Blog-Artikel von Andreas Tai

25.04.08 20:00

Internationales Frauenfilmfestival Dortmund Köln 23. - 27. April 2008

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Heute hat man die letzte Gelegenheit auf das Frauenfilmfestival in Dortmund/Köln zu gehen. Bereits seit Mittwoch konnte man sich in 95 Filme einen Überblick über das Filmschaffen von Frauen weltweit verschaffen. Ein Schwerpunkt liegt (ähnlich wie beim Panorama der Berlinale) auf dem Thema Queer und Transgender. Parallel haben Studenten der FH Köln auf einem "Festival-Blog" ; ) das Festival mit Rezensionen, Filmausschnitte, Backstage-Stories begleitet.

24.04.08 12:00

EMAF - 23. - 27. April 2008 Osnabrück

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Das European Media Art Festival (EMAF) widmet sich dieses Jahr dem Thema IDENTITY. Es geht um die Veränderungsprozesse von Identität, Privatleben und Gesellschaft durch die Globalisierung und durch Pervasive Computing (der digitalen Durchdringung unseres Alltags).
Zu sehen sind im Filmprogramm u.a. James Bennings RR und Guy Maddins My Winnipeg. Neben der spannenden Multimedia-Austellung "Young identities-Global Youth" gibt es auch einen "Idendity-Kongress" auf dem u.a. der Mediewissenschaftler Norbert Bolz und der Politologe Ralf Bendrath sprechen werden.

Mehr Infos auf der sehr ansprechenden Festivalseite .

02.04.08 9:44

Nippon Connection - Japanese Film Festival 2. bis 6. April 2008

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Freunde des japanischen Films sollten sich schnell nach Frankfurt aufmachen, denn hier sind ab heute bis zum kommenden Sonntag über 130 Filme aus dem Land der aufgehenden Sonne zu "besichtigen". Das Japanese Film Festival gibt es bereits seit acht Jahren und hat mit 13 Filmen angefangen. Die Steigerung um 1000% ist ein Beleg für die große Beachtung, die die verschiedenen Genres des japanischen Films in Deutschland genießen.

Im Programm der Sektion Nipon Cinema sind viele aktuelle Filme aus den Jahren 2006 und 2007. Manche sind bereits auf der diesjährigen Berlinale gezeigt worden, wie z. B. der Preisträger für den besten Erstlingsfilm "Asyl – Park and Love Hotel" von Kumasaka Izuru, aber im Programm sind immerhin auch 13 Deutschlandpremieren, die um den Nippon Cinema Award konkurrieren. Weitere Sektionen sind NIPPON DIGITAL mit einer Auswahl an Animations-, Kurz- und Dokumentarfilmen sowie NIPPON RETRO mit dem vielversprechenden Titel "Wizards of japanese independent Animation, 1960s - Today".

Alles in allem ein vielversprechendes Programm, dass einen kurzen Trip in die Bankenstadt lohnenswert macht.

25.02.08 19:29

5 Oscars für Berlinale Filme

Man muss Dieter Kosslick eines lassen: einen guten Draht nach Hollywood hat er. Gleich fünf Oscars gingen an Filme, die dieses oder letztes Jahr im Wettbewerb der Berlinale liefen. Daniel Day-Lewis, der vor zwei Wochen noch eine Massenhysterie am Potsdamer Platz ausgelöst hat, bekam den Oscar „Bester Hauptdarsteller“ für seine Rolle als Daniel Planview in "There will be blood". Das neue Werk von Paul Thomas Anderson wurde auf der letzten Berlinale von den Kritikern als Aspirant für den Goldenen Bären gehandelt, bekam aber "nur" den Silbernen Bären für die Beste Regie. Zum Trost gab es gestern noch einen Extra Oscar für die beste Kameraarbeit. Marion Cotillard, die letztes Jahr trotz ihrer herausragenden Leistung in dem Eröffnungsfilm der Berlinale 2007 "La vie en Rose" keinen Bären mitnehmen durfte, bekam gestern den Oscar „Beste Hauptdarstellerin“ für ihre Rolle der Edith Piaf (Ätsch!!!). Wer Marion Cotillard als Edith Piaf und gestern als Marion Cotillard gesehen hat, der muss einsehen, dass "La vie en rose" auch für das "Makeup" mit einem Oscar ausgezeichnet werden musste. Ebenfalls im letzten Jahr auf der Berlinale lief der österreichische Film "Die Fälscher" von Stefan Ruzowitzky. Er gewann gestern den Oscar für den besten ausländischen Film.

16.02.08 20:25

Bärenvergabe

Goldener Bär

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(Quelle: Berlinale)

"Tropa de Elite" von José Padilha

Weitere Bären:

Silberner Bär - Darsteller

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(Quelle: Berlinale)

Reza Najie für seine Rolle in Avaze Gonjeshk-ha (The Song Of Sparrows)


Silberner Bär - Darstellerin

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(Quelle: Berlinale)

Sally Hawkins für ihre Rolle in "Happy-Go-Lucky"

Silberner Bär - Regie

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(Quelle: Berlinale)

Paul Thomas Anderson für "There will be blood"

Silberner Bär - Großer Preis der Jury

Errol Morris für "Standard Operating Procedure"

Silberner Bär - Künstlerische Leistung

Jonny Greenwood für den Soundtrack "There will be blood"

Silberner Bär - Drehbuch

Wang Xiaoshuai für Zuo You

Bester Erstlingsfilm

Asyl-Park and Love Hotel von Kumasaka Izuru

Alfred-Bauer-Preis

Lake Tahoe von Fernando Eimbcke

Das Schaulaufen....

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(Quelle: Berlinale)

...auf dem roten Teppich hat begonnen. In einer halben Stunde werden dann die Bären vergeben. Wir werden berichten.

Preise der "Unabhängigen" Jurys

Jedes Jahr, am Samstag kurz vor Ende der Berlinale, werden im familären Kreis die Preise der unabhängigen Jurys vergeben. In vielen Jahren waren sie auch wegweisend für die Vergabe der Bären am Abend des gleichen Tages. Dieses Jahr gingen die Preise u.a . an:

Preise der ökumenischen Jury - Wettbewerb

Il y a longtemps que je t'aime... von Phillippe Claudel


Preise der ökumenischen Jury - Panorama

Boy A von John Crowley


Preise der ökumenischen Jury - Forum

Corridor 8 von Boris Despodv


Manfred Salzgeber Preis

Megane von Naoko Ogigami


Dialogue en Perspektive


Drifter von Sebastian Heidinger




Leserpreis Berliner Morgenpost



Il y a longtemps que je t'aime... von Phillippe Claudel




Tagesspiegel

Good Man Dog von Singing Chen

Panorama Publikumspreis

Jenseits von Filmkritik und Jury Diskussionen hat jedes Jahr im Panorama das Publikum das Wort. Es ist schon bemerkenswert, wie vor jeder Vorstellung im Panorama u.a. von Sektionsleiter Wieland Speck die Zuschauer animiert werden, die Stimmkarten auszufüllen. Die prämierten Filme sind immer sehenswert und oft zeigte das Publikum mehr Kompetenz als prominent besetzte Jurys. Letztes Jahr hat Lucy Walkes "Blindsight" gewonnen. Dieses Jahr war die israelisch-deutsch-französische Co-produktion "Lemon Tree" am beliebtesten.

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Namensgebend für den Film sind die Zitronenbäume von Salma Zidane, die in einem kleinen Palästinenserdorf in der Westbank lebt. Während für Samla Zidane die Bäume ihre gesamte Familiengeschichte repräsentieren, sind sie für die Personenschützer des israelischen Verteidigungsminister, der nebenan ein Haus baut, ein Sicherheitsrisiko. Sie wollen die Bäume abholzen. Doch Samla Zidane gibt sich nicht geschlagen und kämpft für die Bäume vor Gericht.

Salma Zindane wird von Hiam Abbass gespielt, die dem westlichen Publikum insbesondere durch "Paradise Now" bekannt geworden ist. Letztes Jahr war sie Mitglied der Internationalen Jury.

Bärenrätsel

Da der Film Knut und seine Freunde nicht für den Berlinale Wettbewerb aktzeptiert wurde, ist ein Bär bereits aus dem Rennen. An wen werden aber die restlichen Bären vergeben? Was sind eure Tips?

Tips siehe unten:

"Derek" von Isaac Julien

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Ich habe noch nie einen Film von Derek Jarman gesehen, aber Mitte der Neunziger tauchte der Name Derek Jarman immer wieder auf, sei es in Gesprächen mit Freunden, in Artikeln oder in Interviews mit Künstlern. Besonders faszinierte mich die Idee seines Films "Blue". Als Ausdruck für die Situation des damals durch seine HIV-Erkrankung fast erblindeten Jarman sieht man die ganze Zeit nur eine blaue Leinwand. Aus dem Off erklärt Jarman seine "Sicht" der Dinge. Seit Jarmans Tod 1994 ist das Werk des wegweisenden Künstlers langsam in Vergessenheit geraten. Ehemalige Mitstreiter von Derek Jarman, allen voran die Schauspielerin Tilda Swinton und der Regisseur Issac Julien, versuchen nun mit "Derek" dieser kulturellen Amnesie entgegenzuwirken.

In „Derek“ wird eines der letzten Interviews mit Derek Jarman zusammengeschnitten mit home-movie footage von Jarman und seiner Familie, Archivmaterial, Super-8 Arbeiten und Ausschnitten aus seinen Filmen wie z. B. dem Debüt Sebastiane(1976), dem Punk Film Jubilee (1977) oder Caravaggio (1986), der den Beginn der Zusammenarbeit mit Tilda Swinton markiert. Zusammengehalten werden die Bilder durch das voiceover von Tilda Swinton, die Letter to an angel rezitiert, einen Brief, den Swinton acht Jahre nach dem Tod des Regisseurs mit großer Resonanz im Guardian veröffentlichte.
„Derek“ ist wie ein Blitzlicht, das noch einmal die inspirierende Kraft von Derek Jarmans Person und seinem Werk in groben Pinselstrichen aufleuchten lässt. Der Film ist kein biografischer Nachruf auf einen verstorbenen Künstler. Im Gegenteil: mit viel Liebe, Herz und Entschlossenheit werden die Ideen Jarmans und seine gemeinschaftsbildende Art Filme zu machen wieder in die Gegenwart geholt. Auf der Pressekonferenz und nach der Premiere des Films sagte Tilda Swinton wie krank es sie mache, wenn sie vor jungen Filmstudenten steht, die nach einer Anleitung für ein selbstbestimmtes Kunstwerk suchen und von Derek Jarman noch nie etwas gehört haben. „Derek“ soll daher jungen Filmemachern Mut machen, ihre Werke nicht als Produkt sondern als Kunst zu begreifen, die das freie Gedankenexperiment nicht scheut und einen Standpunkt in der Gesellschaft nicht leugnet. Es ist aber auch ein Aufruf an die ehemaligen Weggefährten Jarmans, wieder zusammenzufinden und die damals begonnene Arbeit fortzusetzen.
Neben dem Film "Derek" gibt es drei weitere Initiativen, Derek Jarmans Werk wieder öffentlich zu machen: am 23. Februar wird eine von Isaac Julien kuratierte Ausstellung in der renommierten Londoner Serpentine Gallery eröffnet, gleichzeitig wird der von Film London und More4 co-finanzierten Jarman Award für „individual artist film-makers whose risk-taking work resists boundaries and conventional definition“ ausgeschrieben und zu guter Letzt bringt die Edition Salzgeber ab 21.02.2008 Derek Jarmans „Blue“ wieder in deutsche Kinos.

"Diorthosi" ("Correction") von Thanos Anastopoulos

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Der Film beginnt mit der Entlassung von Yorgos aus dem Gefängnis. Wie ein Fremdkörper bewegt er sich durch die chaotischen Straßen Athens. Er ist verschlossen, redet kaum, nur wenn er muss. Das Geheimnis seiner Tat, die ihn ins Gefängnis gebracht hat, trägt er in sich. Nicht durch Worte sondern durch das Zusammensetzen der verschiedenen Szenen des Films, kommt der Zuschauer diesem Geheimnis am Ende auf die Spur.

Regisseur Thanos Anastopoulos nimmt sich Zeit seine Geschichte zu erzählen. Im dokumentarischen Stil beobachtet die Kamera wie Yorgos seine ehemaligen Freunde aus dem "Hooligan"-Umfeld wiedertrifft, einer jungen Frau und ihrer Tochter hinterher spioniert und versucht sich als Obdachloser auf der Straße "einzurichten". Die Zurückhaltung des Regisseurs und das Vertrauen auf die Erzählkraft von Gesten, Bewegungen und Körperhaltungen seiner Schauspieler hat sich ausgezahlt. Mit einfachen Mitteln wird dem Zuschauer eine Geschichte um Schuld und Sühne und das Zusammenleben verschiedener Kulturen in der sehr nationalistisch geprägten Gesellschaft Griechenlands näher gebracht. Während der Film stilistisch voll überzeugen kann, ist nicht alles an der Handlung nachvollziehbar und die Täterperspektive bekommt wieder einmal mehr Raum als die Sicht der Opfer.

Anlass zu der Idee von "Diorthosi" war Tod eines albanischen Fans nach dem Fußballspiel Griechenland gegen Albanien am 13. November 2004. Im ersten Spiel der EM-Qualifikation verlor der damals frisch gekürte Europameister mit 2:1. Ausgelassen feierten viele Albaner in den Straßen Griechenlands den Sieg ihrer Mannschaft. Dieses empfanden viele Griechen als Provokation und es kam zu schweren Ausschreitungen.

15.02.08 10:08

"Megane" (Glasses) von Naoko Ogigami

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Hurra! Wir sind im Urlaub!!!! Mitten im Berliner Winter im Cinestar 8. Das blaue Meer strahlt uns entgegen, wir spüren den Strand unter unseren Füssen und zu den entspannten Menschen möchten wir uns sofort dazugesellen. 90 Minuten leben wir ein Leben, das aus nicht vielmehr besteht als aus Morgengymnastik, viel gesundem japanischem Essen und Gespräche ohne viel Sinn.

Der Film „Megane“ macht Spass. Vielleicht weil wir uns so gut mit Taeko identifizieren können. Das Kriterium, mit dem sie sich ihre Urlaubsinsel ausgesucht hat, entspricht der geheimen Sehnsucht des durchdigitalisierten Bürgers: "no cell phone reach". Auch sonst ist ihre Urlaubsinsel eine kleine ereignislose Oase. Natürlich wundert sich Taeko schon etwas über einige Sonderlichkeiten: sie ist der einzige Gast in ihrer Pension und jeden Morgen beim Aufwachen sitzt Saruko, eine Frau mit silbergrauen Haar, neben ihrem Bett, um sie mit "Good morning. Another beautiful day" zu begrüßen. Außerdem ist die wichtigste Beschäftigung auf der Insel "twilightning" (zu deutsch etwa: vor sich hin dämmern).
Zunächst lehnt Taeko es ab, die allmorgendliche "Merci Gymnastik" am Strand mitzumachen oder das berühmte gehexelte Eis aus Sarukas Strandbar zu probieren. Doch dann muss sie sich dem entwaffnenden Charme eines entspannten Lebens, das sich nicht hinterfragt, geschlagen geben.
Wer Urlaub macht und nicht so richtig "runterkommt" vom Alltagsstress, sollte sich vielleicht zur Einstimmung erst einmal diesen Film anschauen. Es ist ein entspannter Film mit stummfilmähnlicher Bildsprache und ein lustiger Gegenentwurf zu unserem gehetzten, an Meilensteinen orientierten Leben.

14.02.08 19:00

"With Gilbert & George" von Julian Cole

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Dokumentarfilme über Künstler sind immer dann eine spannende Angelegenheit, wenn sie nicht nur das künstlerische Werk nachzeichnen, sondern auch dem Menschen jenseits seiner Kunst auf der Spur sind. Das ist bei dem Gilbert & George natürlich nicht so einfach, schließlich begreift das Künstlerduo, das insbesondere durch seine großformatigen Fotocollagen bekannt wurde, auch sein Leben selbst als Kunstwerk.

Teil der Kunst von Gilbert ist auch der Regisseur von "With Gilert & George" Julian Cole. Mitte der 80er Jahre hat Cole für Gilbert und George als Fotomodell gearbeitet. Durch diese Zusammenarbeit entstand einerseits eine Freundschaft mit den beiden Künstlern und andererseits war es der Beginn einer Langzeitdokumentation über Gilbert und George, die erst letztes Jahr abgeschlossen wurde.
Das Ergebnis der langjährigen Beobachtung ist ohne Zweifel gehaltvoll. Wichtige Entwicklungslinien werden nachgezeichnet: vom ersten großen Erfolg als Gilbert & George mit der Performance "The Singing Sculpture", über den kommerziellen Durchbruch auf dem Kunstmarkt mit ihren Fotocollagen bis zur Verdrängung des Fotolabors durch die digitale Technik. Auch Idee und Umsetzung ihres Slogans "Art for all", Auswirkungen persönlicher Schicksalsschläge auf ihre Kunst und der Umschwung von Ablehnung hin zur Vereinnahmung ihrer Kunst durch die offizielle Politik werden deutlich. Allerdings wird man das Gefühl nicht los, das auch der Film eine Selbstinszenierung von Gilbert & George ist. Die Freundschaft des Regisseurs ist bestimmt ein Segen für den Film, denn durch die gemeinsame Vertrauensbasis ist die Kamera näher dran am Leben der beiden Künstler. Auf der anderen Seite entsteht die Nähe vielleicht aber auch nur dadurch, weil Gilbert und George wussten, dass nur das gezeigt wird, was sie selbst wollen. So ist "With Gilbert & George" ein kurzweiliges und interessantes Porträt eines Freundes geworden, aber sicherlich kein unbefangener Blick hinter die Kulissen.

Madonna Happening: Berlinale turns wild

Nachdem ich beim Eingang zu der Pressekonferenz von Madonnas Film "Filth and wisdom" von der Meute der wartenden Journalisten fast zerquetscht worden wäre und nach zwei Stunden Warten und Sitzplatzverteidigung, stelle ich mir schon die Frage, ob die Wirkung des Berlinalefiebers nicht doch ein wenig schädlich ist. Als der Tross um Madonna aber endlich Einzug hält, werde ich für alles Leid entschädigt. Der Begeisterungspegel im Saal geht in den roten Bereich. Ohne auch nur ein Ton gesagt zu haben, wird Madonna von den Journalisten begrüßt wie nach einem besonders gelungenen Gig.

In der nächsten Stunde zeigt sie, warum sie eine der wenigen Menschen im Show Business ist, für die das Wort Star noch uneingeschränkte Gültigkeit hat.
Dominant wie in den Werbe-Clips und anderen Selbstinszenierungen hat sie die Journalisten immer voll im Griff. Schlagfertig antwortet sie auch auf die etwas "weniger durchdachten Fragen" wie z. B. von einem norwegischen Kollegen:

"You have the Song Erotica in the film, which was written fifteen years ago. How much mean the content of the song to you now...I mean you are now married and have kids".

Madonna: "I don't know who told you that once you are married there is no erotic in your live....Are you married?"

Journalist: "No, I am Single..."

Madonna: Pause... (lacht etwas ungläubig) .."OK"....Pause..."Well, come back and talk to me when you are married."

Ansonsten outet sie sich als Godard (!) - Fan, spricht von ihrer Jugend in der Provinz, wo ihr die Gay Community gezeigt hat, was Toleranz bedeutet und dass sie trotz ihres materiellen Erfolges immer noch dieselben Sinnfragen umtreiben wie vor 30 Jahren.

Alles könnte kitschig und abgehoben erscheinen, aber zu meiner großen Überraschung kommt sie sehr "down to earth" rüber. Zum Schluss holt der Hauptdarsteller Eugene Hutz seine Gitarre hervor und spielt noch einen Song. Noch immer stoned von Madonnas Charme klatscht der ganze Saal mit. Beim Rausgehen sehe ich in glückliche Gesichter und glänzende Augen und mir wird klar, dass ich gerade in dem wirklichen Madonna Film war.

13.02.08 23:01

Pressekonferenz zu "Kabei" mit Yoji Yamada

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Wenn Filme von Yoji Yamada auf der Berlinale aufgeführt werden, dann haben die anschließenden Pressekonferenzen immer etwas ehrfurchtsvolles. Der Respekt vor dem Werk des 76 jährigen japanischen Regisseurs liegt in der Luft. Verstärkt wurde diese Aura noch durch die Anwesenheit der Hauptdarstellerin Sayuri Yoshinaga und der Autorin Teruyo Nogami, deren autobiographische Geschichte "Requiem for a father" die Vorlage für "Kabei" bildete. Für die in Japan sehr populäre Schauspielerin Sayuri Yoshinaga ist "Kabei" bereits der 112ter Film. Teruyo Nogami ist Teil der japanischen Kinogeschichte. Die 81-jährige Autorin und ehemalige Managerin von Kurosawa Production hat seit "Rashomon" (1950) über 40 Jahre lang mit dem Akira Kurosawa als script supervisor zusammengearbeitet.

Der geschichtliche Aspekt stand dann auch im Vordergrund der Pressekonferenz. Es gäbe zu wenig Filme über die Zeit vor und während des pazifischen Krieges, so Yoji Yamada und ihm sei es daher ein besonderes Anliegen gewesen einen Film darüber zu machen. Der Regisseur wollte seinen Film auch als Denkanstoß für die Gegenwart verstanden wissen und mahnte: "Wenn man Geschichte vergisst, wiederholt sie sich." Er kritisierte (so direkt wie es japanische Konventionen eben erlauben) die zunehmende militärische Aufrüstung seines Landes, die nicht durch die Verfassung gedeckt ist.

Auch wenn sich „Kabei“ mit der Zeit um den pazifischen Krieg beschäftigt, zeigt er dennoch nicht direkt die Gewalt des Krieges. Er hätte das Gefühl gehabt, dass dieses zu seinem Film nicht gepasst hätte, so Yamada. Außerdem wolle er nur über Dinge des Lebens drehen, die er auch selbst erlebt habe. Er sei z. B. noch nie dabei gewesen, wenn jemand von einer Kugel getroffen worden sei und deshalb könne er dieses auch nicht verfilmen. Wichtig sei ihm gewesen, den Mut und die Kraft der Frauen in Erinnerung zu rufen, die unter Entbehrungen der damaligen Zeit die Familie zusammengehalten hätten.

Sehr zufrieden zeigte sich die Autorin Nogami mit der Verfilmung ihrer Vorlage. Yamada habe einen großen Film aus ihrer kleinen Geschichte gemacht. Einige biografische Details wie den Briefwechsel zwischen dem Vater Nagomis, der wie die Hauptfigur Anfang der vierziger Jahre auf Grundlage des Peace Preservation Laws inhaftiert worden war, hatte Yamada unverändert übernommen. Auch die Hauptdarstellering Sayuri Yoshinaga fühlte sich dem Film persönlich verbunden. Sie sah in dem Zusammenhalt der kleinen Familie im Film ein Sinnbild für die globale Verbundenheit der Menschheit.

Bei soviel Einigkeit auf dem Podium und im Saal wirkte die Schärfe mit der die "Berlinale-Ordner " auf Fotos von Journalisten ohne Fotoakkreditierung vorgingen etwas deplatziert. So wurde eine Frau, die die Ermahnungen der Saalordner nicht zu fotografieren wiederholt ignoriert hatte, am Ende der Pressekonferenz von den Saalordnern gebeten mitzukommen. Was hinter den Kulissen dann mit ihr geschah, wird wohl Berlinale Geheimnis bleiben.

"Ecstasy of the Angels" von Wakamatsu Koji

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Was wäre in Deutschland wohl los gewesen, wenn es in den siebziger Jahren einen Softporno über die RAF gegeben hätte? Dass die Grundidee gar nicht so abwegig ist, wie man zunächst denkt, zeigt „Ecstasy of the Angels“ von Wakamatsu Koji.

Im Mittelpunkt des Skandalfilm aus dem Jahre 1972 steht eine revolutionäre Bewegung, die aus einem amerikanischen Militärlager Sprengstoff klaut, um damit Anschläge auf öffentliche Ziele zu verüben. Als der Sprengstoff jedoch auf einmal zur Verfügung steht, entbrennt ein interner Kampf welche Kommandozelle die Bomben für seine Zwecke nutzen darf. Dabei tauscht die Avantgarde untereinander nicht nur Agitprop-Parolen aus. Ein Großteil des Films besteht aus Sexszenen, in denen die Genossen und Genossinnen mit den Codenamen Herbst, Oktober, Montag oder Freitag ihren Körper in den Dienst der Sache stellen.

" Ecstasy of the Angels " gehört zu dem speziell japanischen Genre der Pink Eiga oder eroductions, die Anfang der siebziger als Antwort des Kinos auf die Konkurrenz des Fernsehens verstärkt produziert wurden. Pink Eiga lassen sich nicht als seichte Softpornos abtun. Für viele ambitionierte Regisseure boten Pink Eiga überhaupt erst die Möglichkeit einen Film zu realisieren. Sie mussten eine Mindestanzahl an Sexszenen in ihren Film unterbringen, waren in der Gestaltung der Rahmenhandlung und der filmischen Mittel aber frei. Wakamatsu Koji hat diese Freiheit radikal ausgenutzt. Er experimentiert mit dem Wechsel von Schwarz-Weiß- und Farbfilm und unterlegt den Film mit der Musik des Trio um den Pianisten Yosuke Yamashita, die damals die konservative Jazzszene mit ihrem Free Jazz aufgemischt haben. In der Darstellung der linken Bewegung zeigt Wakamatsu Koji zwar die internen Intrigen und die Brutalität der Mittel, distanziert sich aber auch nicht ausdrücklich von den revolutionären Parolen. Dies mag auch der Vorlage von Masao Adachi liegen, der sich später der militanten Japanischen Roten Armee anschloss. In Japan sorgte "Ecstasy for the Angels" für großes Aufsehen gesorgt. Bald nach Fertigstellung des Films wurden tatsächlich Anschläge auf Polizeistationen in Tokio verübt. Der Film konnte schließlich nur in einem einzigen Kino aufgeführt werden.
Obwohl aus heutiger Sicht die Mischung aus revolutionärer Rahmenhandlung und Softcore einer gewissen Situationskomik United Red Army nicht entbehrt, ist " Ecstasy of the Angels " ein bedeutendes Filmdokument des unabhängigen japanischen Kinos, das die Grenzen der Filmgenres ignoriert.

„Ecstasy of the Angels“ ist Teil einer kleinen Wakamatsu Koji Retrospektive im Programm des Forum. Neben den zwei Frühwerken „Secrets Behind the Wall“ und „Go, Go Second Time Virgin“ ist auch sein aktueller Film „United Red Army“ zu sehen, eine drei stündige Dokufiction über die Japanische Rote Armee zu sehen.

12.02.08 14:30

"Die Besucherin" von Lola Randl

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Dass etwas im Leben von Agnes nicht in Ordnung ist, merkt man gleich in den ersten Minuten. Sie überfährt einen Mann, der sich nach ihrer Version vom Balkon gestürzt haben muss. Wo soll der Mann auch sonst auf einmal hergekommen sein?

Fast unberührt von diesen Geschehnissen feiert sie später ihren Geburtstag. Agnes funktioniert wie eine Maschine und erwartet dieses auch von den anderen. Als erfolgreiche Neurowissenschaftlerin bringt sie das Geld ins Haus. Ihr Mann Walter kümmert sich um die gemeinsame Tochter und regelt den Haushalt. Alles scheint geregelt, doch eine Spur von Glück sucht man im strengen, bestimmenden Gesicht von Agnes vergebens.

Als ihre Schwester Karola spontan verreist und ihr die Schlüssel zu einer Wohnung gibt, die Karola eigentlich selbst hüten soll, öffnet sich plötzlich eine Fluchttür, um aus einer nicht mehr lebensfähigen Realität auszubrechen. In der Wohnung, wo sie eigentlich nur die Blumen gießen soll, wird Agnes mit einer tragischen Geschichte konfrontiert. Als der Bewohner der Wohnung Bruno plötzlich auftaucht während Agnes im fremden Bett schläft, beginnen sie ihren Geschichten einen schon längst angelegten Verlauf zu geben.

"Die Besucherin" von Lola Randl ist ein starkes Debütwerk. Besonders das exzellente Spiel der beiden Theaterschauspieler von den Münchner Kammerspielen, Sylvana Krappatsch und André Jung, macht den Film zu einer faszinierenden Studie über Ausfallbewegungen von Charakteren, denen ihr normaler Lebensalltag keine Möglichkeiten zur Neujustierung ihres Schicksals bietet. „Die Besucherin“ ist sicher kein Feelgood-Movie. Aber wir wissen ja, dass der Satz aus dem indischen Berlinale Beitrag Om Shanti Om „When it is not happy - that it is not the end“ für deutsche Filme eher selten zutrifft.

11.02.08 15:16

"Elegy" von Isabel Coixet

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Was macht Liebe auf der Leinwand glaubhaft? Sind es Gesten, Blicke, Tränen oder Küsse? Sind es Situationen, die wir in uns wiederfinden? Wie das Gefühl selbst, kann man es wohl schwer festmachen. Schwer zu sagen, weshalb mich die Liebe zwischen dem 60 jährigen Professor David Kepesh und seiner jungen Studentin Consuela lange kalt lässt.

Vielleicht kommt die Kühle von Kepesh, gespielt von Ben Kingsley, der in sich selbst gefangen ist, unfähig die Kontrolle über sein unkontrolliertes Leben abzugeben. Genauso wie sein Dichterfreund George (Dennis Hopper) erlaubt ihm sein Erfolg auch im Alter ein ungebundenes Liebesleben mit jungen Studentinnen fortzuführen. Doch der typische Mann, der sich nicht binden will, kommt dann ins Wanken, wenn er sich verliebt, ohne es zu wollen. Kepesh’s Studentin Consuela (Penélope Cruz) wird nicht zu einer seiner Affären, sondern zu der Frau, nach der David Kepesh nie gesucht hat. Für ihn ist es aber nicht der siebte Himmel, sondern eine Hölle. Er leidet. Warum soll Sie gerade ihn, den 30 Jahre älteren Professor lieben und treu bleiben? Die Angst des Verlustes beginnt mit dem ersten Gefühl der Liebe und macht ihn panisch.

Wie ein Sinnbild steht Ben Kingsleys maskuliner kahler Kopf für die glatte Selbstsicherheit von Kepesh. Eindrucksvoll verkörpert Kingsley einen Mann, der hilflos auf die vielleicht erste Erfahrung von Liebe reagiert. Penelope Cruz hat es dagegen schwer von ihrem Image als Model-Schauspielerin loszukommen. Zweifellos ist sie eine gute Wahl für den Part der Consuela. Allerdings wird die Liebe von Kepesh fast ausschließlich auf den Körper von Consuela reduziert und so steht allein durch das Drehbuch das makellose Aussehen von Penélope Cruz und ihre verführerischen Blicke im Vordergrund. Cruz selbst reagierte auf der Pressekonferenz ungehalten auf die Debatte, ob ihr gutes Aussehen sie als seriöse Schauspielerin disqualifiziere (wenig hilfreich dabei waren sicherlich die vielen Werbeplakate auf denen Cruz omnipräsent für den Berlinale Sponsor L'Oreal wirbt.

In "Elegy" ist Penelope Cruz außergewöhnliches Aussehen neben der Unzugänglichkeit der Kepesh Figur ein weiter Grund, warum sich in Isabel Coixet neuestem Werk "Elegy" dem Zuschauer lange keine Zeit keine Möglichkeit zur Anteilnahme bietet. Erst als zum Schluss die Sicherheiten wegbrechen, löst sich die Distanz zu den Figuren.

Erfrischend in diesem Film, in der die Tragik der Bilder und der Musik (u.a. Erik Satie) oft nicht mit der erzählten Geschichte in Deckung zu bringen ist, ist insbesondere Dennis Hopper in der Rolle des besten Freundes von Kepesch.

10.02.08 13:55

"Le premier venu" von Jacques Doillon

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Manchmal ist Schicksal nicht dass, was einem zufliegt, sondern das, was vor einem flüchtet. Wie sonst ist es zu erklären, dass Camille immer noch um Costa wirbt, nachdem er beim ersten Zusammentreffen auf ihre Hingabe nur mit Gewalt antworten kann. Nicht nur der Zuschauer auch Costa selbst kann Camille nicht begreifen.

Costa entzieht sich ihr, doch die zwanzigjährige Camille hat ihren Glauben, dass Costa der "Auserwählte" ist. Der Auserwählte hat nur ein Kriterium zu erfüllen: er muss der Erstbeste sein, "Le premier ventu", der Erstbeste, der sie braucht.
Diesem will Camille ihre Liebe schenken. Diese schein Costa auch dringend nötig zu haben, denn er hat im Leben so ziemlich alles vermasselt: er war im Gefängnis, ist abhängig und hat seine kleine Tochter seit Jahren nicht mehr gesehen. Voller Selbstverachtung und Aggression glimmt die Hoffnung auf ein anderes Leben nur noch sehr schwach. Camille dagegen hat noch alles vor sich und in ihrer jugendlichen Suche nach den Möglichkeiten des Lebens, will sie dem Schicksal nicht seine vorgezeichnete Bahn lassen. Entgegen allen Widerständen versucht sie als engelsgleicher Machiavelli der Liebe die Lebensfäden um Costa neu zu binden. Damit bringt sie sich, Costa und einen Polizisten, der sich in Camille verliebt hat, an den Rand einer Katastrophe.

Nach 16 Jahren ist der französische Autorenfilmer Jacques Doillon ("Le petit crimenel", "Ponette") wieder auf die Berlinale zurückgekehrt. 1992 war er das letzte Mal mit "Le jeune Werther" im Wettbewerb vertreten. In "Le premier venu" finden sich wieder die Hauptthemen im Werk von Doillon: Dreiecksbeziehungen und Gefühlswelten von Jugendlichen auf ihrem Weg in die Welt der Erwachsenen. Sein Film ist nah an seinen Figuren und doch der Realität entrückt. Die Dialoge zwischen Camille, Costa und dem Polizisten haben keine Hintertür. Sie sind direkt und ehrlich. Die Gefühle und Gedanken liegen offen zu Tage. Es sind philosophische Exkurse über Liebe und die Schicksalshaftigkeit des Lebens, die ohne weiteres auch als Hörspiel aufgeführt werden könnten. Wer sich auf die Unglaublichkeit des Filmes einlässt, der erlebt nicht nur eine faszinierende Clémentine Beaugrand in ihrem Filmdebüt sondern auch eine ungewohnte filmische Erzählweise, die nie vorhersehbar ist.

08.02.08 15:11

"Tribu" von Jim Libiran

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Gangfilme haben schon seit jeher ihren festen Platz in der Kinogeschichte. Von der Verfilmung der "West Side Story" durch Robert Wise (1961), Coppolas "The Outsiders" (1983) und John Singletons "Boyz n the Hood" (1991) beschäftigen sie sich alle mit dem perspektivlosen Kampf rivalisierender Jugendgangs und der Spirale aus Gewalt und Gegengewalt. „Tribu“ steht in gewisserweise in dieser Tradition und ist doch ganz anders.

Der philippinische Regisseur Jim Libirian hat eine Dokufiction über den Alltag von Jugendgangs im Tondo gedreht. Der Tondo ist ein Stadtteil von Manila und gilt als einer der ärmsten Regionen der Philippinen. Die durchschnittliche Einwohnerdichte pro km2 liegt bei 65.000 (zum Vergleich: Berlin hat ca. 4000 Einwohner pro 2). Tribu wurde nicht an künstlichen Sets mit professionellen Schauspielern gedreht wurde sondern mitten in den Slums des Tondo mit den Mitgliedern rivalisierender Gangs als Darsteller. Kern der Geschichte ist der Mord an einem Gangmitglied durch eine rivalisierende Gruppe. Der Ruf nach Vergeltung wird laut und alles läuft auf einen unheilvollen Showdown zu. Die Rahmenstory, die sich so oder in abgewandelter Form in fast allen Gangfilmen wiederfindet, ist aber nicht das wichtigste in Libirians Debütfilm. In Zentrum stehen vielmehr die Alltagsrituale der Jugendlichen und wie sie versuchen, sich mit ihrer eigenen Interpretation des Gangsta- Cliché in den Slums von Manila eine Identität aufzubauen. Wichtigstes Ausdrucksmittel ist dabei ihre Musik, eine Art Freestyle Gangsta Rap in der Sprache Tagalog, eine der meist gesprochenen Sprachen auf den Philippinen.

Ohne zu moralisieren gelingt es Libirian dem Zuschauer eine Lebenswelt zu öffnen, zu der die Öffentlichkeit bisher keinen Zugang hatte. Die Energie des Rap- Soundtracks, die von den Hauptdarstellern selbst komponiert wurde, und das beeindruckende Spiel der Laiendarsteller geben dem Film eine außergewöhnlich authentische Qualität. Der Titel "Tribu" steht stellvertretend für die Message des Films, der nicht nur Kunstwerk sondern auch ein soziales Projekt darstellt: während der Dreharbeiten, haben sich die schwer bewaffneten rivalisierenden Gangs zu einer Gang, zu einem "Tribu" zusammengeschlossen und bestehende Grenzen überwunden.

07.02.08 21:58

"My Winnipeg" von Guy Maddin

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Wem kommen nicht immer wieder im Traum Szenen aus unserer Heimatstadt. Wir sehen die Läden, in denen wir als Kind gekauft haben, die Familie oder das Elternhaus. Dann spüren wir plötzlich wieder diese Fluchtbewegung, den Wunsch unsere Heimatstadt für immer zu entfliehen.
Diese Fluchtbewegung kann unser Leben prägen und unsere Träume bestimmen. Künstler haben dabei einen großen Vorteil: sie träumen öffentlich.

Guy Maddin weiß diesen Vorteil zu nutzen. In 80 Traumminuten in schwarz weiß flüchtet er aus und durch seine Heimatstadt Winnipeg. Er kombiniert dabei historische Szenen aus der Geschichte Winnipegs mit einer inszenierten Nachinszenierung seiner eigenen Kindheit. Auf der Suche nach einer Möglichkeit seiner Geschichte zu entkommen, mietet er sein altes Elternhaus an und lässt seine Mutter zusammen mit Schauspielern, die Vergangenheit noch einmal aufleben. Die Grenzen des Realen und der Fiktion verschwimmen hier genauso, wie bei den historischen Materialien, die Maddin über Winnipeg zusammenträgt, wie z. B. den alljährlichen Treasure Hunt, dessen Gewinner das bekommt, wonach sich die Offstimme Maddins so sehr sehnt: eine Fahrkarte raus aus Winnipeg.
"My Winnipeg" fasziniert mit seinen immer neuen Einfällen Biografie und Stadtgeschichte zu einer surrealen Mischung durcheinander zu wirbeln. Besonders gespannt darf man sein auf die Aufführung am Freitag Abend im Delphi, wenn Maddin die Offstimme live einsprechen wird.

Jury schmeisst hin

So schlimm ist es natürlich nicht. Aber sehr selten ist es schon, wenn zwei prominente Jurymitglieder am Tag der Eröffnung absagen. Susanne Bier muss plötzlich in die USA fahren, um dringende Vorberereitungen für ihren nächsten Film zu treffen. Sandrine Bonnaire legt ihr Mandat nieder. Zwar hat sie nichts politisch unkorrektes gesagt, was ja in Deutschland bekanntlich häufiger der Fall ist, aber sie kann aus familiären Gründen nicht die ganze Zeit auf der Berlinale sein. Wenn Dieter Kosslick allen Prominenten bei der Stoned Eröffnungsgala ein Busserl gibt, wissen wir schon jetzt, was er ihnen ins Ohr flüstert: "Willst du nicht?"

06.02.08 23:44

Kontrollzone Berlin

Schon auf der Einfahrt nach Berlin wurde mir gestern klar: dieses Jahr ist irgendetwas anders. Auf Las Vegas ähnlichen Leuchttafeln wird man schon auf der Autobahn darauf hingewiesen, dass man nicht mehr "einfach so" nach Berlin City reinfahren darf: nur noch plakettiert. Sonst: Kontrolle, 40 Euro, ein Punkt in F.

Am nächsten Morgen am Potsdamer Platz scheint dagegen wieder alles so wie ich es letztes Jahr zurückgelassen habe. Gleich im Foyer des Pressezentrum tönt mir das Sprachgewirr aus Schwedisch, Spanisch, Koreanisch und Chinesisch entgegen. Eingelullt von den Schwingungen des Wohlbekannten bezahle ich weihnachtsselig meine 40 Euro, die hier viel besser aufgehoben sind, und bekomme dafür meinen Festivalausweis. Dazu ein kleines weißes Blatt Papier. Doch so unschuldig wie es tut ist es nicht:

Karten, die Akkreditierte holen sind nur noch mit Festivalausweis gültig. Dies wird gewährleistet durch: Kontrolle, sonst: draußen bleiben.

Ich suche Zuflucht im Netz und dort wartet auch schon eine Email der Berlinale auf mich: Fotos auf Pressekonferenzen, nur noch von akkreditierten Fotografen. Das war eigentlich schon immer so, jedoch war man sehr liberal, wenn Journalisten einen Schnappschuss von De Niro gemacht haben ohne Fotografenplakette zu tragen. Das hat jetzt aber ein Ende. Jetzt gibt es: Kontrolle und wenn Foto ohne Plakette, dann Akkreditierung weg.

Etwas irritiert über den rauen Berlinale Wind beende ich den Tag -1 vor dem Start morgen. Ich frage mich, ob sich Berlin und sein Festival verändert haben, ob der undiskrete Charme dieser Stadt und seiner Kulturinseln alldeutschem Regelungssport weichen wird. Vielleicht bin ich in 10 Tagen schlauer.

Übrigens: das Kontrolle auch sein gutes hat, beweisst die neueste Ausgabe von Kinokarate.

07.01.08 12:00

Berlinale Shorts unter neuer Leitung

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Eine neues Gesicht in der Riege Sektionsleiter: Maike Mia Höhne arbeitet seit Sommer letzten Jahres als Kuratorin für die Sektion Berlinale Shorts. Erst 2007 ist diese Sektion geschaffen worden, nachdem die bis dahin getrennten Kurzfilmbereiche von Panorama und Wettbewerb aufgelöst wurden. Dieser Akt war nicht unumstritten und sicher auch ein Grund für den Weggang von Margaret von Schiller aus dem Panorama Team.

Der berufliche Hintergrund von Maike Mia Höhne verspricht ein spannendes Kurzfilmprogramm, denn sie hat bereits als Autorin, Produzentin, Regisseurin und Darstellerin gearbeitet. Sie hatte z. B. auch eine Nebenrolle in Grbavica, dem Gewinnerfilm der Berlinale 2006. Wir wünschen von in jedem Fall von dieser Stelle viel Erfolg.

02.01.08 18:48

Doku-Fantasy eröffnet Programm des Forums

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Guy Maddin auf der Berlinale 2007 (Quelle: Berlinale)

Wie 2007 wird auch dieses Jahr das Programm des Forums wieder durch ein neues Werk des kanadischen Regisseurs Guy Maddin eröffnet. "My Winnipeg" ist Maddins persönliche Sicht auf seine Heimatstadt Winnipeg, die in Kanada wegen ihrer langen Winter auch Winterpeg genannt. Der Regisseur beschreibt seinen Film als Doku-Fantasy: eine Mischung aus Dokumentaraufnahmen, Inszenierungen, Familienfotos und alten Filmausschnitten. Nach "Cowards Bend the Knee" und "Brand Upon the Brain!" ist "My Winnipeg" der dritte Teil einer Art "me-Triologie".


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Generalprobe zu Brand upon the Brain! auf der Berlinale 2007 (Quelle: Berlinale)

Maddins letztjährige Aufführung von "Brand upon the Brain! " in der Deutschen Oper, die von einem 34 Mann starken Orchester und Isabella Rossellini als Kinoerzählerin begleitet wurde, war ein großer Erfolg. Auch "My Winnipeg" hat wieder Live Elemente. Diesmal wird Guy Maddin selbst die Rolle des Erzählers übernehmen.
"My Winnipeg" ist bereits im Oktober 2007 auf dem Toronto Film Festival gezeigt worden und hat dort den Publikumspreis gewonnen. Gemeinsam mit "My Winniepg" im Programm sind Isabella Rossellinis 1-Minuten Kurzfilme "Green Porno". Verkleidet als Glühwürmchen, Spinne und Libelle erkundet sie das Liebesleben der Insekten.

31.12.07 11:20

Kleine Sensation im Panorama Programm

Wer monatelang fast unbemerkt hart und unermüdlich arbeitet, der freut sich, wenn er anderen endlich eine Ahnung von den Früchten seiner Arbeit geben kann. Eine besondere Genugtuung müsste dieses für den Leiter der Panorama Sektion Wieland Speck gewesen sein, denn er hatte wohl die im Vorfeld größte Nachricht, die sofort in der ganzen Presse verbreitet wurde: Megastar Madonna wird ihre erste Regiearbeit "Filth And Wisdom" als Weltpremiere im Panorama zeigen. Ob sie auch zur Berlinale anreisen wird, ist allerdings noch offen. Wieder einmal ist das Panorama die Sektion, in der Popkultur und Underground am dichtesten beieinander sind. Neben Madonnas Werk sind 12 weitere Filme bestätigt u.a. von Bruce La Bruce, Zero Chou und Brad Anderson.

27.10.07 18:24

Alle Jahre wieder....

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Heinz Badewitz moderiert das Gespräch mit Wayne Wang an.

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Wayne Wang beim Gespräch, in dem er sich nicht nur über seinen neuen Film "A Thousand Years of Good Prayers", sondern auch über seine nicht immer konfliktfreie Zusammenarbeit mit Paul Auster geäussert hat. Bald mehr dazu.

25.09.07 19:00

Pressekonferenz zu: "Reclaim your Brain" von Hans Weingartner

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Hans Weingartner

Vom Publikum mit Szenenapplaus bedacht wurde der neue Film von Hans Weingartner ("Die fetten Jahre sind vorbei", "Das weisse Rauschen").

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Moritz Bleibtreu

Das Anarcho-Märchen mit Moritz Bleibtreu hat frischen Wind in den Wettbewerb gebracht und ist ein Riesenspass zum Thema Fernsehverdummung. In Deutschland kommt der Film als "Free Rainer - Dein Fernseher lügt" in die Kinos. Mehr zu diesem Film bald an dieser Stelle.

Filmpause

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The shadow of Paul

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Im Schatten der Scheinwerfer betritt Paul Auster die Pressekonferenz zu seinem Festivalbeitrag "The inner life of Martin Frost".

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Er zeigt sich etwas mürrisch und erwartet anscheinend von den Kritikern nicht, dass sie seinen Film lieben. Es gibt allerdings von einigen (spanischen) Journalisten dann doch Lob. Die Höflichkeit gebietet es anscheinend, den Film nicht zu verreissen, denn in San Sebastian schätzt man sich glücklich, Paul Auster dieses Jahr als Jury Präsidenten gewonnen zu haben.

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Sophie Auster, die Tochter von Paul Auster, spielt eine Nebenrolle im Film ihres Vaters.

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Paul Auster war von Iréne Jacobs Charisma in den Kieślowski Filmen "Die zwei Leben der Veronika" und "Drei Farben: Rot" so begeistert, dass sie für ihn die Idealbesetzung für die Rolle der Claire war, der grossen Musse und Liebe des Martin Frost.

24.09.07 21:00

Farben sind relativ

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Beispiel: Rot in San Sebastian

Kino im Jugendstil

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Nach langen Umbauten ist seit diesem Jahr das 1912 erbaute, beeindruckende Teatro Victoria Eugenia wieder einer der Austragungsorte für das Filmfestival. Auch wenn uns der Film "Ploy", der neue Film des thailändischen Regisseurs Pen-ek Ratanaruang (u.a. Invisible Waves), nicht lange halten konnte, hat sich allein der Besuch dieser charismatischen Spielstätte gelohnt.

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23.09.07 21:00

"The inner Life of Martin Frost" von Paul Auster

Das Problem mit Literaturverfilmungen ist kein Neues. Der Leser hat sich seine Vision von einem Buch gemacht und seine eigenen Figuren erschaffen. Im Film ist aber alles ganz anders. Dieser bekommt dann gegenüber der Leseerfahrung eine „destruktive“ Kraft, gegen die man sich wehrt. Der Film wird dem Buch nicht gerecht, denkt man und ärgert sich, einen Teil seiner Vorstellungskraft im Kino verloren zu haben.

Nicht gerade selten wehrt sich auch die Autorenseite gegen Verfilmungen ihrer Werke. Natürlich haben auch sie eine ganz bestimmte Vorstellung, eine Idee, die sie mit dem Buch verfolgen. Es ist verständlich, dass sie sich freuen würden, wenn in der Verfilmung ihres Schriftstücks etwas davon auf der Leinwand wiederzufinden ist.

Ein besonderer Fall ist, wenn der Autor die Geschicke selbst in die Hand nimmt und seinen eigenen Roman verfilmt. Kann man dann noch sagen: der Film wird dem Buch nicht gerecht? Dies ist mein Dilemma. Es ist schon einige Zeit her, dass ich Paul Austers „The inner Life of Martin Frost“ gelesen habe. Ich kann mich aber noch erinnern, dass mich die Figuren und das Wechselspiel von Fiktion und Realität fasziniert und berührt haben. Dem Film „The inner Life of Martin Frost“ von Paus Auster nach dem Roman „The inner Life of Martin Frost“ von Paul Auster stehe ich dagegen hilflos gegenüber. David Thewlis spielt den Autoren Martin Frost und Irène Jacob seine imaginierte Muse Claire. Bekannt wurde David Thewlis mit der Hauptrolle in Mike Leighs mehrfach ausgezeichneten Film „Naked“ (1993). Die bekannteste (Doppel-)Rolle der schweizer Schauspielerin Irène Jacob war sicherlich die von Weronika/Véronique in Krzysztof Kieslowskis „The Double Life of Veronique“. Die Hauptdarsteller sind also nicht ohne Meriten. Trotzdem bleibt ihr Spiel steif und in keinem Moment können sie mir im Film Austers Welt erschließen. Manche Szenen wirken in ihrer Gespieltheit auf mich sogar unfreiwillig komisch. Es bleibt nicht bei einem Blick auf die Uhr, um festzustellen, wann wir aus dem Film entlassen werde.
Auf der Pressekonferenz ist der amerikanische Autor, mit seinen Werk dagegen voll zufrieden. Nach der Regiearbeit in Lulu on the Bridge und der Co-Regie in Smoke und Blue in the Face, hält er „The inner Life of Martin Frost“ für sein gelungenstes Werk. Die Zeit am Set ist für ihn eine der besten Episoden seines Lebens. Kritikern hält er generell entgegen, zu verbissen und nicht entspannt genug an ein Kunstwerk heranzugehen. Auf der anderen Seite war es vielleicht die entspannte Familienatmosphäre am Set (in einer Nebenrolle ist auch seine Tochter Sophie Auster zu sehen), dass sich im Film kein Spannungsbogen aufbaut und man das Gefühl hat, Zuschauer einer Theaterimprovisation zu sein.

„La Maison“ von Manuel Poirier

Leben verläuft nicht gerade. Leben ist kein Drehbuch. Seltsam dabei: an die Spiegelung des Lebens im Film, stellen wir oft höhere Ansprüche, als an die Kohärenz unseres gelebten Lebens. Ein guter Film soll „glaubwürdig“ sein. Unser Leben würde aber in seiner Gesamtheit bestimmt nicht geglaubt. Die vielen Ecken und Kanten machen es unbrauchbar für ein 90-Minuten-Kunstwerk. Wenn ein Film sich trotzdem der Zufälligkeit unseres Lebens annimmt, dann ist sein Erfolg auch davon abhängig, wie unbemerkt der Drehbuchautor das Schicksal seiner Figuren lenkt.

Der Plot von Manuel Poiriers neuen Film „La Maison“ hatte mich zunächst nicht überzeugt. Zu „erfunden“ schien mir die Geschichte: Paris. Malo, Vater von drei Kindern lässt sich gerade scheiden. Bei einem Landausflug, entdeckt er zufällig ein verlassendes Landhaus, das zur Versteigerung ausgeschrieben ist. Unbemerkt dringt er aus Neugier in das Haus ein und findet dort beim Stöbern einen bewegenden Brief eines kleinen Mädchens an ihren Vater. Als er überhastet das Haus verlässt, nimmt er versehentlich den Brief mit. Er will den Brief aber wieder zurückgeben und stellt Nachforschungen an. So lernt er Chloe kennen, dass Mädchen, das den Brief schrieb. Sie ist inzwischen 30 Jahre alt. Das Haus, das zur Versteigerung steht, ist das ihres verstorbenen Vaters, der sich als Chloe noch sehr jung war von seiner Frau hat scheiden lassen. Als Relikt einer kurzen glücklichen Zeit kann sich Chloe, nur schwer von dem Besitz trennen. Malo verliebt sich in Chloe, nicht zuletzt weil sie sein eigenes Schicksal vorwegzunehmen scheint. Er versucht die glücklichen Kindheitserinnerungen zu bewahren.

So abwegig mir die Geschichte beim Lesen auch zunächst erschien, auf der Leinwand wird sie zu einem fast unauffälligen Mittel, um den Zuschauer die verzweifelten Seelenlagen der Hauptcharaktere näher zu bringen, die sich aus ihren Lebensgeschichten ergeben. Drei Dinge sind es, die dem Film eine überzeugende Kraft geben: Zeit, Sergi Lopez und Parallelität. Zeit: Regisseur Manuel Poirier hetzt nicht durch die Geschichte. Die einzelnen Einstellungen gehen oft über 2 Minuten. Diese Ruhe gibt den SchauspielerInnen den Freiraum, ihre Rolle behutsam zu entwickeln. Sergi Lopez: Poirier hat Sergi Lopez mit dem Film Western“ bekannt gemacht. Die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den beiden Künstern hat sich auch in La Maison ausgezahlt. Der katalanische Schauspieler gibt mit seinem einprägsamen Spiel der Figur des französischen Familienvaters die der Situation angemessene Melancholie und Hilflosigkeit. Parallelität: Dadurch, dass Poirier der unmittelbaren Situation der Scheidung von Malo, die von Chloe nicht vewundene, 20 Jahre zurückliegende Scheidung ihrer Eltern entgegensetzt, macht „La Maison“ zu einer einfühlsame Reflexion über Partnerschaft und Familie in Auflösung.

22.09.07 11:39

Pressekonferenz: La Maison

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Sergi Lopez...mal nicht als Bösewicht wie in Pan's Labyrinth.

20.09.07 22:53

Im neuen Kleid...

...das Zentrum des Festivals: der Kursaal am Playa de la Zurriola

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Nicht zu beneiden...

die Security, die am Eröffnungstag Tuchfühlung zwischen Groupies und Stars verhindern soll.

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Angekommen

Es ist jedes mal wieder faszinierend in San Sebastian anzukommen. Es ist anders als in Berlin während der Berlinale. Im kalten Berliner Februar ist man froh, wenn man im kuschelig warmen Kinosaal sitzt. In San Sebastian kann man dagegen in der Sonne am Meer, bei Pintxos, Cafe und Vino Tinto die letzten Züge des Sommers geniessen. Da müssen die Filme schon einiges bieten, um einen in abgedunkelte Räume zu locken.

27.06.07 15:29

Filmutopien am Mittag

Als ich in das Filmmuseum eintrete, kommt Alexander Kluge aus dem Museumscafé herbeigeeilt. Er begrüßt eine alte Freundin, führt sie mit der Umsicht des Gastgeber zu einer Schar wartender Freunde und setzt sich schnell wieder an den Café-Tisch. Er macht sich Notizen für die Veranstaltung, die in 10 Minuten beginnt.

Alexander Kluge ist dieses Jahr 75 Jahre geworden. Zu seinem Geburtstag im Februar war er auf der Berlinale und nachdem im April das Bundesverdienstkreuz bekommen hatte, zog nun seine Wahlheimatstadt München nach. Es ehrte den Medienvisionär Kluge im Rahmes des Filmfestes mit einer Matinee. In seiner Laudatio sprach Oberbürgermeister Christian Ude von dem Intellektuellen Kluge und er gestand, nicht alle Bücher Kluges gelesen und nicht alle seine Filme verstanden zu haben. Trotzdem halte er den Intellektuellen Kluge für unabkömmlich. Auf den Anwalt Kluge jedoch, dessen Name lange Zeit auf dem Briefkopf von Udes Kanzelei zu finden war, könne er durchaus verzichten, denn Kluge tauchte nur zur Weihnachtsfeier in der Kanzelei auf. In seiner Antwort dankte der sichtlich geehrte Kluge dem Münchner Stadtoberhaupt, widersprach aber auch. In kämpferischen Zeiten schade es nicht Jurist zu sein. Auch sei sein Kino kein Kino für Intellektuelle. Mit Logik sei es nicht zu begreifen. In den Ausschnitten aus seinen Filmen und Fernsehprogrammen wird dieses dann bildlich. Kluge spricht Assoziationen an. Er hofft, dass die Bilder auf der Leinwand mit dem über die Menschheitsgeschichte weitergegebenen Bildervorrat des Bewusstsein und Unterbewusstseins des Kinozuschauers interagieren. Sehr schön hatte er in dem Interview mit der Süddeutschen gesagt: "24 Bilder in der Sekunde erwecken den Anschein von Kontinuität, aber in Wirklichkeit ist es eine 48stel Sekunde hell und eine 48stel Sekunde dunkel. Und diese Lücke für die Selbsttätigkeit, die ist das Kino."
Wenn Kluge von seiner Liebe zum Kino spricht, dann spürt man, was man vorher schon wusste: Kluge macht seine Arbeit aus 100%er Überzeugung und dem festen Glauben an die Wunder des Kino. Aus ihm spricht Hoffnung, wenn er sagt, dass die Kinogeschichte angesichts der Umwälzungen des Internets, in dem jeder im Brechtschen Sinne zu einem Empfänger wird, mit all seinen Verheißungen noch einmal von vorne auf uns zukommt. Es ist eine Hoffnung, von der man selber zehren kann. Sie kommt wie ein erfrischendes Gewitter in einem Umfeld, in dem Kino vor allem Geschäft ist.

25.06.07 17:32

Diskussion: Wozu brauchen wir Festivals?

Erster Eindruck am Samstag. Programmleiter Klaus Eder diskutiert mit Filmemacherin Lucia Puenzo ("53 dias de invierno") , Filmkritikerveteran Derek Malcom (The Guardian, Evening Standard), der Agentin Adriana Chiesa und Produzent Nik Powell ("The crying Game") über die Zukunft der Filmfestivals. Einhellig ist die Kritik an der Dominanz Hollywoods in europäischen Kinos. Festivals sollen eine Art Bollwerk gegen die Shreks und Spidermänner dieser Welt sein. Sie sollen das "gute" World Cinema promoten. Zunehmend wird es aber zum Problem, so Derek Malcolm, die Berichterstattung über kleine Filme gegen die Berichterstattung vom Roten Teppich durchzusetzen. Da sind dann meiner Meinung nach Online-Blogs und -Magazine wie festivalblog.com gefragt. Sie unterliegen nicht dem Druck, Massenwirkung zu erzielen, und können kleinen Spartenfilmen den nötigen Raum geben.

22.06.07 19:20

Es geht doch: Ein deutsches Filmfestival im Sommer

Das Münchner Filmfest hat zwar keinen Wettbewerb, aber es ist immerhin das größte Filmfestival nach der Berlinale. Dieses Jahr hat es genauso wie Cannes Jubiläum. Zum 25. Mal wird das Filmfest heute eröffnet. Gezeigt werden 234 Spielfilme. Mit dabei u.a. die Cannes-Filme "Am Ende kommen Touristen" von Robert Thalheim, "Import Export" von Ulrich Seidl, eine Reihe über "American Indies" und eine Retrospektive zu Werner Herzog.

25.05.07 13:01

Cannes spricht deutsch

Wie kann man über ein Film-Festival an der Côte d’Azur schreiben, wenn man in Bayern festsitzt? Wenn vor dem Fenster nicht Angelina Jolie und Martin Scorsese vorbeiziehen, sondern deutsche Laster auf deutschen Autobahnen? Ich bin ein wenig sprachlos und ganz sicher neidisch, trotzdem aber auch voller Vorfreude, denn irgendwann werden es die vielen Entdeckungen von Cannes ja auch auf deutsche Leinwände schaffen.
Dass die deutschsprachigen Filme dieses Jahr besonders wohlwollend aufgenommen wurden, erfüllt die Abgesandten der deutschen Filmkritik hörbar mit Stolz.

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Fatih Akins neuer Film „Auf der anderen Seite des Lebens“ aber wird nicht nur von ihnen sondern auch von der internationalen Filmkritik als heißer Kandidat auf die goldene Palme gehandelt. So ist Akin (Jahrgang 73) für die spanische Tageszeitung El pais „la voz de una juventud que necesita una identidad no nacionalista, una juventud que busca sus orígenes pero que detesta las banderas, que en definitiva cree que se puede -y se debe- vivir entre culturas.” (die Stimme einer Jugend, die eine nicht nationalistische Identität braucht, einer Jugend die nach seinen Urprüngen sucht, die Grenzen hasst, die glaubt sie kann – und sollte – zwischen den Kulturen leben“). Nach „Gegen die Wand“ ist „Auf der anderen Seite des Lebens“ der zweite Teil einer Trilogie. Leitthema ist diesmal nicht Liebe sondern der Tod.

Noch ein Jahr jünger als Akin ist Robert Thalheim, der auf der Berlinale 2005 mit seinem Debüt „Netto“ überzeugen konnte. In Cannes zeigt er seinen zweiten Spielfilm „Am Ende kommen Touristen“.

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Der autobiografische Film über seine Zivildienstzeit in der Begegnungsstätte des Konzentrationslagers Auschwitz läuft in der Nebenreiche „Un Certain Regard“. Für „Die Welt“ hat Thalheim übrigens sehr schön seine Erlebnisse in Cannes beschrieben, z. B. wie es ist, von Jim Jarmusch angerempelt zu werden.

Der jüngste im Trio der deutschen Jungregisseure ist Jan Bonny. „Gegenüber“ ist seine Abschlussarbeit an der Kunsthochschule in Köln und läuft in „Quinzaine de réalisateurs“, einer Cannes-Reihe, die am ehesten mit der Berlinale-Sektion Forum verglichen werden kann.

Gegenüber“ erzählt von der Liebe in einer Ehe, in der die Gewalt nicht vom Mann sondern von der Frau ausgeht. Nicht nur die Kritiken, sondern auch der Trailer ist sehr vielversprechend.
Neben Akin, Thalheim und Bonny wirkt Volker Schlöndorff schon fast wie ein Urgestein. 1979 hat sich Schlöndorffs „Die Blechtrommel“ die Goldene Palme mit Coppolas „Apocalypse Now“ geteilt. Fast dreißig Jahre später präsentiert er mit „Ulzhan“ einen Road Movie, über den bisher noch kein Kritiker gemeckert hat.
Bei allen Enthusiasmus scheint sich die deutsche Präsenz in Cannes allerdings noch nicht bis nach Hollywood rumgesprochen zu haben. Die Topnachricht des Branchenblattes Variety war gestern dann auch nicht Fatih Akin, sondern das Warner Brothers „He Man and the Masters of the Universe“ neu verfilmen wird. Seis drum....

29.04.07 13:46

Die Trends kommen aus Osnabrück

In Cannes, Berlin und Venedig treffen sich die Stars, in der Provinz trifft sich die Szene. Mit 160.000 Einwohnern zählt Osnabrück zwar bereits als Großstadt, aber nicht zu Unrecht gilt es als eines der durchschnittlichsten Flecken Deutschlands. Wer Aufregung sucht, geht woanders hin. Trotzdem oder vielleicht gerade aus diesem Grunde hat sich hier eines der wichtigsten Festivals für Experimentalfilm und Medienkunst etabliert.

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Quelle: EMAF

Auch wenn das 20. European Media Art Festival heute seinen letzten Tag hat, läuft die angegliederte Ausstellung "FINAL CUT- Medienkunst und Kino" in der Kunsthalle Dominikanerkirche noch bis zum 20. Mai.

24.04.07 18:25

Suchttherapie für 32 Euro

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(Quelle: Sehsüchte)

Hervorgegangen ist das Internationale Studentenfilmfestival in Potsdam aus den FDJ-Studententagen und es war einmal "das größte studentische Filmfest des Ostblocks". Zu neuem Ruhm gelang das Festival 1995, als es von Studenten und Professoren der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg unter dem Label "Sehsüchte" neu gegründet wurde.
32 Euro kostet eine Dauerkarte für Sehsüchte 2007. Dafür gibt es vom 24. - 29. April 135 studentische Kurzfilme. Regionaler Schwerpunkt ist dieses Jahr die Andenregion (Ecuador, Peru, Bolivien, Argentinien, Chile). Neben dem Filmprogramm gibt es auch interessante Rahmenveranstaltungen, z. B. das Werkstattgespräch mit der Regisseurin Ann-Kristin Reyels ("Jagdhunde") oder die Drehbuchlounge, ein Drehbuchleseabend u.a. mit den Synchronsprechern von Johnny Depp (David Nathan) und Cate Blanchet (Arianne Borbach).

28.03.07 11:20

Nachbarn in Europa

Heute beginnt das Festival des mittel- und osteuropäischen Films goEast in Wiesbaden. Bis zum 3. April werden Filme u. a. aus Polen, Ungarn, Tschechien und Lettland gezeigt. Allein im Wettbewerb sind 10 Feature- und 6 Dokumentarfilme vertreten. Dazu kommen 40 Kurzfilme im Hochschulwettbewerb und 6 Filme aus einer Hommage an das Frühwerk des Regisseurs Miloš Forman. Begleitet wird das Filmprogramm von Lesungen, Vorträgen und Podiumsdiskussionen.

23.03.07 10:15

Warum Filme zeigen nicht genug ist

Filmfestivals sonnen sich gern im Ruhm ihrer Neuentdeckungen. Dabei steht ihre Arbeit als Perlensucher in keinem Vergleich zum Aufwand der Produktion eines Film. Nicht wenige vielversprechende Projekte erleben nicht ihren ersten Drehtag, andere bleiben auf halber Strecke liegen oder brechen kurz vor dem Ziel in sich zusammen. Eines der spektakulärsten Beispiele ist sicherlich Terry Gilliams „The Man Who Killed Don Quixote“. Das Hauptproblem ist eigentlich immer dasselbe: es ist kein Geld mehr da oder war vielleicht auch nie da. Gescheiterte Filmprojekte nutzen Filmfestivals reichlich wenig und so haben sich die Großen unter ihnen entschlossen, in Sache Talentförderung es nicht bei der Einladung von Filmen zu belassen.
Cannes z. B. holt dieses Jahr zum dritten Mal eine ausgesuchte Schar an jungen Filmemacher in das Atelier de la Cinéfondation. Hier wird das Festival seine Beziehungen spielen lassen und sie vom 18. bis zum 25. Mai bei der Suche nach Geldgebern für ihre neuen Projekte unterstützen. Unter den 15 Filmemachern aus 15 Nationen, die in der Regel für ihr erstes oder zweites eigenes Filmprojekt werben, ist auch der taiwanesische Tsai Ming Liang, der mit „Salomé“ allerdings schon seinen neunten Film vorbereitet.
Im Gegensatz zum Atelier de la Cinéfondation setzt Films in Progress (Cine en Construcción) genau am anderen Ende des Produktionsprozesses an und hat zudem einen regionalen Schwerpunkt. Auf der vom Filmfestival in San Sebastian 2002 initiierten Veranstaltung begutachten Filmarbeiter aus verschiedenen Bereichen Feature Filme aus Lateinamerika, denen das Geld fehlt, die Postproduktion abzuschließen. Die informelle Zusammenkunft findet normalerweise zweimal im Jahr statt: im September beim Filmfestival in San Sebastian und im März beim Rencontres Cinémas d'Amérique Latine in Toulouse. Dieses Jahr finden die Frühjahrstreffen von Films in Progress nicht nur heute in Tou