303 von Hans Weingartner (Berlinale 2018)

303.jpg

Jule und Jan begegnen sich zufällig an der Autobahnraststätte. Jule ist mit ihrem Wohnmobil (ein umgebauter Mercedes-Bus 303) unterwegs zu ihrem Freund nach Portugal. Jan trampt und steigt zu. Er ist auf dem Weg zu seinem leiblichen Vater in Spanien, den er nie kennengelernt hat. Eigentlich will er nur bis Köln mitfahren, aber die beiden kommen sich näher und - Überraschung - verlieben sich.

Das merkt man gleich, nur die beiden tun sich ziemlich schwer. Denn es ist ein unglücklicher Zeitpunkt, Jule ist schwanger, von ihrem Freund mit dem es nicht gut läuft. Ihre Mutter drängt sie abzutreiben, Jule weiß nicht was sie machen soll.

Die beiden sind zwar recht gegensätzlich, aber schnell entsteht Vertrauen auf der Reise. Der Roadtrip führt sie in dem alten Wohnmobil durch wunderschöne Landschaften in Frankreich und Spanien (Regisseur Hans Weingartner erzählt hinterher, dass der Bus ihm gehört). Lagerfeuer, aufgehende Sonne, untergehende Sonne und viel schöne, aber dann doch etwas eintönige Singer-Songwriter-Musik (von Nick Drake hätte es auch ein anderer Song als das überstrapazierte Pink Moon sein dürfen) bilden die Kulisse für viele intime Gespräch der beiden. Die sind dann mit ihren Topoi „Ist der Kapitalismus wirklich so schlimm“ (Jule: ja, Jan: nein) oder „Sind Liebe und Partnerschaft durch biologische und evolutionäre Theorien berechenbar“ (Jule: nein, Jan: ja) zwar ganz unterhaltsam ins Drehbuch geschrieben, aber doch etwas zu dünn um über die – sage und schreibe – 145 Minuten dieses Films zu tragen. Unweigerlich verliebt man sich in die beiden wunderbaren Hauptdarsteller Mala Emde und Anton Spieker, auch wenn man spätestens ab der Hälfte denkt: Kinders, nun küsst Euch und dann ist doch auch gut... Und am Ende kommt es dann auch so oder so ähnlich. Ein zuckersüßer Film (nicht nur) für einsame Schüler und Studenten.

Kommentare ( 1 )

... nu ist auch der politische Weingartner beim #vanlife und instagramfähiger Zweisamkeit auf Reisen angekommen. Und offenbar bei der Erkenntnis, dass es am Ende immer nur ums eine geht. Auch wenn die die Liebe kompliziert und so viele Dinge im Kopf sind.

Kommentiere den Film oder den Eintrag

Festival

Berlinale 2018

Festivalplakat Berlinale 2018

Berlin, 15.02. - 25.02.2018

Impressum