SHOOTING THE MAFIA von Kim Longinotto (Berlinale 2019)

Spätestens seit Matteo Garrones „Gomorrha“ wurde auch einem großen Publikum die triste Realität der Mafia, die brutale Gewalt und soziale Verwahrlosung schonungslos vor Augen geführt und damit ein Kontrapunkt geschaffen zur traditionellen hollywoodesken Verklärung. Auch SHOOTING THE MAFIA zeigt schonungslos die brachiale, rücksichtslose Gewalt und das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen. Und zwar in Form der Fotos von Letizia Battaglia, die über Jahrzehnte die Morde der Mafia in Sizilien fotografisch festhielt.

Die Dokumentation portraitiert diese unfassbar mutige und selbstbewusste Frau, die erst mühsam aus den engen gesellschaftlichen Konventionen und den familiären Repressionen im ultrakonservativen Sizilien der 60er Jahre ausbrechen konnte. Danach lebt sie ein freies und selbstbestimmtes Leben, wie es für Frauen ihrer Generation außergewöhnlich ist. Liebesbeziehungen mit meist deutlich jüngeren Männern machen sie ebenso zur lokalen Berühmtheit wie die Tatsache, dass sie lange die einzige Pressefotografin in Sizilien und damit zur gesellschaftlichen und künstlerischen Pionierin wird.

Erst mit Ende 30 beginnt sie zu fotografieren und dokumentiert über Jahrzehnte die brutalen Morde der Camorra. Auch wenn sie damit selbst zum Hassobjekt der Mafiabosse wird, lässt sich Battaglia nie zum Schweigen bringen. Die Omertà, der überkommene Ehrenkodex der Mafia, ihre Frauenverachtung und die zersetzende Wirkung auf die sizilianische Gesellschaft, die in den Siebzigern in einem regelrechten Bürgerkrieg mündet, sind ihr ein Gräuel. Fast täglich fotografiert sie die Opfer, Männer, Frauen und Kinder. Ihr größter Wunsch ist es mitzuhelfen, das Treiben der Camorra zu beenden. Um das zu erreichen, geht sie sogar für ein paar Jahre in die Politik, um Menschen wie den berühmten Mafia-Ankläger Falcone zu unterstützen. Ihn bewundert sie, bis er ebenso bei einem Anschlag umkommt wie andere Wegbegleiter. Das sie selbst überlebte grenzt an ein Wunder. Im hohen Alter ist die mutige Dame mit ihren feuerroten Haaren in Italien zur Ikone geworden. Großartige Dokumentation über eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die nicht nur durch ihre Fotografien beeindruckt.

Kommentiere den Film oder den Eintrag

Titel

Orignaltitel

Shooting the Mafia

Credits

Regisseur

Kim Longinotto

Land

Flagge IrlandIrland

Flagge Vereinigte StaatenVereinigte Staaten

Jahr

2019

Related

Kim Longinotto (Regisseur)

BERLINALE 2013

Salma (Regisseur)

Festival

Berlinale 2019

Festivalplakat Berlinale 2019

Berlin, 07.02. - 17.02.2019

Impressum