dokumente mit Schwerpunkt Naher Osten bei der Berlinale 2013

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(ALAM LAYSA LANA von Mahdi Feifel, Quelle: Berlinale)

Einen besonderen Schwerpunkt setzt Panorama dokumente in diesem Jahr auf den Nahen Osten. Drei Filme beschäftigen sich mit den Konflikten in dieser Region. In ALAM LAYSA LANA (A World Not Ours) von Mahdi Feifel beschäftigt sich der dänischen Regisseur mit drei Generationen in einem palästinensischen Flüchtlingslager im Süd-Libanon. ART/VIOLENCE von Udi Aloni, Batoul Taleb, Mariam Abu Khaled zeigt, wie die Schüler des 2011 ermordeten palästinensisch-jüdischen Schauspielers, Regisseurs und Friedensaktivisten Juliano Mer-Khamis das Freedom Theatre weiterführen. Schließlich dokumentiert Dan Settons STATE 194 die Bemühungen der palästinensischen Gebiete, als 194. Staat von den Vereinten Nationen anerkannt zu werden.

Eine ganz andere Seite der Region zeigt die Filmemacherin Mitra Farahani in FIFI AZ KHOSHHALI ZOOZE MIKESHAD (Fifi is Howling from Happiness) mit Ihrem Portrait des iranischen Künstlers Bahman Mohassess. Seine meist nackten Bronzefiguren mit deutlich betonten Phalli erregten schon zu Zeiten des Schahs Anstoß, und seine Werke wurden vielfach zensiert. Nach der Revolution verlor sich seine Spur, es hieß, er hätte seine restlichen Bilder selbst zerstört und sei verschwunden. Mitra Farahani findet Mohassess in einem Hotel bei Rom. Sie will Mohassess bei der bildnerischen Arbeit filmen und lernt zwei iranische Sammler kennen, die bei ihm ein neues Werk in Auftrag geben.

22.01.13 9:00

Neue Reihe mit indigenem Kino bei der Berlinale 2013

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(NGATI von Barry Barclay, Quelle: New Zealand Film Commission)

Eine neue Reihe startet die Berlinale 2013 unter dem Titel „NATIVe – A Journey into Indigenous Cinema“. Die Reihe widmet sich den filmischen Erzählungen indigener Völker und beginnt in ihrem ersten Jahr mit einem territorialen Fokus auf Filme aus Ozeanien, Australien, Nordamerika und der Arktis. Das Programm zeigt in 24 Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilmen wegweisendes indigenes Kino der vergangenen 50 Jahre. Feierlich eröffnet wird die Sonderreihe mit dem preisgekrönten Spielfilm ATANARJUAT THE FAST RUNNER von Inuit-Regisseur Zacharias Kunuk am 8. Februar im Haus der Berliner Festspiele.
Das Projekt entstand mit großer Unterstützung eines internationalen, indigenen Beraterteams, das unter anderem das Filmprogramm mitkuratiert hat. Das gesamte Beraterteam kommt zu Berlinale nach Berlin.

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21.01.13 17:28

Mockumentary Festival am 27. Januar im Sputnik Berlin

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Wer vor der Berlinale schon mal in Festivalstimmung möchte, kann das am kommenden Sonntag, 27. Januar, tun: beim Mockumentary Festival im Sputnik Kino in den Höfen am Südstern, Hasenheide 64. Der AV Club Wedding zeigt drei Mockumentaries, die auch Rockumentaries sind. Los geht es um 18.15 Uhr mit dem kanadischen Film HARD CORE LOGO über die Renunion der gleichnamigen Punk Band und ihren charismatischen Sänger Joe Dick. Weiter geht es um 20 Uhr mit dem Kraftwerk-Spoof FRAKTUS der im vergangenen Jahr von den Hamburger Studio Braun-Machern ersonnen wurde. Und der Höhepunkt ist ab 22 Uhr die Mutter aller Mockumentaries THIS IS SPINAL TAP. Ja, ich weiß, vorher gab's schon THE RUTLES, aber THIS IS SPINAL TAP ist besser. Der Eintritt ist frei!

18.01.13 21:49

Berlinale 2013: In der Bärenkonkurrenz starten 19 Filme

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Im Wettbewerb der 63. Berlinale konkurrieren 19 Filme um den goldenen und die silbernen Bären, fünf weitere Filme laufen zwar formal im Rahmen des Wettbewerbs aber außer Konkurrenz. Auch der Eröffnungsfilm der Berlinale YI DAI ZONG SHI (The Grandmaster) von Jurypräsident Wong Kar Wai, die Geschichte über Bruce Lees Lehrmeister Ip Man, nimmt nicht am Rennen um die Auszeichnungen teil. Um die Bären bewerben sich aber als Weltpremieren die neuen Filme von Regisseuren wie Jafar Panahi PARDE (Closed Curtain), Danis Tanovic EPIZODA U ŽIVOTU BERAČA ŽELJEZA (An Episode in the Life of an Iron Picker), Ulrich Seidl PARADIES: HOFFNUNG und Thomas Arslan GOLD.

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16.01.13 8:00

Berlinale 2013: 31 Spielfilme in Panorama und Panorama Special

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(Jeroen Willems in BOVEN IS HET STIL, Bild: Victor Arnolds)

31 Spielfilme aus 23 Ländern zeigt die Berlinale 2013 im Panorama-Hauptprogramm und in der Nebensektion Panorama Special. Unter den zuletzt hinzugekommenen Werken sind zwölf Weltpremieren. Dazu gehört der Eröffnungsfilm von Panorama Special Nanouk Leopolds niederländisch-deutsche Ko-Produktion BOVEN IS HET STIL (Oben ist es atill). Er zeigt den 2012 verstorbenen niederländischen Schauspieler Jeroen Willems in seiner letzten Rolle.

Das Panorama-Hauptprogramm eröffnet das Regiedebüt des Georgiers Zaza Rusadze CHEMI SABNIS NAKETSI (Eine Falte in meiner Bettdecke). Rusadze wurde 1996 als jüngster Student im Studiengang Regie an der Potsdamer HFF "Konrad Wolf" angenommen. 2003 machte Rusadze seinen Abschluss und gründete 2007 seine eigene Filmproduktionsfirma. Vor seinem Regiedebüt arbeitete er als Regieassistent für Ineke Smits, Dito Tsintsadze und Otar Ioseliani.

15.01.13 8:00

Berlinale goes Kiez 2013: Festivalfilme im Kino um die Ecke

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Quelle Berlinale

Die Berlinale zieht auch 2013 wieder durch die Stadt und gastiert in folgenden sieben Programmkinos für jeweils einen Abend: Bundesplatz-Kino (Wilmersdorf), fsk Kino am Oranienplatz (Kreuzberg), Neues Off (Neukölln), Odeon (Schöneberg), Tilsiter Lichtspiele (Friedrichshain), Kino Toni & Tonino (Weißensee) sowie in den Thalia Programm Kinos (Potsdam-Babelsberg). Den Auftakt von "Berlinale Goes Kiez" machen am Sonnabend, 9. Februar, die vier jüngsten Werke der Langzeitdokumentation Berlin - Ecke Bundesplatz. Die Dokumentarfilme feiern ihrem Thema angemessen Premiere im Bundesplatz-Kino. Das vollständige Programm von "Berlinale Goes Kiez" steht Ende Januar fest.

Vom 9. Februar bis zum 15. Februar präsentiert das Festival an jeweils einer zusätzlichen Spielstätte ausgewählte Filme aus dem Berlinale-Programm. Wie bei der Berlinale üblich stellen die Filmteams ihre Werke auch im Kiez persönlich vor, diskutieren im Anschluss an die Vorführung mit den Gästen über ihre Filme und stehen für Fragen zur Verfügung.

13.01.13 8:00

Prämierte deutsche Filme am Kinotag der Berlinale 2013

Am Berlinale-Kinotag, dem 17. Februar 2013, präsentiert die Perspektive Deutsches Kino wie schon im vergangenen Jahr ausgezeichnete deutsche Filme: Das Berlinale-Publikum kann den Gewinner des Spielfilmwettbewerbs "Max Ophüls Preis 2013" sehen. Dieser Preis wird am 27. Januar in Saarbrücken verliehen. Hinzu kommen der elfminütigen Dokumentarfilm-Gewinner des "First Steps Award 2012" REALITY 2.0 (Regie: Victor Orozco Ramirez) und ANATOMIE DES WEGGEHENS (Regie: Serban Oliver Tataru), der ebenfalls für den Preis nominiert war.

10.01.13 8:00

Berlinale 2013 - Berlinale-Ehrenbär für Claude Lanzmann

Die Berlinale 2013 ehrt den französischen Dokumentarfilm-Regisseur und Produzenten Claude Lanzmann mit einer Hommage und verleiht ihm den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk. "Claude Lanzmann ist einer der großen Dokumentaristen. In seiner Darstellung von Unmenschlichkeit und Gewalt, von Antisemitismus und seinen Folgen hat er eine neue filmische wie ethische Auseinandersetzung geschaffen. Wir fühlen uns geehrt, ihn ehren zu dürfen", sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.

Lanzmanns bekanntester Film ist SHOAH aus dem Jahr 1985, eine neuneinhalbstündige Dokumentation über den Völkermord an den europäischen Juden, die ohne Archivaufnahmen auskommt und vor allem mit zahlreichen Interviews mit Opfern und Tätern arbeitet. Im Rahmen der Hommage wird auf der Berlinale 2013 in einer Erstaufführung die restaurierte und digitalisierte Fassung von SHOAH gezeigt.

09.01.13 8:00

Berlinale 2013 - Retrospektive: The Weimar Touch

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Die Berlinale-Retrospektive 2013 zeigt unter dem Titel "The Weimar Touch" 33 Filme, die vom deutschen Kino der Weimarer Republik beeinflusst wurden. In den Jahren von 1918 bis 1933 entwickelte sich der Film in Deutschland zur Kunstform. Die deutschen Studios Ufa und Decla produzierten Filme von Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau oder G.W. Pabst, die heute zu den Klassikern gehören. Die Reihe ist in den fünf Kapiteln „Rhythm and Laughter“, „‚Unheimlich‘ – The Dark Side“, „Light and Shadow“, „Variations“ und „Know Your Enemy“ strukturiert. Kuratiert wurde die diesjährige Retrospektive gemeinsam von der Deutschen Kinemathek und dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMA). Im April wird die gesamte Filmreihe dann auch in New York laufen.

Das Kapitel des Weimarer Kinos wurde durch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933, die Aussetzung der Grundrechte durch Verordnungen des Reichspräsidenten im Februar und durch die Gründung des "Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda" nach den Neuwahlen im März brutal beendet. Die deutsche Filmindustrie wurde "gleichgeschaltet". Die Filmschaffenden, denen es gelang zu emigrieren, entwickelten ihre Arbeit im Ausland weiter. Genau diesem internationalen Einfluss des Weimarer Kinos widmet sich die Retrospektive der Berlinale 2013.

08.01.13 15:00

Berlinale-Plakat 2013: Infantile Bärenfixierung

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(Quelle: Berlinale, Gestaltung Agentur Boros)

Das Berlinale-Plakat 2012 war schlimm, das Berlinale-Plakat 2013 ist schlimmer. (Wer vergleichen möchte, schaue hier.) Es muss mal wieder der Bär her, schnarch. Wie lange hat die Agentur Boros wohl gebraucht, um aus dem 2012er-Plakat das für 2013 zu machen? 20 Minuten oder doch eher eine halbe Stunde? Die himmelblauen Hintergrundbärchen haben ins Gras gebissen und die Bonbon-Farbe ist dafür in den Schriftzug gewandert. So ist der Bär peinlich berührt im Anschnitt erstarrt. Flüchten kann er nicht, weil man ihm die Beine abgeschnitten hat.

Hört mal zu Grafiker: Dieses Bärending, das kann man auch überstrapazieren, capisce? Meister Petz taucht im Logo auf, reicht das nicht? Lasst Euch doch mal was Neues einfallen Borosianer! Das hat doch beim Plakat 2011 auch prima geklappt - sehr retro, aber schön. Ist es nicht schon schlimm genug, dass die Wortspielkünstler von der textenden Zunft auch in diesem Jahr wieder ständig von der "Bärlinale" schreiben werden, wenn nichts Anderes mehr hilft?

Berlinale mit elf Filmen in der Perspektive Deutsches Kino

Der deutsche Filmnachwuchs präsentiert sich auf der Berlinale 2013 in der Perspektive Deutsches Kino mit elf Beiträgen. Das Programm der Perspektive umfasst in diesem Jahr sechs Spielfilme, drei Dokumentarfilme und zwei sogenannte mittellange Filme mit einer Länge unter 50 Minuten.

Die Beiträge der Perspektive Deutsches Kino bei der Berlinale 2013:
CHIRALIA von Santiago Gil (mittellanger Film)
DeAD von Sven Halfar
DIE MIT DEM BAUCH TANZEN (Dancing with Bellies) von Carolin Genreith (Dokumentarfilm)
EINZELKÄMPFER (I Will Not Lose) von Sandra Kaudelka (Dokumentarfilm)
ENDZEIT (End of Time) von Sebastian Fritzsch
FREIER FALL (Free Fall) von Stephan Lacant
KALIFORNIA von Laura Mahlberg (mittellanger Film)
METAMORPHOSEN von Sebastian Mez (Dokumentarfilm)
SILVI von Nico Sommer
DIE WIEDERGÄNGER (The Revenants) von Andreas Bolm
ZWEI MÜTTER (Two Mothers) von Anne Zohra Berrached

18.02.12 12:49

Panorama-Publikumspreise für MARINA ABRAMOVIC THE ARTIST IS PRESENT und PARADA

Mathew Akers MARINA ABRAMOVIC THE ARTIST IS PRESENT erhält den Panorama-Publikumspreis 2012 für den besten Dokumentarfilm 2012. Bei den Spielfilmen siegte PARADA (The Parade) von Srdjan Dragojevic. Über die Preisträger entschieden rund 24.000 Berlinalezuschauer mit Stimmzetteln. Der Preis wird seit 1999 vergeben. Die Preise werden morgen um 17 Uhr im Cinemaxx7 vergeben, anschließend werden die Siegerfilme gezeigt.

16.02.12 20:51

DIE LAGE von Thomas Heise

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Er kommt. Seine Heiligkeit kommt. Der Heilige Vater kommt. Der Papst kommt, beziehungsweise er kam – am 23. September 2011 nach Thüringen. In DIE LAGE beschäftigt sich Thomas Heise filmisch mit den Vorbereitungen am Flugplatz und am Erfurter Dom, aber er dreht auch während des Besuchs selbst. Heise zeigt in ruhigen Bildern, wie eine sehr präzise Inszenierungsmaschine anläuft, die durch detaillierte Planung die Grundlage für ein kollektives Erlebnis schaffen soll.

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WESTERLAND von Tim Staffel

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Jesús ist ein junger Mann, der Aufmerksamkeit um jeden Preis will, dazu inszeniert er nur zur gerne die eigene Lebenskrise. Er ist ein unerschöpfliches Reservoir von negativer Energie. Und von dieser Energie wird Cem magisch angezogen. Es ist die alte Geschichte von den Gegensätzen, die sich anziehen, die Tim Staffel in der Verfilmung seines eigenen Romans auf die Leinwand bringt: Jesús der völlig ziellose, stets bekiffte Egomane, der lügt und betrügt, um sich auch nur den kleinsten Vorteil zu verschaffen und Cem, der beim Ordnungsamt arbeitet, das Abitur an der Abendschule nachmacht und studieren will. Aus einer zufälligen Begegnung entwickelt sich eine Beziehung, die immer mehr in den selbstzerstörerischen Irrsinn abdriftet.

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15.02.12 19:00

NUCLEAR NATION von Funahashi Atsushi

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Am 11. März 2011 zerstören die Fluten des Tsunami 90 Prozent der Gebäude der japanischen Kleinstadt von Futuba, eine Stadt mit rund 7.500 Einwohnern. Futuba liegt direkt neben dem Atomkraftwerk Fukushima mit seinen insgesamt sechs Reaktorblöcken. In den Morgenstunden des 12. März kommt es im ersten Block zu Kernschmelze. Um 10.09 Uhr, meldet die Betreiberfirma TEPCO das Austreten von Nuklear kontaminiertem Dampf. Futuba liegt vollständig in der Zone, die daraufhin evakuiert wird. Der Filmemacher Funahashi Atsushi liest, dass in der Zeitung, dass mehr als 1.400 Einwohner in einer Schule untergebracht werde, die eineinhalb Stunden von Tokio entfernt liegt. Er beschließt, jeden Tag zu der Notunterkunft zu fahren. Er beginnt, die Evakuierten zu interviewen und auch zu filmen. Erst nur vor dem Gebäude, einige Wochen später bekommt er auch eine Drehgenehmigung. Aus Diesen Gesprächen wird für Atsushi ein Langzeitprojekt. Selbst die 145 Minuten von NUCLEAR NATION sind erst ein Zwischenergebnis. 145 Minuten sind eine lange Zeit für gerade für einen Dokumentarfilm, aber keine einzige Minute davon ist langweilig: Wir erfahren viel, nicht nur über persönliche Schicksale oder die zum Teil grotesken Verhältnisse in denen die Menschen in dieser Schule leben, sondern auch über organisatorisches Versagen und Hilflosigkeit derer, die immer versichert haben, dass die Risiken der Atomkraft beherrschbar sind.

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14.02.12 21:40

DIE VERMISSTEN von Jan Speckenbach

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Lothar hat seine Tochter seit langem nicht mehr gesehen. Dann ruft seine Ex-Frau an: Das Mädchen ist verschwunden – und nicht nur sie: Überall in Deutschland verschwinden Kinder, spurlos, niemand weiß wohin. Das Land gerät langsam in Panik. Kinder und Jugendliche dürfen sich nicht mehr alleine auf der Straße aufhalten. Weil ihm die Polizei nicht helfen kann, macht sich Lothar auf eigene Faust auf die Suche nach seiner Tochter.

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TAGE IN DER STADT von Janis Mazuch

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Nach 13 Jahren kommt Nina aus dem Gefängnis. Sie findet eine Wohnung und eine, wenn auch mies bezahlte, Arbeit. Aber sie hat Angst, wieder Kontakt zu ihrer Tochter Anne Kontakt aufzunehmen. Ihr Bruder hilft ihr zwar zu Beginn – aber eine emotionale Verbindung findet Nina auch zu ihm nicht.

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TRATTORIA von Soleen Jusef

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Bosse ist ein recht liebenswerter Kleinkrimineller, dem eine Trattoria gehört, in der es erstaunlich gutes Essen gibt. In den Geschäften der Umgebung pflegt Bosse Schutzgelderpressung auf die väterlich-gemütliche Art. Mit der Gemütlichkeit ist es vorbei, als Ganovenkonkurrenz im Kiez auftaucht und zu allem Überfluss auch noch seine 19-jährige Tochter anruft – die beiden haben sich noch nie gesehen – und vom Tod seiner Ex-Frau berichtet.

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SOMETIMES WE SIT AND THINK... von Julian Pörksen

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Peter ist 50. Er ist gesund und macht einen zufriedenen und ausgeglichenen Eindruck. Peter hat einen Plan gefasst: Er möchte seine restlichen Lebensjahre in einem Alten- und Pflegeheim verbringen. Aus dieser Prämisse hat Autor und Regisseur Julian Pörksen mit SOMETIMES WE SIT AND THINK AND SOMETIMES WE JUST SIT einen gut halbstündigen Film gemacht, der nicht nur komisch ist, sondern auch sehr aufschlussreich. Denn alle, mit denen Peter zu tun hat – sein Sohn, der Pfleger, die Leiterin des Altenheims und der Arzt, sind sich einig: Das Heim ist kein guter Ort zum Leben – jedenfalls nicht für einen Menschen, dem es so gut geht wie Peter.

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12.02.12 21:00

THIS AIN’T CALIFORNIA von Marten Persiel

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Die DDR in den 80er Jahren: Der Sozialismus kurz vor dem Ableben, ein Staat der nicht nur wirtschaftlich, sondern auch moralisch bankrott ist, geführt von einer Partei, die jeden Realitätsbezug verloren hat – ansonsten Frust und Langeweile. Stop! Hier kommt die Subkultur. THIS AIN’T CALIFORNIA zeigt eine ganz andere Seite des Arbeiter- und Bauernstaats. Skateboards, Breakbeats und Dekadenz am Alex. Und das alles, bevor die Mauer fiel.

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11.02.12 10:00

Annekatrin Hendel gewinnt „Made in Germany – Förderpreis Perspektive“

Im Rahmen der Eröffnung der Perspektive Deutsches Kino wurde gestern der „Made in Germany – Förderpreis Perspektive“ zum ersten Mal vergeben. Annekatrin Hendel ist mit ihrem Treatment zum Dokumentarfilm DISKO die erste Preisträgerin der neuen Talentförderinitiative für junge deutsche Regisseure. Mit einem Stipendium von 15.000 EURO, gestiftet vom sächsischen Uhrenhersteller Glashütte Original, wird die Regisseurin bei der Projekt-, Stoff- und Drehbuchentwicklung unterstützt.

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10.02.12 19:30

MAN FOR A DAY von Katarina Peters

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Man nehme Watte und ein Kondom

Männer weinen heimlich und Männer brauchen viel Zärtlichkeit – das wissen wir ja alle. Aber wann jetzt ein Mann ein ein Mann ist, das wissen weder Mann noch Frau so ganz genau, es sei denn, sie sind so stumpf, sich bei der Definition auf die primären Geschlechtsmerkmale zu beschränken. Und um alles noch komplizierter zu machen: Wann ist eine Frau ein Mann? Antworten auf diese und noch viel interessantere Fragen gibt Katarina Peters in ihrer Dokumentation MAN FOR A DAY: Die Performancekünstlerin Diane Torr gibt Frauen in einem Workshop in Berlin Anleitung zum Mannsein.

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GEGEN MORGEN von Joachim Schönfeld

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Wagner (Axel Buchholz) und Zippolt (Axel Sichrovsky) sind Polizisten. In Joachim Schönfelds Film GEGEN MORGEN sollen sie gemeinsam darauf achten, dass dem Mädchenmörder Siegfried (Christoph Grunert) nichts passiert. Der ist aufgrund eines Verfahrensfehlers freigesprochen worden und sitzt jetzt in seiner Berliner Wohnung. In der Nachbarschaft ist er nicht besonders beliebt. Deswegen hocken Wagner und Zippolt jetzt im Auto und starren den lieben langen Tag auf Siegfrieds Balkon. Wagner sieht den Sinn nicht. Denn es kommt nie eine Ablösung, wenn die Bewacher Feierabend machen. Aber irgendwo ist Wagner das auch egal. Er sitzt im Auto, schweigt und lässt sich von seinem Kollegen zuquatschen. Zuhause hört Wagner Opern – Wagner – während sein Verdruss am Leben immer größer wird.

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07.02.12 20:40

Generationskonflikte und Beziehungsdramen in der Perspektive

Konflikte mit oft auch abwesenden Eltern oder Beziehungsthemen sind die Themenschwerpunkte für die 13 Beiträge der Perspektive Deutsches Kino – acht Spiel- und fünf Dokumentarfilme wurden aus fast 300 eingereichten ausgewählt. Mein Fazit ist positiv: Anders als in den vergangenen Jahren, gibt es keine heftigen Ausreißer nach unten. Bei den Spielfilmen sind meine Empfehlungen KARAMAN von Tamer Yigit und Branka Prlic und GEGEN MORGEN von Joachim Schoenfeld. Bei den Dokus lohnen sich besonders der Eröffnungsfilm MAN FOR A DAY von Katarina Peters und die vielleicht doch nicht ganz echte aber faszinierende Doku THIS AIN’T CALIFORNIA von Marten Persiel. Ein ganz großes Highlight ist darüber hinaus der mittellang Spielfilm SOMETIMES WE SIT AND THINK AND SOMETIMES WE JUST SIT von Julian Pörksen.

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01.02.12 8:55

Berlinale Countdown: A BOUT DE SOUFFLE (Berlinale 2010)

Ganz ruhig, ganz ruhig – einfach tief durchatmen. Ein und aus und ein und aus: Pffffffft. Es hilft einfach nichts. Jean Seberg ist auf der Leinwand und das führt unweigerlich zur Schnappatmung beim männlichen Teil des Publikums, sogar noch bei der Aufführung von À BOUT DE SOUFFLE im Berlinale-Jubiläumsjahr 2010. Für den weiblichen Teil gibt es immerhin einen jungen Jean-Paul Belmondo mit nacktem Oberkörper – in der Hinsicht gab es 1960 leider noch keine Gleichberechtigung (seufz!).

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24.01.12 21:08

Sieben Berlinale-Filme für zehn Oscars nominiert

Sieben Beiträge der Berlinale 2011 und 2012 sind im Rennen um die am 26. Februar von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences vergebenen Oscars. Insgesamt erhielten die Berlinale-Filme zehn Nominierungen in verschiedenen Kategorien. Gleich für zwei Oscars nominiert wurde der Gewinner des Goldenen Bären von 2011 JODAEIYE NADER AZ SIMIN (Nader and Simin, A Separation). Der Film von Asghar Farhadi bewirbt sich nicht nur um den Oscar als bester fremdsprachiger Film, Fahrhadi ist außerdem noch als Autor des besten Original Drehbuchs nominiert.

Bei der Auszeichnung für den besten fremdsprächigen Film konkurriert der iranische Wettbewerbsbeitrag von 2011 mit dem belgischen Film RUNDSKOP (Bullhead) der im vergangenen Jahr im Panorama lief. Ein weiteres Highlight für die Berlinale: Der 2011er Wettbewerbsbeitrag PINA von Wim Wenders erhielt eine Nominierung in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“.
Hier eine komplette Liste der nominierten Berlinale-Teilnehmer:

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23.01.12 19:01

Perspektive zeigt den Ophüls-Gewinner MICHAEL zum Abschluss

Wie schon im vergangenen Jahr wird die Perspektive Deutsches Kino auf der Berlinale 2012 den Gewinner des Saarbrücker Filmfestivals "Max Ophüls Preis" als Abschlussfilm am 19. Februar zeigen. Mit dem Preis wurde am Wochenende MICHAEL des österreichischen Regisseurs Markus Schleinzer ausgezeichnet. Der Hauptdarsteller des Films, Michael Fuith, der einen Pädophilen spielt, der einen Jungen gefangen hält, bekam zudem mit den Preis als bester Nachwuchsdarsteller.

Berlinale Countdown:
BLOODY SUNDAY von Paul Greengrass (2002)

Das große Berlinale-Mantra ist ja das „Wir sind ein politisches Festival!“. Manchmal hat diese etwas eitle Selbstbeschreibung auch etwas mit der Realität zu tun. BLOODY SUNDAY von Paul Greengrass ist ein politischer Film, noch besser – er ist ein politischer Film, der aufklärt, ohne ideologisch einseitig zu sein und dabei auch noch spannend ist. Der Siegerfilm von 2002, der sich mit der Tötung von 13 unschuldigen Zivilisten am 30. Januar 1972 im nordirischen Derry – die Menschen in Derry sprechen von 14 – durch britische Fallschirmjäger auseinandersetzt, ragt nicht nur über die Berlinalegewinner seit dem Jahr 2000 heraus.

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BLOODY SUNDAY von Paul Greengrass (2002) " »

22.01.12 20:23

42. Forum der Berlinale: Soziales, politisches, menschliches Kino

Das 42. Forum der Berlinale zeigt insgesamt 38 Filme im Hauptprogramm, davon 26 als Weltpremiere und weitere acht als internationale Erstaufführungen. Neben zahlreichen Filmen des europäischen Kinos zum Beispiel aus Frankreich, den Niederlanden, Österreich, Polen, Russland, Rumänien, Schweden, Spanien, der Tschechische Republik und der Türkei sind Produktionen aus allen Teilen der Welt vertreten. Auch der Nahe Osten, der noch mehr als in den vergangenen Jahren die politische Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist mit mehreren Produktionen vertreten.

Im Mittelpunkt des jordanischen Spielfilms AL JUMA AL AKHEIRA (The Last Friday) von Yahya Alabdallah steht ein Taxifahrer in Amman, der versucht, neue Ordnung in sein schwieriges Leben zu bringen. Der Dokumentarfilm BAGRUT LOCHAMIM (Soldier / Citizen) konfrontiert die Zuschauer mit den unversöhnlichen Ansichten junger Israelis. Mani Haghighis Spielfilm PAZIRAIE SADEH (Modest Reception) dagegen erzählt von einem reichen Paar, das in der iranischen Provinz Plastiksäcke voller Geld verteilt.

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21.01.12 20:02

Queere Geschichte und Geschichten in Panorama Dokumente

Queere Sichtweisen zeigen sich in Filmen aus den USA, Uganda, Indonesien und Deutschland in der Reihe Panorama Dokumente der Berlinale 2012. Im Portraitfilm VITO von Jeffrey Schwarz steht der amerikanische Aktivist und Filmhistoriker Vito Russo im Mittelpunkt. 1983 hielt Russo seinen heute berühmten Vortrag „The Celluloid Closet“ im Panorama, damals „Info-Schau“. Auf dem daraus entstandenen Buch, dem Standardwerk queerer Filmgeschichte, basierte der gleichnamige Film von Rob Epstein und Jeffrey Friedman, der 1996 den TEDDY Award gewann.

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Naher Osten ein Schwerpunkt von Panorama Dokumente

Eröffnungsfilm der Panorama Dokumente der Berlinale 2012 ist THE RELUCTANT REVOLUTIONARY des Briten Sean McAllister, in dem ein jemenitischer Touristenführer beginnt, sich mit den politischen Veränderungen in seinem Land auseinanderzusetzen. Insgesamt zeigt die Sektion in diesem Jahr 19 Dokumentarfilme, die den Blick vor allem auf politische und soziale Themen werfen. Aktuell stehen 18 Beiträge der Panorama Dokumente bereits fest, darunter sind 13 Weltpremieren.
Wie der Eröffnungsfilm haben auch andere Beiträge der Reihe den „arabischen Frühling“ zum Thema: In WORDS OF WITNESS befragt von Mai Iskander eine junge Journalistin Passanten in Kairo über ihre Meinung zur Parlamentswahl, während die Dokumentation IN THE SHADOW OF A MAN der Regisseurin Hanan Abdalla die Sicht der Frauen auf die Ereignisse zeigt. Ein ganz anderes soziales Phänomen steht dagegen im Mittelpunkt von LA VIERGE, LES COPTES ET MOI: Eine vermeintlichen Marienerscheinung in einem von christlichen Kopten bewohnten Dorf in Ägypten.

17.01.12 8:55

Berlinale Countdown:
THE BIG LEBOWSKI vonEthan Coen und Joel Coen (1998)

Ok, ich gebe es ja zu -ich habe THE BIG LEBOWSKI nicht auf der Berlinale im Februar 1998 gesehen, sondern im Münchner Kino Türkendolch im März 1998, immerhin in der Originalversion. Auf der Berlinale hatte der Film im Wettbewerb nicht für Aufsehen gesorgt und natürlich hatte er keinen Preis gewonnen. Humor auf der Berlinale, das ist ohnehin ein schwieriges Thema. Außerdem wette ich, dass Jury, Kritiker und Publikum ähnlich verwirrt aus dem Kino gekommen sind, wie ich.

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THE BIG LEBOWSKI vonEthan Coen und Joel Coen (1998) " »

16.01.12 8:55

Berlinale Countdown:
THE PEOPLE VS. LARRY FLYNT von Miloš Forman (1997)

Von den Goldener-Bär-Gewinnern hört man nie wieder was! Die kommen nicht einmal ins Kino! Nöl! Nöl! Nöl! Yada, yada, yada! Die Leier trifft jedenfalls auf den Siegerfilm von 1997 nicht zu. THE PEOPLE VS. LARRY FLYNT von Miloš Forman spielte zwar nicht besonders viel Geld ein. Der Film über das Leben von Pornoverleger Larry Flynt, seine Gerichtsprozesse und schließlich das Attentat, das ihn zum Rollstuhlfahrer machte, entfachte eine lebhafte Diskussion über Pornographie und Redefreiheit, die auch die Politik in den USA beschäftigte. Wer hätte das gedacht: Bei der Berlinale gewinnen Filme, die spannend, unterhaltsam UND politisch sind.

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THE PEOPLE VS. LARRY FLYNT von Miloš Forman (1997) " »

12.01.12 17:34

Berlinale 2012: 58 Filme bewerben sich um Gläserne Bären

Mit zwölf Weltpremieren und drei internationalen Premieren komplettiert die Sektion Generation ihr Langfilmprogramm. Insgesamt 58 Kurz- und Langfilme aus 32 Ländern wurden für die Wettbewerbe Generation Kplus und Generation 14plus ausgewählt, zwei Filme laufen außer Konkurrenz. In den Generation Kinder- und Jugendjurys werden elf Berliner Kinder im Alter von elf bis 14 Jahren über den Siegerfilm Kplus sowie sieben Jugendliche über den Gewinner im Bereich 14plus entscheiden. Sie verleihen jeweils einen Gläsernen Bären an den besten Kurzfilm bzw. den besten Langfilm.
Darüber hinaus vergibt die fünfköpfige internationale Jury die Preise des Deutschen Kinderhilfswerks für den jeweils besten Kurz- und Langfilm im Wettbewerb Generation Kplus. Als langjähriger Partner der Sektion stiftet das Deutsche Kinderhilfswerk erneut die Preisgelder von insgesamt 10.000 Euro.

11.01.12 16:00

Berlinale 2012: Perspektive zeigt First-Steps-Gewinner und Max-Ophüls-Sieger am Kinotag

Die Perspektive Deutsches Kinowird die Idee des vergangenen Jahres fortsetzen und am letzten Tag der Berlinale 2012, dem 19. Februar, sowohl den Gewinner des Spielfilmwettbewerbs Max Ophüls Preis 2012 und den Dokumentarfilm-Gewinner des „First Steps Award 2011“ präsentieren. Träger des First Steps Award ist THE OTHER CHELSEA – EINE GESCHICHTE AUS DONEZK von Regisseur Jakob Preuss, der Max-Ophüls-Preisträger wird am 22. Januar gekürt.

10.01.12 20:00

Berlinale 2012: 13 Filme in der Perspektive Deutsches Kino

Mit 13 Filmen, darunter drei langen Dokumentar- und vier langen Spielfilmen sowie zwei Programmpunkten mit Vorführungen von jeweils drei mittellangen Filmen, ist die Perspektive Deutsches Kino 2012 komplett. Die Berliner Michael Schöbel und Ronald Vietz haben 2011 die Produktionsfirma Wildfremd Productions gegründet, um einen außergewöhnlichen Film über Jugendliche in den 80ern in der DDR zu machen. Unter der Regie von Marten Persiel beleben sie die fremde seltsame Welt der „Rollbrettfahrer“ in der DDR wieder und verwenden dafür wahre Schätze an ausgegrabenen Super-8-Filmen aus dieser Zeit. THIS AIN’T CALIFORNIA ist Persiels erster abendfüllender Dokumentarfilm.

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04.01.12 13:36

Berlinale 2012: Historiendrama als Eröffnungsfilm

Die Berlinale holt die Kostüme raus: Der französisch-spanische Wettbewerbsbeitrag LES ADIEUX À LA REINE (Leb' wohl, meine Königin) eröffnet die 62. Filmfestspiele. Der französische Regisseur Benoît Jacquot (TOSCA, VILLA AMALIA, AU FONS DES BOIS) schildert in seiner Verfilmung des gleichnamigen preisgekrönten Romans von Chantal Thomas die ersten Tage der Französischen Revolution aus der Sicht der Dienerschaft am Hof des letzten Bourbonen-Königs Louis XVI. Diane Kruger spielt Königin Marie Antoinette, Xavier Beauvois Louis XVI.

31.12.11 14:22

Berlinale 2012: Perspektive eröffnet mit Dokumentarfilm über Diane Torr

Katarina Peters Dokumentation MAN FOR A DAY über die Künstlerin Diane Torr eröffnet die Perspektive Deutsches Kino des Jahres 2012. Torr ist unter anderem durch ihre Drag King-Workshops bekannt geworden: In zehn Stunden werden Frauen darauf vorbereitet, eine männliche Identität anzunehmen. Torr berät dabei nicht nur in Make Up- und Kleidungsfragen. Mit ihrer Erfahrung als Hamish McAllister, Jack Sprat oder Danny King vermittelt sie, was es heißt, als Mann zu gehen, zu stehen zu reden und Bier zu trinken. Die Regisseurin zeigt in ihrem zweiten Langfilm die Arbeit der Performerin bei einem Workshop in Berlin.

19.12.11 16:51

Berlinale 2012: Berlinale-Jury komplett

Jury-Präsident Mike Leigh bekommt Gesellschaft, die Besetzung der Berlinale-Jury 2012 steht fest. Über die Bären-Gewinner und den Alfred-Bauer-Preis für neue Perspektiven in der Filmkunst werden außer Leigh entscheiden: Der Regisseur und Fotograf Anton Corbijn, der Gewinner des Goldenen Bären 2011 und des Silbernen Bären 2009, Asghar Farhadi; außerdem die Schauspielerinnen Charlotte Gainsbourg und Barbara Sukowa und der Schauspieler Jake Gyllenhaal. Auch der französische Regisseur François Ozon und der algerische Schriftsteller Boualem Sansal, der in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gewann, gehören dem Gremium an.

Berlinale 2012: Berlinale gibt fünf Filme für den Wettbewerb bekannt

Jetzt geht's los: Die ersten fünf Filme für den Wettbewerb der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin stehen fest - genauer gesagt drei Filme, die sich um den Goldenen Bären bewerben und zwei internationale Premieren, die außer Konkurrenz laufen.
Der Wettbewerbsbeitrag CAPTIVE ist eine Koproduktion von Frankreich, den Philippinen, Deutschland und Großbritannien. Der Film des Regisseurs Brillante Mendoza dreht sich um die Entführung einer Touristengruppe auf den Philippinen durch Terroristen im Jahr 2001. Die Hauptrollen spielen Isabell Huppert, Katherine Mulville und Marc Zanetta. Mendoza wurde 2009 in Cannes für KINATAY als bester Regisseur ausgezeichnet und gewann 2008 im Forum der Berlinale mit TIRADOR den Caligari Filmpreis.
Der spanische Wettbewerbsbeitrag DICTADO des Regisseurs Antonio Chavarrías ist ein Roadmovie mit Horrorelementen. Der dritte Beitrag ist der Film KEBUN BINATANG (Postkarten aus dem Zoo) des indonesischen Regisseurs Edwin über ein kleines Mädchen, das im Zoo aufgezogen wird.
Außer Konkurrenz wird EXTREMELY LOUD AND INCREDIBLY CLOSE von Stephen Daldry gezeigt. Diese Verfilmung des Romans von Jonathan Safran Foer läuft in dieser Woche in den USA an und erzählt mit Staraufgebot (Tom Hanks, Sandra Bullock) die Geschichte eines Jungen, dessen Vater bei den Terroranschägen von 9/11 ums Leben kommt. Die verschiedenen Trailer wecken schlimmen Schmonzetten-Verdacht und lassen eine misslungene Verfilmung eines sehr guten Buches befürchten.
Ebenfalls nicht im Rahmen des Wettbewerbs läuft der neue Film von Zhang Yimou JIN LING SHI SAN CHAI (Die Blumen des Krieges). In der chinesischen Produktion spielt Christian Bale einen Priester, der eine Gruppe Frauen während des Massakers der Japanischen Armee im chinesischen Nanking im Jahr 1937 retten will.

12.12.11 13:42

Berlinale 2012: Charlotte Gainsbourg pflegt schlechten Umgang

Die französische Schauspielerin und Sängerin Charlotte Gainsbourg kann einer notorisch unzuverlässigen Quelle zufolge ihre Klappe nicht halten: Im Interview mit einem unaussprechlichen Berliner Schmierblatt mit zwei Buchstaben (Name der festivalblog-Redaktion bekannt) sprach Gainsbourg angeblich darüber, dass sie Mitglied der Berlinale-Jury werde. Gegenwärtig kann keine seriöse Quelle dieses Gerücht bestätigen.

03.12.11 20:04

Berlinale 2012: Mike Leigh wird Jury-Präsident

Dieter Kosslick kümmert sich rührend um Senioren: 2012 wird der Großvater des New British Cinema, Mike Leigh, Präsident der Berlinale-Jury. Am 20. Februar, einen Tag nach Festivalende, feiert der englische Regisseur und Drehbuchautor seinen 69. Geburtstag. Leigh war zum letzten Mal im Jahr 2008 bei der Berlinale mit dem Wettbewerbsbeitrag HAPPY-GO-LUCKY zu Gast. Sally Hawkins, die Hauptdarstellerin des Films, erhielt damals den Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin. Mike Leigh wurde als Regisseur oder Autor insgesamt sieben Mal für den Oscar nominiert, zuletzt im Jahr 2010 für das beste Orginaldrehbuch zu ANOTHER YEAR.

18.02.11 19:30

ROTKOHL UND BLAUKRAUT von Anna Hepp

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Wer ist hier eigentlich der Exot?

„Meine Freundin will türkisch lernen – Geheimsprache und so sacht se“, erzählt Emma stolz. Emma ist die Tochter von Hakan und Tanja und hat noch eine Schwester. – „Ich steh‘ ja nicht morgens auf und sage ‚Ach, da ist ne Türkin‘, sondern das ist eben meine Frau“, sagt Jens. Jens ist mit Özen verheiratet, der älteren Schwester von Hakan – auch die beiden haben zwei Kinder. Die Familien Simsir-Sengelhoff und Möller-Simsir leben im Ruhrgebiet und erklären in Anna Hepps Dokumentarfilm, wie das Leben in einer deutsch-türkischen oder türkisch-deutschen Familie – ganz wie man will – funktioniert.

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KAMAKIA - DIE HELDEN DER INSEL von Jasin Challah

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Zeugen einer untergegangenen Kultur

Es geschah in alter Zeit in einem fernen Land jenseits des Meeres. Große Blechvögel schwebten herab, ihren Bäuchen entstiegen Frauen des nördlichen Europas und aus emotional eher kargen Ländern wie Deutschland oder Österreich. Diese Frauen dürsteten, sie dürsteten nach Liebe und Zuneigung, weil die Männer in der Heimat gefühllose Deppen waren, die Sandalen trugen und die Sportschau gucken wollten. Und siehe, die Frauen wurden mit offenen Armen empfangen von den Kamakia, den vom Eros geküssten, sonnengebräunten Helden der griechischen Inselwelt mit ihrem wallenden Brusthaar und ihren Virilität ausstrahlenden Schnäuzern. Alsbald herrschte eitel Freude unter den Frauen, die in den Armen der Männer lagen – mit etwas Sirtaki, Oliven mit Schafskäse und einem kleinem Ouzo und es war allen ein großes Wohlgefallen.

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DREILEBEN:
KOMM MIR NICHT NACH von Dominik Graf

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Geheimnisvolle Beziehungen

Vera und Bruno haben sich eine alte Villa in Dreileben gekauft, die eher wie ein altes, runtergekommenes Schloss aussieht und majestätisch am Hang über der Stadt thront. Ziemlich widerwillig und nur, weil das Hotel die Reservierung verschlampt hat, übernachtet die Polizeipsychologin Jo für ein paar Tage bei ihrer alten Freundin Vera. Jo soll für das LKA bei der Suche nach dem entflohenen Mörder Molesch helfen. Am Anfang haben sich die Freundinnen nicht viel zu sagen, doch dann entdecken Sie, dass sie vor einigen Jahren mit demselben Mann eine Beziehung hatten.

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DREILEBEN:
EINE MINUTE DUNKEL von Christoph Hochhäusler

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Der Wald als Freund und Feind

EINE MINUTE DUNKEL ist die Geschichte vom Gejagten und vom Jäger. Der Mörder Molesch entkommt aus dem Totenzimmer des Krankenhauses, in dem er von der toten Mutter Abschied nehmen sollte und der Polizist Kreil soll ihn fangen. Die Hauptrolle allerdings spielt der Thüringer Wald, in den Molesch sich flüchtet. Der Wald ist für den Fliehenden Freund und Feind zugleich: In ihm kann er sich vor den Hundestaffeln der Polizei verbergen, gleichzeitig treibt ihn eben dieser Wald weiter in den Irrsinn. Die Kamera von Reinhold Vorschneider nimmt den Zuschauer mit auf die Flucht. Gemeinsam mit Molesch taumeln wir umher und verlieren mehr und mehr die Orientierung. Die Kamera folgt uns oder ist uns voraus und schaut unruhig immer öfter nach oben, wo wir nur den Himmel und karge Tannenspitzen sehen.

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EINE MINUTE DUNKEL von Christoph Hochhäusler " »

17.02.11 19:00

KAMPF DER KÖNIGINNEN von Nicolas Steiner

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Die Kuh - Freundin und Kämpferin

Diese Königinnen tragen keine Krone, sondern Hörner. Die Protagonistinnen von Nicolas Steiners Dokumentarfilm sind Kühe. In den Nebenrollen agieren ihre Besitzer, die einem alten Schweizer Brauch frönen und die vierbeinigen Milchspender zum Kampf antreten lassen. Als Siegestrophäen gibt es, was sonst, prunkvoll gestaltete Kuhglocken.

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15.02.11 23:16

THE ADVOCATE FOR FAGDOM von Angélique Bosio

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Knarren, Schwänze, Körperflüssigkeiten

Ein sehr muskulöser nackter Mann posiert mit einem riesigen Gewehr und einer monströsen Erektion vor einer amerikanischen Flagge, überall literweise Blut – und das ist noch eine Untertreibung. Alle lächeln, alle freuen sich, alle haben Spaß – die nackten Models, die amerikanische Art Crowd. Willkommen in der Welt von Bruce LaBruce.

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Interview: Dirk Lütter über DIE AUSBILDUNG (Gewinner "Dialogue en perspective")

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Dirk Lütters Langfilmdebüt DIE AUSBILDUNG betrachtet die moderne Arbeitswelt aus der Perspektive des 20-jährigen Jan, einem Auszubildenden in einem Call Center. Festivalblog hat mit dem Regisseur über seinen Film und über das, was Unternehmen von heute ihren Angestellten im Arbeitsalltag abverlangen.

Wie bist Du darauf gekommen, das Drehbuch so auf die Person des Auszubildenden zuzuspitzen?
Das es ein Auszubildender ist, war wirklich die erste Idee. Ich habe Ende der 90er Jahre einen Dokumentarfilm über drei Freunde gemacht, der 2001 rausgekommen ist. Er heißt „50374 Erftstadt“, so wie der Ort aus dem ich komme. In dem Film habe ich versucht, so etwas wie den Prototypen eines jungen Lebens in Westdeutschland zu zeichnen. Es geht um drei Freunde, die nach dem Abitur eine Ausbildung gemacht haben, angefangen haben zu arbeiten und damit auf unterschiedliche Art und Weise ihre Probleme hatten. Das war eben das ganz normale Leben dort in der Kleinstadt – auch in meiner Familie. Und mich hat immer interessiert, was da mit den Menschen macht und wie das prägt, wenn man mehr als die Hälfte des wachen Tages eine andere Person ist, als die, die man eigentlich ist.

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14.02.11 19:30

WEISST DU EIGENTLICH ... von Lothar Herzog

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Die Hölle, das ist der Andere

Am Anfang ist alles so harmonisch. Lena steht auf dem Balkon und erzählt ihrem Freund Mario, dass im Park die Blumen blühen und wie sehr sie sich darauf freut, ihn später zu sehen. Es folgt die Enttäuschung: Er muss lange arbeiten, der Rückweg ist zu weit, er kommt heute nicht. Ganz klar, wer da der rücksichtslose Bösewicht ist.

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EISBLUMEN von Susan Gordanshekan

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Von einem, der nicht helfen darf

Der junge Bosnier Amir, der illegal in Deutschland ist, betreut die demenzkranke Frau Osterloh, die irgendwo am Rande der Stadt allein in einer besseren Laubensiedlung gleich am Bahndamm wohnt. Amir und Frau Osterloh brauchen einander. Amir, weil er das Geld und eine Aufgabe braucht und Frau Osterloh, weil sich niemand um sie kümmert und sie schlicht nicht mehr alleine leben kann.

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DIGAME - SAG MIR von Josephine Frydetzki

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Estebans Unabhängigkeitstag

Ganz Buenos Aires feiert Argentiniens Unabhängigkeitstag. Und was macht Esteban? Er zerbricht alle Strukturen seines bisherigen Lebens: Sein Plattenladen ist Pleite, seine Ehe am Ende und sein eigener Sohn hält ihn offensichtlich für einen vollkommenen Verlierer. Esteban treibt durch den Tag und gehört nirgends mehr dazu. Dann führt ein eigentlich nichtiger Anlass, der Streit um einen Fußball auch noch zu einer mittleren Katastrophe.

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13.02.11 19:00

VATERLANDSVERRÄTER von Annekatrin Hendel

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Kleines Lichtchen, große Wut

„Eine saumäßige Leistung als Bericht“, sagt Paul Gratzik, „das kleine Lichtchen, das kleine Arschloch schätzt ein.“ Paul Gratzik liest einen Bericht des inoffiziellen Mitarbeiters IM Peter der Staatssicherheit – er liest einen Bericht, den er selbst geschrieben hat. Von 1962 bis 1981 war der Schriftsteller und Theaterautor IM für die Stasi und berichtete über Freunde und Kollegen. Dann enttarnte er sich 1981 selbst, wollte nicht mehr mitmachen. Es folgten Sanktionen, Zermürbungen durch den Unrechtsstaatsapparat und natürlich Veröffentlichungsverbot.

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12.02.11 19:00

DIE AUSBILDUNG von Dirk Lütter

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(Un)Freiwillige Selbstkontrolle

Jan ist 20 und arbeitet in einem Call Center. Jan will alles richtig machen – immer. Denn Jan ist noch in der Ausbildung und will danach unbedingt übernommen werden. Er steht unter Druck und will mit eiserner Selbstdisziplin standhalten. Regisseur Dirk Lütter zeichnet in seinem Langfilm-Debüt ein Bild der modernen Arbeitswelt und erzählt gleichzeitig eine Geschichte vom Erwachsenwerden. Sein präzises, realistisches Drehbuch versetzt seine Hauptfigur in eine Situation, in der ihr immer mehr Verantwortung aufgebürdet wird: Die schlechte Performance der Abteilung, in der Jan arbeitet, die Veränderungen im Betrieb, in der Jans Mutter auch Betriebsrätin ist, und schließlich seine Liebe zur neuen Zeitarbeiterin Jenny – alles das sind Konflikte, die von Jan Entscheidungen verlangen.

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11.02.11 19:00

UTOPIA LTD von Sandra Trostel

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Robota unterwegs in Sachen Selbstverwirklichung

„Mach doch bitte mit, so macht doch bitte mit. Tanz doch bitte mit, so tanz doch bitte mit“ – singen 1000 Robota im ersten Song ihres Debütalbums von 2008. Das ist die Aufforderung, das ist das Programm. Denn die drei von 1000 Robota wollen etwas: Sie wollen eine neue Jugendbewegung entstehen lassen, von denen sie ihren Kindern später erzählen können. Größenwahnsinnig? Aber sicher! Warum soll man mit 17 und 18 – so alt sind Anton Spielmann, Jonas Hinnerkort und Sebastian Muxfeldt als sie zum ersten Mal in Studio gehen – auch nicht größenwahnsinnig sein?

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10.02.11 6:00

Festivalblog-Interview: Sandra Trostel über UTOPIA LTD

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Sandra Trostels erster langer Film UTOPIA LTD ist eine Dokumentation über das Musikgeschäft, die am morgigen Freitag um 19.30 Uhr im Cinemaxx 3 die Perspektive Deutsches Kino eröffnet. Sie hat die ersten Karriereschritte der jungen Hamburger Band 1000 Robota fast zwei Jahre lang begleitet. Herausgekommen ist ein spannender Film über drei Jungs, denen Musik noch etwas bedeutet und eine interessante Momentaufnahme von Jugendkultur und Pop-Musik in der Klemme zwischen Kunst und wirtschaftlichen Zwängen. Festivalblog hat die Filmemacherin interviewt.

Warum wolltest Du einen Film machen, der sich mit 1000 Robota beschäftigt?
Das war eigentlich Zufall. Ich habe sie zum ersten Mal bei einem Konzert gesehen, als sie als Vorband von Superpunk gespielt haben. Das war auch eines ihrer ersten Konzerte. Sowas hab‘ ich lange nicht gesehen – sowas Energetisches, Anklagendes, frei Rausgesprochenes. Einfach die Art, wie sie sich gegeben und auf der Bühne verhalten haben und die Texte ihrer Lieder.

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07.02.11 6:00

Berlinale Tipps: Rauchen

Auf der Berlinale herrscht striktes Rauchverbot. Auf der Leinwand wird zwar noch eifrig gequarzt, aber vor allem bei den amerikanischen Produktionen darf man davon ausgehen, dass es sich dabei um garantiert unschädliche Kräuterzigaretten handelt. Schließlich hat der ganze unselige Nichtraucherfaschismus in Kalifornien seinen Ursprung, und die Keimzelle entstand im ach so gesundheitsbewussten Hollywood.
Für nikotinabhängige Berlinalefreunde eröffnen sich dadurch interessante wissenschaftliche Perspektiven. Alljährlich im schönen Februar kann man testen, wie widerstandsfähig der eigene Körper gegen Kälte und Zugluft ist. Denn eins ist sicher: Der gottverdammte Potsdamer Platz samt Umgebung ist nicht nur zum Herzerweichen trostlos, sondern beheimatet auch einige der kältesten Ecken Berlins. Vor jedem Kino kuscheln sich zwischen den Filmen bibbernde Ausgegrenzte zusammen, die mit ersterbenden Fingern Glimmstengel halten. Ungeschlagen auf der nach unten offenen Temperaturskala ist der Eingangsbereich vor dem Cinemaxx. Der Wind pfeift fröhlich bei Minusgraden, und die Lungen pfeifen mit.

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06.02.11 6:00

Berlinale Tipps: Kartentricks

„Hast Du Berlinale-Karten?“ – „Wer hat Berlinale-Karten?“ – „Gibt es noch irgendwo Berlinale-Karten?“ – „Ich würde ja so gerne zur Berlinale gehen, aber es gibt ja eh keine Karten.“ Das ist das Mantra der Berlinale-Fans. Aber: Es stimmt eigentlich gar nicht. Deshalb im Folgenden einige Tipps, wie man an die begehrten Tickets kommt.

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03.02.11 6:00

Berlinale Tipps: Berlinaledepression

Keine Frage, die Berlinale ist eine tolle Sache, aber …Hinter diesem aber lauert sie: die Berlinaledepression – in jedem Jahr. Es gibt kein Entrinnen.
Es ist so: Die ersten drei Berlinaletage vergehen wie im Flug. Es läuft, ich sehe jeden Tag zwei bis drei Filme, schreibe zügig Kritiken, die Laune ist gut. Dabei ist es ziemlich egal, ob die Filme gut oder schlecht sind. Denn, hey, was macht mehr Spaß als ein saftiger Verriss.

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01.02.11 19:39

Perspektive Deutsches Kino: Robota, Kühe und Blaukraut

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Elf Beiträge bewerben sich im zehnten Jahr in der Perspektive Deutschen Kino um den Preis „Dialogue en Perspective“, der seit 2004 vom Deutsch-Französischen Jugendwerk vergeben wird. Vorsitzender der Jury, in der Jugendliche aus Deutschland, Frankreich und Bosnien-Herzegowina ihren Favoritenfilm küren, ist 2011 Romuald Karmakar. Im Programm sind sechs Spielfilme und fünf Dokumentarfilme vertreten, darunter auch einige mittelange Filme mit einer Länge zwischen 20 und 60 Minuten. UTOPIA LTD. von Sandra Trostel, eine Dokumentation über den Weg der Hamburger Band 1000 Robota in das Musikbusiness, eröffnet die Sektion am Freitag, 11. Februar, um 19.30 Uhr im Cinemaxx 3.

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31.01.11 6:00

Berlinale Tipps: Toiletten-Tipps für ihn

Toiletten, genauer gesagt Männertoiletten, genauer gesagt Urinale (vulgo Pinkelbecken) sind ein Ort der Begegnung der besonderen Art – erst recht auf der Berlinale. Die Zustände dort sind in der Regel beklagenswert (zuviele Männer zur gleichen Zeit am selben Ort) aber nicht uninteressant, denn auf der Berlinale sind schließlich viele besonders hippe Leute unterwegs. Am Urinal leiden aber oft gerade besonders hippe Leute unter ganz besonderen Problemen.

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29.01.11 16:03

42 Filme bewerben sich um den First Feature Award

42 Filme aus den Sektionen Wettbewerb, Panorama, Forum, Generation und erstmals auch zwei Beiträge aus der Perspektive Deutsches Kino konkurrieren in diesem Jahr um den Preis für den Besten Erstlingsfilm. Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert und wird von der Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten (GWFF) gestiftet. Das Preisgeld teilen sich Regisseur und Produzent des Preisträgerfilms. Die Gewinner werden am 19. Februar bei der offiziellen Preisverleihungsgala im Berlinale Palast bekannt gegeben.

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Berlinale Tipps: Was wäre Kino ohne Sitznachbarn?

Der Sitznachbar im Kinosaal ist ein verhasstes, oft gedisstes Wesen – in vielen Fällen mit Recht. Jeder Kinogänger kann Geschichten über hustende, riechende, schniefende, kraspelnde, kauende, rülpsende, röchelnde, räuspernde, labernde, hampelnde Zeitgenossen erzählen, die abgrundtiefen Ekel und pochende Kopfschmerzen erzeugen. Für eine repräsentative Auswahl konsultiere der geneigte Leser den Artikel der verehrten Kollegin im Berlinale-Countdown von morgen. Ich aber möchte heute eine Lanze für den Sitznachbar brechen.

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27.01.11 16:35

Gastbeitrag zu Stuttgart 21 in der Perspektive

Die Perspektive Deutsches Kino ist in Sachen politischer Aktualität in diesem Jahr allen anderen Sektionen weit voraus. Der Dokumentarfilm STUTTGART 21 – DENK MAL! findet seinen Weg direkt aus dem Schneideraum auf die Berlinale zu seiner Uraufführung bei der Perspektive Deutsches Kino: Freitag, 18. Februar, um 16.30 Uhr im Cinemaxx 3 am Potsdamer Platz.

Die beiden jungen Filmemacher Lisa Sperling und Florian Kläger zeigen in ihrem Regiedebüt STUTTGART 21 - DENK MAL! die Entwicklung einer der größten Bürgerinitiativen in Deutschland seit vielen Jahren. Im Anschluss an den Film findet eine Diskussionsrunde mit den Filmemachern, Produzent Peter Rommel, Publikum und Gästen über Bürgerprotest und sich veränderndes Demokratieverständnis statt.

22.01.11 20:04

Forum Expanded 2011: Kunst und Kino

Auch in diesem Jahr lotet das Forum Expanded den Grenzbereich zwischen Kunst und Kino aus. 42 Künstler, Filmemacher, Performer und Musiker aus 16 Ländern präsentieren filmische Arbeiten in Ausstellungen, in Screenings, im Radio und auf der Bühne. Dazu gehören unter anderem die Ausstellung Parallel Worlds im Salon Populaire (Kunstsaele Berlin), die Audiobeiträge Screen Off und die Reihe History Lessons mit Filmen und Gesprächen, die die Weitergabe des filmischen Erbes zum Thema machen.

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Deutschlandpremiere von "The King´s Speech"

Als Teil des offiziellen Programms zeigt Berlinale Special im Kino International und im Friedrichstadtpalast aktuelle Werke zeitgenössischer Filmemacher sowie filmische Portraits herausragender Persönlichkeiten, unter anderem als Deutschlandpremiere THE KING’S SPEECH von Tom Hooper mit Golden Globe-Gewinner Colin Firth in der Hauptrolle als stotternder King George VI.

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19.01.11 6:00

Berlinale-Countdown 2011: Ingmar, Woody, Nat Ackerman und der Tod

„The voice of genius!“ Mit diesem Ausruf beginnt Woody Allen seine Besprechung von Bergmans Autobiographie The Magic Lantern, die er im September 1988 für die New York Times schrieb. Dann lässt er Bergman selbst zu Wort kommen, der immer wieder über die existenziellen Katastrophen seines Lebens berichtet: Das Trauma der Schulbesuche, die Bergman im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen brachten, die brutalen Eltern, der Hass auf Bruder und Schwester, die häufigen Gedanken an Selbstmord. Allens Fazit: Mit diesem Hintergrund ist man gezwungen ein Genie zu werden.

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11.01.11 16:31

Sechs Spielfilme und fünf Dokus bei der 10. Perspektive

Die Perspektive Deutsches Kino geht mit elf Filmen – allesamt Weltpremieren – in ihr zehntes Jahr. Auf dem Perspektive-Programm der Berlinale 2011 stehen sechs Spielfilme und fünf Dokumentarfilme. Dabei sind auch wieder einige sogenannte mittellange Filme. Die Perspektive wird 2011 zum zweiten Mal von einem Dokumentarfilm eröffnet. Das Thema: deutscher Punk aus Hamburg. In ihrem Regiedebut mit dem Titel UTOPIA LTD. folgt Sandra Trostel der Band 1000 Robota, die seit 2008 eine EP und zwei Alben veröffentlicht hat, von den Anfängen auf dem Weg ins Musikbusiness.
Zwei Filme der Perspektive nehmen erstmals am Wettbewerb „Bester Erstlingsfilm“ teil: DIE AUSBILDUNG von Dirk Lütter und LOLLIPOP MONSTER von Ziska Riemann.

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20.02.10 15:00

Knapp verpasst: The Tree of Life von Terrence Malick

Zu The Thin Red Line gab der Kurator der der Geburtstags-Retrospektive David Thomson nicht nur eine brillante Einführung (man kann dem Mann stundenlang zuhören wenn, er über Film spricht. Mein Gott, er war mit Terrence Malick essen!) sondern verkündete auch Niederschmetterndes: Offensichtlich wäre Malicks neuer Film The Tree of Life mit Sean Penn und Brad Pitt auf der Berlinale gelaufen, wenn sich die Postproduktion nicht verzögert hätte. Wenn man bedenkt, dass Malick seit in den letzten 41 Jahren nur fünf Filme gemacht hat und The Tree of Life eben Nummer 6 ist, ist das wirklich unfassbares Pech. This really pisses me off! Und wir regen uns über das Wetter auf.

Waste Land gewinnt Panorama-Publikumspreis

Waste Land von Lucy Walker hat den Panorama-Publikumspreis gewonnen. Der Film begleitet den brasillianischen Künstler Vik Muniz, bei einem seiner aufwendigsten Projekte: Einer Installation im "Jardim Gramacho". "Jardim Gramacho" liegt in einem armen Außenbezirk von Rio de Janeiro und ist eine der größten Mülldeponien der Welt: Die Menschen dort leben vom Müll, den sie sammeln undauf die unterschiedlichste Art wiederverwenden. Muniz hat die sogenannten Pflücker in sein Kunstprojekt einbezogen.
Lucy Walker hat schon 2007 mit Blindsight den Panorama-Publikumspreis gewonnen.

Beautiful Darling von James Rasin

You were, what you said you were

Andy Warhol hatte einen Spitznamen: Drella. Drella ist die Fusion von Dracula und Cinderella. In seiner Factory war Warhol einerseits der Vampir, der die Kraft seiner sehr willigen Opfer für seine kreativen Zwecke bis zum letzten Tropfen aussaugte und andererseits der vom Glück Begünstigte, der quasi durch Handauflegen, jeden Zum Star machen konnte. Eine der größten Stars war Candy Darling. Die schönste Frau der Welt, die biologisch nie eine Frau war. Aber was macht das schon? In der Factory „you were, what you said you were,“ wie es im Film Beautiful Darling so schön heißt. Du konntest das sein, was Du zu sein behauptetest.

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The Thin Red Line von Terrence Malick

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Wie kam das Böse in die Welt?

Dieser Film ist ein Alptraum. Krieg in seiner monströsesten Form: Körper werden zerfetzt, Menschen zerbrechen, werden wahnsinnig. Die Erde bebt, Angst, Panik, Sinnlosigkeit und der Zuschauer ist mitten drin. Dieser Film ist ein Traum. Menschen in den Grenzbereichen der Existenz stellen alles in Frage, sind verzweifelt, feige, mutig, widersetzen sich oder tun, was getan werden muss und versuchen irgendwie ihre Menschlichkeit bewahren.

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Perspektive-Interview: Mariejosephin Schneider, Regisseurin von Jessi


Luzie Ahrens war ein großer Glücksgriff


Mariejosephin Schneider, geboren 1976 in Berlin, studiert an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Der mittellange Film Jessi, der in der Pespektive Deutsches Kino läuft, ist ihr Film für das dritte Studienjahr. Mit Steffen Wagner sprach Mariejosephin Schneider darüber, wie Sie gemeinsam mit Kamerafrau Jenny Lou Ziegel den Film konzipierte und verwirklichte und über die Zusammenarbeit mit der Hauptdarstellerin Luzie Ahrens.

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19.02.10 20:47

Welt am Draht von Rainer Werner Fassbinder

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Mach Platz, Neo!

Vergesst Neo, Morpheus und Trinity, hier kommt Dr. Fred Stiller (Klaus Löwitsch). Man kann es heute kaum glauben, dass Fassbinders 185-Minuten-Brocken Welt am Draht 1973 vom WDR produziert wurde und als Zweiteiler im Fernsehen lief. Es geht um den Tod des Leiters des Instituts für Kybernetik und Zukunftsforschung, um eine Welt, die nur als Computerprogramm existiert, den Wechsel zwischen Realitätsebenen und darum, wer die Kontrolle über die Menschen hat: der Staat oder die Wirtschaft? 1973 gab es keine PCs und auch keine Software wie wir sie kennen. Wie mag der Film auf die Zuschauer damals gewirkt haben? Keine Ahnung. In der restaurierten Fassung, die ihre Aufführung im International hatte, wirkte der Film visionär. Vor allem wegen der Bilder, die Fassbinder für seinen Science-Fiction-Film ohne Special Effects gefunden hat.

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Perspektive-Interview: The Boy Who Wouldn't Kill


Ein Bekenntnis zum Kino

Anna und Linus de Paoli haben gemeinsam des Drehbuch zu The Boy Who wouldn't Kill geschrieben. Linus hat Regie geführt, Anna produziert. Im Interview sprechen sie über die Entstehung dieser post-apokalyptischen Vater-Sohn-Geschichte und ihre nächsten Pläne.

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18.02.10 9:00

Lebendkontrolle von Florian Schewe


So sind Männer eben

Mark (Gerdy Zint) ist jung und ein Bündel an Aggression. Deswegen sitzt er im Knast, was seine Agressionen nicht gerade verringert. Wenn seine Freundin Jessica (Franziska Jünger) ihn besucht, freut er sich kurz und brodelt dann den Rest des Besuchs vor Eifersucht. Der einzige Silberstreif am Horizont ist sein Ausgang in wenigen Tagen. Sein Zellengenosse, der routinierte Knacki Boxer (Eddy Kante), hat einen Auftrag: Er soll seiner Tochter Geld bringen, damit die ihre Ausbildung an der Hotelfachschule finanzieren kann.

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17.02.10 21:00

Narben im Beton von Juliane Engelmann


Der Zuschauer hat keine Wahl

Anna (Carmen Birk) ist 23 Jahre alt. Ihr Leben ist eine einzige Überforderung: Sie hat drei Kinder, das jüngste noch ein Kleinkind, das älteste geht schon in die Schule. Ihr Mann ist so stumpf wie das Programm auf der ewig flimmernden Mattscheibe. Er betrügt sie auf der Wohnzimmercouch und macht sich nicht einmal die Mühe, das zu verbergen. Anna ist schon wieder schwanger, aber sie hat sich entschlossen, das einfach zu ignorieren.

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Jessi von Mariejosephin Schneider

Weil es nicht so sein kann, wie es war

Jessi (Luzie Ahrens) ist 11 Jahre alt, aber Jessi ist erwachsener als andere Elfjährige; sie muss erwachsener sein, denn ihre Mutter (Jasmin Rischar) sitzt im Gefängnis. Wenn das Mädchen seine Mutter besucht, wirkt Jessi wie die Erwachsene und ihre Mutter wie ein Kind. Jessi lebt in einer Pflegefamilie. Sie würde viel lieber im alten Haus der Mutter oder bei ihrer Schwester (Sophie Rogall) wohnen, aber das geht nicht. Denn Jessi darf nichts entscheiden.

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16.02.10 10:18

Exit Through the Gift Shop von Banksy


Pepare to be brainwashed

Banksy ist der bekannteste Street Artist der Welt, aber kaum jemand kennt seine wahre Identität. Der Thierry Guetta kennt sie. Guetta, der in Los Angeles lebt, ist seit seiner Jugend ein manischer Filmer. Er filmt immer, alles und jeden. Ob es seine Frau, der Busfahrer oder ein sichtlich genervter Noel Gallagher ist, den er zufällig auf der Straße trifft, die Videokamera ist immer dabei. Über seinen Cousin kam Guetta mit der Street Art-Szene in Kontakt. Da war es um ihn geschehen: Nacht für Nacht zog er mit der Kunstguerilla von L.A. los und filmte sie bei ihren waghalsigen Verschönerungsaktionen, die für die einen Kunst und die anderen Vandalismus sind.

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15.02.10 21:30

Im Schatten von Thomas Arslan


Raub ist Arbeit

Ein Krimineller ist ein selbständiger Unternehmer. Er muss investieren, planen, Personal anstellen, Aufgaben verteilen, kontrollieren und dafür sorgen, dass das Geld reinkommt. Wenn alles gut läuft, verdient man damit gutes Geld, wenn es schiefgeht, haftet man persönlich. Trojan (Misel Maticevic) hatte mit seinem letzten Unternehmen, einem Raubüberfall, wenig Glück, deshalb hat er einige Zeit im Gefängnis verbracht. Nun ist er wieder auf dem Berliner Markt tätig und sucht nach der nächsten Gewinnchance. Im Schatten ist ein deutscher Kriminalfilm, in 20 Jahren wird man sagen der deutsche Kriminalfilm.

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Cindy liebt mich nicht von Hannah Schweier

Mit dem Passat auf Sinnsuche

Maria (Anne Schäfer) ist so glücklich. Barkeeper Franz (Clemens Schick), ihr neuer Freund, ist so ein cooler Typ. Eisblaue Augen, Lederjacke, emotional, spontan, genau ihr Typ. Genauso glücklich ist Maria schon etwas länger mit ihrem Freund David (Peter Weiss). David arbeitet in der Staatsanwaltschaft, bereitet eine große Jurakarriere vor und sieht aus, als sei er schon mit der Aktentasche unter dem Arm auf die Welt gekommen, aber er ist so verständnisvoll und fürsorglich und von der etwas verrückten Maria rettungslos fasziniert. Dann ist Maria verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. David spürt Franz auf und eine gemeinsame Suche beginnt.

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Schnupfen im Kopf von Gamma Bak

Was brauche ich, um ich zu sein?

Bin ich ich? Was brauche ich, um ich zu sein - Medikamente? Helfen mit die Medikamente dabei, ich zu sein oder verhindern sie es? Solche Fragen stellt man sich im Alltag eigentlich nicht. Natürlich bin ich ich. Wer sollte ich denn sonst sein? Seit bei der Regisseurin Gamma Bak vor 15 Jahren eine Psychose diagnostiziert wurde, muss sie sich mit diesen Fragen auseinandersetzen. Sieben Jahre nach der Diagnose entschloss sie sich mit einer filmischen Langzeitbeobachtung zu beginnen, in die sie auch Freunde und ihre Familie mit einzubeziehen. Schnupfen im Kopf ist das Ergebnis dieser achtjährigen Beobachtung. Der Film ist erreicht etwas Wertvolles: Er gibt einen sehr persönlichen Blick auf den Verlauf einer Krankheit, über die die Wenigsten sprechen wollen und ist dabei offen, ohne die Distanz zu verlieren oder sich dem Zuschauer aufzudrängen.

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13.02.10 22:00

Hollywood Drama von Sergej Moya

Wahrhaftigkeit für Bernd und Roland

Der deutsche Film meint es bekanntlich sehr ernst. Authentisch muss es sein, das haben große deutsche Regisseure, Produzenten und Schauspieler erkannt. Deshalb trug zum Beispiel Bruno Ganz in Der Untergang eine original Führerunterhose, die dann so kratzte, dass sich der Ifflandring-Träger in eine veritable Knallcharge verwandelte und nicht umhin konnte, den GRÖFAZ in beste Kleinkunst-Mimikry umzudeuten – auf dass kein Auge trocken blieb. Franz Arnold (Clemens Schick) geht sogar einen Schritt weiter: Als SS-Offizier bleibt er sogar dann noch in seiner Rolle, wenn der Take schon vorbei ist. Erst sein Regisseur Heinrich Hugenrubel (Carlo Ljubek) holt ihn wieder in die Realität zurück. Dann zieht es die beiden Verfechter teutonischer Wahrhaftgkeit nach Amerika. Mit Hollywood Drama liefert Sergej Moya ein Genre, das man in der Perspektive viel zu selten sieht: eine Satire.

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Glebs Film von Christian Hornung

Wortkaskaden und Scherengeklapper

Glebs Film existiert nur im Kopf von Gleb Lenz. Gleb hat einen kleinen Friseurladen in einem einfachen Backsteinsiedlung in Hamburg-Altona. Seine Kunden sind vor allem Rentner oder genauer gesagt vor allem Rentnerinnen. Glebs Leben könnte eigentlich ziemlich einförmig und langweilig sein, aber Gleb Lenz hat Phantasie: Er spricht mit den Menschen unter den Hauben nicht über das Wetter und die neuesten Katastrophen in den europäischen Königshäusern, sondern erzählt ihnen die Geschichte seines Films.

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Blutsfreundschaft von Peter Kern


Handlung? Ästhetik?? Haltung???


In Blutsfreundschaft geht es um all dieses: Jugendliche mit Familienproblemen, Mord, Mut, schwule Bohemians, rechte Volksverführer, Transsexuelle, Skinheads, Sozialarbeiter, Konzentrationslager, das dumme Volk, Gewalt, Jungenliebe, Gruppendruck, Hitlerjugend, Schuld, Tod, Dekadenz, Geschlechtsumwandlung, Sühne, Ausländerhass, Liebe, Angst, Widerstand gegen Rechts.

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12.02.10 19:30

Renn, wenn Du kannst von Dietrich Brüggemann

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Freundschaft, Liebe, Sehnsucht: Gefühle ohne Soße

Ein deutscher Film über die Dreiecksbeziehung zwischen einem Rollstuhlfahrer, einem Zivi und einer Cellistin? Das könnte schlimm werden - Gefühlssoße, die zäh von der Leinwand tropft. Renn, wenn Du kannst ist zum Glück anders. Querschnitter Ben (Robert Gwisdek) ist ein erfrischend zynisches Arschloch, fährt im auf Handgas umgebauten Ami-Oldtimer durch die Gegend und teilt verbal in alle Richtungen aus. Christian (Jacob Matschenz) ist sein neuer Zivi und der erste, der sich vom misantrophischen Ben nicht terrorisieren lässt. Er zeigt Ben ziemlich deutlich, dass man nur mit Ironie im Leben auch nicht wesentlich weiterkommt. Annika (Anna Brüggemann), die von Lampenfieber geplagte Cellistin, sorgt für Gefühlsaufwallungen und Komplikationen.

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11.02.10 9:00

The Boy Who Wouldn't Kill von Linus de Paoli

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Kleines Budget, großes Kino

Das Budget ist mit etwa 15.000 Euro klein und die Spielzeit mit 25 Minuten kurz, aber das hat Regisseur Linus de Paoli und Produzentin Anna de Paoli, die auch gemeinsam das Drehbuch geschrieben haben (Co-Produzentin Anna Katharina Guddat), keine Grenzen gesetzt: The Boy Who Wouldn't Kill sieht aus, klingt und fühlt sich an wie großes Kino. Der Film der beiden Studenten an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin erzählt die Geschichte einer Konfrontation zwischen Vater und Sohn auf einer einsamen Hühnerfarm irgendwo im Niemandsland nach der Apokalypse – es geht um nicht weniger als Leben und Tod.

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05.02.10 9:00

Retrospektive: 38 Filme aus über 15.000

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Aus Anlass eines runden Geburtstags ist ein Rückblick immer etwas Besonderes. Deshalb hat die Berlinale den Filmkritiker und Autor David Thomson (Seine bekanntesten Bücher: Have you seen? A Personal Introduction to 1.000 Films und The New Biographical Dictionary of Film) eingeladen ganz subjektiv Filme der Sektionen Wettbewerb, Forum, Panorama und Generationen auszusuchen. 38 sind es geworden aus mehr als 15.000 Filmen, die im Programm der Berlinale in 60 Jahren gezeigt worden sind. Thomson eröffnet die Retrospektive am 11. Februar persönlich mit einer Einführung vor dem Screening von Jean Renoirs The River (Der Strom). Es folgen Klassiker wie Godards A Bout de Souffle (Außer Atem), Polanskis Repulsion (Ekel) oder Almodóvars La Ley Del Deseo (Das Gesetz der Begierde) aber auch (fast?) Vergessenes wie Werner Herzogs Berlinale Erstling Lebenszeichen. Die aktuellsten Filme in dieser Geburtstags-Retrospektive sind Away from Her (An ihrer Seite) von Sarah Polley und Yella von Christian Petzold.

03.02.10 20:00

Ehrenbären für Hanna Schygulla und Wolfgang Kohlhaase

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Zum 60. Geburtstag spendiert die Berlinale sich und uns eine doppelte Hommage: Für ihr Lebenswerk werden die Schauspielerin Hanna Schygulla und der Drehbuchautor und Regisseur Wolfgang Kohlhaase mit goldenen Ehrenbären ausgezeichnet. Im Programm der Hommage laufen jeweils fünf Filme mit Schygulla und von Kohlhaase.
Hanna Schygulla wurde vor allem als Darstellerin in den Filmen von Rainer-Werner Fassbinder bekannt. Die Berlinale zeigt deshalb auch unter anderem den frühen Fassbinder-Film Rio das Mortes und sein Spätwerk Die Ehre der Maria Braun. Für die Titelrolle erhielt Schygulla 1979 den silbernen Bären als beste Schauspielerin und den Deutschen Filmpreis in Gold.
Der Berliner Wolfgang Kohlhaase arbeitet seit mehr als 50 Jahren vor allem als Drehbuchautor. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören Solo Sunny und Sommer vor dem Balkon (Regie: Andreas Dresen) und Die Stille nach dem Schuß (Regie: Volker Schlöndorff). Diese Filme werden auch in der Hommage gezeigt, außerdem Kohlhaases erster großer Erfolg als Autor Berlin – Ecke Schönhauser von 1957 (Regie: Gerhard Klein). Solo Sunny bekam 1978 einen silbernen Bären, Kohlhaase schrieb nicht nur das Buch, sondern war neben Konrad Wolf auch Co-Regisseur.

29.01.10 9:00

Starke „mittellange“ Filme in der Perspektive

Sogenannte „mittellange“ Filme, ca. 25. bis ca. 60 Minuten, haben es schwer, in die Kinos zu kommen und ein Publikum zu finden. Das ist schade, wie die Perspektive Deutsches Kino in diesem Jahr beweist. Nach den Pressevorführungen steht fest: Man kann auch relativ kurzer Zeit eine gute Geschichte erzählen. Positiv fällt auf, dass das Themenspektrum bei den Mittellangen in diesem Jahr von Science Fiction, über Komödien bis hin zum Sozialdrama reicht. Besonders gelungen sind zwei ganz unterschiedliche Geschichten über das Erwachsenwerden. „The Boy Who Wouldn't Kill“ von Linus de Paoli, inszeniert einen Vater-Sohn-Konflikt in der apokalyptischen Welt nach dem großen Krieg - 25 Minuten, die sich Anschauen und Anhören wie großes Kino. Die 11-jährige „Jessi“ steht im Mittelpunkt von Mariejosephin Schneiders gleichnamigen Film: Jessis Mutter sitzt im Gefängnis und das Mädchen muss erwachsener sein als es will.

Auf der Berlinale werden sechs der mittellangen Filme in zwei Dreierpacks gezeigt: „The Boy Who Wouldn't Kill“, „Glebs Film“ und „Hollywood Drama“ laufen zusammen am Sonnabend, 13. Februar, 19.30 Uhr Cinemaxx 3; am Sonntag, 14. Februar, 13 Uhr Colosseum und am Sonntag, 14. Februar, 20.30 Uhr Cinemaxx 1. „Jessi“, „Lebendkontrolle“ und „Narben im Beton“ werden gezeigt am Mittwoch, 17. Februar, 19.30 Uhr im Cinemaxx 3; am Donnerstag, 18. Februar, 13 Uhr im Colosseum und Donnerstag, 18. Februar, 20.30 im Cinemaxx 1. Kurzfilm Nummer 7 „WAGs“ läuft im Vorprogramm am Freitag 19. Februar, 19.30 Uhr im Cinemaxx 3; am Sonnabend, 20. Februar, 13 Uhr im Colosseum und Sonnabend, 20. Februar, 20.30 im Cinemaxx 1.

24.01.10 6:00

Berlinale 1992

Wird die Berlinale von amerikanischen Filmen dominiert und gräbt so den anderen europäischen Festivals das Wasser ab, wenn es um Premieren großer US-Produktionen geht? Eine alte Diskussion gewinnt wieder an Fahrt. Der französische Kulturminister Jack Lang bläst sich mächtig auf und droht, das Festival von Cannes vorzuverlegen. Die Berliner reagieren nervös: Außenminister Genscher wird zu Hilfe gerufen. Am Ende ändert sich nichts. Natürlich. Wer glaubt schon, dass die Franzosen im Februar in Cannes Filme gucken wollen, wenn das Wetter auch an der Côte d'Azur nicht gerade freundlich ist?

Unterdessen ist die Berlinale weiter auf Identitätssuche. Wenn das Festival im Kalten Krieg die Brücke zwischen unterschiedlichen Systemen in Ost und West war, was soll sie dann in der Zukunft sein? „Eine Brücke zwischen den Kulturen im neuen Europa“, sagt Moritz de Hadeln. Aha. Europäische Regisseure bearbeiten dann auch historische Themen und scheitern nach Ansicht der Kritiker: Konchalovskys Der innere Kreis über den Filmvorführer Stalins „zu melodramatisch“, Geissendörfers Gudrun über den Alltag in Nazi-Deutschland „zu sentimental“ und Caminos "Der Lange Winter" über die Franco-Zeit „zu langweilig“.

Die verflixten Amis kommen dagegen mit Filmen, die gewalttätig und spannend sind: Scorsese fällt mit dem Remake von Kap der Angst nichts Neues ein, aber er hat de Niro. Paul Schraders Light Sleeper zeigt die düsteren aber verführerischen Wege eines Drogendealers der Upper Class und Warren Beatty zeigt in Barry Levinsons Bugsy, dass ein Visionär mit der nötigen kriminellen Energie auch die Wüste blühen lassen kann. Den Goldenen Bär gewinnt Lawrence Kasdans Grand Canyon, den viele Kritiker wieder für „zu seicht“ halten .

23.01.10 6:00

Berlinale 1991

Wie soll der zukünftige Kurs des Festivals in der vereinten Stadt aussehen? Die Erwartungen sind groß. Dann bricht einen knappen Monat vor der Berlinale der Zweite Golfkrieg aus und die Berlinale muss unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Im Wettbewerb laufen große Hollywoodproduktionen, die heute Klassiker sind: Das Schweigen der Lämmer und Der mit dem Wolf tanzt; dazu außer Konkurrenz Francis Ford Coppolas Der Pate III.

Trotzdem wird der Ton der Presse schärfer: Das Niveau sei enttäuschend, so heißt es, die Berlinale floppt im Ostteil der Stadt (Auslastung des International nur 25 Prozent). Besonders erbost die berichtende Zunft, dass sie für die Pressevorführungen in das Haus der Kulturen der Welt ausweichen muss. Insgesamt ergibt das schlechte Stimmung und harsche Kritik an der Festspielleitung.

Die Jury, Vorsitz Volker Schlöndorff, wirft zum Abschluss mit Bären um sich: Goldener Bär für Das Haus des Lächelns von Marco Ferreri, dafür gibt es Buh-Rufe bei der Verleihung. Dann gleich zwei Silberne Bären als ex aequo Spezialpreis der Jury für "Die Verurteilung" von Marco Bellocchio und "Satan" von Viktor Aristow. Ebenfalls nicht so recht entscheiden kann sich die Jury beim Silbernen Bären für die beste Regie, also gibt es je einen für Ricky Tognazzi und Jonathan Demme. Um die Verwirrung komplett zu machen, vergibt die Jury dann einen Silbernen Bären für eine herausragende Einzelleistung als Darsteller, Regisseur und Produzent an Kevin Kostner. Soviel Unentschiedenheit bringt natürlich Unkenrufe: Die Berlinale wird wieder einmal als orientierungslos abgeschrieben.

22.01.10 6:00

Berlinale 1990

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Antonio Banderas, Pedro Almodovar und Victoria Abril präsentieren "Atame!" auf der Berlinale 1990 (Quelle: Berlinale)

Schon bei der Berlinale 89 fühlt Moritz de Hadeln bei Horst Pehnert, stellvertretender Minister für Kultur in der DDR und Vorsitzender der Hauptverwaltung Film der DDR, vor, ob es nicht möglich sei, einen Teil des Berlinale-Programms auch in Ost-Berlin zu zeigen. Im Februar 89 scheint das noch in weiter Ferne. Am 9. November startet de Hadeln dann per Brief einen neuen Versuch aus „Berlin (West)“, wie es in dem Schreiben an Pehnert so schön heißt. Als am Abend desselben Tages die Mauer durchlässig wird, verbessern sich die Rahmenbedingungen für die Idee schlagartig.

De Hadeln handelt jetzt schnell und trifft sich am 24. November mit Pehnert und dem neuen Kulturminister der DDR, Dietmar Keller, auf der Leipziger Dokumentarfilmwoche. Die Gespräche werden in den darauf folgenden Tagen ausgeweitet. Schon am 6. Dezember stimmen die DDR-Verantwortlichen dem Plan zu, die Filme der Berlinale auch im Ost-Teil der Stadt zu zeigen. Schließlich laufen das gesamte Wettbewerbsprogramm, alle Filme des Kinderfilmfests und Teile des Panoramas im Kosmos und im Colosseum. Große Teile des Forums sind im International zu sehen. Insgesamt zählt die Berlinale im Ostteil 38.000 Zuschauer.

Auch sonst funktionieren bisher undenkbare Dinge: So gilt die Berlinale-Akkreditierung als amtliches Dokument für den Grenzübertritt in die DDR und der Zwangsumtausch entfällt. Über die Qualität der Wettbewerbsfilme wird eher genölt, was aber angesichts der politischen Entwicklungen nicht einmal zweitrangig ist. Julia Roberts, Sally Field und viele andere Stars lassen sich auf oder an der Mauer fotografieren. Die DEFA zeigt insgesamt sieben Regalfilme, die in der DDR verboten waren. Einmal mehr gibt es ex aequo zwei Goldene Bären: Für Costa-Gavras Music Box und für Jiri Menzels Film Lerchen am Faden, der in der Tschecheslowakei zuvor zwei Jahrzehnte lang verboten war.

18.01.10 6:00

Berlinale 1986

Aufregung! Weil „Die Zeit“ gegen die Berlinale polemisiert und unkt, dass das Münchner Filmfest bald mit einem eigenen Wettbewerb gegen Berlin antreten werde, gibt es FDP-Anfragen im Abgeordnetenhaus. Dann eröffnet Fellinis Ginger und Fred die Berlinale und München wird wieder zu einem beschaulichen Dorf an der Isar.

Alles ist gut! Alles ist gut? - von wegen. Denn das Innenministerium macht sich, ähem, Sorgen! Im Wettbewerb läuft Reinhard Hauffs Stammheim und ebenfalls im Wettbewerb, wenn auch außer Konkurrenz, ruft des Innenministers Spezl, Herbert Achternbusch, Heilt Hitler! (Spoiler Alert! Bierbichler pisst am Ende in den Starnberger See.). Bei Hauffs Film sind die Sicherheitsvorkehrungen scharf, trotzdem spritzt es Buttersäure im Zoo Palast. Stammheim bekommt den Goldenen Bären, aber ohne Eklat geht es nicht. Jurypräsidentin Gina Lollobrigida ist über die Jury-Entscheidung empört, spricht in der Verleihungsrede von einer kontroversen Jury-Diskussion und sagt deutlich, dass Sie gegen den Film gestimmt habe. Damit verstößt sie divenhaft aber ungalant gegen die Schweigepflicht der Juroren.

Das Forum gibt sich mit solchen Kindereien nicht ab, sondern betreibt politische Aufklärung auf hohem Niveau: Claude Lanzmann zeigt seinen fast zehnstündigen Dokumentarfilm Shoa über die Vernichtung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten. Auf mehreren Veranstaltungen diskutiert Lanzmann mit dem Publikum. Ebenfalls zum diesem Themenkreis gehören: Josh Waletzkys "Partisanen von Wilna" sowie Lea Roshs Filme "Ein Naziprozess" und "Vernichtung durch Arbeit".

17.01.10 14:42

Perspektive Deutsches Kino mit 14 Filmen

Neun Spielfilme und fünf Dokumentarfilme zeigt die Perspektive Deutsches Kino in diesem Jahr; darunter sind acht mittellange Filme mit einer Länge von 25 bis 60 Minuten. Wie immer setzt sich der junge deutsche Film mit Problemen auseinander, in diesem Jahr vor allem mit familiären Problemen. Ob die Beiträge des Programms „Schmerzgrenzen überschreiten“, wie die Berlinale im besten Pressemitteilungsdeutsch behauptet, werden wir sehen.

Gespannt sein kann man zum Beispiel darauf, wie Carolin Schmitz in ihren Portraits deutscher Alkoholiker mit einem Problem umgeht, das jedem bekannt ist aber fast niemanden zu interessieren scheint. Jan Raiber berichtet in Alle meine Väter ebenfalls dokumentarisch über die Suche eines jungen Mannes nach seinem Vater. Dagegen hat Christian Hornung für Gelbs Film ein weniger schicksalhaftes Thema gewählt: Er portraitiert einen Friseur in Hamburg-Altona, der seinen Kunden eine Filmgeschichte erzählt, die nur in seiner Phantasie entstanden ist.

Auch die Spielfilme widmen sich eher düsteren Geschichten: Narben im Beton von Juliane Engelmann erzählt die einer völlig überforderten dreifachen Mutter, die erneut schwanger ist und Lebendkontrolle von Florian Schewe die eines Knackis auf Freigang. Eröffnet wird die Perspektive mit Dietrich Brüggemanns Renn, wenn Du kannst und der kann in einer Dreiecksbeziehung zwischen einer Cellistin, einem Rollstuhlfahrer und einem Zivi auch komische Momente entdecken.

Berlinale 1985

Die Frau und der Fremde vom Rainer Simon ist der einzige Film, der jemals mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde. Die Auszeichnung teilt er sich mit Wetherby von David Hare. Die Frau und der Fremde erzählt von einer Dreiecksbeziehung im Ersten Weltkrieg: Die deutschen Soldaten Richard (Peter Zimmermann) und Karl (Joachim Lätsch) lernen sich in einem russischen Kriegsgefangenenlager kennen. Richard erzählt viel über die Liebe zu seiner Frau Anna (Kathrin Waligura). Karl kann fliehen und schlägt sich zu Anna durch. Das Verhältnis der beiden wird immer enger, dann kehrt auch Richard aus der Gefangenschaft zurück.

Das Forum zeigt mit The Times of Harvey Milk einen der herausragendsten Dokumentarfilme überhaupt, der mittlerweile ein Klassiker ist. Rob Epsteins Filmreportage über den schwulen Bürgerrechtler Harvey Milk erhält im selben Jahr auch den Oscar als bester Dokumentarfilm. Das Forum setzt weitere Glanzlichter mit Secret Honor, Robert Altmans filmischem Kommentar zur Nixon-Zeit und mit Eberhard Fechners dreiteiliger Dokumentation des „Majdanek-Verfahrens“ Der Prozess (1 Anklage, 2 Beweisaufnahme, 3 Urteile). Das Forum bietet dieser Fernsehdokumentation damit eine internationale Plattform.

Sorgen macht sich einmal mehr das deutsche Innenministerium: Jean-Luc Godards Je vous salue, Marie bringt den biblischen Mythos von Maria und Josef auf die Leinwand, was insbesondere den Gründer der Pius-Bruderschaft, Bischof Lefebvre, fürchterlich aufregt. Da auch in Bayern irgendjemand französisch kann, steigt der Blutdruck von Friedrich Zimmermann. Moritz de Hadeln dagegen bleibt ruhig und Godards Film im Wettbewerb.

16.01.10 6:00

Berlinale 1984

Innenpolitischer Streit um die Freiheit der Filmkunst und die Filmförderpolitik nach der „geistig-moralischen Wende“: Innenminister „Old Schwurhand“ Friedrich Zimmermann (verurteilter Meineid-Schwörer von 1960, der aber 1961 wegen unterzuckerungsbedingter temporärer Debilität freigesprochen wurde) – sorgt sich um Herbert Achternbuschs Wettbewerbsfilm Wanderkrebs und um den Forums-Beitrag Meridian oder Theater vor dem Regen. Zimmermann (Partei? Na welche wohl? Richtig: CSU) und sein Ministerium verweigerten die Auszahlung von Fördermitteln an die Regisseure. Trotzdem liefen die Filme auf der Berlinale.
Merke also, zensieren können die Kalten Krieger auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs besser: Der geplante Eröffnungsfilm Prostschanje (Abschied von Matjora) von Elem Klimow wird vom sowjetischen Filmverband nicht freigegeben. Er läuft im Zeichen von Gorbatschows Reformen erst 1987 auf der Berlinale (Da ist Zimmermann immer noch Innenminister. Merke also auch, Glasnost und Perestroika kamen sowohl in Bonn als auch in Ost-Berlin mit Verspätung an).
Allgemein geklagt wird über die Unübersichtlichkeit des Festivals: Es gibt den Wettbewerb, Sondervorstellungen außer Konkurrenz im Wettbewerb, die Info-Schau, das Kinderfilmfest, das Mittelmeer-Panorama, die Reihe Deutsche Filme und diverse Retrospektiven. Im Forum gibt es die „Hommage an das ZDF-Fernsehspiel“ und zusätzlich zur Reihe „Neue Deutsche Filme“ die „Perspektiven“ mit Studenten- und Debütfilmen. Das war doch gar nicht so schwierig - alles klar?
Ach ja, John Cassavetes gewinnt mit Love Streams den Goldenen Bären. Das radikale Drama um die Alkoholexzesse eines Autors und seiner Schwester – in den Hauptrollen Cassavetes und Gena Rowlands – verstört einen großen Teil des Publikums.

07.01.10 6:00

Berlinale 1975

25. Berlinale: Endlich werden die Brüder und Schwestern aus dem „anderen Deutschland“ nicht nur in der Glotze von Wim Thoelke begrüßt, sondern sind auch bei der Berlinale dabei. Die UdSSR nahm im Jahr zuvor erstmals teil und nun hat auch das teutonisch-sozialistische Bruderland die Erlaubnis vom Obersten Sowjet, sich im Zoo-Palast zu präsentieren. Im Gepäck für den Wettbewerb hat Frank Beyer den später für den Oscar nominierten Jakob der Lügner, einen gelungenen Film nach dem noch viel besseren Roman von Jurek Becker. Hauptdarsteller Vlastimil Brodsky bekommt den Silbernen Bären für die beste männliche schauspielerische Leistung.
Zum Jubiläum gibt es für das Publikum Star-Futter: Kirk Douglas ist mit dem Western Posse vertreten und Claudia Cardinale darf die Bären überreichen. Den goldenen erhält die Ungarin Martá Mészáros für Örökbefogadás (Adoption).
Kurios: Vor 35 Jahren zeigt Woody Allen seine Revolutionsgroteske Love and Death (Die letzte Nacht des Boris Gruschenko) und erhält einen Silbernen Bären für „sein Gesamtwerk“. Besser zu früh als nie, mag sich die Jury gedacht haben. Da Mr. Allen seitdem in 38 weiteren Kinofilmen Regie geführt hat, kann die Jury auf ihren Wagemut stolz sein.

05.01.10 6:00

Berlinale 1973

Die Berlinale hat zu wenig Geld: Der Senat knausert, der Bund im fernen Dorf Bonn auch (ohne dessen Staatsknete hat der West-Berliner eh' nix zu feiern), und die Einnahmen aus dem Kartenverkauf sind mager, weil der undankbare West-Berliner im heißen Sommer lieber die Badehose einpackt und raus an den Wannsee fährt. Die, die dennoch ins Kino gehen, nehmen sogar ihre Kinder mit in den japanischen Zeichentrickfilm Kanashimi no Belladonna von Eiichi Yamamoto und werden überrascht: Yamamotos sexuell aktive Alptraumgestalten mit Hang zu Gewalt und Fetischen haben soviel mit Micky Maus zu tun wie Motörhead mit Tokyo Hotel.
Zum ersten Mal ist Steven Spielberg mit Duel in Berlin, der längsten Verfolgungsjagd der Kinogeschichte. Der Film läuft im Wettbewerb außer Konkurrenz. Das Internationale Forum des jungen Films macht seinem Namen Ehre und erweitert sein Programm immer mehr: Es laufen Filme aus Afrika, Lateinamerika, Japan, den USA und Europa.
Heute mag man es kaum glauben, aber früher gab es im Wettbewerb der Berlinale auch etwas zu lachen: Pierre Richard ist Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh. Regisseur und Drehbuchautor Yves Robert bekommt für den Film sogar einen Silbernen Bären. Gewinner des Festivals wird Ashani Sanket (Ferner Donner) von Satyajit Ray.

02.01.10 6:00

Berlinale 1970

Das Skandaljahr: Michael Verhoevens Film O.K., der die Vergewaltigung und Ermordung eines vietnamesischen Kindes durch Soldaten der US-Armee in Motiven bayerischer Passionsspiele erzählt, löst am fünften Festivaltag einerseits Beifall und andererseits hysterische Kritik aus. Ein reales Verbrechen aus dem Jahr 1966 hatte Verhoeven zu dem Film inspiriert. Zum Deppen macht sich bereits am 1. Juli das deutsche Jurymitglied Manfred Durniok, der sich beim amerikanischen Jury-Vorsitzenden George Stevens dafür entschuldigt, dass O.K. als Beitrag der Bundesrepublik Deutschland (sic!) im Wettbewerb gezeigt wird. Dieser Speichelleckanfall ist der Anstoß für eine Lawine an Zensurvorwürfen, Rechtfertigungen, persönlichen Verleumdungen und Verschwörungstheorien. Ergebnis: Die hoffnungslos zerstrittene Jury tritt zurück, der Wettbewerb wird abgesagt, einige Filme zurückgezogen oder nur „informatorisch“ gezeigt. Die Berlinale liegt in Trümmern. Die großartige Fassbinder-Satire über den Irrsinn des Alltags Warum läuft Herr R. Amok? lief zum Glück schon bevor das Festival im Chaos versank.
Aus dem Desaster wächst Positives: Endlich reformiert sich die so oft bürokratisch blockierte Berlinale, das „Internationale Forum des jungen Films“ wird aus der Taufe gehoben.

01.01.10 6:00

Berlinale 1969

Hinterher ist man immer schlauer: Die Berlinale-Jury blamiert sich und vergibt keinen einzigen Bären an den Favoriten des Publikums, Midnight Cowboy von John Schlesinger. Auch seine Hauptdarsteller Dustin Hoffman und Jon Voight gehen leer aus. United Artists ist darüber so sauer, dass der Verleih die Berlinale für zehn Jahre boykottiert. Die Jury zeigt vielmehr Herz für Debütfilme: Zelimir Zilniks Rani Randovi (Frühe Werke) wird mit Gold prämiert und Brian de Palmas Erstling Greetings erhält einen der Silbernen Bären.
Im deutschen Filmwesen zankt man sich mal wieder, diesmal um den Modus der Filmauswahl. Nach Beendigung des Festivals einigt man sich auf eine Änderung der Verfahrensordnung (Luhmann goes to Hollywood), auf die Abschaffung des Zwei-Kammern-Systems und die Auflösung der Paritätischen Auswahlkommission für deutsche Filme. Die Berlinale und der deutsche Film sind gerettet! Dass es dem deutschen Film eh' nicht schlecht geht, beweist Rainer Werner Fassbinder mit Liebe ist kälter als der Tod.

27.12.09 21:31

"Renn wenn Du kannst" eröffnet Perspektive

Der Film "Renn wenn Du kannst" von Dietrich Brüggemann ist der Eröffnungsfilm der Perspektive Deutsches Kino bei der Berlinale 2010. Robert Gwisdek spielt einen Rollstuhlfahrer, der sich in eine Musikstudentin (Anna Brüggemann) verliebt und dabei in seinem Zivi (Jacob Matschenz) einen umbequemen Konkurrenten hat. Die Hauptdarstellerin Anna Brüggemann hat gemeinsam mit ihrem Bruder, der hinter der Kamera seht, auch das Drehbuch geschrieben.

22.12.09 6:00

Berlinale 1959

Die Berlinale wird größer, verzeichnet einen Besucherrekord und ist mit Filmen aus 53 Ländern internationaler denn je. Der regierende Berliner Partymeister Willy Brandt feiert mit Rita Hayworth und sieht dabei sehr vergnügt aus, auch wenn Chruschtschows Berlin-Ultimatum immer noch für schlechte Stimmung sorgt. Aber wer ist Chruschtschow? Echte Promis gibt’s im Dutzend: Sophia Loren, Robert Aldrich, David Niven und und und...

Zwischen West- und Ost-Berlin macht man auf Völkerverständigung im Kleinen: Journalisten von kapitalistischen Medien aus aller Herren Länder besichtigen die DEFA-Studios und trinken nach den Grundsätzen sozialer Gerechtigkeit gebrautes Bier und in genossenschaftlicher Selbsthilfe produzierte Spirituosen im Ost-Berliner Filmclub „Möwe“.

Künstlerisch erobert die Nouvelle Vague die Berlinale. Claude Chabrols "Les Cousins“ (Schrei, wenn Du kannst) gewinnt den Goldenen Bären. Trotz eines gut besetzten Wettbewerbs, neben "Les Cousins" Filme von Akira Kurosawa und Gilles Grangier, will Festivalleiter Alfred Bauer zukünftig mehr Filme im Ausland von Experten sichten lassen. Die Politik allerdings will die Mittel nicht, wie gewünscht, auf 300.000 DM aufbessern.

21.12.09 6:00

Berlinale 1958

Die Berlinale wagt politisch Neues und lädt die UdSSR ein. Aufgrund „eines Formfehlers“ weist Russland die Einladung aber zurück. Dennoch zieht das Festival mehr Aufmerksamkeit als jemals zuvor auf sich. Schon die Eröffnungsfeier in der neuen Kongresshalle zeigt ein gewachsenes Selbstbewusstsein. Der Berliner Bürgermeister Willy Brandt vertraut in seiner Eröffnungsrede „auf die Weltoffenheit dieser Stadt“ und sagt: „Die Filme der Völker werden hier der Bevölkerung des gesamten Berlin gezeigt, nicht zuletzt unseren Mitbürgern aus dem östlichen Sektor und den Landsleuten aus den uns umgebenden Gebieten.“

Die Berlinale wartet mit großen Stars auf: Jean Marais, Frederico Fellini, Gina Lollobrigida, Frank Capra als Jurypräsident. Den Goldenen Bären erhält Ingmar Bergmans „Smultronsstallet“ (Wilde Erbeeren). Doch im Gedächtnis geblieben sind die Festspiele von 1958 wegen eines neuen Stars: Sidney Poitier. Er erhält den Silbernen Bären als bester männlicher Darsteller für seine Rolle als Noah Cullen in „The Defiant Ones“ (Gesprengte Ketten). Es ist Poitiers erste internationale Auszeichnung. „The Defiant Ones“ gewann zwei Oscars, Poitier und der zweite Hauptdarsteller Tony Curtis wurden beide für den Oscar nominiert. Poitier gewann den Oscar 1964 für die Hauptrolle in „Lilies of the Field“ (Lilien auf dem Felde).

20.12.09 6:00

Berlinale 1957

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Zum ersten Mal hat die Berlinale mit dem neuen Zoo-Palast auch ein adäquates Festspielkino. Promis wie Errol Flynn und Henry Fonda, der die Hauptrolle in Sidney Lumets Goldener-Bär-Gewinner „Twelve Angry Men“ (Die zwölf Geschworenen) spielt, können sich den Berlinern mit mehr Glamour auf dem Roten Teppich an der Hardenbergstraße präsentieren. Eröffnet wird der Zoo-Palast schon drei Wochen vor Berlinale-Start mit der Premiere von Helmut Käutners „Die Zürcher Verlobung“.

Wie so oft ist die Berlinale auch 1957 ein Spielplatz für kalte Krieger. Die Haltung der Festivalleitung, eine Art kulturpolitische Hallstein-Doktrin zu befolgen und keine Länder aus dem „Ostblock“ einzuladen, gerät immer mehr in die Kritik. Zumal man sich in Cannes entschlossen hatte, auch Länder wie die VR China oder die DDR zu den Filmfestspielen einzuladen, die keine diplomatischen Beziehungen zu Frankreich unterhalten. Mit der Demokratie ist es nicht nur in der Ostzone, sondern auch im freien Westen eher vertrackt – zumindest wenn es um Filme geht. Die Publikumsabstimmung über die Bären wird kurzerhand abgeschafft.

Für Verwirrung sorgt der deutsche Wettbewerbsbeitrag „Jonas“. Der Regisseur Ottomar Domnick, im zivilen Leben Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, bricht in seinem assoziativen Film mit linearen Erzählweisen und arbeitet mit der Symbolsprache der Psychoanalyse. Die vorausschauende Festivalleitung ist sich der intellektuellen Begrenztheit der versammelten Journaille durchaus bewusst und setzt eine Sonderpressekonferenz mit einleitendem Vortrag zur Filmvorführung an.

23.11.09 18:04

Holighaus nur noch 2010 Leiter der "Perspektive"

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Der Leiter der „Perspektive Deutsches Kino“; Alfred Holighaus, trägt im Februar 2010 zum letzten Mal die Verantwortung für diese Sektion. Er wird schon im Januar Geschäftsführer der Deutschen Filmakademie, steht der Berlinale aber noch bis Ende Februar zur Verfügung. Holighaus kam im Sommer 2001 zur Berlinale und kuratierte im darauf folgenden Jahr zum ersten Mal die neu geschaffene Festivalsektion, die aktuellen deutschen Produktionen der unterschiedlichsten Formate eine Plattform bietet. Die Perspektive ist in einem knappen Jahrzehnt zu einer Art Wundertüte des jeweils aktuellen Filmjahrgangs geworden (die Filme müssen im Jahr vor dem Festival gedreht werden). In dieser Tüte finden sich immer wieder Kostbarkeiten, z.B. Muxmäuschenstill (Marcus Mittermeier), Netto (Robert Thalheim) oder Prinzessinnenbad (Bettina Blümner), aber auch häufig Unausgegorenes. Langweilig ist die Perspektive nie, besonders aktuellen deutschen Dokumentarfilmen verschafft sie verdiente Aufmerksamkeit.

14.02.09 13:03

Panorama-Publikumspreis vergeben

Für ihre Polit-Doku-Satire "The Yes Men Fix the World" erhalten Andy Bichlbaum, Mike Bonanno und Kurt Engfehr den von Radio Eins, dem Tip und der Panomara-Sektion vergebenen Publikumspreis. Die Panorama-Zuschauer wählten den Film auf Platz 1 vor "Welcome" von Philippe Lioret und "Der Knochenmann" von Wolfgang Murnberger. Insgesamt wurden über 21.000 Stimmen abgegeben. Die Preisverleihung findet am morgigen Sonntag um 17 Uhr im Cinemaxx 7 statt.

13.02.09 21:10

"Soul Power" von Jeffrey Levy-Hinte

"Soul Power“ mit diesem Song eröffnen der Godfather of Soul and the Mighty JBs den Film, mit “Say it Loud (I’m black and Proud)” beenden sie die Dokumentation über das Soul Power-Festival 1974 in Kinshasa im Rahmenprogramm zum “Rumble in the Jungle” Ali vs. Frazier. Jeffrey Levy-Hinte hat aus mehreren Tagen Filmmaterial – allein 12 Stunden Konzert-Footage – einen Musikfilm im cinema verité Stil gemacht, der einen auf eine Klassenfahrt der Elite-Soulschule nach Zaire mitnimmt. Dabei sind neben James Brown, Bill Withers, Miriam Makeba, B.B. King und die Spinners in einer Soundqualität, die sich mit den besten Musikfilmen von heute messen kann.

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"Little Joe" von Nicole Haeusser

Joe Dallesandro war der erste Schauspieler, der sich in den Kunstfilmen von Warhols Factory auszog und "full-frontal“ vor der Kamera agierte. Nach drei Filmen ("The Loves of Ondine“, "Lonesome Cowboys“, "Flesh“) war er 1968 eine Sex-Ikone und spukte fürderhin durch die Köpfe von Männern und Frauen des Underground. Dallesandro – wegen seines Tattoos auf dem rechten Oberarm nur "Little Joe“ genannt – sah und sieht das alles mit erfrischender Gelassenheit. "So? Das war also Kunst?“, fragt er im Dokumentarfilm von Nicole Häusser. "Meine frühen Aktfotos waren Pornographie und im Film ist es Kunst? Na gut.“

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12.02.09 14:55

"Milk" von Gus van Sant

Zwischen den deprimierenden Auftaktszenen von „Milk“ – körnige schwarz-weiß Fernsehbilder aus dem Florida der 60er-Jahre – in denen Männer, die verzweifelt ihre Gesichter zu verbergen suchen von Polizisten in einen Transporter gezerrt werden, nur weil diese Männer schwul sind – und den Schlussbildern, in denen tausende Menschen sich in San Francisco mit dem ermordeten Harvey Milk solidarisieren, liegen 128 Filmminuten, ein Politikerleben und eine gesellschaftliche Revolution. Natürlich ist die Ermordung eines Menschen auch etwas Deprimierendes, aber diese Solidaritätsgeste war 1979 nicht nur eine der Trauer, sondern auch eine der Hoffnung: Harvey Milk hatte in nur sieben Jahren etwas für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben erreicht, dass sich durch Gewalt nicht rückgängig machen lässt.

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"The Yes Men Fix the World" von Andy Bichlbaum, Mike Bonanno und Kurt Engfehr

"Yes Men" gewinnen den Panorama-Publikumspreis

Die „Yes Men“ wollen die Welt retten – mit Kapitalismuskritik. Zu diesem Zweck führen Andy Bichlbaum und Mike Bonanno nach ihrem Film aus dem Jahr 2003 in „The Yes Men Fix the World“ zum zweiten Mal Manager, Regierungsvertreter, Wirtschaftsexperten und die Medien vor, indem sie sie einfach nachahmen. Dabei zeigt sich: wenn die Kamera angeht, reden Experten mit jedem; wenn die Powerpoint-Präsentation hochfährt, fahren Managergehirne runter und die Medien (BBC, CNN, diverse Nachrichtenagenturen) glauben und berichten eigentlich alles.

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11.02.09 15:20

"Der Knochenmann" von Wolfgang Murnberger

Jetzt ist schon wieder was passiert ... Wer diese Stimme aus dem Off hört, weiß: Brenner (Josef Hader) muss wieder ermitteln in einer neuen Verfilmung eines Krimis von Wolf Haas. Diesmal kommt Brenner auf die Spur des Knochenmanns. Wie immer wieder Willen, denn eigentlich sollte er doch nur für den Berti (Simon Schwarz) eine Leasingrate für den zitronengelben Beetle vom Horvarth eintreiben. Jetzt aber ist der Horvarth verschwunden. Und was dann passiert, frage nicht, schau’ lieber hin.
Link zum festivalblog-Interview mit Josef Hader

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"The Messenger" von Oren Moverman

"The Messenger“ ist ein Film über den Krieg, in dem kein Schuss fällt, kein Panzer fährt, keine Rakete von einem Jet abgeschossen wird. Regisseur Oren Moverman lässt die spektakulären Hollywoodbilder beiseite und beschäftigt sich mit dem was wichtig ist – mit dem was der Krieg anrichtet: dem Tod, der Verzweiflung der zurückgelassenen Angehörigen und dem Kampf der aus dem Krieg Zurückgekehrten um ein normales Leben.

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10.02.09 12:03

"Mitte Ende August" von Sebastian Schipper

Ein Häuschen im Grünen, davon träumt er der Großstädter. Rückzug ins Private, selbst renovieren und in trauter Zweisamkeit der ekligen Entfremdung entkommen – das muss so schön sein. In der Auftaktszene von Sebastian Schippers "Mitte Ende August“ sitzen Hanna (Marie Bäumer) und Thomas (Milan Peschel) beim Notar und kaufen ein heruntergekommenes Haus auf dem Land. Dann sieht man sie leicht irre vor Glück durch das neue Eigentum taumeln und Pläne schmieden. Von da an geht’s bergab.

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09.02.09 0:50

"Der Vorleser" von Stephen Daldry

„The Reader“ nach Bernhard Schlinks Weltbestseller „Der Vorleser“ ist kein Film über die Liebe, sondern ein Film über emotionale Abhängigkeit, persönliche Schuld und ihre Folgen. Die Sommeraffäre zwischen dem 15-jährigen Schüler Michael Berg (David Kross) und der 36-jährigen Straßenbahnschaffnerin Hanna Schmitz (Kate Winslet) mit ihrem bizarren Vorlese-Ritual beeinflusst das gesamte spätere Leben von Michael. Als er während seines Jurastudiums Mitte der 60er Jahre in einem Seminar die Auschwitz-Prozesse in Frankfurt verfolgt, erkennt er Hanna Schmitz als eine der Angeklagten. Die sechs KZ-Wärterinnen müssen sich für den Mord an 300 Menschen verantworten. Während der sogenannten „Todesmärsche“, mit denen Häftlinge vor allem ab April 1945 aus den Konzentrationslagern zu Sammelstellen getrieben wurden, schlossen die Wärterinnen die Häftlinge in einer Kirche ein und ließen sie nach einem Bombenangriff verbrennen.

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08.02.09 23:43

"Short Cut to Hollywood" von Marcus Mittermeier und Jan Henrik Stahlberg

„Short Cut to Hollywood“ ist ein echtes Überraschungs-Highlight der Berlinale. Jan Henrik Stahlberg hat nicht nur das geniale Drehbuch geschrieben, sondern spielt auch die Hauptrolle und führte gemeinsam mit Marcus Mittermeier Regie. Die Geschichte über drei Freunde, die aus ihrem tristen Alltag ausbrechen, um als Musik- und Medienstars in den USA Karriere zu machen, ist originell, skurril und zudem mit bizarrem Humor erzählt wie seit Jahren keine mehr in einem deutschen Film. Mehr vom Inhalt zu verraten, hieße den Spaß am Kinobesuch zu verderben. Das muss man gesehen haben: Auf der Berlinale läuft der Film noch am 12.2. im Zoo Plast, am 13.2. im Cinemaxx 7 und am 14.2. im International.

05.02.09 21:00

Puschelalarm! festivalblog klärt auf

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Sie sind golden, fluffig und vor allem zahlreich: Seltsame Puschel an vielen, vielen Masten rund um den Berlinale-Palast. Aber was sind sie? Übriggebliebene Weihnachtsdekoration, clevere Tarnung für Überwachungskameras oder war Jeff Koons auf Drogen? Viele Berlinalebesucher bleiben stehen und wundern sich, keiner weiß eine Antwort. Nur festivalblog kennt die Fakten.

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Dieter Kosslick war mit dem Papst essen

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Zwei der mächtigsten Männer der Welt, Berlinale-Chef Dieter Kosslick und Papst Bendikt XVI., haben sich im Vorfeld des Festivals zum Essen getroffen. Der Gedanke an diesen Gipfel des obersten Hirten aller Filmgläubigen und des obersten Hirten aller Katholiken raubte mir heute morgen den Schlaf.

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08.10.08 15:28

Social Action Film Festival in Berlin

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Soziale Probleme weltweit nehmen die Filmemacher des "International Social Action Film Festival" am Sonnabend, 11. Oktober, in den Fokus ihrer Kameras. Das eintägige Festival beginnt um 13.45 in der "Humboldt Viadrina School of Governance" in der Wilhelmstraße 67. Kurze und mittellange Filme beschäftigen sich mit aktuellen Themen wie Menschenrechte, Gesundheit oder sozial verantwortungsbewusstes Unternehmertum. Es werden nicht nur Filme gezeigt: Mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen kann das Publikum auch die Gründe für soziale Probleme und Lösungsmöglichkeiten diskutieren.
Um 20 Uhr wird der vielfach ausgezeichnete, oscarnominierte Dokumentarfilm WarDance von Sean Fine und Andrea Nix Fine gezeigt, der 2007 auf dem Sundance Film Festival den Preis als bester Dokumentarfilm gewann. "WarDance" begleitet eine Gruppe von Schülern bei der Teilnahme am Nationalen Musikwettbewerbs in Uganda. Der ugandische Bügerkrieg hat das Leben dieser Kinder schwer gezeichnet, für sie ist ihre Performance mehr als nur ein Wettbewerb. Mehr Informationen zum Social Action Film Festival

17.07.08 12:17

50 Jahre Anderground: "Chien Fuck!" von Carl Andersen

In seinem jüngsten Film „Chien Fuck!“ seziert Carl Andersen gnadenlos und komisch – das ist etwas völlig anderes als gnadenlos-komisch – den emotionalen Tumult, dem sich Menschen durch den verzweifelten Versuch der Zweisamkeit aussetzen. Franz liebt Julie, Julie weiß nicht so genau, ob sie das auch tut. Darüber miteinander zu reden, ist für die beiden unmöglich – also tun sie es mit Freunden. Heraus kommt der ultimative Diskursfilm über das Leben, die Liebe und den Sex mit komischen und niederschmetternden Gesprächen über gescheiterte Beziehungen und darüber hinaus „echtem“ Sex. „Chien Fuck!“ läuft im Rahmen des Festivals „50 Jahre Anderground“ am Donnerstag, 17. Juli, und am Mittwoch, 23. Juli, jeweils um 22 Uhr in den Tilsiter Lichtspielen sowie am Montag, 28. Juli, im 22 Uhr in der Brotfabrik.

10.07.08 14:45

"50 Jahre Anderground": Filmfest für Carl Andersen in Berlin

Zum Geburtstag: Frauen, Liebe, Sex und das Zwischenmenschliche

Carl Andersen feiert einen doppelten Geburtstag: Der Wiener, der seit 1991 in Berlin lebt und filmt, wird ein halbes Jahrhundert alt und geht seit nunmehr zwanzig Jahren als konsequenter No-Budget-Filmschaffender seinen Lieblingsthemen nach, zu diesen gehören in loser Folge und ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Frauen, Vampirismus, Liebe, Gewalt, Sex und das Zwischenmenschliche. (Ein Interview mit Carl Andersen) Mit dem Geburtstagskind feiern das Kino in der Brotfabrik und die Tilsiter Lichtspiele50 Jahre Anderground“. Von Donnerstag 17. Juli bis zum 30. Juli zeigen beide Kinos an jedem Abend um 22 Uhr einen Film von Carl Andersen. Außerdem läuft zum Abschluss am 29. und 30. Juli in der Brotfabrik Lothar Lamberts Dokumentarfilm „Küss die Kamera“ über Carl Andersen und Erwin Leder, Darsteller in Andersens „Vom Luxus der Liebe“ und „Chien Fuck“.

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19.04.08 18:08

"Sportsfreund Lötzsch" von Sandra Prechtel und Sascha Hilpert

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Aufzeichnungen eines Ausdelegierten

Das „achtung berlin“-Festival zeigt wie die vergangene Berlinale, dass die Realität oft spannender ist als die Fiktion und dass Dokumentarfilme Geschichten erzählen, die man einem Spielfilm kaum glauben würde. „Sportsfreund Lötzsch“ von Sandra Prechtel und Sascha Hilpert zeigt das Menschenverachtende des real-existierenden Sozialismus. Der Radsportler Wolfgang Lötzsch wird wegen seiner ideologischen Unzuverlässigkeit trotz seiner überragenden Leistungen aus dem DDR-Leistungssportsystem „ausdelegiert“ und von der Stasi überwacht. Lötzsch kämpft als Einzelner gegen das System, so sagt er es selbst im Film. Prechtel und Hilbert lassen in ihrem Film nicht nur Freunde und Radfahrerkollegen zu Wort kommen, sondern auch den Major der Staatssicherheit Heinrich Engelhardt, der die Überwachungsoperation „Speiche“ koordiniert hat. „Sportsfreund Lötzsch“ fokussiert auf einen Mann, der nur Sportler sein wollte und zum Rebell gemacht wurde. Der Erkenntnisgewinn durch den Film über das Zusammenwirken von Politik und Stasi im unermüdlichen Kampf gegen die Freiheit des Einzelnen ist enorm.

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15.04.08 17:05

achtung berlin - Filmfestival im Babylon Mitte

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Mehr als 70 Filme laufen vom 16. bis 22. April auf dem Filmfestival „achtung berlin – new berlin film award“ im Babylon Mitte. Im Filmwettbewerb „Made in Berlin-Brandenburg“ treten 36 Filme an, die von einer Berlin-Brandenburger Produktionsfirma realisiert wurden oder sich mit Berlin beschäftigen. Den „new berlin film award“ erhalten die Gewinner in den Kategorien Spielfilm, Dokumentarfilm, Mittellanger Film und Kurzfilm. Ausgezeichnet wird außerdem die beste Kamera und der beste Schnitt. Weitere Festivalsektionen sind Berlin-Brandenburg spezial und HeimatDokumente. Die Retrospektive trägt den Titel „B wie Berlin“, zu sehen sind Kurzfilme aus 60 Jahren Berlinwerbung. Für Kinder und Jugendliche gibt es am Sonnabend- und Sonntagnachmittag ein Kurzfilmprogramm.

29.03.08 17:47

Lola-Nominierungen für drei Berlinalefilme

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Drei Berlinalebeiträge aus den Jahren 2007 und 2008 wurden in dieser Woche für den Deutschen Filmpreis "Lola" nominiert. "Prinzessinnenbad" von Bettina Blümner, der 2007 in der Perspektive Deutsches Kino lief, hat in der Kategorie Bester Dokumentarfilm eine Chance auf die "Lola". Viermal nominierte die Deutsche Filmakademie "Yella" von Christian Petzold aus dem Wettbewerb 2007: In den Kategorien Bester Film und Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Nina Hoss) und Beste Kamera (Hans Fromm). "Kirschblüten" von Doris Dörrie, gezeigt im Wettbewerb 2008, wurde in sechs Kategorien berücksichtigt, darunter Bester Film und Beste Regie. Außerdem erhielten die beiden Hauptdarsteller Hannelore Elsner und Elmar Wepper Nominierungen. Doris Dörrie kann sich außerdem Hoffnung auf den Filmpreis für ihr Drehbuch machen und Sabine Greunig tritt in der Kategorie Bestes Kostümbild an.

19.03.08 15:42

"Die Österreichische Methode" von Erica von Moeller und anderen

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(Foto: Spirit Filmverleih)

Der Episodenfilm „Die Österreichische Methode“ lief bereits bei den Hofer Filmtagen 2006 und auf verschiedenen anderen Festivals. Jetzt kommt er auch in die Kinos (Starttermin: 20. April 2008). Im Mittelpunkt jeder der fünf Episoden stehen junge Frauen in extremen Beziehungssituationen. Der Film ist ein gemeinsames Projekt von fünf Absolventen der Kölner Filmhochschule Florian Mischa Böder, Peter Bösenberg, Gerrit Lukas, Erica von Moeller und Alexander Tavoli.

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16.02.08 1:05

"Drifter" von Sebastian Heidinger

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Aufzeichnungen über Unsichtbare

Die meisten Filme handeln vom Leben. Sie kreieren fiktive Figuren und Situationen, die vielleicht ungewöhnlicher sind als das, was wir aus unserem Alltag kennen - aber in der Regel kann das Publikum das „gespielte Leben“ im Film nachvollziehen. Darin liegt ein wesentlicher Reiz des Kinos. Daneben gibt es eine kleinere Anzahl von Filmen, die sich mit Extremen beschäftigen: Dann geht es oft ums Überleben. Das Überleben ist das große Thema, aus dem zum Beispiel Action- und Kriegsfilme ihre Spannung ziehen. Die Emotionen, die in diesen Filme eine Rolle spielen, sind so grundlegend, dass es dem Publikum trotz der oft realitätsfernen Geschichten leicht fällt, sich mit den Protagonisten zu identifizieren. In dem Dokumentarfilm „Drifter“ zeigt Sebastian Heidinger etwas völlig Anderes: Den Alltag von Aileen (16), Angel (23) und Daniel (25), die in der Drogenszene des Berliner „Bahnhof Zoo“ im existenziellen Niemandsland zwischen Leben und Überleben treiben.

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15.02.08 20:30

"Die Dinge zwischen uns" von Iris Janssen

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Aufgepasst und mitgedacht!

Geneigte Leserin, geneigter Leser! Zu Beginn eine kleine Denksportaufgabe: Was ist das Wichtigste für einen guten Film? Denken Sie nach. In der Zwischenzeit erzähle ich Ihnen eine kleine Geschichte:

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"Ich liebe dich, ich töte dich" von Uwe Brandner

Subversion und Waldidylle

Es ist schön in dem bayerischen Dorf inmitten einer malerischen Waldlandschaft, sogar sehr schön. Schafe werden durchs Dorf getrieben. Die Buben sind kurzbehost, brav gescheitelt und gehen wie die Mädchen artig zur Schule. Der Pfarrer schlendert im vollen Ornat die Dorfstraße hinunter. Da kommt der junge Jäger mit seiner Flinte in Jeans und Lederjacke, lässig hat er einen toten Schäferhund geschultert. Den hängt er vor dem Bürgermeisterhaus auf, das gibt eine saftige Belohnung. Alles ist gut auf dem Land in Bayern sogar noch Anfang der Siebziger, oder?

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"Jesus liebt Dich" von Lilian Franck, Matthias Luthardt, Michaela Kirst, Robert Cibis

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Jesus was a Crowd Surfer

Berliner Olympiastadion, Menschenmassen, rhythmisches Klatschen, Sprechchöre... Kennt man, reicht trotzdem wieder nicht für drei Punkte. „Jesus-Jesus-Jesus!“. Halt. Die Hertha-Anhänger mögen ja verzweifelt sein, aber sie können nicht im Ernst glauben, dass Jesus sich für das gewöhnungsbedürftige Hauptstadt-Gekicke interessiert. Die, die wie Fußballfans aussehen, sind gar keine. Es sind evangelikale Christen, die aus aller Welt gekommen sind, um zur Weltmeisterschaft 2006 die Fans zu missionieren.

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13.02.08 22:40

"Winter Soldier" von Wintersoldier Collective

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"They fuck with your mind"

“Winter Soldier” ist ein Film über den Krieg und darüber, was ein Krieg aus Soldaten macht. Herzstück des Films sind Mitschnitte der sogenannten Winter Soldier Hearings, die die Vietnam Veterans against the War vom 31. Januar bis 2. Februar 1971 in Detroit veranstalteten. 109 Vietnamveteranen schilderten bei den Hearings detailliert Kriegs- und Menschenrechtsverletzungen von U.S.-Truppen in Vietnam und bezichtigten sich dabei auch selbst. Das Regisseurkollektiv vertraute bei seinem Film zu weiten Teilen auf das gesprochene Wort und ergänzt die Aussagen sparsam durch Dokumentaraufnahmen der Kämpfe in Vietnam.

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"Standard Operating Procedure" von Errol Morris

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Wo bleibt die Menschenwürde im Krieg und auf der Leinwand?

„Standard Operating Procedure“ wurde im Vorfeld der Berlinale von Dieter Kosslick mit großer Begeisterung als „wichtiger Film und erste Dokumentation im Wettbewerb“ angekündigt. Nach der Premiere sind große Zweifel daran angebracht, ob es sich bei „Standard Operating Procedure“, der die Misshandlungen von Gefangenen im U.S.-Millitärgefängnis Abu Ghraib im Irak behandelt, um eine Dokumentation handelt. Errol Morris vermischt klassische Interviewpassagen vor neutralem Hintergrund mit Dramaturgieelementen aus dem „Horrorfilm“ – so Morris eigene Wortwahl. Die Würde der Opfer spielt bei der ausführlichen Ausstellung der bereits bekannten Folterbilder im Riesenformat auf der Leinwand offensichtlich keine Rolle. Errol Morris wollte einen investigativen Film machen, der das Zustandekommen der Fotos detailliert nachzeichnet. Der aufklärerische Mehrwert bleibt jedoch äußerst gering.

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12.02.08 16:30

festivalblog-Interview mit Sebastian Heidinger, Regisseur von "Drifter"

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Sebastian Heidinger ist Regisseur der Dokumentation „Drifter“ (Kamera: Henner Besuch). Der Film zeigt das Leben dreier Jugendlicher in der Drogenszene am Berliner „Bahnhof Zoo“. Heidinger studierte Film- und Fernsehregie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Der 29-jährige ist Gesellschafter der „Boekamp und Freunde Filmproduktion“. festivalblog.com sprach mit ihm über seinen Film „Drifter“, der am Sonnabend, 16. Februar, um 21:30 Uhr im Cinemaxx 3 und am Sonntag, 17. Februar, um 13 Uhr im Colosseum in der Sektion Perspektive Deutsches Kino gezeigt wird.

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11.02.08 16:23

"Warum läuft Herr R. Amok?" von Michael Fengler

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Alltag ist Irrsinn

München 1969: Auch in dem bayerischen Dorf, das sich schon immer gerne als Großstadt maskiert hat, sind die Swinging Sixties angekommen. Allerdings nicht bei Herrn R. (Kurt Raab). Nach dreißig Sekunden weiß der Zuschauer: Herr R. gehört nicht dazu. Er trägt Anzug und Krawatte, einen akkuraten Seitenscheitel und arbeitet als technischer Zeichner. Wenn sich seine Kollegen dumme Witze erzählen, schweigt Herr R. Auch mit seiner Frau (Lilith Ungerer), die sich als mondäne, künstlerisch beflissene moderne Frau und Mutter geriert, spricht Herr R. nur wenig. „Man kann ja wohl erwarten, dass ein Mann die Familie ernährt“, sagt Frau R. Herr R. ist sehr bedrückt. Seine Arbeit ist dem Chef nie gut genug, aber eine Frau erwartet eine Beförderung.

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10.02.08 13:34

Diplomatie in Zeiten des Terrors

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Filme beschäftigen ich nicht nur mit Fiktion, sondern auch mit der harten Realität. Die zeigen die zahlreichen Dokumentationen auf dieser Berlinale. "Standard Operating Procedure", der erste Dokumentarfilm überhaupt im Berlinale-Wettbewerb, stellt die Frage, welche Mittel zur Bekämpfung des Terrorismus legitim sind. Sony Pictures Classics und Participant Media laden begleitend zum Film von Errol Morris am Mittwoch, 13. Februar, um 15 Uhr zu einer öffentlichen Diskussion ein. Die Veranstaltung findet im Ballsaal (1. Stock) des Ritz Carlton Hotels, Potsdamer Platz 3, statt.

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„Teenage Angst“ von Thomas Stuber

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Das sind Nihilisten, die wollen nur foltern

Jugendliche mit dem Y-Chromosom neigen als Teenager zu Männlichkeitswahn und zur Gewalt. Thomas Stuber schafft in „Teenage Angst“ eine Konstellation, in der vier Internatsschüler eine Art nihilistische Variante des „Clubs der toten Dichter“ durchspielen. Das Streben nach den hehren Idealen der Poesie ersetzen sie durch eine möglichst totale Absage an Werte und Moral.

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08.02.08 16:41

"Shine a Light" von Martin Scorsese

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Was hat Falten und macht Krach? Keith Richards.

Garagenrocker unter Dampf: Ein Hörfilm

Woran erkennt man einen ernsthaften Filmkritiker, der aus der Vorführung von „Shine a Light“ kommt? - Am zerknautschten Gesicht. 122 Minuten Naserümpfen hinterlassen eben Spuren. Sie haben sich ja so gelangweilt, die schreibenden Trüffelschweine, die verzweifelt nach dem kulturell anspruchsvollen Filmabenteuer suchen. Ein „konventioneller Konzertfilm“ über das den internationalen Konzern „Rolling Stones“ zur Eröffnung der Berlinale? Geschmacklos! - Hätten sie doch bloß einmal hinGEHÖRT.

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07.02.08 15:51

Mit dem dicken B ins Paradies: Schwerbehindertenkartenvorverkauf

Als ich durch die Arkaden am Potsdamer Platz eile, sehe ich sie: Die Mühseligen und Beladenen, die nach Berlinale-Karten lechzen und in endlosen Schlangen stehen. Diabolisch kichere ich in mich hinein. Ich habe sie, die Eintrittskarte ins Paradies. Einen grün-roter Lichtbildausweis, der mir aufgrund einer „außergewöhnlichen Gehbehinderung“ (Wie geil klingt das?! Bin ich etwa einer von den Gewöhnlichen? – Natürlich nicht.) eine 80-prozentige Schwerbehinderung bescheinigt. Was noch viel wichtiger ist: Ein dickes schwarzes B auf der Vorderseite verkündet amtlich trocken „Die Notwendigkeit ständiger Begleitung ist nachgewiesen.“

So ist das, liebe Filmnerds ... Aufgrund dieser amtlich beglaubigten Hilflosigkeit kann ich gleich im Service Center der Berlinale das Ding drehen, den Bruch machen, den Jackpot knacken – ganz legal. Mehrere Stunden habe ich in der vergangenen Woche mein Hirn arbeiten lassen, das noch außergewöhnlicher ist als mein verblüffender Gehapparat.

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22.01.08 21:47

Berlinale-Wettbewerbsbeitrag "There Will Be Blood" für acht Oscars nominiert

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Daniel Day-Lewis als Daniel Plainview. (Quelle: Berlinale)

Der Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „There Will Be Blood“ von Paul Thomas Anderson wurde heute von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences für acht Oscars nominiert, darunter auch die wichtigsten Nominierungen in den Kategorien „Bester Film“ und „Beste Regie“. Anderson wurde außerdem für das „Beste adaptierte Drehbuch“ nominiert. Daniel Day-Lewis tritt in der Konkurrenz „Bester Hauptdarsteller“ gegen George Clooney, Johnny Depp, Tommy Lee Jones und Viggo Mortensen an. Day-Lewis spielt die Hauptrolle des kleinen Minenbesitzers Daniel Plainview, der 1898 auf Öl stößt und in den nächsten drei Jahrzehnten zu einem der reichsten Öl-Tycoone Südkaliforniens aufsteigt. Andersons Film basiert auf Upton Sinclairs Roman „Oil“ aus dem Jahr 1927.

Weitere Nominierungen für ihre Arbeit an „There Will Be Blood“ erhielten: Robert Elswit (Cinematography), Jack Fisk und Jim Erickson (Art Direction), Dylan Tichenor (Film Editing) und Matthew Wood (Sound Editing).

03.11.07 16:07

Das Ende der Panzer-Republik

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“Eggesin möglicherweise“ von Olaf Winkler und Dirk Heth, Deutschland 2006

Früher, soll heißen im guten alten Kalten Krieg in DDR-Zeiten, war Eggesin ein „Mythos für die Verschwendung der Lebenszeit junger Männer“. Aber immerhin hatte der Ort in der Nähe von Ueckermünde ein paar Kilometer landeinwärts vom Stettiner Haff als Garnisonsstadt der Nationalen Volksarmee eine solide Existenzgrundlage: In den „besten Zeiten“ 27.000 Soldaten, eine Einwohnerzahl, die sich von 3.000 auf mehr als 9.000 verdreifachte und 2.000 Arbeitsplätze in der Industrie – die Eggesiner sprachen ironisch von der „ Autonomen Panzer-Republik“. 15 Jahre nach der Wiedervereinigung ist Eggesin kein Bundeswehrstandort mehr. Die unter der Kohlregierung noch modernisierte Artillerie-Kaserne und die Soldatenwohnungen stehen leer, 30 Prozent der Einwohner haben Eggesin bereits verlassen und der Wegzug von weiteren 3.000 Menschen wird erwartet. In dieser Situation haben Olaf Winkler und Dirk Heth eine „dokumentarische Filmerzählung“ gedreht: „Eggesin möglicherweise“.

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31.10.07 21:11

Von Brandstiftern und Kindern

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"Jesus Camp" von Heidi Ewing und Rachel Grady, USA 2006

Eines vorweg: „Jesus Camp“ ist eine Tortur. Kinder, die in Weinkrämpfen zusammenbrechen, sich in Zuckungen am Boden winden, in Zungen Reden und von Erwachsenen solange in hysterische Zustände getrieben werden, bis sie alles nachbeten, was ihnen vorgesagt wird, sind kein schöner Anblick. Dennoch sollte man diesen Dokumentarfilm, der nicht nur im Rahmen des ueber morgen-Festivals in Berlin gezeigt wird, sondern am 1. November in ganz Deutschland anläuft, auf jeden Fall sehen. In „Jesus Camp“ zeigt sich die radikale christliche Bewegung der USA der Evangelikalen, so wie sie ist: selbstbewusst als selbsternannte Krieger in einem politisch-ideologischen „culture war“, für den sie eine neue Generation von wahren Christen erziehen wollen. Die Filmemacherinnen Heidi Ewing und Rachel Grady entlarven die Evangelikalen nicht. Das ist nicht notwendig. Becky Fischer und die anderen Prediger, die das Feriencamp „Kids on Fire“ organisieren, sind stolz auf ihren Radikalismus. Als Mike Papantino, der Moderator einer eher gemäßigten christlichen Radio-Talkshow, sie der „Indoktrination“ bezichtigt, kann Fischer an diesem Begriff nichts Negatives finden.

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30.10.07 18:43

Ueber morgen - Wie wollen wir Leben?

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Filmvestival der "Aktion Mensch" startet in Berlin


„Utopien, Träume, Weltenentwürfe" lautet der Untertitel des ueber morgen-Filmfestivals, das vom 1. bis zum 11. November mit insgesamt dreizehn Spiel- und Dokumentarfilmen in Berlin startet. Die „Aktion Mensch" und zahlreiche Kooperationspartner stellen mit diesem Festival die entscheidende Frage: Wie wollen wir leben? Nach dem Auftakt in der Hauptstadt, die Berliner Festivalkinos sind das „Filmtheater am Friedrichshain" und das „Broadway", geht das Festival bis zum Juni 2008 auf Tour durch 100 deutsche Städte. Hier die Berlin-Termine des ueber morgen-Festivals.

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22.10.07 21:18

Die „Fliegende Bank“ am Boden

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“Grounding – Die letzten Tage der Swissair“ von Michael Steiner, Schweiz 2006


Am Dienstag, dem 2. Oktober 2001, konnte man rund um den Globus Schweizer weinen sehen – auf Flughäfen. Männer und Frauen standen fassungslos in den Abfertigungshallen oder mussten die Flugzeuge wieder verlassen: Die Swissair, von den Eidgenossen selbstbewusst die „Fliegende Bank“ genannt, war zahlungsunfähig. Weil die Fluglinie weder das Benzin noch die Flughafengebühren zahlen konnte, blieben die Maschinen am Boden. Die Passagiere halfen zum Teil den Crews sogar, das Gepäck wieder auszuladen, weil das Flughafenpersonal ohne vorherige Bezahlung den Service verweigerte. Der Schweizer Regisseur Michael Steiner hat aus dem Wirtschaftsdrama einen dokumentarischen Spielfilm gemacht, der auch beleuchtet, wie ein Unternehmenszusammenbruch zum privaten Drama für die Mitarbeiter wird.

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21.10.07 16:17

60-jährige sind schlecht für die Marke

"Darling" von Johan Kling, Schweden 2007

„Darling“ hat der schwedische Regisseur und Drehbuchautor seinen Johan Kling seinen Film genannt. Für Liebesgefühle ist aber in Zeiten der Arbeitslosigkeit wenig Platz, wie Eva und Bernhard feststellen, als sie sich ihr Weg aus der Arbeitslosigkeit schließlich bei McDonald’s kreuzt. Kling konzentriert sich ganz auf seine Hauptfiguren und zeigt dabei, wie unterschiedlich die Chancen zweier Menschen sind, die sich vermeintlich in derselben Situation befinden. Der Grund: Zwischen ihnen liegt ein Altersunterschied von mehr als 30 Jahren.

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19.10.07 10:39

Die wollen nur spielen

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"Fairplay" von Lionel Bailliu, Frankreich 2007


Die Fairness ist ein hehres Ideal, für das der Erfolgreiche in der Wirtschaft nur ein spöttisches Lächeln übrig hat - so die einfache Botschaft von Regisseur und Drehbuchautor Lionel Bailliu in "Fairplay". Sein Film läuft im Wettbewerb des Filmfestivals Münster 2007. Vor dem Hintergrund sportlicher Wettkampfepisoden konstruiert er eine Unternehmensintrige, die in einem klassischen Show-Down auf Leben und Tod endet.

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18.10.07 11:46

Ran an die Arbeit

„Work! Don’t Work“ - 2. Filmfestival Münster

Ist das Unternehmen ein Haifischbecken, in dem bis aufs Blut um Positionen und Macht gekämpft wird? Wie tragisch ist das Los Tausender namenloser Menschen, die im Sog des Swissair-Niedergangs nicht nur Haus und Job verlieren, sondern auch den Glauben an ihr Musterland, die Schweiz? „Work! Don’t Work!“ heißt der Titel des europäischen Spielfilmwettbewerbs beim diesjährigen Filmfestival Münster (17.-21. Oktober). Acht Werke – vom Thriller über Musikfilm bis zum Sozialdrama – zeigen alle Aspekte von Arbeit – auch Liebe und Freundschaft, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit und zeichnen sich durch ihre künstlerische Originalität aus. Der Regiepreis ist mit 10.000 Euro dotiert. Das komplette Programm des 12. Filmfestivals Münster ist unter: http://www.filmfestival-muenster.de abrufbar.

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17.02.07 21:28

This Is Not A Pop Song

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”Scott Walker: 30 Century Man” von Stephen Kijak (Panorama)

Scott Walker ist ein musicians’ musician. Von Musikerkollegen, besonders in England, wird er fast kultisch verehrt. Diese Verehrung brachte den Stein ins Rollen, der Stephen Kijak seinen Dokumentarfilm ermöglichte. David Bowie, der den Film mit produziert hat, Johnny Marr, Jarvis Cocker, Brian Eno, Radiohead, Alison Goldfrapp und unzählige andere sprachen vor dem Kamera über Walkers Musik. So ließ sich schließlich sogar Walker selbst überreden, sich für den Film interviewen zu lassen. Mehr noch: Kijak hatte die Möglichkeit, bei den Aufnahmen des 2006er Albums „The Drift“ zu filmen. Es entstand das Portrait eines Musikers, der abseits von allen musikalischen und erst recht kommerziellen Strömungen seine kreative Energien in Musik umsetzt, die nichts mehr mit Pop zu tun hat, sondern zeitgenössische Musik im Wortsinn ist.

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Panorama-Publikumspreis an "Blindsight" von Lucy Walker

Den Panorama-Publikumspreis des Jahres 2007 hat der britische Film "Blindsight" von Lucy Walker gewonnen. Die Kritik zum Film finden Sie hier: "Blindsight"

16.02.07 12:20

Überkitsch in Lederslips

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“300“ von Zack Snyder (Wettbewerb a.K.)

Es begab sich im Jahr 480 v. Chr. an den Thermopylen einem Engpass zwischen dem Meer und den Trachinischen Felsen in Mittelgriechenland: Im griechischen Bündnis war es zu schweren Zerwürfnissen gekommen, wie man sich gegen die vorrückenden Truppen des mächtigen Perserkönigs Xerxes I verteidigen solle ... blah, blah, blah ... Das ist alles völlig wurscht. Wer es genau wissen will, soll sein Geschichtsbuch aus der 7. oder 8. Klasse rauskramen. Also: Leonidas ist so’n richtiger Spartaner, ein echt harter Knochen und der Xerxes kommt da irgendwo aus Asien daher und will Stress machen. Das geht natürlich gar nicht, weil erstens ist er ein Barbar und überhaupt. Leonidas denkt sich also eine ganz listigen Plan aus, um Xerxes’ Übermacht an dem Engpass gepflegt wegzumetzeln. Über die Schlacht hat Frank Miller einen Comic gezeichnet und Zack Snyder hat aus dem Comic einen Film gemacht.

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14.02.07 18:40

Wer Nikki A sagt, muss auch Nikki B sagen

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"a.k.a. Nikki S. Lee" von Nikki S. Lee (Forum)

Die südkoreanische Fotokünstlerin Nikki S. Lee ist eine Meisterin im Spiel mit Identitäten. In ihren inszenierten Bildern übernimmt sie immer andere Rollen. Für ihren Film „a.k.a. Nikki S. Lee“ nimmt sie zwei grundsätzliche Identitäten an: Die der introvertierten „Nikki A“, die am liebsten allein in ihrer Wohnung liest oder sich um Ausstellungsdetails kümmert oder ernsthafte kunsttheoretische Diskussionen führt und die der jetsettenden „Nikki B“, die die Kunstwelt bereist, um Sammler zu treffen, neue Aktionen zu planen und den Kunstbetrieb am Laufen zu halten. Bei dieser Konstellation von einer Dokumentation zu sprechen wäre sicher naiv, dennoch gibt der Film Einblicke in das anstrengende Künstlerleben zwischen Kunst und Business.

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Das gewalttätige Folkhemmet

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“När Mörkret Faller“ von Anders Nilsson (Panorama)

Es gibt viele Formen von Gewalt: Die Ohrfeige, den Faustschlag ins Gesicht, eine Frau mit dem Kopf gegen die Wand zu schlagen, den Schuss, die eigene Tochter auf der dunklen Landstraße vor einen fahrenden LKW hetzen zu lassen. Der schwedische Regisseur Anders Nilsson zeigt in seinem Film „Bei Einbruch der Dunkelheit“ („När Mörkret Faller“) alle diese Formen der Gewalt und noch einige mehr. Der Film erzählt drei parallele Geschichten, in denen Menschen der Gewalt ausgeliefert sind, gegen die Recht und Gesetz nur wenig Schutz bieten. „Bei Einbruch der Dunkelheit“ ist ein düsterer Sozialkommentar, den Nilsson als Krimi inszeniert.

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13.02.07 18:49

Ein glückliches Leben ist möglich aber unwahrscheinlich

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„AlleAlle“ von Pepe Planitzer (Perspektive Deutsches Kino)

Für Hajo Domühl (Milan Peschel) läuft es nicht. Er ist ein Säufer, macht gerade mit seiner Gerüstbaufirma pleite und jetzt sitzt er volltrunken in seinem Wagen auf der Landstraße irgendwo im gottverlassenen Brandenburg und die Karre verreckt. Auf einmal ein Wunder: Die alte Mühle fährt wieder, allerdings nur durch Muskelkraft bewegt. Hagen (Eberhard Kirchberg) schiebt. Hagen ist ein Baum von einem Kerl. Hagen schiebt Domühl wie ein Berseker über fünf Kilometer, was auch damit zu tun hat, dass Hagen geistigbehindert ist. Am Nachmittag hat in das Heim losgeschickt, er soll jetzt bei seinem Onkel wohnen. Doch den findet Hagen nicht, stattdessen landet er mit seiner Käfigmaus in Domühls versiffter Wohnung mitten im Nichts in südlich von Berlin.

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Ein unglaublich schlechter, sehenswerter Film

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“Andy Warhol: A Documentary Film” von Ric Burns

Ric Burns hat einen Dokumentarfilm gedreht. Dabei hat er das Kleine Ein-Mal-Eins des Dokumentarfilmdrehens bis zum letzten Komma befolgt. Sein vierstündiger Film erzählt das Leben Andy Warhols streng chronologisch. Verwandte, Zeitzeugen, Kunstkritiker und Kuratoren kommen zu Wort. In einem ausführlichen Voiceover wird das Leben Warhols erzählend vorangetrieben, dazu tönt ohne Pause einschmeichelnde Musik. Es ist ein Desaster. Das Allerschlimmste: Obwohl die Dokumentation ein Desaster ist, guckt man sie zwanghaft bis zum Ende, weil das Thema Warhol so faszinierend ist.

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12.02.07 18:25

Vaterland oder Familie

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"The Good Sheperd" von Robert De Niro (Wettbewerb)

„The Good Sheperd“, die zweite Regiearbeit von Robert De Niro ist kein Agententhriller. Nach „A Bronx Tale“ hat De Niro erneut ein Familienepos gedreht. Er erzählt die Geschichte von Edward Wilson (Matt Damon), der in den Sechziger Jahren für die Abteilung der Gegenspionage der CIA arbeitet und bei der gescheiterten Schweinebucht-Invasion im April 1961 ein Fiasko erlebt. Das Leben von Wilson, seine Entwicklung vom idealistischen Studenten der Literaturwissenschaft an der Elite-Universität Yale zum Aufsteiger in der US-Geheimdienstbürokratie im und nach dem Zweiten Weltkrieg ist das eigentliche Drama. Dabei geht es um große Themen wie Patriotismus vs. persönliches Glück, Loyalität vs. Verrat und ob Geheimdienste eigentlich moralisch handeln können.

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Geheimagent am Wannsee: Robert De Niro spricht mit Volker Schlöndorff

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Wer genau zugehört hat, weiß es jetzt: Robert De Niro ist im Grunde seines Wesens ein Geheimagent. „Geheimagenten“, sagt De Niro in seinem 50-minütigen Gespräch mit Volker Schlöndorff am gestrigen Sonntag in der American Academy, „Geheimagenten erzählen Dir nichts, wovon sie nicht wollen, dass Du es erfährst.“ So hält es auch De Niro selbst, wenn es um seinen Beruf oder sein Leben geht. Das war der Grund dafür, warum des Gespräch Schlöndorff-De Niro eher ein Schlöndorff-Monolog mit kurzen De Niro Einwürfen war. Eine Tatsache, über die sich Matt Damon königlich amüsierte, der während des Gesprächs quasi auf der Ersatzbank Platz nahm und für einige Kurzeinsätze eingewechselt wurde.

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Warten auf Bob: Ein Stummfilm

Ist das Hollywood? Die Aufregung in der American Academy ist jedenfalls immens. Robert De Niro hat sich zum Plausch mit dem Academy-Gründungsmitglied Volker Schlöndorff angesagt. Also strömen die Aufgeregten, denen es noch gelungen eine Einladung zu ergattern. An der Anmeldung habe ich eine gelbes Kärtchen mit Schachbrettmuster erhalten, das mich leider in den Nebenraum mit Leinwand verbannt. Gut, De Niro auf der Leinwand ist ja nichts Schlechtes. Mit im Nebenraum eine ganze Rotte der schreibenden Zunft und etliche Zeitgenossen, die, wie ich messerscharf aus ihren Outfits folgere – schwarzer Anzug mit schwarzem Hemd oder schwarzem Rolli – Filmschaffende oder sonst wie Kreative sein müssen. Und richtig, Sie reden über Filmverleih, „haste die Gedeck gesehen“ und über ihre „neuen Projekte“. Sie sehen super aus, haben sich aber nicht wirklich was zu sagen.

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09.02.07 22:51

Wenn es nur um's Überleben geht

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"Killer of Sheep" von Charles Burnett (Forum)

Bevor der Film auf der Leinwand läuft, läuft schon ein Film im Kopf ab. Dieser Film im Kopf kommt mit wenigen Infos aus und bewegt sich in erschreckend stereotypen Bahnen. Wenn also das Berlinale Heftchen schreibt, dass Charles Burnetts „Killer of Sheep“ aus dem Jahr 1977 „aus dem schwarzen Milieu von Los Angeles erzählt“, wird im Kopf ein Blaxploitation-Video mit coolen Brothers und fiesen Cops eingeworfen oder als Alternative das Sozialdrama komplett mit Unterdrückung, Ausbeutung und dem heroischen Kampf gegen die soziale Marginalisierung. Burnett hat vor 30 Jahren etwas völlig anderes gemacht: Er hat einen stillen, einfühlsamen Film gedreht, der in einem quasi-dokumentatorischen Stil das Leben eines Schlachthofarbeiters, seiner Familie und seiner Freunde in Alltagsszenen erzählt. Als Special Screening eröffnete der Film, der vor 26 Jahren schon einmal auf der Berlinale lief, in diesem Jahr das Forum.

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Planet Hyatt: Schreien und blechen

Der leicht hysterische Berlinale-Irrsinn - wir sind cool, kreativ, tragen seltsame Brillen und reden alle in einer Art hyperrealer babylonischer Sprachverwirrung durcheinander - kommt auch 2007 in der Lobby des Hyatt wieder zur vollen Entfaltung. Die Langhaarige im Sessel gegenüber textet mit etwa 103 Dezibel in einer vermutlich osteuropäischen Sprache auf ihren Begleiter ein, während die drei asiatischen Herren am Nebentisch nicht minder laut dafür aber in einem deutlich höheren Frequenzbereich miteinander kommunizieren. Akustisch erinnert die Lobby an eine Viehauktion. Dann bricht die Langhaarige jäh ab. Hat Sie die Stimme verloren? Nein. Sie hat festgestellt, dass ihr Latte Macchiato 6 Euro kostet.

26.01.07 15:12

"Politisch relevante Filme sind nach wie vor ein Schwerpunkt"

Interview mit dem Leiter des Forums, Christoph Terhechte

Das „Internationales Forum des Jungen Films“, kurz Forum genannt, hat sich von einem aus Protest gegründeten Gegenfestival zu der Plattform der Berlinale gewandelt, auf denen Filmemacher Werke vorstellen können, die thematisch und in der Form über das konventionelle Kino hinausgehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um erzählende oder dokumentarische Formate handelt. Dass das Ungewöhnliche auch erfolgreich sein kann, hat das Forum als Startrampe für ambitionierte Regisseure immer wieder bewiesen. Dafür stehen Namen wie Aki Kaurismäki, Wong Kar-Wai oder auch Michael Moore. Jüngstes Beispiel ist der Dokumentarfilm „My Country, My Country“ von Laura Poitras, der 2006 im Forum lief und jetzt für den Oscar nominiert wurde.

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Christoph Terhechte sitzt seit zehn Jahren im Auswahlkomitee des Forums und ist seit 2001 Leiter der Berlinalesektion. ::festivalblog sprach mit ihm über die Entwicklung des Forums, den Auswahlprozess und das Programm des Forums 2007.

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19.02.06 23:20

Pat Garrett & Billy the Kid von Sam Peckinpah

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Pat Garrett hat drei Wünsche: Er will alt und grau und reich werden. Dafür ist er zur falschen Zeit am falschen Ort. Das New Mexico Territory um 1880 bietet sich nicht für eine beschauliche Verrentung an. Außerdem hat Pat Garrett ein Problem: Er hat die Seiten gewechselt und ist vom Outlaw zum Sheriff geworden. Dafür verachtet ihn nicht nur sein alter Freund Billy the Kid, sondern sogar seine eigene Frau. Im Auftrag des Gouverneurs macht sich und der Großgrundbesitzer macht sich Garrett (James Coburn zeigt, dass auch der Vollstrecker des Systems cool aussehen kann) auf die Suche nach Billy the Kid (Kris Kristofferson mit Babyspeck). Am Ende hat sich der Outlaw quasi-selbstmörderisch in die Kugeln des Gesetzeshüters gestürzt. Garrett verzweifelt trotzdem an dem erfolgreich ausgeführten Auftrag und reitet allein in den Sonnenaufgang.

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13.02.06 23:13

Panorama: Leonhard Cohen - I'm your Man von Lian Lunson

In seiner Begrüßung vor dem Film bezeichnete Wim Wenders das Projekt, eine Doku über Leonard Cohen zu drehen, als „toughest assignment in Rock n Roll“. Seiner Kollegin Lian Lunson, die sich an das Wagnis machte, hat eine Mischung aus Konzertfilm – Ausschnitte eines Cohen-Tribute Concert aus Sydney 2005 – und Interviews mit Kanadas Songwriter No 1 und anderen Musikern gedreht. Die Gespräche mit Cohen sind originell und machen neugierig auf mehr, was man von einigen Coverversionen und insbesondere Bono-Monologen nicht behaupten kann. Trotzdem sehenswert, weil das Charisma vom Leonard Cohen die Schwächen wettmacht. Hört Euch seine Musik an (and listen to the words).

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12.02.06 23:14

Gossip: Wim Wenders Schwiegervater heißt Helmut Schmidt

Endlich mal Insider-Infos: Wim Wenders Schwiegervater, der Erzeuger von Donata, heißt Helmut Schmidt. Bis 1980 war er Medizinaldirektor bei der Gesundheitsbehörde (Besoldung A15!). Dann schmiss er hin und lebt nunmehr als Bildhauer in Frankreich. Finanziert hat er den Ausstieg, indem er die Villa seines Opas in Dahlem verkloppte. Seine Alabasterköpfe werden momentan im Küchendesigncenter "Art linea", Uhlandstr. 101A, ausgestellt. All dies blies er vor Aufführung von "Leonhard Cohen - I'm your Man" in meine vor ihm plazierten Ohren und die seines nicht weniger verblüfften Nachbarn. Ich könnte Euch jetzt auch noch seine Telefonnummer nennen. ("Rufen Sie mich an an, wenn Sie wirklich interessiert sind.") Dies aber verbietet das journalistische Ethos.

Gossip: Bargeld auf den billigen Plätzen

Bei der Vorführung von „Leonhard Cohen – I’m your Man“ im Babylon quetschte sich Blixa Bargeld auf die miesen Nackenkrampf-Plätze in Reihe 2. Eine ganze Promireihe war dagegen für Wim Wenders und Anhang genau eine Reihe hinter dem eifrigen Blog-Schreiber Töffe reserviert.

Forum: "Wide Awake" von Alan Berliner

Bilder, Bilder, Bilder! Alan Berliner, Regisseur, Autor, Editor, Produzent und Hauptdarsteller des Dokumentarfilms „Wide Awake“, ist ein Bilderjunkie. Kein Problem, wenn man im Filmbusiness ist, oder? „Oh doch“, versichert Berliner, der „Hellwach“ persönlich vorstellt und nach dem Screening ausführlich kommentiert, denn die Bilder halten ihn rund um die Uhr wach, weil sein nachtaktives Hirn ihn auch im Bett völlig unkontrolliert weiter mit Bildern befeuert. In „Wide Awake“ dokumentiert er seinen Kampf gegen die Schlaflosigkeit, den 24stündigen Wahnsinn von Kreativität und wie man trotzdem oder gerade deswegen einen interessanten und vor allem witzigen Film macht.
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11.02.06 19:43

Auf's Maul... Berlinale-Dialog I

Sonnabend gegen 12:15 Uhr.
Zwei Frauen - etwa Mitte 40 und Mitte 60 -
kommen durch den Seiteneingang in die "Arkaden" am Potsdamer Platz.

Jüngere Frau (glotzt auf Berlinale-Pavillon):
Berlinale? Was'n det?

Ältere Frau: Weeß nich'. Das mit die Skifahrer?

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