Berlinale 2015: EL CLUB von Pablo Larraín

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Vier Priester und die Nonne Schwester Monica leben in einem heruntergekommenen Haus in einem armseligen Kaff irgendwo an der chilenischen Küste. Drei der Priester trainieren einen Greyhound für Rennen. Der Hund ist schnell und hat schon einiges an Preisgeld gewonnen. Dann schickt die Kirche Priester Matias, der auch in das Haus einziehen soll. Als die Schwester dem Neuankömmling die Hausordnung vorliest und der wütend protestiert, wird deutlich: Die Mitglieder dieser Priester-WG haben sich schwerer Vergehen schuldig gemacht und wurden deshalb von der Kirche an diesen einsamen Ort geschickt.

Plötzlich taucht vor dem Tor ein Bettler auf und veranstaltet ein riesiges Geschrei: Er beschuldigt Pater Matias und andere, dass sie ihn schwer missbraucht hätten, als er noch ein Junge war. Immer lauter beschreibt er in allen schmutzigen Details, wie ihn Matias penetriert habe. Die Priester und Schwester Monica geraten in Panik. Sie drücken Matias eine Pistole in die Hand und fordern ihn auf, den Bettler zu verscheuchen. Der Pater geht aus dem Haus, auf den Bettler zu – ein Schuss fällt. Matias bricht zusammen. Er hat sich mit einem Kopfschuss getötet. Die fünf ursprünglichen Insassen des Hauses stimmen sich ab und erzählen der Polizei einen Tatverlauf, in dem ein wichtiges Detail fehlt – der Bettler und seine Beschuldigungen.

Allerdings scheint die Kirche diese Selbstmordversion nicht zu glauben. Sie schickt den Ermittler Pater Garcia, der die Wahrheit herausfinden soll. Der smarte Pater Garcia sieht sich als Vertreter einer neuen Kirche. Eine der dunkelsten abgründigsten Geschichten, die ich seit langem im Kino gesehen habe, nimmt ihren Lauf. Über jeden der vier anderen Pater und auch über Schwester Monica hat Pater Garcia ein Dossier. Der Gründe für die Verbannung sind vielfältig: Missbrauch, Fehlverhalten als Militärpfarrer, Geldgier, Kindesmisshandlung. Pater Garcia schont niemand, von Reue ist allerdings wenig zu hören, jeder der Beschuldigten findet für sein Verhalten andere Erklärungen. Nach und nach kommt der Vermittler auf eine Spur. Seine Entdeckung setzen gewollte und viele ungewollte weitere Entwicklungen in Gang. Am Ende steht eines fest: Was Schuld ist, wie Reue und vor allem Strafe und Sühne aussehen, bestimmt die katholische Kirche immer noch selbst.

Regisseur Pablo Larraín ist ein beklemmendes Filmdrama gelungen, das emotionale Wucht hat und trotzdem mit großer analytischer Tiefe zeigt, wie die Machtsysteme Religion und Kirche und der menschliche Glaube Werte wie die Menschlichkeit, die Vernunft oder die Rechtsstaatlichkeit außer Kraft setzen. Dieser Klub wird sich nie ändern.

Kommentare ( 1 )

... aber der Franziskus ist doch 'n Guter, der rät beim Hauen von Kindern immer deren Würde zu beachten :-)

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Titel

Orignaltitel

El Club

Englischer Titel

The Club

Credits

Regisseur

Pablo Larraín

Schauspieler

Marcelo Alonso

Alfredo Castro

Roberto Farías

Antonia Zegers

Land

Flagge ChileChile

Jahr

2015

Dauer

97 min.

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