LOVELACE von Rob Epstein, Jeffrey Friedman

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Was für ein cooler Film: diese Autos, die Musik, das hübsche Mädchen, dass sich endlich aus dem katholischen Elternhaus und von der manipulativen Mutter befreit, die ihren Körper beginnt zu mögen, beim Sex das Licht anlässt, aufblüht, berühmt wird und kurzzeitig auch reich lebt.

Was für ein bitterer Film: Hässliche Klamotten, geschmacklose Frisuren, schmierige, sehr haarige Männer, die dem hübschen Mädchen erst die Eltern, die Herkunft, dann die Unschuld und das Geld nehmen, die sie schlagen, vergewaltigen und Lindas 17 Tage in der Pornoindustrie und ihre Rolle in DEEP THROAT für sie zur (fast) lebenslangen Hölle machen.
LOVELACE sieht verdammt gut aus und der 70er Look ist nicht bloß abgeschmacktes Stilmittel, sondern die richtige Entscheidung, weil er nostalgisch besetzt ist und die dunklen Seiten gern ausblendet - was den Film zu einer Art bitteren Bruder von Boogie Nights werden lässt.

Ein kleines dramaturgisches Wunder wie es diesem klug strukturierten Film gelingt, zugleich die sehr bittere Geschichte von Linda Lovelace (Amanda Seyfried), Star von DEEP THROAT, zu erzählen und zugleich die Verlockungen und den Zeitgeist von anything goes spürbar zu machen, denen auch Linda erliegt.

LOVELACE hütet sich geschickt vor schnellen Urteilen, moralischen Zeigefingern und erzählt von Menschen, die in einer Zeit sexueller Befreiung bis in Vororte hinein, ein naives Mädchen ausnutzen und benutzen. Der Film fällt kein Urteil über Pornografie oder versucht billig zu moralisieren. LOVELACE erzählt die universale Geschichte über ein nettes, hübsches Mädchen von nebenan, das jeden Tag irgendwo auf der Welt den falschen Leuten begegnet - und ihn manchmal auch heiratet wie Linda ihren Chuck (packend: Peter Sarsgaard).

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Linda Lovelace war also Anfang der 70er das berühmteste Pornogirl Amerikas, die aber von den angeblich 600 Millionen, die der Film einspielte nur 1250 Dollar sah und ansonsten ihrem Namen auf Gummipuppen, Dildos fand, von ihrem Mann an Männer verkauft wurde, die es mal mit Linda Lovelace treiben wollten - bis sie, zumindest im Film, zu ihrem katholischen Glauben zurück findet, brav italienischstämmig heiratet, ihren Eltern verzeiht und ein Buch über ihre Zeit als Linda Lovelace schreibt - fast eine zu glatte Läuterungsgeschichte. Der Cast ist nicht nur namentlich beeindruckend, sondern hält neben den beiden Hauptdarstellern bis in die Nebenrollen die hohe Qualität mit einer erstaunlich gealterten Sharon Stone und einem an "Mr. Big" (Chris Noth) auf Zeitreise als 70er Pornoproduzent.

Eine klassische Hollywoodgeschichte in drei Akten: Von unten, nach oben, wieder runter und schließlich die Selbstfindung und Erlösung. Und das Ganze potenziert durch die Zutaten Sex, Doppelmoral und DEEP THROAT als Ursuppe der Pornoindustrie im St. Fernando Valley; eine Filmindustrie, die heute in den USA ein vielfaches vom ehemals großen Bruder in Hollywood verdient. Ein sehenswerter, sehr guter Film!

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Titel

Orignaltitel

Lovelace

Credits

Regisseur

Rob Epstein

Jeffrey Friedmann

Schauspieler

Amanda Seyfried

Sharon Stone

Land

Flagge Vereinigte StaatenVereinigte Staaten

Jahr

2012

Dauer

93 min.

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