Berlinale 2016: A MAGICAL SUBSTANCE FLOWS INTO ME von Jumana Mana

Vom Archiv aufs iPhone. Eine musikalische Reise.

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Die Grundlage für Jumana Mannas Film sind die spannenden Dokumente und Aufnahmen, die sie aus der britischen Mandatszeit aufgespürt hat. In Archiven hat sie eine Musiksendung entdeckt, die vom Palestine Broadcasting Service, dem Sender der Mandatsmacht, ausgestrahlt wurde. In jeder Folge hat der aus Deutschland eingewanderte Musikanthropologe Robert Lachmann Musiker unterschiedlicher ethnischer Communities eingeladen, ihre musikalische Folklore zu repräsentieren.

Manna nimmt die Aufnahmen und begibt sich damit auf die Suche nach den Musikstilen im heutigen Israel und in den besetzten Gebieten. Die Grundidee ist klar: Der israelische Staat hat mit seinem Gründungsmythos und seiner Verächtlichmachung und Ausgrenzung der sephardischen Traditionen und arabischen Elemente jüdischer Kultur von Anfang an versucht, diese Diversität zu überlagern. Manna besucht unterschiedliche Gemeinden und konfrontiert sie mit den alten Aufnahmen. Dazu zählen auch Menschen in ihrem Umfeld. Auch ihre eigene Familie wird einbezogen, der Vater forscht über die Nakba.

Der Vater eines Freundes mit kurdischen Wurzeln spielt traditionelle Musik, eine andere Bekannte singt wunderschöne traditionelle Berberlieder aus Marokko. Auch dem religiösen Oberhaupt der religiösen Gemeinschaft der Samaritaner spielt sie die alte Aufnahme mit religösen Gesängen auf ihrem iPhone vor. Der alte Mann ist fasziniert und ruft seine Frau. „Hör mal, da ist die Stimme deines Vaters“. Als sie Bedouinen die traditionelle Musik mit der Rababa, einem traditionellen Saiteninstrument vorspielt, protstieren sie. „Nee, das sind keine Bedouinen, das ist irgendwo auf dem Dorf." Ein Alter sucht seine Rababa und spielt selber. Zum ersten Mal seit 10 Jahren. Die Traditionen gehen kaputt, ihr Land, aber auch ihre Kultur wird vom israelischen Staat enteignet.

Der Film zeigt eindringlich die noch immer existierenden reichen und diversen kulturellen Wurzeln jenseits der nationalistischen Definition und Umdeutung im heutigen Israel und Palästina. Es überrascht, wie die staatlich unterdrückten arabischen Traditionen, in diesem Fall das reichhaltige musikalische Erbe, in vielen „Misrachi“-Familien (Juden aus den arabischen Ländern) immer noch lebendig sind. Die unglaubliche Ausdrucksstärke und Musikalität der Protagonisten macht den Film ebenso sehenswert wie die Dekonstruktion des angeblich „arabisch-jüdischen“ Gegensatzes.


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Titel

Orignaltitel

A magical substance flows into me

Credits

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Jahr

2016

Dauer

68 min.

Festival

Berlinale 2016

Festivalplakat Berlinale 2016

Berlin, 11.02. - 21.02.2016

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