RETURN TO MONTAUK von Volker Schlöndorff (Berlinale 2017)

Viel Gejammer, wenig Gefühl, noch weniger Hirn

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„No one gets over anything“, sagt Max Zorn (Stellan Skarsgård), die Hauptfigur in Volker Schlöndorffs RETURN TO MONTAUK – „niemand kommt über irgendetwas hinweg“. Das ist das Motto dieser weinerlichen, selbstverliebten und unerträglich öden Rückschau des Berliner Schriftstellers Zorn auf die Fehler, die er in seinen Liebesentscheidungen gemacht hat. Warum ist er eigentlich so weinerlich? Mit dem Roman über seine verlorene Liebe hat er schließlich einen Riesenerfolg gelandet. Jetzt ist er gerade auf Lesereise in den USA und liest vor einem begeisterten Publikum in New York. Dort lebt auch Rebecca (Nina Hoss), genau die Frau, die Zorn vor 17 Jahren hat sitzen lassen. Die muss er jetzt finden, um ihr seinen Fehler zu gestehen. Aber wie eitle, alternde Männer eben so sind: Er hofft doch, dass ihn die inzwischen zur superreichen Erfolgsanwältin aufgestiegene Dresdnerin (sic!) zurücknimmt. Frauen finden vom Selbstmitleid zerfressene schreibende Gockel schließlich unwiderstehlich. Das will uns zumindest Schlöndorff glauben machen – und so nimmt das geistverneinende Gefühlsbehauptungsdrama auf der Leinwand seinen Lauf.

RETURN TO MONTAUK hat viele Probleme. Die drei größten sind diese: Volker Schlöndorff weiß nicht, was Menschen denken, was sie fühlen und wie sie sprechen. Das merkt der Zuschauer nach wenigen Minuten an der Konstruktion der Figuren. Ist es eigentlich möglich, dass man so großartigen Schauspielern wie Skarsgård und Hoss NICHT gerne zusieht? Schlöndorff hat sich alle Mühe gegeben und er hat es geschafft. Es ist nicht möglich, sich für die Figuren Max und Rebecca zu interessieren. Max hat als Innenleben nur seine Weinerlichkeit und Rebecca hat das Autorenteam Schlöndorff/Tóibin eine multiple Persönlichkeit an den Hals geschrieben. Gefühlshaushalt und Temperament dieser Rebecca Epstein ändern sich von Szene zu Szene. Es wirkt, als hätte Schlöndorff wahllos Szenen zusammengeschnitten, in denen Hoss ihm verschiedene Spielvarianten ihrer Figur anbot. Erst ist sie die kühle, selbstbewusste Staranwältin, dann zerfließt sie an der Ostspitze von Long Island in Tränen, weil sie doch eigentlich immer nur den Max zum Vater ihrer Kinder haben wollte. So schiebt Herr Schlöndorff seine Pappfiguren dann durch den Sand von Long Island und er packt sie in ein einsames Motel – wie schon vor 17 Jahren. Und siehe, sie haben Geschlechtsverkehr, aber glücklich werden sie nicht.

Denn der Herr Epstein ist jung gestorben – und darüber kommt Rebecca, genau, nicht hinweg. Das erzählt sie Max mit großer Aufwallung, obwohl sie sich doch wie tot fühlt, sagt sie jedenfalls. Überhaupt sprechen die Figuren ständig über ihre Gefühle, ohne dass es irgendjemand berührt, der dem im dunklen Zuschauerraum folgt. Wo wir gerade beim Sprechen sind: Die Dialoge sind grauenvoll. Nach 105 Minuten ist es vorbei. Jetzt muss ich nur noch über diesen Film hinwegkommen.

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Titel

Orignaltitel

Return to Montauk

Deutscher Titel

Rückkehr nach Montauk

Credits

Regisseur

Volker Schlöndorff

Schauspieler

Niels Arestrup

Nina Hoss

Isi Laborde

Stellan Skarsgård

Susanne Wolff

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Flagge FrankreichFrankreich

Flagge IrlandIrland

Jahr

2017

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