"Der Knochenmann" von Wolfgang Murnberger

Jetzt ist schon wieder was passiert ... Wer diese Stimme aus dem Off hört, weiß: Brenner (Josef Hader) muss wieder ermitteln in einer neuen Verfilmung eines Krimis von Wolf Haas. Diesmal kommt Brenner auf die Spur des Knochenmanns. Wie immer wieder Willen, denn eigentlich sollte er doch nur für den Berti (Simon Schwarz) eine Leasingrate für den zitronengelben Beetle vom Horvarth eintreiben. Jetzt aber ist der Horvarth verschwunden. Und was dann passiert, frage nicht, schau’ lieber hin.
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Dem kleinen aber von jeher feinen Filmland Österreich ist etwas gelungen, was es sonst nur in Hollywood gibt: Das Trio Wolfgang Murnberger (Regie, Drehbuch), Wolf Haas (Romanvorlage, Drehbuch) und Josef Hader (Hauptrolle, Drehbuch) hat das erschaffen, was man im heutigen Moviebusiness ein Franchise nennt. Dabei vermeiden die Drei souverän die Ödnis des formelhaften Wiederholens, die jenseits des Atlantiks so oft die Kinokassen klingeln lässt. "Komm süßer Tod“, "Silentium“ und jetzt "Der Knochenmann“ sind drei Filme mit der Hauptfigur Brenner, die trotzdem in der Machart und der Geschichte so originell sind, dass das Publikum nie vor Überraschungen sicher ist. In jedem Film wird eine eigene Welt beschrieben mit sicherem Gespür für eine ganz eigene Atmosphäre, skurrile Charaktere und charmant-brutale Bösartigkeit. Der Schmäh macht den Unterschied und den gibt es nur in Österreich.

Im Zentrum vom Knochenmann steht neben Brenner der Wirt Löschenkohl (Josef Bierbichler), der in seinem Wirtshaus an einem Unort direkt neben einer unfassbar hohen Autobahntalbrücke, seine Backhendl kredenzt und sein Gulasch kocht. Sein Streit mit dem Junior (Christoph Luser) und seine verzweifelte Liebe zu einer Prostituierten (Dorka Gryllus) setzen einen mörderischen Prozess in Gang. Löschenkohl entwickelt in seinem unermüdlichen Einsatz für die Liebe die Wucht eines 40-Tonners, dem auf der Abfahrt vom Alpenpass die Bremsen versagen. Der Brenner kennt sich erst mal überhaupt nicht aus (wie man in Österreich sagt), sucht weiter den Horvarth und pflegt nebenher eine zart keimende Romanze zur Birgit (Birgit Minichmayr), der Frau vom Junior. Wer mehr von der Handlung eines Krimis verrät, ist ein Fetzenschädel.

"Der Knochenmann“ hat ein Ensemble, wie man es nicht oft in einem Film findet. Josef Hader ist so sehr Brenner, dass man schon gar nicht mehr weiß, ob es den Brenner nicht eigentlich in Wirklichkeit gibt und Josef Bierbichler ist einfach ein Naturereignis. Die Nebenrollen sind mit Birgit Minichmayr, Stipe Erceg, Pia Hierzegger und Christoph Luser in ähnlicher Qualität besetzt. So entsteht aus den Figuren, starken, bedrohlichen Bildern und Dialogen, die auf’s Wort passen, ein Mikrokosmos des kriminologischen und gastronomischen Wahnsinns mit Herz.

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Titel

Orignaltitel

Der Knochenmann

Englischer Titel

The Bone Man

Credits

Regisseur

Wolfgang Murnberger

Schauspieler

Josef Bierbichler

Stipe Erceg

Josef Hader

Christoph Luser

Birgit Minichmayr

Simon Schwarz

Land

Flagge ÖsterreichÖsterreich

Jahr

2008

Dauer

121 min.

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