Film-Festivals im Lockdown

08.02.21 11:17

Bär im Home-Office

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Manchmal gibt es keine richtige Entscheidung. Was für eine Wahl hatten die Berlinale Leiterinnen* Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian? Was sie auch gemacht hätten, nichts hätte den Verlust auch nur ansatzweise überdecken können. Der Schmerz wäre bei einer kompletten Absage noch viel größer gewesen. So wagt sich die Berlinale nun wie viele andere Filmfestivals auf unbekanntes Terrain. Rissenbeeks und Chatrians Weg: Es gibt einen nicht-öffentlichen Berlinale-Teil vom 1.-5. März und einen öffentlichen vom 9.-20. Juni.

Der nicht-öffentliche Teil trägt das Label "Industrieveranstaltung". Das kuratierte Festivalprogramm wird im Rahmen des European Film Market (EFM) dem Fachpublikum vorgestellt. Journalisten sind zugelassen, allerdings entscheiden die Rechteinhaber eines Festivalfilms hier selbst, ob sie ihr Juwel der manchmal nicht wohl geneigten Presse zeigen. Alles ist selbstverständlich online. Bis, ja bis auf eine Ausnahme: eine mit ehemaligen Bärengewinnerinnen* prominent besetzte Jury wird sich in Berlin alle Wettbewerbsfilme auf der großen Leinwand anschauen.

Der öffentliche Teil im Juni nennt sich "Sommerspezial". Nicht das ganze, aber ein großer Teil des Festivalprogramms wird dann in zehn verschiedenen Berliner Kinos zu sehen sein. Im Rahmen des Sommerspezial die Bären überreicht, über die zuvor schon im März die Internationale Jury entschieden hat.

Wir das Ganze funktionieren? Wird die "Situation" im Juni ein Publikumsfestival erlauben? Das kann alles wohl noch keiner mit Gewissheit sagen. Aber allein der Einsatz des Berlinale Teams "etwas" zu ermöglichen, ist diesem hoch anzurechnen.

01.06.20 9:22

Online Version des DOK.fest München 2020 ein Erfolg

Das DOK.fest München hat etwas gewagt und viel damit gewonnen. Das Team um Festivalleiter Daniel Sponsel hat (fast) sein komplettes Programm über das Internet abgespielt. Es ist eines der wenigen (wenn nicht das einzige) Festival, das auf die Corona Situation mit der konsequenten Durchführung eines Online Festivals geantwortet hat. Über 70.000 Abrufe hat es gegeben. Das sind mehr Abrufe als Kino-Zuschauer*innen beim DOK.fest 2019. Nicht einberechnet ist hier, dass bei einem sicherlich nicht unbeträchtlichen Teil der Abrufe mehr als eine Zuschauerin geschaut hat.

Der Verkauf der Online-Tickets und die Wiedergabe der Streams haben sehr gut funktioniert. Zusätzlich hat das Moderator*innen-Team eine Vielzahl von Filmen durch Online Q&A begleitet. Sicherlich waren bei der Online-Version des Publikumsgesprächs weniger Zuschauer*innen als im Kinosaal. Aber es kamen auch Situationen zu Stande, die es so nicht gegeben hätte.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Q&A zum sehr sehenswerten Film über die Kultgruppe THE BAND. Bei der abendlichen Online-Schalte saß der junge Regisseur Daniel Roher am Vormittag noch etwas zerzaust in Kanada vor seiner Kamera. Am Ende holte er dann noch seinen Vater vor die Kamera, der gerade mit den Hunden spazieren gehen wollte. Dieser erzählte, wie er und seine Frau seinen Sohn unterstützt hätten, nachdem klar war, dass der Sohn die Universität abbrechen würde und statt dessen Filmemacher wird. Die Leichtigkeit, mit der dieser Austausch von statten ging, gab einen sehr authentischen Einblick, in eine der Vorgeschichten des Films. Es war eine Leichtigkeit, die es bei einem realen Q&A so nicht gegeben hätte.


Filmstill from the documentary The Euphoria of Being. The young dancer Emese Cuhorka is carrying the over 90 years old Eva Fahidi in her arms.
Filmstill aus THE EUPHORIA OF BEING

Sehr anrührend war auch die Online-Vergabe des Publikumspreis des DOK.fest. Der Preis ging an der Eröffnungsfilm THE EUPHORIA OF BEING. Der Dokumentarfilm erzählt von der einzigartigen Zusammenarbeit zwischen der Choreographin Réka Szabó, der Tänzerin Emese Cuhorka und Éva Fahidi. Éva Fahidi was als junge Frau zusammen mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert worden. Als einziges Familienmitglied hat sie überlebt. Der Film zeigt, wie Fahidi zusammen mit Szabó und Cuhorka eine Tanzperformance über ihr Leben einübt. Bei der Online Preisverleihung erzählt die zugeschaltete Éva Fahidi, wie wichtig es ihr war, dass der Film in Deutschland gezeigt wird und dass es etwas Besonderes ist, dass er gerade hier den Publikumspreis bekommen hat.

Das DOK.fest München ist durch den Zwang der äußeren Umstände zum Online-Festival mutiert. Aber auch jenseits dieses Zusammenhangs wird es der Neu-Orientierung von Filmfestivals einen notwendigen Schub geben. Schon vorher wurde viel darüber diskutiert, was die zunehmende Popularität der Video-Streaming nicht für das Kino allgemein, sondern auch für Filmfestivals im Besonderen bedeutet. Meistens ging es hier aber darum, ob ein Film der nur als Stream und nicht (oder kaum) in Kinos gezeigt wird, auch auf einem Film-Festival laufen darf. Zukünftig wird es nun vielleicht mehr darum gehen, ob ein Film auf einem Festival gestreamt werden darf.

Filmfestivals werden sich in den nächsten Jahren stärker verändern als zuvor. Man kann nur hoffen, dass mehr Festivalmacher*innen mutig werden und ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. Es geht darum, pro-aktiv einen Weg zu gestalten, auf dem die digitale Vernetzung zwischen Filmanbietern und Zuschauer*innen zur Sicherung der Vielfalt des Kinos genutzt wird.

24.05.20 17:03

HONG KONG MOMENTS von Zhou Bing (DOK.fest München 2020)

Filmstill aus Hong Kong Moments - Es zeigt ein Straßenbild wo sich Demonstrant*innen und Polizist*innen gegenüber stehen

Der Dokumentarfilm bietet im Vergleich zum Spielfilm einen größeren Raum, um sich einer Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu nähern. Das ist besonders dann wertvoll, wenn es in der öffentlichen Diskussion zu einem Thema eine klare Lagerbildung gibt und ein differenziertes Spektrum droht verloren zu gehen.

Der Titel des Films ist klug gewählt. Regisseur Zhou Bing versucht in Momenten wiederzugeben, wie sieben Bürger*innen aus Hong Kong die derzeitige Situation erleben. Er bietet kein Gesamteinordnung, keine Erklärung und bewusst auch keine Stellungnahme. Seine Protagonist*innen repräsentieren verschiedene gesellschaftlichen Gruppierungen: ein Teil wurde nach der Übergabe von Hong Kong an China sozialisiert, der andere Teil kennt auch noch das davor. Einige arbeiten aktiv im politischen System von Hong Kong und stellen sich für die Wahl der Bezirksräte zur Wahl. Die Besitzerin eines Teehauses oder ein Taxifahrer sind dagegen damit beschäftigt, ihrer täglichen Arbeit nachzugehen. Ein junger Frontline Kämpfer der Protestbewegung kommt genauso zu Wort, wie ein Polizist, der wahrscheinlich in einem ähnlichen Alter ist.

HONG KONG MOMENTS stellt seine Figuren so da, wie sie sich selbst sehen. Zhou Bing nimmt keine wertende Perspektive ein, sondern verstärkt durch filmische Mittel eher noch das Selbstverständnis der Personen. Das wird besonders deutlich, wenn der Protestkämpfer in martialischer Kampfmontur, voll vermummt und mit verzerrter Stimme aus einer Drohnenperspektive über den Dächern von Hong Kong gezeigt wird. Es wirkt wie eine Selbstinszenierung. Letztlich bleibt es aber dem Zuschauer überlassen, ob er die Person als heroisch oder abgehoben beurteilt.

Der Film folgt dem Verlauf einiger weniger Tage. Acht Kamera-Teams haben die Protagonist*innen zum Teil zeitgleich gefilmt. Ein Team verfolgt eine Gruppe von Ersthelfer*innen mitten in die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und den Demonstrant*innen. Ihre Beobachtungen zusätzlich zu verwendeten Privataufnahmen zeigen nicht nur Gewalt von Polizist*innen sondern auch Gewalt gegen Polizist*innen. Insbesondere die üblen Schmähungen der Demonstrant*innen gegen die Polizist*innen bleiben im Gedächtnis. Es ist eine Seite, die in der medialen Berichterstattung so kaum zu sehen, hören oder lesen ist.

HONG KONG MOMENTS reicht nicht aus, um die aktuellen soziopolitischen Konflikte in Hong Kong zu verstehen. Aber der Film ist ein wichtiger Puzzlestein, den man für die weitere Annäherung sehr gut nutzen kann.

23.05.20 17:49

VATER MEIN BRUDER von Ingo Baltes (DOK.fest München 2020)

filmstill vater mein bruder ein film von ingo baltes

Demenz ist seit mehreren Jahren ein sehr präsentes Thema, auch in Filmen. Neben Spielfilmen wie AWAY FROM HER oder STILL ALICE gibt es eine Reihe von Dokumentarfilmen, wie z.B. DAS INNERE LEUCHTEN, der 2019 auf der Berlinale Premiere hatte. Es ist gut, dass es die Möglichkeit gibt, sich zunächst aus der Sicht des Zuschauers mit dem Thema zu befassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass uns das Thema früher oder später direkt betreffen wird, ist da.

Vor zehn Jahren hat der Vater von Ingo Baltes einen Arztbrief bekommen. Die Diagnose lautete Alzheimer. Baltes beginnt, seinen Vater zu filmen. Sein Ziel ist zunächst nicht, einen Film daraus zu machen. Er folgt einem Impuls. Er möchte eine andere Ebene einziehen. Vielleicht ist es auch der Wunsch, sich der absehbaren Entwicklung nicht hilflos auszuliefern.

Baltes Vater war immer ein leidenschaftlicher Hobbyfilmer. Dies setzt sein Sohn nun fort, eine Umkehrung der Rollen. Die 80 Minuten, die Ingo Balthes aus 12 Stunden Drehmaterial herausdestilliert hat, sind kein glatt gebügeltes Dokumentarfeature, sondern ergeben einen aus einzelnen Sequenzen zusammengeschnittenen Familienfilm im Stil der 70er und 80er Jahre, gedreht mit einer Kamera, die weder eine überragende Auflösung noch Bildqualität hat. Entsprechend agieren aber auch die gefilmten Personen inklusive seines Vaters. Sie sind ungekünstelt und folgen keiner vorgegebenen Dramaturgie. Es entsteht eine alltägliche Beiläufigkeit und man kann sich vorstellen, dass es im eigenen Umfeld ähnliche Situation geben würde.

Ingo Baltes kommentiert die Bilder nicht nur im Off-Kommentar, sondern flüstert auch häufig während der Aufnahmen seine Gedanken in das Kamera-Mikro. Er versucht zu beschreiben, was er sieht, auch um sich selbst darüber klar zu werden. VATER MEIN BRUDER ist auch ein Film über ihn selbst. Es ist der Versuch eines Sohnes, mit seiner Kamera nachzuspüren, wie die Demenz nicht nur den Vater, sondern auch die Beziehung zu ihm verändert.

17.05.20 20:47

Preise DOK.fest München 2020

Man kann sich nur immer wieder bei den Veranstalter*innen bedanken, dass sie das DOK.fest München nicht abgesagt haben. Dadurch konnten am Samstag auch Preise vergeben werden. Es geht dabei nicht nur um die Anerkennung. Preise sind besonders für Arthouse Filme auch für die kommerzielle Auswertung sehr wichtig.

Auf dem DOK.fest wurden drei Preise für die Hauptwettbewerbe DOK.deutsch, DOK.international und Dok.horizonzte vergeben.

Den VIKTOR für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm haben Weina Zhao und Judith Benedikt für WEIYENA-EIN HEIMATFILM bekommen. Das freut mich natürlich sehr (siehe auch Artikel zum Film.)

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Filmstill aus WEIYENA-EIN HEIMATFILM

Den Preis im Wettbewerb DOK.international ging an ACASA, MY HOME von Radu Ciorniciuc.

THEY CALL ME BABU
von Sandra Beerends wurde mit denm VIKTOR im Wettbewerb von DOK.horizonte ausgezeichnet.

10.05.20 18:39

WEIYENA-EIN HEIMATFILM von Weina Zhao und Judith Benedikt (DOK.fest München 2020)

Filmstill: Weiyena Zhao mit ihren Eltern
Weina Zhao mit ihren Eltern
Eine Filmkamera kann einen therapeutischen Charakter haben. Die gilt sowohl für Menschen vor der Kamera als auch hinter der Kamera. Im Dokumentarfilm erlaubt die Kamera auf der einen Seite Fragen zu stellen, die man sonst nie stellen würde und auf der anderen Seite Antworten, die man nahestehenden Menschen, so nicht geben würde. Dabei kommen Dinge ans Licht, die lange Zeit im Erinnerungsraum einer Person verschlossen waren.

Weina Zhao ist in Wien aufgewachsen, hat aber durch ihre Eltern eine starke Bindung nach China. Über mehrere Jahre hinweg hat sie ihre Großeltern in China getroffen und mit ihnen Gespräche geführt. Dabei erfährt sie bisher unbekannte, von Leid geprägte Familiengeschichten. Die familiären Auswirkungen der geschichtlichen Tragödien im China des 20. Jahrhunderts und der Umgang mit den gemachten Erfahrungen, machen die Co-Regisseurin manchmal fassungslos, stellen aber auch neue Fragen im Hinblick auf ihre eigene Identität als Grenzgängerin zwischen den Kulturen.

Die familiäre Bindung und Zhaos fließendes Mandarin schaffen eine wichtige Vertrautheit in den Gesprächssituationen. Als Zuschauer bekommen wir bewegende Einblicke, wie chinesische Geschichte Persönlichkeiten und Lebenswege beeinflusst haben. Zhao hat nicht allein, sondern zusammen mit Judith Benedikt Regie geführt. Dies hat sicherlich dabei geholfen, dem Film trotz aller Emotionalität und persönlichen Betroffenheit eine gute Erzählstruktur zu geben.

Besonders wertvoll wird WEIYENA-EIN HEIMATFILM für den europäischen Zuschauerin auch dadurch, dass Weina Zhao trotz ihrer Nähe zu China durch die europäische Perspektive nach Antworten sucht. Ihre Fragen sind auch unsere Fragen, ihr Nicht-Verstehen ist auch unser Nicht-Verstehen. Am Ende deutet sich an, dass durch das Zusammenwirken von chinesischer Mentalität, Kultur und Geschichte menschliches Verhalten in europäischen Kategorien manchmal nicht erklärbar ist.

WEIYENA-EIN HEIMATFILM läuft auf dem DOK.fest München als Weltpremiere und kann noch bis zum 24.5. gestreamt werden. Die Q&A zum Film steht frei zur Verfügung.

09.05.20 18:15

AUTOBAHN von Daniel Abma (DOK.fest München 2020)

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Eine Verkehrsverbindung zwischen zwei Autobahnen, die mitten durch eine Stadt führt, ist untragbar. Aber wie oft, gewöhnt man sich über die Zeit auch an vernunftsfreie Zustände.

Nicht nur wer wie ich aus Niedersachsen oder Nordrhein-Westfahlen kommt, wird seine persönlichen Erinnerungen an die Verbindung zwischen der A30 und A2 haben, die quer durch Bad Oeynhausen führte. Man stand hier vor allem sehr lange im Stau. Nach 40 Jahren kam dann aber 2008 die Revolution. Es wurde mit dem Bau einer Umgehung begonnen. Doch wie reagieren die Bewohner der Stadt darauf?

Daniel Abma hat über 10 Jahre Paare und Einzelpersonen begleitet: u.a. den damaligen Bürgermeister, die Inhaberin eines Woll-Fachgeschäfts, einen Bodybuilder, ein Rentnerehepaar mit Dackel und einen überzeugten Christen, der mit „Jesus Liebt Dich“ Transparenten regelmäßig an der Durchgangsstraße stand.

Das Bauvorhaben wird in AUTOBAHN zu einem in der Zeit wandelnden Prisma, durch das Licht auf die Entwicklung der Charaktere fällt. Der Blick den Abma auf seine Figuren wirft ist anrührend und teilnahmevoll. So trifft er sehr gut das Lebensgefühl, den Alltag und die Menschen in einer norddeutschen Kleinstadt.

Der sehenswerte Dokumentarfilm steht noch bis zum 24.5. auf der Webseite des DOK.fest München zum Streamen zur Verfügung.

08.05.20 20:04

DOK.fest München 2020 - Festival @home

Filmplakat DOK.fest München

Seit dem 6. Mai läuft das Dok.fest München. Als eines der wenigen Filmfestivals ist es das Wagnis eingegangen: es streamt sein komplettes Festivalprogramm. Beachtliche 121 Filme von ursprünglich geplanten 156 Filmen werden gezeigt. Darunter sind Perlen, die bereits auf anderen Festivals erfolgreich liefen (wie z.B. die Dokumentation über Christoph Schlingensief oder der Debütfilm AUTOMOTIVE von Jonas Heldt). 75% der Filme sind aber entweder Welt- oder Deutschlandpremieren. Der Großteil des Programms steht bis zum 24.5 zur Verfügung. Eine 24h Leihe kostet regulär 4,50 €, für einen Solipreis von 5,50 € unterstützt man mit einem Euro Münchner Kinos, die ursprünglich als Spielstätte vorgesehen waren. Man darf sehr gespannt sein, wie diese begrüßenswerte und couragierte Filmfest-Initiative funktioniert.

28.04.20 16:03

WE ARE ONE - Das globale Online Filmfestival

We are one logo

Da ist sie: die gemeinsame Antwort der internationalen Filmfestivals auf DIE Krise. Unter dem Motto WE ARE ONE wird es ab 29. Mai für 10 Tage ein globales Fimfestival auf Youtube geben. Das Tribecca Filmfestival in New York und YouTube sind die Hauptorganisatoren und sie haben starke solidarische Partner gefunden. Die Berlinale, Cannes, San Sebastian und Venedig sowie 15 weitere Festivals werden das Programm kuratieren. Die Filmen stehen noch nicht fest, eines aber schon: alles wird kostenlos sein.

26.04.20 17:55

CROSSING EUROPE EXTRACTS

Logo for crossing europe extracts

Film-Festivals leben von dem lebendigen Austausch zwischen Publikum und Filmschaffenden. Sie schaffen einzigartige Orte der Zusammenkunft, um Film gemeinsam zu erleben. Es sind großartige aber auch "große" Veranstaltungen. Es ist daher nicht absehbar, wann das erste Film-Festival wieder stattfinden kann.

Filmfestivals dauern oft nur bis zu 10 Tage, aber die Vorbereitungen beginnen bereits mit dem Ende des Vorjahresfestivals. Einige Monate vor dem offiziellen Start geht es dann in die heiße Phase. Der Aufwand, den Festivalteams treiben, ist enorm. Nun sind sie um den Lohn ihrer engagierten Arbeit gebracht worden. Jedes Festival findet seine eigene Antwort auf die Situation. Dabei geht es nicht nur um die großen Festivals wie Cannes. Es sind eben auch die mittelgroßen Festivals, die mit viel Leidenschaft sich neben "den Großen" etabliert haben.

Eines dieser Festivals ist das Crossing Europe in Linz. Es gibt vor allem Filmen aus dem osteuropäischen Raum eine Plattform. Am 21.4. sollte das Festival im Beisein von Costa-Gavras eröffnet werden. Am 8.3. war klar, dass es nicht ging.

Doch es gibt nun unter der Überschrift CROSSING EUROPE EXTRACTS eine handverlesene Auswahl von 10 Filmen aus verschiedenen Sektionen, die bis zum 24. Mai gestreamt werden können. Abrufbar sind sie auf den Portalen FLIMMIT und KINO VOD CLUB. Unter den Filmen finden sich ein buntes Jugenddrama im Bollywood-Stil aus Afghanistan (Parwareshgah von Shahrbanoo Sadat), eine DIY Dokumentation um die Anfeindungen des ungarischen Orban Regimes gegen die Central European University in Budapest (SZABAD EGYETEM von Jonathan Hunter und Lucie Janotová) und ein Spielfilm über den fast in Vergessenheit geraten Konflikt in der Ostukraine (ZABUTI von Daria Onyshchenko). Zwar haben aus lizenzrechtlichen Gründen nur österreichische Zuschauer*innen einen Zugriff, aber es ist ein wichtiges Zeichen. Bleibt zu wünschen, dass es nun in vielen österreichischen Häusern und Wohnungen heißt: Projektion ab.

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