Interview mit Josef Hader

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Josef Hader, geboren 1962 in Oberösterreich, ist Kabarettist, Autor und Schauspieler, und bekannt für seinen bitterbösen schwarzen Humor, der immer sehr elegant daher kommt. Einem breiteren Publikum wurde Hader 1993 mit dem Film „Indien“ bekannt. Zurzeit tourt er mit seinem aktuellen Kabarettprogramm „Hader muss weg“ durch Österreich und Deutschland. Er hat bereits in drei Verfilmungen von Brenner-Krimis nach Wolf Haas den Detektiv Simon Brenner gespielt. Auf der Berlinale läuft die aktuelle Verfilmung, "Der Knochenmann", im Panorama. (Link zur Filmkritik) Mit Josef Hader sprachen Tiziana Zugaro-Merimi und Steffen Wagner.

Festivalblog: Herr Hader, wenn Sie den Brenner, den Sie schon dreimal im Kino gespielt haben, mit drei Charakteristika beschreiben müssten, welchen wären das?

Josef Hader: Der Brenner ist beleidigt auf das Leben. Er erwartet immer das Schlechte. Und er ist trotzig wie ein kleiner Junge.

Festivalblog: Und wenn Sie sich im Gegenzug dazu beschreiben wollten?

Josef Hader: Ich bin zu feige, um wirklich trotzig zu sein. Ich bin zu gesprächig, um so kantig wie der Brenner rüber zu kommen. Und ich will auf alle Fälle mehr geliebt werden als der Brenner.

Festivalblog: Woher kommt Ihre Boshaftigkeit – die jetzt in der Brenner-Rolle durchscheint, aber natürlich auch in Ihren Kabarett-Programmen?

Josef Hader: Das ist eine österreichische Eigenart, die man sich gar nicht antrainieren muss. Die ist einfach da. Sie müssen sich nur in irgendeine Kneipe in Wien setzen, wo die Arbeitslosen zusammen sitzen und reden. Die haben genau diese Art von bitterbösem schwarzen Humor, der immer als höfliche Eleganz getarnt daher kommt. Da könnte ich mich stundenlang dazu setzen und zuhören.

Festivalblog: Und wie hat dieser Humor in die Brenner-Filme Einzug gehalten?

Josef Hader: Dafür ist ganz stark der Regisseur Wolfgang Murnberger verantwortlich – und natürlich Wolf Haas als Autor. Wir versuchen, beim Drehbuchschreiben ganz nah am Menschen dran zu bleiben. Wir schauen genau auf die Abgründe der Figuren. Darin besteht schon eine enge Verwandtschaft zwischen uns dreien.

Festivalblog: Sie haben zu dritt am Drehbuch geschrieben: Murnberger, Haas und Sie. Wie funktioniert das konkret?

Josef Hader: Erst verwenden wir viel Zeit darauf herauszufinden, welchen Roman wir angehen wollen. Und dann überlegen wir sehr genau, was für eine Geschichte wir daraus machen wollen. Jetzt im Knochenmann weichen wir ja sehr stark von der Romanvorlage ab. Weil wir einen festen Kern der Geschichte haben wollten: dass sich eben alles um die Liebe dreht. Alles in dem Film – die guten Sachen und die Katastrophen – geschehen ja wegen der Liebe. Dann hat jeder von uns dreien eine Einzelverantwortung beim Schreiben. Mein Schwerpunkt ist es, das Buch ganz auf die Schauspieler hin zuzuschreiben. Im Endeffekt ist es so, dass immer einer von uns in Vorleistung geht, also was aufschreibt, und dann fallen die anderen beiden über ihn her.

Festivalblog: Würden Sie selbst gerne mal Regie führen?

Josef Hader: Wollen schon, aber ich traue mir das noch nicht zu. Ich bin ja schon als Schauspieler noch ziemlich unsicher, was meine Fähigkeiten angeht. Und die Regie, das ist mir noch zu komplex. Aber es ist sicher dasjenige, was mich für die Zukunft am meisten interessieren würde.

Festivalblog: Wenn man Sie neben dem Sepp Bierbichler sieht, hat man nicht den Eindruck, dass Sie sich als Schauspieler verstecken müssten.

Josef Hader: Also der Sepp, das ist eine echte Urgewalt. Ich hatte in vielen Szenen schon das Gefühl, dass ich hier gleich weggeweht werde. Ich musste mich da richtig festhalten. Aber klar, der Löschenkohl-Wirt, der braucht den Brenner, um sich an ihm abzuarbeiten. Und ein bisschen so war es vielleicht auch beim Sepp und mir.

Festivalblog: Bei den Brenner-Filmen wird ja schon im Vorspann eine wahnsinnige Spannung erzeugt, die den Film über gehalten wird. Wie kann so etwas klappen?

Josef Hader: Das ist das große Verdienst vom Wolfgang Murnberger. Der weiß intuitiv, was er in dem Film braucht, auch wenn der Film noch gar nicht da ist. Dass eine bestimmte Stimmung erzeugt wird und dann auch gehalten wird, hat zum Beispiel viel mit dem Setting zu tun. Und da hat der Murnberger eben diese seltsame Gaststätte direkt unter der Autobahnbrücke gefunden, die das Gegenteil von einer gemütlichen Kneipe ist. Und er war froh, dass wir nicht im Grünen gefilmt haben, sondern zu einer Jahreszeit, wo alles grau und trist war. Der Murnberger ist wie ein Koch – der hat ein Gespür für die Zutaten und weiß ganz genau, was er braucht.

Festivalblog: Können Sie jetzt noch Backhendl genießen?

Josef Hader: Ich hatte ja in dem Film nicht so viele Szenen, in denen ich Backhendl essen musste. Also ja, ich kanns immer noch essen, ohne dass mir schlecht wird.

Kommentare ( 1 )

schönes interview :)

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Titel

Orignaltitel

Der Knochenmann

Englischer Titel

The Bone Man

Credits

Regisseur

Wolfgang Murnberger

Schauspieler

Josef Bierbichler

Stipe Erceg

Josef Hader

Christoph Luser

Birgit Minichmayr

Simon Schwarz

Land

Flagge ÖsterreichÖsterreich

Jahr

2008

Dauer

121 min.

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