Panorama - Berlinale 2026

Berlinale 2026: ENJOY YOUR STAY von Dominik Locher und Honeylyn Joy Alipio

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© CloseUpFilms

ENJOY YOUR STAY richtet den Blick dorthin, wo Gäste eines luxuriösen Skiresorts nur selten hinschauen: auf jene Menschen, die täglich für makellose Zimmer und eine perfekt inszenierte Wohlfühlatmosphäre sorgen. Im Zentrum steht Luz, die wie viele andere Frauen in die Schweiz kommt, um in kurzer Zeit möglichst viel Geld zu verdienen. Sie braucht es dringend: Auf den Philippinen kämpft sie um das Sorgerecht für ihre sechsjährige Tochter, die beim Ex-Mann lebt und dort gegen den Willen der Mutter in Reality-Shows auftreten muss. Doch statt der versprochenen, unkomplizierten Saisonarbeit erwartet Luz ein System aus Fremdbestimmung, Kontrolle und Illegalität. Die Arbeitsvermittlerin behält ihre Papiere ein, wodurch Luz in eine noch stärkere Abhängigkeit gerät. Die Unterkunft ist beengt und heruntergekommen, der Hotelalltag streng getaktet. Zwischen schneebedeckter Postkartenidylle und nüchternem Personaltrakt klafft eine soziale Lücke, die größer ist, als es die glatten Fassaden vermuten lassen.

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Berlinale 2026: TRISTAN FOREVER von Tobias Nölle und Lorant Bonnardot


© Hugofilm features / Tobias Nölle

Der Traum von einem Leben auf einer einsamen Insel, fernab vom Lärm und dem Stress der modernen Welt, übt auf viele Menschen eine große Faszination aus. Auch der Arzt Lorant sehnt sich nach diesem radikalen Neuanfang. In seiner Heimatstadt Paris fühlt er sich entwurzelt. Nach vielen Jahren im Einsatz für Ärzte ohne Grenzen beschließt er, einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen. Sein Ziel ist die entlegene Inselgruppe Tristan da Cunha, die in Reiseführern gerne als „abgelegenste Insel der Welt“ bezeichnet wird. Lorant kennt diesen Ort seit Jahrzehnten - immer wieder hat er ihn als Tourist besucht und dabei Freundschaft mit einem einheimischen Farmer geschlossen. Nun will er bleiben. Für immer. Seinen Arztberuf möchte er hinter sich lassen und statt Leben zu retten, will er Teil der kleinen Gemeinschaft werden, im Supermarkt arbeiten und den einfachen Rhythmus des Insellebens annehmen. Doch wie realistisch ist die Vorstellung, der eigenen Vergangenheit so konsequent entkommen zu können?

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Berlinale 2026: EUNYEOGA DORAON NAL (The Day She Returns) von Hong Sang-soo

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© Jeonwonsa Film

Auf festivalblog berichten wir nun bereits seit 20 Jahren von der Berlinale. Da wiederholt man sich zwangsläufig. Aber wenn es wahr ist, kann man es auch wieder und wieder sagen: Es ist einzigartig, gleich nach der Vorstellung eines Films der Filmemacher:in zuzuhören und Fragen stellen zu können. Hong Sang-soo ist einer der ganz Großen des Gegenwartskinos, der mit wenigen Mitteln viel erzählt. Die Q&A nach der Weltpremiere seines neuesten Films gehört für mich zu den Highlights der diesjährigen Berlinale.

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Berlinale 2026: SHIBIRE (NUMB) von Takuya Uchiyama

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© “Numb” Film Partners

„Ich habe deine Augen immer gehasst!“ Wer solche Sätze als Kind von seinem Vater hört, wächst mit einer großen Verletzung auf. Daichi, ein Junge aus einer White-Trash-Familie im Norden Japans, hört als Reaktion auf die Gewalt, die er täglich erlebt, als kleines Kind auf zu sprechen. Takuya Uchiyamas Panorama-Film SHIBIRE, oder „Stumm“, zeigt das Aufwachsen dieses Kindes in vier verschiedenen Lebensstadien – von etwa vier Jahren bis er 25 ist. Und zuletzt seine Stimme wiederfindet.

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Berlinale 2026: SIRI HUSTVEDT - DANCING AROUND MYSELF von Sabine Lidl

Siri Hustvedt am Deck eines Boots im Hintergrund eine Brücke in New York
© Medea Film Factory

Der Trailer der Dokumentation SIRI HUSTVEDT - DANCING AROUND MYSELF hat mich zunächst abgeschreckt. Schon darin war zu sehen, dass auch mit nachgestellten Szenen aus dem Leben der Autorin gearbeitet wurde. Dieses Reenactment kennt man aus Geschichtsdokumentationen im Fernsehen. Wenn ich das sehe, zappe ich immer schnell weiter. Was für ein Glück, dass ich dennoch in die Urania zur Berlinale-Vorstellung gegangen bin.

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Berlinale 2026: ONLY REBELS WIN von Danielle Arbid

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© Easy Riders Films

Er möchte mit ihr tanzen. Verträumt wiegt er sich in der Musik, seine Hände zeichnen feine Girlanden. Sie bewegt sich zunächst zögerlich, doch dann werden auch ihre Bewegungen weicher, fließen, treten in Kontakt mit seinem Tanz. Der Beginn der Liebe zwischen Suzanne und Osmane ist in dieser stummen Szene wunderbar eingefangen – denn Suzanne zögert, sich auf den 40 Jahre jüngeren Mann einzulassen. Als sie es dann doch tut, fängt sie zum ersten Mal an, wirklich zu leben.

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