"When you're strange" von Tom DiCillo

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Laß den alten Mann in Frieden ruhen

The Doors - sie gelten als Ikonen der 60er und Sänger Jim Morrison wie Hendrix, Keith Moon und Janis Joplin als einer der Gefallenen im Feld der Rock Musik. Der frühe Tod dieser Heroen der 60er prägt bis heute das Bild vom wahren, harten, kurzen RocknRoll Leben. The Doors verkaufen noch heute, fast 40 Jahre nach dem Ende der Band, jedes Jahr eine Million Platten. Warum? - könnte man fragen. Und wenn man dann liest, der Kameramann von Jim Jarmusch hat aus bisher unbekannten Material einen Dokumentarfilm gemacht, klingt das zunächst interessant. Doch die Zweifel waren von Anfang an da, ob die Welt so einen Film braucht, ob dem Bild von Morrison und den Doors nicht in den dutzend bereits existierenden Dokus und dem sehr gelungen Spielfilm Olivers Stones genüge getan ist. Was kann man dem Wissen um die Band und den charismatischen Sänger hinzuzufügen, das wirklich neu ist, und selbst wenn es nicht ganz neu ist, was könnte so ein Film für eine frische Perspektive einnehmen zu dieser über-interpretierten und verklärten Zeit? Welche Offenbarung außer der Enthüllung, das Morrison zufrieden in Las Vegas lebt, ist möglich?

Um es gleich zu sagen: dieser missratene Film liefet auf keine der Fragen auch nur den Ansatz einer Antwort. Und Jim Morrison ist tot.
Die einzig gute und filmisch wirklich schöne Idee ist es, Ausschnitte aus einem bisher nicht gezeigtem Film, den Morrison selbst Ende der 60er auf 35mm gedreht hat, an den Anfang zu stellen, und den Ton so zu montieren, dass der bärtige, zauselige Morrison, der mit einem flotten Auto durch die Wüste fährt, im Radio von seinem eigenen Tod erfährt. Die Bilder aus diesem Film, die im Verlauf von When you‘re strange immer wieder auftauchen, scheinen Filme wie Two Lane Blacktop vorweg zu nehmen, die Dynamik und Kraft in den gezeigten vielleicht 5 Minuten ist erstaunlich. Am Besten wäre es wohl gewesen, Tom DiCillo hätte einfach diesen Film veröffentlicht und danach etwas darüber erzählt, wie er in das Doors Universum passt. Ende. Aber leider entschied sich der Cutter/Regisseur/Erzähler Tom DiCillo eine hoch enervierende, ideenlose, unkreative Aneinanderreihung von Archivmaterial vorzunehmen, von dem man sicher 50% schon viel zu oft gesehen hat und das in jeder Doku über die 60er auftaucht. Die anderen 50% Material sind Bilder, die entweder in Heiligenverehrung für Morrison versinken oder nur in den Film kamen, weil der Regisseur für 90 Minuten Bilder brauchte, die unter seiner Erzählstimme liegen, welche den ganzen Film zukleistert.

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So zauselig jagt Mr. Morrison durch die Wüste in seinem Mustang Cobra

Das Voiceover, von Tom DiCillo selbst gesprochen, ist an den meisten Stellen langweilig, manchmal dämlich, und mitunter sogar unerträglich. Der Film wird auch nicht zu retten sein, wenn Johnny Depp für die öffentliche Version die Erzählstimme übernimmt. Dokumentarfilme sind heute wirklich weiter, als bloß Bilder chronologisch zu sortieren aneinander zu reihen und dann mit Voicover eine Geschichte in patriachalischer Weise nachzuerzählen. Selbst Guido Knopp macht das nicht. Aber nicht genug, DASS DiCillo die ganze Zeit labert: auch WAS er erzählt, ist weder neu, noch hellsichtig, ist weder ein Kontrast zu den Bildern und schafft kreative Spannung, noch eröffnet sein Text eine weitere Ebene des Verständnisses.
Das Voiceover zwingt uns in einer penetranten Weise und zeigerfingerhaft auf, was wir über Morrison zu denken haben. Übergenau die Drogen auflistend und dann wieder musikwissenschaftlich daher kommend, erklärt er uns irgendwann, dass Morrison „dangerous, crazy and very intelligent“ ist, und erklärt uns, was ohnehin alle glauben: Morrison sei die fleischgewordene Hoffnung der Hippies - ja des ganzen Jahrzehnts gewesen.

Wie schon in allen Filmen zuvor wird also ein Morrison-Messias präsentiert, dessen selbst unter aufgeschlossenen Lesern hoch umstrittenen poetischen Fähigkeiten von Tom DiCillo offenbar mit Rimbaud auf gleicher Stelle gestellt gehören, weshalb er im Film auch behauptet, Jim Morrison liege nun auf dem gleichen Friedhof begraben - was leider nicht stimmt. Sicher, nur ein kleines Detail, so ein Fehler kann passieren, aber es sagt für mich viel aus über die unreflektierte, götzenhafte Verehrung und Wiedergabe allermöglichen Morrison und Doors Mythen. Diese Verwurstung längst bekannter Fakten und Gerüchte, um die Doors zeitlos zu machen, rennt längst sperrangelweit offen stehende Türen ein und will vermutlich einfach an dem kommerziellen Erfolg, den der Name Morrison und Doors noch immer zeitigt, teilhaben. Das wird ihm gelingen. Mehr nicht. Warum so was im Panorama läuft, ist mir ein Rätsel. John Densmore, der Drummer der Doors, tauchte zur Premiere auf - weil der Film Bestätigung braucht: ein Ü-60 Männlein mit geknotetem langen Haar und Stoffbeutel stand da vorn rum und irgendwie war das ganz und gar nicht RocknRoll. Sondern das wahre Leben. Schön.

Der Mythos aber lebt. Dafür braucht er nicht diesen Film, sondern wer schön laut Riders on the Storm oder The End hört, entdeckt darin etwas, das auch 1000 Kinofilme und Biographien und Biopics und (v)erklärende Worte nicht kaputt machen können.

Kommentare ( 20 )

Schade, hatte mich drauf gefreut. Aber mit Johnny als Sprecher, könnte es dennoch witzig werden (wenn man die Erwartungen nicht zu hoch hängt).
Übrigens irrst du: Jim Morrison lebt selbstverständlich noch.

ja, in unseren herzen.

but, generally speaking, I think he really did break on through to the other side.

And DiCillo was so bloody smug, too.
Schlecht.
Aber John Densmore war herzig.

Rock on DOORS

jim?

harte Worte, aber die Kritik ist in vielen Punkten gerechtfertig.

hmm ... harte kritik ... aber zum glück nicht gerechtfertigt! fakt ist das viele die the doors mögen vom film begeistert sind und ebenso verhält es sich mit leuten die auf die musik der 60s und 70s stehen ... sollte weder an den doors noch an der 60/70s musik interesse bestehen, dann ist der film wahrscheinlich weniger begeisternd!

die negativen anmerkungen über john densmore ( ein Ü-60 Männlein mit geknotetem langen Haar und Stoffbeutel ) oder über jim morrisons aussehen ( So zauselig jagt Mr. Morrison durch die Wüste in seinem Mustang Cobra ), deuten auf alles andere als einen objektiven kritiker hin.

von daher sollte man die kritik eines ehemaligen politikstudenten der anscheinend weder mit der musik, noch der zeit und erst recht nichts mit zotteligen ü-60 Männlein's anfangen kann, nicht allzu ernst nehmen...

filmstart ist am 01.07.2010 in ausgewählten kinos...

hätte wohl film studieren sollen. oder musik. kritik ist nunmal ein eindruck und meinung, egal was man studiert hat. rechtfertigung dafür ist nicht nötig. doch soviel zu andreas: der film war weder auf der höhe der zeit des dokumentarfilms und weiß gott nicht der doors kritik.
nochwas: dass die überlebenden diese morrisson buckelei toll finden ist vermutlich so, weil sie an den einnahmen beteiligt werden. ansonsten kann man genug interviews, gerade und besonders mit densmore finden, wo er morrison runtermacht und die ganze messiasnummer abartig fand und findet. aber wenn der rubel rollt....das nur mal am rande von einem ehemaligen politikstudenten.

zitat johnny depp:

Als ich das hypnotisierende, bisher unveröffentlichte Footage über Jim, John, Ray und Robby sah, hatte ich das Gefühl, alles aus ihrer Perspektive zu erleben. Eine Rock’n’Roll-Dokumentation, oder überhaupt eine Dokumentation, kann nicht besser gemacht sein als diese. Was für eine Ehre, dass ich daran beteiligt sein konnte. Ich bin stolz darauf, vielleicht mehr als auf alles, was ich bisher gemacht habe!

der johnny weiß auch wie man marketing für filme macht. als einführung des selbstmarketings sollte man nur mal Making Of Filme schauen, wo die ganze Zeit gelobhudelt wird vom "tollsten Team, besten Regisseur, der einzigartigen Chance, blabla...." bis einem das Kotzen kommt vor soviel Begeisterung über das eigene Schaffen.

hehe ... mir war die wirklich schlecht geschriebene kritik zu wys direkt ein dorn im auge ... aber wie der verfasser sich jetzt windet und wirklich nur noch schlechtes sucht um das von ihm geschriebene zu rechtfertigen ist schon als lächerlich zu werten!!

schade das auf der berlinale nicht genug mit effekten vollgestopften emmerich filme laufen ... wahrscheinlich trifft das eher den "geschmack" des verfassers ... ob politikstudent oder nicht -> der mann hat keine ahnung wovon er spricht!!

hehe - sag ich auch. vermtulich weil ich keine ahnung hab, die beiden kommentatoren sich aber doch so schön echauffieren, obwohl man doch wenn einer keine ahnung hat einfach lachend wegklickt. oder haben die beiden eine ahnung bekommen. dass es mehr als die eigene meinung möglich ist.? ich rate zu Gelassenheit statt zur internettypischen und kleingeistigen "der hat keine ahnung" schrei(b)erei.

genau so ist es. ich hatte gedacht der film haette wenigstens irgendwas zu bieten. dass es nichts weltbewegendes wird, war ja eh klar. aber wie kann man denn heutzutage wirklich noch so ein nichts rausbringen? sowas kann man von mir aus auf irgendeinem musiksender als bio bringen, aber das ist doch kein kinofilm.

danke fuer die wahren worte, sonst findet man nur aehnlich inhaltslose kritiken wie der film inhaltslos ist.

der kritiker kennt sich ganz offensichtlich nicht mit der 60s generation aus!!! hier die kritik von welt.de :

http://www.welt.de/kultur/article8197306/Die-Selbstmordattentaeter-des-Rock-n-Roll.html

ja "Die Welt" war schon immer ein Hort der 60er Kultur und hippy rockenroll freundliches Milieu. Hallo? Aufwachen.

Auskennen ist übrigens ohnehin nicht das Kriterium für Kritik. Der Film bleibt langweilig, auch nach dem zweiten sehen, gerade WENN man sich ein bisschen auskennt.

...ich fand den film spitze und ganz und garnicht langweilig !!!

Ich habe die DVD von meiner 33jährigen Tochter zu Weihnacht bekommen und da Platzt mir schon wieder die Birne wenn ich solche dämlichen Sprüche im Web über The Doors lese von Menschen,die sich wahrscheinlich sehr weise vorkommen lernt bitte über die Zeit in der diese Band aktiv war lest über Lovin Spooful Moby Grape Jefferson Airplaine Iron Butterfly etc.Und Leute wenn ihr euch die Mühe gemacht habt gebt ein Statement ab.Ansonsten besser Klappe halten.Bin 56!Alles klar?

die doors haben für when you're strange einen grammy bekommen ...

...denke das es dem nichts hinzuzufügen gibt...ach ja außer das der verfasser obenstehender kritik sich evtl. mal seinem stock im arsch entledigen sollte ;)

...hat immer recht, egal was andere sagen. wo kämen wir denn sonst hin. und er kommt sich weise vor. weil er es ist. und er weiß bescheid. und er ändert seine meinung auch nicht nur, weil gewisse 60ies jünger nicht abkönnen, dass man filme über ihre hausgötter nicht mag, auch wenn man die musik der doors mag und den sänger und seine gedichte übersetzt hat und seine musik auf der gitarre spielt.

aber es geht ja auch gar nicht um den film lieber zanderandreasmorrison, sondern euch geht es darum, dass alles per se gut ist, was irgendwer über eure jugend oder eine zeit, bei der ihr gern dabei gewesen wäret, filmtsingtsagt und euren glauben bestärkt. ist aber nicht so.

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Titel

Orignaltitel

When You're Strange

Credits

Regisseur

Tom DiCillo

Land

Flagge Vereinigte StaatenVereinigte Staaten

Jahr

2008

Dauer

88 min.

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