Gespräch mit Herrmann Zschoche, Regisseur EOLOMEA (Berlinale 2017)

Kein blasser Schimmer von technischen Details

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Herrmann Zschoche, 1934 in Dresden geboren, kam nach einem Studium an der Filmhochschule Babelsberg zur Defa. Bekannt wurde er durch seine Kinder- und Jugendfilme wie SIEBEN SOMMERSPROSSEN (1978). Nach der Wende übernahm er Regieaufgaben bei Fernsehserien wie dem „Tatort“. Mittlerweile widmet er sich ganz dem Schreiben. Zschoche lebt in Storkow (Oder- Spree). 1972 drehte Zschoche für die Defa den Sciencefiction EOLOMEA, der in diesem Jahr die Retrospektive eröffnet. Wir haben ihn zu den Dreharbeiten befragt.

Foto: Von Ernst Hirsch - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18834381

Festivalblog: Herr Zschoche, wie kam es zur Entstehung von EOLOMEA und zu Ihrer Zusammenarbeit mit dem bulgarischen Drehbuchautoren Angel Wagenstein?

Herrmann Zschoche: Angel Wagenstein lernte ich noch während Konrad Wolfs Arbeit an dem Film GOYA um 1970 kennen. In Sofia war ich ihm, was Sciencefiction betraf, kein Partner. Keinen blassen Schimmer von den technischen Details. Bis heute nicht. Was also zog mich an? Die irdischen Menschen aus Fleisch und Blut, ihr Humor. Und das subversiv Antibürokratische, „Gegen den Willen der Regierung“, das immer mitlief.

Festivalblog: Was sagen Sie zur Ausstattung des Films?

Zschoche: Das Geld war da, aber Aluminiumplatten konnte man dafür nicht kaufen. Die Architekten haben mit den Werkleitern manche Pulle geleert, bis da was ging, kriminell an der Planwirtschaft vorbei. Ihr habt gezaubert Jungs, danke.

Festivalblog: Und die Dreharbeiten in Bulgarien? Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Zschoche: Im Mai 1971, als wir am Schwarzen Meer irgendetwas ausgelassen gefeiert haben, kommt die Nachricht, dass Ingrid Reschke, meine Klassenkameradin an der Babelsberger Filmhochschule, tödlich verunglückt ist. Langes erstarrtes Schweigen. Endlich hebt Angel, der als Partisan in der Todeszelle gesessen hat, das Glas auf Ingrid und wirft es hinter sich. „So machen wir das bei uns.“ Und wie erlöst machten wir das dann auch so und kehrten ins Leben zurück.

Festivalblog: Die Harmonie zwischen den Figuren in Ihrem Film ist sehr ungewöhnlich für das Genre.

Zschoche: In EOLOMEA, mitten im Kalten Krieg entstanden, fällt kein Schuss, alle Menschen sind schon Brüder. Wenn ich mich jetzt so umsehe, fällt es mir schwer, darauf auch nur zu hoffen.

Aufgezeichnet von Claudia Palma

Zur Festivalblog-Rezension von EOLOMEA

Foto: Von Ernst Hirsch - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18834381

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Titel

Orignaltitel

Eolomea

Credits

Jahr

1972

Dauer

82 minutes min.

Festival

Filmfest München 2017

Festivalplakat Filmfest München

München, 22.06. - 01.07.2017

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