20.02.13 17:44

Interview mit Sebastian Mez - Regisseur von METAMORPHOSEN

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Der herausragende Film der diesjährigen Perspektive Deutsches Kino war der Dokumentarfilm METAMORPHOSEN von Sebastian Mez. Mez konfrontiert den Zuschauer mit den Folgen eines Ereignisses, das schon mehr als ein halbes Jahrhundert zurückliegt: Die Explosion in der damals sowjetischen, heute russischen Nuklearfabrik Majak. Am 29. September 1957 explodierte in der Anlage, in der waffenfähiges Plutonium angereichert wurde, ein großer Tank mit stark radioaktiver Flüssigkeit. Mez spricht mit den Menschen, die heute noch in unmittelbarer Nachbarschaft der Fabrik leben. Gerade weil er seinen Film nicht als investigative Recherche anlegt, werden die Auswirkungen und Verheerungen durch den Nuklearunfall umso spürbarer. Festivalblog hat ein Interview mit dem Regisseur geführt.

War Dir schon von Anfang an klar, wie Du den Film gestalten wolltest? In schwarz-weiß, keine klassische Interviewsituationen etc.
Immer wenn ich ein Thema habe, was mich interessiert und was zu mir passt, mache ich mir von Beginn an Gedanken über die filmische Form. Im Vordergrund steht die Frage: Welche Form ist angemessen für das Thema? Im Fall von METAMORPHOSEN war von Anfang an die Aufgabe, etwas, was nicht sichtbar und überhaupt nicht konkret ist, in Bilder umzusetzen. Insofern war schnell für mich klar, dass ich mit Artifizierung arbeite. Gleichzeitig wollte ich mit dem zeitlosen Charakter des Films arbeiten. Das Unglück in Majak ist vor mehr als 50 Jahren passiert, damals wäre der Film aktuell gewesen. Er wird aber in 100 Jahren noch genauso aktuell sein, weil der Ort, von dem der Film handelt, für immer radioaktiv verseucht ist.

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16.02.13 19:11

Bären 2013

Goldener Bär für den besten Film

POZITIA COPILULUI (Child's Pose) von Calin Peter Netzer

Großer Preis der Jury (Silberner Bär)



EPIZODA U ŽIVOTU BERACA ŽELJEZA (An Episode in the Life of an Iron Picker) von Danis Tanovic


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Danis Tanovic (links) mit den Produzenten Amra Baksic Camo und Cedomir Kolar

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Preise der Unabhängigen Jurys

Wer schon einmal eine Ahnung bekommen möchte, wer am Abend einen Bären in der Hand hält, der muss sich Mittags in die Landesvertretung des Saarlands bemühen. Hier werden u.a. die Publikumspreise und die Auszeichnungen anderer Institution (wie z.B. Amnesty International) vergeben.

Der Wettbewerbsbeitrag GlORIA, der schon vorher von der Kritik bejubelt wurde, bekam zwei Preise:


  • Preis der Ökumenischen Jury für den besten Wettbewerbsfilm

  • Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater

Der Panorama Publikumspreis für den Besten Spielfilm ging an THE BROKEN CIRCLE BREAKDOWN von Felix van Groeningen.

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Teddy Awards 2013

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Als erste Preise wurden gestern die berühmten Teddy Awards vergeben. Mit den Teddy Awards werden Filme ausgezeichnet, die sich queeren Themen widmen.

Der Preis für die beste Dokumentation ging an BAMBI von Sébastien Lifshitz.

Als bester Feature Film bekam der Wettbewerbsbeitrag W IMIE... (In the Name of) einen Teddy.

Bester Kurzfilm wurde Victor Lindgrens TA AV MIG (Undress me) und den Spezialpreis der Jury erhielt der US-Film CONCUSSION von Stacie Passon.

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TPB AFK: THE PIRATE BAY AWAY FROM KEYBOARD von Simon Klose

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Auf diesen Moment hat Regisseur Simon Klose gewartet: Vor der Vorstellung von TPB AFK: THE PIRATE BAY AWAY FROM KEYBOARD kommt er auf die Bühne und ruft einen Freund an, der den kompletten Film gleichzeitig mit der Berlinale-Premiere auf Youtube freischaltet. Das passt natürlich perfekt zum Thema von Kluges Dokumentation passt.

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15.02.13 21:35

Interview with Mia Engberg (Director of BELLEVILLE BABY)

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Festivalblog: It´s hard to tell what BELLEVILLE BABY is: Is it a fiction film? Is it a documentary?

Mia Engberg: When I get invited to different festivals I compete often in the west-nordic documentary section. "They" call it a documentary but I don´t.

Festivalblog: No it isn´t a documentary....

Engberg: It's just a film. Genres and classification are something for sales agents. I am not a business person. I am an artist. I don´t have to label my film.

Festivalblog: For me your film could be shown as an art installation...

Engberg: When I started to work on the film it was more like a short film compilation. I thought that I might screen it in an art house or gallery. So you can see the different pieces as you want. But after a while I saw the story as one story. It was just at the end that all was melting together.

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EINZELKÄMPFER von Sandra Kaudelka

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EINZELKÄMPFER heißt Sandra Kaudelkas Dokumentarfilm über die vier Spitzenathleten Brita Baldus, Udo Beyer, Ines Geipel und Marita Koch. Alle vier Sportler waren in der DDR erfolgreich, Beyer und Koch holten Olympisches Gold im Kugelstoßen beziehungsweise im 400-Meter-Lauf. Trotzdem sind die Geschichten der Sportler verschieden: Beyer und Koch waren Stars, Koch sogar schlicht die beste 400-Meter-Läuferin aller Zeiten. Die Sprinterin Ines Geipel dagegen wollte sich 1984 aus der DDR absetzen. Diese Pläne aber wurden an die Stasi verraten, so dass sie von einem Tag auf den anderen aus dem Leistungssport ausgeschlossen wurde. Die Wasserspringerin Brita Baldus wiederum holte ihre größten Erfolge nach der Wiedervereinigung: Sie wurde Dritte bei den Weltmeisterschaften 1991 und bei den Olympischen Spielen 1992. 1991 und 1993 wurde sie Europameisterin vom Drei-Meter-Brett. Einen Titel, den sie schon 1983 für die DDR geholt hatte. Sie alle haben auch heute ganz verschiedene Meinungen zum Leistungssport und den Unterschieden zwischen damaliger DDR und dem heutigen Deutschland.

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Bären-Tipps

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Wer macht das Rennen: "Parde", "Gloria", "Child's Pose" oder "An Episode in the Life of an Iron Picker". Wer selber einen Tip oder ein Berlinale-Resümee hat, einfach unten kommentieren!!

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BAMBI von Sébastien Lifshitz

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Die LGBT (Lesbian Gay Bisexual Trans) Filme im Panorama sind eigentlich ein kleines Festival für sich. Durch die Einbindung in die Berlinale finden sie jedoch ein breites Publikum und geben Einblicke in Parallelwelten, zu denen viele Festivalbesucher sonst keinen Zugang haben.

Die Geschichte von Marie-Pierre Pruvot alias Bambi, die als Jean-Pierre Pruvot geboren wurde, ist ein sehr dankbares Thema für eine Dokumentation. Sie vereint Glanz, Glamour und Drama. Sie zeigt, wie ein Mensch, der in dem falschen Körper geboren wurde, gegen alle Widerstände das lebt, was er fühlt.

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NUGU-UI TTAL-DO ANIN HAEWON (Nobody's Daughter Haewon) von Hong Sangsoo

Haewon ist eine hübsche junge Studentin in Seoul, deren Leben auf einmal voller Unwägbarkeiten ist. Zunächst eröffnet ihr die Mutter, dass sie nach Kanada ziehen wird; dann entdecken ihre Kommilitonen, dass sie seit längerem ein Verhältnis zu einem verheirateten Uni-Dozenten hat. Haewon ist sich nicht sicher, welche Richtung sie ihrem Leben nun geben soll. Sie flüchtet sich immer öfter in Tagträume, die für den Zuschauer nicht ohne weiteres von der Realität zu unterscheiden sind. Mit NOBODY’S DAUGHTER HAEWON ist der koreanische Regisseur Hong Sangsoo bereits zum zweiten Mal im Wettbewerb der Berlinale vertreten, zuletzt erzählte er 2808 in NIGHT AND DAY von einem jungen Mann, der in Paris nach Antworten auf die Fragen seines Lebens sucht.

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14.02.13 20:54

ZWEI MÜTTER von Anna Zohra Berrached

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Zwei Frauen lieben sich, leben zusammen und wollen ein gemeinsamen Kind haben. Das ist kein Problem. Das ist kein Problem? Es ist ein Problem! Jedenfalls für den deutschen Gesetzgeber und deshalb auch für die Frauen. Genau davon handelt der Film ZWEI MÜTTER von Anna Zohra Berrached. Konkret gesagt: Er handelt von dem Problem Sperma zu bekommen sowie eine professionelle Inseminationsbehandlung und von den finanziellen Belastungen und dem psychologischen Stress, wenn es Monate oder Jahre dauert bis zur erfolgreichen Befruchtung.

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UROKI GARMONII (Harmony Lessons) von Emir Baigazin

Alles ist Gewalt. In der Schule wird der 13-jährige Aslan fortwährend von seinen Mitschülern gedemütigt und gequält. Als ein neuer Klassenkamerad sich mit ihm solidarisch zeigt, geht es auch ihm an den Kragen. Keiner der Erwachsenen scheint in der Lage zu sein oder überhaupt Interesse daran zu haben, diesem brutalen Treiben Einhalt zu gebieten. Zuhause entwickelt der traumatisierte Junge immer merkwürdigere Angewohnheiten: Er wäscht sich zwanghaft, reißt Kakerlaken die Beine aus oder exekutiert sie auf einem selbst gebastelten elektrischen Stuhl im Miniaturformat. Als der Anführer der Quälgeister aus der Schule ermordet aufgefunden wird, landen Aslan und sein Freund in Untersuchungshaft – und dort scheint die gängige Ermittlungsmethode der Polizei daraus zu bestehen, Geständnisse aus den Verdächtigen herauszuprügeln.

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TOKYO KAZOKU (Tokyo Family) von Yoji Yamada

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Mein Abschlussfilm der 63. Berlinale begleitet von Tränen und Freude. Der sehr schöne TOKYO KAZOKU (Tokyo Family) von Yoji Yamada ist das Remake eines Klassikers des japanischen Kinos: Tokyo Story (1953) von Yasujirō Ozu. Das Remake ist mit zweieinhalb Stunden lang - aber keine Minute zu lang. Ganz behutsam wird hier das Portrait einer Familie und zugleich der japanischen Nation zu Beginn des 21. Jahrhunderts erzählt. Darin enthalten: Verlust, kulturübergreifende inner-familiäre Konflikte und das Ringen von Tradition und Moderne, das wohl in jeder Generation und zwischen Eltern und Kindern abläuft. Eine Familie in einem krisengebeutelten Land überprüft ihren Zusammenhalt.

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VATERS GARTEN – Die Liebe meiner Eltern

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Die erste Einstellung: Blick auf dem Himmel; aus dem Off beginnt der Regisseur zu erzählen: Er habe neulich in der Fussgängerzone zufällig seinen Vater getroffen. Sie hätten sich zwei Jahre nicht mehr gesehen. In der Fußgängerzone habe er so verloren gewirkt. Da habe er beschlossen, diesen Film zu machen.

Ich weiß sofort, dass ich nicht anders kann, als diesen Film zu lieben.

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13.02.13 22:28

PAUL BOWLES: THE CAGE DOORE IS WIDE OPEN von Daniel Young

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Gähn! 18 Jahre hat Daniel Young für diesen Film gebraucht. Der Weg bis zur Volljährigkeit hat PAUL BOWLES: THE CAGE DOOR IS ALWAYS OPEN nichts genutzt. Konventionell und brav chronologisch arbeitet der Film sich Punkt für Punkt entlang des des Lebens von Pauls Bowles. Er lässt Zeitzeugen, Freunde und Begleiter auftreten und Sätze sagen, die sie so schon in zig Dokumentationen über die 30er Jahre in NY, die 40er in Paris, die Beats, die Hippies, William Burroughs, die Homosexuellen Bewegung, die amerikanische Literatur der 50er und 60er, Jane Bowels und all die Kifferpoeten Biopics und Tanger Stadtportraits gesagt haben dürften. Alles zig Mal gesehen und gehört und gelesen, wer sich für amerikanische (Exilanten)Literatur Mitte des letzten Jahrhunderts interessiert. Und im Vergleich schon zig mal kreativer, versierter und kritischer gesehen und gelesen, wer Bowles war und warum.
Was das Panorama bei der Auswahl dieses Films geritten hat, ist ein Rätsel. Vielleicht trübt der Wunsch, möglichst viele Filme, die irgendwie mit Homosexualität zu tun haben in der Sektion zu zeigen, auch manchmal den kritischen Blick.

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PRINCE AVALANCHE von David Gordon Green

Alvin (Paul Rudd) hat einen etwas seltsamen Sommerjob angenommen. Er lässt Frau und Tochter zurück und arbeitet als Straßenarbeiter auf einem ländlichen Highway irgendwo in den Wäldern, die Monate zuvor von Bränden verwüstet wurden. Obwohl er die Einsamkeit sucht, ist er nicht allein: Als Hilfsarbeiter hat er Lance (Emile Hirsch) engagiert den jungen, einfältigen Bruder seiner Frau, der in der Einsamkeit des Waldes eigentlich immer nur an Frauen, genauer gesagt an Sex, denkt. Dieses ungleiche Paar verbringt die Sommerwochen damit, den Mittelstreifen neu zu zeichnen und Begrenzungspfeile einzuschlagen. Die Männer reden und streiten viel miteinander. Alvin fragt sich mehr als einmal, ob Lance nicht vielleicht doch geistig etwas zurückgeblieben ist. Dann stehen beide aus ganz unterschiedlichen Gründen plötzlich vor einer ernsten Lebenskrise.

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Halbzeit im Berlinale Wettbewerb

Anlässlich der Halbzeit der Berlinale zieht Steffen Wagner ein Resumé zum bisherigen Wettbewerbsprogramm.

SHOAH von Claude Lanzman

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Von 1974-1985 hat Claude Lanzmann Zeitzeugen des Holocaust befragt; Opfer wie Täter. Er hat die ehemaligen Stätten der Vernichtung besucht und die Bilder mit den Interviews zusammengeschnitten. Die Gesamtlänge der Dokumentation beträgt 9 Stunden.

Auf der Berlinale feierte die digitale Rekonstruktion von SHOAH seine Premiere und wurde im Rahmen der Hommage an Claude Lanzmann gezeigt.

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SIDE EFFECTS von Steven Soderbergh

Es ist ein glücklicher Tag für Emily (Rooney Mara): Ihr Mann Martin (Channing Tatum) hat seine vierjährige Haftstrafe für Insidertrading abgesessen und kommt wieder nach Hause. Doch Emily ist von der Situation völlig überfordert. Sie hat auf einer Party einen Nervenzusammenbruch, gibt im Parkhaus plötzlich Vollgas und fährt ungebremst frontal gegen die Mauer. Als sie dann im letzten Moment in der U-Bahn daran gehindert wird, vor einen Zug zu springen, hilft ihr der smarte Psychiater Dr. Banks (Jude Law) mit einem neuen Antidepressivum. Doch die Nebenwirkungen sind heftig: Emily beginnt zu schlafwandeln. Wenig später ist ein Mensch tot und Emily, Dr. Banks und alle anderen werden in einen bizarren Mordfall hineingezogen.

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EPIZODA U ŽIVOTU BERACA ŽELJEZA (An Episode in the Life of an Iron Picker) von Danis Tanovic

Senada, Nazif und die beiden kleinen Mädchen Sandra und Semsa sind eigentlich eine glückliche kleine Familie. Liebevoll spielen die Eltern mit den Kindern, Mann und Frau sind sich nahe, die Kinder scheinen rundum zufrieden. Nur: Sie sind bitter arme Roma, die in einem erbärmlichen Kaff in Bosnien-Herzegowina von der Hand in den Mund leben. Nazif schlachtet für ein paar Kröten alte Autos aus, um das Metall zu verkaufen. Senada kümmert sich um den Hauhalt. Doch dann bringt eine unerwartete Katastrophe das fragile Gefüge zum Einsturz: Eine Schwangerschaft, schwere Komplikationen und eine dringend benötigte Operation, für die aber weder Krankenversicherung noch Geld da ist. Der Regisseur Danis Tanovic zeigt in den folgenden anderthalb Stunden hautnah die Odyssee, die aus dieser verzweifelten Situation folgt.

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In the Limelight: Gespräch mit Jane Campion im HAU

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Die Nähe zwischen Film und Filmemacher entsteht durch die Anwesenheit der Regisseure. Die Q&A Session mit ihnen am Ende einer Vorstellung gehört mit zum Besten, was die Berlinale zu bieten hat. Leider sind sie meist viel zu kurz. Neben den Filmgesprächen in der Sektion Berlinale Special gibt es auch die Sessions im Hau 1 des Hebbel-Theaters. Sie finden im Rahmen des Talentcampus statt und dienen dem Austausch zwischen Filmnachwuchs und etablierten Filmschaffenden.

Für eine Regisseurin mit so einem beachtenswerten Werk wie Jane Campion ist es genau der richtige Rahmen. Natürlich war bei dem Gespräch mit Peter Cowie auch TOP OF THE LAKE ein Thema. Campion berichtete von der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der BBC, die den Film co-produziert hat. Doch auch andere Werke der neuseeländischen Regisseurin wie SWEETIE, AN ANGEL AT MY TABLE oder THE PIANO wurden diskutiert.

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BERORE MIDNIGHT von Richard Linklater

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Es ist mühsam, diesen dritten Teil der Linklater-Trilogie, BEFORE MIDNIGHT in knappen Worten zu schildern. Weil man die Vorgänger mitdenken muss, weil das ganze Projekt eine Art Zeitkapsel ist, unterwegs und ziellos und weil es wie schon in den beiden Vorgängern natürlich mehr als um die bloße Handlung geht. Die ist auch hier so simpel wie immer: Jesse und Celine reden, laufen, reden. Über sich und das Leben. Inzwischen sind sie verheiratet und mit Zwillingen Eltern geworden und verbringen einige Wochen in Griechenland auf dem herrlichen Landsitz eines Autors. Jesses Sohn aus erster Ehe (die in Teil 2 zum Scheitern gebracht wurde) fliegt zurück zu seiner Mutter, was Jesse sehr zusetzt und die Frage aufwirft: Sollte ich mehr mit meinem Sohn zusammen sein? Doch die beiden wohnen in Paris, der Junge in Chicago.

Was bedeutet diese Frage (nicht die Entscheidung) für Celine. Sie jedenfalls sieht sie als den Anfang vom Ende ihrer Liebe. Hier entspinnt sich eine ungeschnittene und beeindruckende sicher 12 Minuten Szene auf einer Autofahrt wie eine Ouvertüre für die folgenden Jesse-Celine Dialoge, die nun schon seit 18 Jahren immer vom Allgemeinen ins Persönliche, vom Wir und Ich und das Große und Ganze hin- und herwechseln und uns anregen, erfreuen und hinterfragen.

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12.02.13 21:00

ENDZEIT von Sebastian Fritzsch

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Dann ist das Unfassbare wirklich passiert: Ein Komet ist eingeschlagen. Als sie noch ein kleines Mädchen war. Sie hat überlebt, ihre Eltern nicht. Wenige haben überlebt. Jetzt ist das kleine Mädchen von einst eine junge Frau. Sie schlägt sich allein durch. Sie hat gelernt Fallen zu legen oder sich Vorräte aus leerstehenden Häusern zu besorgen. Sie folgt ihrem Instinkt. Andere Menschen sind für sie zunächst einmal genauso Gegner wie Wölfe. Dann trifft sie einen Mann. Sie muss entscheiden, ob er Freund ist oder Feind. ENDZEIT von Sebastian Fritzsch nach einem Drehbuch von Georg Tiefenbach erzählt eine Geschichte nach der Apokalypse.

In der Post-Apokalypse von ENDZEIT sind die Menschen in vielerlei Hinsicht in eine Art Naturzustand zurückgefallen: Sie haben keine Namen, sie misstrauen einander, sie kooperieren nur dann, wenn es ihnen nützt. ENDZEIT ist eine Art soziales Experiment: Fünf Menschen sind es irgendwann, die vom Schutz und von den Vorräten eines einsamen Gehöfts mitten in den Bergen profitieren wollen. Ob sie das schaffen oder nicht, ob sie zusammenbleiben oder doch nach einer unbekannten Stadt jenseits des Gebirgskamms suchen, die vielleicht nur ein imaginärer Sehnsuchtsort ist? Von diesen Fragen handelt der Film, dem es gut gelingt die paranoide Endzeitstimmung zu kreieren, die schon soviele Vertreter dieses Genres ausgezeichnet hat. Endzeit ist ein schauspielerisch und handwerklich überzeugender Film, der aber dem Thema keine neuen Seiten abgewinnt.

POZITIA COPILULUI (Child's Pose) von Calin Peter Netzer

Die wohlhabende Architektin Cornelia gehört mit ihrem Mann und ihrem erwachsenen Sohn zur rumänischen Oberschicht in Bukarest. Politiker, Ärzte und Rechtsanwälte bilden den engeren Bekanntenkreis der Familie, man lässt es sich gerne gut gehen, feiert zusammen und man hilft sich natürlich auch. Diese Hilfe wird bald auch dringend benötigt, denn Cornelias Sohn Barbu überfährt im Straßenverkehr wegen überhöhter Geschwindigkeit ein Kind, das dann am Unfallort verstirbt. Unter Ausnutzung aller privaten Kontakte und ohne Skrupel kämpft seine Mutter von nun an gegen die Polizei darum, dass ihr Sohn nicht zur Rechenschaft gezogen wird.

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METAMORPHOSEN von Sebastian Mez

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Am 29. September 1957 explodierte in der damals sowjetischen, heute russischen Nuklearfabrik Majak, in der waffenfähiges Plutonium angereichert wurde, ein großer Tank mit stark radioaktiver Flüssigkeit. Mehr als 50 Jahre später geht Sebastian Mez mit Kamera und Mikrofon im nahe gelegenen Dorf Musljumowo auf Spurensuche. In ruhigen Einstellungen filmt er die karge Winterlandschaft und lässt die Menschen reden, die dort leben – Dorfbewohner, keine Funktionäre, keine Politiker. Die Alten erinnern sich immer noch gut an den Unglückstag und seine schrecklichen Folgen. Auch die jüngeren wissen, dass sie den Auswirkungen des Unglücks selbst Jahrzehnte später nicht entkommen können. METAMORPHOSEN beweist, dass beim Film gerade die Konzentration auf wesentliche filmische Mittel eine hohe ästhetische Wirkung erzeugen kann. Eine noch größere Leistung des Filmemachers ist es, seinen Dokumentarfilm nicht zur Faktenschlacht zu machen. So informiert er eindringlich über die Konsequenzen des Unglücks, ohne den Zuschauern mit Daten oder technischen Details zu überhäufen. METAMORPHOSEN ist der mit Abstand beste Film der Perspektive 2013. Ohne jeden Zweifel wäre das Forum die angemessene Sektion für diesen Film gewesen. Auch hier wäre er positiv aufgefallen.

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FRANCES HA von Noah Baumbach

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Frances (Greta Gerwig) ist eine nett-verbimmelte Endzwanzigerin, die älter aussieht und sich jünger benimmt. Jedem sollte einmal im Leben eine Frances begegnen, um die eigene Toleranz und Spießigkeit zu testen. Der unterhaltsame und bei aller Leichtigkeit auch sehr lebensnahe Noah Baumbach Panorama Beitrag FRANCES HA ist Schwarz-Weiß gefilmt, was ihm eine Aura von kunstbeflissenen, allzu ernsten Autorenfilm zu geben scheint, die jedoch von der witzigen, schlagfertigen und klugen Geschichte konterkariert wird, so dass beides am Ende sogar klarer hervortritt: Die Bilder und die Geschichte.
Die Ernsthaftigkeit des Themas schmuggelt sich wie in U-Boot unter all dem Lachen und Fremdschämen und innerlich Ratschläge verteilen durch: Wie lang soll sie an ihrem Traum festhalten und wann ist es Zeit, den Traum sausen zu lassen?
Am Ende wird Frances - entgegen der meisten Ratschläge in den Köpfen der Zuschauer - alles richtig und auf ihre Art gemacht haben - auch wenn es eine ganze Weile überhaupt nicht danach aussieht.

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PARDÉ (Closed Curtain) von Jafar Panahi

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Kontext, Kontext, Kontext muss man denen zurufen, die diesen Film - eigentlich normal - unter rein narrativen oder ästhetischen Gesichtspunkten bewerten. Und vielleicht muss man sogar ganz billig autobiographisch interpretieren, um PARDÉ von Jafar Panahi gerecht zu werden. Ein Film über das Filmemachen als ein vom Staat als Geisel genommener und mit Berufsverbot belegter Regisseur ist das. Panahi war in Haft, durfte schon als Jurymitglied vor zwei Jahren nicht anreisen, zeigte in Cannes einen Film über sich zu Haus, wie er darüber nachdenkt, einen Film zu machen. PARDÉ ist anders, aber auch eine sehr selbstreflexive Studie über den Autor, Mensch und Regisseur Panahi, der metaphorisch und manchmal ganz real Einblicke gewährt in seinen Kopf und seine Sorgen und das Leben in einer Diktatur.

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LA RELIGIEUSE (Die Nonne) von Guillaume Nicloux

LA RELIGIEUSE ist die Neuverfilmung eines Romans des französischen Philosophen und Aufklärers Denis Diderot und spielt im Frankreich des achtzehnten Jahrhunderts. Die junge Suzanne wird gegen ihren Willen von ihrer Familie in ein Kloster abgeschoben und leidet dort als Nonne unter den rigiden Regeln der Ordensgemeinschaft. Trotz Demütigungen und sexueller Belästigung behält sie hinter den Klostermauern ihren eigenen Willen und lässt sich nicht brechen.

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ECHOLOT von Athanasios Karanikolas

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Was mach ich nur mit diesem Film? Er ist jung und wild und hat Charakter, etwas Eigenes und Ehrliches. Er ist aber auch prätentiös und selbstverliebt wie seine Charaktere. Rahmen der losen Handlung ist ein Tag und eine Nacht in irgendeinem Haus um Berlin. Eine Gruppe junger Menschen - Typ Neuköllner Studenten mit löchrigen Klamotten und Ledermänteln vom Second Hand Laden und künstlerischen Ambitionen - versammeln sich, um einem Freund zu gedenken, der sich das Leben genommen hat. Warum genau weiß keiner. Und ganz egozentrisch-studentisch geht es in der einzigen Gesprächsrunde auch eher darum, was man zu Selbstmord „generell“ für eine Meinung hat, als ums Verarbeiten. Und wenn der Abend fortschreitet, werden erste Risse in der Gemeinschaft scheinbar in Trauer vereinter, gleichdenkender Freunde sichtbar.

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Videokritik zu BEFORE MIDNIGHT von Richard Linklater

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