Berlinale 2016: STRIKE A POSE von Reijer Zwaan und Ester Gould

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Gibt es DEINEN Berlinale Moment, Deinen "favourite"? Für mich war er heute. Vielleicht war es in den vielen Festivaljahren DER Moment. Der Abspann ist vorbei, die Hauptfiguren aus dem Film kommen vor den Kinovorhang, alle erheben sich und der Applaus will einfach nicht aufhören. Bei eigentlich allen fließen Tränen: bei den Tänzern aus Madonnas Blond Ambition Tour, dem Publikum und vielleicht sogar bei dem sonst so ernsten Moderator der Publikumsgespräche. Als ein Zuschauer fragt, ob die Tänzer noch einmal eine Voguing Figur machen können, lassen sie es sich nicht nehmen. Popgeschichte, Lebensgeschichten, Festivalgeschichte...in diesen Minuten nach dem Film fließt alles ineinander.

Madonnos BLOND AMBITION TOUR und der zugehörige Film TRUTH OR DARE sind in viellerlei Hinsicht Meilensteine der Popgeschichte. Ein Grund ist die offene Art, mit Sexualität und Homosexualität umzugehen. Ein anderer die Mode, der Ausdruck und vor allem der Tanz. Luis, Oliver, Salim, Jose, Kevin, Gabriel (†) und Carlton waren die von Madonna auserwählten Tänzer für ihre Tour. Ihr Voguing Tanzstil prägte viele. Reijer Zwaan und Ester Gould sind der Frage nachgegangen, was aus ihnen inzwischen geworden ist. Sie interviewen die Tänzer, lassen sie von der Tour und dem Leben nach der Tour berichten. Es ist "heart breaking" wie sie erzählen, was für eine Marke diese Tour bei Ihnen hinterlassen hat und wie ein unsichtbares Band sie noch immer miteinander verbindet.

STRIKE A POSE ist keine Abrechnung mit Madonna. Keiner der Tänzer verliert ein schlechtes Wort über sie. Es zeigt sich vielmehr, welchen großen Einfluss Madonna auf das Leben der Tänzer gehabt hat. In dem Film finden sie Gelegenheit, ihre Geschichten in die Gegenwart zu holen und wieder zusammenzufügen. Unerzählte Geschichten, wie die Furcht sich als HIV positiv zu outen,kommen an die Oberfläche.

Der Film und seine Weltpremiere im Kino International werden, ohne dass es den Regisseuren bewusst gewesen sein kann, zu einer Katharsis. Wenn die Tänzer auf die Fragen des Moderators antworten, kann man im Kinosaal, den kaum einer verlassen hat, eine Stecknadel fallen hören. Für alle ist es ein extrem emotionaler Moment, jeder von ihnen ringt mit seiner Stimme.

Einmal mehr beweist das Panorama als Nebensektion, was ein Festival, was Kino sein kann: eine gemeinsame, aufrichtige Suche nach Wahrheit und ein Ort, an dem große Geschichten erzählt werden.

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Titel

Orignaltitel

Strike a pose

Credits

Regisseur

Ester Gould

Reijer Zwaan

Kamera

Reinout Steenhuizen

Land

Flagge BelgienBelgien

Flagge NiederlandeNiederlande

Jahr

2016

Dauer

83 min.

Festival

Berlinale 2016

Festivalplakat Berlinale 2016

Berlin, 11.02. - 21.02.2016

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