60 Jahre Berlinale

Berlinale 2009

Überall nur Krisenstimmung - da musste die Berlinale schon einiges bieten, um sich als kulturelles Highlight zu behaupten. Sofern man dies an den Besucherzahlen festmacht, war 2009 ein voller Erfolg: Trotz globaler Wirtschafts- und Finanzkrise wurde mit ca. 270.000 verkauften Tickets wieder ein neuer Rekord aufgestellt. Auch die Jury war mit Tilda Swinton als Präsidentin, mit Christoph Schlingensief, dem Schriftsteller Hennig Mankell, der spanischen Regisseurin Isabel Coixet, dem Regisseur Wayne Wang hochkarätig besetzt. Zwiespältige Reaktionen löste dann der Eröffnungsfilm The International von Tom Tykwer aus, ein Politthriller, der trotz anderslauternder Pressemeldungen keine tiefere Auseinandersetzung mit der Finanzkrise bot, sondern bei dem das internationale Wirtschaftsverbrechen eher die Rahmenhandlung für zahlreiche Verfolgungsjagden und Schusswechsel bildete.

Mehr: " Berlinale 2009 " »

Berlinale 2008

Das Staraufkommen war wieder einmal beachtlich: Neben Tilda Swinton, Penélope Cruz, Natalie Portman, Daniel Day-Lewis und dem Bollywood-Superstar Shah Rukh Khan wurde die Liste der Berühmtheiten noch getopt von Madonna, die zur Aufführung ihrer ersten Regiearbeit Filth and Wisdom höchstselbst nach Berlin gekommen war und dort außer den obligatorischen Menschenaufläufen inklusive ganz viele Gekreische mit ihrem Erstlingswerk auch für einen kurzweiligen Filmabend sorgte. Die Bedenken, die angesichts der früheren schauspielerischen Leistungen von Madonna durchaus berechtigt waren, erwiesen sich zum Glück als unbegründet: Madonnas Regiedebut wird vermutlich nicht als Meilenstein in die Filmgeschichte eingehen, war aber als unterhaltsamer Musikfilm durchaus sehenswert. Überhaupt stand diese Berlinale im Zeichen der Musik: Abgesehen von der Rockdokumentation über die Gitarristen von Led Zeppelin, The Withe Stripes und U 2 It might get loud als Eröffnungsfilm bot auch das Parorama mit dem Musikdokumentarfilm des Star- und Modefotographen Steven Sebring Dream of Life eine beeindruckende Innenansicht in Leben und Werk der Ausnahmekünstlerin Patti Smith.

Mehr: " Berlinale 2008 " »

Berlinale 2007

Rekorde, Rekorde Rekorde: In diesem Jahr verbucht die Berlinale 19.000 Akkreditierte aus 127 Ländern, 4.000 Journalisten, 430.000 Kinobesuche in zehn Tagen und 220.000 verkaufte Tickets.

Aus dem Wettbewerb bleibt positiv in Erinnerung: Der Goldene Bär für den chinesischen Wettbewerbsbeitrag TUYAS EHE und vor allem Christian Petzolds YELLA. Toller Film und Nina Hoss bekommt den Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin. Der Alfred-Bauer-Preis für neue Perspektiven in der Filmkunst für Park Chan-wooks genial übergeschnappten Film I’M A CYBORG, BUT THAT’S OK. ist mehr als nur ok. Zurecht Prügel bezieht die Berlinale hingegen dafür, dass das gut gemeinte B-Movie BORDERTOWN mit JLo als Starvehikel im Wettbewerb läuft.

Großartige Entdeckungen dagegen im Forum: Thomas Imbachs märchenhafter Film I WAS A SWISS BANKER verzaubert das Publikum, Josef Hader hat einen großen Auftritt in Ann-Kristin Reyels schönem Winterdrama JAGDHUNDE, Jeff Nichols gewaltiger Debütfilm SHOTGUN STORIES avanciert zum Kritikerliebling. Die filmische Wiederentdeckung eines verschollenen Mitglieds der Andy-Warhol-Entourage liefert in A WALK INTO THE SEA: DANNY WILLIAMS AND THE WARHOL FACTORY neues Futter für die Freunde und Feinde der Factory. Gezeigt werden zudem mehrere Warhol-Filme, darunter THE CLOSET, in dem man eine Stunde lang der unterkühlten Sirene Nico dabei zusehen kann, wie sie einen netten jungen Mann mit harmlosen Gesprächen in einem begehbaren Kleiderschrank verunsichert.

Besonderer Leckerbissen: Die Wiederaufführung von Charles Burnetts KILLER OF SHEEP, der bereits 1981 im Forum lief. Wegen Streitigkeiten um die Musikrechte gehört dieses äußerst berührende, formal zwischen Neorealismus, Jean Renoir und Cassavetes angesiedelte Drama zu den am wenigsten gesehenen berühmten Filmen der Welt.

Die Retrospektive bietet einen spannenden Blick auf die "neue Frau" im Stummfilm.

Das Panorama beglückt unter anderem mit Julie Delpies Regiearbeit ZWEI TAGE IN PARIS, der von Jeff Garlin gedrehten John Waters One-Man-Bühnenshow THIS FILTHY WORLD, Thomas Arslans stillem und gerade deshalb so packendem Familien- und Beziehungsdrama FERIEN und THE BUBBLE, in dem Eytan Fox den zum Scheitern verurteilten Versuch einiger junger Leute in Tel Aviv nachzeichnet, trotz des Palästina-Konfliktes in einer „Blase der Glückseligkeit“ zu leben.

Berlinale 2006

Was war da noch mal, im Jahr 2006? Richtig: Deutschland, ein Sommermärchen. Fußballweltmeisterschaft. Die Berlinale also ganz im Zeichen des bevorstehenden schwarz-rot-goldenen Fußballtaumels? Keineswegs. Festivaldirektor Kosslick ging in die Offensive und kündigte bei der Eröffnungspressekonferenz ein explizit politisches Festival an: „so politisch, grausam und unangenehm, wie die Weltlage nun einmal ist.“

Schließlich war 2006 noch kein Obama in Sicht, der Krieg im Irak auf einem blutigen Höhepunkt und Guantánamo wurde samt seinen Folterwerkzeugen von der US-Administration im „Krieg gegen den Terror“ verteidigt. Michael Winterbottom thematisierte in The Road to Guantánamo anhand traumatisierter ehemaliger Gefangener eindrucksvoll dieses staatlich sanktionierte Menschenrechtsverbrechen und bekam dafür den silbernen Bären für die beste Regie. Der kritische Polit-Thriller Syriana lief außer Konkurrenz und wurde von George Clooney persönlich vorgestellt.

Und selbst die Fußballfilme waren 2006 politisch: Der großartige Film Offside von Jafar Panahi führt die Schikanen der frauenfeindlichen iranischen Diktatur ad absurdum, zu denen auch striktes „Stadionverbot“ zählt; und zeigt mutige Frauen, die sich darüber hinwegsetzen – ein Vorbote der heutigen Proteste im Iran. Auch der Goldene Bär ging also fast selbstverständlich an einen starken politischen Film, der die Vergewaltigungen im Jugoslawienkrieg thematisiert: Esmas Geheimnis – Grbavica von Jasmila Žbanić. Politik und Frauenpower, symbolisiert auch von Jurypräsidentin Charlotte Rampling, das ging 2006 hervorragend zusammen. Endlich, so die Bilanz, wieder gesellschaftlich relevantes Kino. Dazu passend feierte der schwul-lesbische Teddy-Award bereits sein 20-jähriges Jubiläum.

Berlinale 2005

Überraschung bei der Preisverleihung: Mit dem südafrikanischen Spielfilmdebut U-Carmen eKhayelitsha von Mark Dornford-May setzte sich ein Film im Wettbewerb um den Goldenen Bären durch, dem zuvor kaum Chancen auf den Preis eingeräumt worden waren. U-Carmen ist eine Adaption der Carmen Oper von Bizet, bei der der Schauplatz der Handlung in das Township eKhayelitsha nahe Kapstadt verlegt worden ist. Bei Publikum und Presse war dagegen ganz klar der politische Film Paradise Now des palästinänsisch-niederländischen Regisseurs Hany Abu-Assad über zwei palästinensische Selbstmordattentäter der Favorit. So gab es bei Bekanntgabe des goldenen Bärens vereinzelt die üblichen Buh-Rufe und auch die Jury Mitglieder Roland Emmerich und Franke Potente sahen bei ihrer Entscheidungsverkündung nicht wirklich begeistert aus.

Ansonsten war der deutsche Film dieses Mal mit Mark Rothemunds Sophie Scholl - Die letzten Tage, Hannes Stöhrs One Day in Europe und Christian Petzolds Gespenster auch im Wettbewerb wieder stark vertreten. Mark Rothemunds Film bekam dann gleich zwei silberne Bären: Für die beste Regie und für Julia Jentsch als beste Darstellerin.

Das Panorama feierte seinen zwanzigsten Geburstag neben einer multimedialen Ausstellungsinstallation mit Filmstills und Fotogalerie in der HomeBase Panorama Lounge am Potsdamer Platz auch mit einem hochkarätigen Filmprogramm und mit George Michael als Promi-Geburstagsgratulanten. Die Ausstellung zeigt u.a. all die Regisseure, an deren internationalem Durchbruch das Panorama maßgeblich mitbeteiligt war, so wie z.B. Pedro Almodóvar, Ang Lee, Gus Van Sant oder Oskar Roehler.

Berlinale 2004

Bei den 54. Internationalen Filmfestspielen in Berlin sieht es lange Zeit so aus, als ob die Ausbeute im Wettbewerb mager ausfallen wird: zu viele peinliche Streifen, zu viele belanglose Filme, zu viel Achselzucken und Ratlosigkeit. Doch ein paar richtig gute Filme sind auch darunter – und die Jury unter dem Vorsitz von Frances McDormand beweist ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Preise.

Riesenfreude: Der Goldene Bär für Fatih Akins wuchtiges Drama GEGEN DIE WAND bedeutet den internationalen Durchbruch des deutschtürkischen Regisseurs. In seinen eigenen Worten: "Ich war ein Leben lang eine Raupe - auf einmal bin ich ein Schmetterling". Akin hat seit KURZ UND SCHMERZLOSS über AUF DER ANDEREN SEITE bis hin zu SOUL KITCHEN gezeigt, dass er seine Geschichten in ganz unterschiedlichen Tonlagen unverwechselbar kaftvoll erzählen kann.

Großes Lob und Preise heimst auch EL ABRAZO PARTIDO des Argentiniers Daniel Burman ein – völlig zu Recht. Der Gewinner des Silbernen Bären für den Besten Film erzählt von einer Handvoll Menschen, die in einem heruntergekommenen Einkaufszentrum in Buenos Aires an ihrem Leben herumwerkeln. Brüchige Identitäten, Verlust und die Sehnsucht nach einem Lebensinhalt stehen im Zentrum dieses Films, der nie ins Betuliche abrutscht, sondern das Leben mit Gespür für Rhythmus und Tempo auf die Leinwand bannt. Hauptdarsteller Daniel Hendler bekommt einen Silbernen Bären.

Klar ist auch, dass die Südafrikanerin Charlize Theron für ihren atemberaubenden Auftritt in MONSTER den Silbernen Bären verdient hat. Dass ein zweiter Silberner Bär an die Kolumbianerin Catalina Sandino Moreno für ihre Rolle in „Maria, llena eres de gracia“ geht, ist wohl eher der politischen Relevanz dieses Drogenschmugglerfilms geschuldet.

Um ein künstlerisches Eltern-Kind-Paar geht es in Mario Van Peebles‘ HOW TO GET THE MAN’S FOOT OUTTA YOUR ASS: der afroamerikanische Filmemacher hat sich an die Dokumentation eines Meilensteins der schwarzamerikanischen Filmgeschichte gemacht: der Entstehung des Independent-Films SWEET SWEETBACK’S BAADASSSSS SONG, den sein Vater Melvin Van Peebles 1971 unter den widrigsten Bedingungen gedreht hat. Während Melvin Van Peebles Film in der Retrospektive zu sehen ist, läuft das „Making of“ im Panorama. Familiensache ist Ehrensache.

Berlinale 2003

Galt das Festival 2002 bereits als politisch, so nehmen Teilnehmer der Berlinale in diesem Jahr noch eindeutiger und sichtbarer Stellung zur aktuellen politischen Lage. Der Irakkrieg steht unmittelbar bevor – Berlinale-Gäste Martin Scorsese, Spike Lee, Dustin Hoffman, Spike Jonze und natürlich auch Oliver Stone lassen sich die Gelegenheit nicht entgehen, öffentlichkeitswirksam gegen die Politik von George W. Bush zu protestieren.

Insgesamt macht das Festival einen qualitätsvollen und sehr, sehr ernsten Eindruck: Patrice Chéreau erhält für sein beeindruckendes Sterbedrama SON FRÈRE den Silbernen Bären für die Beste Regie, dem Thema Sterben widmen sich auch Isabel Coixet in MY LIFE WITHOUT ME und Nir Bergmans BROKEN WINGS – beide Filme erhalten auf dem Festival und darüber hinaus großes Lob; Hans-Christian Schmids LICHTER und Oskar Roehlers DER ALTE AFFE ANGST gehen mit beeindruckender Intensität und jeweils ganz eigenem Gefühl für die richtige filmische Form dorthin, wo es wehtut.

Die Jury unter Vorsitz von Atom Egoyan entscheidet sich schließlich für den Versuch einer konsequenten Opfersicht: Michael Winterbottoms IN THIS WORLD erhält den Golden Bären, was dem einen oder der anderen dann doch zuviel Politik und zuwenig Ästhetik ist.

Berlinale 2002

Die Debüt-Berlinale von Dieter Kosslick wird allgemein als gelungener Neuanfang gewertet. Der extrem gut vernetzte neue Festivalchef, so der Tenor der Berlinale-Kommentatoren, bringe frischen Wind in die Berlinale. Kosslick punktet nicht nur durch seine Expertise im Filmfördergeschäft, er ist zudem die geborene Rampensau: mit demonstrativ guter Laune jettet er im klirrend kalten Februar von Termin zu Termin und schafft es, die Menschen ein knappes halbes Jahr nach 9/11 mit seiner positiven Art mitzureißen.

Der junge deutsche Film bekommt in diesem Jahr starken Rückenwind durch die neue Sektion Perspektive Deutsches Kino, geleitet von Alfred Holighaus. Auch im Wettbewerb ist der deutsche Film mit vier Beiträgen vertreten – der Große Preis der Jury geht an einen von ihnen: Andreas Dresen erntet breites Lob für seinen betont uneitlen Blick auf das emotionale und lebenspraktische Kuddelmuddel von Menschen „wie du und ich“, HALBE TREPPE. Ein Wermutstropfen: Drei der vier deutschen Wettbewerbsbeiträge wurden ganz ohne Förderung realisiert.

Einer der ganz Großen wird für sein Lebenswerk geehrt: Robert Altman. 2006 läuft sein letzter Film A PRAIRIE HOME COMPANION auf der Berlinale, im November desselben Jahres stirbt Altman.

Den Goldenen Bären teilen sich zwei komplett unterschiedliche Filme: Hayao Miyazakis zauberhafter Zeichentrickfilm SPIRITED AWAY und Paul Greengrass' politisch engagiertes Irland-Drama BLOODY SUNDAY. Nun ja, schließlich steht die Berlinale 2002 ja auch unter dem Motto "Accept Diversity".

Berlinale 2001

Nach 21 Dienstjahren bricht nun das letzte Berlinalejahr für Festvialleiter Moritz des Hadeln an. Sein Nachfolger Dieter Kosslick ist zwar schon überall präsent, hält sich aber in Interviews bedeckt und lobt die gute Arbeit seines Vorgängers. Ein weiterer personeller Wechsel findet bei der Leitung des Forums statt, dort übergibt Ulrich Gregor an den Filmjournalisten Christoph Terhechte, der zuvor u.a. das Filmressort des Berliner Stadtmagazins "tip" geleitet hatte.

Als Favouriten im Wettbewerb kristallisierten sich zwei Filme heraus: Der kunstvoll konstruierte grenzüberschreitende Thriller Traffic - Macht des Kartells von Steven Soderbergh und das erotische Kammerspiel Intimacy von Patrice Chéreau. Während es im auch formal anspruchsvollen "Traffic" um den Kampf gegen die Drogenmafia an der mexikanischen Grenze geht, ist "Intimacy" eine tiefsinnige Reflexion über Sexualität und Einsamkeit mit zum Teil recht drastischen Sexszenen, die sich vor allem durch die ungeschönte Art der Darstellung klischeegeprägten Sehgewohnheiten konsequent verweigern. Letztlich erwies sich Chéreau mit seinem Film dann als der große Abräumer: Neben dem Golden Bären gewann er auch noch den Blauen Engel für den besten europäischen Film, seine Hauptdarstellerin Kerry Fox wurde mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin ausgezeichnet. Auch der Konkurrent "Traffic" ging aber nicht gänzlich leer aus, Benicio del Torro wurde für seine Leistung mit dem Silbernen Bären als bester Darsteller bedacht.

Auffällig war die starke Präsenz von Filmen aus Japan, China, Korea, Thailand und Vietnam in allen Sektionen des Festivals, ein deutliches Zeichen dafür, dass die Berlinale ihrem Ziel, eine Plattform für das junge asiatische Kino zu bieten, deutlich näher gekommen war.

Berlinale 2000

Die Berlinale geht nicht nur in das 50igste Jahr ihres Bestehens sondern vollzieht auch endlich den schon lange geplanten Umzug in das Areal rund um den Potsdamer Platz. Ein Ereignis, das so manchen Filmjournalisten dazu verleitete, Parallelen zwischen der diesjährigen Retrospektive zum Thema "Künstliche Menschen" und dem doch recht steril anmutetenden neuen Umfeld zu ziehen. Nur wenige teilten die schon fast euphorische Begeisterung von Wim Wenders, der in der Rede zum Eröffnungsfilm One Million Dollar Hotel die persönliche Bedeutung des Potsdamer Platzes als Drehorte seines noch zu Mauerzeiten entstandenen Films der Himmel über Berlin betonte: "Je mehr ich darüber rede, um so mehr bin ich davon überwältigt." Für Wim Wenders war es die erste Teilnahme am Berlinale Wettbewerb und sein von klassischen Detektivfilmen inspirierter Thriller wurde mit dem Preis der Jury für eine besondere künstlerische Leistung geehrt.

Großer Gewinner des Festivals war dann aber der amerikanische Episodenfilm Magnolia von Paul Thomas Anderson, ein emotional aufgeladenes Drama aus dem Leben von neun unterschiedlichen Menschen, das die ganz großen Themen Schuld, Vergebung, Erlösung, Reue in einem fast dreistündigen Epos umsetzt. Ganz nebenbei bedeutete diese Film auch für die Songwriterin Aimee Mann den Karrieredurchbruch, denn von ihr stammte die Filmmusik, die von Anderson in diversen Schlüsselszenen zur Strukturierung der Handlung eingesetzt worden war. Die Entscheidung der Jury für den schon allein durch seinen Tom Cruise-Faktor recht publikumswirksamen Magnolia war allerdings nicht unumstritten und die Gesamtauswahl der Wettbewerbsfilme in diesem Jahr wurde wiederholt kritisiert.

Berlinale 1999

Diesmal scheint's zu klappen. Ein Jahr vor der Jahrtausendwende, vor dem Umzug an den Potsdamer Platz (nach langem, langem Gezerre) stimmen Atmosphäre und Filme quer durch die Sektionen, die Politik schaut genauer auf die Berlinale und scheint zu wissen, was sie daran hat, ein Bundeskanzler sitzt im Kino.
Natürlich auch die gewohnheitsmäßige Schelte für dies und jenes oder gleich die ganze Berlinale gibt es - aber auch das typisch: es soll sich alles ändern, immer, sofort - und wenn es das dann tut, gefällt es keinem, so hatte man sich das nicht vorgestellt.

Der Bundesbeauftragte für Kultur mahnt daher mehr „Haupstadt Qualität“ des Festivals an und die Kritiker und Stadtmarketing Leute flippen aus. Da hat er wohl einen Punkt getroffen. Allerdings nicht was die Filme angeht: Sie erfüllen die Erwartungen: allen voran auch deutsche Filme: Aimee und Jaguar von Max Färberböck und Andreas Dresens Nachtgestalten sind schöne Werke, die noch dazu in Berlin spielen. Das hat die Nabelschaustadt gern.

Und dann DER Film für mich in diesem Jahr: A thin red line von Terrence Malick, der mich damals im wahrsten Sinne sprachlos und alle anderen Filme vergessen machte für den Rest des Abends. Der Goldene Bär hoch verdient, wie ich finde.
Unter den vielen guten Filmen bleibt noch Shakespeare in Love von John Madden in Erinnerung - stark erzählt und bewegend - bei aller hollywoodesker Glattheit. Anders dann Mifune - Dogma 3 von Søren Kragh-Jacobsen, ironisch, witzig, direkt und einfach.

Und die ersten Zeichen eines Trends sind spürbar: der Dokumentarfilm erlebt eine neue Blüte: der bewegende, tieftraurige Film Frau Zwilling und Herr Zuckermann ist nur der erste einer ganzen Reihe von Filmen über ein verschwindendes Jahrhundert und ihre Menschen.

Berlinale 1998

Die Stimmung ist mal wieder schlecht. Und das, obwohl unter anderen die Coen Brüder (THE BIG LEBOWSKI), Gus Van Sant (GOOD WILL HUNTING), Alain Resnais (ON CONNAIT LA CHANSON), Barry Levinson (WAG THE DOG) und Quentin Tarantino (JACKIE BROWN) sehr gute Filme in den Wettbewerb geschickt haben.

Aber: Der Berlinale sind sowohl Clint Eastwoods MIDNIGHT IN THE GARDEN OF GOOD AND EVIL durch die Lappen gegangen (woran die Berlinale wohl keine Schuld trifft) als auch Roberto Benignis dreifacher Oscar-Gewinner 1999 LA VITA È BELLA (das hat die Berlinale allerdings selbst vermasselt). Insgesamt scheint die de-Hadeln-Müdigkeit vor allem unter den Kritikern rapide zuzunehmen – der Wechsel in der Festivalleitung schimmert bereits am Horizont.

Was das Panorama angeht, wird immer stärker deutlich, dass die aus der "Info-Schau" der 70er Jahre hervorgegangene Sektion weit mehr als ein Tummelplatz für unabhängige Produktionen ist, die einem größeren Publikum nicht zugemutet werden können. Die jüngste der drei Hauptsektionen zeigt immer mehr Arthouse-Filme mit Marktchancen – und tritt dabei in Konkurrenz zu Festivals mit eben dieser Ausrichtung: Sundance, Brüssel und Rotterdam.

Die Jury unter dem Vorsitz des britischen Extremschauspielers Sir Ben Kingsley entscheidet in puncto Goldener Bär für Central do Brasil – was den internationalen Durchbruch für Regisseur Walter Salles bedeutet.

Berlinale 1997

Puh - das hörte einfach nicht auf: Etatkürzungen, Zank über den Festivalleiter wie überhaupt über die Zukunft des Festivals. Nebenbei dummes Gerede von Politikern, deren geistiger Horizont in Detmold oder Fürstenfeldbruck gut regiert hätte, ja im Berliner Kiezmief jahrzehntelang ausgereicht hatte, aber nun verantwortlich war für Hauptstadt-Kultur. Und so begann man an der Berlinale in einer gefährlichen Mischung aus Großmannssucht und Ignoranz herumzudoktorn.
Am Ende wurde beschlossen: de Hadeln bleibt doch, die Berlinale zieht in die Daimler City am Potsdamer Platz (auch wenn alles noch nicht fertig war, die Kinos ohne Betreiber und der Festspielpalast ohne Konzept) sowie Forum und Wettbewerb bleiben Teil einer gemeinsamen Veranstaltung im Winter (was tatsächlich in Frage stand).

Die italienische Filmkrise wurde nun auch der Berlinale offenbar, als man die angebotenen Filme allesamt ablehnte, sie fast als Beleidigung ansah, da 90 Prozent Fernsehproduktionen mit eben diesem Niveau waren. David Lynchs Lost Highway ging lieber nach Cannes, und so war es auch mit einigen anderen erhofften Wettbewerbsteilnehmern. Es kamen amerikanische Großproduktionen: The People vs. Larry Flynt von Milos Forman, der auch den Goldenen Bären gewann, William Shakespeare's Romeo & Juliet von Baz Luhrmann, Anthony Minghellas Der Englische Patient und Tim Burtons Mars Attacks!, dazu The Crucible von Nicholas Hynter und die übliche Mischung aus dem Rest der Welt, bei der der Film Der Fluss von Tsai Ming-liang herausstach und den Spezialpreis der Jury (Silberner Bär) gewann. Es war ja die inzwischen zum Glück vergessene Zeit der deutschen Komödie, wobei der Wettbewerbsbeitrag Das Leben ist eine Baustelle von Wolfgang Becker noch zu den besseren gehört.

Im Panorama wurde Brassed Off zum Publikumsliebling, ein Film über die Identitätskrise der letzten europäischen Arbeiterklasse: eine Bergarbeiterkapelle in England mitten im industriellen Abschwung.

Spürbar im Anflug, trotz Stars und großer Filme, bereits eine neue Krise - die gefühlt hundertste der Berlinale, die das nächste Jahr bestimmen sollte.

Berlinale 1996

In diesem Jahr durfte es ein bisschen mehr sein und es gab von Allem reichlich: Eine große Auswahl an Spitzenfilmen und jede Menge Stars: Mit Ang Lees Jane Austen Verfilmung Sense and Sensibility, Tim Robbins Dead Man Walking und Terry Gilliams 12 Monkeys im Wettbewerb und cineastischen Perlen wie Wong Kar Weis Fallen Angels im Panorama war die Berlinale in diesem Jahr auf der Haben-Seite wirklich gut ausgestattet. Hinzu kam ein gigantisches Staraufgebot mit allen dazu gehörigen Begleiterscheinungen. So löste Julia Roberts bei ihrer Pressekonferenz eine echte Massenhysterie aus und Bruce Willis bemühte sich gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Demi Moore aktiv um die musikalische Erbauung der Festivalbesucher durch sein Rockkonzert in der Moabiter Universal Hall.

Außerdem wurde mal wieder der geographische Standort der Berlinale diskutiert und es kam zu ersten Mal der Vorschlag auf, das Filmfestival künftig an den Potsdamer Platz zu verlegen. Hintergrund dieser Idee war der Wunsch einiger Sony-Center-Investoren, durch das kulturelle Flair der Berlinale den Wert des Standorts Potsdamer Platz zu steigern. Bis zur Umsetzung sollte es dann aber bekanntlich noch vier Jahre dauern. Ein Umzug fand dann aber doch schon in diesem Jahr statt: Das Pressezentrum wurde vom Haus der Kulturen ins Hotel Intercontinental verlegt.

Angesichts der starken Konkurrenz im Wettbewerb war die Preisverleihung bis zuletzt spannend. Schliesslich konnte sich dann aber Ang Lee mit Sense und Sensibility bereits zum zweiten Mal über einen Golden Bären freuen und auch Dead Man Walking wurde mit dem Silbernen Bären für Sean Penn als besten Darsteller ausgezeichnet. 12 Monkeys ging dagegen überraschenderweise leer aus

Berlinale 1995

berlinale_1995.jpg
Regisseur Richard Linklater präsentiert zusammen mit den Hauptdarstellern Julie Delpy und Ethan Hawke "Before Sunrise" (Quelle: Berlinale)

Jubiläen - 25 Jahre Forum, 45 Jahre Berlinale - und nachher meinten viele, dass gerade die Jubiläumsjahre oft daneben gehen. Das wollen wir für diesen 60sten Geburtstag nicht hoffen. 1995 jedenfalls war das Nölen und Quengeln sehr einhellig. Es ging um fehlende Stars (ja, wieder!), um Geld, Organisation, sogar um technische Fragen wie den Umbau eines Kinos. Außerdem machte man sich die Presse zum Feind, weil das neue Medienzentrum im Tiergarten gar nicht gut ankam. Dazu der Dauerbrenner Berliner Kulturpolitik und dazu die berühmte Mauer in den Köpfen. Darüber hinaus machten sich die Sektionen Konkurrenz ohne es zu wollen, und man hörte immer wieder den Satz über Panorama- oder Forumsfilme: „Die könnten aber auch im Wettbewerb laufen“ - was die meisten aber aus formalen Gründen eben nicht konnten. Identitätssuche allenthalben also.

Dabei gab es durchaus schöne Filme: Richard Linklaters Before Sunrise, heute fast ein Klassiker der Generation 80er/90er, Quiz Show von Robert Redford, dazu Smoke und Blue in the Face von Wayne Wang und Paul Auster. Gewonnen hat den Goldbären ein Franzose: Bertrand Tavernier L‘Appât - Der Lockvogel - das erste Mal übrigens seit 30 Jahren, auch wenn Frankreich meist in allen Sektionen einen große Rolle spielte.

Im Panorama lag thematisch wie so oft ein Schwerpunkt auf Homosexualität. Die Sektion hatte seit 1992 einen neuen Leiter, Wieland Speck, der die Traditionen fortsetzen wollte und sich wohl auch Hoffnung machte, ebenso viele Talente zu entdecken wie der im Vorjahr verstorbene Manfred Salzgeber, der unter anderem Pedro Almodóvar, Detlev Buck und Gus Van Sant einem größeren Publikum bekannt gemacht hatte.

Berlinale 1994

Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem großen Bruder auf der anderen Seite des Atlantiks. Wieder mal. Die Europäer wollen in 15 Punkten den europäischen Film „retten“ gegenüber der Star- und Dollarpower. Sicher ist: es kommen seit Jahrzehnten viele gute Filme aus Europa. Aber deswegen von einer Filmindustrie zu sprechen wäre wohl übertrieben. Zum Glück. Denn statt industrieller Fertigung gilt: Vielfalt statt Einfalt. Trotzdem lassen sich die Verantwortlichen in Europa von Amerika Erfolg definieren: Einspielergebnisse und dreistellige Millionenausgaben für einen Film, dazu Starpower, die um den ganzen Planeten reicht. Dabei kann man nur verlieren. T

Die Berlinale kann in diesem Jahr wie zum Trotz durch Qualtiät beeindrucken: Ken Loachs Ladybird, Ladybird Krzysztof Kieslowskis Drei Farben: Weiß, Alain Resnais’ Doppelpack Smoking - No Smoking und Jim Sheridans Goldbären-Gewinner In the Name of the Father waren europäisches Kino par excellence. Dazu die ewigen Franzosen Eric Rohmer und Jacques Rivette, sowie Brian de Palma, Peter Weir, Bernardo Bertolucci und andere.

Was sich aber nach der Wende außer neuer Filmländer (das Panorama etwa nannte eine Programmschiene "Blick nach Osten") auch geändert hatte, war die Rolle Berlins: Noch nicht die flotte Hipster-Metropole von heute und nicht mehr Frontstadt mit Sonderetats und -rolle, kürzte man der Berlinale gehörig die Gelder und das Festival wurde fortan von acht (!) Mitarbeitern gestemmt. Ein Witz im Vergleich zu Cannes und Venedig. Der Qualität der Filme tat es keinen Abbruch und ebenso nicht dem glamourösen Empfang für Sophia Loren, die den Goldenen Bären für ihr Lebenswerk erhielt.

Berlinale 1993

berlinale_1993.jpg
Johnny Depp auf der Berlinale 1993 (Quelle: Berlinale)

Auch in diesem Jahr blieb die Berlinale nicht unbeeinflusst von der politischen Lage. Das Festival wurde neben dem in Deutschland zunehmenden Rechtsradikalismus auch vom fortschreitenden Krieg im ehemaligen Jugoslawien überschattet. Der serbische Regisseur des Eröffnungsfilms Emir Kusturica musste sich im Vorfeld mit dem Vorwurf serbischer Parteilichkeit auseinandersetzen, den er empört von sich wies. Sein unkonventioneller Film Arizona Dreams mit Johnny Depp, Faye Dunaway und Jerry Lewis wurde dann jedoch einhellig positiv aufgenommen und als gelungene Verschmelzung amerikanischer Erzählformen mit europäischem Stil gelobt. Er gewann den Silbernen Bären als Sonderpreis der Jury.

Das Panorama wurde zum ersten Mal von Wieland Speck geleitet, der den Vorsitz von dem schwer erkrankten Manfred Salzgeber übernommen hatte. Die neue Leitung führte dann auch zu ersten konzeptionellen Umgestaltungen: So sollte das Panorama künftig stilistisch enger an den Wettbewerb gebunden werden, gleichzeitig sollte aber auch eigenen Programminteressen, wie etwa internationalen Arthouse Produktionen und schwul-lesbischen Filmen, mehr Raum gegeben werden.

Im Unterschied zu der in den Vorjahren häufig kritisierten Konzentration auf Hollywood-Produktionen dominierten im Wettbewerb diesmal Filme aus Europa, Asien und Afrika. Diese neue Gewichtung fand ihren Niederschlag dann auch in der Preisvergabe, denn den Goldenen Bären teilten sich gleich zwei Filme aus Asien: Preisträger waren der chinesische Film Die Frauen vom See der duftenden Seelen von Xie Fei und als taiwanesischer Beitrag Das Hochzeitsbankett von Ang Lee, der mit diesem Film seinen internationalen Durchbruch schaffte.

Berlinale 1992

Wird die Berlinale von amerikanischen Filmen dominiert und gräbt so den anderen europäischen Festivals das Wasser ab, wenn es um Premieren großer US-Produktionen geht? Eine alte Diskussion gewinnt wieder an Fahrt. Der französische Kulturminister Jack Lang bläst sich mächtig auf und droht, das Festival von Cannes vorzuverlegen. Die Berliner reagieren nervös: Außenminister Genscher wird zu Hilfe gerufen. Am Ende ändert sich nichts. Natürlich. Wer glaubt schon, dass die Franzosen im Februar in Cannes Filme gucken wollen, wenn das Wetter auch an der Côte d'Azur nicht gerade freundlich ist?

Unterdessen ist die Berlinale weiter auf Identitätssuche. Wenn das Festival im Kalten Krieg die Brücke zwischen unterschiedlichen Systemen in Ost und West war, was soll sie dann in der Zukunft sein? „Eine Brücke zwischen den Kulturen im neuen Europa“, sagt Moritz de Hadeln. Aha. Europäische Regisseure bearbeiten dann auch historische Themen und scheitern nach Ansicht der Kritiker: Konchalovskys Der innere Kreis über den Filmvorführer Stalins „zu melodramatisch“, Geissendörfers Gudrun über den Alltag in Nazi-Deutschland „zu sentimental“ und Caminos "Der Lange Winter" über die Franco-Zeit „zu langweilig“.

Die verflixten Amis kommen dagegen mit Filmen, die gewalttätig und spannend sind: Scorsese fällt mit dem Remake von Kap der Angst nichts Neues ein, aber er hat de Niro. Paul Schraders Light Sleeper zeigt die düsteren aber verführerischen Wege eines Drogendealers der Upper Class und Warren Beatty zeigt in Barry Levinsons Bugsy, dass ein Visionär mit der nötigen kriminellen Energie auch die Wüste blühen lassen kann. Den Goldenen Bär gewinnt Lawrence Kasdans Grand Canyon, den viele Kritiker wieder für „zu seicht“ halten .

Berlinale 1991

Wie soll der zukünftige Kurs des Festivals in der vereinten Stadt aussehen? Die Erwartungen sind groß. Dann bricht einen knappen Monat vor der Berlinale der Zweite Golfkrieg aus und die Berlinale muss unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Im Wettbewerb laufen große Hollywoodproduktionen, die heute Klassiker sind: Das Schweigen der Lämmer und Der mit dem Wolf tanzt; dazu außer Konkurrenz Francis Ford Coppolas Der Pate III.

Trotzdem wird der Ton der Presse schärfer: Das Niveau sei enttäuschend, so heißt es, die Berlinale floppt im Ostteil der Stadt (Auslastung des International nur 25 Prozent). Besonders erbost die berichtende Zunft, dass sie für die Pressevorführungen in das Haus der Kulturen der Welt ausweichen muss. Insgesamt ergibt das schlechte Stimmung und harsche Kritik an der Festspielleitung.

Die Jury, Vorsitz Volker Schlöndorff, wirft zum Abschluss mit Bären um sich: Goldener Bär für Das Haus des Lächelns von Marco Ferreri, dafür gibt es Buh-Rufe bei der Verleihung. Dann gleich zwei Silberne Bären als ex aequo Spezialpreis der Jury für "Die Verurteilung" von Marco Bellocchio und "Satan" von Viktor Aristow. Ebenfalls nicht so recht entscheiden kann sich die Jury beim Silbernen Bären für die beste Regie, also gibt es je einen für Ricky Tognazzi und Jonathan Demme. Um die Verwirrung komplett zu machen, vergibt die Jury dann einen Silbernen Bären für eine herausragende Einzelleistung als Darsteller, Regisseur und Produzent an Kevin Kostner. Soviel Unentschiedenheit bringt natürlich Unkenrufe: Die Berlinale wird wieder einmal als orientierungslos abgeschrieben.

Berlinale 1990

berlinale_1990.jpg
Antonio Banderas, Pedro Almodovar und Victoria Abril präsentieren "Atame!" auf der Berlinale 1990 (Quelle: Berlinale)

Schon bei der Berlinale 89 fühlt Moritz de Hadeln bei Horst Pehnert, stellvertretender Minister für Kultur in der DDR und Vorsitzender der Hauptverwaltung Film der DDR, vor, ob es nicht möglich sei, einen Teil des Berlinale-Programms auch in Ost-Berlin zu zeigen. Im Februar 89 scheint das noch in weiter Ferne. Am 9. November startet de Hadeln dann per Brief einen neuen Versuch aus „Berlin (West)“, wie es in dem Schreiben an Pehnert so schön heißt. Als am Abend desselben Tages die Mauer durchlässig wird, verbessern sich die Rahmenbedingungen für die Idee schlagartig.

De Hadeln handelt jetzt schnell und trifft sich am 24. November mit Pehnert und dem neuen Kulturminister der DDR, Dietmar Keller, auf der Leipziger Dokumentarfilmwoche. Die Gespräche werden in den darauf folgenden Tagen ausgeweitet. Schon am 6. Dezember stimmen die DDR-Verantwortlichen dem Plan zu, die Filme der Berlinale auch im Ost-Teil der Stadt zu zeigen. Schließlich laufen das gesamte Wettbewerbsprogramm, alle Filme des Kinderfilmfests und Teile des Panoramas im Kosmos und im Colosseum. Große Teile des Forums sind im International zu sehen. Insgesamt zählt die Berlinale im Ostteil 38.000 Zuschauer.

Auch sonst funktionieren bisher undenkbare Dinge: So gilt die Berlinale-Akkreditierung als amtliches Dokument für den Grenzübertritt in die DDR und der Zwangsumtausch entfällt. Über die Qualität der Wettbewerbsfilme wird eher genölt, was aber angesichts der politischen Entwicklungen nicht einmal zweitrangig ist. Julia Roberts, Sally Field und viele andere Stars lassen sich auf oder an der Mauer fotografieren. Die DEFA zeigt insgesamt sieben Regalfilme, die in der DDR verboten waren. Einmal mehr gibt es ex aequo zwei Goldene Bären: Für Costa-Gavras Music Box und für Jiri Menzels Film Lerchen am Faden, der in der Tschecheslowakei zuvor zwei Jahrzehnte lang verboten war.

Berlinale 1989

Die Forum-Zuschauer „müssen sowieso irgendeine Sorte Masochisten sein, um die Filme sehen zu wollen. Das Bier in Berlin ist nicht besonders gut, und es dauert eine Ewigkeit, bis man endlich eines hat. Glücklicherweise haben sie in der Stadt auch noch andere Getränke.“ Aki Kaurismäki
Worauf es am Ende ankommt: gute Filme und Getränke. Die gab es irgendwo auch in diesem Jahr, von dem wohl im Februar noch keiner ahnen konnte, was am Ende als neue Weltordnung übrig blieb. Auch nicht all die feinsinnigen Künstler, deren Filme im Forum sich nicht um Zukunft, sondern vor allem um Vergangenheitsbewältigung (viel Adolfnazi und die Folgen) drehten.
Dem DDR-Bonzen mit dem tollen Titel „Vorsitzender der Hauptverwaltung Film der DDR“ Horst Pehnert verlieh man gerade noch rechtzeitig zusammen mit einem Russen und Amerikaner einen Preis, weil sie sich um die Kooperation zwischen Ost und West zugunsten des Festivals verdient gemacht hatten.

Sieger des Berlinale im gefühlt hundertsten „Schicksalsjahr der Deutschen“ nach 71/14/18/33/45/54/68 usw. war ein Film über Autismus (was man natürlich auch politisch verstehen kann!) Rain Man von Barry Levinson.
Dass auch die USA filmisch wieder einmal Selbstreinigung qua Film betrieben (den osteuropäischen Filmgepflogenheiten darin um ein paar Jahrzehnte voraus), war in Mississippi Burning zu sehen, für den Gene Hackman auch einen Darstellerpreis erhielt.

Dies war das letzte Filmfestival vor dem Ende der Welt, wie wir sie kannten. All die Kalten-Krieger-Kämpfe in der Frontstadt Berlin, die diplomatischen Verwicklungen, ideologischen Zänke zwischen Künstlern und Politikern, die Boykotte und Agitprop Filme gegen dies und gegen das, die fast nach UNO klingende Nachkriegs-Formel auf der Berlinale „Filme zum Wohle der Völkerverständigung“ zeigen zu wollen und die ewigen Streitereien über eben diesen Anspruch - sie endeten ein halbes Jahr später. Nur noch ein Filmfestival war die Berlinale ab 1990 - wenn auch von da an in einer der dynamischsten Städte Europas, an der Nahtstelle der neuen Ordnung und mitten drin im Alten/Neuen Europa.

Berlinale 1988

Eröffnungsfilm war diesmal der Musikfilm Linie 1 von Rainer Hauff, ein echter "Berlin-ist-schon-toll-Film" mit allen dazu notwendigen Zutaten: Berliner Kiez Alltag als Musical, eingängige Musik, viele Tanzeinlagen und natürlich die Hauptfigur Sunny, "ein Mädchen aus der Provinz auf der Suche nach der großen Liebe". Hauffs Linie 1 ist die Verfilmung des gleichnamigen, sehr erfolgreichen Musicals des Grips-Theaters, einem der meistgespielten deutschen Theaterstücke seiner Zeit.

Außerdem gab es in diesem Jahr Probleme mit der Jurybesetzung, denn Gerd Fröbe hatte in letzter Minute aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz der Internationalen Jury abgelehnt. Quasi in letzter Minute konnte dann noch der Leiter der Filmfestspiele in Venedig, Guglielmo Biraghi, für dieses Amt gewonnen werden. In dieser Besetzung ist möglicherweise mit ein Grund für die ungewöhnliche Preisentscheidung der damaligen Berlinale zu sehen. Denn trotz sehr starker Präsenz amerikanischer Studioproduktionen wie etwa Woody Allens September, Steven Spielbergs Das Reich der Sonne und Norman Jewisons Mondsüchtig mit Cher und Nicolas Cage in den Hauptrollen, wurde der Goldene Bär in diesem Jahr zum ersten Mal an einen Film aus der Volksrepublik China vergeben, nämlich an Das Rote Kornfeld von Zhang Yimou, nach einem Roman von Mo Yan. Die Jury wollte mit diesem Preis nicht nur einen formal und inhaltlich herausragenden Film auszeichnen, sondern auch explizit ein Zeichen setzen für eine Unterstützung der kulturellen Liberalisierung in China.

Berlinale 1987

Zehn Jahre Kinderfilmfest auf der Berlinale: Ein Grund zu feiern. Im Laufe der Jahre hat sich die Sektion für die Minis einen sehr guten Ruf erarbeitet.

Im Zeichen von Perestroika, Glasnost und Gorbatschow hat die Sowjetunion ihre Filmtresore geöffnet – gezeigt werden jetzt auch ehemals zensierte Filme. Diese filmpolitische Entwicklung spiegelt sich in Wettbewerb, Panorama und Forum wider. So läuft auf der Berlinale beispielsweise eine ursprünglich einkassierte sowjetische Dokumentation über das Kernreaktorunglück in Tschernobyl und seine verheerenden Folgen. Den Goldenen Bären erhält Gleb Panfilovs TEMA – eine Entscheidung für einen guten Film, aber eben auch eine eindeutig politische Entscheidung. Das wird der Berlinale-Jury noch öfter passieren.

Erstmals wird in diesem Jahr der Alfred-Bauer-Preis vergeben, "für einen Spielfilm, der neue Perspektiven in der Filmkunst eröffnet", in Gedenken an den im Jahr 1986 gestorbenen ersten Festivalleiter der Berlinale.

Berlinale 1986

Aufregung! Weil „Die Zeit“ gegen die Berlinale polemisiert und unkt, dass das Münchner Filmfest bald mit einem eigenen Wettbewerb gegen Berlin antreten werde, gibt es FDP-Anfragen im Abgeordnetenhaus. Dann eröffnet Fellinis Ginger und Fred die Berlinale und München wird wieder zu einem beschaulichen Dorf an der Isar.

Alles ist gut! Alles ist gut? - von wegen. Denn das Innenministerium macht sich, ähem, Sorgen! Im Wettbewerb läuft Reinhard Hauffs Stammheim und ebenfalls im Wettbewerb, wenn auch außer Konkurrenz, ruft des Innenministers Spezl, Herbert Achternbusch, Heilt Hitler! (Spoiler Alert! Bierbichler pisst am Ende in den Starnberger See.). Bei Hauffs Film sind die Sicherheitsvorkehrungen scharf, trotzdem spritzt es Buttersäure im Zoo Palast. Stammheim bekommt den Goldenen Bären, aber ohne Eklat geht es nicht. Jurypräsidentin Gina Lollobrigida ist über die Jury-Entscheidung empört, spricht in der Verleihungsrede von einer kontroversen Jury-Diskussion und sagt deutlich, dass Sie gegen den Film gestimmt habe. Damit verstößt sie divenhaft aber ungalant gegen die Schweigepflicht der Juroren.

Das Forum gibt sich mit solchen Kindereien nicht ab, sondern betreibt politische Aufklärung auf hohem Niveau: Claude Lanzmann zeigt seinen fast zehnstündigen Dokumentarfilm Shoa über die Vernichtung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten. Auf mehreren Veranstaltungen diskutiert Lanzmann mit dem Publikum. Ebenfalls zum diesem Themenkreis gehören: Josh Waletzkys "Partisanen von Wilna" sowie Lea Roshs Filme "Ein Naziprozess" und "Vernichtung durch Arbeit".

Berlinale 1985

Die Frau und der Fremde vom Rainer Simon ist der einzige Film, der jemals mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde. Die Auszeichnung teilt er sich mit Wetherby von David Hare. Die Frau und der Fremde erzählt von einer Dreiecksbeziehung im Ersten Weltkrieg: Die deutschen Soldaten Richard (Peter Zimmermann) und Karl (Joachim Lätsch) lernen sich in einem russischen Kriegsgefangenenlager kennen. Richard erzählt viel über die Liebe zu seiner Frau Anna (Kathrin Waligura). Karl kann fliehen und schlägt sich zu Anna durch. Das Verhältnis der beiden wird immer enger, dann kehrt auch Richard aus der Gefangenschaft zurück.

Das Forum zeigt mit The Times of Harvey Milk einen der herausragendsten Dokumentarfilme überhaupt, der mittlerweile ein Klassiker ist. Rob Epsteins Filmreportage über den schwulen Bürgerrechtler Harvey Milk erhält im selben Jahr auch den Oscar als bester Dokumentarfilm. Das Forum setzt weitere Glanzlichter mit Secret Honor, Robert Altmans filmischem Kommentar zur Nixon-Zeit und mit Eberhard Fechners dreiteiliger Dokumentation des „Majdanek-Verfahrens“ Der Prozess (1 Anklage, 2 Beweisaufnahme, 3 Urteile). Das Forum bietet dieser Fernsehdokumentation damit eine internationale Plattform.

Sorgen macht sich einmal mehr das deutsche Innenministerium: Jean-Luc Godards Je vous salue, Marie bringt den biblischen Mythos von Maria und Josef auf die Leinwand, was insbesondere den Gründer der Pius-Bruderschaft, Bischof Lefebvre, fürchterlich aufregt. Da auch in Bayern irgendjemand französisch kann, steigt der Blutdruck von Friedrich Zimmermann. Moritz de Hadeln dagegen bleibt ruhig und Godards Film im Wettbewerb.

Berlinale 1984

Innenpolitischer Streit um die Freiheit der Filmkunst und die Filmförderpolitik nach der „geistig-moralischen Wende“: Innenminister „Old Schwurhand“ Friedrich Zimmermann (verurteilter Meineid-Schwörer von 1960, der aber 1961 wegen unterzuckerungsbedingter temporärer Debilität freigesprochen wurde) – sorgt sich um Herbert Achternbuschs Wettbewerbsfilm Wanderkrebs und um den Forums-Beitrag Meridian oder Theater vor dem Regen. Zimmermann (Partei? Na welche wohl? Richtig: CSU) und sein Ministerium verweigerten die Auszahlung von Fördermitteln an die Regisseure. Trotzdem liefen die Filme auf der Berlinale.
Merke also, zensieren können die Kalten Krieger auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs besser: Der geplante Eröffnungsfilm Prostschanje (Abschied von Matjora) von Elem Klimow wird vom sowjetischen Filmverband nicht freigegeben. Er läuft im Zeichen von Gorbatschows Reformen erst 1987 auf der Berlinale (Da ist Zimmermann immer noch Innenminister. Merke also auch, Glasnost und Perestroika kamen sowohl in Bonn als auch in Ost-Berlin mit Verspätung an).
Allgemein geklagt wird über die Unübersichtlichkeit des Festivals: Es gibt den Wettbewerb, Sondervorstellungen außer Konkurrenz im Wettbewerb, die Info-Schau, das Kinderfilmfest, das Mittelmeer-Panorama, die Reihe Deutsche Filme und diverse Retrospektiven. Im Forum gibt es die „Hommage an das ZDF-Fernsehspiel“ und zusätzlich zur Reihe „Neue Deutsche Filme“ die „Perspektiven“ mit Studenten- und Debütfilmen. Das war doch gar nicht so schwierig - alles klar?
Ach ja, John Cassavetes gewinnt mit Love Streams den Goldenen Bären. Das radikale Drama um die Alkoholexzesse eines Autors und seiner Schwester – in den Hauptrollen Cassavetes und Gena Rowlands – verstört einen großen Teil des Publikums.

Berlinale 1983

Die Berlinale beginnt im Trauerflor. Rainer Werner Fassbinder war im Juni des vergangenen Jahres gestorben. In Gedenken an den Regisseur singt Jury Präsidentin Jeanne Moreau ein Lied aus seinem Film Querelle, in dem sie selbst eine der Hauptrollen gespielt hat.

Danach nimmt die Berlinale wieder an Fahrt auf und kann am Ende mit ihren Zahlen hausieren gehen: 394 Filme werden von 200.000 zahlenden Zuschauer gesehen (zum Vergleich: im Jahr 2009 gab es 383 Filme). Das Programm überzeugt durch seine Vielfalt. Nicht nur amerikanische Unterhaltung a la Tootsie findet hier seinen Platz sondern auch Peter Greenaways Der Kontrakt des Zeichners und Eric Rohmers Pauline am Strand.

Zudem ist die Berlinale politisch, ohne dass sie es postulieren muss. Der damalige Bundesinnenminister Zimmermann (CSU) scheitert mit seinem Vorhaben die Aufführung von Herbert Achternbusch Das Gespenst zu verhindern und auch der Gemeinschaftsfilm Krieg und Frieden u.a. von Alexander Kluge, Stefan Aust und Heinrich Böll, der sich kritisch mit dem Nato Doppelbeschluss auseinandersetzt, steht im Visier des BMI.

Beim Hauptpreis konnte sich die die Jury nicht entscheiden und so ging der Goldene Bär ex aequo sowohl an den spanischen Film La Colmena als auch an den Debütfilm von Edward Bennet Ascendancy.

Berlinale 1982

berlinale_1982.jpg

Wohin nur mit den Mänteln? Diese bohrende Nachfrage stammt aus dem Schlussbericht des IFB von 1982, in dem von der Regisseurin Helma Sander-Brahms der ihrer Meinung nach immer noch viel zu unglamouröse Charakter der Berlinale kritisiert wurde, der viele Stars davon abhielt, in ihrer glanzvollsten Garderobe zum Festivial zu kommen. Abgesehen von solchen eher marginalen Problemen war das Berlinalejahr 1982 vor allem geprägt durch die politische Auseinandersetzung um den Film Night Crossing, einer Disney Produktion über die spektakuläre Flucht zweier Familien mit einem Heißluftballon aus der DDR in die Bundesrepublik. Es wurde im Vorfeld heftig darüber diskutiert, ob dieser Film, der der Berlinale als Eröffnungsfilm angeboten worden war, dort tatsächlich gezeigt werden sollte oder ob so eine Aufführung die Position des Filmfestivals als Schnittstelle im Ost-West-Kulturaustausch gefährden könnte. Der Festivalleiter Moritz de Hadeln entschied sich schließlich aus kulturpolitischen Erwägungen dagegen den Film zu zeigen und wurde dafür von Teilen der Öffentlichkeit wegen Anbiederung an die DDR heftig kritisiert.

Ansonsten stand 1982 ganz im Zeichen des bundesdeutschen Kinos und der Goldene Bär ging in diesem Jahr dann endlich an Rainer Werner Fassbinder für seinen Film Die Sehnsucht der Veronika Voss. Fassbinder war in den Jahren zuvor mit Fontane Effi Briest und Die Ehe der Maria Braun stets leer ausgegangen.

Berlinale 1981

berlinale_1981.jpg
Conny Froboess, Rainer Werner Fassbinder und Jeanne Moreau (Quelle: Berlinale)

Der deutschen Filmindustrie passt es nicht, dass nur ein deutscher Film im Wettbewerb läuft – und zwar ausgerechnet Herbert Achternbuschs DER NEGER ERWIN. Darin spielt das bayerische Enfant Terrible d’Avantgarde einen Ex-Sträfling, der aus der Wirtin des Gasthofs „Zum Neger Erwin“ einen Filmstar machen will. Zu diesem Zweck gibt er sich als Filmemacher Herbert Achternbusch aus.

Festivalleiter Moritz de Hadeln wird vorgeworfen, den Kontakt zu deutschen Filmemachern zu vernachlässigen. Er orientiere sich zu sehr an Amerika, klagt etwa Alexander Kluge. In der Tat fehlen de Hadeln in seinem zweiten Jahr als Festivaldirektor noch umfassende Kenntnisse und Kontakte in der deutschen Filmszene – zuvor hat er jahrelang sehr erfolgreich das Filmfestival von Locarno geleitet. Die Kritiker de Hadelns fordern ein „repräsentatives Festival“ – als es jedoch darum geht zu definieren, wie ein solches aussehen sollte, kommen sie auf keinen gemeinsamen Nenner. Der Boykottaufruf verläuft im Sande – auch durch einen taktischen Schulterschluss von de Hadeln und Forums-Leiter Ulrich Gregor.

Auf der Haben-Seite verzeichnet die Berlinale 1981 einen neuen Besucherrekord: 15 Prozent mehr Zuschauer als im Vorjahr. Nüchtern betrachtet kann sich auch die Filmauswahl sehen lassen: Martin Scorseses Meisterwerk RAGING BULL eröffnet den Wettbewerb, Andrej Tarkowskis STALKER läuft im Forum, und Carlos Sauras DEPRISA! DEPRISA!, eine mit viel Tempo und Flamenco (-Soundtrack) erzählte Kleinganovengeschichte aus Madrid erhält den Goldenen Bären.

Berlinale 1980

Beginn Afghanistan Krieg der Sowjetunion - Grünen gründen sich - Streik auf der Danziger Werft und Gründung Solidarność - Ronald Reagan wird Präsident der USA - BRD wird Fußball Europameister in Italien - Reinhold Messner allein auf dem höchsten Berg - Zauberwürfel kommt in die Läden

30. Geburtstag der Berlinale - normalerweise Moment einer Rückschau. Dazu blieb kaum Zeit. Im Vorjahr hatte es mal wieder politisch motivierten Knatsch um einen Film gegeben und der Ostblock zog Filme und Delegierte zurück - Boykott scheint der Trend auch dieses Jahres, in dem der Westen die Olympischen Spiele in Moskau nicht besuchen wird. Auch der neue Leiter Moritz de Hadeln muss auf Filme der Billy Wilder Hommage (z.B. One Two Three) verzichten, weil die Nerven im Osten blank liegen.

Forum und Wettbewerb werden organisatorisch endlich als gleichberechtigte Teile eines Ganzen behandelt. Das Forumsprogramm wurde 1980 ausgeweitet und legte seinen Schwerpunkt auf Dokumentarfilm und brasilianische Filme und sammelte einige Experimentalfilme ein - ganz getreu dem formulierten Anspruch Filme nicht nach Unterhaltungswert oder Kunstform auszuwählen, sondern Filme, die „der Erforschung der Wirklichkeit, der Kommunikation und der Reflexion“ dienen. Was dazu führte, dass jemand sogar die fragwürdigen Filme „auf interessante Weise misslungen fand“ - was man wohl als Kompliment verstehen darf.
Sieger dieses Jahres waren Heartland von Richard Pearce und Werner Schroeters Palermo oder Wolfsburg, wobei vor allem letzterer Preis für Zustimmung und Aufsehen sorgte, weil er alles andere als leicht und zugänglich war.

Berlinale 1979

Nach 1970 polarisierte erneut ein Film über den Vietnam Krieg. Die Darstellung des vietnamesischen Volkes in The Deer Hunter von Michael Cimino wurde nicht nur als einseitig sondern als Verunglimpfung empfunden. Die sozialistischen Länder protestierten und als das nichts nützte, zogen sie die meisten ihrer Filme zurück. Außerdem legten zwei Mitglieder der Jury aus Ungarn und der CSSR ihr Amt nieder. Obwohl sich der Rest der Jury offiziell hinter die Aufführung des Filmes stellte, gab es auch hier kritische Stimmen. Jurymitglied Julie Christie bewertete den Film in einem persönlichen Statement als rassistisch.

Preise gewann The Deer Hunter auf der Berlinale keine. Der Goldene Bär ging an David von Peter Liliental. Im Nachhinein wird dies Michael Cimino recht egal gewesen sein, denn ein Jahr später konnte sein Film fünf Oscars abräumen.

Die zweite Winter-Berlinale war die letzte Berlinale mit Wolf Donner als Festivaldirektor. Nach nur drei Amtsjahren zog er den leitenden Posten in der Kulturredaktion des Spiegels seinem Berlinale Engagement vor. Auch diesmal wurde wieder Ulrich Gregor als Nachfolgekandidat genannt. Es wurde dann aber Moritz de Hadeln, der bis dahin mehrere Jahre die Filmfestspiele von Locarno inszeniert hatte.

Berlinale 1978

Aldo Moro wird entführt und ermordet - erstes Retortenbaby wird geboren - erster Deutscher im All - Johannes Paul II wird Papst - Spanien bekommt Verfassung und beendet Diktatur endgültig - erste Folgen von „Dallas“ laufen - Reinhold Messner als erster ohne Sauerstoff auf dem Mount Everest - Regenbogenfahne wird erfunden

Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt man. Im Falle der Berlinale führte es zu Gefrierbrand und erhöhtem Kaffeekonsum: denn in diesem Jahr fand die Berlinale zum ersten Mal nicht im Sommer, sondern im Februar statt, um den zeitlichen Abstand zum Konkurrenten Cannes zu vergrößern. Frierende Schönheiten am roten Teppich, Pudelmützen und gebückte Haltung bei den Wegen zwischen den Vorstellungen gehörten von da an zur Berlinale, wie die Nörgelei über den Wettbewerb - der allerdings in diesem Jahr Mut bewies und das Gemeinschaftsprojekt Deutschland im Herbst zeigte - eine Auseinandersetzung mit dem RAF Terror. Dazu gab es vom großartigen John Cassavetes Opening Night mit Gena Rowlands zu sehen - ein Autorenfilm par exellence, der so auch im Forum hätte laufen können. Die Öffnung des Wettbewerbs war also gelungen und mit Steven Spielbergs Unheimliche Begegnung der dritten Art, der außer Konkurrenz gezeigt wurde, blieb man dem massentauglichen Geschmack dennoch treu.
Im Forum hatte man in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf Filme von Frauen gelegt - bis heute ja eher eine Rarität im männerdominierten Filmgeschäft. Mit dabei der Erstling von Margarethe von Trotta, Das zweite Erwachen der Christa Klages.

Der Goldene Bär ging nicht an einen, sondern an alle spanischen Beiträge, eine Art Begrüßungsgeschenk an die junge Demokratie. Und obwohl Winter und lange dunkel: 1978 startete auch das Kinderfilmfest zum ersten Mal und die meist ausverkauften Vorstellungen gaben der Festivalleitung recht, die Berlinale um zukünftige Kinogeher zu erweitern.

Berlinale 1977

Im Jahr zuvor hatte Alfred Bauer nach 25 Jahren als Leiter der Berlinale die Bühne verlassen. Seine Amtszeit endete weder durch Absetzung noch durch Kündigung, sondern durch das Erreichen der Altersgrenze. Die Suche nach einen Nachfolger wurde mit viel Polemik geführt. Besonders gegen den Kandidaten Ulrich Gregor wurde scharf geschossen. Mit Wolf Donner trat dann überraschend ein Kompromisskandidat die Nachfolge von Bauer an. Was damals nur wenige wussten: Donner sollten nur drei Jahre als Festivalleiter beschieden sein.

Zunächst konnte sich Donners Start aber sehen lassen: 20% mehr Zuschauer und ein gut bestückter Wettbewerb. Mit dabei waren u. a. Truffauts L'homme qui ammait les femmes, Bressons Le diable probablement und der DDR-Film Mama, ich lebe von Konrad Wolf, zu dem Wolfgang Kohlhaase das Drehbuch schrieb (Kohlhaase schrieb später das Drehbuch zu "Sommer vorm Balkon" und wird 2010 mit einem Ehrenbären ausgezeichnet).

Auch 1977 gab es wieder einen Eklat. Die Jüdische Gemeinde in Berlin protestierte beim Senat gegen die Berufung von Rainer Werner Fassbinder in die Jury des Wettbewerbs. Stein des Anstoßes war Fassinders Theaterstück "Der Müll, die Stadt und der Tod", in dem die Jüdische Gemeinde antisemitische Tendenzen erkannte. Der Berliner Senat folgte dieser Anschauung nicht und Fassbinder blieb Jurymitglied.

Der Regisseur konnte allerdings mit dem Bresson Film nicht seinen Favoriten durchsetzen. Den Goldenen Bären bekam Woschozdenie von Larissa Schepitko. Es war für die Regisseurin der Beginn einer kurzen Karriere im Westen; nur wenige Jahre später verunglückte Schepitko bei einem Autounfall.

Berlinale 1976

1976 gibt es wieder einen Skandal, diesmal geht es um den Vorwurf der Verbreitung von Pornographie: Die Filmkopie von Nagisas Oshimas Im Reich der Sinne wird direkt nach ihrer Vorführung im Forum des Jungen Films von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und der Leiter des Forums, Ulrich Gregor, wird wegen des Vorwurfs der Verbreitung von Pornographie angeklagt. Der Film, der bereits bei seiner Erstaufführung in Cannes für Diskussionen gesorgt hatte und z.B von der damaligen BZ-Berichterstattung als "größter Porno aller Zeiten" tituliert wurde, thematisiert die immer extremer werdende sexuelle Besessenheit eines japanischen Liebespaares, die schließlich in der Verstümmelung und Tötung des Mannes durch die Frau endet. Während dem Film von der internationalen Kritik "hohe künstlerische Qualität sowie wichtige politische und ästhetische Einsichten" bescheinigt wurde, richtete sich der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen die Kombination aus Sex und Gewalt, die so nicht zulässig sei. Erst nach einigen Monaten und längeren juristischen Debatten wurde die Anklage gegen den Leiter des Forums schließlich fallengelassen.

Aber natürlich bestand das Berlinalejahr 1976 nicht nur aus diesem Skandal um die Grenzen der Kunstfreiheit. Im Zentrum des Wettbewerbs standen diesmal vor allem amerikanische Filme. Den goldenen Bären konnte dann schließlich Robert Altman mit seiner Demontage der amerikanischen Legende Buffalo Bill Buffalo Bill And The Indians, or Sitting Bull´s History Lesson mit nach Hause nehmen.

Berlinale 1975

25. Berlinale: Endlich werden die Brüder und Schwestern aus dem „anderen Deutschland“ nicht nur in der Glotze von Wim Thoelke begrüßt, sondern sind auch bei der Berlinale dabei. Die UdSSR nahm im Jahr zuvor erstmals teil und nun hat auch das teutonisch-sozialistische Bruderland die Erlaubnis vom Obersten Sowjet, sich im Zoo-Palast zu präsentieren. Im Gepäck für den Wettbewerb hat Frank Beyer den später für den Oscar nominierten Jakob der Lügner, einen gelungenen Film nach dem noch viel besseren Roman von Jurek Becker. Hauptdarsteller Vlastimil Brodsky bekommt den Silbernen Bären für die beste männliche schauspielerische Leistung.
Zum Jubiläum gibt es für das Publikum Star-Futter: Kirk Douglas ist mit dem Western Posse vertreten und Claudia Cardinale darf die Bären überreichen. Den goldenen erhält die Ungarin Martá Mészáros für Örökbefogadás (Adoption).
Kurios: Vor 35 Jahren zeigt Woody Allen seine Revolutionsgroteske Love and Death (Die letzte Nacht des Boris Gruschenko) und erhält einen Silbernen Bären für „sein Gesamtwerk“. Besser zu früh als nie, mag sich die Jury gedacht haben. Da Mr. Allen seitdem in 38 weiteren Kinofilmen Regie geführt hat, kann die Jury auf ihren Wagemut stolz sein.

Berlinale 1974

Endlich war es soweit: 1974 wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Berlinale ein sowjetischer Beitrag gezeigt. Bis zu diesem Jahr hatte sich der sowjetische Polit-Apparat immer wieder verweigert. Bereits 1958 hatte der deutsche Botschafter in Moskau eine "Verbalnote" mit einer Einladung übermittelt, aber erst das Viermächteabkommen und die Ost-Verträge ebneten 1972 schließlich den diplomatischen Weg.

Begeistern konnte S toboj i bes tebja von Rodion Rafailowitsch Nachapetow als erster sowjetischer Beitrag allerdings nicht. Das war in diesem Jahr aber auch Nebensache. Zum Überkochen brachte die Filmkritikerseele, dass die Jury ihren Favoriten links liegen ließ. Fassbinders "Fontane Effi Briest" bekam keinen einzigen Preis. Stattdessen bekam der kanadische Regisseur Ted Kotcheff für die Romanverfilmung "The apprenticeship of Duddy Kravitz" das begehrte Goldbärchen.

Berlinale 1973

Die Berlinale hat zu wenig Geld: Der Senat knausert, der Bund im fernen Dorf Bonn auch (ohne dessen Staatsknete hat der West-Berliner eh' nix zu feiern), und die Einnahmen aus dem Kartenverkauf sind mager, weil der undankbare West-Berliner im heißen Sommer lieber die Badehose einpackt und raus an den Wannsee fährt. Die, die dennoch ins Kino gehen, nehmen sogar ihre Kinder mit in den japanischen Zeichentrickfilm Kanashimi no Belladonna von Eiichi Yamamoto und werden überrascht: Yamamotos sexuell aktive Alptraumgestalten mit Hang zu Gewalt und Fetischen haben soviel mit Micky Maus zu tun wie Motörhead mit Tokyo Hotel.
Zum ersten Mal ist Steven Spielberg mit Duel in Berlin, der längsten Verfolgungsjagd der Kinogeschichte. Der Film läuft im Wettbewerb außer Konkurrenz. Das Internationale Forum des jungen Films macht seinem Namen Ehre und erweitert sein Programm immer mehr: Es laufen Filme aus Afrika, Lateinamerika, Japan, den USA und Europa.
Heute mag man es kaum glauben, aber früher gab es im Wettbewerb der Berlinale auch etwas zu lachen: Pierre Richard ist Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh. Regisseur und Drehbuchautor Yves Robert bekommt für den Film sogar einen Silbernen Bären. Gewinner des Festivals wird Ashani Sanket (Ferner Donner) von Satyajit Ray.

Berlinale 1972

Das Forum geht ins zweite Jahr und bildet einen starken Kontrapunkt zum Wettbewerb. Die „Zeit“ charakterisiert den Wettbewerb mit den Worten „roter Plüsch“, „feine Leute und bemühte Festlichkeiten“, während sich das Forum durch „Bärte und lange Haare, Gammel-Look, eine informelle Atmosphäre, Diskussionen“ auszeichne. In der Tat bietet das Forum einen politisch zugespitzten Blick in die Welt: die Zuschauer erfahren hier etwas über Hausbesetzungen in Harlem oder den Völkermord an den kolumbianischen Indios. Die Filme orientieren sich vorwiegend am Dokumentarischen – selbst wenn sie keine Dokus im engeren Sinn sind. Kritiker sehen darin eine bedenkliche Dominanz des Politischen über das Ästhetische.

Festivaldirektor Alfred Bauer stellt sich offiziell schützend vor das Forum, gut dokumentiert sind allerdings seine inoffiziellen Bauchschmerzen zum Thema: Er fürchtet einen Bedeutungsverlust des Wettbewerbs, und er beklagt, dass das Forum seiner dezidiert politischen Perspektive auf Kosten der filmischen Qualität fröne.

Erwähnenswert ist der Wettbewerbs-Beitrag L’UDIENZA von Marco Ferreri, der Kafkas „Das Schloss“ modifiziert, indem er die Geschichte an einer Papstaudienz aufhängt. Der große Allegoriker des italienischen Films sollte zwei Jahre später mit DAS GROSSE FRESSEN Furore machen. Den Goldenen Bären 1972 gewinnt Pier Paolo Pasolini mit I RACCONTI DI CANTERBURY (Pasolinis tolldreiste Geschichten), einem Teil seiner Trilogie der Sinnlichkeit. Die Variation auf Chaucer wird jedoch von der Kritik nicht gerade mit Begeisterungsstürmen aufgenommen.

Berlinale 1971

Frauen in der Schweiz dürfen wählen - Bafög erfunden - Greenpeace gegründet - erste Comutertomographie wird gemacht - Eddy Merckx wird zum dritten Mal Toursieger - Frazier schlägt Ali

Nach dem Knall im Jahr zuvor, den zum Teil absurden Verleumdungen und Sitzstreiks und Schreidebatten packt die Berlinale es im Folgejahr: das „Forum“, ehemals Gegenfestival, wird in die Berlinale integriert, wo von nun an Filme unter den zeitgeisttypischen Schlagworten Erneuerung, Öffnung und kritischer Diskurs gezeigt werden sollten.
Die heute so typische Festivalatmosphäre wurde erst in diesem Jahr geboren. eben nicht nur Filmschau und Glamour, sondern im Anschluss an den Film stattfindende Gespräche mit den Machern, überhaupt die kritische Auseinandersetzung mit den oft politischen Filmen vom Rand der Filmwelt.
Diskurs ohne Wertung, keine Preise - der wertfreie Raum der Kunst im Film. Die Positionen der „Filmschau“-Vertreter und der jungen Generation, die den Film als gesellschaftliche, politische Kraft begriffen, die auch Debatten und Konflikte zeigen, statt sie unter Glamour und Stars und Festivalbrimborium zu verstecken. Mancher sprach von einem Neuanfang des Festivals, was sicher geschah, war eine Verjüngung und ein - wenn auch widerwilliges - Einlenken der Festivalleitung, dass parallel ein zeitgemässeres, angriffslustigeres Kino existierte, als das im offiziellen Wettbewerb zu sehende. Doch der gesellschaftliche Generationenkonflikt spiegelte sich auch im Festival und sorgte für Konflikte zwischen den Machern des kleinen Forums und des großen Bruders.
Eher nebensächlich geriet in diesem "alles neu Jahr" daher der Wettbewerb, der wenigstens ohne Skandale über die Bühne ging, was den Verantwortlichen nach dem Katastrophenjahr 1970 sehr recht gewesen sein dürfte. Goldener Bär: Vittorio de Sicas Il Giardino dei finzi contini, ein Film über den Faschismus - ein Thema, das auch in Italien lange geschlummert hatte, bevor es filmisch offen angegangen wurde.

Berlinale 1970

Das Skandaljahr: Michael Verhoevens Film O.K., der die Vergewaltigung und Ermordung eines vietnamesischen Kindes durch Soldaten der US-Armee in Motiven bayerischer Passionsspiele erzählt, löst am fünften Festivaltag einerseits Beifall und andererseits hysterische Kritik aus. Ein reales Verbrechen aus dem Jahr 1966 hatte Verhoeven zu dem Film inspiriert. Zum Deppen macht sich bereits am 1. Juli das deutsche Jurymitglied Manfred Durniok, der sich beim amerikanischen Jury-Vorsitzenden George Stevens dafür entschuldigt, dass O.K. als Beitrag der Bundesrepublik Deutschland (sic!) im Wettbewerb gezeigt wird. Dieser Speichelleckanfall ist der Anstoß für eine Lawine an Zensurvorwürfen, Rechtfertigungen, persönlichen Verleumdungen und Verschwörungstheorien. Ergebnis: Die hoffnungslos zerstrittene Jury tritt zurück, der Wettbewerb wird abgesagt, einige Filme zurückgezogen oder nur „informatorisch“ gezeigt. Die Berlinale liegt in Trümmern. Die großartige Fassbinder-Satire über den Irrsinn des Alltags Warum läuft Herr R. Amok? lief zum Glück schon bevor das Festival im Chaos versank.
Aus dem Desaster wächst Positives: Endlich reformiert sich die so oft bürokratisch blockierte Berlinale, das „Internationale Forum des jungen Films“ wird aus der Taufe gehoben.

Berlinale 1969

Hinterher ist man immer schlauer: Die Berlinale-Jury blamiert sich und vergibt keinen einzigen Bären an den Favoriten des Publikums, Midnight Cowboy von John Schlesinger. Auch seine Hauptdarsteller Dustin Hoffman und Jon Voight gehen leer aus. United Artists ist darüber so sauer, dass der Verleih die Berlinale für zehn Jahre boykottiert. Die Jury zeigt vielmehr Herz für Debütfilme: Zelimir Zilniks Rani Randovi (Frühe Werke) wird mit Gold prämiert und Brian de Palmas Erstling Greetings erhält einen der Silbernen Bären.
Im deutschen Filmwesen zankt man sich mal wieder, diesmal um den Modus der Filmauswahl. Nach Beendigung des Festivals einigt man sich auf eine Änderung der Verfahrensordnung (Luhmann goes to Hollywood), auf die Abschaffung des Zwei-Kammern-Systems und die Auflösung der Paritätischen Auswahlkommission für deutsche Filme. Die Berlinale und der deutsche Film sind gerettet! Dass es dem deutschen Film eh' nicht schlecht geht, beweist Rainer Werner Fassbinder mit Liebe ist kälter als der Tod.

Berlinale 1968

Der große Knall, er kam nicht. Nachdem Godard im Mai mit seinem Schlachtruf "A la grand salle" das vorzeitige Ende des Filmfestivals in Cannes eingeleitet hatte, war man auch in Berlin auf einiges gefasst. Der Versuch von kritischen Filmemachern wie Alexander Kluge und Edgar Reitz sich auf einer Veranstaltung im Audimax der FU mit revoltierenden Studenten zu verbünden, scheiterte auf der ganzen Linie. Die Regisseure des Neuen Deutschen Films wurden als „Lakaien des Establishments“ kritisiert und mit Eiern beworfen.

Auch mit dem Festspielleiter Alfred Bauer gab es Diskussionen. Die Studenten forderten u.a. freien Eintritt für alle und die Verstaatlichung des Constantin-Filmverleihs. Doch es blieb zunächst alles beim alten. Erst drei Jahre später sollte es mit der Gründung des Internationalen Forum des jungen Films zu einer grundlegenden Reform der Berlinale kommen.

Bemerkenswert sind die Verbindungen des Berlinale Jahrs 1968 zum Jubiläumsjahr 2010. Mit seinem Film Lebenszeichen war Werner Herzog, Jury-Präsident der Berlinale 2010, zum ersten Mal auf dem Festival mit dabei. Außerdem organisierte er Vorführungen von Wettbewerbsfilmen in Berliner Kiez-Kinos, eine Initiative, die im Jubiläumsjahr 2010 wieder aufgenommen wird. Den goldenen Bären bekam aber nicht Herzog für seinen ersten abendfüllenden Spielfilm, sondern der dänische Film Ole Dolle Dof (Raus bist du) von Jan Troell.

Berlinale 1967

Schah von Persien besucht BRD, Ohnesorg wird erschossen - 6 Tage Krieg Israel gegen seine Nachbarn - Che Guevara wird erschossen - Start des Farbfernsehens in der BRD - Beatles veröffentlichen Srgt. Pepper - Elvis heiratet

Und schon wieder die Strukturen: die Berlinale wird GmbH innerhalb der Berliner Festspiele. Das mögen sie, an Strukturen basteln. Aufgrund immer wieder auftauchender diplomatische Probleme (siehe 1965) die u.a. eine Beteiligung der Ostblockstaaten am Festival verhindert hatten, wird also das staatliche Festival scheinbar privatisiert. Denn man wollte gern Filme aus dem Ostblock, bis auf einen: aus der DDR. In der offiziellen politischen Sprachregelung gab es sie nicht, obwohl man sich in den ersten Jahren noch bemüht hatte, die DDR Bürger ins Festivalgeschehen einzubinden. Aber weil ja ganz dem Zeitgeist entsprechend auch das Private politisch wird in den 60ern (und die neue GmbH innerhalb der Festspiele wieder von Bund und Land getragen wird) schickt kein Staat Osteuropas (außer Jugoslawien) einen Film. Kalter Krieg auch hier.

Nach dem ermutigenden Jahr 1965 nun schon wieder Stillstand sowohl künstlerisch als auch in den Debatten um Struktur und Inhalte. Die Filme dieses Jahres weitgehend vergessen, der Sieger Le Départ von Jerzy Skolimowski, Sonderpreis der Jury immerhin an einen alten Bekannten: Eric Rohmer für La Collectionneuse; ebenso der Film von Michael Lentz mit dem auf die Berlinale Querelen programmatischen Titel: Alle Jahre wieder. Ansonsten ein Jahr zum Vergessen, obwohl doch das Jahr VOR dem großen Knall 1968. Wo sind die Künstler, die gesellschaftliche Entwicklungen früher spüren als der Mainstream? Nicht auf dieser Berlinale jedenfalls.


Berlinale 1966

Ein Foto aus dem Jahr 1966 zeigt sieben Regisseure, die während der Berlinale über die Zukunft des Films diskutieren: Peter Schamoni, Roman Polanski, Pier Paolo Pasolini, Satyajit Ray, Jean-Paul Rappeneau, Völker Schlöndorff und Erwin Leiser. Überliefert sind ein schmollender Polanski, ein Pasolini, der versucht, sein Konzept der „vergeistigten Wirklichkeit“ zu erklären und ein Beitrag von Ray über die besondere Situation der Filmproduktion in Indien. Joe Hembus von Film International schreibt: „Plötzlich wurde von Herstellungskosten gesprochen. Polanski wachte auf.“

Auch ansonsten bleiben die 15. Festspiele als Festival in Erinnerung, bei dem es wenig Staraufläufe gibt, dafür aber die Filme und Filmemacher selbst umso stärker im Mittelpunkt stehen. Ein halbes Jahrzehnt nach Oberhausen ist das wichtigste deutsche Festival immer noch auf der Suche nach den sinnvollsten Wegen zur Reform des Filmwesens.
Im Wettbewerb konkurrieren drei große Filme um die Gunst von Filmkritikern, Jury und kundigen Zuschauern: Roman Polanskis CUL-DE-SAC, Satyajit Rays NAYAK und Jean-Luc Godards MASCULIN-FÉMININ. Am Ende bekommt Polanski den Goldenen Bären, Ray eine besondere Anerkennung der Jury, und Godards Hauptdarsteller Jean-Pierre Léaud den Silbernen Bären.

Das Jahr 1966 ist auch ein gutes Jahr für den cineastischen Nachwuchs: Der Lehrbetrieb in der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) wird aufgenommen, außerdem wird beschlossen, die Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in München einzurichten.

Berlinale 1965

Erste Schlacht zwischen Nord-Südvietnam - Malcom X wird ermordet - Ludwig Erhard wird Bundeskanzler - Bob Dylans „Like a Rolling Stone“ erscheint

Neue Organisation, neue Strukturen und veränderte Auswahl der Wettbewerbsfilme in diesem Jahr - voll im Zeitgeist also: Reformhaus Berlinale. Die sehr internationalistische, zugleich dem Grand Prix ähnelnde Jurymethode („Germany two points, Allemand deux point“), dass nämlich die Teilnehmerländer einen Vertreter in die Jury schicken, wurde abgeschafft und die Berlinale wählt nun ihre Jury selbst aus. Wie schon in der Vergangenheit war es unmöglich, das Filmfestival allein auf Grundlage künstlerischer Kriterien zu veranstalten: die Regierungen von Bund und Land redeten hinein, diplomatische Verwicklungen aufgrund eines provokanten politischen Films sollten in der Frontstadt Berlin auf jeden Fall vermieden werden und die Überkompensationsdemokraten in Bonn bekamen Bauchschmerzen, den Film eines „befreundeten“ Landes abzulehnen. Die Situation hatte aber auch einen positiven Effekt: weil man den Wettbewerb sauber halten wollte, rutschten skandalträchtige oder schwierige Filme in eine andere Sektion, genannt „Informationsschau“ - die Geburt der heutigen Sektionen wie Panorama, Perspektive usw. Dennoch wurde im Eröffnungsfilm Paris vu Par von einem Jungen das Foto Konrad Adenauers vom Tisch gefegt - dass er ihm auch noch die Augen ausstach, wurde rausgeschnitten - zu viel Revolte der Jugend.

Mit Filmen von Jean-Luc Godard, Satyajit Ray, Agnès Varda, Roman Polanski und Jean-Marie Straub/Danièle Huillet hatte das Programm Potential für ausreichend Debatten. Mitte der 60er Jahre schwimmt die Berlinale also voll im im Strom des Zeitgeists, der sich allmählich in allen Bereichen ausbreitete: schicke kurze Kleider, endlose Debatten, politischer und künstlerischer Konfrontationskurs der Jungen. Agnès Vardas Le Bonheur ist dabei ein schönes Beispiel, weil er sowohl formal in seinen eigenartigen Schnitten, der kontrapunktischen Mozartmusik und auch inhaltlich (die klassische Ménage à Trois als Utopie der Liebe) neue Formen suchte und ohne erhobenen Zeigefinger seine Figuren dabei beobachtet, wie sie versuchen Mensch zu sein.

Goldener Bär am Ende für Godards Alphaville, eine Art Science-Fiction-Noir. Er erzählt von einer Gesellschaft mit Ähnlichkeit zur gegenwärtigen aber zu einer technokratischen Diktatur verkommen. Eine Warnung.
Veränderungswille und Konfliktbereitschaft, die diese Berlinale wie eine Ouvertüre zum beginnenden Protest und der Neujustierung der Gesellschaft in den folgenden Jahren erscheinen lassen. Das Festival scheint den Namen „Gegenwartsschau des Films“ in diesem Jahr tatsächlich zu verdient zu haben.

Berlinale 1964

Ein Magazin des Bayerischen Fremdenverkehrsamtes sorgte 1964 für viel Aufregung. Es wurde vorgeschlagen, die Filmfestspiele nach München zu verlegen, um es den sozialistischen Länder zu erleichtern, ihre Filme auf das Filmfest zu senden. Es ging damit nicht nur um die Filmfestspiele, sondern auch um den Status der geteilten Stadt Berlins. Man reagiert sehr empfindlich auf die Veröffentlichung und es wurde deutlich: Die Berlinale war angeschlagen.

Auf einen Nebenschauplatz brachte sich zudem die Filmkritik in Position. Jahrelang hatte man das mittelmäßige Programm der Berlinale kritisiert. Nun ließ man den Worten Taten folgen. Parallel zur Berlinale initiierten die erst ein Jahr zuvor gegründeten Freunde der Deutschen Kinemathek die Berlinale Gegenveranstaltung "Woche der Kritik". Auf diesem Vorläufer des Forum-Sektion lief dann u.a. der von der Festspielleitung abgelehnte Godard-Film Bande à part.

Alfred Bauer war sich der damaligen Macht der Filmkritik wohl bewusst und versuchte das Problem durch eine Umarmungstaktik zu lösen. Für das kommende Jahr wurden auch zwei Filmkritiker in das Auswahlkomitee der Berlinale berufen.

Eine Filmkritik ist, mag sie auch noch so begründet sein, aber auch nur eine Meinung unter vielen. Das zeigt die Beurteilung des türkischen Gewinnerfilms von 1964 Susuz Yaz durch Ulrich Gregor im Spandauer Abendblatt. Gregor hielt den Film für derart mit falscher und naiver Folklore überladen, dass man ihn mit Schweigen hätte übersehen sollen. Der Hamburger Film-Regisseur Fatih Akin dagegen betrachtet "Susuz Yaz“ heute als eines der wichtigsten Vermächtnisse des türkischen Kinos.

Berlinale 1963

berlinale_1963.jpg
Quelle: Berlinale

Im Vorfeld der zwölften Festspiele werden Möglichkeiten diskutiert, wie die Auswahl der Filme neu und besser organisiert werden könnte. Klar ist: Es soll mehr Sachverstand in den Auswahlprozess einbezogen werden – doch wie soll das organisiert werden und wer soll das bezahlen? Mehrere Vorschläge zur Weiterentwicklung der Berlinale werden diskutiert: Etwa ein Spielfilmpreis „Junge Filmnationen“, mit dem die Debatte über ein Qualitätsgefälle zwischen Filmen aus so genannten Dritte-Welt-Ländern und etablierten Filmnationen aufgefangen werden soll, ein Wettbewerb der Filmhochschulen und die Etablierung einer repräsentativen deutschen Filmmesse. Außerdem soll der Kurzfilmwettbewerb abgeschafft werden, da Oberhausen und Mannheim dieses Genre zur Genüge abdecken. Eine Entscheidung über all diese Punkte wird jedoch vertagt.

Die Idee der Produzenten Artur Brauner unter dem Banner der „Riskanten Welle“ auf den Spuren der Nouvelle Vague zu wandeln, scheitert kläglich: Edwin Zboneks MENSCH UND BESTIE wird von den Journalisten auf der Berlinale verrissen. Es zeigt sich mal wieder, dass eine verordnete Revolution so ihre Tücken hat.

Was dagegen funktioniert, ist die TV-Brücke. Im zweiten Jahr nach dem Mauerbau sind die Ostberliner als Zuschauer von den Festspielen ausgesperrt. Nun wird ihnen durch eine Fernsehübertragung von fünf Wettbewerbsfilmen und einer Kulturfilmschau die Teilnahme zumindest partiell über den Äther ermöglicht.

Politisch relevante Konkurrenz zum Berlinale-Geschehen 1963: John F. Kennedy bekennt sich am 26. Juni zu seinem Berliner-Sein.

Der Goldene Bär geht in diesem Jahr an Tadashi Imais BUSHIDO ZANKOKU MONOGATARI. Auch dieser Sieger hat keine internationale Filmgeschichte geschrieben. Doch die Filme, so scheint es, hatten in jenem Jahr ohnehin nicht die Hauptrolle in Berlin.

Berlinale 1962

Es war die erste Berlinale nach dem Berliner Mauerbau im August 1961. Die Situation war angespannt und man hatte zunächst überlegt, die Vorbereitungen für das Festival zu stoppen. Am Ende machten der Berlinale aber weniger die politischen Rahmenbedingungen zu schaffen, sondern, mal wieder, die gnadenlose Kritik in der Presse. Man sprach von einer Berlinale "der schlechten Filme und der netten Leute", Wolfgang Neuss, dessen Film Genosse Münchhausen nicht angenommen worden war, machte sich über das niedrige Niveau der Berlinale lustig und der prominente Berliner Kritiker Friedrich Luft empfahl der Festivalleitung auf den A-Status des Festivals zu verzichten, um eine freiere Hand bei der Filmauswahl zu haben.

Die Berlinale geriet mit ihrem Spagat zwischen Kunst und Kommerz zunehmend in eine Sackgasse. Derweil begann sich die Avantgarde der deutschen Filmregisseure zu organisieren. Ende Februar 1962 wurde auf einer Pressekonferenz mit dem Titel "Papas Kino ist tot" das Oberhausener Manifest vorgestellt. 26 Filmemacher darunter Alexander Kluge, Edgar Reitz und Peter Schamoni hatten das Manifest unterzeichnet. In der Erklärung verpflichteten sie sich dem "neuen Film", der frei sein sollte von branchenüblichen Konventionen, der Beeinflussung kommerzieller Partner und der Bevormundung durch Interessengruppen. Auch wenn 1964 noch kein Film der Oberhausener Gruppe auf der Berlinale vertreten war, wurde die neue Linie zwischen etablierter Filmindustrie und dem erklärten Neuanfang des deutschen Films emotional diskutiert.

Der Goldene Bär ging 1964 an A Kind of Loving, das Spielfilmdebüt von John Schlesinger, der später mit Werken wie Midnight Cowboy und Marathon Man Meilensteine der Filmgeschichte schaffen sollte.

Berlinale 1961

Retrospektiv kann festgestellt werden: Die Berlinale 1961 könnte entweder als „Busen-Berlinale“ oder als Fest der Avantgarde in die Geschichte eingehen. Für die Busen-Variante spricht: Es gibt einen Riesenskandal um den oberweitenstarken Auftritt der Schauspielerin Jayne Mansfield. Die Blondine beglückt zwar die Fotografen – und man darf annehmen auch die Leser – von „Stern“, „Quick“, „B.Z.“, „BILD“ und „Neue Revue“, „das unbekümmerte Herausstellen der körperlichen Reize“ des Busenwunders (so sagte man damals) wird aber von den Reportern eben jener Medien scharf kritisiert. Fast 50 Jahre später erscheint das alles wie ein bisschen sehr viel Aufregung um (fast) nichts.

Weg vom Klatsch, hin zur hohen Kunst: Auf der Berlinale 1961 laufen unter anderem Michelangelo Antonionis LA NOTTE, der den Goldenen Bären erhält, Jean-Luc Godards UNE FEMME EST UNE FEMME (Silberner Bär für Anna Karina und Sonderpreis Silberner Bär) und Bernhard Wickis DAS WUNDER DES MALACHIAS (Silberner Bär Beste Regie). Großartige, innovative und mutige Filme also, die obendrein noch von einer fachlich sehr gut besetzten Jury gewürdigt werden.

Die wichtigste formale Innovation 1961: Die Zahl der Filme im Wettbewerb wird erstmals begrenzt – jedes Land darf als offiziellen Beitrag nur einen abendfüllenden Film zeigen, die Festivalleitung hat darüber hinaus die Möglichkeit, zusätzliche Filme einzuladen. Insgesamt soll aber jedes Land mit nicht mehr als zwei Filmen vertreten sein. Im Wettbewerb laufen schließlich 23 Filme, fünf davon hatte Festivalleiter Alfred Bauer eingeladen.

Aus heutiger Sicht ist klar: Die Berlinale 1961 war ein filmischer Glücksfall – kurz vor den radikalen Umbrüchen, die die unmittelbare Zukunft durch den Mauerbau für die Stadt Berlin wie auch für das Festival bereit halten sollte.

Berlinale 1960

Zu Gast auf der Berlinale 1960 sind unter anderem die Stars Cary Grant, Jean Gabin und Jean-Paul Belmondo. Und dennoch – man reibt sich aus heutiger Sicht verwundert die Augen – wird geklagt, die Berlinale habe zu wenig Glamour vorzuweisen. Mit Glamour war damals freilich die (weibliche) Diven-Dichte gemeint; und an der hapert es tatsächlich. Zwar macht Jean Seberg in A BOUT DE SOUFFLE (Außer Atem) den radikalen Kurzhaarschnitt populär, doch im Jahr 1960 wünscht man sich wohl eher Grandes Dames à la Cannes statt knabenhafter Mädchen.

Mit dem direkten Vergleich zu dem Festival an der Côte d’Azur hatte und hat die Berlinale immer wieder aufs Neue zu kämpfen. Die Vorwürfe wechseln sich dabei in schöner Regelmäßigkeit ab: Mal heißt es „zu wenige Stars“, dann wieder „zu viel Hollywood“ – sprich: die Promis will man schon haben, aber bitte nicht um den Preis eines übermächtigen Mainstreams. Tja. Manchmal heißt es aber auch einfach, dass die Filme zu schlecht waren...

Das ist auch der Hauptvorwurf 1960: Statt einer gloriosen zehnten Berlinale spiegele die Auswahl die Krise und Stagnation in der internationalen Filmproduktion wider Darüber hinaus gibt es eine rege Debatte um die Qualität von Filmen aus so genannten Entwicklungsländern, von „Versuchskaninchen aus filmunterentwickelten Staaten" schreibt etwa der "Telegraf". Immerhin: Der große Wurf von Jean-Luc Godards A BOUT DE SOUFFLE wird mit einem Silbernen Bären für die beste Regie honoriert. Die formale Innovationsleistung Godards, der „seine Geschichte vor allem mit der Kamera erzählt“, wie die "Zeit" schreibt, wird also durchaus erkannt – man stößt sich aber daran, dass die Hauptfiguren „knastreife Elemente“ (so das "Spandauer Volksblatt") sind. Unter dieses moralische Fallbeil gerät auch Robert Bressons PICKPOCKET.

Der Goldene Bär jedoch geht an DER SCHELM VON SALAMANCA von César Ardavin, einem heutzutage nicht mehr wirklich relevanten Film nach einem Schelmenroman des 16. Jahrhunderts.

Berlinale 1959

Die Berlinale wird größer, verzeichnet einen Besucherrekord und ist mit Filmen aus 53 Ländern internationaler denn je. Der regierende Berliner Partymeister Willy Brandt feiert mit Rita Hayworth und sieht dabei sehr vergnügt aus, auch wenn Chruschtschows Berlin-Ultimatum immer noch für schlechte Stimmung sorgt. Aber wer ist Chruschtschow? Echte Promis gibt’s im Dutzend: Sophia Loren, Robert Aldrich, David Niven und und und...

Zwischen West- und Ost-Berlin macht man auf Völkerverständigung im Kleinen: Journalisten von kapitalistischen Medien aus aller Herren Länder besichtigen die DEFA-Studios und trinken nach den Grundsätzen sozialer Gerechtigkeit gebrautes Bier und in genossenschaftlicher Selbsthilfe produzierte Spirituosen im Ost-Berliner Filmclub „Möwe“.

Künstlerisch erobert die Nouvelle Vague die Berlinale. Claude Chabrols "Les Cousins“ (Schrei, wenn Du kannst) gewinnt den Goldenen Bären. Trotz eines gut besetzten Wettbewerbs, neben "Les Cousins" Filme von Akira Kurosawa und Gilles Grangier, will Festivalleiter Alfred Bauer zukünftig mehr Filme im Ausland von Experten sichten lassen. Die Politik allerdings will die Mittel nicht, wie gewünscht, auf 300.000 DM aufbessern.

Berlinale 1958

Die Berlinale wagt politisch Neues und lädt die UdSSR ein. Aufgrund „eines Formfehlers“ weist Russland die Einladung aber zurück. Dennoch zieht das Festival mehr Aufmerksamkeit als jemals zuvor auf sich. Schon die Eröffnungsfeier in der neuen Kongresshalle zeigt ein gewachsenes Selbstbewusstsein. Der Berliner Bürgermeister Willy Brandt vertraut in seiner Eröffnungsrede „auf die Weltoffenheit dieser Stadt“ und sagt: „Die Filme der Völker werden hier der Bevölkerung des gesamten Berlin gezeigt, nicht zuletzt unseren Mitbürgern aus dem östlichen Sektor und den Landsleuten aus den uns umgebenden Gebieten.“

Die Berlinale wartet mit großen Stars auf: Jean Marais, Frederico Fellini, Gina Lollobrigida, Frank Capra als Jurypräsident. Den Goldenen Bären erhält Ingmar Bergmans „Smultronsstallet“ (Wilde Erbeeren). Doch im Gedächtnis geblieben sind die Festspiele von 1958 wegen eines neuen Stars: Sidney Poitier. Er erhält den Silbernen Bären als bester männlicher Darsteller für seine Rolle als Noah Cullen in „The Defiant Ones“ (Gesprengte Ketten). Es ist Poitiers erste internationale Auszeichnung. „The Defiant Ones“ gewann zwei Oscars, Poitier und der zweite Hauptdarsteller Tony Curtis wurden beide für den Oscar nominiert. Poitier gewann den Oscar 1964 für die Hauptrolle in „Lilies of the Field“ (Lilien auf dem Felde).

Berlinale 1957

berlinale_1957.jpg

Zum ersten Mal hat die Berlinale mit dem neuen Zoo-Palast auch ein adäquates Festspielkino. Promis wie Errol Flynn und Henry Fonda, der die Hauptrolle in Sidney Lumets Goldener-Bär-Gewinner „Twelve Angry Men“ (Die zwölf Geschworenen) spielt, können sich den Berlinern mit mehr Glamour auf dem Roten Teppich an der Hardenbergstraße präsentieren. Eröffnet wird der Zoo-Palast schon drei Wochen vor Berlinale-Start mit der Premiere von Helmut Käutners „Die Zürcher Verlobung“.

Wie so oft ist die Berlinale auch 1957 ein Spielplatz für kalte Krieger. Die Haltung der Festivalleitung, eine Art kulturpolitische Hallstein-Doktrin zu befolgen und keine Länder aus dem „Ostblock“ einzuladen, gerät immer mehr in die Kritik. Zumal man sich in Cannes entschlossen hatte, auch Länder wie die VR China oder die DDR zu den Filmfestspielen einzuladen, die keine diplomatischen Beziehungen zu Frankreich unterhalten. Mit der Demokratie ist es nicht nur in der Ostzone, sondern auch im freien Westen eher vertrackt – zumindest wenn es um Filme geht. Die Publikumsabstimmung über die Bären wird kurzerhand abgeschafft.

Für Verwirrung sorgt der deutsche Wettbewerbsbeitrag „Jonas“. Der Regisseur Ottomar Domnick, im zivilen Leben Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, bricht in seinem assoziativen Film mit linearen Erzählweisen und arbeitet mit der Symbolsprache der Psychoanalyse. Die vorausschauende Festivalleitung ist sich der intellektuellen Begrenztheit der versammelten Journaille durchaus bewusst und setzt eine Sonderpressekonferenz mit einleitendem Vortrag zur Filmvorführung an.

Berlinale 1956

1956 war es endlich so weit: die Berlinale wurde von der FIAPF anerkannt und bekam den lang ersehnten Status eines "A-Festivals". Von nun an spielte die Berlinale auch offiziell in derselben Liga wie Filmfestspiele in Cannes und Venedig.

In Hinblick auf die politische Zensur von Filmen war 1956 allerdings ein sehr bedenkliches Jahr. Zwei Defa-Filme sollten zwar nicht im offiziellen Rahmen des Festivals aber im selben Zeitraum in der Steinbühne gezeigt werden. Auf Druck der Berlinale-Leiters Alfred Bauer schaltete sich der Berliner Senat ein. Der Veranstalter knickte ein und verzichtete auf die Vorführungen.

Bereits einen Monat vorher hatte sich die deutsche Politik sehr negativ in Sachen Zensur hervorgetan. Aufgrund des Einspruchs des deutschen Botschafters in Paris wurde die geplante Aufführung des Dokumentarfilms "Nacht und Nebel" von Alan Renais über das Konzentrationslager in Auschwitz auf dem Festival in Cannes zurückgezogen. Der Botschafter, der im Auftrag der Bundesregierung handelte, berief sich auf die Statuten des Festivals, die besagten, dass nur Filme gezeigt werden durften, die nationale Gefühle eines anderen Volkes nicht verletzen. Auch auf der Berlinale traute man sich nicht, den Film im offiziellen Rahmen des Festivals zu zeigen.

Der Gewinnerfilm von 1956 wurde der Tanzfilm "Invitation to dance" von Gene Kelly. Ein Film der keinem weh tat.

Berlinale 1955

Obwohl des Staraufgebot im Vorjahr anderes vermuten liess, zeigte sich im vierten Berlinalejahr, dass sich das junge Festival neben den bereits etablierten Filmfestivals in Venedig und in Cannes zumindest bei den Stars aus Hollywood noch nicht als feste Größe behaupten konnte. Während es 1955 mit Romy Schneider, Maria Schell und Curd Jürgens an großen deutschen Schauspielern nicht mangelte, kamen in diesem Jahr aus Hollywood nur einige wenige unbekannte B-Stars nach Berlin. Die große Präsenz der deutschen Schauspieler wurde dann aber auch belohnt, denn 1955 war tatsächlich das erste Jahr, in dem der Goldene Bär an eine deutsche Produktion ging: an Robert Siodmarks Die Ratten. Der auf einem Drama von Gerhart Hauptmann basierende Film spielt im zerstörten und trostlosen Nachkriegsberlin und wurde besonders vom Publikum wegen seiner Aktualität gelobt. Er konnte sich sowohl gegen Billy Wilders Das verflixte siebte Jahr mit Marilyn Monroe durchsetzen als auch gegen Otto Premingers im Vorfeld vielbeachteter Opernadaption Carmen Jones, der dann den Bronzenen Bären gewann. 1955 war dann allerdings auch das letzte Jahr in dem die beiden Hauptpreise der Berlinale als Ergebnis einer Publikumsabstimmung vergeben wurden.

Berlinale 1954

berlinale_1954.jpg
Sophia Loren, Yvonne de Carlo und Gina Lollobrigida (Quelle: Berlinale)

Die Diskussion um die Bedeutung von Stars und Sternchen auf Filmfestivals ist vielleicht so alt wie die Festivals selbst. Auf der Berlinale 1954 kam jedenfalls der Glamour endgültig an. Mit Curd Jürgens, Hildegard Knef, Sophia Loren und Gina Lollobrigida konnten die Berliner so viele Stars begaffen wie in keinem der Jahre zuvor. Eher ruhige Filme wie Douglas Sirks "Magnificient Obsession" mit Rock Hudson und "Ikiru" von Akira Kurosawa hatten es dagegen schwer und fanden kaum Beachtung. Einigen deutschen Beiträgen erging es aber noch deutlich schlechter. So wurde der deutsche Beitrag "Rummelplatz der Liebe" auf einer Freilichtveranstaltung in der Berliner Waldbühne von 25000 Zuschauern niedergepfiffen und die Presse dichtete den Titel genüsslich um in "Schrottplatz der Liebe". Der Hauptpreis in der Kategorie Dokumentarfilm ging an den heutigen Disney-Klassiker "Die Wüste lebt". Den Goldenen Bären gewann "Hobson's Choice" (Der Herr im Haus bin ich) mit Charles Laughton in der Hauptrolle. Regisseurs des Gewinnerfilms war David Lean, der bald darauf mit die "Die Brücke am Kwai" (1957), "Lawrence von Arabien" (1962) und "Doktor Schiwago" (1965) seine berühmtesten Werke drehen sollte.

Berlinale 1953

Aller guten Dinge sind 3 - mit der dritten Berlinale und ersten Anzeichen von Routine anstelle der „dynamischen Improvisation“, gibt es auch schon eine Krise. Aufgrund von Kürzungsdrohungen des Senats tritt Alfred Bauer als Leiter zurück - und dann wieder an. Gary Cooper kommt zu Besuch und macht sich mit seinen Attacken gegen den Kommunistenjäger McCarthy in der geteilten Stadt Berlin nicht nur Freunde. Zumal einen Tag vor Berlinalebeginn am 17. Juni 1953 - bis 1990 als Tag der Deutschen Einheit begangen - der erste Aufstand des Ostens gegen seine Diktatur losbricht. Das Festival verliert durch die folgende Abriegelung der Grenzen viele Zuschauer.

Keine Jury, sondern noch immer das Publikum wählte die Sieger, den Film Le Salair de la peur (Lohn der Angst) von Henri Clouzot - und damit einen Film, der tatsächlich bis heute Bestand hat - jedenfalls als spannendes Drama, nicht gerade als Filmkunst.
Die Sehnsucht der Organisatoren und Zuschauer nach Wiederaufstieg des deutschen Films ließ zugleich die Leerstelle spüren, die Krieg und Zerstörung hinterlassen hatten. Denn was in diesem Jahr an deutschen Filmen zu sehen war, erhielt vernichtende Kritiken. Wobei das Lamento über die deutschen Beiträge ja eigentlich bis heute Tradition hat und vielleicht typisch deutsche Nabelschau ist.

Etwas anderes, das sich ebenfalls bis heute nicht geändert hat, ist, dass der Senat die Berlinale als Prestige nutzt, ganz ganz stolz auf sie ist, aber wenig zu ihrem Gelingen beiträgt. Unterschied: damals wurde der Festivalleitung noch viel unverschämter dazwischenregiert und alles Künstlerische war auch politisch, und das hieß in Berlin Kalter Krieg - eine Tatsache, die Alfred Bauer immer wieder in den ersten Jahren zu schaffen machte.

Berlinale 1952

Sowjetunion bietet Wiedervereinigung Deutschlands an - Gründung der EVG und EGKS (Vorläufer der EU) - Königin Elisabeth II von England wird gekrönt - Koreakrieg geht weiter - Ab Dezember regelmäßiges Fernsehen, nur 1000 Haushalte registriert

Trennung, Abgrenzung und ein veritabler Minderwertigkeitskomplex bestimmen diese zweite Berlinale. Freude hätte Freud an der Haltung der Festivalleitung und der diversen Debattenteilnehmer gehabt, die einem amerikanischen Film und ganz persönlich Orson Welles eine „antideutsche Haltung“ vorwarfen. Gerade mal sieben Jahre nach dem Krieg eine bizarre Einstellung und Tonlage, die aber dem Maulhalten!-Weitermachen-Geist der Zeit entsprach. Aber die neuen Deutschen lechzten auch danach, sich das Schulterklopfen vom großen Bruder USA abzuholen, ohne den in Berlin "der Russe" herrschen würde.

Liest man Protokolle aus der Zeit, wird die Festivalorganisation sprachlich und logistisch angegangen wie der vergangene Krieg und ist nicht frei von aus der Nazi-Zeit vertraut klingenden Worthülsen, wie ja auch der Vorwurf "antideutsch" nicht ohne Vorgeschichte ist. Dazu irritiert im Jahre Zwei der Berlinale ein Dschungel aus politischen und künstlerischen Gremien, Verwaltungen und bürokratischen Institutionen, die verhandeln, debattieren und eine Richtung für die Berlinale suchen. Dieses Durcheinander ist ein Spiegel für das ganze Land irgendwo zwischen Wirtschaftwunder und Schuldkomplex. Bei der Selbstsuche dabei ist auch der „Ausschuss für Volksbildung“, in dem u.a. die Frage diskutiert wird, wie man der „Arbeiterklasse“ Filmkultur nahe bringen soll und ob man im Wedding wirklich Filme zeigen kann - kann der Arbeiter Kunst verstehen?

Die Berlinale hat sich noch nicht gefunden, noch keine gefestigte Identität, die über „Wir-wären-gern-wieder-wer“ und bürokratische Debatten hinausgeht. Dabei wurden durchaus Filme gezeigt, die heute Klassiker sind: darunter „Rashomon“ von Akira Kurosawa. Dieser allerdings, wie manch anderer, wurde von Kritikern und Publikum nicht als wertvoll erkannt. Die märchenhafte Geschichte, die ein und denselben Vorfall aus drei Perspektiven beschreibt und den Wahrheitsanspruch von Erzählung negiert, wird sicher verwirrend für ein noch immer autoritätsgläubiges und nach dem Sinn suchendes Publikum gewesen sein.

Skandal der Berlinale: ein schwedischer Film von Arne Mattson, in dem eine nackte Brust zu sehen ist; Sieger der Berlinale: eben dieser Film "Hon Dansade en Sommar" (Sie tanzten nur einen Sommer) - das vielleicht schon ein erstes ermutigendes Zeichen und irgendwie prophetisch für die Stadt Berlin - was es mal war und einige Jahrzehnte später wieder sein würde.

Berlinale 1951

berlinale_1951.jpg
Quelle: Berlinale

Nur sechs Jahre nach Kriegsende war die Gründung eines internationalen Filmfests für die Stadt Berlin ohne Zweifel ein großer Schritt. Die Umstände waren immer noch besondere, dies zeigt allein die Entstehungsgeschichte, denn die Initiative für das Festival kam vom amerikanischen Filmoffizier Oscar Martay.

Viele Dinge, die 1951 anders anfingen, sind heute längst in Vergessenheit geraten: z. B. der Termin. Statt den grau-kalten Februar wählte man den sommerlich warmen Juni als Austragungsmonat. Das Zentrum des Festivals lag weder am Kurfürstendamm und natürlich erst recht nicht am Potsdamer Platz sondern (heute unvorstellbar) in Steglitz. Als einer der wenigen Kinopaläste war der Titaniapalast an der Schlossstraße mit seinen 1200 Sitzen weitgehend von Zerstörungen verschont geblieben und so wurde hier am 6. Juni 1951 die erste Berlinale mit Hitchcocks Rebecca eröffnet.

Unter der Leitung des Filmhistorikers Alfred Bauer wurde das Festival zu einem großen Erfolg und das obwohl die Berlinale zunächst kein "A-Festival" sein durfte. Cannes und Venedig fürchteten Konkurrenz. Den Goldenen Bären gewann ein Film, der besonders stark den damaligen Situation der Stadt widerspiegelte: Die Vier im Jeep. Thema des Films waren die gemeinsamen Patrouillen von vier Soldaten der alliierten Siegermächte im Wien der Nachkriegszeit.

Übrigens war "Die Berlinale" zunächst gar nicht gewollt, jedenfalls der Name nicht. Die Verwechslung mit der Biennale in Venedig lag einfach zu nahe. Die Kabarettistin Tatjana Sais hat es dann aber ausgesprochen und so ist es (glücklicherweise) bis heute geblieben.

60 Jahre Berlinale - Der Geburtstags-Countdown

Die Berlinale feiert 2010 einen runden Geburtstag: sie wird 60. Grund für festivalblog auf die vergangenen Berlinale Jahre zurückzuschauen. Genau 60 Tage vor der Berlinale starten wir unseren Geburtstags-Countdown-Kalender. Ab Montag, den 14.12.2009, veröffentlichen wir jeden Tag einen Beitrag zu einem Festivaljahr der Berlinale. Nach 60 Tagen und 60 Artikeln endet der Kalender am 11. Februar 2010, dem Eröffnungstag der Berlinale.

Beginnend mit dem Jahr 1951 beleuchten wir politische und kulturelle Ereignisse während der Berlinale, schauen auf Filme von Siegern und Verlierern, und richten nebenbei den Blick auf die Zusammenhänge zwischen Weltgeschehen und Filmgeschehen.

In einem großen Bogen wird so die Entwicklung der Berlinale nachgezeichnet von einem improvisierten Nachkriegs-Filmfestival in einer zerstörten und später geteilten Stadt hin zu einem A-Filmfestival in der momentan kulturell dynamischsten Stadt Europas.

Besonders für die frühen Jahre nutzen wir dabei als unschätzbare Quelle den 2000 veröffentlichten Jubiläumsband 50 Jahre Berlinale von Wolfgang Jacobsen.

Impressum