Ferien

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"Ferien" von Thomas Arslan (Panorama)

Blauer Himmel. Freiheit. Probleme fallen zurück. Eis, Wasser, Lachen und Ausgelassenheit spiegeln die Sehnsüchte der freien Tagen, ein Nachhall unserer Kindheit. In Thomas Arslans „Ferien“ sind es dann auch nur die Kinder, die die Verheißung leben können.

Die Familie kommt aufs Land in das Haus der Mutter, das friedlich und idyllisch in einem Wald der Uckermark vor sich hinträumt. Die Tochter Laura mit ihrem Mann Paul und den zwei Kindern, später ihre Schwester Sophie und schließlich, unerwartet, die Großmutter. Das Rauschen der Baumspitzen, der malerische See und das Essen mit Wein am schattigen Gartentisch lassen es nicht zu, die Unerfülltheit des Glücks zu überspielen. In der Großstadt narkotisieren Dreck, Hektik und Glitter. In der Stille formen sich die Enttäuschungen in Worte und umgeben vom Grün der Wälder strömt das Gift aus den Poren, welches ein Zusammenkommen der Familiemitglieder unmöglich macht.

Wie in Arslans Vorgängerfilmen, fällt in Ferien kein Wort zu viel. Dadurch bekommen die Worte eine besondere Wucht. Arslan zeigt Schlüsselszenen des Zusammenlebens, die wir wiedererkennen, auch wenn wir uns nicht gern an sie erinnern. Zum Beispiel, wenn Laura, das Geburtstagsgeschenk von Paul noch in der Hand, sich überwindet und ihm plötzlich eröffnet, dass sie einen „Neuen“ hat. Wenn das Baden der Großmutter durch die Tochter, zu einer Geste des Abschieds wird (eine auffällige Parallele zu der wichtigen Badeszene des Vaters durch den Sohn in „El otro“ ). Wenn der halbwüchsige Sohn Max seine neue Freundin auf der Bank zurücklässt, um zu seinen Angeberfreunden hinüberzugehen.

Trotz der dargestellten Konflikte baut Thomas Arslan kein depressives Setting auf, sind seine „Ferien“ nicht auswegslos. So wird die Lebensschwere der Erwachsenen kontrastiert durch die Unbeschwertheit der kleinen Kinder, die durch Wiesen tollen, im Wasser plantschen und blinde Kuh spielen. Ein Bindeglied zwischen diesen beiden Welten ist die noch unschuldige Liebe zwischen Max und Zoe, die vor die ersten Prüfungen gestellt wird. Für diese Beziehung komponiert Arslan eine der eindrucksvollsten Sequenzen im Film. Im Vorspann folgt die Kamera Max und Zoe mehrere Minuten, wie sie bei Sonnenuntergang auf seinem Moped über eine Landstraße in der Uckermark fahren, ein wunderschönes Bild für das Freiheitsversprechen einer jungen Liebe.

Kommentare ( 1 )

Der Vorspann kommt vor allem erst nach 25 Minuten, wenn der Film schon mitten drin ist. Das hab ich auch noch nicht gesehen!

Ich finde aber, dass der Film vor allem ein Generationenportrait ist und eine Art der Konfliktlösung von Frauen, bzw. Familien zeigt. Ur-Großmutter: bleibt nach der ersten Ehe allein. Großmutter: trauert dem ersten hinterher, wird depressiv, will weiterziehen, neu anfangen in der Stadt (mit Mann). Die Töchter: die eine schrottet gerade ihre Beziehung, die andere hat wechselnde Freunde. Die Enkel: Junges Glück (6 Monate mit seiner Freundin zusammen, ganz schön lang, meint der 16 jährige Sohn) und die ganz kleinen denken ans Spielen und nicht an die Zukunft.

Überhaupt ist die Uckermark offenbar ein gutes Setting für die Großstadtexistenzen. Da kommen in der Ruhe aber auch die ganzen Sachen hoch, die in der Stadt mit MachenMachen sich nicht hervortrauen. Und die romantischen Vorstellungen aller, die nicht auf dem Land wohnen, werden von denen, die da wohnen in Frage gestellt. Das Gras ist immer im Nachbargarten grüner...
Schöner Film

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Titel

Orignaltitel

Ferien

Credits

Regisseur

Thomas Arslan

Schauspieler

Uwe Bohm

Karoline Eichhorn

Gudrun Ritter

Anja Schneider

Angela Winkler

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Dauer

91 min.

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