Berlinale 2016: HOTEL DALLAS von Sherng-Lee Huang

Wie sogar J.R. Ewing gegen Ceausescu sympathisch wirkte

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Was für ein wunderbarer Film im Panorama. Ich fordere den Publikumspreis! Her damit! Aber dafür ist er Film vielleicht doch zu komplex. Und vielleicht geht der Preis ja dann an STRIKE A POSE? Bei der Weltpremiere in Berlin ist nur Regisseur Sherng-Lee Huang anwesend. Der Amerikaner mit chinesischen Wurzeln ist mit der aus Rumänien stammenden Livia Ungur verheiratet, die beiden haben den Film zusammen gemacht. „In den letzten beiden Jahren war der Film unser Baby; aber jetzt bekommen wir noch ein echtes Baby, und deswegen ist meine Frau leider in New York“, sagt Huang.

Die beiden haben einen magischen, experimentellen, verrückten Film gemacht, der trotzdem nicht anstrengend ist oder sich im l’art pour l’art der Bilder verliert. Es ist auch ein witziger, unterhaltsamer und sehr ästethischer Film geworden, auch wenn der Reigen der Erzählstränge den Zuschauer manchmal ganz schön fordert. Aber der Film strotzt nur so vor guten Ideen. Oder haben Sie schon mal einen Film gesehen mit einem „Friedhof der lustigen Grabsteine“ oder mit zwei Erwachsenen, die im Innern einer Camera Obscura eine Zugreise antreten?

Der poetische Film dekonstruiert Zeit und Geschichte und das alles im Rahmen der ohnehin schon skurrilen Rahmenhandlung: Ein Amerikaner reist nach Slobozia, um das „Hotel Dallas“ zu besuchen. Das gab es wirklich; ein korrupter rumänischer Geschäftsmann hat es (sowie eine Nachbildung des Eiffelturms, siehe Foto) gebaut, da Dallas die berühmteste Fernsehserie in den letzten Tagen des Kommunismus in Rumänien war - und auch die Einzige. So groß war die Popularität, dass nach der Wende Larry Hagmann, der in der Serie den egomanischen J.R. spielt Werbung im rumänischen Fernsehen machte – für Motoröl. Als er Rumänien besuchte, wurde ihm bescheinigt, er habe „die Rumänen gerettet“, denn dank Dallas gab es im rumänischen Fernsehen überhaupt mal was anderes zu sehen als Ceausescu. Bei jedem, der wie ich in den 80ern in Deutschland aufgewachsen ist, dürfte sich das Intro der Serie tief eingebrannt haben

Der imaginäre Amerikaner, der im längst geschlossenen Hotel Dallas eincheckt, wird von niemand geringerem gespielt als Patrick Duffy – der in der Serie J.R.'s jüngeren Bruder und Widersacher Bobby spielt. Davon hatten die Regisseure mit ihrem Independent-Budget kaum zu träumen gewagt. Sie kontaktierten Duffy über die Adressen in der Filmdatenbank IMDB
und er sagte schon einen Tag später zu, mitzumachen. Er begibt sich mit einer ebenso mysteriösen Rumänin mit Cowboyhut (gespielt von Livia Ungur) auf eine Reise durch die rumänische Vergangenheit. Meistens weiß man nicht, ob die Zeit gerade rückwärts oder vorwärts läuft. „Ich glaube Filme sind die Antwort auf die Begrenzungen im Leben. Da können wir die Regeln ändern und uns die Welt anders vorstellen“, sagt Sherng-Lee Huang nach der Vorführung. „Cinema Matters“. Recht hat er.

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Titel

Orignaltitel

Hotel Dallas

Credits

Schauspieler

Maria Croitoru

Razvan Doroftei

Patrick Duffy

Serena Sgardea

Livia Ungur

Land

Flagge RumänienRumänien

Jahr

2016

Dauer

75 min.

Festival

Berlinale 2016

Festivalplakat Berlinale 2016

Berlin, 11.02. - 21.02.2016

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