"Kirschblüten - Hanami" von Doris Dörrie

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Kitsch unter Kirschbäumen

Der Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschens, die Unfähigkeit zu echter Kommunikation und der späte Versuch, etwas gut zu machen, dass sind die nicht eben leichten Themen, um die es im Film "Kirschblüten - Hanami" von Doris Dörrie geht.

Das Ehepaar Trudi (Hannelore Elsner) und Rudi (Elmar Wepper) lebt seit vielen Jahren ein geregeltes Durchschnittsleben. Als Trudi erfährt, dass ihr Mann unheilbar krank ist, überredet sie ihn, ihre erwachsenen Kinder zu besuchen und eine Reise an die Ostsee zu machen. Doch die Reise wird ein Mißerfolg, denn Kinder und Eltern sind sich fremd geworden und auch mit der Ostsee kann Rudi nichts anfangen. Kurz vor der Heimreise ist es dann Trudi, die überraschend stirbt. Ihr Mann verliert jede Orientierung und versucht verzweifelt, seiner verstorbenen Frau irgendwie nahe zu kommen. Erst jetzt wird ihm klar, dass sie für ihn auf ihren größten Traum verzichtet hat. Statt nach Japan zu reisen und dort Butoh-Tanz zu studieren, hat sie mit ihm ihr ganzes Leben als brave Hausfrau in der Provinz verbracht. Rudi entschliesst sich, selber nach Japan zu fahren und dort diesem Traum nachzuspüren.

"Kirschblüten" ist ein Film, der zwiespältige Gefühle hinterlässt. Schon die behauptete enge emotionale Verbindung zwischen der Hausfrau Trudi und dem japanischen Butohtanz ist als Wendung des Drehbuchs zumindestens leicht gewöhnungsbedürftig. Während es Doris Dörrie dann aber über weite Strecken sehr einfühlsam gelingt, von der Unfähigkeit im Umgang mit dem Tod zu erzählen, entwickelt ihr Film in seinen Schlusssequenzen eine nur noch schwer erträgliche Sentimentalität. Wenn Elmar Wepper und Hannelore Elsner zusammen vor dem Gipfel des Fuji mit weißgeschminkten Gesichtern Butoh tanzen, funktioniert das als Bild einfach nicht und spätestens in diesem Moment hat die Handlung die Grenze zum Kitsch weit überschritten.

Kommentare (4)

Günter Biebl:

Man darf auch anderer Meinung sein?!

Eines hat Frau Dörrie unzweifelhaft geschafft, auch SIE haben sich mit dem Thema Sterben und Tod befaßt.

Dieser Film mag seine Schwächen haben, ich sehe hier auch gewisse medizinische,aber nur genau so, wie er gemacht wurde, wird er zum Publikumsrenner und das hat das Thema wahrlich verdient. Sie selbst hat persönliche Erfahrungen damit und nur deswegen kommt es auch so authentisch rüber.

Und wenn ich als Mann dabei immer wieder heulen mußte, hat sie zumindest bei mir "mitten ins Herz" getroffen.

"Unfähigkeit zur Kommunikation": diese Haltung im Film spiegelt leider immer noch die Realität wider.

Sie sind kommunikativ?! Ich möchte gerne Kritiken von Besuchern des Filmes, welche sich mit dieser Sprachlosigkeit am Lebensende befassen, auf meiner Internetseite: www.familienhospiz.de veröffentlichen. Ich würde mich freuen!

Herzliche Grüße

Günter Biebl

P.S.: Für Juristen finden Sie auch dort Interessantes: "Recht am Lebensende" (Link auf der Startseite www.familienhospiz.de)

Günter Biebl:

Ist doch toll!
Deutscher Filmpreis in Silber für den Film!
Für Elmar Wepper den Deutschen Filmpreis als bester Darsteller!!!

Liebe Grüße Günter Biebl

Anneliese Medem:

Gerade der Ausdruck des Tanzes vor dem Fuji hat eine Intensität, die mich auch als "Nicht-Tanz-Fan" völlig überrumpelt und gefangen genommen hat. Große Klasse, große Szene, super realisiert!

MaPe:

Kitsch ist wahrlich etwas anderes !
Dieser Film ist berührend auf mehrfache Weise.
Gerade,dass es immer und zu allen Zeiten möglich war emotionale Verbindungen zu völlig andersartigen Kulturen zu pflegen , auch im tiefsten Bayern,wird von Doris Dörrie wunderbar erzählt.
In jedem von uns schlummern Anteile die wir verdrängen und manchmal nie entdecken.
In Deutschland gibt es keine Trauerkultur- die Angst und die Ausdruckslosigkeit regiert.Dies zeigt Sie auch in Ihrer ganzen Härte.
Es nimmt die skurrile Form an , die viele von uns kennen: Der scheinbar Freigeistigste ist auf einmal der Konservativste und engste.
Die lesbische Tochter hat Ihren Vater nicht verstanden.
Ein wunderschöner Film mit Tiefgang .

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Credits


Orginaltitel:Kirschblüten - Hanami
Deutschland, 2007
Regisseur:Doris Dörrie
Schauspieler:Elmar Wepper, Hannelore Elsner, Aya Irizuki, Nadja Uhl, Maximilian Brückner, Birgit Minichmayr

Festival

Quelle: Berlinale

58. Internationale Filmfestspiele Berlin

Sektion:Wettbewerb

Pressekonferenz

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