Berlinale 2024: DES TEUFELS BAD von Veronika Franz und Severin Fiala

Teufel-Hals.jpg
© Ulrich Seidl Filmproduktion / Heimatfilm

Es gibt Filme, die wollen weh tun. Manchmal aus gutem Grund. Aber trotzdem nicht schön. DES TEUFELS BAD ist so ein Film. Sehr, sehr ländliches Oberösterreich, Mitte des 18. Jahrhunderts. Eine sanfte junge Frau heiratet einen bärigen, aber im Grunde ebenso sanften Mann aus dem Nachbarweiler. Dort angekommen, fühlt sie sich völlig fehl am Platz. Die Kate ist dunkel, die Schwiegermutter wuselt ihr dauernd in der Küche rum und an den Fischfang im schlammigen Fluss ist sie nicht gewöhnt. Ein Kind wünscht sie sich, aber der Ehemann mag die Ehe nicht vollziehen. Die Frau fällt in eine tiefe Depression, zu jener Zeit auch „Des Teufels Bad“ genannt. Sie betet immer mehr, aber alles wird immer schlimmer. Umgeben von einer kargen, harten Welt, geformt von dunkelstem Aberglauben und tiefstem Katholizismus, sieht sie nur einen Ausweg.

Das Regie-Duo Veronika Franz und Severin Fiala wurde anhand von historischen Recherchen auf das Thema des "mittelbaren Selbstmords", vorwiegend von Frauen und vorwiegend an Kindern verübt, aufmerksam. Sie inszenieren die Geschichte als Psychodrama mit Horror-Elementen – und erstaunlich vielschichten Charakteren. Fast niemand ist einfach böse, alle sind gefangen einer grausamen und weitgehend mitleidlosen Welt, in der es ums Überleben und die Angst vor der Hölle geht. Den allgegenwärtigen Dreck und Schweiß und das Blut scheint man förmlich zu riechen – aber auch das tiefgrüne Moos des Waldes, in den die junge Frau sich flüchtet, um durchzuatmen.

Teufel-Arbeit.jpg
© Ulrich Seidl Filmproduktion / Heimatfilm

Oberösterreich um 1750 sieht dabei aus, wie wir uns das Mittelalter in unseren Albträumen vorstellen. Hinrichtungen werden öffentlich vollzogen, vor-sich-hinmodernde Exekutierte werden wochenlang öffentlich zur Schau gestellt, nach einer Hinrichtung singt und tanzt das Volk um die kopflose Leich und trinkt das Blut. Abgehackte Finger und Zehen der Toten werden als Abwehrzauber verkauft. So etwas zeigt der Film ganz bewusst und im Detail und geizt rein gar nicht mit stark inszenierten Schockelementen. Das wiederum erleichtert es einem, die notwendige Distanz zu diesem ganzen Horror zu finden.

Dass der Film einem trotzdem nahekommt, ist den großartigen Hauptdarstellern zu verdanken. Die Musikerin Anja Plaschg (Soap&Skin) sollte ursprünglich nur den Soundtrack zum Film liefern – letztlich hat sie die Hauptrolle der jungen Ehefrau übernommen. Ein Kraftakt, den sie mit Bravour meistert. Ulrich-Seidl-Veteranin Maria Hofstätter gibt der Schwiegermutter raue Glaubwürdigkeit und David Scheid spielt einen Ehemann, den man in einem solchen Film so nicht erwarten würde.

Nichts für schwache Nerven und durchaus verstörend.

Worum geht's?

Um eine junge Frau in Oberösterreich um 1750 mit schwerer Depression inmitten einer zutiefst katholischen und abergläubischen Welt. Und um das Phänomen des mittelbaren Selbstmords in dieser Welt.

Für Fans von...

...Filmen von Ulrich Seidl.

Mein Lieblingsmoment

Agnes liegt im grünen Moos und atmet durch.

Kommentiere den Film oder den Eintrag

Titel

Orignaltitel

Des Teufels Bad

Englischer Titel

The Devil's Bath

Credits

Regisseur

Severin Fiala

Veronika Franz

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Flagge OesterreichOesterreich

Jahr

2024

Dauer

121 min.

Film-Emoji

😬

Impressum