17.04.16 22:32

11. filmPolska in Berlin (20. - 27.4.2016)


Trailer zum Festivalbeitrag SIRENENGESANG

Große A-Filmfestivals wie die Berlinale sind für den Festivalbesucher eine völlige Überforderung der Sinne. Man sucht sich aus Hunderten Filmen sein persönliches Programm zusammen und hat am Ende Mühe das Gesehene einigermaßen einzuordnen. Die Trefferquote ist Glückssache, denn in der Regel sind die Aufführungen Premieren und man weiß vorher nur wenig über die Filme.

Da ist es fast schon wohltuend, dass auf dem dem Festival filmPOLSKA nur ein Land im Fokus steht. Die gezeigten Filme sind in der Regel bereits in Polen oder auf anderen Festivals gelaufen.

Das Festival bietet die großartige Chance, einen Einblick in die gegenwärtige Filmkultur des Nachbarlandes zu bekommen. Mit dabei sind u.a. das schräge Meerjungen-Musical SIRENENGESANG (Córki dancingu) von Agnieszka Smonczyńska und der Gewinner des diesjährigen Drehbuch Berlinale-Bären UNITED STATES OF LOVE (Zjednoczone stany miłosci). Beide Filme laufen in der Sektion NEUES POLNISCHES KINO, der vielleicht spannendsten Sektion des Festivals.

Mit einer Retrospektive wird dieses Jahr der Regisseur Jerzy Skolimowski geehrt. 1967 hat er mit Jean-Pierre Léaud den LE DÉPART gedreht und dafür auf der Berlinale den Goldenen Bären bekommen. Über 40 Jahre später war er mit ESSENTIAL KILLING auf den Filmfestspielen in Venedig. Der Film wurde dort mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet und Vincent Gallo bekam den Preis für den besten Darsteller. Jerzy Skolimowski, der übrigens auch kleine Schauspielrollen in David Cronenbergs EASTERN PROMISES und MARVEL'S THE AVENGERS übernommen hat, wird anwesend sein.

Die Festivalfilme laufen in einer feinen Auswahl an Programmkinos u.a. dem Arsenal, dem FSK Kino am Oranienplatz und dem Babylon. Hauptverantwortlich für das Festival ist das Polnische Institut Berlin. Deren Chefin Katarzyna Wielga-Skolimowska ist auch Leiterin von Filmpolska. Verantwortlich für die Kuratierung der Filme ist Kornel Miglus.

20.02.16 20:00

Berlinale 2016: Die Bären

Goldener Bär für den Besten Film

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FUOCOAMMARE (Fire at Sea) von Gianfranco Rosi


Silberner Bär Großer Preis der Jury

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Danis Tanović für Smrt u Sarajevu

Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet


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Regisseur Lav Diaz

Hele Sa Hiwagang Hapis (A Lullaby to the Sorrowful Mystery) von Lav Diaz


Silberner Bär für die Beste Regie

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Mia Hansen-Løve für die Regie von L´AVENIR


Silberner Bär für die Beste Darstellerin

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Trine Dyrholm für die Rolle in KOLLEKTIVET


Silberner Bär für den Besten Darsteller

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Majd Mastoura für seine Rolle in INHEBBEK HEDI (Hedi)


Silberner Bär für das Beste Drehbuch
Tomasz Wasilewski für das Drehbuch von ZJEDNOCZONE STANY MIŁOŚCI (United States of Love)


Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung aus den Kategorien Kamera, Schnitt, Musik, Kostüm oder Set-Design

Mark Lee Ping-Bing für die Kamera in CROSSCURRENT

Berlinale 2016: ZJEDNOCZONE STANY MIŁOŚCI (United States of Love) von Tomasz Wasilewski

Die Vereinigten Staaten der Frauen- und Menschenfeindlichkeit

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Polen Anfang der Neunziger Jahre: Das kommunistische Regime ist Geschichte und die Schule nennt sich stolz Solidarność. Aber von Aufbruchsstimmung ist in der kleinen namenlosen Stadt, in der Tomasz Wisilewskis Film spielt nichts zu spüren. Seine Bilder wirken fast farblos, über allem liegt ein Grauschleier, nicht zuletzt über der Stimmung seiner vier Protagonistinnen: Agata (Julia Kijowska), die sich in den Priester verliebt hat und für ihren Mann nichts mehr empfindet. Die Schuldirektorin Iza (Magdalena Cielecka) ist die unglückliche Geliebte eines Arztes. Die junge Sport- und Tanzlehrerin Marzena (Marta Nieradkiewicz), die von einer Karriere als Model träumt. Und schließlich die Russischlehrerin Renata (Dorota Kolak), die sich so sehr zur Marzena hingezogen fühlt, dass sie sogar einen Sturz im Treppenhaus inszeniert um von ihr umsorgt und berührt zu werden.

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Berlinale 2016: MILES AHEAD von Don Cheadle

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Mit Jazz konnte ich noch nie so richtig viel anfangen. MILES AHEAD könnte das ändern. Wie Melodien entwickeln sich Geschichten parallel, greifen Zeitebenen ineinander, um am Ende ein vielleicht nicht vollständiges, aber doch klar konturiertes Bild entstehen zu lassen.

Die erste Regiearbeit von Don Cheadle ist dem Jazzmusiker Miles Davis gewidmet. Davis war ein ziemlich cooler Hund. Cheadle ist ebenfalls ein ziemlich cooler Hund. Wie nicht anders zu erwarten, ist MILES AHEAD daher ein ziemlich cooler Film.

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Panorama-Publikumspreis an JUNCTION 48 und WHO'S GONNA LOVE ME NOW?

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Die Panorama-Publikumspreise 2016 gehen in diesem Jahr an JUNCTION 48 von Udi Aloni und für den besten Dokumentarfilm an WHO'S GONNA LOVE ME NOW? von Tomer und Bayak Heymann. Adonis Film über eine palästinensische Rap-Gruppe in Lod, einer Kleinstadt nur 20 Kilometer östlich von Tel Aviv, ist eine israelisch-deutsche-amerikanische Koproduktion. Der Musiker Kareem (Tamer Nafar) versucht mit seiner Band eine Karriere zu starten. Dann will die israelische Regierung das Haus der Familie seines Managers räumen und seine Freundin Manar wird von ihrer konservativen Familie unter Druck gesetzt, nicht mehr auf den Konzerten der Gruppe zu singen.

19.02.16 20:14

Bärentipps 2016

Welchen Bären hätten's denn gerne?

Stimmige Bärentipps abzugeben finde ich in diesem Jahr ganz besonders schwer. Kaum ein Film hat mich - wie man so schön sagt - so richtig vom Hocker (oder Kinosessel) gerissen...trotzdem waren einige gute Sachen dabei. Also: Dann tippe ich mal auf...die Filme, denen ich gerne selbst die entsprechenden Bären geben wollen würde...

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Berlinale 2016: WIR SIND DIE FLUT von Sebastian Hilger

Schockstarre am Wattenmeer

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Vor 15 Jahren ist vor der Küste von Windholm das Meer verschwunden und mit ihm alle Kinder des Ortes. Zwei junge Physiker aus Berlin machen sich auf, das geheimnisvolle Phänomen zu untersuchen. Dabei werden sie mit ihrer eigenen Geschichte konfrontiert. WIR SIND DIE FLUT ist der Abschlussfilm von Sebastian Hilger an der Filmakademie Ludwigsburg; er wurde gemeinsam mit der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolff (Potsdam) und unter Beteiligung des rbb realisiert. Hilger überzeugt mit einer Story, die Raum für offene Fragen lässt, und mit äußerst stimmungsvollen Bildern.

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Berlinale 2016: DIE PRÜFUNG von Till Harms

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1992, KLEINE HAIE von Sönke Wortmann. An viel kann ich mich nicht erinnern. Aber diese eine Szene, die ist mir im Gedächtnis geblieben: Durch Zufall stolpert Jürgen Vogel in ein Vorsprechen an einer Schauspielschule. Bevor er weiß, wie um ihn geschieht, ist er auch schon angenommen. Vielleicht fand ich es damals so spannend, weil ich mich (wie so viele, viele andere) selbst an einer Schauspielschule bewerben wollte. Mir war schon klar, dass es nicht so leicht werden würde wie in KLEINE HAIE. Das aber beim Bewerbungsverfahren ein Aufwand getrieben wird, als wolle man Pilot oder Raumfahrer werden, nun, dass habe ich mir auch nicht vorstellen können.

Nach dem Film DIE PRÜFUNG sei allen, die von einer Schauspielkarriere träumen, gesagt: Zieht Euch warm an!

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LA ROUTE D’ISTANBUL (Road to Istanbul) von Rachid Bouchareb

Wenig Antworten, aber auch kaum Fragen

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Im Panorama Special läuft der Spielfilm über eine junge Belgierin, die zum Islam übergetreten ist und von zu Hause abhaut, um in Syrien zu kämpfen. Das Thema ist in aller Mundes, aber der Film wird ihm nicht wirklich gerecht. Die erste Hälfte, in der wir die Mutter Elisabeth und ihre Tochter Elodie in ihrer vermeintlich heilen Welt kennenlernen, ist eigentlich ein guter Einstieg. Allerdings wissen wir viel zu wenig über Elodie – außer, dass sie einen nordafrikanischen Freund namens Kader hat und viel Zeit vor dem Internet verbringt – um den plötzlichen Aufbruch nachvollziehen zu können.

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Berlinale 2016: ZONA NORTE von Monika Treut

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Yvonne Bezerra de Mello ist ohne Zweifel eine mutige Frau voller Energie. Die Frau aus der Elite Rio de Janeiros begreift sich selbst als Wohltäterin, als Fürsprecherin der marginalisierten BewohnerInnen in den Favelas der Stadt. Das ist manchmal nahe an der Grenze zur Selbstdarstellung und zum Klischee. De Mello hat eine neue pädagogische Methode entwickelt, die den Kindern der Favelas mehr Selbstbewusstsein geben soll. Ganz unbescheiden heißt die natürlich: „de-Mello-Methode.“

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18.02.16 22:44

Berlinale 2016: THE SEASONS IN QUINCY: FOUR PORTRAITS OF JOHN BERGER

Welterklärer mit Charisma

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Vier Jahreszeiten im französischen Alpendorf Quincy, ein Künstlergenie im Mittelpunkt: John Berger, Autor, Maler, Kunsttheoretiker, Welterklärer. THE SEASONS IN QUINCY: FOUR PORTRAITS OF JOHN BERGER besteht aus vier filmischen Essays von Colin McCabe, Christopher Roth, Tilda Swinton und Bartek Dziadosz: Ways of Listening, Spring, A Song for Politics und Harvest. Drei der Essays schaffen, das Charisma von John Berger auf die Leinwand zu bringen, interessanterweise auch Spring, in dem Berger selbst gar nicht zu sehen ist. Allein A Song for Politics wird zu einer echten Peinlichkeit. Die Diskussionsrunde aus Berger, den beiden Mitregisseuren Colin McCabe und Christopher Roth sowie dem amerikanischen Schriftsteller und Essayisten Ben Lerner und Akshi Singh ist die Inszenierung eines Nichtgesprächs.

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Berlinale 2016: John Grant im rbb-Bus

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Auf dem Nachhauseweg trottet man an allerlei Berlinale-Bussen, -lounges und -sendungen vorbei. Im rbb-Bus sitzt heute John Grant, ein Amerikaner der munter auf Deutsch parliert. Wer zwischen den Filmen mal Zeit hat: sein letztes Album Grey Tickles, Black Pressure ist sehr hörenswert.

Berlinale 2016: Ehrenbär für Michael Ballhaus

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Michael Ballhaus mit Festivalleiter Dieter Kosslick

Heute Abend wird dem Kameramann Michael Ballhaus der Ehrenbär verliehen. Bei der Pressekonferenz sprach er über die schwierige Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder, die Arbeiten mit Martin Scorsese und seine Verehrung für Paul Newman.

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RUDOLF THOME - ÜBERALL BLUMEN von Serpil Turhan

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Ein Mann um die siebzig rasiert sich, putzt sich die Zähne, geht in der Garten seines Bauernhofes. Zusammen mit seinem Sohn wechselt er das Wasser in seinem Kunstteich, er skypt mit seiner Tochter, die in New York ein Auslandssemester macht. Er fragt sich, ob er mit 80 Jahren wohl 10.000 Fahrradkilometer zusammen bekommt.

Dieser Mann tut vieles, was so viele Männer seines Alters tun. Doch einiges ist ungewöhnlich. Er legt ein dutzend leerer Notizbücher auf den Boden. Intuitiv wählt er eines davon aus. Er legt es auf einen alten Schreibtisch, den er nun sorgsam präpariert. Auf dem Schreibtisch stehen (noch?) einige Heinecken-Bierdosen. Rauchend schreibt er mit Tinte in schöner Schrift einige Seiten, um diese dann später einzuscannen und auf seinen Internet-Blog hoch zu laden.

Rudolf Thome ist Teil deutscher Filmgeschichte. Am bekanntesten ist Thome durch seinen Film ROTE SONNE. 1970 kam dieser Film in die Kinos. Das ist nun fast 50 Jahre her. Um so interessanter ist zu sehen, wie sehr Thome in der Gegenwart lebt und alle Mittel unserer durch-digitalisierten Welt nutzt, um noch einmal einen Film drehen zu können.

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Berlinale 2016: Pressekonferenz zu MILES AHEAD von und mit Don Cheadle

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Don Cheadle mit der Schauspielerin Emayatzy Corinealdi

Don Cheadle stellt heute sein Regiedebüt MILES AHEAD vor. In dem Film spielt er gleichzeitig auch die Hauptrolle und verkörpert Miles Davis.

Auf der PK sagte Cheadle, dass er keinen Film "über" Miles Davis machen wollte, sondern "wie" Miles Davis. Entsprechend gab er den anderen Schauspielern Raum für Dialog-Improvisationen. Als Vorbereitung hat er auch mit Weggefährten des Ausnahmemusikers gesprochen, u.a. mit Herbie Hancock. Cheadle erzählte außerdem, wie prägend für ihn die Musik von Hancock von Jugend an gewesen ist.

17.02.16 21:51

Berlinale 2016: KOLLEKTIVET von Thomas Vinterberg

Lustig ist das Kommunenleben

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Wieviel Freiheit verträgt das Leben? Kann man Liebe teilen? Und ist das Ideal der "offenen Beziehung" nicht manchmal einfach nur gelebte Rücksichtslosigkeit und Egoismus? Thomas Vinterbergs geht diesen Fragen in seinem wunderbaren Wettbewerbsbeitrag KOLLEKTIVET auf manchmal leichte, manchmal schmerzhafte Weise nach. Ort der Versuchsanordung ist ein idyllisches großes Haus nördlich von Kopenhagen, in der eine bunt gemischte Gruppe von Freunden in den 70er Jahren das Kommunenleben übt. Dabei herausgekommen ist eine Art dänischer ICE STORM - vielleicht etwas weniger tragisch, aber nicht weniger eindringlich.

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Berlinale 2016: ALOYS von Tobias Nölle

Einsamkeit in der Stinkbude – spannend, komisch, tragisch

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Die digitale Kamera ist das Wichtigste in Aloys Leben. Die Kamera und sein Vater. Sein Vater ist fast das Erste, was wir in Tobias Nölles Film ALOYS (Georg Friedrich) sehen. Aloys filmt den Vater mit der Kamera. Der Vater hat die Augen geschlossen. Er liegt in einem offenen Sarg. Er ist tot. Die Kamera ist für Aloys so wichtig, weil er sie für seine Ermittlungen braucht. Aloys ist Detektiv in der Detektei Adorn & Sohn. Jetzt ist nur noch der Sohn übrig, aber die Ermittlungen müssen weitergehen. Schnell wird klar: Die Filme sind der eigentliche Lebensinhalt von Aloys. ALOYS ist einer der besten Belege für die uralte Berlinale-Weisheit, dass die interessantesten und besten Filme des Festivals die kleinen Filme sind.

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Berlinale 2016: MAPPLETHORPE: LOOK AT THE PICTURES von Randy Barbato und Fenton Bailey

Das Verlangen nach Ruhm

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In einer Zeit, in der Fotografie eigentlich noch als eine mindere Kunstform angesehen wurde, gelang Robert Mapplethorpe mit perfekt komponierten Schwarz/Weiß Aufnahmen der Durchbruch in der amerikanischen Kunstszene. Dabei umfasste das Werk des 1989 verstorbenen Künstlers neben Blumenfotos und Portraits auch zahlreiche homoerotische Motive inklusive expliziter SM-Szenen. Vor allem die letztgenannten Darstellungen sorgten in konservativen Kreisen der USA der 70er und 80er Jahre für Empörung und wurden als pornografisch eingestuft.

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Berlinale 2016: ZERO DAYS von Alex Gibney

Eine Waffe, von der keiner etwas wissen will

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Nach A-, B- und C-Waffen sieht sich die heutige Welt mit einer vierten Art von extrem gefährlicher Kriegstechnologie konfrontiert: dem Cyberwar. Über entsprechende Manipulationen digitaler Infrastrukturen können Netzwerke und Infrastrukturen lahmgelegt werden, von der Stromversorgung bis hin zu Systemen der Verkehrsregelung. 2010 entdeckten internationale Sicherheitsexperten den sich selbst replizierenden Computervirus Stuxnet. Er war offenkundig von den Regierungen der USA und Israels in die Welt gesetzt worden, um gezielt das iranische Atomprogramm anzugreifen. Doch der Virus infizierte auch "unbeteiligte" Rechner auf der ganzen Welt. Obwohl bis heute keine einzige offizielle Stelle zugibt, was geschehen ist, scheinen die Fakten klar zu sein. Der amerikanische Dokumentarfilmer Alex Gibney hat mit ZERO DAYS die Geschichte dieser Cyberattacke rekonstruiert und dabei hochkarätige Insider aus CIA, NSA, Mossad und IT-Spezialisten vor die Kamera geholt, die das Puzzle Stück für Stück zusammensetzen. Es wird klar: Wir haben hier ein Thema von internationalem Belang, über das wir dringend offen reden müssten.

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Berlinale 2016: CHI-RAQ von Spike Lee

No Peace, no Pussy!

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Statistiken gefällig? Zwischen 2001 und 2015 starben in der von Drogen und Gangs überschwemmten South Side von Chicago 7356 Menschen durch Waffengewalt - mehr als in den Irak-Einsätzen der US-Army in dieser Zeit. Spike Lee, seit Jahrzehnten an der politischen Front kämpfender afroamerikanischer Regisseur hat diesen "nationalen Notstand" zum Anlass genommen, um mit CHI-RAQ eine bissige Komödie zum Thema auf die Leinwand zu bringen. Was zunächst vielleicht unpassend scheint, funktioniert erstaunlich gut. Lee variiert hier das klassische Lysistrata-Thema und wendet es auf die Situation in der US-Hochburg des Mordens an, auf Chicago alias Chi-Raq. Dabei ist erstaunlicherweise ein höchst beschwingter, intelligenter und böse-witziger Film herausgekommen. Und eine schöne Utopie: Denn ob ein Sex-Streik tatsächlich die Lösung für dieses Dilemma sein könnte? Man würde es sich jedenfalls wünschen.

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Berlinale 2016: CAMPO A TRAVÉS. MUGARITZ. INTUVENDO UN CAMINO (Off-Road. Mugaritz, Feeling a Way.) von Pep Gatell

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Es sollte wohl nicht die typische Doku über ein Restaurant werden oder einen Koch oder eine nationale Küche. Das Mugaritz ist eins der innovativsten und berühmtesten Restaurants der Welt, und vermutlich auch eines der besten (aber wer will DAS entscheiden, derzeit jedenfalls auf der Nr. 6 bei San Pellegrino / 2 Sterne Guide Michelin). Es gab auf der Nouvell Vague von High-Quality Gastronomie und Esskultur reitend in den vergangenen fünf Jahren eine ganze Menge von Filmen über Restaurants wie das inzwischen geschlossene El Bulli in Spanien oder das Noma in Kopenhagen oder ganze Serien wie IN THE MIND OF A CHEF.

Campo a través. Mugaritz, intuyendo un camino war Eröffnungsfilm des Filmfest in San Sebastian und ist hier auf der Berlinale Teil der Sektion Kulinarisches Kino. Dieser Film will aber so unbedingt anders sein, dass er vergisst, dass auch die Küche des Mugaritz, die er porträtiert, von konsequent umgesetzten Ideen lebt - von Ideen, die harmonieren und sich gegenseitig verstärken und nicht überlagern und abschwächen, so dass nur ein ungenießbarer Brei übrig bleibt.

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Berlinale 2016: SHEPHERDS AND BUTCHERS von Oliver Schmitz

Todesstrafe in Südafrika: Die Komplexität der Schuld

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Oliver Schmitz hat einen extrem eindrücklichen Film über die Todesstrafe in den letzten Tagen des Apartheid-Regimes in Südafrika gemacht. Erst 1995 wurde sie unter Mandela abgeschafft, seit 1987 galt ein Moratorium. Der Film erzählt die Geschichte von Leon, einem jungen Mann im südafrikanischen Polizeidienst, der sieben schwarze Südafrikaner in einem Minibus erschossen haben soll. Gegenüber seinem Pflichtverteidiger schweigt er zunächst zum Tathergang. Johan Webber, ein bekannter Gegner der Todesstrafe, ahnt, dass die Tat seines jungen Mandanten andere Motive als Mordlust hat.

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Berlinale 2016: The Cinematography of Game of Thrones

Wie haben Sie das gedreht, my Lord?

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Mittlerweile sind Serien so populär, dass auch die Berlinale dem Trend nicht aus dem Weg gehen kann. Neben den Previews im Sonderprogramm zählte dazu auch ein Gespräch mit Fabian Wagner, einem der beteiligten deutschen Kameraleute (Director of Photography, DOP) im riesigen Game of Thrones Team. Eigentlich, denn kurzfristig gesellte sich einer der weiteren DOP, Jonathan Freeman aus Kanada, auch noch mit dazu.

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Berlinale 2016: BEFORE STONEWALL von Greta Schiller

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Einen Wendepunkt in der Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben in den USA markieren die sogenannten Stonewall Unruhen. 1969 wehrte sich die LBGT Community gegen die beständigen Razzien in der Schwulenbar Stonewall-In in der Christopher Street. Es kam zu gewaltätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Dieses Aufgebehren wird inzwischen jedes Jahr weltweit mit Gay Pride Paraden am Christopher Street gefeiert.

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16.02.16 23:17

Berlinale 2016: GENIUS von Michael Grandage

„Zu laut, zu großspurig und nicht ganz echt“

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Max Perkins ist der berühmteste literarische Lektor des 20. Jahrhunderts. Er holte F. Scott Fitzgerald zum New Yorker Verlag Scribner’s und wenig später auch Ernest Hemingway. GENIUS, Michael Grandages Debüt als Filmregisseur, beschäftigt sich vor allem mit Max Perkins‘ drittem großen literarischen Fang: Thomas Wolfe. Perkins entdeckte den Autor und bearbeitete mit ihm gemeinsam mit ungeheurer Intensität an Wolfes ersten beiden Romanen LOOK HOMEWARD, ANGEL und OF TIME AND THE RIVER. Grandage dirigiert in seinem ersten Film ein wahres Starensemble: Allen voran Colin Firth in der Hauptrolle und Jude Law als Thomas Wolfe. Weibliche Stars sind Nicole Kidman als Wolfes Geliebte und Laura Linney als die Frau von Max Perkins. Trotz dieser Besetzung ist GENIUS kein Vergnügen. Das liegt an John Logans formelhaftem Drehbuch und unglücklichen Entscheidungen von Regisseur Grandage.

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Berlinale 2016: Pressekonferenz zu CHI-RAQ von Spike Lee

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Es war eine sehr politische aber auch lockere Berlinale Pressenkonferenz. Spike Lee ist eine Ikone des amerikanischen Kinos. Mit SHE‘s GOTTA HAVE IT war er einer der Wegbereiter des amerikanischen Indie-Kinos. Bis heute bezieht er in seinen Filmen immer deutlich Stellung zu aktuellen Themen.

Auch auf der Pressekonferenz nimmt Lee kein Blatt vor den Mund und äußert sich zu den Präsidentschaftskandiddaten Donald Trump und Bernie Sanders, seinem Boykott der Osacarverleihung, insbesondere aber zu dem vernachlässigten Teils Chicagos, wo zu viele Jugendliche in Gang-Shootings sterben.

Berlinale 2016: SOY NERO von Rafi Pitts

Ein bitterer Deal

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Nero ist 17 und lebt in Mexiko. Nichts wünscht er sich mehr, als wieder in die Vereinigten Staaten zu gelangen - er ist in L.A. aufgewachsen, aber seine Familie wurde vor einigen Jahren ausgewiesen. Der iranische Regisseur Rafi Pitts zeigt in SOY NERO die Odyssee des Jungen, die ihn über den berüchtigten Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA, über L.A. und schließlich als sogenannter Greencard G.I. in die Wüste in irgendein Kriegsgebiet im Mittleren Osten führt. Es ist eine bittere Geschichte, die Pitts hier erzählt. Und genauso bitter ist die Realität, die dahinter steht: So manchem G.I., der nur wegen der Greencard in die Army eingetreten ist, wird erst posthum die amerikanische Staatsangehörigkeit verliehen. Andere wiederum werden nach ihrer Zeit in der Army nichtsdestotrotz abgeschoben.

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Berlinale 2016: Pressekonfererenz GENIUS

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Ganz englischer Gentlemen überlässt Jude Law die Beantwortung der Frage seinem Kollegen(Andreas Tai, CC-BY-SA)

Colin Firth und Jude Law waren mit angereist, um den neuen Film GENIUS des Theaterregisseurs Michael Grandage vorzustellen. In dem Film spielt Jude Law den amerikanischen Schriftsteller Tom Wolfe und Colin Firth seinen Lektor Max Perkins. Wie zu erwarten, richtete sich die ganze Aufmerksamkeit der Presse auf die Schauspieler. Nur wenige Fragen richteten sich an den Regisseur. Aber damit muss man halt rechnen, wenn man Hauptdarsteller dieses Kalibers verpflichtet.

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Berlinale 2016: MAKHDOUMIN (A Maid for Each) von Maher Abi Samra

Dienst nach Vorschrift - neuzeitliche Sklavenhaltung im Libanon

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Regisseur Maher Abi Samra filmt überwiegend in einer der vielen Agenturen für „Dienstmädchen“ im Libanon. Ein euphemistischer Begriff für die jungen Frauen, die aus bitteren Existenznöten von ihren Familien aus Südostasien oder Afrika in arabische Länder geschickt werden. Die meisten kommen in die Golfstaaten, nach Saudi-Arabien oder Qatar, wo sie oft wie Sklavinnen gehalten werden und Jahre brauchen, bis sie die Schulden der legalen oder illegalen Einreise abbezahlt haben und überhaupt einen schmalen Verdienst erwirtschaften können.

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Berlinale 2016: HOTEL DALLAS von Sherng-Lee Huang

Wie sogar J.R. Ewing gegen Ceausescu sympathisch wirkte

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Was für ein wunderbarer Film im Panorama. Ich fordere den Publikumspreis! Her damit! Aber dafür ist er Film vielleicht doch zu komplex. Und vielleicht geht der Preis ja dann an STRIKE A POSE? Bei der Weltpremiere in Berlin ist nur Regisseur Sherng-Lee Huang anwesend. Der Amerikaner mit chinesischen Wurzeln ist mit der aus Rumänien stammenden Livia Ungur verheiratet, die beiden haben den Film zusammen gemacht. „In den letzten beiden Jahren war der Film unser Baby; aber jetzt bekommen wir noch ein echtes Baby, und deswegen ist meine Frau leider in New York“, sagt Huang.

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Berlinale 2016: INERTIA von Idan Haguel

Ein ver-rücktes Leben

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Mira wacht mit einem lauten Schrei auf. Sie liegt alleine im Bett und nimmt an, dass ihr Mann bereits zur Arbeit gegangen ist. Es wird ein schwieriger Tag. Ihre Mutter holt sie ab. Die beiden Frauen fahren gemeinsam zum Hafen. Auf einer Müllhalde liegt dort ein Schiffswrack, das etwas mit dem Tod des Vaters zu tun hat. Die Mutter befestigt einen Blumenstrauß an dem Wrack. Das hat sie anscheinend schon häufiger getan. Der Name des Schiffes: „Beth Saida“ – das Haus der Herrin. Miras Mann ist auch zum Abendbrot nicht zu Hause. Auf Anrufe reagiert er nicht. Für Mira beginnt in der kleinen Wohnung in der riesigen Hochhaussiedlung eine einsame und verwirrende Zeit.

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Berlinale 2016: CREEPY von Kiyoshi Kurosawa / WHILE THE WOMEN ARE SLEEPING von Wayne Wang

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Zwei japanische Filme. Der gleiche Hauptdarsteller und die gleichen Probleme das Publikum zu begeistern. CREEPY von Kiyoshi Kurosawa nennt sich selbst „Mystery Thriller“ und ist eine Mischung aus Serienmörder Cppfilm und Nachbarmörderfilm und (unabsichtlich) Groteske.
WHILE THE WOMEN ARE SLEEPING für den Wayne Wang mal wieder in Asien drehte, ist Schriftstellerfilm und (unabsichtlich) Groteske, der immerhin ganz am Ende gerade noch die Kurve kriegt. Beide Hauptfiguren werden von Hidetoshi Nishijima gespielt, eine Art japanischer jüngerer Bruder von Kevin Spacey.

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15.02.16 23:00

Berlinale 2016: REMAINDER von Omer Fast

Die Welt als Wille und Vorstellung

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Über den Unfall selbst kann er sehr wenig sagen, aber eines ist klar: Der Unfall hat sein Leben verändert. Etwas fiel vom Himmel, hat ihn getroffen und ihn zum Krüppel gemacht. Es hat ihn auch zu einem reichen Mann gemacht. Mit REMAINDER hat Omer Fast (Interview mit Omer Fast) den brillanten gleichnamigen Roman von Tom McCarthy verfilmt. Die Hauptfigur ist ein Mann ohne Namen (Tom Sturridge), der für seine Verletzungen 8,5 Millionen Pfund Entschädigung erhält und versucht, die Kontrolle über sein Leben wiederzugewinnen.

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Berlinale 2016: CHANG JIANG TU (CROSSCURRENT) von Yang Chao

Der junge Mann und der Fluss

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Der junge Kapitän Gao Chun fährt auf seinem Frachtschiff den Jangtse von Schanghai aus aufwärts, um eine geheimnisvolle Ladung zu übergeben. Mit an Bord sind ein jüngerer und ein älterer Angestellter. Gao Chun, dessen Vater vor kurzem gestorben ist, hat auf dem Schiff die Gedichte eines Unbekannten gefunden, die jede Station auf dem Weg mit einem kurzen Poem würdigen. Während er sich in die Verse vertieft, zieht die Landschaft langsam draußen vorbei. Merkwürdigerweise trifft Gao Chun an jeder Station der Reise dieselbe Frau, die aber immer jünger zu werden scheint, je näher man der Quelle des Flusses kommt. Auch sie hat eine spirituelle Verbindung zu den Gedichten. CROSSCURRENTS von Yang Chao ist eine äußerst poetische Reise durch Raum und Zeit, Realität und Fantasie - die allerdings in knapp zwei Stunden dann doch etwas lang wird.

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Berlinale 2016: AUF EINMAL von Asli Özge

Der Prinz aus Altena

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Ein Psychothriller aus dem für Nervenkitzel nicht gerade bekannten Sauerland, dass das tatsächlich zusammenpasst, zeigt Regisseurin Asli Özge mit ihrem Film AUF EINMAL

Über die Hauptfigur Karsten (Sebastian Hülk) hätte es in einem Märchen wohl geheißen, dass sie schon mit einem goldenen Löffel im Munde geboren wurde. Als Spross eines einflussreichen Geschäftsmanns ist Karsten in der sauerländischen Kleinstadt Altena mit allen Privilegien der besseren Kreise aufgewachsen. Jetzt als junger Mann hat er einen guten Job in der örtlichen Bank und wohnt mit seiner attraktiven Frau (Julia Jentsch) in einer schicken Wohnung. Alles läuft nach Plan und Karsten hat den für ihn vorgesehenen Platz als Thronfolger seines Vaters in der kleinstädtischen Ordnung eingenommen. Diese Idylle bekommt Risse, als bei einer Party in seiner Wohnung die junge Anna unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt. Der Verdacht fällt auf Karsten, der in der Todesnacht als Letzter mit Anna zusammen war.

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Berlinale 2016: STRIKE A POSE von Reijer Zwaan und Ester Gould

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Gibt es DEINEN Berlinale Moment, Deinen "favourite"? Für mich war er heute. Vielleicht war es in den vielen Festivaljahren DER Moment. Der Abspann ist vorbei, die Hauptfiguren aus dem Film kommen vor den Kinovorhang, alle erheben sich und der Applaus will einfach nicht aufhören. Bei eigentlich allen fließen Tränen: bei den Tänzern aus Madonnas Blond Ambition Tour, dem Publikum und vielleicht sogar bei dem sonst so ernsten Moderator der Publikumsgespräche. Als ein Zuschauer fragt, ob die Tänzer noch einmal eine Voguing Figur machen können, lassen sie es sich nicht nehmen. Popgeschichte, Lebensgeschichten, Festivalgeschichte...in diesen Minuten nach dem Film fließt alles ineinander.

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Berlinale 2016: ALONE IN BERLIN (JEDER STIRBT FUER SICH ALLEIN) von Vincent Perez

Wundersame Wandlungen

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Hans Falladas Roman "Jeder stirbt für sich allein" ist ein Klassiker der deutschen Nachkriegsliteratur. Bereits 1947 erschienen, war die authentische Geschichte der Berliner Eheleute Quangel, die zwei Jahre lang Postkarten und Handzettel mit Anti-Hitler-Botschaften in Umlauf brachten, schließlich erwischt und 1943 hingerichtet wurden, eine der ersten Auseinandersetzungen mit dem Widerstand in Nazi-Deutschland. Nach Neuübersetzungen ins Französische und Englische erfuhr der Roman vor einigen Jahren eine neue Welle der Aufmerksamkeit. Nun hat ihn der Schweizer Vincent Perez mit einer Starbesetzung - Emma Thompson, Brendan Gleeson und Daniel Brühl - unter dem Titel ALONE IN BERLIN verfilmt. Leider hat der Film einige schwerwiegende Macken, das Ergebnis ist geradezu ärgerlich.

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Berlinale 2016: MAGGIE'S PLAN von Rebecca Miller (II)

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Gut zur Entspannung. Denn Lachen entspannt. Gut für zwischendurch, wenn all das Politische und Tragische und Schwere und Wichtige, das die Berlinale durchzieht, mal Pause machen soll. Dabei ganz Zeitgeist und einfach ein gut gemachter, dialogstarker, witziger Film.

Greta Gerwig spielt den netten, etwas naiven Kontrollfreak Maggie. Sie will ein Kind und engagiert dafür einen Gurkenmann aus Brooklyn (eingelegte Gurken als HipsterHotShit) für eine Samenspende und verliebt sich in einen Kollegen von der Uni (Ethan Hawke), der aus seiner scheinbar unglücklichen Ehe mit zwei Kindern flieht. Weshalb Maggie drei Jahre später plötzlich drei Kinder hat und alles im Alltag regelt und macht und auch das Geld verdient - während ihr Mann nun an seinem Buch arbeitet, das nie fertig wird.

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Berlinale 2016: Pressekonferenz JEDER STIRBT FUER SICH ALLEIN

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Emma Thompson wirft Daniel Brühl "den Ball zu", nachdem sie gleich zum Auftakt der PK nach ihrer Meinung zu Pegida gefragt wird (Andreas Tai, CC-BY-SA)

Trotz des ernsten Themas war die Stimmung bei der Pressenkonferenz von ALONE IN BERLIN recht ausgelassen.

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Berlinale 2016: UNCLE HOWARD von Aaron Brookner

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Regisseur Aaron Brookner mit Jim Jarmusch im ehemaligen New York Domizil von William S. Burroughs: dem "Bunker"

Zunächst ist man etwas irritiert, dass Regisseur Aaron Brookner so oft vor der Kamera auftaucht und zu einer zentralen Figur in seiner eigenen Dokumentation wird. Doch der Filmtitel sagt ja eigentlich schon, dass es ein sehr persönlicher Film werden könnte. Am Ende ist es weit mehr als das. UNCLE HOWARD ist im besten Sinne eine Hommage, eine Liebeserklärung an den viel zu früh verstorbenen Filmregisseur Howard Brookner.

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Berlinale 2016: Publikumsgespräche

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UNCLE HOWARD (Forum): Regisseur Aaron Brookner und Produzentin Paula_Vaccaro

Mit das Beste an Filmfestivals ist der direkte Kontakt mit der Crew eines Festivalfilms. Im folgenden ein paar Eindrücke der Publikumsgespräche Tag 3 und 4 der Berlinale 2016.

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14.02.16 22:30

Berlinale 2016: QUAND ON A 17 ANS (BEING 17) von André Téchiné

Coming of Age and Out

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Manchmal ist eine große Abneigung nur ein Zeichen für eine darunter liegende, verdrängte Anziehungskraft füreinander. Damien und Thomas, beide 17, gehen in die selbe Schulklasse und lassen keine Gelegenheit aus, einander an den Kragen zu gehen. Sie könnten auch unterschiedlicher nicht sein: Damien ist der freundliche, aber verträumte Sohn einer Landärztin und eines Militärfliegers, der gerade im Auslandseinsatz ist, während der verschlossene Thomas hoch oben in den Bergen bei seinen Adoptiveltern auf einem kleinen Bauernhof lebt. Altmeister André Téchiné lässt sich in QUAND ON A 17 ANS viel Zeit damit, den allmählichen Wandel in der Beziehung der beiden Jungen zu erzählen. Drei Trimester dauert die erzählte Zeit an - und in diesen Monaten schöpft das Leben aus dem Vollen, im Guten wie im Schlechten.

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Berlinale 2016: CONTINUITY von Omer Fast

Was ist, was war und was möglich ist

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Ein Ehepaar fährt im Auto, um seinen Sohn abzuholen. Was war da im Wald? War da was im Wald – ein Tier? Der Sohn wartet irgendwo an der Bundesstraße bei einer Bushaltestelle. Er trägt die Uniform der ISAF, der International Security Assistance Force in Afghanistan. Er war im Einsatz. War er im Einsatz und ist er der Sohn des Paares? Omer Fast (Interview mit Omer Fast) hat seinen Film von der documenta (13) erweitert: Genauer gesagt hat er ihn durch neu gedrehte Szenen von 41 auf 85 Minuten verlängert. Alle Szenen aus der 1. Version sind noch da, aber CONTINUITY 2016 ist ein völlig neuer Film im Vergleich zu CONTINUITY 2012. (Video der 40 Min-Version) Die Frage was im Film real und was innerhalb des Films bewusste Inszenierung der Eltern ist, stellt sich völlig neu. Und für diejenigen, die beide Versionen miteinander vergleichen können, eröffnet Fasts Fortschreibung des Films neue Möglichkeiten, die Regeln des Erzählens an sich neu zu interpretieren.

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Berlinale 2016: 24 WOCHEN (24 WEEKS) von Anne Zohra Berrached

Kein Richtig oder Falsch

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Astrid und Markus sind ein glückliches Paar. Sie ist eine erfolgreiche Kabarettistin, er managt sie. Zusammen mit der neunjährigen Tochter leben die beiden in einem schönen Haus im Grünen. Sie freuen sich sehr auf ihr zweites Kind. Da erfahren sie, dass das Baby mit Down-Syndrom auf die Welt kommen wird. Zunächst stellt sich das Paar dieser Herausforderung mit großem Optimismus - doch dann ergibt eine neurliche Untersuchung, dass das Kind zudem einen gravierenden Herzfehler hat und voraussichtlich eine langwierige und komplizierte medizinische Betreuung brauchen wird. Rechtlich gesehen kann eine solche Schwangerschaft auch noch im späten Stadium, also nach 24 Wochen, unterbrochen werden. Astrid und Markus durchleben einen schmerzhaften Prozess, um zu einer Entscheidung über die Zukunft ihres ungeborenen Kindes zu kommen.

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Berlinale 2016: CARTAS DE GUERRA (LETTERS FROM WAR) von Ivo M. Ferreira

Poetische Liebe in Zeiten des Krieges

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Der Militärarzt António wird 1971 in den Kolonialkrieg nach Angola geschickt. Zurück in Portugal bleibt seine schwangere Frau. António kann die Trennung von seiner Geliebten kaum ertragen und schreibt ihr unzählige Briefe aus der Ferne - schwärmerisch, voll von Liebeserklärungen und Sehnsucht, aber auch voller Niedergeschlagenheit ob der mörderischen Situation, in der er sich befindet. Hoch artifiziell hat Regisseur Ivo M. Ferreira die authentischen Briefe von António Lobo Antunes in Szene gesetzt. Über flirrende Schwarzweiss-Bilder sind im Voice-Over die Briefe zu hören - mal von ihm, mal von ihr gelesen. Die hierbei gewollte Poesie ist nicht jedermanns Sache.

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Berlinale 2016: A MAGICAL SUBSTANCE FLOWS INTO ME von Jumana Mana

Vom Archiv aufs iPhone. Eine musikalische Reise.

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Die Grundlage für Jumana Mannas Film sind die spannenden Dokumente und Aufnahmen, die sie aus der britischen Mandatszeit aufgespürt hat. In Archiven hat sie eine Musiksendung entdeckt, die vom Palestine Broadcasting Service, dem Sender der Mandatsmacht, ausgestrahlt wurde. In jeder Folge hat der aus Deutschland eingewanderte Musikanthropologe Robert Lachmann Musiker unterschiedlicher ethnischer Communities eingeladen, ihre musikalische Folklore zu repräsentieren.

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Berlinale 2016: L´AVENIR von Mia Hansen-Løve

Vom Trost der Philosophie

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Philosophielehrerin Nathalie (Isabelle Huppert) ist eine selbstbewusste Frau, die ihren Beruf liebt und die auch sonst genau weiß, was sie will. Zusammen mit ihrem Ehemann und zwei erwachsenen Kindern führt sie in Paris ein kultiviertes Leben als Intellektuelle. Vom prall gefüllten Kühlschrank über die mit philosophischen Werken akkurat bestückten Bücherregale bis hin zum wildromantischen Feriendomizil in der Bretagne finden sich alle Insignien eines geistig und auch materiell erfüllten Daseins. Als Nathalies Ehemann sie überraschend wegen einer anderen Frau verlässt, gerät ihr wohlgeordneter Alltag ins Wanken. Die damit einhergehende Verunsicherung zwingt sie dazu, sich mit bereits gelöst geglaubten existentiellen Lebensfragen auseinander zu setzen.

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Berlinale 2016: HOW HEAVY THIS HAMMER von Kazik Radwanski

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Ein Film über einen netten Lethargiker, der Computerspiele zockt, viel isst und auf der Couch einpennt, klingt erstmal ja nicht nach heißem Stoff fürs Kino. Doch der kleine kanadische Film HOW HEAVY THIS HAMMER zeigt eine Familie im schleichenden Prozess des Bruchs - ausgelöst durch Banalitäten und Winzigkeiten.
Ob Erwin einen Job hat, wissen wir nicht. Wir sehen ihn nie arbeiten. Aber das scheint kein Thema. Erwin hat eine liebevolle Frau und zwei aufgeweckte Söhne, mit denen er echte Dad-Sachen-macht, Filme guckt, in der Wanne Unsinn treibt, kämpft und zockt. Mit seiner Frau geht er zu Hunderennen und ab und an spielt er Rugby mit den Boys - fährt aber brav nach Haus, statt danach noch einen zu saufen. Bis da eines Abends...

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Berlinale 2016: MIDNIGHT SPECIAL von Jeff Nichols

Schau mir nicht in die Augen, Kleiner

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Alton (Jaeden Lieberher) ist nur ein acht Jahre alter Junge, aber von einer Sekte wird jedes Wort, das er sagt, aufgeschrieben und gedeutet. Manchmal spricht Alton in Zungen, in bekannten oder unbekannten Sprachen. Der Sektenführer ist überzeugt: Die Interpretation von Altons Weissagungen künden vom Jüngsten Gericht und nur Altons Anwesenheit kann die Seelen der Gemeinde retten. Nun aber ist die Sekte in Not: Alton wurde entführt und die Agenten des FBI besetzen die Ranch der Sekte. Die Regierung hat auch von den ungewöhnlichen Fähigkeiten des Jungen und die NSA will die Prophezeiungen Altons und die Predigten des Sektenführers entschlüsseln. Als Ausgangspunkt für MIDNIGHT SPECIAL wählt Jeff Nichols also ein Szenario irgendwo zwischen Entführungsthriller und Science Fiction.

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Berlinale 2016: Pressekonferenz GRUESSE AUS FUKUSHIMA

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Der Saal ist wie so häufig bei Pressekonferenzen von Filmen, die nicht im Wettbewerb laufen, nur halb gefüllt. Das macht aber nichts, denn die Wortmeldungen der anwesenden Pressevertreter sind durchweg positiv.

Wie immer offenbart auch diese Pressekonferenz interessante Details zum Film. So wusste man, dass Dörrie eine intensive Beziehung zu Japan hat, aber nicht, dass sie bereits 25 mal dort gewesen ist. Auch dass Hauptdarstellerin Kaori Momoi in Japan ein Star ist, war zunächst nicht aufgefallen. Sie hat u.a. mit Akira Kurosawa, Yōji Yamada und Takashi Miike zusammen gearbeitet.

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Berlinale 2016: GRÜSSE AUS FUKUSHIMA von Doris Dörrie

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Eine Pressekollegin verlässt nach 20 Minuten den Saal. Schade, denn sie verpasst, wie im weiteren Verlauf des Films alles zueinanderfindet. Ein Film ist ein in sich geschlossenes, über seine ganze Länge erstreckendes Werk und Doris Dörrie nutzt die ihr zustehenden 104 Minuten Erzählzeit bis zur letzten Minute gekonnt aus.

Marie geht nach Japan, um von ihren Problemen in Deutschland Abstand zu gewinnen. Sie trifft dort auf Moshe und Nami. Zu dritt versuchen sie als Clown Truppe den Bewohnern eines Notquartiers bei Fukushima wieder einen Grund zum Lachen zu geben. Doch wie zu erwarten ist das deprimierende Setting der vom Tsunami verwüsteten Fukushima-Region, wenig geeignet, Marie bei der Verdrängung ihrer Probleme zu helfen. Eine Wendung bahnt sich an, als sie Satomi, eine Bewohnerin des Container-Notquartiers, zu ihrem ehemaligen Haus in der Sperrzone fährt und Satomi sich weigert zurückzukehren.

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13.02.16 22:06

Berlinale 2016: MAHANA (The Patriarch) von Lee Tamahori

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Neuseeland in den 60er Jahren. Der Maori Clan der Mahana - im familientechnischen Sinn, nicht als Stamm gemeint - wird vom harten Oberhaupt Tamihana (einschüchternd: Temuera Morrison, bekannt aus Once Were Warriors) regiert. Der alte Mann verkörpert eine Mischung aus christlichem Glauben an harte Arbeit und Tyrannei, sein Wort ist Gesetz und was er so nicht bekommt, nimmt er mit Gewalt.

Der Patriarch wird ausgerechnet von seinem Enkel Simeon (lässig und klar: Akuhata Keefe) provoziert, der sagt, was er denkt und fühlt, keine Angst vor dem Patriarchen hat. Die Familie hat ihren Wohlstand dem Schafscheren bei weißen Neuseeländern zu verdanken und ist - ganz klassisch - mit dem anderen Maori Clan in der Kleinstadt verfeindet. Die Gründe liegen angeblich in der heroischen Rettung der Großmutter (grandios: Nancy Brunning) aus den Fängen der Familie Poata. Nur, dass der junge Simeon diesen Gründungsmythos als solchen aufdeckt und die wahre Geschichte ans Licht kommt.

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Berlinale 2016: FUOCOAMMARE (Fire at Sea) von Gianfranco Rosi

Tun, was getan werden muss

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Das Meer steht in Flammen - in Gianfranco Rosis Dokumentarfilm gilt das meist im übertragenen Sinn, manchmal aber auch ganz real. Seit Jahren schon gilt Lampedusa, jenes karge Stück Felsen zwischen Sizilien und Nordafrika als Endstation für viele tausend Flüchtlinge, die sich über das Mittelmeer auf nach Europa machen. Dabei sind diejenigen, die auf Lampedusa ankommen, noch die Glücklichen unter ihnen. Der Rest stirbt: verhungert in der Wüste, wird von Menschenhändlern gekidnappt, gefoltert und getötet, ertrinkt kurz vor dem Ziel im Meer oder verdurstet gar an Bord einer der Nusschalen, mit denen Schleuser die Verzweifelten zu horrenden Preisen übers Meer schippern. Wie kann der Alltag auf dieser Insel aussehen, die sich täglich mit dem Elend der Welt konfrontiert sieht? Rosi wagt einen dokumentarischen Ansatz auf diese Frage - und schafft auf diese Weise eine beeindruckende Erzählung über die Menschen von Lampedusa, Einheimische wie Flüchtlinge.

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Berlinale 2016: BARAKAH MEETS BARAKAH (BARAKAH YOQABIL BARAKAH) von Mahmoud Sabbagh

Coming-of-Age in Saudi Arabien

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Seit vielen Jahren beschäftige ich mit dem Nahen Osten. Eine Region voller Klischees, spätestens seit Edward Saids Kritik des Orientalismus werden diese auch offen kritisiert. Aber manche Klischees sind hartnäckig, und niemand ist frei davon. Oder was fällt ihnen so ein zum Thema Saudi-Arabien? Wahabismus, Wüste, Pilgerfahrt, Kopf ab.

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Berlinale 2016: Interview mit Sebastian Hilger, Regisseur WIR SIND DIE FLUT

Dreh bei Windstärke Sieben


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Vor 15 Jahren ist vor der Küste von Windholm das Meer verschwunden und mit ihm alle Kinder des Ortes. Zwei junge Physiker aus Berlin machen sich auf, das geheimnisvolle Phänomen zu untersuchen. Dabei werden sie mit ihrer eigenen Geschichte konfrontiert. Regisseur Sebastian Hilger, Jahrgang 1984, hat an der Filmakademie Ludwigsburg studiert. WIR SIND DIE FLUT, ist sein Diplomfilm. Die Koproduktion der Anna Wendt Filmproduktion, der Filmakademie Baden-Württemberg, der Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolff“ unter Beteiligung des rbb, wurde gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg und entstand im Rahmen der rbb-Initiative LEUCHTSTOFF. Der Film läuft auf der Berlinale in der Perspektive Deutsches Kino. Tiziana Zugaro sprach kurz vor dem Festival mit Sebastian Hilger.

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12.02.16 23:00

Berlinale 2016: WAR ON EVERYONE von John Michael McDonagh

Cops & Drugs & Glen Campbell is all your brain and body need

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John Michael McDonagh entwickelt sich langsam aber sicher zu einer Art Elmore Leonard unter den Filmemachern. Auf THE GUARD der 2011 den Preis für den besten Debütfilm auf der Berlinale gewann, folgte der im Ton ernsthaftere Thriller CALVARY über einen Priester, der mit dem Tod bedroht wird. Mit WAR ON EVERYONE kehrt McDonagh wieder zur Formel des ebenso schwarzhumorigen wie gewalttätigen Copmovie zurück. Diese Cops sind Bob (Michael Peña) und Terry (Alexander Skarsgård). Das einzige, was sie zu Polizisten macht, sind ihre Dienstausweise und ihre Dienstwaffen. Zwar sind sie im Einsatz immer in akkuraten dreiteiligen Anzügen unterwegs – natürlich in einem makellosen Amischlitten der 70er Jahre – ansonsten sind weder Pantomimen noch Barbesitzer vor ihnen sicher: Sie sind immer auf der Suche nach guten Drogen und einem guten Geschäft und diese beiden Dinge lassen sich ja trefflich miteinander verbinden.

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Wettbewerb 2016: INHEBBEK HEDI (Hedi) von Mohamed Ben Attia

Keine Revolte ohne Schmerz

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Hedi tut, was man ihm sagt. Wird die Frau heiraten, die Mama für ihn ausgesucht hat. Übernimmt, weil sein Boss es so will, eine Woche vor seiner Hochzeit eine neue Route als Peugeot-Vertreter, obwohl es zuhause soviel zu tun gäbe. Aber dann, für seine Umgebung völlig überraschend, bricht der junge Tunesier aus dem so lange gelebten Rollenmuster aus. Er verliebt sich in eine ganz und gar nicht standesgemäße Frau und will für sie seine Hochzeit sausen lassen und ins Ausland gehen. Aber wird er wirklich den Mut haben, diese private Revolte durchzuziehen?

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Nicht Berlinale, aber Filmkunst vom Feinsten: MANIFESTO von Julian Rosefeldt

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Ist nicht Berlinale. Ist Berlinale. Ist nicht Kunst, ist Kunst. Ist nicht Film, ist Film. Und so weiter. Die fantastische Video/Film/Installation MANIFESTO im Hamburger Bahnhof läuft seit zwei Tagen und hat natürlich mit der Berlinale zu tun, die zwei Kilometer weiter die Zukunft des Films in all seinen Facetten behandelt. Wenn auch nur in einer kleinen Sektion als „Video-Kunst“ bzw. sperrige Form mit vielen Bildschirmen oder Leinwänden im Forum Expanded.

Rosenbergs 13 parallel laufenden Filme, alle mit Cate Blanchett in verschiedenen, großartigen Rollen, ist witzig, ist klug, ist packend ist total verkopft und trifft einen in den letzten 30 Sekunden, wenn alle Filme synchron laufen und den Raum mit SingSang zum Chorraum machen, tief ins Mark.

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Berlinale 2016: MAGGIE’S PLAN von Rebecca Miller (I)

Sperma und anderer Kinderkram

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Maggie (Greta Gerwig) ist Uni-Dozentin in New York, Mitte 30 und will ein Kind. Dafür braucht sie keinen Mann, sondern Sperma. Das, so ihr Plan, soll ihr der bärtige Hipster Guy (Travis Fimmel) zu Verfügung stellen, der mit Essiggurken reich werden will. Doch dann trifft sie den Anthropologen und Möchtegern-Romanautor John (Ethan Hawke), der von seiner Frau (Julianne Moore) ziemlich untergebuttert wird, ein treusorgender Familienvater ist und in einer Schaffenskrise steckt. Eine klassische Komödienprämisse und tolle Schauspieler, aber leider kommt MAGGIE’S PLAN nie so wirklich auf Touren.

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11.02.16 21:46

Wettbewerb 2016: HAIL, CAESAR! von Joel & Ethan Coen

Ein Hündchen namens Engels

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Was tun, wenn der Hauptdarsteller in einem bombastischen Kostümfilm plötzlich spurlos vom Set verschwindet - und das in voller Römerrüstung ? Eddie Mannix ist der Mann in den Hollywood-Studios, der so etwas wieder in Ordnung bringt. Da wird eben schnell mal ein Koffer voller Dollarnoten besorgt. Nebenbei muss er sich überlegen, ob er vom Filmbusiness in die noch lukrativere Flugzeugindustrie wechseln will. Das alles kostet ihn Schlaf und Nerven, und so klappt es auch mit dem guten Vorsatz, nicht mehr zu rauchen, so gar nicht. Josh Brolin spielt Mannix mit einer hinreißenden Mischung aus Abgebrühtheit und Sensibiliät, am Set der harte Boss, im Beichtstuhl ein Häuflein Elend. Die Regisseure Joel und Ethan Coen haben beim diesjährigen Eröffnungsfilm "Hail, Caesar!" tief in die Trick- und Besetzungskiste gegriffen: Dabei herausgekommen ist eine wunderbare Persiflage auf das 50er Jahre Filmbusiness, die es ganz nebenbei schafft, doch so etwas wie Nostalgie für die bedingungslose Hingabe an die große Illusion Hollywood zu wecken.

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Pressekonferenz Eröffnungsfilm

„Bin ich umringt von Kommunisten?“

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Foto (c) René Wildangel

Das war definitiv die lustigste Pressekonferenz auf der ich je war. Vielleicht nicht so schwer, weil ich sonst eher PolitikerInnen zuhören muss. Aber das war schon großes Kino. Fast so gut wie der Eröffnungsfilm HAIL CESAR - ein meisterhaftes Potpourri skurriler Figuren und großartiger Bilder, in dem in bester Coen-Manier so ziemlich jedes Filmklischee der so genannten „Traumfabrik Hollywood“ verbraten wird.

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10.02.16 10:04

Berlinale 2016: Berliner Filmorte im Internet besuchen

Interaktive Karte: Drehorte in Berlin 1930 bis 2015

Wimdu hat zur Berlinale 2016 eine interaktive Karte entwickelt, die Orte in Berlin zeigt, die in Filmen eine Rolle spielen oder an denen Filme gedreht worden: So zum Beispiel die S-Bahnbögen an der Bleibtreustraße in Bob Fosses CABARET von 1972 oder das Café Einstein in der Kurfürstenstraße, wo Quentin Tarantino in INGLORIOUS BASTERDS Hans Landa Strudel essen ließ. Die Orte sind klickbar und führen zu den Filmszenen oder Trailern.

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09.02.16 11:00

Berlinale 2016: Interview mit dem Regisseur Omer Fast

REMAINDER im Panorama, CONTINUITY im Forum Expanded

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Der israelische Regisseur Omer Fast.

Der Künstler und Filmemacher Omer Fast stellt bei der Berlinale 2016 zwei Filme vor (Screening-Zeiten). REMAINDER ist die Verfilmung des gleichnamigen Debütromans von Tom McCarthy. Der erste abendfüllende Spielfilm von Omer Fast läuft im Panorama. Außerdem stellt Fast im Forum Expanded eine neue, stark erweiterte Version von CONTINUITY vor. Dieser Film war Teil der documenta (13) im Jahr 2012. In Kassel wurde der Film in einer 41-minütigen Version gezeigt. Die Fassung, die jetzt auf der Berlinale gezeigt wird, ist über 80 Minuten lang. Der Regisseur hat dafür umfangreiches neues Material gedreht. Im Interview mit festivalblog sprach Omer Fast über seine beiden Filme und die Unterschiede zwischen der Kunstwelt und der Filmwelt.

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Krisen, Kriege, Kino

Die Region Naher und Mittlerer Osten auf der Berlinale

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Während der Nahe Osten die schwerste Krise der letzten Jahrzehnte durchmacht, widmet sich die Berlinale der Region dieses Jahr in vielfacher Hinsicht: Im Forum findet ein kleiner Schwerpunkt zum Thema arabischer Film statt. Im Rahmen des Schwerpunktes laufen eine Reihe sehr diverser Filme aus unterschiedlichen Ländern.

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08.02.16 13:56

Berlinale 2016: Erinnerung an drei kürzlich Verstorbene

Filme von Ettore Scola und mit David Bowie und Alan Rickman

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Alan Rickman, David Bowie, Ettore Scola – in diesem Jahr mussten wir von diesen drei großen Künstlern Abschied nehmen. Die Berlinale erinnert mit Sondervorführungen an die kürzlich Verstorbenen.

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02.02.16 15:15

Berlinale 2016: Die Jury ist komplett!

Meryls Hilfstrupp für die Bären-Auswahl

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Schauspielgöttin Meryl Streep, diesjährige Vorsitzende der Berlinale-Jury hat ihre Riege von Mitstreitern um sich geschart: Wie heute bekannt wurde, werden ihr bei der Bären-Auswahl folgende Persönlichkeiten aus der Film- und Kulturszene zur Seite stehen: Die Schauspieler Clive Owen und Lars Eidinger, die Schauspielerin Alba Rohrwacher, der Filmkritiker Nick James, die Filmemacherin Malgorzata Szumowska und die Fotografin Brigitte Lacombe.

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