18.02.17 18:53

Berlinale 2017: Die Bären

Goldener Bär für den Besten Film

TESTRÖL ES LELEKRÖL (On Body and Soul) von Ildikó Enyedi


Silberner Bär Großer Preis der Jury

FÉLICITÉ von Alain Gomis

Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet


POKOT (Spoor) von Agnieszka Holland

Silberner Bär für die Beste Regie

Aki Kaurismäki für die Regie von THE OTHER SIDE OF HOPE


Silberner Bär für die Beste Darstellerin

Kim Minhee für ihre Rolle in BAMUI HAEBYUN-EOSEO HONJA (On the Beach at Night Alone)


Silberner Bär für den Besten Darsteller

Georg Friedrich für seine Rolle in Helle Nächte


Silberner Bär für das Beste Drehbuch

Sebastián Lelio und Gonzalo Maza für das Drehbuch von UNA MUJER FANTÁSTICA


Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung aus den Kategorien Kamera, Schnitt, Musik, Kostüm oder Set-Design

Dana Bunescu für den Schnitt in ANA,MON AMOUR

Glashütte Original Dokumentarfilmpreis

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ISTIYAD ASBAH (Ghost Hunting) von Raed Andoni

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Die ersten Preise der Berlinale 2017 sind vergeben

Schon am Samstag Mittag haben die Unabhängigen Jurys ihre Preise in einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Eindeutig heraus stach TESTRÖL ES LELEKRÖL (On Body and Soul) von Ildikó Enyedi. Der Film wurde von der Ökumenischen Jury als bester Film des Wettbewerbs ausgezeichnet und bekam ebenfalls den Preis der Filmkritiker (FIPRESCI) und den Preis der Leserjury der Berliner Morgenpost.

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Welches Bärlein hättens denn gerne...?

Bärentipps? Bärentipps!

Geraune, Geflüster, wahlweise ratloses Schulterzucken...es ist nicht leicht, einen Tipp für die Verleihung der Berlinale-Bären abzugeben...in diesem Jahr, wie ich finde, ist es ganz besonders schwierig, Aber, nun gut, mutig voran:

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festivalblog::data

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Wir bloggen jetzt seit über 12 Jahren zur Berlinale. Um nicht zu erstarren, ist es wichtig immer wieder neue Dinge auszuprobieren. Wir haben dieses Jahr einen kleinen Testlauf mit einer Datenseite gemacht. Fragestellung: wie können wir die Daten zu Berlinale Filmen visualisieren. Angefangen haben wir mit einer Auswertung verschiedener Berlinale Kritiken. So kann man in einer Übersicht sehr schnell sehen, welche Wettbewerbsfilme gut und welche weniger gut bewertet wurden

Spätestens nächstes Jahr zur Berlinale 2018 werden wir die Seite mit neuen Ideen fortführen und offiziell starten.

LOGAN von James Mangold (Berlinale 2017)

Kleine Mutantin des Gemetzels

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Hugh Jackman war vor 17 Jahren zum ersten Mal der Mutant Wolverine (aka. James Howlett aka. Logan) auf der Leinwand in X-Men. Es folgten zwei weitere X-Men-Filme, eigene Wolverine Spin-Offs, Prequels zu X-Men, der übliche Verwertungswahnsinn im Marvel-Universe eben. LOGAN bringt das für Wolverine zu einem Ende. Zu einem Ende, dass man sich düsterer, brutaler und hoffnungsloser kaum vorstellen kann. Ging es in früheren Filmen darum, ob und wie eine Akzeptanz der Mutanten durch die Menschen möglich ist, kann davon im Jahr 2029 in der Welt von LOGAN keine Rede mehr sein. In den USA gibt es keine Mutanten mehr. Logan selbst ist ein versoffener Limousinen-Chauffeur. Und wo ist eigentlich Professor Xavier (Patrick Stewart)? (Im weiteren Verlauf folgen SPOILER)

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FÜNF STERNE von Annekatrin Hendel (Berlinale 2017)

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Bei Ines wurde Krebs diagnostiziert und die Ärzte geben ihre nicht mehr viel Zeit. Ihre Freundin, die Dokumentarfilmerin Annekatrin Hendel beschliesst, zusammen mit Ines mehrere Wochen in einem Fünf Sterne Hotel an der Ostsee zu verbringen. Sie hat ein Stipendium vom Hotel. Sie nutzt es für einen Dokumentarfilm über Ines und filmt ihre Hotelzimmergespräche mit der Freundin.

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EL BAR (The Bar) von Álex de la Iglesia (Berlinale 2017)

Dreckiger kleiner Genrebastard, lass Dich drücken

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Sie sind eine bedrohte Art im Berlinale Wettbewerb, aber es gibt sie: kleine, unterhaltsame Genrefilme. Álex de la Iglesia liefert mit EL BAR einen erfreulich dreckigen Genrebastard ab, eine Schwarze Komödie gekreuzt mit einem Psychothriller und einem Schuss Zombiefilm abgeschmeckt. Sowas läuft dann im Wettbewerb außer Konkurrenz. Das ist aber ganz egal, besonders dann, wenn der Film im Programm direkt nach der schmierigen Gefühlssimulation RETURN TO MONTAUK von Schlöndorff läuft. Wie ein spanischer Brandy spült EL BAR dann den schlechten Geschmack aus dem Mund, den degoutante Altmännersentimentalitäten hinterlassen haben.

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TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY 3D von James Cameron

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Nach Titanic hat James Cameron nun auch TERMINATOR 2 restauriert und als 3D aufbereitet. Auf der Berlinale hatte die 3D-Version Premiere. Dafür gab es wohl keinen besseren Ort als den Zoo- Palast. Wenn dieses unglaublich schöne Kino mit erwartungsfrohen Film- und Terminator Fans gefüllt ist, dann macht die Berlinale ihren Namen als Publikumsfestival alle Ehre.

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17.02.17 22:03

DREAM BOAT von Tristan Ferland Milewski (Berlinale 2017)

Let's take the boys to sea!

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Eine Kreuzfahrt ist das ultimative Klischee von Spießertum. Ältere, gut betuchte Paare, die sich am Buffet vollessen und ab und zu mal an Land gehen um eine Kirche oder einen Tempel zu besuchen. Höhepunkt: Das Essen mit dem Kapitän.

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ANA, MON AMOUR von Călin Peter Netzer (Berlinale 2017)

Beziehung auf der Analyse-Couch

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Eine große Liebe. Eine psychische Krankheit, die diese Liebe von Anfang an definiert. Eine Weiterentwicklung. Ein Scheitern. Der rumänische Regisseur Călin Peter Netzer seziert in ANA, MON AMOUR diese Liebe mit einem sehr klaren, sehr nahen und wohltuend nicht-wertenden Blick auf die beiden Hauptfiguren. Er zeigt – in drei verschiedenen, filmisch miteinander verwobenen Zeitebenen – wie das Paar gegen diverse Widrigkeiten kämpft, wie sich die Rollen innerhalb der Beziehung über die Jahre ändern, und wie ihnen diese Liebe dann letztlich doch abhanden kommt. ANA, MON AMOUR ist ein eindringliches, sehr gelungenes Psychogramm einer Liebe unter schwierigen Vorzeichen. Und Netzer ein talentierter Analytiker.

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MON ROT FAI (Railway Sleepers) von Sompot Chidgasornpongse (Berlinale 2017)

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Ein Zug wie ein Film.... oder ein Film wie ein Zug? Jedenfalls ein sehr langsamer Zug. Einen größeren Teil einer Filmkritik nimmt ja öfters die Inhaltangabe ein. Nicht hier, das längste in meiner Zusammenfassung ist der Name des Regisseurs: „Thailänder fahren Zug, Sompot Chidgasornpongse filmt.“

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BAMUI HAEBYUN-EOSEO HONJA (On the Beach at Night Alone) von Hong Sangsoo

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Langsame Filme haben es bei Berlinale-Kritikern nicht leicht. Die Besprechungen von HELLE NÄCHTE, dem schönen Wettbewerbsbeitrag von Thomas Arslan, waren dementsprechend zwiespältig. Morgens um 9:00h muss für übermüdete Journalisten einfach mehr passieren. Allerdings ist dies auch bei BAMUI HAEBYUN-EOSEO HONJA nicht der Fall (Pressevorführung ebenfalls um 9:00). Wie Arslan nimmt sich Regisseur Hong Sangsoo viel Zeit zum Erzählen.

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HAO JI LE (einen schönen Tag noch) von Liu Jian (Berlinale 2017)

Kein Platz für Träumer

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Eine Tasche voller Geld und eine Handvoll Menschen, die hinter diesem Geld her sind. Die Stimmung: düster, mit Einsprengseln von schwarzem Humor. Das Setting: eine kleine Stadt im Süden Chinas, Gegenwart. Die Umsetzung: hochstilisiert-reduzierte Animation. Liu Jian hat mit seinem zweiten animierten Langfilm HAO JI Le einen klassischen Film Noir vorgelegt – und zugleich einen schonungslosen Kommentar auf die Gier nach Geld in ihrer besonderen Ausprägung im heutigen China. Gangsterboss, Gelegenheitsdieb, Garküchenbesitzerin oder Profikiller: all diese Figuren sind von einer existentiellen Leere getrieben, die sich anscheinend nur durch sehr, sehr viele Banknoten mit Maos Konterfei darauf füllen lässt.

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16.02.17 19:51

WERNER NEKES – DAS LEBEN ZWISCHEN DEN BILDERN von Ulrike Pfeiffer (Berlinale 2017)

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Werner Nekes ist am 22.01.2017, zwei Wochen vor Eröffnung der Berlinale, verstorben. Die Vorführung von WERNER NEKES – DAS LEBEN ZWISCHEN DEN BILDERN ist daher mehr als eine Premiere. Sie ist eine Veranstaltung im Andenken an den Experimentalfilmer. Berlinale Festivalleiter Dieter Kosslick kommt vorbei und spricht ein paar einführende Worte. Der Filmkritiker Daniel Kothenschulte hält eine Laudatio.

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RETURN TO MONTAUK von Volker Schlöndorff (Berlinale 2017)

Viel Gejammer, wenig Gefühl, noch weniger Hirn

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„No one gets over anything“, sagt Max Zorn (Stellan Skarsgård), die Hauptfigur in Volker Schlöndorffs RETURN TO MONTAUK – „niemand kommt über irgendetwas hinweg“. Das ist das Motto dieser weinerlichen, selbstverliebten und unerträglich öden Rückschau des Berliner Schriftstellers Zorn auf die Fehler, die er in seinen Liebesentscheidungen gemacht hat. Warum ist er eigentlich so weinerlich? Mit dem Roman über seine verlorene Liebe hat er schließlich einen Riesenerfolg gelandet. Jetzt ist er gerade auf Lesereise in den USA und liest vor einem begeisterten Publikum in New York. Dort lebt auch Rebecca (Nina Hoss), genau die Frau, die Zorn vor 17 Jahren hat sitzen lassen. Die muss er jetzt finden, um ihr seinen Fehler zu gestehen. Aber wie eitle, alternde Männer eben so sind: Er hofft doch, dass ihn die inzwischen zur superreichen Erfolgsanwältin aufgestiegene Dresdnerin (sic!) zurücknimmt. Frauen finden vom Selbstmitleid zerfressene schreibende Gockel schließlich unwiderstehlich. Das will uns zumindest Schlöndorff glauben machen – und so nimmt das geistlose Gefühlsbehauptungsdrama auf der Leinwand seinen Lauf.

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Husten, Schnupfen, Heiterkeit

Power-Kur gegen Berlinale-Schniefen

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Man hätte es ähnen können. Stunden-, ja tagelang neben hustenden, schniefenden, sich dauerräuspernden Journalisten im Kinosaal eingesperrt - da musste ja irgendwann ein kleiner, vorwitziger Erkältungskeim von einem Kinosessel auf den anderen herüberhüpfen. Das Resultat: Halsweh, Husten, Schnupfen. An sich kein Drama, aber gerade etwas ungelegen. Weil: Noch nicht alle Filme gesehen, die man sehen wollte. Das Gegenmittel? Sämtliche verfügbaren Hausmittelchen plus eine Extra-Ration Schlaf plus ganz viel Optimismus. Power-Kuring sozusagen. Das Experiment läuft noch. Die Nase auch.

15.02.17 20:38

THE OTHER SIDE OF HOPE von Aki Kaurismäki (Berlinale 2017)

Solidarität im Land der langen grauen Wolken

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Obwohl Aki Kaurismäki bereits vierzehnmal bei der Berlinale zu Gast war, hofft man schon nach wenigen Filmminuten, dass noch viele Male folgen mögen.

Erzählt werden in THE OTHER SIDE OF HOPE zwei Parallelgeschichten, die zunächst ohne sichtbare Anknüpfungspunkte nebeneinander herlaufen.

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COLO von Teresa Villaverde (Berlinale 2017)

Sprachlos in Portugal

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Mutter, Vater, Tochter. Wirtschaftskrise. Arbeitslosigkeit. Sprachlosigkeit. Entfremdung. Das sind die Zutaten von Teresa Villaverdes COLO. Ein unglaublich deprimierender Film. Nicht unbedingt, weil das Thema so traurig ist, was es zugebenermaßen ist (der Portugiese in der Krise). Sondern, weil der Film damit in einer deprimierend uninspirierten und uninspirierenden Weise umgeht. 138 quälend lange Minuten schaut man einer Familie dabei zu, wie sie schleichend auseinanderdriftet. Die gemeinsame Wohnung, die eigentlich ein Hort der Geborgenheit sein sollte, wird zum Gefängnis, dem man nur noch entfliehen kann. Man selbst wünscht sich, dem Kinosaal ebenfalls entfliehen zu können. Das tut man aber nicht, weil man geschätzte 120 Minuten lang darauf hofft, dass der Film doch noch eine interessante Richtung einschlägt. Allein: es wird nichts damit.

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FÉLICITÉ von Alain Gomis (Berlinale 2017)

Starke Frau, harte Welt

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Was von diesem Film definitiv bleiben wird, ist das Gesicht von Félicité. Beziehungsweise die beiden Gesichter dieser Frau: das eine leer, desillusioniert, die Augen unglaublich hart. Das andere offen, fröhlich, voller Kraft und Leben. In Alain Gomis FÉLICITÉ kommen wir das zweite, das lebensbejahende Gesicht nur zu sehen, wenn Félicité singt. In einer Spelunke in Kinshasa ist sie mit ihrer rauen, kraftvollen Stimme und den mitreißenden Rhythmen die Königin der Nacht. Tagsüber kämpft sie ganz banal ums Überleben in einer knallharten Gesellschaft, die ihr nichts schenkt, und sonst auch keinem.

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REVOLUTION OF SOUND. TANGERINE DREAM von Margarete Kreuzer (Berlinale 2017)

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Wer in den 70er oder 80er Jahren aufgewachsen ist, der ist an Tangerine Dream (abgekürzt oft mit T.D.) nicht vorbei gekommen. Sie waren damals eine der wenigen deutschen Bands von internationalem Rang. Einerseits waren sie ihrer Zeit voraus, andererseits aber auch schon zu Lebzeiten berühmt. Man übertreibt nicht, wenn man T.D. als Pioniere der elektronischen Musik beschreibt.

REVOLUTION OF SOUND. TANGERINE DREAM ist da wie ein Geschenk und das nicht nur für Fans.

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GABI von Michael Fetter Nathansky (Berlinale 2017)

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"Hey! Bleib doch mal stehen! Ich sprech mit Dir!" Die Kamera folgt einem breitem Rücken, auf dem ein großer Sack Zement liegt. Die Stimme scheint von jemandem zu kommen, der hinter dem Rücken läuft. Es muss eine Frau sein, klar, denn die Tonlage der Stimme ist recht hoch, und die Frau will ihren Mann oder Freund zur Rede stellen. Dann aber dreht sich "der Rücken um" und es ist nicht ganz so, wie man es sich gedacht hat.

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ISTIYAD ASHBAH (GHOST HUNTING) von Raed Andoni (Berlinale 2017)

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Mach kaputt was Dich kaputt macht (oder bau es auf...)!

Raed Andoni nähert sich dem Thema der palästinensischen Gefangenen auf seine eigene künstlerische Weise. Was machen die Extremerfahrung der Haft mit einem Menschen? Raed Andoni hat sie während der ersten Intifada Ende der der 1980er Jahre, als Tausende gegen die Besatzung protestierende Palästinenserinnen und Palästinenser verhaftet wurden, selbst machen müssen.

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Vor dem Film (Berlinale 2017)

Ich bin nicht kreativ, das ist nur Notwehr

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Erst steht man mit anderen Journis ewig lange in der Schlange, um im Berlinale-Palast einen guten Platz zu ergattern, und dann sitzt man in den - zugegebenermaßen sehr weichen, sehr bequemen - Sitzen endlos lange rum, bevor der Film endlich anfängt. Um dabei nicht einzuschlafen (siehe sehr weiche, sehr bequeme Sitze plus festivalbedingter kumulativer Schlafmangel), wird man aus Notwehr kreativ. Opfer dieser fotografischen Kurzzeit-Ambitionen wurde mein lieber Kinofreund Magdi. Er hat aber auch den schönsten Ohrring von allen!

p.s. Dass ich nicht wirklich kreativ bin, sieht man schon an der Überschrift (Danke, lieber Funny van Dannen!)

14.02.17 21:41

BEUYS von Andreas Veiel (Berlinale 2017)

Alle oder keiner

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Er will die „organische Entwicklung der Gesellschaft“, er will mit seiner Kunst die Fragen beantworten, „für die sich die Menschen im Inneren interessieren“. Was Joseph Beuys vor Jahrzehnten gesagt hat, klingt heute genauso relevant. Er hat Kunst nicht nur als einzig revolutionäre Kraft begriffen, er hat auch wie ein Berserker an ihr gearbeitet. Immer und unermüdlich. Gerade dieses rastlose Schaffen und der unbedingte Wille zur gesellschaftlichen Wirkung kommt in Andreas Veiels Dokumentarfilm BEUYS brillant zum Ausdruck. Einem Film, der fast ausschließlich auf Archivmaterial vertraut und Interviews mit Zeitzeugen nur sparsam einsetzt. Eine gute Entscheidung. Aus dem Material und vor allem aus dem famosen Einsatz von Schnitt und Montage gewinnt BEUYS seine Dynamik und seine Spannung. Die Cutter Stephan Krumbiegel und Olaf Vogtländer haben dafür den Silbernen Bären für eine Herausragende Künstlerische Leistung verdient.

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HELLE NÄCHTE von Thomas Arslan (Berlinale 2017)

Familienzusammenführung unter der Mitternachtssonne

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In HELLE NÄCHTE nimmt uns Thomas Arslan mit auf einen Trekkingurlaub der besonderen Art. Michael (Georg Friedrich) stammt aus Österreich und arbeitet als Bauingenieur in Berlin. Sein 14jähriger Sohn Luis (Tristan Göbel) lebt bei der Mutter. Zwischen Vater und Sohn gab es seit Jahren nur wenig Kontakt. Als Michaels eigener Vater überraschend stirbt, beschließt er, Luis mit zur Beerdigung nach Norwegen zu nehmen. Nach der Erledigung der Formalitäten brechen Vater und Sohn zu einem gemeinsamen Outdoortrip in die norwegische Wildnis auf. Michael hofft, durch die Reise einen neuen Zugang zum ihm fremd gewordenen Sohn zu finden. Luis dagegen lässt sich nur widerwillig auf diesen späten Versuch einer Annäherung ein.

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Sondereinlage für die Journalisten (Berlinale 2017)

Finnischer Tango auf der Pressekonferenz

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Und gerade, wenn man denkt, man hat schon alles gesehen und gehört, stellt sich Sakari Kuosmanen, finnischer Schauspieler und Hauptdarsteller in Aki Kaurismäkis Wettbewerbsbeitrag TOIVON TUOLLA PUOLEN (Die andere Seite der Hoffnung) mitten in der Pressekonferenz hin und schmettert einen Tango. Minutenlang! Einen finnischen Tango!! Und hey, Herr Kuosmanen singt richtig gut! Um die versammelten Journis, ohnehin schon ganz verliebt in den Film, war es dann komplett geschehen...

2+2=22 [THE ALPHABET] von Heinz Emigholz (Berlinale 2017)

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14-mal war Heinz Emigholz mit seinen Filmen bereits auf der Berlinale. Das erste Mal 1982 mit NORMALSATZ, 2014 das bisher letzte Mal mit THE AIRSTRIP. Nach THE AIRSTRIP kündigte Emigholz an, dass er zukünftig neue Wege gehen werde. Ein Wechsel ins fiktionale Fach sei nicht ausgeschlossen. Nun ist er zurück und das gleich mit vier Langfilmen in der Berlinale Sektion Forum.

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13.02.17 23:53

INSYRIATED von Philippe van Leeuw (Berlinale 2017)

Das Ende der Moral oder als der Krieg in die Wohnung kam

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Der Applaus ist langanhaltend und aufrichtig. „Der beste Film, den er auf der Berlinale gesehen hat“, sagt einer nach der Aufführung. Die Voraussage, dass Insyriated den Publikumspreis gewinnt ist alles andere als gewagt.

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MR. LONG von Sabu (Berlinale 2017)

Messer sind nicht nur zum Töten da

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Mr. Long kann extrem gut mit dem Messer umgehen. Zunächst demonstriert der Profikiller diese Fähigkeit anhand von mehreren durchgeschnittenen Kehlen und aufgeschlitzten Bäuchen. Später benutzt er dann das selbe Werkzeug, um Gemüse und Fleisch für äußerst schmackhafte Gerichte zu schneiden. Dazwischen liegt eine Reise von Taiwan nach Tokyo und eine Lebensentscheidung. Der japanische Regisseur Sabu stellt in MR. LONG die Frage, ob es jemals zu spät ist für ein anderes Leben.

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THE PARTY von Sally Potter (Berlinale 2017)

Ein paar Wahrheiten zuviel für einen gepflegten Abend

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Wie viel Wahrheit über sich verträgt ein über Jahrzehnte eingespielter Freundeskreis? Janet, eine ehrgeizige Londoner Politikerin, ist als Ministerin ins Schattenkabinett des linken Premierminister-Kandidaten berufen worden. Diesen Erfolg will sie nun mit ihrem Mann Bill und den engsten gemeinsamen Freunden feiern. Allerdings verläuft die Party dann ganz anders als gedacht. Sally Potter, britische Regisseurin mit Lust am Experimentieren, schickt in ihrem cineastischen Kammerspiel THE PARTY ein Starensemble des britischen Kinos durch das Fegefeuer unbequemer Enthüllungen – in 71 fulminanten Minuten wird alles, was wir am Anfang über diese Leute zu wissen glaubten, auf den Kopf gestellt. Intelligente, wie aus der Pistole geschossene Dialoge, viel Humor und noch mehr Sarkasmus, schauspielerische Glanzleistungen an der Grenze zur Satire und prägnante Schwarzweiß-Bilder geben dieser bitterbösen Komödie einen ganz besonderen Drive, dem man sich kaum entziehen kann (und will).

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CASTING von Nicolas Wackerbarth (Berlinale 2017)

Filmteam am Rande des Nervenzusammenbruchs

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Wenn man sich als spätberufene Regisseurin dazu überreden läßt, ein Fernsehremake des legendären Fassbinder Klassikers "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" zu drehen, sollte man mit einigen Stolpersteinen rechnen. Diese Erfahrung muss auch Vera (Judith Engel) machen, die kurz vor Drehbeginn steht und immer noch nach der perfekten Besetzung für die weibliche Hauptrolle sucht. Mit einer herrlich anzuschauenden Mischung aus diffusem künstlerischen Anspruch und Entscheidungsunfähigkeit treibt sie ihr gesamtes Filmteam an die Schwelle des Nervenzusammenbruchs. Gleichzeitig sitzen ihr die Geldgeber im Nacken, die ganz eigene Vorstellungen von der richtigen Besetzung haben.

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12.02.17 22:30

UNA MUJER FANTASTICA (a fantastic woman) von Sebastián Lelio (Berlinale 2017)

Eine Frau mit Gegenwind

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Eine Frau muss darum kämpfen, um ihren toten Geliebten trauern zu dürfen. Warum? Weil Marina nicht als Frau geboren wurde und von der Familie Orlandos, des Mannes, mit dem sie ihr Leben geteilt hat, als Monster und Bedrohung, als „Chimäre“ angesehen wird. Der chilenisch-argentinische Regisseur Sebastián Lelio schafft mit UNA MUJER FANTASTICA das Kunststück, diese komplexe Geschichte um Identität und Verletzlichkeit, ja um die menschliche Würde, so zu erzählen, dass man gar nicht anders kann, als die beharrliche Forderung Marinas, die zu sein, die sie ist, rückhaltlos zu bewundern. Dabei nutzt Lelio die filmischen Mittel des Erzählens virtuos und gekonnt. Um Marina als Figur lebendig werden zu lassen, findet er starke Bilder, die noch lange im Gedächtnis bleiben.

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POKOT (Spoor) von Agnieszka Holland (Berlinale 2017)

Gute Tiere, böse Jäger

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Wer Tiere tötet, ist ein Mörder. Das ist das klare und kompromisslose Credo von Duszejko. Die pensionierte Ingenieurin und passionierte Astrologin lebt in einem abgelegenen Bergdorf an der polnisch-tschechische Grenze. Die eingesessene Jäger-Gemeinschaft im Dorf sieht die Frau natürlich als Spinnerin an. Bis dann mehrere dieser Männer unter mysteriösen Umständen ums Leben kommen. In der Nähe der Tatorte finden sich stets Tierfährten. Befinden die Hirsche, Wildschweine und Rehe auf einem Rachefeldzug gegen ihre Peiniger? Agnieszka Holland inszeniert mit POKOT einen anarchischen Genremix aus Detektivstory, Gesinnungsfilm und Satire – was ihr aber nicht wirklich überzeugend gelingt.

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COMO NOSSOS PAIS (Just like our Parents) von Laís Bodanzky (Berlinale 2017)

Auf der Suche nach dem Leben

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Vorbemerkung: Beim lesen dieser Rezension bitte dieses Lied hören!

„Somos tudos fudidos“ sagt Rosas Mann Dado. „Wir sind alle im Arsch.“ Rosa lebt in São Paulo und ist in einer fundamentalen Lebenskrise, die sie nicht mehr verdrängen kann.

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THE DINNER von Oren Moverman (Berlinale 2017)

Kain und Abel beim Sternekoch

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Zwei Brüder treffen sich samt Gattinnen in einem Nobelrestaurant, um beim Essen über den Umgang mit einem Verbrechen zu beraten, das von ihren heranwachsenden Söhnen verübt wurde. Während der jüngere Bruder Paul ein auch im Privatleben unablässig vor sich hin dozierender ehemaliger Geschichtslehrer ist, hat der ältere Bruder Stan als Politiker Karriere gemacht und steht kurz vor einer wichtigen Abstimmung. Dazu kommen noch die zwei Ehefrauen, die sich nicht ausstehen können.

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WILDE MAUS von Josef Hader (Berlinale 2017)

Mann dreht durch

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Für Georg Endl läuft es gerade gar nicht gut. Der gleichsam geachtete wie gefürchtete Musikkritiker einer Wiener Tageszeitung wird von einem Tag auf den anderen vor die Tür gesetzt. Dass jetzt kein einziger Redakteur mehr eine Oper von einem Singspiel unterscheiden kann, ist dabei egal. Der aalglatte Chefredakteur, der die Sparmaßnahme vollzogen hat, steht von nun an ganz oben auf Georgs Hassskala. Sein Tunnelblick hat nurmehr ein Ziel: Rache. Georgs Frau Johanna, Psychologin mit leicht erhöhtem Rotweinverbrauch, erfährt von all dem nichts; ihr Fokus liegt auf dem Last-Minute-Kinderkriegen. Josef Hader, österreichischer Kabarettist, Autor und Schriftsteller, hat mit seinem Regiedebut WILDE MAUS eine rasante und bitterböse Tragikomödie über die Angst vor dem sozialen Abstieg vorgelegt. Drehbuch und Hauptrolle hat er gleich mit übernommen. Das Ergebnis ist phänomenal: Plot und Timing, Dialoge und Bilder, Schauspieler und Regie – hier stimmt einfach alles. Getragen wird der Film von einem abgründigen und intelligenten Humor, der Hader-Fans wohlbekannt ist.

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MENASHE von Joshua Z Weinstein (Berlinale 2017)

Die Familie ist groß, der Zores ist größer

Menashe_1_klein.jpg „Drei Dinge braucht ein Mann, um glücklich zu sein“, sagt der Rabbi, „eine schöne Frau, ein komfortables Zuhause und ein gutes Mahl.“ Menashe (Menashe Lustig) hat nichts von alldem, das weiß der Rabbi. Schließlich sagt er dies nach der Trauerfeier für Menashes Frau, während er in Menashes viel zu kleiner, unordentlicher Wohnung ein ungenießbares angebranntes Essen runterzuschlingen versucht. Menashes Problem ist noch viel größer: In seiner jüdisch-orthodoxen hasidischen Gemeinde in Borough Park in Brooklyn bestimmen die religiösen Regeln, dass ein Mann nicht allein ein Kind aufziehen darf. Also wohnt sein Sohn Rieven (Ruben Niborski) solange beim Onkel Eitzik, bis sein Vater wieder geheiratet hat. Dazu aber ist Menashe nicht bereit.

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11.02.17 15:01

TIGER GIRL von Jakob Lass (Berlinale 2017)

Fight Club im Tengelmann

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Maggie und Tiger im Supermarkt: Tiger stopft sich alles vorne in ihre Jacke, Maggie schaut entgeistert zu. Mal ist Tiger ganz nah bei Maggie, dann ist sie wieder wie vom Erdboden verschluckt. Es ist eine der ersten Begegnungen zwischen den beiden jungen Frauen. Tiger (Ella Rumpf) - cool, selbstbewusst, schlagkräftig - und Maggie (Maria Dragus) - brav, unsicher und schüchtern. Die Wandlung von Maggie beginnt. Die Nähe von „Tiger“ zu „Tyler“ kann kein Zufall sein. Am Ende ist Maggie vieles, aber eines bestimmt nicht mehr: brav.

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10.02.17 22:37

T2 TRAINSPOTTING von Danny Boyle (Berlinale 2017)

Sie sind zurück!

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Die 90er Jahre waren nicht für alle lustig. Vier Verlierer aus Edinburgh – Renton, Sick Boy, Spud und Begbie – haben uns das in Danny Boyles TRAINSPOTTING 1996 auf virtuose Weise vor Augen geführt. Die Nachwehen des Thatcherismus, soziale Tristesse im ehemaligen Edinburgher Hafenviertel Leith, Heroin, Aids, Kleinkriminalität und Gewalt – all das hat uns der Film trotzig und punkig, humorvoll und todtraurig, ins Gesicht geschleudert. Irvine Welshs Roman hatte durch die Filmversion eine kongeniale Umsetzung erfahren, und wir alle haben kapiert, dass der Working Class Dialekt aus Edinburgh einfach nicht zu verstehen ist. 20 Jahre später hat Boyle die Geschichte weitergesponnen. Die vier Hauptfiguren tragen ein paar Falten mehr im Gesicht, die wandelnde Aggro-Zeitbombe Begbie hat jetzt einen Schnauzer und ein paar Kilo zugelegt, aber die Grundkonstellation bleibt die gleiche. Von der Gentrifizierungswelle, so hören wir, haben nicht alle Edinburgher profitiert, auch in den 2010er Jahren müssen sich einige mehr als andere nach der Decke strecken – und da, wo eine Gelegenheit ist, ist auch Verrat.

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TESTRÖL ES LELEKRÖL (On Body and Soul) von Ildikó Enyedi (Berlinale 2017)

Von Hirschen, Blut und Liebe

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Wie schön, dass das Kino einen immer wieder überraschen kann: Plötzlich stehen da zwei Hirsche im verschneiten Wald. Ein männliches Tier mit mächtigem Geweih und eine etwas kleinere Hirschkuh. Sie beschnuppern sich, suchen gemeinsam nach Futter, laufen an einem Teich entlang und lauschen aufmerksam jedem Geräusch nach. Dass diese Tiere mehr sind als stimmungsvolle Deko, wird in Ildikó Enyedis zauberhaftem Film TESTRÖL ES LELEKRÖL erst nach einer guten Weile klar. Zunächst führt sie uns, mitten im Sommer, in die raue Wirklichkeit eines Schlachthauses in Budapest. Und genau dort, wo man es nicht unbedingt vermuten würde, zwischen Blutlachen und zerteilten Kuhkadavern, blüht ein zartes, scheues Pflänzchen der Liebe.

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I AM NOT YOUR NEGRO von Raoul Peck (Berlinale 2017)

James Baldwin, pointierte Stimme Amerikas

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„Die Weißen in diesem Land müssen versuchen, tief in ihrem Herzen herauszufinden, warum es überhaupt notwendig war, einen Nigger zu kreieren, denn ich bin kein Nigger, ich bin ein Mensch. Wenn Sie denken, dass ich ein Nigger bin, dann bedeutet das, dass Sie einen Nigger brauchen. Und Sie müssen sich die Frage stellen, warum das so ist.“ James Baldwin, als Essayist, Schriftsteller und intellektueller Gesellschaftskritiker eine der klügsten Stimmen Amerikas, formulierte diese prägnante Einsicht in den Rassismus der Vereinigten Staaten von Amerika in der 1960er Jahren – während der Zuspitzung der Auseinandersetzung um Rassentrennung, Rassismus und die daraus resultierende Gewalt. 1979 begann Baldwin einen Essay, in dem er eben diese Zeit und sein Verhältnis zu den Bürgerrechtlern Medgar Evers, Martin Luther King und zu Malcolm X, die alle in der 1960er Jahren ermordet wurden, rekapitulierte. Der Aufsatz wurde nie vollendet. Baldwin starb 1987 in Frankreich. Der haitianische Filmemacher Raoul Peck hat, unter dem Eindruck der frappierenden Aktualität des Themas, das textliche Fragment zu einem beeindruckenden filmischen Essay über Baldwin und den Kern des Rassismus „made in the USA“ verwoben.

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Gespräch mit Herrmann Zschoche, Regisseur EOLOMEA (Berlinale 2017)

Kein blasser Schimmer von technischen Details

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Herrmann Zschoche, 1934 in Dresden geboren, kam nach einem Studium an der Filmhochschule Babelsberg zur Defa. Bekannt wurde er durch seine Kinder- und Jugendfilme wie SIEBEN SOMMERSPROSSEN (1978). Nach der Wende übernahm er Regieaufgaben bei Fernsehserien wie dem „Tatort“. Mittlerweile widmet er sich ganz dem Schreiben. Zschoche lebt in Storkow (Oder- Spree). 1972 drehte Zschoche für die Defa den Sciencefiction EOLOMEA, der in diesem Jahr die Retrospektive eröffnet. Wir haben ihn zu den Dreharbeiten befragt.

Foto: Von Ernst Hirsch - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18834381

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09.02.17 21:30

DJANGO von Étienne Comar (Berlinale 2017)

Aufregende Saiten, langweiliger Film

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Paris 1943, Paris ist von den Deutschen besetzt. Es ist Krieg. Aber der Krieg interessiert Django Reinhardt (Reda Kateb) nicht. Denn Krieg ist eine Angelegenheit der Gadjé, der Nicht-Manouches. Étienne Comars Biopic stellt genau diese Frage: Wie lange kann ein Künstler wie Reinhardt der Wirklichkeit des Krieges entkommen? Vor allem in einer Situation, in der auch die deutschen Besatzer gefallen an seiner Gitarrenvirtuosität finden und ihn für eine Deutschlandtournee verpflichten wollen. Selbstverständlich ohne Swing und mit einem maximal 20-prozentigen Bluesanteil. Das will sich der Impressario in Uniform (Jan-Henrich Stahlberg), den Reinhardt nur Doctor Jazz nennt, schriftlich zusichern lassen.

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Geschafft: die Berlinale ist eröffnet! (Berlinale 2017)

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Die Hauptfrage auf dem roten Teppich und in der Eröffnungsgala: Wie politisch kann oder muss die Berlinale sein? Ist die Berlinale "Unterhaltung mit Haltung" wie ein ZDF Moderator den Festivaldirektor Dieter Kosslick fragte? Kosslick bezog Stellung und kritisierte die Haltung vieler Staaten zu Aleppo und der Flüchtlingsfrage. Ohne Zweifel ist die Berlinale auch durch ihn zu einem dezidiert politischen A-Filmfestival geworden.

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EOLOMEA von Herrmann Zschoche (Berlinale 2017)

Der lässige Charme der stillen Revolte

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Acht Raumschiffe verschwinden spurlos, der Funkkontakt zur Weltraumstation „Margot“ bricht plötzlich ab. So der Ausgangspunkt von Herrmann Zschoches Science-Fiction-Film EOLOMEA, 1972 von der Defa produziert und mit Unterstützung von Filmgesellschaften Bulgariens und der Sowjetunion hergestellt. Die Revolution spielt sich in diesem bemerkenswerten Film vor Augen der Regierung ab – und die bekommt davon nichts mit, bis die Sache so gut wie gelaufen ist. Auf der Berlinale eröffnet dieser DDR-SciFi die Retrospektive.

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08.02.17 15:32

Berlinale 2017: So sehen Karten aus - shalalalala! .

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Sie sind nicht nur begehrt, sie sehen auch gut aus: Die Karten der Berlinale 2017.

07.02.17 21:22

Yessss....Wir sind wieder dabei...Berlinale 2017!!!

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2017 ist ein anderes Jahr, als wir 2005 das erste Mal zur Berlinale gebloggt haben. Sagt man überhaupt noch "bloggen"? "Schreibt" man überhaupt noch über Filme? Machen Film-Festivals noch Sinn? Wird es die Berlinale in 10 Jahren noch geben?

Vieles ist ungewiss und gerade das macht die Berlinale 2017 vielleicht so spannend wie selten zuvor! Wir freuen uns auf die Filme, die Stimmung, Berlin und Euch!

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