Berlinale 2026: MEMBERS OF A PROBLEMATIC FAMILY von R Gowtham

Filmstill
© Labyrinth Narratives

Chennai, Südindien. Ein junger Mann ist tot. Eines morgens lag er, in ein Fischernetz verheddert, am Strand. Die tamilische Großfamilie bereitet die Trauerriten vor. Es liegt eine starke Anspannung in der Luft, die scheinbar nichts mit Trauer an sich zu tun hat. R Gowthams Spielfilmdebüt MEMBERS OF A PROBLEMATIC FAMILY zeigt in eindrücklichen Bildern von Riten und Menschen, in Rückblenden, in von Traumsequenzen durchzogener Realität und im ständigen Wechsel zwischen den Protagonisten das Netzwerk problematischer familiärer Beziehungen. Ein Film, der einen stark hineinzieht in seine seltsame, bedrückende Welt.

Da ist der Onkel, der immer – aber mit viel Gewalt und wenig Verständnis – versucht hat, den „Lausebengel“ auf den richtigen Weg zu führen. Da ist der Großvater, der selbst nicht mehr so richtig im Hier und Jetzt verankert zu sein scheint. Da ist die Tante, für die der verstorbene ein einziges Ärgernis und eine Last war. Da ist der Freund, der als einziger wirklich verzweifelt über den Tod des jungen Mannes zu sein scheint, und während des Trauerzugs die Blumenblüten wütend auf die Straße wirft und unbedingt ein Feuerwerk zünden will. Da ist der kleine Junge, der sich bereits zum Nachfolger des toten Tunichtguts zu mausern scheint. Und noch weitere Figuren mehr.

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Im Verlauf des Films tritt der Charakter des toten Mannes immer stärker hervor – und seine Verzweiflung darüber, nicht angenommen zu werden, ist für die Zuschauer schwer auszuhalten. Auch wenn der Verstorbene kein Sympathieträger gewesen zu sein scheint – der herzlose Umgang seiner Familie mit ihm hat etwas zutiefst Verstörendes. Beeindruckendes Spielfilm-Debüt im Forum!

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