Blog-Artikel von Andreas Tai

05.07.25 10:49

Filmfest München 2025: MISTRESS DISPELLER von Elizabeth Lo

Filmstill - eine Frau sitzt an einem Tisch mit Ihrem Handy

Dreiecksbeziehungen sind gar nicht so selten. Vielleicht sind sie sogar eher die Regel – denn wer ist schon "frei", wenn Liebende zueinanderfinden? Was folgt, wird dann schnell kompliziert. Glücklich ist am Ende niemand. Aber wie löst man so was? Nun, bei uns sicherlich nicht wie in China.

Immer ganz vorne mit dabei, wenn es um das Setzen von Trends geht, hat sich dort ein ungewöhnliches Business etabliert: das der sogenannten Mistress Dispeller. Der Service: Eine außereheliche Affäre wird professionell beendet und der oder die Untreue kehrt zum Ehepartner zurück.

Wer hier an Detektive oder dubiose Machenschaften denkt, liegt falsch. Zumindest in dem gleichnamigen Film ist ein Mistress Dispeller eine psychologische Fachkraft. Im Auftrag der Betrogenen gewinnt sie das Vertrauen aller Beteiligten und versucht mit einem ausgearbeiteten Plan die Situation so zu lösen, dass alle ihr Gesicht wahren können.

Am Anfang des Films wird in einer Eingangssequenz betont, dass der Film dokumentarisch gefilmt wurde und nichts gestellt ist. Man will Zweifel gleich zerstreuen, denn die Kamera filmt sehr intime Gespräche, in denen das Innerste nach außen getragen wird. Das ist faszinierend und erhellend zugleich. Emotionale Konstellationen werden sichtbar, die Dreieckskonstellation auf eine Metaebene gehoben – und von dort in die gewünschte Richtung gelenkt.

MISTRESS DISPELLER lief bereits auf den Filmfestspielen von Venedig und wurde dort mit begeisterten Kritiken bedacht.

29.06.25 21:45

Filmfest München 2025: Filmfest Talk mit Stellan Skarsgård

skarsgaard beim talk />

Begeistert gefeiert wurde beim Filmgespräch der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgård. Er ist nach München gekommen, um den CineMerit Award des diesjährigen Festivals entgegen zu nehmen. Bekannt ist er u.a. durch seine Rollen in Lars von Trier Filmen aber auch durch Hollywood-Produktionen und Streamingserien wie ANDOR. Auf dem Filmfest stellt er den in Cannes gefeierten Film SENTIMENTAL VALUE von Joachim Trier vor.

18.05.25 17:25

DOK.fest München 2025: WE ALL BLEED RED von Josephine Links

Schoeller beim Fotorgrafieren
Copyright Jan Erting

WE ALL BLEED RED ist kein klassisches Biopic – genauso wenig wie Martin Schoeller ein typischer Starfotograf ist. Natürlich hatte er bereits zahlreiche Prominente vor der Kamera: Barack Obama, Angelina Jolie, Jon Bon Jovi, Lady Gaga und viele mehr. Doch Schoeller geht es um mehr. In eigenen Projekten will er Menschen am Rand der Gesellschaft eine Stimme geben – und sie mit den Einnahmen aus diesen Projekten zugleich unterstützen.

Obdachlose und Transgender in L.A. oder indigene Amerikaner beim Powwow-Festival: Schoeller porträtiert sie in denselben großformatigen Nahaufnahmen, die ihn als Fotograf weltberühmt gemacht haben. Regisseurin Josephine Links konzentriert sich in ihrem Film auf genau diese Nebenprojekte Schoellers. Sie zeigt, wie Schoeller das Vertrauen seiner Gegenüber gewinnt und während des Fotografierens beiläufig sehr persönliche Gespräche führt. Die Regisseurin stellt dabei vor allem die Menschen vor Schoellers Kamera in den Mittelpunkt – und gibt ihnen Raum, ihre Geschichten zu erzählen.

Schoeller mit transgender person im gespräch
Copyright Marcus Winterbauer

So wird WE ALL BLEED RED nicht nur zu einem Künstlerporträt, sondern zu einer wichtigen Dokumentation über Ungleichheit in der amerikanischen Gesellschaft.

03.05.25 21:34

Crossing Europe 2025: Festivalpreise

Best Fiction Film

ANUL NOU CARE N-A FOST (The year that never came) von Bogdan Muresanu

filmstill year that never came

Bogdan Muresanu mit Moderator
Regisseur Bogdan Muresanu beim Publikumsgespräch auf der Crossing Europe 2025

Audience Award – Best Fiction Film

HOLY ROSITA von Wannes Destoop

filmstill holy rosita

Social Awareness Award – Best Documentary Film

THE FLATS von Alessandra Celesia

The flats filmstill width="540" height="304" />

YAAAS! Youth Jury

LA STORIA DEL FRANK E DELLA NINA (The Story of Frank and Nina) von Paola Randi

filmstill

Alle Preise der Crossing Europe 2025

Crossing Europe 2025: NULPEN von Sorina Gajewski

Vor einem Sonnenuntergang tragen Nico und Romona den Bruder von Romona


Die Zeit nach dem Abi ist wie ein Spiegel unserer Zerrissenheit in der Welt – eine Erfahrung, die wir selten so intensiv noch einmal machen. Sie ist zugleich ein großes Versprechen und der Blick in ein schwarzes Loch am Horizont. Freiheitsgefühl und Haltlosigkeit wechseln sich genauso ab wie Übermut mit Angst vor der Zukunft.

Die Story des Films ist schnell erzählt: Die besten Freundinnen Ramona und Nico lungern herum, nerven andere und flüchten aus der Wohnung von Nicos Mutter, nachdem sie den seltenen Vogel des Nachbarn in die Freiheit entlassen haben. Von da an treiben sie durch die Straßen Berlins, kümmern sich um Ramonas quirligen kleinen Bruder und kreuzen immer wieder die Flugbahnen des entflohenen Vogels.

NULPEN ist das Langfilmdebüt der ehemaligen DFFB-Studentin Sorina Gajewski – ein erfrischend frecher Coming-of-Age-Film, in dem die überzeugenden Nachwuchsschauspielerinnen Bella Lochmann und Pola Geiger das Lebensgefühl zwischen zwei Lebensphasen spürbar machen.

Crossing Europe 2025: DELL'ARTE DELLA GUERRA (On The Art of War) von Silvia Luzi und Luca Bellino

foto vom q and a
Silvia Luzi und Luca Bellino zusammen mit Moderator Neil Young beim Publikumsgespräch

Das diesjährige Tribute von Crossing Europe ist Silvia Luzi und Luca Bellino gewidmet. Bei einem Gespräch erzählen beide, wie überrascht sie zunächst waren, als sie die E-Mail mit dem Angebot des Festivals in ihrem Postfach fanden. Wird eine Hommage nicht eher an Leute vergeben, die nicht mehr leben? Aber ein Blick in die Historie der Festivalsparte beruhigte sie schließlich. Viele Geehrte befinden sich gerade auf dem Höhepunkt ihres Schaffens.

Im Rahmen der Werkschau stellten Luzi und Bellino am dritten Festivaltag DELL'ARTE DELLA GUERRA im Moviemento-Kino Linz vor. Der Film von 2023 rollt noch einmal die Geschichte um die Besetzung des letzten Stahlwerks von Mailand auf.

Als das INNSE-Werk geschlossen werden soll und begonnen wird, die Maschinen zu demontieren, klettern vier Arbeiter aus Protest auf einen Brückenkran in der Fabrik und harren dort acht Tage lang aus. Vor den Werkstoren werden sie dabei von Kolleg:innen und anderen solidarischen Aktivist:innen unterstützt.

Filmstill mit Mann vor Industrieruine

Silvia Luzi und Luca Bellino haben für ihren Dokumentarfilm drei Jahre in Mailand verbracht. Nachdem sie das Vertrauen des Unterstützercamps gewonnen hatten, konnten sie den Protest vor den Werkstoren filmen. Nach dem Ende der Protestaktion haben sie zusammen mit den vier Besetzern ein Skript entwickelt, kurze Sequenzen der Besetzung semi-dokumentarisch nachgefilmt und jeden auf Grundlage des Skripts – getrennt voneinander und in ihrer INNSE-Arbeitsmontur – die Geschichte der Besetzung, ihre Motive und ihre Strategie nacherzählen lassen. Dabei sitzen sie in großen, leeren Hallen von Industrieruinen.

Diese Vorgehensweise von Luzi und Bellino führt noch einmal zu einem nachträglichen Empowerment der Akteure über ihre eigene Geschichte und verdeutlicht die Einzigartigkeit in der Geschichte von Fabrikbesetzungen, in denen nicht kompromissbereite Gewerkschaften, sondern die Arbeiter selbst das Schicksal ihrer Zukunft bestimmen.

Crossing Europe 2025: Coming together

Sternenhimmel Aninmation
Animierter Sternenhimmel in der Ars Electronica

Crossing Europe ist ein Festival, das einem mit offenen Armen empfängt, jedes Jahr wieder. Das Festivalteam tut viel dafür, Filmemacher, Filmjournalisten und andere Filmprofessionals zusammen zu bringen. Dieses Jahr hatten die Festivaleiterinnen Sabine Gebetsroither und Katharina Riedler zusammen mit FAMA (dem Fachverband der Film- und Musikwirtschaft) in eines der bekanntesten Gebäude der Stadt eingeladen: dem ARS ELECTRONICA Center.

Feuerwerk Ars Electronica
Feuerwerk von der Dachterasse der Ars Electronica

Es war ein sehr kurzweiliger und interessanter Abend, an dem mir bei Tisch Silvia Luzi und Luca Bellino von ihrer wechselseitigen Unterstützung aber auch kleinen Kämpfen als Film-Paar erzählt haben, ich mich mit einer Kollegin von artechock über den Zustand Filmkritik in Tageszeitungen austauschen konnte, der Produzent von THE FLATS Jeremiah Cullinane bestätigt, wie schwierig es ist, heutzutage Dokumentarfilme ins Kino zu bringen, und der Filmcutter von NULPEN Raffaéllo Lupperger begeistert schwärmt, wie sich durch die Aufnahme des Erstlingswerks in den Wettbewerb von Crossing Europe sich viele neue Möglichkeiten ergeben haben. Auf dem Weg zurück ins Hotel entspann sich dann noch ein Gespräch mit dem Film-Tausendsassa Predrag Milojevic, der nicht nur Splatterfilme macht und für Wiener Theater auf der Bühne steht sondern auch das kleine Filmfestival von Trebenje nahe Dubrovnik organisiert.


01.05.25 19:31

Crossing Europe 2025: MILCH INS FEUER von Justine Bauer

justine_bauer_publish.jpg
Regisseurin Justine Bauer bei der Vorstellung ihres Films im Linzer City Kino

Die Regisseurin Justine Bauer stellte ihren Debütfilm MILCH INS FEUER auf der Crossing Europe persönlich vor. Entstanden ist eine behutsame, langsame und reduzierte Beobachtung des Alltags von Frauen auf familiär geführten Bauernhöfen. Männer treten nur am Rande in Erscheinung. Mit feinem Gespür für Rhythmus – sowohl in der Bildkomposition als auch im Erzähltempo – gelingt es der Regisseurin, eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Bis auf die Rolle der Mutter (wunderbar zurück genommen gespielt von Johanna Wokalek) hat Bauer überwiegend mit Laiendarstellerinnen gearbeitet, was dem Film eine große Authentizität und Natürlichkeit verleiht.

Filmstill - Hauptfigur Katinka liegt auf einem Schwimmreifen im Wasser und schaut gedankenverloren in den Himmel

In seiner fast semidokumentarischen Form fängt der Film das alltägliche Leben der jungen Mädchen und Frauen mit all Ihren kleinen wie großen Problemen aber auch magischen Momenten überzeugend ein.

Crossing Europe 2025: Sponsoren und Fördergeber

Zeichnung mit Händen die einen Kinosaal tragen

Ein Film-Festival wie Crossing Europe gibt es nur dank Fördergeber und Sponsoren. Fördergeber sind 2025 wieder das österreichische Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, das Land Oberösterreich, die Stadt Linz und CREATIVE EUROPE. Bei den Sponsoren und Veranstaltungspartnern arbeitet das Festival u.a. wieder mit der OÖ Landes-Kultur GmbH, dem Moviemento/City-Kino, Central, der Trumer Privatbrauerei und der Linz AG zusammen. Als neuer Sponsor konnte die FH Oberösterreich gewonnen werden. Hauptmedienpartner sind die Tageszeitung Der Standard, der ORF-Radiosender Ö1 und die Regionalzeitung Oberösterreichische Nachrichten.

Trotz dieser Kooperationen weist Crossing Europe darauf hin, dass die Lage durch steigende Kosten immer schwieriger wird. Das hemmt die Weiterentwicklung des Festivals. Wie andere Festivals ist auch Crossing Europe davon abhängig, dass die Förderbeiträge an die Inflationsrate angepasst werden.

Crossing Europe 2025: Angekommen

ok platz in linz

Immer wieder entzückt in Linz diese ungeheuer gechillte Atmosphäre des Crossing Europe Festivals. Bei bestem Wetter entspannen sich die Festivalgäste auf dem OK Platz.

eingang moviemento und OK Gebäude Linz

26.04.25 21:24

Crossing Europe 2025

banner crossing europe 2025

Vom 29. April bis 4. Mai wird Linz wieder zum Zentrum des europäischen Films: Das 22. Crossing Europe Filmfestival präsentiert 142 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus 42 Ländern und bietet dem Publikum einen Einblick in die sozialkritische und künstlerische Vielfalt der jungen europäischen Filmszene. Neben zahlreichen Uraufführungen und preisgekrönten Arbeiten stehen Filmgespräche, Panels und ein vielfältiges Rahmenprogramm auf dem Programm.

Im Festivalzentrum rund um den Ursulinenhof und die Kinos Moviemento, City-Kino und Central erwartet Besucher_innen eine entspannte Atmosphäre. Zu den Programmhöhepunkten gehören vier Wettbewerbssektionen sowie etablierte Spezialprogramme wie "Arbeitswelten", "Architektur und Gesellschaft" und "Nachtsicht" für fantastisches Kino. Ein Schwerpunkt ist dieses Jahr den italienischen Regisseur:innen Silvia Luzi und Luca Bellino gewidmet, die ihr neuestes Werk LUCE als Österreichpremiere präsentieren.

Ein weiterer Fokus liegt auf regionalen Produktionen: Der oberösterreichische Künstler und Umweltaktivist Edgar Honetschläger wird mit einem Special gewürdigt. Neu ist der CROSSING EUROPE Award Local Artist – Young Talent, der Arbeiten von Filmschaffenden in Ausbildung auszeichnet.

Rund 100 Filmschaffende aus dem In- und Ausland werden ihre Werke persönlich vorstellen. Daneben bietet das Festival neue Formate wie den Industry Afternoon zur europäischen Filmproduktion und beliebte Highlights wie die Nightline mit Konzerten und DJ-Sets. Für den Nachwuchs gibt es mit der YAAAS! Jugendschiene Workshops, Filmvorführungen und erstmals ein Kinoangebot für Kinder ab sechs Jahren.

22.02.25 20:00

Die Bären 2025

Goldener Bär für den Besten Film

DRØMMER (DREAMS) von Dag Johan Haugerud

zur Festivalblog-Kritik

Filmstill

© Motlys

Silberner Bär Großer Preis der Jury

O ULTIMO AZUL (THE BLUE TRAIL) von Gabriel Mascaro

Blue_Trail_klein.jpg

© 2024 Guillermo Garza / Desvia

Silberner Bär Preis der Jury

EL MENSAJE (THE MESSAGE) von Iván Fund

zur Festivalblog-Kritik

Filmstill

© Iván Fund, Laura Mara Tablón, Gustavo Schiaffino / Rita Cine, Insomnia Films

Silberner Bär für die Beste Regie

an Huo Meng für die Regie von SHENG XI ZHI DI (LIVING THE LAND)

Living_the_Land_klein.jpg

© Floating Light (Foshan) Film and Culture

Silberner Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle

an Rose Byrne für die Hauptrolle in IF I HAD LEGS I'D KICK YOU

Legs_klein.jpg

© Logan White / A24

Silberner Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle

an Andrew Scott für seine Rolle in BLUE MOON

zur Festivalblog-Kritik

Andrew_Scott.jpg

Silberner Bär für das Beste Drehbuch

an Radu Jude für das Drehbuch von KONTINENTAL '25

zur Festivalblog-Kritik

Filmstill

© Filmstill aus Kontinental '25

Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung

für das Kreative Ensemble von La TOUR DE GLACE (THE ICE TOWER)

zur Festivalblog-Kritik

Filmstill

© 3B-Davis-Sutor Kolonko-Arte-BR

BERLINALE DOKUMENTARFILMPREIS

HOLDING LIAT von Brandon Kramer

GWFF PREIS BESTER ERSTLINGSFILM

THE DEVIL SMOKES (AND SAVES THE BURNT MATCHES IN THE SAME BOX) von Ernesto Martinez Bucio

Goldener Bär Bester Kurzfilm

LLOYD WONG, UNFINISHED von Lesley Loksi Chan

Silberner Bär Preis der Jury - Kurzfilm

ORDINARY LIFE von Yoriko Mizushiri

21.02.25 13:28

Berlinale 2025: MONK IN PIECES von Billy Shebar

Wenn wir auf unser eigenes Leben zurückblicken, dann folgt das nicht der Dramaturgie eines Biopic. Wir schauen auf einzelne Momente und Phasen, die uns zu dem gemacht haben, was wir sind. Es ist wie ein Puzzle, dass nie ein kompletten Bild ergibt - und auch nicht ergeben kann. Wollen wir Mitmenschen verstehen, dann kann dies auch nur durch auslassende Blicke auf kurze, aufscheinende Episoden erfolgen. Es ist daher gut, dass Billy Shebar das Leben der Stimmkünstlerin, Komponistin und Performerin Meredith Monk nicht in ein chronologisches Korsett zwängt, sondern dem programmatischen Titel seines Films MONK IN PIECES folgt.

Die "Pieces" sind einzelne Fragmente, die Shebar wie Songs auf einem Konzeptalbum arrangiert. Die Abschnitte beleuchten jeweils einen Aspekt in Monks Leben und werden durch grafische Einblendungen eingeleitet, die an Albumcover erinnern.

Dazu gehören prägende Phasen wie die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Lebenspartner und Theaterkünstler Ping Chong, die Nicht-Beziehung zu ihrer Mutter Audrey Marsh, die als Radiosängerin wenig zu Hause war, und die frauenfeindliche Ablehnung einer männlich dominierten Kunstkritik, mit des sie sich zu Beginn ihres Schaffens konfrontiert sah. Der Film bestätigt das Bild, dass Kunst vor allem aus einem Mangel entsteht. Aus Harmonie entstehe keine Kunst, kommentiert Ping Chong im Film.

Meredith Monk erzählt mit ausladender Gester
© 110th Street Films

Von der bekommen wir viel zu sehen und zu hören. Monk hat dem Regisseur großzügig ihr Archiv zur Verfügung gestellt. Darin zeigt sich auch ein großer Unterschied zwischen egomanischen Künstlern wie Keith Jarret. Jarret hatte untersagt, dass in dem Berlinale Beitrag KÖLN 75 Ausschnitte aus seinem legendären Köln-Konzert verwendet werden. Auch Monk ist natürlich getrieben von einem starken Willen und dem Hang zur Perfektion. Anders als viele Ausnahmekünstler bleibt sie aber ein zutiefst sozialen Wesen. Sie schafft Kunst mit viel menschlicher Wärme und einer fokussierten Weichheit.

Shebar durfte auch den Alltag von Meredith Monk in ihrem Loft in New Yorks Stadtteil Tribecca filmen. Hier lebt und arbeitet sie bereits seit über 50 Jahren. Doch während das Loft in frühen Filmdokumenten wie eine positive Version von Andy Warhols Factory wirkte, sehen wir nun, wie sich die inzwischen 82-jährige alleine in der Küche ihren Kaffee zubereitet oder in dem ehemaligen Proberaum ihre Pflanzen gießt. Mit diesen anrührenden Aufnahmen weht durch MONK IN PIECES auch eine leichte Herbstbrise des Abschieds.

20.02.25 22:39

Berlinale 2025: Roter Teppich GEU JAYEONI NEGE MWORAGO HANI (What Does that Nature Say to You)

Hong Sangsoo in grauen Mantel auf roten Teppich der Berlinae

Etwas verfroren und leicht angeschlagen wirkte der koreanische Regisseur Hong Sangsoo, als er heute auf dem roten Teppich zur Premiere seines Films ankam. Hong Sang-soo ist so etwas wie ein Dauergast auf der Berlinale – er hat in hier bereits über zehn Filme präsentiert. Seit 2017 war er bis auf 2022 jedes Jahr mit einem Film auf der Berlinale vertreten, fünf davon liefen im Wettbewerb. Auch seinen Debütfilm mit dem schönen Titel DER TAG, AN DEM EIN SCHWEIN IN DEN BRUNNEN FIEL zeigte er bereits 1997 im Forum der Berlinale.

what_does_nature_say_to_you.jpg
© Jeonwonsa Film Co.

In GEU JAYEONI NEGE MWORAGO HANI (What Does that Nature Say to You) bleibt er seinem Stil treu. Mit viel Humor erzählt er beiläufig von dem Besuch eines jungen Mannes bei den Eltern seiner Freundin. Alles verläuft in einer sehr höflichen Atmosphäre mit kleinen Spitzen, und wie in anderen Filmen von Hong Sangsoo warten wir nur darauf, dass die Situation bei einem Essen mit viel Alkohol aus dem Ruder läuft.

19.02.25 22:11

Berlinale 2025: SORDA (DEAF) von Eva Libertad

filmstill - hector, angela und das baby - angela gebärdet gegenüber dem baby
© Distinto Films, Nexus CreaFilms, A Contracorriente

Es ist wie bei Lieblings-Musik: Man geht auch ins Kino, um verstanden zu werden. Man will nicht alleine sein mit der Art, wie man die Welt wahrnimmt. Menschen, die gehörlos sind, erleben die Welt fast ausschließlich visuell und nur in geringem Maße über Geräusche, Töne und Laute. Nur alle paar Jahr kommt ein Film auf die Leinwand, der sich die Mühe macht, diese Welt zu erschließen. SORDA gelingt dies - das zeigen die Reaktionen nach der Vorführung.

Ángela ist gehörlos und mit Héctor zusammen. Héctor ist hörend, kann aber fließend gebärden. Zu Beginn sehen wir, gut Ángela und Héctor harmonisieren. Doch Ihre Welt ändert sich: Ángela erwartet ein Baby. Plötzlich wird die Kluft zwischen ihr und der hörenden Umwelt wieder spürbar. Alte Verletzungen brechen auf. Ángela fühlt sich erneut allein, ausgegrenzt, weniger wertgeschätzt.

regisseurin, hauptdarstellerin und gebärdensprachdolmetscher auf der bühne
Eva Libertad, Miriam Garlo und ein spanischer Gebärdensprachdolmetscher

Die Regisseurin Eva Libertad kennt das Thema aus nächster Nähe. Die gehörlose Schauspielerin Miriam Garlo, die Ángela verkörpert, ist ihre Schwester. Der Wunsch, einen Film über sie zu machen, war der Ausgangspunkt für SORDA.

Eva Libertad gelingt ein sehr intimer Blick. Sie nähert sich Ángelas Gefühlswelt so nah, wie es mit der Kamera möglich ist. Sie verurteilt niemanden, sondern macht deutlich, dass es Anstrengungen braucht, um trotz unterschiedlicher Wahrnehmungen und Sprachen sich in einer gemeinsamen Welt zu begegnen.

Auch die Berlinale bemühte sich bei der Vorstellung im Cubix. Vier Dolmetscher:innen waren anwesend: zwei für die spanische und Gebärden- und Lautsprache und zwei für die deutsche Gebärden- und Lautsprache (DGS).

Viele gehörlose Zuschauer:innen nahmen dieses Angebot dankbar an. Der Film wurde von ihnen anschließend fast ausnahmslos gelobt.

Lieblingsmoment

Ángela badet in einem Gumpen und betrachtet die Lichtreflexionen des Wassers an den Felsen.

Besonders gefallen hat mir...

Die große Natürlichkeit, mit der die Beziehung zwischen Ángela und Hector dargestellt wird.

18.02.25 16:31

Berlinale 2025: Pressekonferenz zu BLUE MOON von Richard Linklater

Ethan Hawke und Richard Linklater


Nach 11 Jahren ist der US-amerikanische Regisseur Richard Linklater wieder auf der Berlinale. Für BOYHOOD erhielt er 2014 den Silbernen Bären für die beste Regie. Damals wie heute mit dabei: Ethan Hawke, der in BLUE MOON die Hauptrolle des Songwriters Lorenz Hart spielt

Einer auf der Bühne war 2014 garantiert noch nicht mit dabei:

Qualley bei PK mit Hündchen auf dem Schoß

Das Hündchen von Margaret Qualley. Doch nach einigen Minuten im Rampenlicht wurde es von der Bühne gelassen. Margaret Qualley spielte zuletzt in THE SUBSTANCE das junge Alter Ego von Demi Moore. In BLUE MOON ist sie Elizabeth Weiland, die Muse von Lorenz Hart wurde.

Linklater auf  Pressekonferenz

Da es im Film unter anderem auch um die Anbiederung der Kunst an den Massengeschmack geht, wurde auch Linklater gefragt, ob er bei seinem Berlinale-Beitrag die Publikumswirksamkeit mit einkalkuliert habe. Doch Linklater versicherte, keine Kompromisse eingegangen zu sein, wie auch sonst bei seinen Filmen. BLUE MOON sei eine Low-Budget-Produktion, es gebe daher keinen Druck. Er und sein Team könnten das umsetzen, was immer sie auch für richtig halten - ohne Test-Sceenings oder Ähnliches.

Ethan Hawke auf Pressekonferenz

Hawke betonte, wieviel Zeit es in Anspruch genommen habe, sich in die Dynamik der Dialoge einzufühlen, um auch längere Szenen so zu spielen, dass die Zuschauer nicht in ihren Sitzen einschlafen.

17.02.25 17:15

Berlinale 75: QUEER AS PUNK von Yihwen Chen


Von links nach rechts: Lisabona Rahman, Regisseurin Yihwen Chen, Faris, Yon und Yoyo

Die Berlinale 75 ist zugleich die letzte Berlinale für das Arsenal am Potsdamer Platz. Gestern Abend zeigte sich, was dieses Kino so besonders gemacht hat. Schon vor der Vorführung des Films QUEER AS PUNK war die Stimmung am Kochen, und als die Bandmitglieder der LGBT-Punkband „Shh...Diam!“ dann nach der Vorstellung auf die Bühne kamen, gab es kein Halten mehr.

Natürlich sind Faris, Yon und Yoyo die Säulen von QUEER AS PUNK. Insbesondere die Schlagfertigkeit und Ironie des Transmanns Faris verleihen dem Film eine unterhaltsame Leichtigkeit – trotz des ernsten Themas.

Filmplakat mit Faris, Yon und Yoyo, die auf einer Straße mit extravaganten Outfits posen
© Queer As Punk

Gleichgeschlechtlicher Sex kann in Malaysia mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden. Neben der staatlichen Kriminalisierung erfahren Menschen mit nicht heterosexueller Orientierung auch Diskriminierung und Bestrafung durch das islamische Scharia-Recht.

Trotzdem versteckt sich die Band "Shh...Diam!" nicht. Sie geben im In- und Ausland Konzerte und setzen sich aktiv für LGBT-Rechte ein. Auch der Film selbst kann als Teil dieses Kampfes betrachtet werden. Neben zahlreichen Konzertaufnahmen dokumentiert er auch die Transitionsgeschichte von Faris. Durch die Offenheit von Faris, Yon und Yoyo macht QUEER AS PUNK nicht nur gute Laune, sondern gibt auch allen Mut, die sich aus Angst vor Verfolgung nicht trauen, sich zu outen.

Berlinale 2025: DIE MÖLLNER BRIEFE von Martina Priessner

Ibrahim Arslan und eine Frau schauen auf einen Brief, den die Frau damals geschrieben hat
Ibrahim Arslan und eine der Briefeschreiberin von 1992, © inselfilm produktion

Als die Regisseurin Martina Priessner vor fünf Jahren begann, DIE MÖLLNER BRIEFE zu drehen, hätte sie nicht gedacht, dass wir in Deutschland noch einmal an dem Punkt stehen würden, an dem wir uns heute befinden. Beim Publikumsgespräch nach der Vorführung des Films im Cubix 5 am Alexanderplatz verband sie ihre Worte mit einem dringenden Appell, am 23. Februar wählen zu gehen. Priessners Film macht deutlich, warum.

Regisseurin Martina Priessner
Regisseurin Martina Priessner

Der Berlinale-Panorama-Beitrag DIE MÖLLNER BRIEFE widmet sich einem ungeheuerlichen Vorgang: Nach den Mordanschlägen in Mölln durch Neonazis, in der Ratzeburger Straße 13 und der Mühlenstraße 9, erhielt die Stadt Mölln fast 1.000 Beileids- und Solidaritätsbekundungen aus ganz Deutschland. Sie waren zu 90 % an die Opferfamilien gerichtet. Der Haken: Die Stadt hat die Briefe nie weitergeleitet. 27 Jahre lang. Nur durch einen Zufall erfuhr Ibrahim Arslan, der als Kind aus den Flammen gerettet wurde, dass die Briefe die ganzen Jahre im Archiv der Stadt Mölln gelagert wurden.

Der Film zeigt Ibrahims hartnäckige Auseinandersetzung mit der Stadt Mölln und seine integrativen Bemühungen, die eigentlichen Opfer des Anschlags ins Zentrum des Gedenkens zu rücken. Unter den drei Todesopfern des Anschlags waren seine Schwester Yeliz Arslan und seine Großmutter Bahide Arslan. Sein Bruder Namik, damals erst acht Monate alt, wurde von seiner Mutter Hava Arslan aus dem Fenster des brennenden Hauses geworfen. Nachbarn fingen ihn mit einem Tuch auf.

Priessner gelingt, was in der Aufarbeitung ähnlicher Anschläge oft scheitert: Sie gibt den Opfern Raum. In aufwühlenden Szenen wird deutlich, wie tief das Trauma bei Ibrahim, seinem Bruder Namik, bei seiner nach dem Anschlag geborenen Schwester Yeliz (die den Namen der verstorbenen Schwester trägt) und vor allem seiner Mutter Hava Arslan sitzt. Priessner lässt sie erzählen, zeigt, was die Anschläge mit ihnen gemacht haben, aber auch, wie sie versuchen, sich daraus zu befreien.

Die zum Teil kooperativen Gespräche mit dem jetzigen Bürgermeister von Mölln und dem Stadtarchivar sind kühl und immer sehr förmlich. Sie machen deutlich, wo damals wie heute die Grenze zwischen dem "Wir" der Dominanzgesellschaft und dem "Ihr" der migrantischen Bevölkerung verläuft. Nicht zu Unrecht stellt eine Zuschauerin die Frage, ob die Briefe auch zurückgehalten worden wären, wenn die Opfer zur "Wir"-Gesellschaft gehört hätten.

Doch der Film gibt auch Hoffnung. In den eingeblendeten Briefe von damals können wir lesen, wie beschämt, solidarisch und mitfühlend Kinder, Jugendliche und Erwachsene an die Familie Arslan geschrieben haben. Die Hoffnung ist, dass solche Menschen, weiterhin eine Mehrheit bilden können und die Grenze zwischen dem "Wir" und dem "Ihr" überwinden.

16.02.25 15:50

Berlinale 2025: KÖLN 75 von Ido Fluk

filmstill-vera brandes läuft durch eine straße
© Wolfgang Ennenbach / One Two Films

So viel Spoiler sei erlaubt: wer erwartet, etwas vom Köln Konzert zu hören, wird enttäuscht sein. Kein einziger Tastenschlag des legendären Konzerts wird erklingen. Aber das ist ja auch das Prinzip des Films. Die Off-Stimme stellt es gleich zu Beginn klar und bemüht einen Vergleich mit Michelangelo: Die Deckenmalereien in der Sixtinischen Kapelle in Rom sind atemberaubend – aber ist es nicht ein Wahnsinn, dass überhaupt ein Gerüst gebaut wurde, um in dieser Höhe malen zu können? OK, verstanden! Doch ist das "Gerüst" des Köln Konzerts wirklich so spannend, dass es einen abendfüllenden Kinofilm tragen kann? Ja - denn das Gerüst heißt Vera Brandes.

Ich verstehe nicht viel von Jazz, aber selbst ich habe schon etwas von Vera Brandes gehört. Keith in allen Ehren, aber für das deutsche Musikbusiness ist auch sie eine Legende. Bereits mit 15 Jahren hat sie begonnen, für Jazzgrößen Konzerte zu organisieren. Der Film zeigt die erste Phase ihres Aufstiegs - von den ersten Schritten bis zu ihrem Meisterstück im Kölner Opernhaus im Januar 1975.

Wir erleben, wie Vera Brandes bei einem Konzert in einer Eisdiele den britischen Jazz-Saxophonist Ronnie Scott anspricht, mit ihrer jugendlichen Clique ein Business aufbaut und sich von ihrem autoritären Vater lossagt. Atemlos rennen wir mit ihr durch die Straßen, ins Funkhaus des WDR und ins Kölner Opernhaus. Vera und ihre Freunde sind dabei stets beflügelt von jugendlicher Euphorie – es müssen die Hormone sein, denn Red Bull gab es damals ja noch nicht.

Das Ganze ist unterhaltsam und versprüht den Charme der 70er-Jahre. Tatsächlich erinnert der Film mit seinem überdrehten Drive an Produktionen aus dieser Zeit. Nebenbei erfährt man ein wenig über Jazzgeschichte, die unglaublichen Hindernisse rund um das Köln Konzert und eine schwierige Phase in der künstlerischen Entwicklung von Keith Jarrett. Dazu geschenkt bekommen wir noch die wunderbare Darstellung von Veras Eltern durch Ulrich Tukur und Jördis Triebel, die wirkt, als wäre sie aus einem Familienalbum dieser Zeit entsprungen.

Und doch: Der Film surft zwei Stunden auf einer Welle, ohne sich viel Zeit für Tiefe zu nehmen. Das ist an sich völlig in Ordnung. Vielleicht ist es einfach nur ein Film für ein deutlich jüngeres Publikum als mich.

Worum es geht

Eine 18-jährige organisiert ein Konzert, dessen Aufnahme zu der meistverkauften Klavier-Soloplatte aller Zeiten wird. Außerdem: Female Empowerment und "Never give up!"

Für Fans von

Feel good movies

Lieblingsmoment

Keith Jarrett, sein deutscher Tourmanager und der amerikanische Musikjournalist scheppern in einem R4 in tiefster Nacht über die Autobahn von Lausanne nach Köln.

15.02.25 18:04

Berlinale 2025: PK zu Köln 75

Bild von vielen leeren Stühlen auf der Pressekonferenz

Natürlich wünscht man sich etwas anderes zu der Weltpremiere seines Films. Doch abseits des Wettbewerbs haben es Film nun mal schwer, Aufmerksamkeit zu bekommen - und so muss man mit einer Handvoll Journalisten zufrieden sein, die zu der Pressekonferenz erscheinen. Dabei ergibt sich dann dann auch zum Glück die Gelegenheit für Regisseur Ido Fluk, das Geheimnis zu lüften, warum es in KÖLN 75 vom eigentlichen Konzert nichts zu hören gibt.

fluk.jpg
Regisseur Ido Fluk - Copyright festivalblog.com

Keith Jarrett hat schlichtweg keine Erlaubnis dafür gegeben. Anscheinend möge er das Köln Konzert nicht, so Fluk. Auch sonst habe er jede Zusammenarbeit verweigert, wie Keith Jarrett- Darsteller John Magaro bestätigt. Dieser Umstand sei sein persönlicher "Bösendörfer" gewesen, so Regisseur Fluk. Wer das verstehen will, muss sich entweder den Film anschauen oder auf Wikipedia nachschauen. ; )

14.02.25 17:24

Berlinale 2025- PK zu A COMPLETE UNKNOWN mit Timothée Chalamet

Timothée Chalamet auf Pressekonferenz


Die Erwartungen an Timothée Chalamet sind hoch. Im vergleichsweise kleinen Staraufgebot der Berlinale soll er für Glanz und Glamour sorgen. Entsprechend groß war heute auch der Fan-Andrang vor dem Hyatt Hotel, wo er als einziges Mitglied der Filmcrew des Bob-Dylan-Biopics A COMPLETE UNKNOWN eine Pressekonferenz gab.

Seit zwei Monaten reist er nun um die Welt, um den Film von James Mangold vorzustellen – eine vergleichsweise kurze Zeit im Gegensatz zu den fünf Jahren, die er sich auf diese Rolle vorbereitet hat. Eines wird schnell klar: Er ist ein leidenschaftlicher Fan von Dylan, Mangold und dem Film selbst.

In Berlin zeigt sich Chalamet zwar übermüdet, aber dennoch gut gelaunt. Ein BVB-Shirt trägt er übrigens nicht – es ist ein Vintage-Shirt aus den 90ern des US-Fußballclubs Columbus Crew.

Berlinale 2025: PK mit Tilda Swinton

Tilda Swinton im Profil
Copyright festivalblog.com

Pressekonferenzen anlässlich der Verleihung des Ehrenbären sind immer etwas Besonderes. Statt Lobhudelei und Filmpromotion gibt es die Gelegenheit, tiefer in die Welt einer Filmkünstler:in einzutauchen. Die Gespräche mit Michael Ballhaus, Martin Scorsese und Steven Spielberg sind mir hier besonders in Erinnerung geblieben. Ob das gelingt, liegt natürlich stark an der Moderation. Die neue Festivalchefin Tricia Tuttle begnügte sich mit 3 Sätzen zur Einleitung und überließ dann Tilda Swinton den Fragen der Journalist:innen. Eine gute Idee?

Tricia Tuttle und Tilda Swinton auf PK
Copyright festivalblog.com

Aus meiner inzwischen zwei Jahrzehnten umfassenden Erfahrung auf der Berlinale eher nicht. Ohne den Kolleg:innen zu nahe treten zu wollen, muss man ob der Belanglosigkeit der Fragen selbst oft schlucken. Doch wenn ich bereits bei Scorsese und Spielberg ihre Geduld bewundert habe, dann konnte Swinton das noch einmal toppen.

swinton_2.jpg
Copyright festivalblog.com

Mit einer ausgewiesenen britischen Höflichkeit bedankte sie sich bei jedem der Fragesteller mit Namen. Dann beantwortete sie jede einzelne Frage mit vereinnahmender Offen- und Ernsthaftigkeit.

Sie hob noch einmal die Bedeutung der Berlinale für ihre Filmkarriere hervor. Vor fast 40 Jahren gewann sie hier einen der ersten Berlinale Teddy Awards für ihre Darstellung in Derek Jarmans THE LAST OF ENGLAND.

Swinton entschied sich bewusst dafür, den Berlinale-Preis anzunehmen, um das Festival auch als Plattform zu nutzen. In der Pressekonferenz zeigte sie deutlich ihre Sympathien für die BDS- (Boycott, Divestment and Sanctions) Kampagne.

Eine Frage nach ihrem ersten Filmerlebnis brachte ein interessantes Detail zum Vorschein: Besonders beeindruckt hatte sie als Achtjährige der Kurzfilm POWERS OF TEN von Charles und Ray Eames. Der Film ist auf YouTube verfügbar.

13.02.25 23:28

Berlinale 2025: Bärmas

Selten bekommt man zwei Wünsche gleichzeitig erfüllt. Dieses Jahr scheinen aber Weihnachten und die Berlinale zusammenzufallen.

Berlinalepalast und davor Schneetreiben

Wenn ein Winterfestival, dann auch ein richtiges!!

Fahrräder in der Nacht bedeckt mit Schnee, verschneite Bäume mit Lichterketten

Berlinale Fahrzeug im Schnee

04.01.25 18:01

Tilda Swinton erhält den Goldenen Ehrenbären der Berlinale 2025

Porträtfoto von Tilda Swinton
© Brigitte Lacombe

Die Berlinale ehrt die schottische Schauspielerin Tilda Swinton bei den 75. Internationalen Filmfestspielen Berlin mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk. Die Verleihung findet am 13. Februar 2025 während der Eröffnungsgala im Berlinale Palast statt.

Swinton hat in ihrer Karriere u.a. mit den Regisseuren Derek Jarman, Jim Jarmusch, Luca Guadagnino und Bong Joon Ho zusammengearbeitet. Ihre Rollen umfassen Werke wie ORLANDO (1992), MICHAEL CLAYTON (2007) und ONLY LOVERS LEFT ALIVE (2013). Zuletzt war sie in ASTEROID CITY (2023), THE KILLER (2023) und THE ROOM NEXT DOOR (2024).

Die Berlinale hat für Swinton eine besondere Bedeutung, da sie 1986 mit Derek Jarmans Caravaggio erstmals das Festival besuchte. Seitdem war sie in 26 Filmen des Berlinale-Programms vertreten. 2009 war Tilda Swinton Jurypräsidentin des Festivals.

Impressum