Wettbewerb: Elementarteilchen von Oskar Roehler (1)

"Der Mann am Ende des 20. Jahrhunderts

mit seinem Leiden und seinen männlichen Minderwertigkeitskomplexen", so konkretisierte Regisseur Oskar Roehler in einem Interview selbst das zentrale Thema seiner Verfilmung des Romans "Elementarteilchen" von Michel Houellebecq. Und was es dann während immerhin 105 Minuten zu sehen gibt, ist wahrlich grausam und mitleidserregend: Im Zentrum der Handlung stehen die Halbbrüder Bruno und Michel, die jeweils exemplarisch diametral entgegengesetzte männliche Lebensmodelle verkörpern.

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Während der erfolgreiche Wissenschaftler Michel ein asexuelles, isoliertes Leben im Dienste der Molekularbiologie führt und die Forschung an ungeschlechtlicher Fortpflanzung seinen einzigen Lebensinhalt bildet, steht sein Halbbruder Bruno vollkommen unter dem Diktat seines schier übermächtigen Sexualtriebes. Auf der Suche nach immer neuen sexuellen Reizen pendelt er als zutiefst unglücklicher Mensch ruhelos zwischen Swingerclubs und Psychatrie hin und her. Wie sich alsbald herausgestellt, ist an all dem Elend letztlich die böse Mutti der beiden Halbbrüder schuld, die sich in deren Kindheit nicht etwa mütterlich um ihre Söhne gekümmert hat, sondern statt dessen lieber in einer Hippiekommune in Indien nach sexueller Selbstverwirklichung suchte.

Glücklicherweise naht aber - zumindest kurzfristig - für beide Männer Erlösung durch die Liebe. Während Michel seine Isolation überwinden kann und sein Glück mit seiner Jugendliebe Annabelle findet, lernt Bruno in einem esoterischen Urlaubscamp seine zukünftige Gefährtin Christiane in einem Whirlpool kennen, in dem sich diese gerade intim um einen anderen Mann bemüht. Beide merken sofort, dass sie zumindest ein gemeinsames Interesse haben und beschliessen, von nun an zusammen zu bleiben.
Natürlich kann so ein Idyll nur von kurzer Dauer sein: Christiane leidet an einer fortschreitenden Rückenerkrankung, die schliesslich während eines sehr kontaktintensiven Swingerclubbesuchs zu ihrer Lähmung führt. Fortan an den Rollstuhl gefesselt, kann sie Bruno nicht mehr das geben, was er so dringend braucht. Dies sieht Christane dann auch ein und stürtzt sich vom Balkon.
Aber auch für Michel - und besonders für seine Jugendliebe Annabelle -hält das Schicksal noch eine dramatische Wendung bereit. Nachdem es Bruno erfolgreich gelungen ist, seine Abneigung gegen körperliche Kontakte zu überwinden, wird Annabelle von ihm schwanger. Auf Grund eines bösartigen Tumors muss ihr dann allerdings die Gebärmutter entfernt werden. Während dies im Roman letzlich ebenfalls im Suizid der Frau mündet, darf Annabelle bei Roehler am Leben bleiben und sich gemeinsam mit Michel um den mittlerweile geistig verwirrten Bruno kümmern.
Fazit: das alles ist genauso absurd, wie es sich anhört. Während man dem Roman zumindest stellenweise noch zu Gute halten kann, dass er die Leserschaft durch seine erbarmungslose Radikalität polarisierte, ist der Film als weichgespülte Version der Romanvorlage einfach nur noch ärgerlich und langweilig.

Kommentare ( 1 )

Echt?? Hatte eigentlich gedacht, den Film wohl gucken zu wollen! Nun ja...
(Hoffe, die Frisur sitzt noch!!!)
LG Conny

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Titel

Orignaltitel

Elementarteilchen

Englischer Titel

The Elementary Particles

Credits

Regisseur

Oskar Roehler

Schauspieler

Moritz Bleibtreu

Martina Gedeck

Corinna Harfouch

Nina Hoss

Uwe Ochsenknecht

Franka Potente

Jasmin Tabatabai

Christian Ulmen

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Jahr

2005

Dauer

105 min.

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