Ursina Lardi und Andreas Patton in Mein langsames Leben (Quelle: Peripher Filmverlein)
Eine Top-Ten der Berlinale-Filme habe ich nicht. Ich könnte den besten Berlinale-Film nicht benennen, den ich gesehen habe. Aber der Film, der mich am nachhaltigsten beeindruckt hat, war MEIN LANGSAMES LEBEN von Angela Schanelec.
In der Erinnerung habe ich diesen Film im Sommer gesehen. Doch, wie die meisten wissen, lag schon lange vor 2001 die Berlinale wie alle Berlinalen seit 1978 im Winter. Dabei ist der Film eigentlich ein Herbstfilm, obwohl er die meiste Zeit im Sommer spielt.
MEIN LANGSAMES LEBEN hat eine unheimlich schöne Schwermütigkeit und es ist definitiv ein Berlin Film. Vielleicht fühle ich mich dem Film auch deshalb so verbunden. Bei den Situationen in den Cafés, an markanten Orten wie der Museumsinsel oder Dussmann, da könnte ich selbst irgendwo direkt am Rand der Szene sein, einen Kaffee trinken oder durch die CD-Neuerscheinungen flanieren.
Valerie (Ursina Lardi) ist Architektin und zieht in die WG einer Freundin. Sie beginnt eine unverbindliche Liebesbeziehung mit dem Bruder (Andreas Patton) einer Mitbewohnerin. Zwischendurch fährt sie zu ihrem Vater, der nach einem Schlaganfall völlig hilflos auf seinen Tod wartet.
Der Film hat so viele starke Szenen. Beim Wiedersehen des Films auf DVD fällt mir auf, dass Szenen und Erinnerungsfetzen, die ich nie zuordnen konnte, aus diesem Film stammen. Man merkt, dass Schanelec sich die Bildausschnitte genau ausgesucht hat. Oft ist bei einem Dialog nur einer der Gesprächspartner im Bild. Oder eine Protagonistin verlässt einfach den Bildausschnitt und die Szene bleibt für einige Sekunden menschenleer.
2001 war noch vieles anders. Das Internet war schon da, aber mehr ein Versprechen. Es hatte noch nicht diese irre Fahrt aufgenommen, die uns heute schwindelig macht. Der Rhythmus des Filmes ist, wie es der Titel verspricht. Er ist eine filmische Therapie zur Entschleunigung. Im Nachhinein ist es auch eine Hommage an ein Lebensgefühl in Berlin und an eine Zeit, in der man dem Einzelnen und der Stadt durch Langsamkeit noch näher kommen konnte.
Kommentare ( 1 )
gestern auch zufällig gesehen. hatte ich noch nie von gehört. erinnert in teilen an das, was später als die "berliner schule" bekannt wurde filmisch. oder an theaterstücke, die keine angst vor arifiziellen dialogen haben.
aber ich fand ihn sehr aufgesezt und prätentiös. diese dialoge die uunterbrochen unbeteiligt vor sich hingesprochen werden (Wollen wir zusammen schlafen? / Ja gerne.), das ging mir nach 45 minuten janzschön aufn senkel. dann lieber fast gar nicht reden, wie in den petzold filmen. scheint fast, als habe der film eine art übergang geschaffen, zwischen diesen gruseligen deutschen kommödien und dem 80er jahre betroffenheitskino und der new wave in berlin....
Posted by christian | 25.01.12 14:47