13.02.13 22:28

PAUL BOWLES: THE CAGE DOORE IS WIDE OPEN von Daniel Young

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Gähn! 18 Jahre hat Daniel Young für diesen Film gebraucht. Der Weg bis zur Volljährigkeit hat PAUL BOWLES: THE CAGE DOOR IS ALWAYS OPEN nichts genutzt. Konventionell und brav chronologisch arbeitet der Film sich Punkt für Punkt entlang des des Lebens von Pauls Bowles. Er lässt Zeitzeugen, Freunde und Begleiter auftreten und Sätze sagen, die sie so schon in zig Dokumentationen über die 30er Jahre in NY, die 40er in Paris, die Beats, die Hippies, William Burroughs, die Homosexuellen Bewegung, die amerikanische Literatur der 50er und 60er, Jane Bowels und all die Kifferpoeten Biopics und Tanger Stadtportraits gesagt haben dürften. Alles zig Mal gesehen und gehört und gelesen, wer sich für amerikanische (Exilanten)Literatur Mitte des letzten Jahrhunderts interessiert. Und im Vergleich schon zig mal kreativer, versierter und kritischer gesehen und gelesen, wer Bowles war und warum.
Was das Panorama bei der Auswahl dieses Films geritten hat, ist ein Rätsel. Vielleicht trübt der Wunsch, möglichst viele Filme, die irgendwie mit Homosexualität zu tun haben in der Sektion zu zeigen, auch manchmal den kritischen Blick.

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PRINCE AVALANCHE von David Gordon Green

Alvin (Paul Rudd) hat einen etwas seltsamen Sommerjob angenommen. Er lässt Frau und Tochter zurück und arbeitet als Straßenarbeiter auf einem ländlichen Highway irgendwo in den Wäldern, die Monate zuvor von Bränden verwüstet wurden. Obwohl er die Einsamkeit sucht, ist er nicht allein: Als Hilfsarbeiter hat er Lance (Emile Hirsch) engagiert den jungen, einfältigen Bruder seiner Frau, der in der Einsamkeit des Waldes eigentlich immer nur an Frauen, genauer gesagt an Sex, denkt. Dieses ungleiche Paar verbringt die Sommerwochen damit, den Mittelstreifen neu zu zeichnen und Begrenzungspfeile einzuschlagen. Die Männer reden und streiten viel miteinander. Alvin fragt sich mehr als einmal, ob Lance nicht vielleicht doch geistig etwas zurückgeblieben ist. Dann stehen beide aus ganz unterschiedlichen Gründen plötzlich vor einer ernsten Lebenskrise.

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SHOAH von Claude Lanzman

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Von 1974-1985 hat Claude Lanzmann Zeitzeugen des Holocaust befragt; Opfer wie Täter. Er hat die ehemaligen Stätten der Vernichtung besucht und die Bilder mit den Interviews zusammengeschnitten. Die Gesamtlänge der Dokumentation beträgt 9 Stunden.

Auf der Berlinale feierte die digitale Rekonstruktion von SHOAH seine Premiere und wurde im Rahmen der Hommage an Claude Lanzmann gezeigt.

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SIDE EFFECTS von Steven Soderbergh

Es ist ein glücklicher Tag für Emily (Rooney Mara): Ihr Mann Martin (Channing Tatum) hat seine vierjährige Haftstrafe für Insidertrading abgesessen und kommt wieder nach Hause. Doch Emily ist von der Situation völlig überfordert. Sie hat auf einer Party einen Nervenzusammenbruch, gibt im Parkhaus plötzlich Vollgas und fährt ungebremst frontal gegen die Mauer. Als sie dann im letzten Moment in der U-Bahn daran gehindert wird, vor einen Zug zu springen, hilft ihr der smarte Psychiater Dr. Banks (Jude Law) mit einem neuen Antidepressivum. Doch die Nebenwirkungen sind heftig: Emily beginnt zu schlafwandeln. Wenig später ist ein Mensch tot und Emily, Dr. Banks und alle anderen werden in einen bizarren Mordfall hineingezogen.

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In the Limelight: Gespräch mit Jane Campion im HAU

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Die Nähe zwischen Film und Filmemacher entsteht durch die Anwesenheit der Regisseure. Die Q&A Session mit ihnen am Ende einer Vorstellung gehört mit zum Besten, was die Berlinale zu bieten hat. Leider sind sie meist viel zu kurz. Es ist daher sehr lobenswert, dass die Berlinale die letztes Jahr begonnene Gesprächsreihe fortsetzt. Dieses Jahr ist sie als Teil des Talentcampus vom Haus der Berliner Festspiele in das Hebbel-Theater gezogen.

Für eine Regisseurin mit so einem beachtenswerten Werk wie Jane Campion ist es genau der richtige Rahmen. Natürlich war bei dem Gespräch mit Peter Cowie auch TOP OF THE LAKE ein Thema. Campion berichtete von der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der BBC, die den Film co-produziert hat. Doch auch andere Werke der neuseeländischen Regisseurin wie SWEETIE, AN ANGEL AT MY TABLE oder THE PIANO wurden diskutiert.

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Steven Soderbergh and Jude Law auf der Pressekonferenz von SIDE EFFECTS

BERORE MIDNIGHT von Richard Linklater

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Es ist mühsam, diesen dritten Teil der Linklater-Trilogie, BEFORE MIDNIGHT in knappen Worten zu schildern. Weil man die Vorgänger mitdenken muss, weil das ganze Projekt eine Art Zeitkapsel ist, unterwegs und ziellos und weil es wie schon in den beiden Vorgängern natürlich mehr als um die bloße Handlung geht. Die ist auch hier so simpel wie immer: Jesse und Celine reden, laufen, reden. Über sich und das Leben. Inzwischen sind sie verheiratet und mit Zwillingen Eltern geworden und verbringen einige Wochen in Griechenland auf dem herrlichen Landsitz eines Autors. Jesses Sohn aus erster Ehe (die in Teil 2 zum Scheitern gebracht wurde) fliegt zurück zu seiner Mutter, was Jesse sehr zusetzt und die Frage aufwirft: Sollte ich mehr mit meinem Sohn zusammen sein? Doch die beiden wohnen in Paris, der Junge in Chicago.

Was bedeutet diese Frage (nicht die Entscheidung) für Celine. Sie jedenfalls sieht sie als den Anfang vom Ende ihrer Liebe. Hier entspinnt sich eine ungeschnittene und beeindruckende sicher 12 Minuten Szene auf einer Autofahrt wie eine Ouvertüre für die folgenden Jesse-Celine Dialoge, die nun schon seit 18 Jahren immer vom Allgemeinen ins Persönliche, vom Wir und Ich und das Große und Ganze hin- und herwechseln und uns anregen, erfreuen und hinterfragen.

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Videokritik zu PARDÉ von Jafar Panahi und Kambozia Partovi

Christian Caravante über den Film PARDÉ (Closed Curtain) von Jafar Panahi und Kambozia Partovi.

Halbzeit im Berlinale Wettbewerb

Anlässlich der Halbzeit der Berlinale zieht Steffen Wagner ein Resumé zum bisherigen Wettbewerbsprogramm.

12.02.13 21:00

ENDZEIT von Sebastian Fritzsch

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Dann ist das Unfassbare wirklich passiert: Ein Komet ist eingeschlagen. Als sie noch ein kleines Mädchen war. Sie hat überlebt, ihre Eltern nicht. Wenige haben überlebt. Jetzt ist das kleine Mädchen von einst eine junge Frau. Sie schlägt sich allein durch. Sie hat gelernt Fallen zu legen oder sich Vorräte aus leerstehenden Häusern zu besorgen. Sie folgt ihrem Instinkt. Andere Menschen sind für sie zunächst einmal genauso Gegner wie Wölfe. Dann trifft sie einen Mann. Sie muss entscheiden, ob er Freund ist oder Feind. ENDZEIT von Sebastian Fritzsch nach einem Drehbuch von Georg Tiefenbach erzählt eine Geschichte nach der Apokalypse.

In der Post-Apokalypse von ENDZEIT sind die Menschen in vielerlei Hinsicht in eine Art Naturzustand zurückgefallen: Sie haben keine Namen, sie misstrauen einander, sie kooperieren nur dann, wenn es ihnen nützt. ENDZEIT ist eine Art soziales Experiment: Fünf Menschen sind es irgendwann, die vom Schutz und von den Vorräten eines einsamen Gehöfts mitten in den Bergen profitieren wollen. Ob sie das schaffen oder nicht, ob sie zusammenbleiben oder doch nach einer unbekannten Stadt jenseits des Gebirgskamms suchen, die vielleicht nur ein imaginärer Sehnsuchtsort ist? Von diesen Fragen handelt der Film, dem es gut gelingt die paranoide Endzeitstimmung zu kreieren, die schon soviele Vertreter dieses Genres ausgezeichnet hat. Endzeit ist ein schauspielerisch und handwerklich überzeugender Film, der aber dem Thema keine neuen Seiten abgewinnt.

POZITIA COPILULUI (Child's Pose) von Calin Peter Netzer

Die wohlhabende Architektin Cornelia gehört mit ihrem Mann und ihrem erwachsenen Sohn zur rumänischen Oberschicht in Bukarest. Politiker, Ärzte und Rechtsanwälte bilden den engeren Bekanntenkreis der Familie, man lässt es sich gerne gut gehen, feiert zusammen und man hilft sich natürlich auch. Diese Hilfe wird bald auch dringend benötigt, denn Cornelias Sohn Barbu überfährt im Straßenverkehr wegen überhöhter Geschwindigkeit ein Kind, das dann am Unfallort verstirbt. Unter Ausnutzung aller privaten Kontakte und ohne Skrupel kämpft seine Mutter von nun an gegen die Polizei darum, dass ihr Sohn nicht zur Rechenschaft gezogen wird.

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METAMORPHOSEN von Sebastian Mez

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Am 29. September 1957 explodierte in der damals sowjetischen, heute russischen Nuklearfabrik Majak, in der waffenfähiges Plutonium angereichert wurde, ein großer Tank mit stark radioaktiver Flüssigkeit. Mehr als 50 Jahre später geht Sebastian Mez mit Kamera und Mikrofon im nahe gelegenen Dorf Musljumowo auf Spurensuche. In ruhigen Einstellungen filmt er die karge Winterlandschaft und lässt die Menschen reden, die dort leben – Dorfbewohner, keine Funktionäre, keine Politiker. Die Alten erinnern sich immer noch gut an den Unglückstag und seine schrecklichen Folgen. Auch die jüngeren wissen, dass sie den Auswirkungen des Unglücks selbst Jahrzehnte später nicht entkommen können. METAMORPHOSEN beweist, dass beim Film gerade die Konzentration auf wesentliche filmische Mittel eine hohe ästhetische Wirkung erzeugen kann. Eine noch größere Leistung des Filmemachers ist es, seinen Dokumentarfilm nicht zur Faktenschlacht zu machen. So informiert er eindringlich über die Konsequenzen des Unglücks, ohne den Zuschauern mit Daten oder technischen Details zu überhäufen. METAMORPHOSEN ist der mit Abstand beste Film der Perspektive 2013. Ohne jeden Zweifel wäre das Forum die angemessene Sektion für diesen Film gewesen. Auch hier wäre er positiv aufgefallen.

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FRANCES HA von Noah Baumbach

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Frances (Greta Gerwig) ist eine nett-verbimmelte Endzwanzigerin, die älter aussieht und sich jünger benimmt. Jedem sollte einmal im Leben eine Frances begegnen, um die eigene Toleranz und Spießigkeit zu testen. Der unterhaltsame und bei aller Leichtigkeit auch sehr lebensnahe Noah Baumbach Panorama Beitrag FRANCES HA ist Schwarz-Weiß gefilmt, was ihm eine Aura von kunstbeflissenen, allzu ernsten Autorenfilm zu geben scheint, die jedoch von der witzigen, schlagfertigen und klugen Geschichte konterkariert wird, so dass beides am Ende sogar klarer hervortritt: Die Bilder und die Geschichte.
Die Ernsthaftigkeit des Themas schmuggelt sich wie in U-Boot unter all dem Lachen und Fremdschämen und innerlich Ratschläge verteilen durch: Wie lang soll sie an ihrem Traum festhalten und wann ist es Zeit, den Traum sausen zu lassen?
Am Ende wird Frances - entgegen der meisten Ratschläge in den Köpfen der Zuschauer - alles richtig und auf ihre Art gemacht haben - auch wenn es eine ganze Weile überhaupt nicht danach aussieht.

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PARDÉ (Closed Curtain) von Jafar Panahi

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Kontext, Kontext, Kontext muss man denen zurufen, die diesen Film - eigentlich normal - unter rein narrativen oder ästhetischen Gesichtspunkten bewerten. Und vielleicht muss man sogar ganz billig autobiographisch interpretieren, um PARDÉ von Jafar Panahi gerecht zu werden. Ein Film über das Filmemachen als ein vom Staat als Geisel genommener und mit Berufsverbot belegter Regisseur ist das. Panahi war in Haft, durfte schon als Jurymitglied vor zwei Jahren nicht anreisen, zeigte in Cannes einen Film über sich zu Haus, wie er darüber nachdenkt, einen Film zu machen. PARDÉ ist anders, aber auch eine sehr selbstreflexive Studie über den Autor, Mensch und Regisseur Panahi, der metaphorisch und manchmal ganz real Einblicke gewährt in seinen Kopf und seine Sorgen und das Leben in einer Diktatur.

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LA RELIGIEUSE (Die Nonne) von Guillaume Nicloux

LA RELIGIEUSE ist die Neuverfilmung eines Romans des französischen Philosophen und Aufklärers Denis Diderot und spielt im Frankreich des achtzehnten Jahrhunderts. Die junge Suzanne wird gegen ihren Willen von ihrer Familie in ein Kloster abgeschoben und leidet dort als Nonne unter den rigiden Regeln der Ordensgemeinschaft. Trotz Demütigungen und sexueller Belästigung behält sie hinter den Klostermauern ihren eigenen Willen und lässt sich nicht brechen.

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ECHOLOT von Athanasios Karanikolas

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Was mach ich nur mit diesem Film? Er ist jung und wild und hat Charakter, etwas Eigenes und Ehrliches. Er ist aber auch prätentiös und selbstverliebt wie seine Charaktere. Rahmen der losen Handlung ist ein Tag und eine Nacht in irgendeinem Haus um Berlin. Eine Gruppe junger Menschen - Typ Neuköllner Studenten mit löchrigen Klamotten und Ledermänteln vom Second Hand Laden und künstlerischen Ambitionen - versammeln sich, um einem Freund zu gedenken, der sich das Leben genommen hat. Warum genau weiß keiner. Und ganz egozentrisch-studentisch geht es in der einzigen Gesprächsrunde auch eher darum, was man zu Selbstmord „generell“ für eine Meinung hat, als ums Verarbeiten. Und wenn der Abend fortschreitet, werden erste Risse in der Gemeinschaft scheinbar in Trauer vereinter, gleichdenkender Freunde sichtbar.

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Videokritik zu BEFORE MIDNIGHT von Richard Linklater

Pressekonferenz zu BEFORE MIDNIGHT mit Julie Delpy und Ethan Hawke

11.02.13 23:11

LAYLA FOURIE von Pia Marais

„Du sollst nicht Lügen“, so ermahnen Eltern ihre Kinder. Layla (Rayna Campbell) ist alleinerziehende Mutter, lebt mit ihrem Sohn in Johannesburg und bewirbt sich erfolgreich um einen neuen Job: Sie wird für eine Firma arbeiten, die Lügendetektortests durchführt. Das Aufspüren von Lügen wird in Zukunft also zu ihrer Profession. Doch bevor sie überhaupt bei ihrem ersten Mandantenangekommen ist, verschuldet sie bei einem Unfall den Tod eines Mannes und steht nun selbst vor der Entscheidung: Sage ich die Wahrheit oder verschweige sie? Pia Marais inszeniert ihr Drama um Aufrichtigkeit und Lüge und die Folgen von moralischem oder unmoralischem Handeln als klassischen Thriller.

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MES SÉANCES DE LUTTE (Love Battles) von Jacques Doillon

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Zumindest in diesem Jahr war es wohl die am wenigsten besuchte Pressekonferenz. Vielleicht zehn Journalisten verlieren sich zu MES SÉANCES DE LUTTE in dem Presseraum des Hyatt. Zur gleichen Zeit läuft BEFORE MIDNIGHT mit Julie Delpy und Ethan Hawke. Dagegen hat es ein französischer Dialogfilm selbstverständlich schwer.

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TOP OF THE LAKE von Jane Campion

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Ein fast sechsstündiger Film auf der Berlinale, da zuckt man erst mal unwillkürlich zusammen. Zurück aus diesem visuellen Marathon darf ich leicht erschöpft aber auch zufrieden resümieren: Hier hat sich wirklich jede Minute gelohnt.

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NARCO CULTURA von Shaul Schwarz

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In Deutschland diskutiert die Öffentlichkeit Cybermobbing, weil auf SchülerVZ dummes Zeug geschrieben wird. In Juarez, Mexiko, 500 Meter von der Grenze nach El Paso, USA, brauchte es erst zehntausende Tote (seit 2006 insgesamt 60.000!), darunter hunderte Jugendliche und auch Kinder, bis sich erste Stimmen von Müttern und Schwestern und Frauen erhoben, die ihre Wut auf die Untätigkeit der Regierung und die Unerträglichkeit der Morde hinausschrieen. Weil nach Jahren des Mordens der Kartelle, die Trauer und Wut kurzfristig größer war als die Angst und Lethargie.
Dieser Film des Kriegsfotografen Shaul Schwarz ist ein sehr eindringliches, knallhartes Doppeportrait der Polizeiarbeit in einer (staatlich) gesetzlosen Stadt und von Musikern, die die Mörder in ihren populären Liedern verherrlichen sowie in einer krassen Form psychologischer Widersprüchlichkeit auch von denen bewundert werden, die unter den Kartellen leiden. Ein altes Phänomen, das wir in milderer Form von der italienischen Mafia kennen.

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DeAD von Sven Halfar

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Patrick hat seinen „Erzeuger“ nie kennengelernt, weil der sich schon vor der Geburt aus dem Staub gemacht hat. Als er Ende 20 ist, bringt sich seine Mutter um. Patrick selbst entdeckt sie. Sie hat sich erhängt. Nach der Beerdigung findet er Informationen über seinen Vater und macht sich gemeinsam mit seinem Kumpel Elmer auf die Suche. DeAD klingt wie ganz schwere Kost, Familientragödie eben. Allerdings sind die beiden mit einem amerikanischen Oldtimercabrio unterwegs und haben einen Hang zu rabulistischem Irrsinn und narzisstischen Rachegelüsten. So wird aus der Aufarbeitung des gestörten Vater-Sohn-Verhältnis eine schwarze Komödie mit einem guten Schuss detailverliebter Perversität
.
In ihren besten Momenten ist der Film von Sven Halfar eine wahnwitzige Mischung aus FUNNY GAMES, DAS FEST und von Tarrantino infizierter Freude an stilisierter Gewalt. Das düstere Duo sucht den runden Geburtstag des Vaters mit einer ganz eigenen Art von sadistischem Charme heim. Schicht für Schicht legen sie die Schwachstellen der feiernden Familie bloß und lassen nach und nach die Gewalt mit mordlüsterner Höflichkeit eskalieren. Das Filmteam und die Darsteller kreieren mit Lust am Wahnwitz und in übersteigerter B-Movie-Ästhetik einige grandiose Szenen. Letztlich gelingt der Film nicht in allen Passagen, weil nicht alle Figuren überzeugen. Aber trotzdem lohnt das Gucken für den, der Spaß am Makaberen, an der Übertreibung und am Geschmacklosen hat.

LOVELACE von Rob Epstein, Jeffrey Friedman

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Was für ein cooler Film: diese Autos, die Musik, das hübsche Mädchen, dass sich endlich aus dem katholischen Elternhaus und von der manipulativen Mutter befreit, die ihren Körper beginnt zu mögen, beim Sex das Licht anlässt, aufblüht, berühmt wird und kurzzeitig auch reich lebt.

Was für ein bitterer Film: Hässliche Klamotten, geschmacklose Frisuren, schmierige, sehr haarige Männer, die dem hübschen Mädchen erst die Eltern, die Herkunft, dann die Unschuld und das Geld nehmen, die sie schlagen, vergewaltigen und Lindas 17 Tage in der Pornoindustrie und ihre Rolle in DEEP THROAT für sie zur (fast) lebenslangen Hölle machen.
LOVELACE sieht verdammt gut aus und der 70er Look ist nicht bloß abgeschmacktes Stilmittel, sondern die richtige Entscheidung, weil er nostalgisch besetzt ist und die dunklen Seiten gern ausblendet - was den Film zu einer Art bitteren Bruder von Boogie Nights werden lässt.

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10.02.13 19:01

SILVI von Nico Sommer

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Die 47jährige Silvi erfährt von ihrem Ehemann nach einem letzten gemeinsamen Besuch in der Autowaschanlage, dass er sich nach 30 Jahren Ehe neu orientieren möchte und die Trennung will. Sie reagiert zunächst geschockt, stürzt sich dann aber voller Elan in das Abenteuer der modernen Partnersuche. Auf ihrer Suche begegnen ihr verschiedenste Männer: Vom gut getarnten sexbesessenen Egoisten über einen romantisch veranlagten Südländer mit stark ausgepägter Sado-Maso-Neigung bis hin zum scheinbar kreuzbraven Familienvater wird sie mit einer ganzen Palette männlicher Sex- und Beziehungswünsche konfrontiert. Obwohl Silvi im Laufe ihrer Partnersuche erkennen muss, dass es den ersehnten Platz im Märchenschloss nicht umsonst gibt und dass man dafür auch schon mal jemanden nackt in einen Wäscheschrank einsperren muss, bleibt sie hoffnungsvoll und zuversichtlich.

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GLORIA von Sebastián Lelio

Gloria ist älter als 50. In der Auftaktszene ist alleine in einem Tanzlokal und macht einen etwas schüchternen Eindruck. Wenn sie jemanden anspricht, erzählt sie sofort von ihrer schon lange zurückliegenden Scheidung. Zack! Schon habe ich als erfahrener Kinogänger Gloria in eine Schublade gepackt: Gloria ist eine einsame, frustrierte Frau, die verunsichert ist und nach Sinn im Leben sucht. Nun, meine Beschränktheit und meine Vorurteile sind mein ganz persönliches Problem, darüber hinaus habe ich Glück: GLORIA von Sebastián Lelio ist kein deutscher Film mit den üblichen Problemhorizonten, sondern ein chilenischer Film. So entsteht eine lebendige, nuancierte Geschichte, die konsequent aus der Perspektive der Protagonistin erzählt wird. Hauptdarstellerin Paulina Garcia gibt Gloria soviel Emotion und Echtheit, dass schon nach einer Viertelstunde klar wird: GLORIA ist auch ein Glücksfall für diese Berlinale.

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MALADIES von Carter

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Was ist Irrsinn, was bedeutet „Sinn haben“ und was bedeutet Arbeit, was ist Kunst und wie lebt man, wenn man anders ist oder sich zumindest so fühlt? Um diese großen Fragen kreist MALADIES. „Kreist“ beschreibt aber auch die Dynamik des Films, weil sich sowohl Gedanken wie Handlung zu wiederholen scheinen und der Film ohne rechte Dramaturgie außer der Beobachtung von außergewöhnlichen Menschen zwar Atmosphäre erzeugt, aber nach einer Stunde nicht mehr weiterkommt.

Zunächst wird nicht viel erklärt. Der Film beginnt mit einer Offstimme, die etwas über zerbrechenden Verstand erzählt. James (Franco) beginnt mit dieser Stimme, die kommentiert und ihn ermahnt und viele, viele Fragen stellt, eine Unterhaltung. Die Stimme ist in seinem Kopf und quält den ehemaligen Fernsehschauspieler vor allem, weil alle anderen die Stimme nicht zu hören scheinen. Wenn ihm das zu viel wird, greift er zum Telefon und beruhigt sich ein paar Minuten mit dem Freizeichen.

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YOUTH von Tom Shoval

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So langsam krieg ich Angst. Nach wenigen Stunden Schlaf zur ersten Vorstellung gequält und wieder ein Missgriff. Habe ich in diesem Jahr den evil touch bei der Filmauswahl? Obwohl ich ignorant Filme aus Israel schon eine Weile meide, weil der ewig ungelöste Konflikt mit den seit Jahrzehnten gleichen Effekten und Erzählungen inzwischen nur noch langweilt - YOUTH von Tom Shoval schien ein Film über zwei junge Brüder aus der Vorstadt von Tel Aviv sein, die den drohenden Bankrott ihrer Eltern mit der Entführung eines Mädchens und erpresstem Lösegeld aufhalten wollen und dabei notwendigerweise auf die Fresse fliegen.

Nebenbei wird auf die Wirtschaftskrise in Israel (die aber nicht gerde ein Unikum ist) und auf Familien mit Sorgen (auch eher üblich) hingewiesen. Die Bräsigkeit der Jugend, die von sich selbst begeistert, meint, alles im Griff zu haben, auch davon erzählt der Film. Zumal in Israel, wo Jungs und Mädchen mit 18 als Soldaten mit Gewehr durch die Gegend laufen und sich daher wie ein Mann fühlen darf, auch wer im Kopf höchstens ein Männchen ist, das Ganze gefährlicher werden kann.

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DOLGAYA SCHASTLIVAYA ZHIZN (A Long and Happy Life) von Boris Khlebnikov

Irgendwo in Russland an einem Fluss. Sascha hat dort auf einer ehemaligen Kolchose zusammen mit einer Handvoll Arbeitern eine kleine Landwirtschaft aufgebaut. Doch nun wollen die Provinzbeamten das Land wieder haben. Zunächst will sich Sascha mit der Abfindung abfinden, doch dann ermutigen ihn seine Arbeiter, sich quer zu stellen. Boris Khlebnikovs Wettebewerbsbeitrag A LONG AND HAPPY LIFE ist eine bittere Parabel darüber, wie sich jeder selbst der nächste ist. Denn was wie eine hoffnungsvolle kleine Geschichte über eine Mini-Revolution beginnt, endet völlig desillusioniert und tragisch.

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GOLD von Thomas Arslan

Ein deutscher Western? Kann so was überhaupt funktionieren, wird sich so mancher gefragt haben, als bekannt wurde, dass Thomas Arslan, Vertreter der Berliner Schule, seinen Wettbewerbsbeitrag GOLD in den Weiten Kanadas zu Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt hat. Erzählt wird die Geschichte einer Handvoll deutschstämmiger Einwanderer, die sich vom Goldfieber angesteckt, auf den beschwerlichen Weg nach Klondyke machen. Dort wollen sie den glänzenden Stoff der Träume finden und die Grundlage für ein neues Leben schaffen. Klassisches Genrekino eben, nur mit deutschen Vorzeichen. Und siehe da: Das Ergebnis ist durchaus sehenswert, aber leider auch nicht wirklich umwerfend.

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I USED TO BE DARKER von Matt Porterfield

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I USED TO BE DARKER ist wie der Klang einer Gitarre, eines Akkords. Langsam entwickelt sich der Klang und erfasst so über 90 Minuten eine Konstellation von menschlichen Beziehungen und Gefühlen.

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A SINGLE SHOT von David M. Rosenthal

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In A SINGLE SHOT wird weit mehr als ein einziger Schuss abgefeuert. Doch es ist dieser eine Schuss gleich zu Beginn des Films, der John Moon einerseits in einen Strudel der Schuldgefühle hinabreißt, ihm aber andererseits die große Chance auf einen Ausweg aus seinem verunglückten Leben eröffnet. Denn in den Bergen irgendwo in den USA ist John der größte Loser in einem gottverlassenen Kaff, das eigentlich nur Verlierer kennt. Sein Vater hat vor Jahren die Familienfarm verloren, John wird einen Job nach dem anderen los und nun ist seine Frau mit dem gemeinsamen Sohn aus dem verrotteten Trailer am Waldrand ausgezogen und will die Scheidung. A SINGLE SHOT ist ein klassischer Thriller mit einer ganz besonders dunklen Geschichte um Schicksal, Schuld und eskalierende Gewalt.

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Berlinale 2013: Pressekonferenz zu GOLD von Thomas Arslan

Berlinale 2013: Videokritik zu Gold von Thomas Arslan

09.02.13 17:50

I AIONIA EPISTROFI TOU ANTONI PARASKEUA (THE ETERNAL RETURN OF ANTONIS PARASKEVAS) von Elina Psykou

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Wenn das mit Griechenland so geht, wie mit diesem Film, kann es dauern mit der Genesung. Lange dauern. Alles geht in diesem Film zwar irgendwie weiter, aber planlos dem Beckenbauerschen Diktum folgend: „Schaun mer mal, dann sehn mer schon.“

Ein bekannter Talkshow Morgenmagazin Mann flüchtet in ein leeres Hotel an der Küste. Dort kocht er jeden Tag Nudeln mit Ketchup und experimentiert mit einer Molekularnudel. Er deckt die 100 Tische, er stellt überall Fernseher auf und betrachtet seine alten Sendungen, die von Jahr zu Jahr peinlicher werden. Ab und an kommt der Sendereigentümer, der in seine Flucht eingeweiht ist, bringt Essen und einen Anzug für Weihnachten. Jeden Morgen wacht Antonis Paraskevas um Punkt vier auf und der Zuschauer ahnt, dass die Wende dieses Films sein wird, dass er verschläft, irgendwann.

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ASSISTANCE MORTELLE (Fatal Assistence) von Raoul Peck

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Viele Leute reden mit, wenn es um Hilfe für Haiti geht. Bild: Velvet Flim.

Am 12. Januar 2010 bebte in Haiti die Erde. Etwa 250.000 Menschen starben, rund 1,2 Millionen Menschen verloren Ihr Zuhause und wurden obdachlos - das alles bei einer Gesamtbevölkerung von knapp zehn Millionen. Ausnahmsweise einmal war Hilfe nicht weit: Die weltweite Spendenbereitschaft von Menschen, Unternehmen und Institutionen war immens, die großen internationalen Hilfsorganisationen waren schnell vor Ort, um Soforthilfe zu leisten. Unter dem Motto „Towards a New Future for Haiti“ trafen sich am 31. März 2010 über 150 Staaten und zahlreiche internationale Organisationen im UN-Hauptquartier in New York zu einer Geberkonferenz. Die Teilnehmer machten Spendenzusagen von mehr mehr als neun Millarden US-Dollar, davon mehr als fünf Milliarden allein für die Jahre 2010 und 2011. Zur Koordinierung wurde die Haiti Recovery Commission (IHRC) ins Leben gerufen. „We look forward with hope to a future for Haiti in which the damage from the earthquake has been mended … and all the women and men of Haiti enjoy opportunity, security, prosperity, and peace.”, heißt es stolz im letzten Absatz des offiziellen Communiqués. Von den vielen guten Absichten, den geplatzten Pläne, dem Idealismus, dem Unvermögen, dem unermüdlichen Einsatz und vor allem von der wütenden Enttäuschung über den schieren organisatorischen Wahnsinn erzählt Raoul Pecks ASSISTANCE MORTELLE (FATAL ASSISTENCE).

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BOVEN IS HET STIL von Nanouk Leopold

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BOVEN IS HET STIL ist die Verfilmung des gleichnamigen Debütromans von Gerbrand Bakker durch die niederländische Regisseurin Nanouk Leopold. Das Setting ist des Films ist fast kammerspielartig karg und es gelingt Leopold, mit wenigen Zutaten eine faszinierende Geschichte zu erzählen.

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TOP OF THE LAKE von Jane Campion

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Ich hatte schon ein paar Worte über TV-Serien auf der Berlinale verloren. Nun die erste Stunde der 6 stündigen Mini Serie TOP OF THE LAKE von Jane Campion gesehen. Und? Ich würde gern weitergucken. Es sind viele offene Enden gelegt und die Geheimnisse und Bruchstellen der Figuren werden gerade erst erkennbar und man ahnt den Sturm, der kommt.

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Videokritik zu THE GRANDMASTER von Wong Kar-Wai mit Filmausschnitten

Eindrücke vom roten Teppich der Berlinale Gala

BELLEVILLE BABY von Mia Engberg

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Erinnerungen sind etwas Vages. Die Grenzen zwischen Erlebten und Erfindung sind fließend. Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, wenn wieder eine Erinnerung nach oben gespült wurde, ob man dies wirklich erlebt oder doch nur geträumt hat. BELLEVILLE BABY stellt infrage, ob das überhaupt wichtig ist, denn die Erinnerung selbst ist ja real und sie drückt immer etwas Wahrhaftes aus: ein Gefühl, ein Verlangen oder einen Mangel.

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Joseph Gordon-Levitt präsentiert seinen Film DON JON'S ADDICTION

Matt Damon und Gus van Sant auf der Pressekonferenz zu PROMISED LAND

08.02.13 21:00

FREIER FALL von Stephan Lacant

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Marc und Kay kurz bevor der freie Fall beginnt. Bild: Sten Mende, kurhaus production

Bereitschaftspolizist, also Beamter, verheiratet – Kind ist unterwegs – und der Einzug in die Doppelhaushälfte in unmittelbarer Nähe der Schwiegereltern und von Schwägerin und Schwager läuft gerade. Wie es für Marc bis zur Pensionierung weitergeht, steht fest. Noch vorgezeichneter kann ein Lebensweg gar nicht sein. Doch dann lernt Marc auf einem Polizeilehrgang Kay kennen und schnell kippt dieses Leben ins Ungewisse.

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W IMI?... (IN THE NAME OF) von Malgoska Szumowska

Adam ist ein Mann in den besten Jahren – er ist sympathisch, sieht gut aus und hält sich mit Joggen fit. Adam ist katholischer Priester in einem gottverlassenen polnischen Kaff, wo er ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche leitet. Adam ist außerdem schwul. IN THE NAME OF, der polnische Wettbewerbsbeitrag, zeigt das Hin- und Hergerissensein Adams zwischen seinem Glauben und seiner Leidenschaft. Mehr als einmal werden dabei visuelle Symbole aus der Passionsgeschichte bemüht, um die Qualen des Geweihten zu verdeutlichen.

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PARADIES: HOFFNUNG von Ulrich Seidl

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Was tun, wenn man ein übergewichtiger Teenager ist und sich im Diät-Camp in einen vierzig Jahre älteren Arzt verliebt? Ganz einfach: Man kämpft mit den verfügbaren Mitteln um den Mann der Träume. Ulrich Seidls dritter Teil seiner PARADIES-Trilogie, HOFFNUNG, bietet völlig unsentimentale, aber dennoch anrührende Einblicke in das Gefühlsleben eines jungen Mädchens, das einfach auch nur geliebt werden will.

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PROMISED LAND von Gus Van Sant

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Es ist am Ende auf jeden Fall verwirrend: Die vermeintlich Guten sind auch die Bösen. Wer immer gewinnen will, spielt einfach gegen sich selbst. Und es bleibt - trotz sehr bemüht versöhnlichem Ende, bei dem man die Drehbuchsitzung noch hört („Please more positive, give that man a new home and a wife“) - es bleibt die Frage, was wäre richtig gewesen für diese Kleinstadt irgendwo in den USA?

Eine von hunderten solcher Städtchen zwischen den beiden Küsten, die nur noch vor sich hinsiecht, weil die großen Zeiten der Landwirtschaft vorbei sind. Sollen sie ihr Land dem Fracking Konzern für die umstrittene Gasförderung verpachten und mit der Chance auf Wohlstand das Risiko eingehen, alles zu verlieren, was sie noch haben? Ihr Land, ihre Tiere, ihre Herkunft? Oder sollen sie stur weiter ihr Ding machen, auf alten Pickups rumfahren, in der örtlichen Bar saufen, Amerikaflaggen an ihre Scheunen pinseln und ansonsten dabei zusehen, wie alles finanziell den Bach runtergeht, auch wenn man sich treu geblieben ist. Das Herzland der USA kurz vor dem Herzinfarkt - mit der Chance auf eine Reanimation und Medikamente durch den netten Großkonzern. Das ist das Setting. Und dann wird alles eben verwirrend.

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YI DAI ZONG SHI (The Grandmaster) von Wong Kar-Wai

Regentropfen peitschen aufs Pflaster, Hände und Füße pflügen blitzschnell durchs Wasser, Körper wirbeln durch die Luft und knallen mit einem dumpfen Knirschen gegen Mauern: Kung Fu als ästhetische Übung à la Wong Kar Wai. Mit dem Eröffnungsfilm der Berlinale, THE GRANDMASTER, hat der große Regiemeister des Hongkong Kinos neue Maßstäbe im Martial Arts Film gesetzt. Dabei, so Wong, wollte er gar keinen Kung Fu Film drehen, sondern einen Film über Kung Fu. Und wirklich: Die Schönheit des Kampfes zeigt die Schönheit des Inneren seiner Figuren.

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07.02.13 22:44

Vorstellung der Berlinale Jury

Berlinale 2013: Eindrücke von der Pressekonferenz der Wettbewerbsjury

Berlinale 2013: Zwei Gesichter des Roten Teppichs

Femen-Protest auf der Berlinale

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Eine Femen-Aktivistin protestierte bei der Berlinale Gala gegen Genitalverstümmelung und die Ordner hatten einige Mühe sie vom Gerüst herunterzuholen.

Jane Fonda

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Die 75-jährige Schauspielerin hat keinen Film auf der Berlinale, sie ist aber "das Gesicht" des Hauptsponsors L'Oréal

Vorstellung der Wettbewerbsjury

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Wong Kar Wai weiß, wie man Berlin „umcharmt“. Mit dunkler Sonnenbrille und perfektem Englisch lobte er die Berlinale als ein Festival, in der auch soziale Themen eine Rolle spielen. Tim Robbins würdigte ebenfalls den Mut der Berlinale, politisch unbequeme Filme zu zeigen. Der deutsche Filmregisseur Andreas Dresen freute sich wiederum über die große Anzahl an osteuropäischen Filmen im Wettbewerb. Diese habe er in den letzten Jahren vermisst.

Auffallend viele Fragen gingen an die iranische Künstlerin Shirin Neshat. Neshat stellte heraus, welch große Rolle die Berlinale spiele und dass in diesen Tagen die ganze iranische Filmwelt auf Berlin schaue. Von besonderer Bedeutung sei, dass die Berlinale den neuen Film von Jafahr Panahi eingeladen habe.

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06.02.13 19:29

Erste Berlinale Impressionen

Fotos, die aus jedem Berlinale Jahr stammen könnten und gerade deshalb die Vorfreude in Gewissheit umschlagen lassen: Es geht los!

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Die Aufbauten vor dem Berlinale Palast sind fast abgeschlossen

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Das Highlight in der Perspektive: METAMORPHOSEN

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Musljumowo mehr als 50 Jahre nach der Katastrophe, Quelle: Berlinale.

Der herausragende Film der diesjährigen Perspektive Deutsches Kino ist ein Dokumentarfilm: METAMORPHOSEN von Sebastian Mez. Mez konfrontiert den Zuschauer mit den Folgen eines Ereignisses, das schon mehr als ein halbes Jahrhundert zurückliegt: Die Explosion in der damals sowjetischen, heute russischen Nuklearfabrik Majak. Am 29. September 1957 explodierte in der Anlage, in der waffenfähiges Plutonium angereichert wurde, ein großer Tank mit stark radioaktiver Flüssigkeit. METAMORPHOSEN beschäftigt sich nicht mit Technik, versucht keine komplizierten Erklärungen. Mez filmt mit großer Ruhe und langen Einstellungen im nahen Dorf Musljumowo. Und er lässt Menschen sprechen. Mit diesem einfachen Rezept gelingt eine inhaltlich und ästhetisch sehr beeindruckende Dokumentation. Weil solche Filme bei der Berlinale viel zu oft übersehen werden, hier gleich die Aufführungsdaten: Der Film hat seine Premiere am Montag, 11. Februar, um 19.30 Uhr im Cinemaxx 3 und wird am Dienstag, 12. Februar, zweimal gezeigt - um 13 Uhr im Colosseum und um 20.30 Uhr im Cinemaxx 1.

METAMORPHOSEN sticht aus einem guten Perspektive-Jahrgang mit vielen handwerklich ansprechenden und thematisch interessanten Filmen hervor. Nur zwei Filme, die eher im essayistisch-experimientellen Bereich angesiedelt sind, fallen stark ab. Ein besonderer Tipp bei den Spielfilmen ist FREIER FALL von Stephan Lacant mit Hanno Koffler, Max Riemelt und Katharina Schüttler in den Hauptrollen. FREIER FALL erzählt eine spannende Beziehungs-Geschichte zweier Polizisten und einer Frau. Ebenfalls überzeugend ist bei den Spielfilmen ENDZEIT von Sebastian Fritzsch. Der Titel gibt hier das Thema vor: Es geht um das Überleben nach der großen Katastrophe. Wer es gerne bizarr mag und mit den Filmen von Quentin Tarrantino etwas anfangen kann, sollte es mit DeAD von Sven Halfar versuchen. Mich hat der Film nicht vollkommen überzeugt, aber er hat viele gute Einfälle und eine ganze Reihe von überraschenden Szenen für die Freundinnen und Freunde brutal-heiterer Geschmacklosigkeiten.

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05.02.13 8:00

Interview mit der Leiterin des Filmmarkts

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400 Aussteller, 8000 Fachbesucher aus 100 Ländern und mehr als 1100 Filmvorführungen: Der European Film Market (EFM) zählt zu den bedeutendsten Branchentreffs der internationalen Filmindustrie. Beki Probst leitet den EFM seit seinen Anfängen. Claudia Palma und Tiziana Zugaro sprachen mit ihr über Zahlen, Trends und den tagtäglichen Wahnsinn.

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04.02.13 6:30

Berlinale Tipps: Die kürzesten Wege auf der Berlinale

Der persönliche Berlinale Filmplan ist oft dicht gedrängt und meist knapper kalkuliert als die Füße tragen. Das gemütliche Gehen wird zum strammen Schritt, dann fängt man locker an zu laufen, um dann am Ende in Panik zu rennen. Es kommt auf jede Minute an. Man weiß: diejenigen, die keine Karte mehr bekommen haben, stehen bereits in Schlangen vor dem Kinosaal und hoffen darauf, dass man es nicht mehr rechtzeitig schafft.

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03.02.13 8:55

Berlinale Kartentipps & -tricks

Berlinale Tickets

"Och...es ist ja Berlinale....da schaue ich mal in das Programm, was heute Abend so läuft." Tja, weit gefehlt, so funktioniert es leider, leider (meistens) nicht! Karten für die begehrten Filme sind schnell ausverkauft. Es lohnt sich also, die richtige Kartenstrategie zu haben.

Wann beginnt der Vorverkauf?

Die ersten Karten gibt es am Montag, den 4.2. um 10:00h. Es gelten verschiedene Vorverkaufsfristen. Hier die wichtigsten Regeln:


  1. Ganz, ganz wichtig: Für alle Vorstellungen im Friedrichstadtpalast und alle Vorstellungen am letzten Berlinale Tag - Sonntag, der 17.2. - gelten keine Vorverkaufsfristen. Ab 4.2. kann für jede dieser Vorstellungen Karten gekauft werden.*

  2. Wiederholungen im Wettbewerb haben eine Vorverkaufsfrist von 4 Tagen.

  3. Alle sonstigen Vorführungen haben eine Vorverkaufsfrist von 3 Tagen.

  4. Am Tag der Vorstellung endet der Vorverkauf. Dann gibt es nur noch Karten an den Tageskassen.

  5. Der Vorverkauf beginnt um 10 Uhr.

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02.02.13 9:00

Berlinale Classics zeigt Meisterwerke in restaurierten Fassungen

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Marlon Brando in ON THE WATERFRONT, Bild: Deutsche Kinemathek, Sony Pictures/Park Circus.

Berlinale Classics heißt eine neue Untersektion der Retrospektive, in der die Berlinale in Zukunft wiederentdeckte und aufwendig restaurierte Fassungen von Filmklassiker zeigen wird. In diesem Jahr werden fünf Filme gezeigt. Unter den fünf Kinodiamanten funkelt ON THE WATERFRONT (Die Faust im Nacken) von Elia Kazan ganz besonders. Die amerikanische Produktion von 1954 wurde mit acht Oscars ausgezeichnet: unter anderem als Bester Film, Marlon Brando als Bester Hauptdarsteller, Kazan für die Beste Regie und Budd Schulberg für das Beste Drehbuch. Die Story um Terry Malloy und den Kampf gegen korrupte Gewerkschaftsbosse erlebt als Welterstaufführung ihre Leinwandpremiere in der digital restaurierten Fassung im 4k-Format.

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