Berlinale 2021

06.03.21 15:35

Die (Remote) Bären

GOLDENER BÄR FÜR DEN BESTEN FILM

BABARDEALĂ CU BUCLUC SAU PORNO BALAMUC (BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN) von Radu Jude

Filmstill von BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN

© Silviu Ghetie / Micro Film 2021

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WHEN A FARM GOES AFLAME von Jide Tom Akinleminu (Berlinale 2021)

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© Jide Tom Akinleminu

Zu Beginn seines Films stellt Jide Tom Akinleminu zwei Fragen: „Warum hat mein Vater nie die Wahrheit gesagt?“ und „Warum hat meine Mutter nie Fragen gestellt?“ WHEN A FARM GOES AFLAME erzählt die Geschichte einer Ehe: Akin, der Vater des Regisseurs, ist Nigerianer, die Mutter Grete Dänin. Die beiden lernten sich in Dänemark kennen und zogen nach der Heirat 1974 nach Nigeria. Dort lebten sie bis 1991 mit ihren drei Kindern – Akin hatte eine Hühnerfarm, Grete arbeitete als Lehrerin. 1991 ging Grete mit den Kindern wegen der politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Nigeria mit den Kindern nach Dänemark. Akin folgte 1992, ging aber nach kurzer Zeit wieder nach Nigeria zurück. Anschließend führte das Paar für mehr als zwei Jahrzehnte eine Fernehe, die zerbrach, nachdem ihr Sohn Jide ein Geheimnis aufdeckte.

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WOOD AND WATER von Jonas Bak (Berlinale 2021)

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© Trance Films

Es scheint einen Trend zum entschleunigten Film zu geben. Oder gab es diese Häufung an Slow-Picture Filmen auf der Berlinale schon immer? WOOD AND WATER hat in jedem Fall die beruhigende Wirkung einer Tai-Chi-Bewegung, der man sich beruhigt überlassen kann.

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05.03.21 15:02

HERR BACHMANN UND SEINE KLASSE von Maria Speth (Berlinale 2021)

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Zuerst dachte ich: Haben die ne Macke? Dreieinhalb Stunden Doku über einen Lehrer und seine Klasse? Und dann, die große Überraschung: Man bekommt gar nicht genug von HERR BACHMANN UND SEINE KLASSE: Großartig, wie sich Maria Speths Doku diesem außergewöhnlichen Lehrer und seiner Arbeit mit einer höchst diversen sechsten Klasse im ländlichen Hessen widmet. Man will die Klasse zum Schluss gar nicht gehen lassen – so sehr wachsen einem die jungen Leute und ihr Lehrer mit seiner allgegenwärtigen Strickmütze ans Herz.

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GENDERATION von Monika Treut (Berlinale 2021)

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Nach zwanzig Jahren besucht Monika Treut noch einmal ihre ehemaligen Hauptfiguren aus GENDERNAUTS. In dem mehrfach ausgezeichneten Film hatte Treut damals Transgender-Pionierinnen* porträtiert. Eine queere Szene, die sich selbst als Gender-Mixer bezeichnet, hatte im San Francisco der 90er Jahre mit Biochemie experimentiert und Schattierungen zwischen den binären Genderpolen ausgetestet.

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10 Dinge die bei einer Onlineberlinale nerven

Nein, das ist es nicht, unser schönes jährliches Berlinaleerlebnis. So was wollen wir NIE wieder. Hier sind nur 10 Dinge die fehlen und nerven (to be continued):

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04.03.21 21:11

DIE WELT WIRD EINE ANDERE SEIN (COPILOT) von Anne Zohra Berrached (Berlinale 2021)

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Schwierig. Wie kann man über diesen Film schreiben, ohne das Ende vorweg zu nehmen? Der Film beginnt ja auch mit dem Ende. Aus dem Off hören wir die Stimme von Saeed. Er richtet an seine Liebe Asli, bedankt sich für die letzten 5 Jahre, die sie mit ihm verbracht, ausgehalten hat. Dann wird eben diese Zeit nacherzählt, Jahr für Jahr.

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PER LUCIO (For Lucio) von Pietro Marcello (Berlinale 2021)

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© Teche Rai

PER LUCIO, also Für Lucio, Pietro Marcellos Dokumentarfilm über den italienischen Sänger Lucio Dalla ist eigentlich ein Unding. Am Anfang führt Umberto Righi, genannt „Tobia“ und von 1966 bis zu Dallas Tod 2012 dessen Manager, ganz konventionell mit einer Anekdote in den Film ein. Beim ersten Auftritt, den er für Dalla managte, wollten die Besitzer des ausverkauften Clubs die Gage nicht zahlen. Darauf klaute Tobia ihnen Ihre Rolex-Uhren. Diese konnten gegen die Gage am nächsten Tag wieder ausgelöst werden. Mit diesem erfolgreichen Gaunerstück begann die 46-jährige Partnerschaft zwischen Musiker und Künstler. Danach beginnt ein impressionistischer Reigen aus Bildern und Musik, in dem ich oft die Übersicht verloren habe. Wo sind wir jetzt und in welchem Jahrzehnt? Zur Musik von Dallas montiert Marcello Bildmaterial aus Italiens Geschichte – vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Fall der Berliner Mauer. Lucio Dallas Songs liefern dazu einen hauchdünnen Faden. Und – oh Wunder – es funktioniert!

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GHASIDEYEH GAVE SEFID (BALLAD OF A WHITE COW) von Behtash Sanaeeha, Maryam Moghaddam (Berlinale 2021)

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Hätte es nicht in den vergangenen Jahren eine auffällige Häufung von Berlinale-Preisträgern aus dem Iran gegeben, man würde jetzt schon wetten wollen, dass BALLAD OF A WHITE COW zu den ganz heißen Favoriten gehört. Nur, das können sie eigentlich nicht schon wieder bringen, oder? Aber zunächst zum Film: Großartig erzähltes, bitteres Drama über eine Frau, die mit einem schrecklichen Justizirrtum leben muss. Ihr Mann wurde fälschlicherweise wegen Mordes zum Tode verurteilt und hingerichtet. Ein unerwarteter Helfer, der ihr plötzlich scheinbar aus dem Nichts heraus zur Seite steht, entpuppt sich als ein anderer, als er zu sein vorgibt.

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PETITE MAMAN von Céline Sciamma (Berlinale 2021)

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Ein kleines Mädchen hilft seiner Mutter dabei, das Haus der Großmutter auszuräumen. Diese ist vor kurzem gestorben, das kleine Mädchen ist traurig, weil es sich beim letzten Treffen nicht richtig von ihr verabschiedet hat, wie es findet. Auch die Mutter ist durch die Rückkehr an den Ort ihrer Kindheit merklich aus dem Gleichgewicht gebracht. Eines Morgens ist sie verschwunden, stattdessen passt nun der Vater auf die Kleine auf. Die findet am nächsten Tag beim Spielen im Wald eine neue Spielgefährtin – die ihr seltsam vertraut erscheint. Wenig später wird ihr klar: Es ist ihre Mutter – zu der Zeit, als sie so alt war, wie sie selbst jetzt ist.

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GUZEN TO SOZO (WHEEL OF FORTUNE AND FANTASY) von Ryusuke Hamaguchi (Berlinale 2021)

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Drei Begegnungen, drei Episoden aus dem Glücksrad des Lebens. Der japanische Regisseur Ryusuke Hamaguchi zeichnet mit leichtem Federstrich Menschen, die auf der Suche nach sich selbst sind. Die sich, ausgelöst durch ein besonderes Vorkommnis, essentielle Fragen über sich selbst und ihre Liebesfähigkeit stellen. Dabei baut er in jede Geschichte eine unerwartete Wendung ein, die ganz unspektakulär daherkommt, aber ganz erstaunliche Folgen hat.

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03.03.21 19:50

NIGHT RAIDERS von Danis Goulet (Berlinale 2021)

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© Christos Kalohoridis

Die Dystopie ist ein auf der Berlinale häufig zu sehendes Sub-Genre – wenn Science Fiction, dann wird es in gesellschaftlicher Hinsicht finster. Von dieser Regel macht auch NIGHT RAIDERS keine Ausnahme. Niskas (Elle-Máijá Tailfeathers) 11-jährige Tochter Waseese (Brooklyn Letexier-Hart) verletzt sich schwer am Fuß. Als ihr tief im Wald gelegenes Haus von einer Drohne entdeckt wird, fliehen die beiden und zünden das Haus sogar an, um Spuren zu verwischen. Denn im Jahr 2043 sind Kinder ab sechs Eigentum der Regierung und sollen in Akademien erzogen werden.

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LE MONDE APRÈS NOUS (HE WORLD AFTER US) von Louda Ben Salah-Cazanas (Berlinale 2021)

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Im 21. Jahrhundert fährt die Pariser Boheme Deliveroo. Oder verkauft Designerbrillen. Wenig glamourös. Junge Liebe lebt auch nicht atemlos, rebellisch und gegen alle Regeln. Sie hat eher schlaflose Nächte wegen der nächsten Miete. Sie hält sich mit Lebensmittelklau und Versicherungsbetrug über Wasser. Trotzdem ist die Liebe tief und wahrhaftig.

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RENGETEG – MINDENHOL LÁTLÁK (FOREST – I SEE YOU EVERYWHERE) Bence Fliegauf (Berlinale 2021)

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Sieben Streitgespräche, sieben Mann-Frau-Konstellation, sieben Mal wird Unausgesprochenes ans Tageslicht geholt. Ein verzehrender Kinderwunsch etwa, ein religiöser Fanatismus oder eine heimlich gehegte Leidenschaft. Bence Fliegaufs FOREST – I SEE YOU EVERYWHERE ist eine Reihung von zwischenmenschlichen Kammerspielen. Durchaus eindringlich, durchaus gut gespielt. Aber was hat das auf der Berlinale im Wettbewerb zu suchen?

Foto: © Ákos Nyoszoli, Mátyás Gyuricza

RAS VKHEDAVT, RODESAC CAS VUKUREBT? (WHAT DO WE SEE WHEN WE LOOK AT THE SKY?) von Alexandre Koberidze (Berlinale 2021)

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Eine junge Frau und ein junger Mann laufen sich zufällig in die Arme. Einmal, zweimal. Dann verabreden sie sich für den folgenden Abend. Aber einem bösen Zauber missfällt dieses Glück, und er torpediert die Liebe. Als beide am nächsten Morgen aufwachen, sehen sie völlig anders aus als zuvor. Ihre besten Fähigkeiten – ihre als Apothekerin, seine als Profifußballer – sind über Nacht verflogen. Am Abend, am vereinten Treffpunkt, erkennen sie einander nicht wieder. Werden sie sich trotzdem wiederfinden? Der georgische Regisseur Alexandre Koberidze erzählt in WHAT DO WE SEE WHEN WE LOOK AT THE SKY? ein Märchen von der Sehnsucht und der Kraft der Liebe.

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BABARDEALĂ CU BUCLUC SAU PORNO BALAMUC (BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN) von Radu Jude (Berlinale 2021)

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Wenn der für das private Vergnügen gedrehte Heimporno im Internet landet, kann das unangenehme Folgen haben. In Radu Judes BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN wird dieses Missgeschick bonbonfarben und grotesk vor dem Hintergrund einer im Kern brutalen und verlogenen Gesellschaft im heutigen Rumänien durchgespielt. Achtung: Die ersten drei Minuten sind echter Porno. Wodurch der Zuschauer flugs zum voyeuristischen Komplizen jener fragwürdigen Öffentlichkeit wird, die im Film vorgeführt wird.

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02.03.21 20:49

INTEURODEOKSYEON (INTRODUCTION) von Hong Sangsoo (Berlinale 2021)

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© Jeonwonsa Film Co.Production

Wir gehen mit Hong Sangsoo auf den Markt. Er kauft mit uns zusammen die besten Zutaten für ein köstliches Mahl. Gemeinsam beginnen wir, das Essen zuzubereiten. Doch noch bevor es fertig ist, verschwindet Hong Sangsoo. Wir sind auf uns gestellt.

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ALBATROS (DRIFT AWAY) von Xavier Beauvois (Berlinale 2021)

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Laurent ist ein guter Polizist. In dem kleinen Ort Étrétat an der Küste der Normandie sorgt er dafür, dass die Jugendlichen beim Mofafahren ihren Helm aufsetzen, kümmert sich um gestohlene Rasenmäher – muss aber auch schon mal einen Selbstmörder am Strand bergen. Zuhause sind seine Freundin und die gemeinsame Tochter wichtiger Halt und Ausgleich zum Job. Laurents Vater ist noch zur See gefahren, und diese Sehnsucht nach der Weite des Meeres lebt auch in ihm fort: Hokusai-Bild im Wohnzimmer, Schiffsmodell auf der Anrichte, gelegentliche Segeltörns mit dem Kollegen. Als ihn ein furchtbar schief gelaufener Einsatz aus der Bahn wirft, hilft ihm nur die Flucht auf den Atlantik, sein seelisches Gleichgewicht wiederzufinden.

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A RIVER RUNS, TURNS, ERASES, REPLACES von Shengze Zhu (Berlinale 2021)

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Flüsse sind Verkehrswege und Lebensadern. Kreuzungen in Städten sind Orte, an denen Menschen sich begegnen. Auch hier pulsiert normalerweise das Leben. Doch auf der Kreuzung, die Shengze Zhu zu Beginn ihres Films in langen Einstellungen mit unbewegter Kamera zeigt, ist nichts normal. Es sind kaum Menschen auf der Straße und die, die zu sehen sind, tragen Masken. Außer kleinen Transportmotorrädern, die ab und zu auftauchen und verschwinden, gibt es keinen Verkehr.

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TERMÉSZETES FÉNY (NATURAL LIGHT) von Dénes Nagy (Berlinale 2021)

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Soldaten im Nebel. Soldaten im Wald. Im Dunkel, in der Dämmerung. Dénes Nagy zeichnet mit NATURAL LIGHT ein düsteres, beklemmendes Bild vom Alltag einer kleinen Truppe ungarischer Soldaten, die während des Zweiten Weltkriegs den Deutschen Besatzern helfen, die russischen Gebiete zu sichern und Partisanen aufzustöbern. Schlamm, Kälte, Nässe – ab und zu ein bisschen Elchfleisch und eine Zigarette, mehr Komfort ist unter diesen Umständen nicht zu haben. Drei Tage lang folgen wir dem Unteroffizier Semetka auf seinem Weg durch den Wald und in ein kleines Dorf, in dem Partisanen vermutet werden. Was dann dort geschieht, ist nur eine alltägliche Episode in einem brutalen Krieg. Dass sie wie nebenbei erzählt wird, macht sie umso schrecklicher.

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TIDES von Tim Fehlbaum (Berlinale 2021)

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Als die Menschheit der Ressourcen der Erde fast aufgebraucht hatte, verabschiedete sich die Elite und besiedelte den Planeten Kepler 209. Zwei Generationen später startete die Mission Ulysses I von Kepler 209 zum alten Heimatplaneten, um festzustellen, ob ein Leben auf der Erde wieder möglich sei. Der Kontakt zur Raumkapsel brach vor der Landung ab. TIDES beginnt, als die Nachfolge-Mission Ulysses II einen harten Touchdown auf der Erde macht.

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01.03.21 19:15

ICH BIN DEIN MENSCH (I’M YOUR MAN) von Maria Schrader (Berlinale 2021)

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Den perfekten Mann kann man sich ja bekanntlich nicht backen. Wie wäre es aber, wenn das doch ginge? In Maria Schraders ICH BIN DEIN MENSCH wird die Altertums-Wissenschaftlerin Alma mit dem punktgenau auf sie programmierten Roboter Tom zusammengebracht. Das Ergebnis von drei gemeinsamen Wochen soll eigentlich nur ein von ihr erstelltes Gutachten sein, aber am Ende ist es dann doch…so etwas wie Liebe?

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MEMORY BOX von Joana Hadjithomas und Khalil Joreige (Berlinale 2021)

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Passt eine verdrängte Vergangenheit in einen Pappkarton? Und was passiert, wenn dieser geöffnet wird? MEMORY BOX von Joana Hadjithomas und Khalil Joreige geht diesen Fragen auf eine wohltuend leichte, beschwingte Weise nach – obwohl der Inhalt des Erinnerungskartons wahrlich kein Komödienmaterial ist. Ein neugieriger Teenager befreit ein „weggepacktes“ Frauenleben aus dem Bürgerkrieg im Libanon aus der Erstarrung und setzt damit einen Heilungsprozess in Gang, der Mutter, Tochter und sogar die Großmutter mitberührt.

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08.02.21 11:17

Bär im Home-Office

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Manchmal gibt es keine richtige Entscheidung. Was für eine Wahl hatten die Berlinale Leiterinnen* Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian? Was sie auch gemacht hätten, nichts hätte den Verlust auch nur ansatzweise überdecken können. Der Schmerz wäre bei einer kompletten Absage noch viel größer gewesen. So wagt sich die Berlinale nun wie viele andere Filmfestivals auf unbekanntes Terrain. Rissenbeeks und Chatrians Weg: Es gibt einen nicht-öffentlichen Berlinale-Teil vom 1.-5. März und einen öffentlichen vom 9.-20. Juni.

Der nicht-öffentliche Teil trägt das Label "Industrieveranstaltung". Das kuratierte Festivalprogramm wird im Rahmen des European Film Market (EFM) dem Fachpublikum vorgestellt. Journalisten sind zugelassen, allerdings entscheiden die Rechteinhaber eines Festivalfilms hier selbst, ob sie ihr Juwel der manchmal nicht wohl geneigten Presse zeigen. Alles ist selbstverständlich online. Bis, ja bis auf eine Ausnahme: eine mit ehemaligen Bärengewinnerinnen* prominent besetzte Jury wird sich in Berlin alle Wettbewerbsfilme auf der großen Leinwand anschauen.

Der öffentliche Teil im Juni nennt sich "Sommerspezial". Nicht das ganze, aber ein großer Teil des Festivalprogramms wird dann in zehn verschiedenen Berliner Kinos zu sehen sein. Im Rahmen des Sommerspezial die Bären überreicht, über die zuvor schon im März die Internationale Jury entschieden hat.

Wir das Ganze funktionieren? Wird die "Situation" im Juni ein Publikumsfestival erlauben? Das kann alles wohl noch keiner mit Gewissheit sagen. Aber allein der Einsatz des Berlinale Teams "etwas" zu ermöglichen, ist diesem hoch anzurechnen.

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