Wettbewerb (außer Konkurrenz): „Syriana“ von Stephen Gaghan

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Alles hängt mit allem zusammen

Was "Syriana" (auch) erzählt, wird schon in den ersten Sekunden, nachdem das Licht ausgegangen ist, angedeutet: Als das Warner Brothers Logo anstatt wie üblich mit Fanfaren den Film ankündigt, sondern man zwar das Logo sieht, dazu aber ein Muezzin „Alahu akkbar“ ruft. Grandios! (Der Regisseur wird später sagen, dass damit der ewige Kampf zwischen Ökonomie und Spiritualität, die wechselseitige Verstärkung oder Abschwächung der beiden Kräfte sofort klar werden sollten.)
Wie auch schon in „Traffic“, zu dem Gaghan das Drehbuch schrieb, werden kunstvoll verschiedene Orte, Personen und Konflikte miteinander verwoben:...

1. CIA und deren Interventionen im Nahen Osten. 2. Regierung in den USA, die besonders eng verwoben ist mit der Ölindustrie. 3. Die Ölfirmen in den USA, die sich gegen andere Staaten bei der Erschließung neuer Felder behaupten müssen. 4. Die ökonomische Verfügungsmasse des Ölmarkts: billig Arbeitskräfte vor allem vom indischen Subkontinent, die zu Terroristen werden. 5. Die Herrscher am Golf (in diesem Fall ein ungenanntes Königreich, das sehr an Saudi Arabien erinnert), in dem Reformer gegen Konservative kämfen. 6. Die islamistischen Organistationen wie Hisbollah, deren Terror aus Ölstaaten wie Iran finanziert werden 7. Anwälte, CIA Agenten, Terroristen, Ehefrauen, Väter, Söhne (Frauen spielen in diesem Film nicht so eine Rolle - It’s a man’s world), die profitieren oder leiden. In der ersten halben Stunde ist man ob der Menge von Charakteren (die einander fast nie begegnen) und Orten (Genf, Saudi Arabien, USA, Iran, Libanon, Paris) verwirrt, zumal sich die meisten der Charaktere auch noch zwischen den Orten hin und her bewegen. „Accept complexity“, scheint einem diese Geschichte, ganz und gar un-hollywoodesk sagen zu wollen. Wahrscheinlich ist die in „Syriana“ dargestellte Komplexität des Ölgeschäfts in der Wirklichkeit noch viel größer: noch mehr Akteure, Interessen und Verflechtungen.
Kurz gesagt geht es darum: der reformwillige Thronfolger eines Golfstaats Prinz Nasir (Alexander Siddig) will die die Abhängigkeit seines Landes von amerikanischen Firmen abschwächen und das Land demokratisch erneuern (er wird von der CIA umgelegt). Der Texaner Jimmy Pope (Chris Cooper) hat gerade über sehr dunkle Kanäle Bohrrechte in Kasachstan erhalten fusioniert jetzt mit einer großen Ölfirma, die bislang in Prinz Nasirs Land bohrte. Der Mitarbeiter (Jeffrey Wright) einer großen Anwaltskanzlei (die natürlich eng verbandelt ist mit den Big Shots in Washington) soll das Geschäft überprüfen. CIA Agent Bob (George Clooney) soll Nasir töten (weil er angeblich den Terrorismus fördert) und wird selbst Opfer der CIA Politik. Ein amerikanischer Berater (Matt Damon) will Nasir zu Seite stehen, um das Land zur reformieren, gehört bald nirgendwo mehr hin. Zwei junge Männer, die auf den Ölfeldern gearbeitet haben, geraten in islamistische Kreise und planen mit einer bei einem CIA Deal verschwundenen Waffe einen Anschlag. So weit so wirr. Wie das dann alles in einander greift und alles mit allem zu tun hat, das kann ich nicht nacherzählen. Anschauen empfehle ich!

Der ehemalige CIA Agent Robert Baer, dessen Tätigkeit auch Vorlage für den Film war erzählt in einem Interview (hier) über seine Tätigkeit und die Darstellung in "Syriana".

Clooney meinte zum Abschluss, es sei gut, dass nun wieder politische Filme erfolg haben, gerade in diesen Zeiten, denn: „The United States are loosing their mind every 30 years it seems, but they are always finding it again.“ Kann man nur hoffen, dass es nicht andersherum ist: Alle 30 Jahre finden die Amerikaner kurz ihr Hirn, um es dann wieder 30 Jahre lang suchen zu müssen.

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Titel

Orignaltitel

Syriana

Credits

Regisseur

Stephen Gaghan

Schauspieler

George Clooney

Chris Cooper

Matt Damon

Jeffrey Wright

Land

Flagge Vereinigte StaatenVereinigte Staaten

Jahr

2005

Dauer

126 min.

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