"Ricky" von Francois Ozon

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„Ricky“, das sind vor allem ganz viele Filme in einem. Zunächst beginnt alles wie ein tristes Sozialdrama über eine alleinerziehende Mutter aus dem Arbeitermilieu.

Katie lebt mit ihrer Tochter Lisa in einer ärmlichen Wohnung irgendwo in einer Hochhaussiedlung. Der eintönige Alltag der Beiden ändert sich erst, als sich Katie bei ihrer Arbeit in der Plastikfabrik in den Spanier Paco verliebt. Nach hastigem Sex in der Werkstoilette geht dann alles ganz schnell: Paco zieht zu Katie und Lisa, Katie wird schwanger und das Baby Ricky wird geboren. Es kommt zu den üblichen Problemen einer Kleinfamilie: Lisa lehnt ihren neuen Vater ab, Paco ist eifersüchtig auf das Baby, beide Eltern sind überfordert durch die Pflege des ständig schreienden Säuglings. Als Ricky dann auf einmal Blutergüsse hat, denkt der Zuschauer natürlich zunächst an Kindesmisshandlung. Wie sich dann aber herausstellt, sind diese Blutergüsse nur die Vorboten einer wundersamen Metamorphose und zugleich das abrupte Ende des realistischen ersten Filmteils. Was nun folgt ist eine - gelinde gesagt - recht eigenwillige Mixtur aus Satire-, Fabel- und Trashelementen, an deren Ende sich der Säugling Ricky in eine Art juvenilen X-Men im Plattenbau verwandelt hat.

Francois Ozon wird seinem Ruf als enfant terrible mit „Ricky“ voll und ganz gerecht: Er legt jede Menge falscher Fährten und macht sich sichtlich einen Spaß daraus, im Zuschauer Erwartungshaltungen an den Fortgang der Geschichte zu wecken, die dann garantiert nicht erfüllt werden. Nie kann man sich in „Ricky“ sicher fühlen, nie weiß man wirklich, wo man gerade ist. Der wilde Genremix aus düsterem Sozialdrama, Komödie und surrealem Fantasyfilm bietet ständig neue Wendungen, die in gänzlich unerwartete Richtungen führen.

Ozon will das Publikum um jeden Preis verwirren und provozieren und wieder einmal ausloten, wie weit er gehen kann. Dieses Konzept funktioniert auch einwandfrei: Spätestens bei den ersten Flugversuchen des Säuglings in der elterlichen Wohnung bleiben dem Zuschauer noch genau zwei Möglichkeiten: Entweder sich mit Grausen von dieser Geschichte abzuwenden, oder aber fasziniert zu akzeptieren, dass die Gesetze der Logik fortan außer Kraft gesetzt werden. Mit Sicherheit kein leicht konsumierbares Kinoerlebnis, statt dessen ein kompromissloser Kunstfilm, mit dem Ozon seinem Credo treu bleibt, dass die Phantasie allemal spannender ist als die Realität.

Kommentare ( 1 )

ich fand den film auch sehr hübsch. allerdings hatte sich der gag mit dem fliegenden baby dann ziemlich schnell erschöpft und man hat sich gefragt, warum daraus unbedingt ein abendfüllender spielfilm werden musste. wäre ideal für einen kurzfilm gewesen. finde, herr ozon ist seit "angel" nihct mehr so ganz auf der höhe...hoffe, das wird wieder.

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Titel

Orignaltitel

Ricky

Credits

Regisseur

François Ozon

Schauspieler

Alexandra Lamy

Sergi López

Mélusine Mayance

Arthur Peyret

Land

Flagge FrankreichFrankreich

Flagge ItalienItalien

Jahr

2009

Dauer

90 min.

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