Panorama

In den siebziger Jahren noch unter den Namen Info-Schau als Ergänzung zum Wettbewerb von Manfred Salzgeber konzipiert. Bekannte Namen, die es nicht in den Wettbewerb geschafft haben. Mission: Eine Brücke zu schlagen zwischen künstlerischen Visionen und kommerziellen Interessen. Heimat des schwul-lesbischen Filmpreises Teddy.

VENTE SECO von Daniel Nolasco (Berlinale 2020)

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© Panaceia Filmes

Ein sehr guter Film, das wäre mal das erste. Aber im Jahre 2020 unter Präsident Jair Bolsenaro hat dieser schwule Film automatisch noch ein paar andere Ebenen. „Homophobie gab es schon immer in Brasilien, die wurde nicht von Bolsonaro erfunden“ sagt Regisseur Daniel Nolasco nach dem Film. Aber seit ein Schwulenhasser zum Präsidenten wurde, ist der Hass und die Gewalt gegen die LGBTI-Community explodiert.

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SAUDI RUNAWAY von Regina Meures (Berlinale 2020)

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© Christian Frei Filmproductions

In beklemmenden Bildern filmt die junge Muna ihren Alltag in Saudi-Arabien. Als sie damit beginnt hat sie sich bereits entschieden, Saudi-Arabien zu verlassen. Aber nicht nur das, sie hat sich auch entschieden, ihre Flucht per Smartphone zu filmen und die Aufnahmen später im Rahmen dieses Films zu veröffentlichen.

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Berlinale 2016: SHEPHERDS AND BUTCHERS von Oliver Schmitz

Todesstrafe in Südafrika: Die Komplexität der Schuld

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Oliver Schmitz hat einen extrem eindrücklichen Film über die Todesstrafe in den letzten Tagen des Apartheid-Regimes in Südafrika gemacht. Erst 1995 wurde sie unter Mandela abgeschafft, seit 1987 galt ein Moratorium. Der Film erzählt die Geschichte von Leon, einem jungen Mann im südafrikanischen Polizeidienst, der sieben schwarze Südafrikaner in einem Minibus erschossen haben soll. Gegenüber seinem Pflichtverteidiger schweigt er zunächst zum Tathergang. Johan Webber, ein bekannter Gegner der Todesstrafe, ahnt, dass die Tat seines jungen Mandanten andere Motive als Mordlust hat.

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THE RELUCTANT REVOLUTIONARY von Sean McAllister

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Der Regisseur Sean McAllister begleitet den Reiseveranstalter Kais im Jemen bei einer seiner letzten Touren, für die sich noch Touristen angemeldet haben. Kais wirtschaftliche Situation ist miserabel: die Touristen bleiben seit längerem aus, sein Hotel ist geschlossen, und er schuldet viele Monatsmieten. Seine schwangere Frau droht, ihn zu verlassen, wenn er kein Geld auftreibt. Er ist deprimiert und macht den Präsidenten Ali Abdullah Saleh für die schlechte Lage im Land verantwortlich.

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HERE von Braden King

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Will (Ben Foster) ist ein US-amerikanischer Vermesser, der Satellitenaufnahmen am Boden kontrolliert und dazu im Auftrag seiner Firma durch Armenien reist. Gadarine (Lubna Azabal) ist eine armenische Fotografin, die zum ersten Mal seit vielen Jahren zurück in ihr Heimatland gekommen ist. Beide begegnen sich in einem Hotel am Rande der Hauptstadt und beschließen spontan, gemeinsam weiter zu reisen, bis in das noch unkartografierte Gebiet Bergkarabach.

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"A Jihad for Love" von Parvez Sharma

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Der unter schwierigen Bedingungen gedrehte Dokumentarfilm von Parvez Sharma betrachtet die Lage von Schwulen und Lesben in völlig unterschiedlichen muslimischen Gemeinden in Ländern wie Südafrika, Iran oder der Türkei. Dabei zeichnet er ein bewegendes Bild von Menschen, die einzig aufgrund ihrer Liebesbeziehungen oder ihrer Sexualität ausgegrenzt und verfolgt werden. Erfreulicherweise tappt der Film in keine der Klischeefallen, die zahlreich am Wegesrand lauern.

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"3 Dias" von F. Javier Gutiérrez

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Was für ein gestörter Film ist das denn? Das Setting klingt spannend: riesiger Meteorit fliegt auf die Erde zu, um keine Panik zu verursachen wurde diese Nachricht zurückgehalten, bis alle Versuche, das Unheil abzuwenden fehlgeschlagen sind. Jetzt bleiben noch 3 Tage. Was würde man selbst in diesen 3 Tagen tun? In abgelegene Tunnel in den Bergen fliehen? Seiner geheimen Liebe die Gefühle gestehen? Alte Streiterein ausräumen? 3 Dias geht einen anderen Weg.

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Panorama: Kann Shang Qu Hen Mei (Little Red Flowers) von Zhang Yuan

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Der vierjährige Qiang kommt in ein (Elite)Kindergarten und soll auf Kommando mit allen anderen kleinen Zöglingen Pippi machen, in Reih und Glied spazieren und zur befohlenen Zeit schlafen. Wenige Jahre sind vergangen seit der Gründung der Volksrepublik 1949. Anfangs lacht man über seine Ungeschicktheit, seine frechen Witze, seine kleinen Versehen. Rote Papierblumen bekommen die Kinder, wenn sie artig allen Anweisungen folgen und so pflegeleichte, funktionierende Mitglieder der Gesellschaft werden. Eine große Tafel prangt im Klassenzimmer mit allen Kindernamen, daneben die roten Blumen, die die einzelnen Kinder sich verdient haben, und Qiang starrt heimlich mit sehnsüchtigen Augen diese Tafel an, denn er wünscht sich auch eine rote Blume. Dong Bowen spielt die Figur so gut, dass jeder Zuschauer sich sofort in diese großen runden Augen verlieben muss. Er ist aufgeweckt und schlau, das passt nicht in Lehrerin Lis Welt, in die der Direktorin, in die einer konformistischen Gesellschaft.

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Panorama: Shisso (Dead Run) von Sabu

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Der junge Mann Shuji erlebt den Verfall seiner Umgebung. Als erstes sollen Familien vom aufgeschütteten Land an der Küste einem Luxushotel Platz machen, den als Baulöwen getarnte Gangster geplant haben. Dann wird sein älterer Bruder von der Schule suspendiert, weil er seine guten Noten erschummelt hatte und verraten wurde. Einzelne Wohnhäuser brennen nach Brandstiftung nieder, Shujis Bruder kommt ins Gefängnis, sein Vater verschwindet, irgendwann auch die Mutter. Währenddessen hat er seine erste Liebe gefunden, die auch schon wieder wegziehen muss. Ihre Begegnungen sind immer mit dem Laufen verbunden. Und dabei sucht er Trost bei einem christlichen Priester, der ihm die Bibel nahe bringt. Klingt ganz gut, ist aber eine dead end Geschichte.

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Panorama: Knallhart von Detlef Buck

Überleben in Neukölln

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Der neue Film von Detlef Buck ist alles andere als eine Komödie. „Knallhart“ ist eine Mischung aus Mafiafilm und realistischer Milieustudie. Erzählt wird die Geschichte des 15jährigen Michael, der mit seiner Mutter aus einer noblen Villa in Zehlendorf nach Neukölln umziehen muss und dort mit einer ihm feindlich gesinnten Welt konfrontiert wird. In seiner neuen Schule haben sich die herkömmlichen Autoritätsstrukturen schon längst aufgelöst und der Alltag wird von rivalisierenden Jugendgangs bestimmt. Eine besonders brutale Gang sucht sich Michael als neues Opfer aus und macht ihm fortan durch Erpressung und Gewalt das Leben zur Hölle.

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Panorama: Strákanir Okkar (Eleven Men Out) von Róbert I. Douglas

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Schwule Fussballer spielen Fussball

Wie der Regisseur vor dem Film richtig anmerkte: Es gibt wenig Fussball, dafür um so mehr Duschszenen in „Eleven Men Out“ zu sehen: Óttar ist Stürmer beim 1. Ligaklub KR. Am Ende eines großen Spiels verkündet er in der Kabine während die halbe Mannschaft nackig vor ihm steht: Ich bin schwul.
Weil es in der Vorstellung der meisten Leute in etwa so viele schwule Fussballer gibt, wie heterosexuelle Modemacher, folgen dem Outing natürlich Probleme.

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Panorama: The Proposition von John Hillcoat

“The sudden burst of violence

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...followed by long sequences full of silence and beauty” so charakterisierten Regisseur John Hillcoat und Drehbuchautor Nick Cave den Einsatz der Gewaltscenen in ihrem australischen Western “The Proposition”. Und diese Gewaltausbrüche haben es dann auch wirklich in sich und gehören zu den brutalsten Scenen, die ich seit langem gesehen habe. Aber sie haben tatsächlich ihre Berechtigung innerhalb der Geschichte, die erzählt wird. Eine blutige, alttestamentarisch anmutende Geschichte um Brudermord, Rache und Gewalt, angesiedelt in den australischen Outbacks.

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Panorama: Omaret Yacoubian (The Yacoubian Building) von Maravan Hamed

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Dieser Film ist ein Furor, eine nicht enden wollende Erregung: In knapp drei Stunden erzählt Regisseur Marawan Hamed die Geschichte der Bewohner eines Hauses in Kairo – des Yacoubian Buildings. Und bricht dabei so ziemlich alle Tabus, die in der ägyptischen Gesellschaft existieren. So viel Sex, Gewalt, Alkohol war nie in einem arabischen Film. Omaret Yacoubian ist nicht nur der kontroverseste und unterhaltsamste arabische Film seit langem, sondern auch die teuerste ägyptische Filmproduktion aller Zeiten.

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Panorama: "The Proposition" von John Hillcoat

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Ein Aussie-Western. Das klingt erst Mal seltsam. Wenn man dann noch erfährt, dass das Drehbuch von Nick Cave stammt, erwartet man etwas ganz Düsteres. Das ist "The Proposition" auch, aber düster im gleißenden Sonnenlicht. Brutal, heiß, laut, voller Blut, Fliegen, kaputten Zähnen und Dreck, ganz viel Dreck. Das sind die Bilder. Bei den Landschaftsaufnahmen, der flimmernden Hitze und totalen Leere, da erhebt sich ganz leise die Stimme von Nick Cave im Hintergrund, der auch die Filmmusik gemacht hat (natürlich!). Das ist einfach grandios. Wer Dead Man, auch Apokalypse Now und dazu ein bischen Antiwestern a la Peckinpah mag, der MUSS hier rein. Allerdings sollte der- oder diejenige auch Blut sehen können: davon gibt's ordentlich, inklusive zerschossener Schädel und zerschlagener Gesichter...

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Panorama: Leonhard Cohen - I'm your Man von Lian Lunson

In seiner Begrüßung vor dem Film bezeichnete Wim Wenders das Projekt, eine Doku über Leonard Cohen zu drehen, als „toughest assignment in Rock n Roll“. Seiner Kollegin Lian Lunson, die sich an das Wagnis machte, hat eine Mischung aus Konzertfilm – Ausschnitte eines Cohen-Tribute Concert aus Sydney 2005 – und Interviews mit Kanadas Songwriter No 1 und anderen Musikern gedreht. Die Gespräche mit Cohen sind originell und machen neugierig auf mehr, was man von einigen Coverversionen und insbesondere Bono-Monologen nicht behaupten kann. Trotzdem sehenswert, weil das Charisma vom Leonard Cohen die Schwächen wettmacht. Hört Euch seine Musik an (and listen to the words).

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Panorama: Camping Sauvage von Christophe Ali & Nicolas Bonilauri

Shakespeare revistited oder: Holiday in Hell.

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Einen kurzen Moment sieht es so aus, als ob Camille (pubertierende Jugendliche) und Blaise (Mittvierziger in Geldnöten, der vorübergehend als Segellehrer auf dem Campingplatz seines Schwagers arbeitet) ein wie auch immer geartetes Glück finden. So Romeo-meets-Julia-mäßig, nur anders herum. Aber natürlich ist das im klaustrophobisch-kleinbürgerlichen Mikrokosmos Campingplatz nicht möglich. Erzählt wird in beklemmenden Close-Ups, blassen Farben und ohne viel Erklärungen zur Psychologie der Figuren. Nicht schön anzusehen, aber ein guter Film. Der entstand übrigens nach einer Zeitungsmeldung, die näher zu erklären das Ende des Films vorweg nehmen würde. Ist aber trotzdem gut zu wissen, weil das Drama mit dem Wissen, dass sich wirklich etwas in dieser Art ereignet hat, noch eine Spur tiefer beeindruckt. Lohnt sich.

Panorama: Nachbeben von Stina Werenfels

Im Glashaus

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Wie bereits der Titel "Nachbeben" vermuten lässt, setzt die Regisseurin Stina Werenfels mit der Handlung ihres Films an einem Zeitpunkt ein, an dem die ganz grossen Katastrophen im Leben der Hauptfiguren bereits passiert sind: Der Investment Banker HP hat durch riskante Transaktionen sein gesamtes Vermögen verloren. Seine Luxusvilla am Züricher See steht bereits im Internet zum Verkauf. Er selbst kann die Fassade des coolen, alles kontrollierenden Machers nur noch mit Hilfe von Psychopharmaka aufrecht erhalten. Seine Frau ahnt zwar vieles, sie tut aber ihrerseits alles, um den schönen Schein nach aussen hin zu wahren. Ansonsten hilft ihr im hier und jetzt der Alkohol und der Traum von einer späten Karriere als Innenarchitektin. Es ist ja auch noch alles da: das Traumhaus mit Traumgarten, die Designermöbel und sogar ein hübsches, blondes Au-Pair Mädchen aus Schweden.

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Panorama: Absolute Wilson von Katharina Otto-Bernstein

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Wenn Ihr immer das Ende einer Kritik lest, erspart euch das Scrollen: Ihr müsst den Film unbedingt sehen. Sicherlich steht das in jedem zweiten Artikel über dem Film: „Absolute Wilson“ ist ein faszinierendes Porträt über einen faszinierenden Künstler. Ihr kennt Robert Wilson nur vom Hören und Sagen? Um so besser. Eine bessere biographische Einführung in das Leben von „Bob“ Wilson kann ich mir nicht vorstellen.

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Panorama: Quatre Etoiles von Christian Vincent

Keine vier Sterne

Unerwartet erbt Franssou, eine junge Studentin, 50.000 Euro. Also, was tun? Das Geld auf den Kopf hauen, das Leben genießen oder es vernünftig anlegen, wozu ihr etwas überalterter Freund rät. Kurz entschlossen bricht sie auf, läßt alles hinter sich und reist an die Côte-d’Azur. In Cannes mietet sie sich im schicken Vier-Sterne-Hotel ein und trifft dort auf den Hochstapler Stéphane, dem sie fortan nicht mehr von der Seite weicht...

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Panorama: "Nachbeben" von Stina Werenfels

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Nacheben spielt an der "Goldküste" Zürichs, die deswegen so heißt, weil dort die Sonne den ganzen Tag scheint und die Villen so ab 5 Millionen Franken aufwärts kosten. In solch einer Villa treffen sich zwei Paare und ein Arbeitskollege der Herren zum sommerlichen Grillfest. Die Männer sind Investmentbanker, die Frauen vor allem teuer gekleidet und goldbehängt. Alle wirken dennoch seltsam locker, gar nicht steif vor Reichtum. Perfektes Setting, perfekte Möbel, HP (Michael Neuenschwander) hat gerade noch für seine Frau 1600 Franken Kunstbücher gekauft, die dann auf dem Tisch verteilt werden. Aber etwas stimmt nicht...

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Panorama: "Bubot Niyar" (Paper Dolls) von Tomer Heymann

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Wenn wir über Israel reden, einen Bericht sehen, uns einen Film anschauen, dann geht es um den Palästina Konflikt, eine extreme Verengung des Blickwinkels. „Paper Dolls“ ist deshalb auch eine Erleichterung: es gibt andere Fascetten der israelischen Gesellschaft, faszinierende und absurde, die nur am Rande etwas mit dem Palästina Konflikt zu tun haben.
Die „Paper Dolls“ sind eine Gruppe philipinischer Transvestiten/Transsexueller. Gekommen sind sie aufgrund des Bedarfs nach Arbeitskräften, nachdem Israel die Grenzen zu Palästina und damit für die palästinensischen Hilfsarbeiter geschlossen hat. Tagsüber arbeiten sie als Altenpfleger. Nachts treten sie mit ihrer Gruppe als die glamorösen „Paper Dolls“ in Nachtclubs auf. Tomer Heymann hat ein intimes Porträt geschaffen. Sein filmischer Blick ist der eines Freundes.

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Panorama: Derecho de Familia (Family Law) von Daniel Burman

Nichts Halbes und nichts Ganzes.

Wer Daniel Burmans sympathischen Film „El abrazo partido“ vor zwei Jahren auf der Berlinale gesehen hat, freut sich auf „Derecho de Familia“, seinen dritten Film, der ganz ungeplant eine Trilogie abschließt. Wieder die gleichen Schauspieler, wieder das selbe Thema: der Vater-Sohn-Konflikt. Aber an „El abrazo“ kann „Derecho de Familia“ leider nicht anschließen, denn Burmann konnte sich wohl nicht entscheiden. Er wollte sich ganz auf den Konflikt zwischen Vater (Rechtsanwalt) und Sohn (Juradozent) konzentrieren, sagte Burman nach dem Film. Leider ist ihm das nicht gelungen, der Film verliert sich zwischen Liebesgeschichte, Vater-Sohn-Konflikt und der Geschichte eines Erwachsen-Werdens. Weniger wäre mehr gewesen und hätte dafür gesorgt, dass sich der sympathische Film, der mit witzigen Dialogen, schönen Figuren und wunderbar absurden kleinen Details zu glänzen vermag, nicht ganz so verzettelt.

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Panorama: "Bye, bye Berlusconi" von Henrik Stahlberg

Man könnte ihm ewig zu schauen: Maurizio Antonini alias Silvio Berlusconi alias „Mickey Louse” (aus rechtlichen Gründen, dazu unten mehr). Wie er ihn parodiert oder einfach nur nachspielt. Wobei sich der selbstkritische Rezensent spätestens...

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Panorama: Brothers of the Head von Keith Fulton und Louis Pepe

Sex & Drugs und Rebellion

"Sie rocken einfach total!" O-Ton eines hysterischen Teenagers, schweißüberströmt und glücklich, nach einem ekstatischen Auftritt von "The Bang Bang". Die Band, das sind in erster Linie Tom und Barry Howe, selber noch Teenager und vor allem siamesische Zwillinge. Man schreibt die 70er Jahre in England, Punk ist noch lange nicht tot und ein cleverer Musik-Manager hat erkannt, dass die Zeit reif ist für eine Freak-Show. "Brothers of the Head" ist der erste Spielfilm von Keith Fulton und Louis Pepe, und sie haben ihn als Mischung aus fiktionaler Dokumentation und Roadmovie inszeniert, basierend auf einem Roman des Sci-Fi-Autors Brian Aldiss. Dass die Zuschauer bisweilen die verschiedenen Realitäts- und Zeitebenen durcheinander bringen mögen, ist nicht weiter schlimm. Faszinierend ist der Sog, den die Geschichte entwickelt – durch die Erzählstruktur und durch die Musik, die aus allen Poren das, nun ja, Underground-Gefühl verströmt: Sex & Drugs und Rebellion.

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Panorama: „Brothers of the Head“ von Keith Fulton & Louis Pepe

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Dokumentarfilm, über einen Dokumentarfilm, über eine Band, deren Geschichte auf einem Roman basiert. Klingt komisch. Dann packt einen die Musik, laut, schmutzig und hart: Punk! Man sieht viele Beine im Kinosessel wippen. Die Story: Die beiden Brüder Barry und Tom Howe, der eine introvertiert und scheu, der andere voller Wut und immer „direkt ins Gesicht“ kommen von einem einsamen Ort mitten im Nirgendwo von Südengland. Sie werden entdeckt und erhalten von einem findigen Produzenten Musikunterricht, sie bekommen eine Band erste Auftritte, sie sind jung, sie wollen es alles, sie trinken, koksen, schwitzen, vögeln und erobern allmählich die kleinen Kneipenbühnen. Dann...

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Schwedischer "Stummfilm" im Panorama

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Mit dem Film "Fucking Amal" gelang dem schwedischen Regisseur Lukas Moodysson der Durchbruch. Auch sein Film "Together" hatte einen Achtungserfolg in Programmkinos. Seinen neuesten Film "Container" beschreibt er als Schwarz Weiss Stummfilm
mit Ton und den Worten:

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Takashi Miike im Panorama

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Premiere für ein neues Werk des für seine provozierenden Filme bekannten Takashi Miike (u.a. "Audition"). "BIG BANG LOVE, JUVENILE A" ist ein Gefängnisdrama um Gewalt und schwule Liebe, das, wenn man sich die ersten Film-Stills anschaut, ähnlich Lars von Tries "Dogville", das Gefängnis als imaginären Raum vor Theaterkullise inszeniert.
Links:
- Website der Produtionsfirma

Panorama Completti

Das Panorama Programm steht. Unter den letzten eingeladenen Filmen sind u.a. Container von Lukas Moodysson ("A hole in my heart", "Fucking Amal"), Big Bang Love, Juvenlie a" von Takashi Miike ("Audition") und "Vacationland" von Todd Verow ("A Sudden Loss of Gravity").
Mit 37 Spiel-, 14 Dokumentar- und 23 Kurzfilmen hat die Sektion Panrorama die meisten Filme im Programm. Der Wettbewerb zeigt insgesamt 26 Filme und das Forum kommt nach der im letzten Jahr begonnenden "Verschlankung" auf 40 Filme.

...es tröpfelt weiter Panoramafilme

Die Neuseeländische Komödie "No.2" von Toa Fraser. Die Familiengeschichte von einer Tochter, die mit einer Reise in den Südpazifik wieder Schwung in ihre Familie bringen will.

Den schweizer Film "Nachbeben" von Stina Werenfels. Bei dem fröhlichen Beisammensein von Investmentbankern und ihren Ehefrauen auf einem Barbecue löst die Drohung eine Affäre öffentlich zu machen, bei allen Beteiligten einen Abend voller Verleumdungen, Intrigen und Offenbarungen aus.

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Noch mehr Panorama- die Filme tröpfeln ins Programm

Die Dokumentarfilmregisseure und Drehbuchschreiber Keith Fulton und Louis Pepe (z.B. Terry Gilliams Don Quichotte Fiasko: Lost in la Mancha) werden ihren neuen Film "Brothers Of The Head" zeigen. Die Romanverfilmung der Geschichte von siamesischen Zwillingen in England, die ins Showbiz einsteigen.

"The Proposition" von John Hillcoat", Drehbuch von Nick Cave, der auch die Filmmusik geschrieben hat. Eine australisch/englische Coprokuktion. Drei Brüder werden Ende des 19. Jahrhunderts wegen eines schweren Verbechens gesucht. Ein australischer Western mit Familienkonflikt und Erlösungsmusik (mit: John Hurt, Ray Winstone, Emily Watson and Danny Huston)

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Stars und No-Names: Panorama Programm

Daniel Burman stellte in den Mittelpunkt seines letzten Films „El Abrazo partido“ die Geschichte einer Familie und der Suche eines jungen Mannes in Buenos Aires nach seinen Wurzeln. Der Film gewann 2004 zwei Silberne Bären. Sein Film auf der Berlinale 2006 „Derecho de familia“ ist zumindest dem Titel nach auch wieder eine Familiengeschichte. Über den Inhalt ist noch nichts bekannt.

Mit Staraufgebot läuft im Panorama eine amerikanische Produktion des Erfolgsregisseurs Marc Forster (Monster‘s Ball, Finding Neverland) mit dem Titel „Stay“. Es geht um einen Uniprofessor der eine Künstlerin vom Selbstmord abhalten möchte und sich dabei in seiner eigenen Psyche verliert. Es spielen u.a. Naomi Watts, Ewan McGregor und Bob Hoskins.

In den Panorama Dokumenten wird es einen Film über den Theaterstar Robert Wilson geben, „Absolute Wilson“ von Katharina Otto-Bernstein, u.a. mit David Byrne, Susan Sontag und Tom Waits. Weitere Dokumentarfilme beschäftigen sich mit Leonard Cohn „I'm Your Man“ von Lian Lunson, sowie mit Wal Mart in dem Michael Moore mäßigen Film „WAL-MART: The High Cost Of Low Price“ von Robert Greenwald, der in Amerika für Aufsehen gesorgt hat und den Supermarkt Giganten in Erklärungsnöte brachte.

Deutsche Filme im Panorama

Drei deutsche Produktionen sind bis jetzt für das Panorama gemeldet: Der Nachfolger von „Muxmäuschenstill“ von Jan Henrik Stahlberg „Bye Bye Berlusconi“. Ein Film über einen Dokumentarfilm über eine fiktive Enführung von Berlusconi, der sich dann gegen Big B‘s Medienmacht zur Wehr setzen muss. Klingt vielversprechend. In Italien wird dieses Jahr gewählt.
Ausserdem wird ein Film des „Black Box BRD" und "Die Spielwütigen“-Machers Andreas Veiel zu sehen sein: „Der Kick“ über den grausamen Mord zweier Jugendlicher an einem Gleichaltrigen in der Uckermark. Die Geschichte war auch schon als Theaterstück in Berlin zu sehen. Und noch ein deutscher Film im Panorama: „Komm näher“ von Vanessa Jopp. Sie erzählt nach ihrem Film „Vergiss Amerika“ diesmal von Begnungen Berliner Menschen, der Unfähigkeit und Fähigkeit zu Nähe und Vertrauen.

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