"Über Elly" von Asghar Farhadi

Eine Gruppe von befreundeten Paaren fährt für ein paar Tage ans Meer. Mit dabei: Elly, eine Bekannte einer der Frauen. Wir sehen die Ausflügler beim Picknick unterwegs, wie sie das Ferienhaus sauber machen, viel lachen und sich gegenseitig aufziehen. Was leicht und unbeschwert wie ein Eric-Rohmer-Ferienfilm à la Iran anfängt schlägt bald in eine Tragödie um. Denn Elly ist plötzlich verschwunden.

Der Regisseur Asghar Farhadi hat ein wunderbares Händchen dafür in scheinbar belanglosen Alltagszenen interessante Facetten seiner Figuren zu offenbaren. Die latente Anspannung einer der Ehemänner in seiner Unwilligkeit, sich auf die Späße der anderen einzulassen. Die Unsicherheit Ellys, wenn sie sich beim gemeinsamen Essen immer wieder von der Gruppe zurückzieht, um irgendwelche Dinge aus der Küche zu holen. Die Unruhe einer der jungen Frauen, indem gezeigt wird, wie sie ständig nachfragt, ob auch alle ihre Freundin Elly nett finden. So werden wir darauf vorbereitet, dass diese Menschen überraschende Seiten ihres Charakters an den Tag legen, als das Unglück über sie hereinbricht.

Elly zieht es nach einem Tag am Strand wieder zurück in die Stadt. Das ist aber gar nicht im Sinne ihrer Freundin, die sie eigentlich mit einem jungen Mann zusammen bringen möchte, der ebenfalls mit von der Partie ist. Sie ringt Elly einen Aufschub ihrer Abreise ab. Als Elly auf die Kinder aufpasst, die am Strand spielen, sehen wir die letzten Bilder von ihr. Sie lässt einen Drachen steigen, läuft lachend hin und her, immer schneller, die Bilder werden zunehmend unscharf, bis sie fast wie eine Erinnerung an die junge Frau anmuten. Ein schönes Bild, das Farhadi hier gefunden hat: denn die Ausflügler haben zum Schluss auch nur noch ein verschwommenes, unscharfes Bild von Elly. Nachdem sie verschwunden ist tauchen immer mehr Details über sie auf, die offenbaren, dass Elly in Wahrheit kaum etwas über sich preisgegeben hat.

„Über Elly“ ist ein sehr eindringlicher Film über den Alltag, in den aus dem Nichts heraus die Katastrophe eindringen kann. Über Dinge, die unausgesprochen bleiben. Und über Menschen, die so sehr den guten Schein wahren möchten, dass sie nicht merken, wenn sich vor ihren Augen eine Tragödie anbahnt. Ein schöner Film, der aber leider über die genaue Beobachtung dieses privaten Mikrokosmos nicht hinaus weist.

Kommentare ( 4 )

klingt schön, weil mal nicht das ewige Anti-Mullah Thema metaphorisch oder auch klar behandelt wird, auf das die Deppen mit ihren Kosslick-Mullah Transparenten, die jetzt am Potsdamer Platz demonstrieren, als einzig mögliche Filmform aus dem Iran begreifen.
Farhadi hat auch einen anderen wunderbaren Film von ganz normalen Leuten in einem irgendwie normalem Iran gemacht: Fireworks Wendsday...

ja, bei iranischen filmen auf der berlinale ist es ja generell so, dass sie automatisch unter metapher-verdacht stehen, à la, das muss doch irgendwie politisch gemeint sein...muss es aber nicht. und kann trotzdem ein schöner film sein.

Was sind Kosslick-Mullah-Transparente???

Alles über Elly,der regissor bring genau das wahre Leben vor dem Kammera,besser konnte nicht sein.die vorürteile von die figuren in den film die auch ironischeweise jura studieren,über Elly zeigt genau wie die mencschen in verschiedene positsionen, denken und tun.

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Titel

Orignaltitel

Darbareye Elly

Deutscher Titel

About Elly

Englischer Titel

Alles über Elly

Credits

Regisseur

Asghar Farhadi

Schauspieler

Saber Abar

Taraneh Alidousti

Golshifteh Farahani

Mani Haghighi

Land

Flagge Islamische Republik IranIslamische Republik Iran

Jahr

2009

Dauer

119 min.

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