Blog-Artikel von Rene Wildangel

14.02.16 17:19

Berlinale 2016: A MAGICAL SUBSTANCE FLOWS INTO ME von Jumana Mana

Vom Archiv aufs iPhone. Eine musikalische Reise.

jumana_small.jpg Die Grundlage für Jumana Mannas Film sind die spannenden Dokumente und Aufnahmen, die sie aus der britischen Mandatszeit aufgespürt hat. In Archiven hat sie eine Musiksendung entdeckt, die vom Palestine Broadcasting Service, dem Sender der Mandatsmacht, ausgestrahlt wurde. In jeder Folge hat der aus Deutschland eingewanderte Musikanthropologe Robert Lachmann Musiker unterschiedlicher ethnischer Communities eingeladen, ihre musikalische Folklore zu repräsentieren.

Mehr: " Berlinale 2016: A MAGICAL SUBSTANCE FLOWS INTO ME von Jumana Mana " »

13.02.16 16:10

Forum: Barakah meets Barakah

Coming-of-Age in Saudi Arabien

201614526_1.jpg

Seit vielen Jahren beschäftige ich mit dem Nahen Osten. Eine Region voller Klischees, spätestens seit Edward Saids Kritik des Orientalismus werden diese auch offen kritisiert. Aber manche Klischees sind hartnäckig, und niemand ist frei davon. Oder was fällt ihnen so ein zum Thema Saudi-Arabien? Wahabismus, Wüste, Pilgerfahrt, Kopf ab.

Mehr: " Forum: Barakah meets Barakah " »

11.02.16 15:34

Pressekonferenz Eröffnungsfilm

„Bin ich umringt von Kommunisten?“

auftaktpk.jpg

Foto (c) René Wildangel

Das war definitiv die lustigste Pressekonferenz auf der ich je war. Vielleicht nicht so schwer, weil ich sonst eher PolitikerInnen zuhören muss. Aber das war schon großes Kino. Fast so gut wie der Eröffnungsfilm HAIL CESAR - ein meisterhaftes Potpourri skurriler Figuren und großartiger Bilder, in dem in bester Coen-Manier so ziemlich jedes Filmklischee der so genannten „Traumfabrik Hollywood“ verbraten wird.

Mehr: " Pressekonferenz Eröffnungsfilm " »

09.02.16 0:05

Krisen, Kriege, Kino

Die Region Naher und Mittlerer Osten auf der Berlinale

akher_ayam.jpg

Während der Nahe Osten die schwerste Krise der letzten Jahrzehnte durchmacht, widmet sich die Berlinale der Region dieses Jahr in vielfacher Hinsicht: Im Forum findet ein kleiner Schwerpunkt zum Thema arabischer Film statt. Im Rahmen des Schwerpunktes laufen eine Reihe sehr diverser Filme aus unterschiedlichen Ländern.

Mehr: " Krisen, Kriege, Kino " »

27.01.16 12:18

Berlinale 2016: Aktivitäten für Geflüchtete

Berlinale in Zeiten der Flüchtlingskrise

Die Berlinale 2016 findet in politisch besonders bewegten Tagen statt: Deutschland und Europa diskutieren kontrovers über die so genannte „Flüchtlingskrise“ – oft genug leider ein Anlass, um nicht nur in den sozialen Medien rassistische Stereotype und Ewiggestriges hervorzukehren. Da ist die Berlinale wichtiger denn je, denn sie hat auch in „normalen“ Jahren das Zeug mit den Filmen, Schauspielern und Filmemachern aus aller Welt ein Zeichen für kulturelle Vielfalt und Offenheit zu setzen. Für ein paar Tage wird der sonst so öde Potsdamer Platz zu einem Zentrum globaler künstlerischer und politischer Debatten.

Mehr: " Berlinale 2016: Aktivitäten für Geflüchtete " »

11.02.11 7:35

Offener Brief von Jafar Panahi

Aus der Haft heraus hat Jafar Panahi einen ergreifenden Brief geschrieben, der von seiner außerordentlichen persönlichen Courage und seiner unerschöpflichen Hoffnung in die Kraft des Filmemachens und auf eine bessere Welt Zeugnis ablegt. Im Folgenden der Text seines Briefes:

In der Welt eines Filmemachers fließen Traum und Realität ineinander. Der Filmemacher nutzt die Wirklichkeit als Inspirationsquelle, er zeichnet sie in den Farben seiner Vorstellungskraft. Damit schafft er einen Film, der seine Hoffnungen und Träume in die sichtbare Welt trägt.

Mehr: " Offener Brief von Jafar Panahi " »

10.02.11 6:30

Solidarität mit Jafar Panahi

2006_0013_Popup2.jpg
Quelle: Berlinale

Der iranische Regisseur Jafar Panahi ist Berlinale-Jurymitglied. Doch sein Stuhl bleibt leer. Er sitzt im Gefängnis, weil er Künstler ist, weil er Filme macht. Wunderbare Filme, mutige Filme, Filme in der Tradition der großen Filmnation Iran - und Filme, vor deren Ausdruckskraft sich ein iranischer Staat fürchtet, der die Freiheit seiner eigenen Bürgerinnen und Bürger gewaltsam unterdrückt. Die Berlinale ist solidarisch. Und wir auch! Am 11. Februar - dem 32. Jahrestag der Islamischen Revolution - färben wir in Solidarität mit der grünen Demokratiebewegung unsere Webseite grün und folgen damit einem Aufruf der taz, die auch eine Petition gestartet hat. Die Berlinale zeigt in allen Sektionen Filme von Panahi und vranstaltet eine Podiumsdiskussion.

Mehr: " Solidarität mit Jafar Panahi " »

08.02.11 7:00

The revolution will (not) be televised

EGY

In Ägypten gehen Millionen mutiger Menschen auf die Straße, um Mubarak aus dem Amt zu jagen und Jahrzehnte eines repressiven und undemokratischen Systems zu beseitigen. In Tunesien hat schon vor Wochen Diktator Ben Ali seinen Koffer (inklusive zusamengeraffter Reichtümer) gepackt und Hals über Kopf das Land, das er mit eiserner Hand regiert hat, verlassen. In Jordanien, in Algerien, im Jemen, in der ganzen Region brodelt es. Leider, leider spiegelt sich das nicht im Berlinale-Programm wider...

Mehr: " The revolution will (not) be televised " »

15.02.10 20:00

Besouro von João Daniel Tikhomiroff

Besouro heißt auf Portugiesisch Käfer. In einer Anfangssequenz zeigt der alte Caipoeira-Meister Alípio seinem Schüler einen pechschwarzen Käfer. „Die Wissenschaft ist überzeugt davon, dass er nicht fliegen kann“, sagt er, „aber das stimmt nicht“. Kaum kommt er ihm näher, fliegt der Käfer kraftvoll los.

Mehr: " Besouro von João Daniel Tikhomiroff " »

07.02.10 6:00

Berlinale 2006

Was war da noch mal, im Jahr 2006? Richtig: Deutschland, ein Sommermärchen. Fußballweltmeisterschaft. Die Berlinale also ganz im Zeichen des bevorstehenden schwarz-rot-goldenen Fußballtaumels? Keineswegs. Festivaldirektor Kosslick ging in die Offensive und kündigte bei der Eröffnungspressekonferenz ein explizit politisches Festival an: „so politisch, grausam und unangenehm, wie die Weltlage nun einmal ist.“

Schließlich war 2006 noch kein Obama in Sicht, der Krieg im Irak auf einem blutigen Höhepunkt und Guantánamo wurde samt seinen Folterwerkzeugen von der US-Administration im „Krieg gegen den Terror“ verteidigt. Michael Winterbottom thematisierte in The Road to Guantánamo anhand traumatisierter ehemaliger Gefangener eindrucksvoll dieses staatlich sanktionierte Menschenrechtsverbrechen und bekam dafür den silbernen Bären für die beste Regie. Der kritische Polit-Thriller Syriana lief außer Konkurrenz und wurde von George Clooney persönlich vorgestellt.

Und selbst die Fußballfilme waren 2006 politisch: Der großartige Film Offside von Jafar Panahi führt die Schikanen der frauenfeindlichen iranischen Diktatur ad absurdum, zu denen auch striktes „Stadionverbot“ zählt; und zeigt mutige Frauen, die sich darüber hinwegsetzen – ein Vorbote der heutigen Proteste im Iran. Auch der Goldene Bär ging also fast selbstverständlich an einen starken politischen Film, der die Vergewaltigungen im Jugoslawienkrieg thematisiert: Esmas Geheimnis – Grbavica von Jasmila Žbanić. Politik und Frauenpower, symbolisiert auch von Jurypräsidentin Charlotte Rampling, das ging 2006 hervorragend zusammen. Endlich, so die Bilanz, wieder gesellschaftlich relevantes Kino. Dazu passend feierte der schwul-lesbische Teddy-Award bereits sein 20-jähriges Jubiläum.

30.10.09 16:07

Sao Paulo 2009: "Walachei" von Rejane Zilles

1939847-view_fromBoa_Vista_into_the_Vale_dos_Sinos-Novo_Hamburgo.jpg
Deutsche Siedlungsgebiete in Rio Grande do Sul/ Brasilien

Die sprichwörtliche Walachei liegt nicht nur in Rumänien, sondern auch in Südbrasilien. In abgelegenen Dörfern wie Frankenthal, Jammerthal und Bananenthal leben noch heute Nachfahren deutscher Einwanderer, die seit 1820 zu Tausenden dort hin auswanderten. Bis heute leben sie nicht viel anders als ihre Vorfahren: Täglich arbeiten sie auf dem Feld, stellen ihr eigene Butter her, backen Brot und schmieden Werkzeuge.

Mehr: " Sao Paulo 2009: "Walachei" von Rejane Zilles " »

Sao Paulo 2009: "Transcending Lynch" von Marcos Andrade

lynch_wideweb__470x311%2C0.jpg
Leicht irrer Blick: David Lynch.

Was ist das denn? Ein Film über den Besuch von David Lynch in Brasilien, der dort im August 2008 sein Buch über „Transzendentale Meditation“ vorstellte. Aha. Klingt ausreichend schräg denke ich mir, aber gibt das was her für eine Dokumentation in Spielfilmlänge? Die kurze Antwort ist: Nein.

Mehr: " Sao Paulo 2009: "Transcending Lynch" von Marcos Andrade " »

Sao Paulo 2009: Publikumsfreundliches Mostra

mostra%20nass.jpg

Das "Mostra" ist ein sehr zugängliches Festival: Wer nicht gerade Freitag oder Samstag abend kurzfristig Karten sucht, kann in Sao Paulo entspannt Filme schauen: Im "Centro Cultural" sogar umsonst, ebenso im Zentrum miten auf der Hauptstraße "Paulista" - zumindest wer es bei dem derzeit regen-nasskalten Wetter auf sich nimmt auf den Plastikstühlen neben dem vorbeirauschenden Verkehr Platz zu nehmen.

Sao Paulo 2009: "L’insurgée" (Restless) von Laurant Perreau

L349.jpg

Die 18jährige Claire lebt nach dem Tod ihrer Mutter alleine mit ihrem ungeliebten Großvater (der Regisseur konnte dafür den großen Michael Picccoli gewinnen) zusammen. Der Weltkriegsveteran ist unzugänglich und lässt sie, abgesehen von gelegentlichen autoritären Anwandlungen, allein. Claire ist auf der Suche nach sich selbst, was in der Einsamkeit der herbstlich gestimmten Bretagne kein leichtes Unterfangen ist.

Mehr: " Sao Paulo 2009: "L’insurgée" (Restless) von Laurant Perreau " »

Sao Paulo 2009: "Efeitos Secundários" (Nebenwirkungen) von Paulo Rebelo

seele.jpg
Eine Nummer zu groß: Fassbinders "Angst essen Seele auf" mit Brigitte Mira und El Hedi ben Salem

Im Gespräch nach dem Film benennt Paulo Rebelo die Vorbilder für seinen Film:
Der 1955 erschienene „All that Heaven allows“ von Douglas Sirk und der daran orientierte Fassbinder-Klassiker „Angst Essen Seele auf“ (1974). In beiden Filmen geht es um die Einsamkeit von älteren Frauen, die mit unkonventionellen Liebesbeziehungen an den gesellschaftlichen Realitäten ihrer Zeit tragisch scheitern: Bei Douglas Sirk in der Beziehung zu einem jüngeren Mann aus einfachen Verhältnissen, bei Fassbinder in der Liebe zu einem „Ausländer“ in den miefigen 70er Jahren.

Mehr: " Sao Paulo 2009: "Efeitos Secundários" (Nebenwirkungen) von Paulo Rebelo " »

Sao Paulo 2009: "Os Sorrisos do Destino" (Das Lächeln des Schicksals) von Fernando Lopes

sorrisos.jpg

Fernando Lopes erzählt eine seltsame Dreiecksgeschichte. Die ehrgeizige Literaturprofessorin Ada verliebt sich in den smarten, viel jüngeren angolanischen Schriftsteler und Diplomaten „Manuel B.“ Adas Mann Carlos erfährt von dem Verhältnis und zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus.

Mehr: " Sao Paulo 2009: "Os Sorrisos do Destino" (Das Lächeln des Schicksals) von Fernando Lopes " »

23.10.09 19:38

33. Mostra-Filmfestival in São Paulo

ff1eeb8e4641153870dd0b02243ccaa1.jpg

In São Paulo beginnt heute das 33. „Mostra“ – eines der größten Filmfestivals Südamerikas. Dabei tritt der Kontinent, was wichtige Festivals angeht, kaum in Erscheinung. Und das trotz der immer größeren Aufmerksamkeit für die Filme des Kontinents. Die konnten schließlich zuletzt bei der Berlinale die Goldenen Bären abräumen: Dieses Jahr gewann La Teta Asustada aus Peru , 2008 Tropa de Elite über die ausufernde Polizeigewalt in den Favelas von Rio de Janeiro. Dennoch bleibt das einzige „A-Festival“ weiterhin das jährliche internationale Filmfestival in Mar del Plata/ Argentinien, das seit 1954 existiert. Aber die Filmindustrie auf dem Kontinent insgesamt holt auf – besonders im Riesenland Brasilien.

Mehr: " 33. Mostra-Filmfestival in São Paulo " »

13.02.09 0:29

"Happy Tears" von Mitchell Lichtenstein

Happy Tears, Sad Film

Wenn ein Film viele Fragen aufwirft, dann ist es in der Regel ein guter Film. „Happy Tears“ ist irgendwie anders, obwohl mir einige Fragen einfallen: Was um alles in der Welt hat er im Wettbewerb der Berlinale zu suchen? Warum wurde er überhaupt gedreht? Und was ging in Christoph Schlingensief vor, als er diesen Film ansehen musste?

Mehr: " "Happy Tears" von Mitchell Lichtenstein " »

12.02.09 0:29

"Sólo quiero caminar" von Augustín Díaz Yanes

20090086_2_Popup1.JPG

Last Woman standing

Dieser rasante Mafiafilm beginnt genau so wie er endet: mit Schüssen, Blut und Tod – und das was sich in der Zwischenzeit abspielt geht in eine ähnliche Richtung. Ein Genrefilm, der gleichzeitig die gängigen Klischees bedient und aufs Korn nimmt. Heraus kommt dabei in jedem Fall rasante, wenn auch ziemlich brachiale Unterhaltung.

Mehr: " "Sólo quiero caminar" von Augustín Díaz Yanes " »

11.02.09 1:00

"It might get loud" von Davis Guggenheim

get_loud.jpg

Was für ein Film! Was für Musik! Was für ein Spaß!
Danke, Regisseur Davis Guggenheim. Danke für die ziemlich coole Idee, dieses Rock-Generationen-Treffen zu organisieren: Am nunmehr historischen 23. Januar 2008 kamen Jimmy Page, The Edge und Jack White zusammen um „über die E-Gitarre zu reden“, wie es zu Beginn des Films heißt – und gemeinsam zu rocken.

Mehr: " "It might get loud" von Davis Guggenheim " »

10.02.09 2:09

Berlinale Gedicht-Wettbewerb (2)

Der rote Teppich

Einmal im Jahr,
am Potsdamer Platz,
beginnt für ihn dieselbe Hatz...

Mehr: " Berlinale Gedicht-Wettbewerb (2) " »

07.02.09 2:09

"Laskar Pelagi" (Rainbow Troops) von Riri Riza

Einer der ersten Filme die im Panorama anlaufen, und schon ein Kandidat für den Panorama Publikumspreis. Erfolgsverwöhnt ist „Laskar Pelagi“ sowieso: Im Herbst 2008 angelaufen ist es bereits der erfolgreichste Film aller Zeiten in Indonesien.

Mehr: " "Laskar Pelagi" (Rainbow Troops) von Riri Riza " »

16.02.08 13:10

„Sharon“ von Dror Moreh

sharon-1.jpg

Ethnografisches Portrait eines Stammesführers


Eine israelische Dokumentation über Sharon? Muss das sein? Das Besondere an dem Film von Dror Moreh ist, dass er Sharon sechs Jahre lang begleiten konnte. Aus hunderten Stunden Material machte er einen Dokumentarfilm, der erklären soll, warum Arik Sharon 2003 den Abzug aus dem Gazastreifen anordnete. Ausgerechnet Sharon, der größte Vorreiter und Unterstützer der Siedlerbewegung seit ihren Anfängen 1967. Ausgerechnet Sharon, als Verteidigungsminister für den blutigen Libanonfeldzug und die Morde von Sabra und Shatila mitverantwortlich.

Mehr: " „Sharon“ von Dror Moreh " »

"A Jihad for Love" von Parvez Sharma

Jihad.jpg

Der unter schwierigen Bedingungen gedrehte Dokumentarfilm von Parvez Sharma betrachtet die Lage von Schwulen und Lesben in völlig unterschiedlichen muslimischen Gemeinden in Ländern wie Südafrika, Iran oder der Türkei. Dabei zeichnet er ein bewegendes Bild von Menschen, die einzig aufgrund ihrer Liebesbeziehungen oder ihrer Sexualität ausgegrenzt und verfolgt werden. Erfreulicherweise tappt der Film in keine der Klischeefallen, die zahlreich am Wegesrand lauern.

Mehr: " "A Jihad for Love" von Parvez Sharma " »

14.02.08 0:59

Madonnawatching

Madonna.JPG

Für die Trendsportart Promiwatching finden sich immer mehr Anhänger. Am Zoopalast ist die Hölle los - Madonna kommt! Auf der Bühne sagt sie kurz ein paar Worte über ihren ersten Film. Gut, sagt sie, du bist schon Popstar, also fragen die Leute warum willst du auch noch einen Film machen? Es war ein langgehegter Wunsch: "And it became a mantra for me that dreams come true" sagt sie und wir staunen. Und dann ist auch noch der Film richtig kurzweilig (Kritik folgt..). Toll. Es gibt tatsächlich noch Stars ohne Peinlichkeitsfaktor.

12.02.08 14:35

"Football Under Cover" von David Assmann und Ayat Najafi

football.jpg

Marlene aus Kreuzberg lernt 2006 auf dem Berlinale Talentcampus den iranischstämmigen Ayat kennen. Beide hatten gerade einen Kurzfilm über Fußball gedreht, Marlene über ihre Kreuzberger Mannschaft BSV Al-Dersimspor, Ayat über eine Fußballspielerin in Iran. Die beiden Fußballbegeisterten haben eine gemeinsame Idee: Ein Fußballspiel von Marlenes Mannschaft in Teheran zu organisieren, gegen die iranische Frauen-Fußballnationalmannschaft. Die existiert, spielt aber unter erschwerten Bedingungen: In der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit, in der Halle - wegen der strengen „Sittenbestimmungen“, die Frauen vieles verbieten, was Männern erlaubt ist.

Mehr: " "Football Under Cover" von David Assmann und Ayat Najafi " »

11.02.08 20:00

"Transsiberian" von Brad Anderson

king.jpg

Wettrennen der Fieslinge

Ben Kingsley als fieser FSB-Agent Grinko – das ist ziemlich beeindruckend. Von dem Film insgesamt kann man das nicht unbedingt sagen. Als kleiner Psycho-Schocker für zwischendurch ist das vielleicht mal eine schöne Abwechslung für Berlinale-Kritiker, die zuviel verkopftes Zeugs gesehen haben. Aber der große Wurf ist dieser Film ganz sicher nicht geworden.

Mehr: " "Transsiberian" von Brad Anderson " »

10.02.08 12:55

Was wir essen (1)

braten_4330.JPG

Krustenbraten, Berlin 2008

Eine Berlinale ist schließlich keine Kur. Keine Zeit, keine Zeit, also: Höchstens Fastfood zwischen zwei Filmen. Besonders beliebt: Der Krustenbraten aus den Arkaden, liegt so schwer im Magen, das er auch nach drei Filmen noch nicht verdaut ist. Wunderbar. Und das zur Fastenzeit. Gibt es eigentlich schon einen Ernährungsberater für Festivalbesucher?

"Shine a Light" von Martin Scorsese (2)

0042_0001_Popup1.jpg

Zurück in die Zukunft

Martin Scorcese hat mit „Shine a Light“ seinen ersten, grandiosen Sience-Fiction-Film vorgelegt. Der Plot spielt im Jahr 2062 und ist schnell erzählt. 100 Jahre nach ihrer Gründung werden die mit speziellen Methoden eingefrorenen und konservierten Mitglieder der Band „The Rolling Stones“ aufgetaut und spielen ein Jubiläumskonzert auf einem fernen Planeten.

Mehr: " "Shine a Light" von Martin Scorsese (2) " »

Genenet al asmak (The Aquarium) von Yousry Nasrallah

aquarium10.jpg

Youssef und Laila gehen in Kairo ziemlich unterschiedlichen Berufen nach: Sie moderiert eine Radiosendung, in der Menschen ihr Herz ausschütten, er ist Anasthäsist und befördert seine Patienten in den Dämmerzustand. Um diese beiden Charaktere wird ein höchst ungewöhnlicher ägyptischer Film erzählt.

Mehr: " Genenet al asmak (The Aquarium) von Yousry Nasrallah " »

Die Berlinalefänger

faenger_4347.JPG

Die Freunde von Tom Cruise sind auch schon da

Während der Berlinale lauern sie überall, Menschen mit Botschaften, Anliegen, oder, schnöder, mit Produktproben und Werbung. Am Tage rase ich an ihnen vorbei, komme in letzter Minute zum Film, man müsste verrückt sein mir mit dem gehetzten Blick ein Zeitungsabo aufschwatzen zu wollen. Aber nach den Filmen am Ende des Tages bin ich leichte Beute. Da stehen sie, vor der S-Bahn Potsdamer Platz, und fragen mich: „Lust auf einen kostenlosen Stresstest?“

Mehr: " Die Berlinalefänger " »

17.02.07 21:30

Berlin Wrong - Best of Berlin Klischees

berlin_song_rene.jpg

"Berlin Song" von Uli M. Schueppel (Panorama)

Wieviele Berlin-Klischees passen eigentlich in einen Film? Berlin Song beweist: jede Menge! Die Freude über das eigentlich reizvolle Thema, junge Singer-Songwriter aus der Neo-Folk-Szene in Berlin, vergeht dem geneigten Zuschauer recht zügig. Deren Musik steht nämlich kaum im Vordergrund, ganz im Gegensatz zu den Eitelkeiten der Twens, die in Neukölln abhängen.

Mehr: " Berlin Wrong - Best of Berlin Klischees " »

16.02.07 0:52

Gottesfurcht auf Abwegen

takva.jpg

"Takva - A Man's Fear of God" von Özer Kiziltan (Panorama)

Der tiefgläubige Hausdiener Muharrem führt ein bescheidenes, gottesfürchtiges Leben in Istanbul. Doch bald gerät es durch höhere Mächte durcheinander. Nachts wird er von ganz und gar unreinen Phantasien heimgesucht: solche, nach denen er seine Hose waschen und den Körper reinigen muss. Entsetzt von der Macht, die er nicht kontrollieren kann, gerät er in einen schweren Gewissenskonflikt, als der Scheich seiner Sufi-Bruderschaft ihn als Verwalter einsetzen möchte.

Mehr: " Gottesfurcht auf Abwegen " »

15.02.07 1:21

Zirkus is nich

aschermittwoch.jpg


"Zirkus is nich" von Astrid Schult (Perspektive Deutsches Kino)

Schade dass der Film selbst schon Zirkus is nich heißt: Sonst hätte ich das als Überschrift für diese Kritik gewählt. Der Titel ist so genial wie der Film: Eine bessere Kurzzusammenfassung gibt es auch nicht. Wer in Berlin wohnt, und von einem Dokumentarfilm hört, der „Zirkus is nich“ heißt und der in Hellersdorf spielt, vor dessen innerem Auge erscheint schon die Szenerie: Hartz IV, triste Plattenbauten, Armut, eine gute Portion Trostlosigkeit, RTL-Talkshow-Familien, vernachlässigte Kinder...

Mehr: " Zirkus is nich " »

Wenn ein Mann im Wald und so weiter

when_a_man_falls_into_the_forrest_sharon_stone.jpg

"When a man falls in the forest" von Ryan Eslinger (Wettbewerb)

„Das Leben besteht nicht aus großen Geschichten“, sagt eine mir unbekannte Berlinalebesucherin beim Rausgehen, und da schwingt hörbar Anerkennung mit. Ihr Begleiter hatte wohl gerade ebensolche großen Geschichten vermisst. Keine großen Geschichten? Und das in einem Film mit Sharon Stone? Wunderbar.

Mehr: " Wenn ein Mann im Wald und so weiter " »

10.02.07 20:32

Bergsteiger der Herzen

blindsight.jpg

"Blindsight" von Lucy Walker (Panorama)

Eine Gruppe von blinden tibetanischen Kindern besteigt gemeinsam mit einem blinden US-Bergsteiger und ihrer blinden deutschen Betreuerin den Himalaya, die für ihr Projekt einer Blindenschule in Tibet auf der Berlinale mit dem „Mutter –Theresa-Preis“ ausgezeichnet wird – passt noch mehr Gutmenschentum in eine Kurzbeschreibung?
So weit das weit gefehlte Klischee...

Mehr: " Bergsteiger der Herzen " »

09.02.07 1:16

Berlinale Verwirrung (1)

berlinaleverwirrung.jpg

Es ist wieder Berlinale.
Ich bin wieder verwirrt.
Ich kann mich wieder nicht entscheiden.
Es ist ganz wunderbar...

19.02.06 2:35

Offside von Jafar Panahi (III)

offside.jpg

Zwei Kritiken zu Offside gibt es schon, warum noch eine? Weil es der beste Film war, den ich bei dieser Berlinale gesehen habe. Es gab komplexere, ambitioniertere, aufwendigere und schwierigere Filme bei diesem Festival. Aber es gab keinen Film, der mir soviel Spaß gemacht hat, bei dem ich so viel und so laut gelacht habe.

Mehr: " Offside von Jafar Panahi (III) " »

18.02.06 14:18

Retrospektive: Letjat schurawli (Wenn die Kraniche ziehen) von Michail Kalatosow

Kraniche.jpg

Ein russischer Film aus den Fünfziger Jahren bei der Berlinale: Ist das nicht ein bisschen trist als Freitagabendgestaltung? Könnte man meinen, aber wie so oft folgt eine Überraschung: Der Film „wenn die Kraniche ziehen“ ist ein sowjetisches Drama vom 1958, dass vor allem durch eine unglaublich variable Kameraführung – schnelle Schwenke, Vogelperspektive , Handkamera inklusive – besticht. Der Film wirkt so modern, als sei er seiner Zeit locker um 20 Jahre voraus.

Mehr: " Retrospektive: Letjat schurawli (Wenn die Kraniche ziehen) von Michail Kalatosow " »

15.02.06 1:26

Memory for Max, Claire, Ida and Company von Allen King (2)

Vier Monate lang hat der Dokumentarfilmer Allen King alte Menschen in einem Pflegheim gefilmt, sehr alte Menschen: Und weil sehr alte Menschen auf uns oft faszinierend, rührend und abschreckend wirken, ist es ein sehr bewegender Film geworden. Ein halbes Jahr hat Allen King gebraucht, um überhaupt die Drehgenehmigung für das Altenheim zu bekommen...

Mehr: " Memory for Max, Claire, Ida and Company von Allen King (2) " »

14.02.06 0:03

(Egyptian) Celebrity I saw you (5)

AdilImamklein.jpg

In Ägypten ist er berühmter als ein gewisser Schorsch Kluni: Adil Imam. Spielt in Filmen wie "Al-Irhab wa-l-Kebab" (Der Terror und das Kebab).

13.02.06 23:59

Panorama: Omaret Yacoubian (The Yacoubian Building) von Maravan Hamed

omaretyacoubin.jpg

Dieser Film ist ein Furor, eine nicht enden wollende Erregung: In knapp drei Stunden erzählt Regisseur Marawan Hamed die Geschichte der Bewohner eines Hauses in Kairo – des Yacoubian Buildings. Und bricht dabei so ziemlich alle Tabus, die in der ägyptischen Gesellschaft existieren. So viel Sex, Gewalt, Alkohol war nie in einem arabischen Film. Omaret Yacoubian ist nicht nur der kontroverseste und unterhaltsamste arabische Film seit langem, sondern auch die teuerste ägyptische Filmproduktion aller Zeiten.

Mehr: " Panorama: Omaret Yacoubian (The Yacoubian Building) von Maravan Hamed " »

Berlinale-Gedicht Wettberwerb (1)

Einmal im Jahr ist der
Potsdamer Platz,
den man sonst mit gutem Recht
auch Kotzdamer Platz...

Mehr: " Berlinale-Gedicht Wettberwerb (1) " »

Forum: Karov la Bayit (Close to Home) von Dalia Hager und Vid Bilu

karovlabayit.jpg

Es stimmt, Filme, die in Israel spielen, müssen sich nicht unbedingt mit „dem Konflikt“ beschäftigen, dass heißt mit der Besatzung. Filme, die in Jerusalem spielen, einer geteilten Stadt, schon eher. Und Filme, in deren Mittelpunkt israelische Soldatinnen stehen, werden wohl kaum darum herumkommen. Dennoch, der Film von Dalia Hager und Vid Bilu stellt seine durchweg weiblichen Protagonisten in den Vordergrund und nicht die fast schon obligatorische Kritik an der unerfreulichen Realität der – so eine der beiden Regisseurinnen – „Militärdemokratie“ Israel.

Mehr: " Forum: Karov la Bayit (Close to Home) von Dalia Hager und Vid Bilu " »

12.02.06 13:42

Forum: Sobhi Digar (Another Morning) von Nasser Refaie

Traurig in Teheran

sobhidigarkonf.jpg

Der Berlinale-Moderator ist irritiert: Was? Keine Iran-Kritik? Der ganze Film kein einziger Aufschrei des Protests gegen ein Unterdrückungsregime, den „Gottesstaat“? Am Ende vielleicht sogar Kunst? Skandalös! Dreimal formuliert der Moderator nach der Vorstellung die Frage um, aber Regisseur Refaie beharrt auf seiner Antwort. Ein universal gültiger Film solle es sein, einer der eigentlich überall auf der Welt spielen könnte: Herr Kamali ist Mitte vierzig und gerade Witwer geworden. Die Trauer beherrscht ihn so sehr, dass er wie ferngesteuert durch Teheran stolpert...

Mehr: " Forum: Sobhi Digar (Another Morning) von Nasser Refaie " »

08.02.06 0:35

Fünf Filme gegen Dr. Seltsam - Iranische Filme auf der Berlinale

Insgesamt fünf iranische Filme laufen auf der Berlinale: Offside von Jafar Panahi und Zemestan von Rafi Pitts im Wettbewerb; Be Ahestegi von Maziar Miri im Panorama; Another Morning von Nasser Refaie und Men at Work von Mani Haghighi im Forum. Fünf Filme - ein guter Schnitt für ein Land, dass zwar für sein Kino mehr oder weniger berühmt ist, aber selten so üppig von europäischen Festivalchefs bedacht wird.

Überhaupt ist der Iran derzeit, genau genommen schon seit einer ganzen Weile, sonst eher für die dunklen Seiten der Nachrichten zuständig: Holocaustleugnung, Pressezensur, Schleierzwang: Alles unerfreuliches Schmuddelzeug. Nicht jeder weiß aber, dass im Iran eine Gesellschaft existiert, die in vielerlei Hinsicht sehr offen und heterogen ist.

Mehr: " Fünf Filme gegen Dr. Seltsam - Iranische Filme auf der Berlinale " »

19.02.05 11:50

Wettbewerb: Paradise now von Hany Abu-Assad

Niederlande, Frankreich, Deutschland 2005 Regie: Hany Abu-Assad * Darsteller: Kais Nashef, Ali Suliman, Lubna Azabal, Amer Hlehel, Hiam Abbass

3181_0003_Popup1.jpg

“Mit meinem Film kämpfe ich gegen die Besatzung und gegen das, was sie den Menschen antut“, sagt Hany Abu Assad, der Regisseur des viel beachteten Wettbewerbsbeitrags „Paradise now“. Was gibt es noch zu sagen über den Nahostkonflikt, womit kann sich ein Film jenseits der gängigen Klischees noch beschäftigen? Ich nicht längst alles gesagt, und sogar mehr als das? Abu Assad nimmt sich einem der umstrittensten Themen des Palästinakonflikts an, zu dem die Kunst in der Regel schweigt – wo sie es nicht tut, muss sie mit Skandalisierung oder dem Vorwurf der Naivität rechnen.

Als der schwedisch-israelische Künstler Dror Feiler in Stockholm Anfang 2004 ein Kunstwerk ausstellte, dass sich mit dem Thema beschäftigte, kam es zum Skandal. Unter dem Titel „Schneewittchen“ schwamm dort das Foto einer palästinensischen Selbstmordattentäterin auf einem Teich aus Blut; ein Begleittext enthielt Einzelheiten über die Biographie der Attentäterin. Das Werk zeigt mit den Mitteln der Groteske das Groteske der Tat. Aber nicht jeder Betrachter sah das Werk als Versuch, sich dem Phänomen der Attentäter anzunähern: Der israelische Botschafter war über das Gezeigte so erregt, dass er das Kunstwerk eigenhändig zerstörte. Ministerpräsident Sharon gratulierte ihm danach zu einem „mutigen Schritt gegen den Antisemitismus“.

Wer sich zum Thema äußert, begibt sich unvermeidbar auf vermintes Gelände. Hany Abu-Assad hat es trotzdem geschafft, einen relevanten Film über „Selbstmordattentate“ zu drehen – allein diese Feststellung macht den Film zu Recht nicht nur zu einem der politisch bemerkenswertesten, sondern wohl zu einem der wertvollsten Beiträge der diesjährigen Berlinale insgesamt. Er nähert sich dem umstrittenen Thema „Selbstmordattentate“ als menschlichem Phänomen und verweigert sich den gängigen Interpretationsmustern.

In der Regel gibt es zwei platte Erklärungen: Die eine – besonders in Israel populäre – Erklärung zeichnet die Attentäter als radikal indoktrinierte Mordmaschinen, deren religiöse Verblendung sie an den Eintritt ins Paradies nach vollbrachter Tat glauben lässt. Dieses Erklärungsmuster lässt keinen Platz für politische Motive, persönliche Verbitterung und das Gefühl der Demütigung. Die andere Erklärung, populär auch auf deutschen „Pro-Palästina-Demonstrationen“, macht es sich nicht weniger einfach: Allein die Besatzung sei schuld, die Grausamkeit der Israelis, die grenzenlose Verzweiflung und Armut der Palästinenser. Aber wer arm und verzweifelt ist, sprengt deswegen noch lange nicht unschuldige Menschen in die Luft.

Die ganze Diskussion um Selbstmordattentate ist ungeheuer politisch aufgeladen und wird auch meist sehr polemisch geführt. Abu-Assads völlig unpolemischer Film macht sich dagegen frei von einfachen Urteilen und pauschalen Argumenten. Er betrachtet im wesentlichen zwei Menschen, die sich zu einem Anschlag entschlossen haben und zeigt Kohärenz und Brüche in ihrer Haltung, in ihrer Biographie, in ihren Motiven und Überzeugungen. Dabei kommt es manchmal zu anrührenden, manchmal skurrilen Szenen, die dem Film nichts von seiner Glaubwürdigkeit nehmen. Den größten Wahnsinn fand Abu-Assad bei seinen Recherchen in der Realität; im Interview mit der „ZEIT“ erzählt er:

„Eine wirklich unglaubliche Geschichte handelt von einem Selbstmordattentäter, der zum Einsatz in Tel Aviv gefahren wird. Plötzlich steigt eine Frau zu ihm ins Auto. Es stellt sich heraus, dass sie ebenfalls einen Sprengstoffgürtel trägt. Daraufhin weigert er sich, den Auftrag mit ihr gemeinsam auszuführen, denn er ist davon überzeugt, dass das Töten Männersache ist, während die Frauen Leben schenken sollen. Beide werden furchtbar wütend und brüllen sich im Auto an. Sie beschimpft ihn als Frauenfeind, als Reaktionär, und sie besteht darauf, dass eine Frau das gleiche Recht hat, in den Tod zu gehen, wie der Mann. Das muss man sich mal vorstellen: Zwei Selbstmordattentäter in einem Riesenkrach über die Moderne, den Feminismus, die Geschlechterpolitik.“

Es sind solche krassen Brüche, die auch die Charaktere in Abu-Assads Film kennzeichnen. Sie sind weder gefühlskalte Monster noch religiös Fanatisierte, die vom sofortigen Eintritt in Paradies überzeugt sind. Es sind widersprüchliche Charaktere, deren Biographien stark von der Besatzung geprägt sind – was heute ohne Zweifel auf jeden jungen Palästinenser in der Westbank und besonders in Gaza zutrifft. Dabei macht es sich der Film nie so einfach, Selbstmordanschläge allein mit der schwierigen Lage der Palästinenser zu erklären. Aber er zeigt, dass das Gefühl der andauernden Erniedrigung, der Perspektivlosigkeit und des hergebrachten Hasses gegen „die Besatzer“ unabdingbare Grundvoraussetzungen sind. Die islamistischen Drahtzieher der Anschläge zeichnet Abu-Assad als Menschen, die hinter ihren Propagandaformeln kein menschliches Empfinden mehr bewahrt haben.

3181_0001_Thumb2.jpg Regisseur Hany Abu-Assad

Abu-Assad sagt von sich selbst, er sei „Pazifist“. Auch lässt der Film keinerlei Zweifel an der Tatsache, dass die Attentate moralisch falsch sind. Aber er nimmt die Motive der Attentäter ernst und versetzt sich in ihre Perspektive. Besonders das Ende von Abu-Assads Film ist dementsprechend wenig hoffnungsvoll. Es wäre einfacher gewesen, einen Film zu drehen, in dem alle Charaktere letztlich „bekehrt“ werden und zum gewaltlosen Widerstand übergehen. Dann wäre es ein Film geworden, der Hoffnung macht. Und ein Film, der sich der gegenwärtigen Realität verweigert.

Es wird auch bei diesem Film Stimmen geben, die Abu-Assad „Verständnis“ für die Selbstmordattentäter vorwerfen werden. Sollte er in Israel gezeigt werden, wird es lautstarke Proteste geben. Vielleicht wird wieder jemand versuchen, die Aufführung zu verhindern. Für Abu-Assad wäre das ein Erfolg: „Es wäre unglaublich, wenn die Isrealis einen Film sehen könnten, der Selbstmordattentäter als Menschen und nicht einfach als Monster porträtiert. Ich will Paradise Now aber auch in Nablus zeigen, wo wir viele Szenen gedreht haben. Leider gibt es dort kein Kino mehr...“

15.02.05 0:44

Panorama: Massaker von Monika Borgmann, Lokman Slim, Hermann Theissen

Deutschland, Libanon, Schweiz 2004 * Regie: Monika Borgmann, Lokman Slim, Hermann Theissen

p53-02.jpg
Bilder, die der Film nicht zeigt: Palästinensische Überlebende in Shatila, Südlibanon 1982

Hehre Ziele, leerer Film: Narrative der Gewalt in einer Dokumentation ohne Struktur

Der Inhalt der Dokumentation „Massaker“ lässt sich erschreckend knapp zusammenfassen: Einige junge Männer berichten über ihre brutalen Taten während des Massakers an Palästinensern im Libanon 1982. Punkt.

„Sabra und Shatila“, der Ort des Verbrechens steht für die entfesselte Brutalität des Bürgerkriegs und ein furchtbares Verbrechen an den Plästinensern, dass mit Billigung der israelischen Besatzungsmacht verübt wurde. In den letzten Jahren stand vor allem die Rolle des damaligen Verteidigungsministers Ariel Sharon, dem eine israelische Untersuchungkommission „persönliche Verantwortung“ für das Verbrechen bescheinigte, im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung. Die Dokumentation beschränkt sich auf die Erzählungen von ehemaligen Angehörigen der „Kataib“ (Phalanx), der christlichen Milizen unter Kommando Pierre Gamayels. Nach der Ermordung Gamayels richten diese Milizen in den Palästinenserlagern im Südlibanon ein Blutbad an, das selbst aus dem Wahnsinn des libanesischen Bürgerkries heraussticht. Mindestens mehrere hundert Palästinenser, darunter Alte, Frauen und Kinder wurden von den bis an die Zähne bewaffneten Kämpfern regelrecht abgeschlachtet - unter den Augen der israelischen Armee.

Die Männer der Kataib berichten in der Dokumentation freimütg von ihren Taten: Wie sie Kinder ermordeten, weil sie „irgendwann erwachsen und dann zu Feinden geworden wären“, wie sie Menschen mit dem Messer langsam aufschlitzten, weil dann „das Opfer den Tod erst richtig spüre“. Während die Kämpfer von ihren Taten berichten, umkreist die ewig wackelnde Handkamera ihre schwitzenden Körper. Die Gesichter bleiben dunkel. Ab und zu rollen sie Scharzweißfotgrafien auf und zeichnen Lagepläne des Massakers mit Edding auf große weiße Folien. Die Kämpfer sitzen in kargen Räumen ohne Möbel, doch die Leere des Ortes bringt nicht den gewünschten Kontrast zur Brutalität ihrer Berichte. Die zwanghaft künstliche Inszenierung ist bald nur noch ärgerlich, und der Zuschauer fragt sich sich zunehmend: Warum dieser Film? Die Reaktion des Publikums ist verhalten, der Beifalll schwach. Nach kritischen Nachfragen an die Macher bestätigt sich ein schlimmer Verdacht: Die Regisseure wollen ganz naiv „die Motive der Täter“ erklären. Das Ziel wird konsequent verfehlt. Dass die immanente Beschäftigung mit Tätern nicht weiterführt, wenn man sich nur an ihren verschwommenen Erinnerungen abarbeitet, hat die dokumentarische Aufarbeitung des Nationalsozialismus schon oft erwiesen. Die freimütigen Geständnisse von schlichten SS-Leuten und KZ-Aufsehern alleine können nicht viel erklären.

Dass die Regisseure den Film in der anschließenden Diskussion trotzdem als Beitrag zur Untersuchung von „struktureller Gewalt“ verkaufen wollen ist skurril: Strukturen kommen nur am Rande vor, wenn die Kämpfer von Ausbildungslagern in Isral, von Propagandaschulung, Jugendverbänden und verordneten Drogenexzessen erzählen. Die Geschichte von Sabraa und Shatila selbst, von Opfern und Kontext, wird zur Fußnote der Gewalt. Das Massaker an den Palästinensern wird - trotz der Brutalität der Schilderungen - in den Narrativen der Milizionäre letztlich banalisiert, die Opfer kommen nicht vor.

Die hehren Ziele der Autoren sind gewiss: Die Aumaße des Massakers in Sabra und Shatila ins Bewustsein zu rücken. Aber der Film erreicht sein Ziel nicht. Eine Dokumentation, die sich dem Thema ganz konventionell nähert und Täterstimmen einflechtet, hätte das eher erreichen können. Die Kämpfer, so die Macher des Films, „hätten zum ersten Mal seit 1982 geredet“, was manchmal „wie eine Therapie“ gewirkt habe. Man hätte diese Therapie aber nicht filmen müssen.

13.02.05 23:17

Forum: Amu von Shonali Bose

Indien 2004 * Regie und Drehbuch: Shonali Bose * Kamera: Lourdes Ambrose * Darsteller: Konkona Sensharma, Brinda Karat, Ankur Khanna, Chaiti Gosh, Aparna Roy

2302_0003_Popup1.jpg

Jenseits von Bollywood

Bollywoodfilme haben in Deutschland längst ihren Markt erobert, auch auf der Berlinale läuft mit Veer-Zaara im Forum ein indisches 192-Minuten-Spektakel. Im Forum gibt es mit „Amu“ aber auch wieder einen sehr politischen indischen Film, der wie „Final Solution“ im letzten Jahr die ethnischen Spannungen des Landes thematisiert.

Der Film erzählt die Geschichte der 21-jährigen Kaju. Als Waise in Los Angeles aufgewachsen, reist Kaju nach Neu-Delhi, um die Familie ihrer Adoptivmutter zu besuchen - und um mehr über ihre eigene Herkunft zu erfahren. Dass bei einer Malariaepedemie 1984 das ganze Dorf ihrer Eltern umgekommen ist, gehört zu den wenigen Information, die sie hat. Während Kaju als Fremde nach Indien kommt, wird bald klar, dass dunkle Erinnerungen an die Heimat ihrer Kindheit wiederkehren. Der Student Kabir verliebt sich in Kaju, begegnet ihr aber zunächst unterkühlt. Er wirft ihr vor, mit der Videokamera folkoristische Bilder in den Slums von Neu-Delhi zu suchen. Aber als er begreift, dass Kaju dort auf der Suche nach ihrer eigenen Geschichte ist und er vom Tod ihrer Eltern erfährt, ändert sich das Verhältnis. Gemeinsam versuchen sie, dass Schicksal von Kajus Eltern zu ergründen und stoßen dabei auf die politischen Ereignisse des Jahres 1984: Die Unruhen nach der Ermordung Indhira Ghandis, bei denen mit Billigung der Hindu-Regierung tausende von Sikhs ermordet wurden. Es stellt sich heraus, dass auch Kajus Eltern nicht einer Epedemie, sondern dem Massaker an den Sikhs zum Opfer gefallen sind. Kaju - eigentlich Amrit („Amu“) - hat das Massaker als Kleinkind überlebt.

Die Geschichte von Kaju beruht - so der Abspann - auf einer realen Geschichte. Die 40jährige Rgisseurin Shonali Bose pendelt als politische Aktivistin zwischen Amerkia und Indien und hat ihr Studium an der UCLA absolviert; genauso wie ihre Protagonistin. Dem insgesamt sehenswerten Film tut soviel Realimus nicht gut. Zu gewollt steuert die Story auf Boses zenrales politisches Anliegen zu: Die Thematisierung des Massakers an den Sikhs. Der religiösen Gemeinschaft gehören 2% der indischen Gesellschaft an. Nach dem Mord an Indira Ghandi durch Sikhs, rächen sich die Hindus mit der pogromartigen Ermordung von über 5000 Angehörigen der Minderheit. Damit nimmt sich Bose einem dunklen Thema an, dass in Indien immer noch weitgehend verschwiegen wird. Eine Dokumentation mit Spielfilmanleihen hätte dies vielleicht besser leisten können als ein Spielflim, der sich am Ende dokumentarisch gibt. So wirkt die recht konvetionell gestrickte Story letztlich ein wenig wie ein Anhängsel der politischen Kritik.

Ihn deshalb als Film „für falsche Freunde von Amesty International“ (http://www.perlentaucher.de/artikel/2177.html) zu bezeichnen, ist falscher Zynismus. Amu, Boses Spielfilmdebut, ist ein aufrichtiges und persönliches Statement. Neben Bollywood steht Shonali Bose mit ihrem Film für eine gradlinige politische Kritik, die im Forum ihren festen Platz hat - und das ist auch gut so!

Impressum