Feine Differenzen, genaue Dialoge, frische Sichtmöglichkeiten

yella.jpg

"Yella" von Christian Petzold (Wettbewerb)

Der neue Film von Christian Petzold erkundet Traumvorstellungen auf eine grazile und ungewohnte Art. Auf der Grundebene des Films verlässt Yella ihr altes verbrauchtes Leben in Wittenberge, um einen Job in Hannover anzunehmen. Ihre neue Firma ist insolvent, aber es ergibt sich ein Einstieg in eine aberwitzige Welt des Finanzmangement, in der sie Platz zu finden sucht. Zudem gibt es die Liebe. Auf einer zweiten Ebene wird diese Handlung als Traum sichtbar und eröffnet ein ungewohntes Feld geträumte Vorstellungen zu betrachten.

Der Film hält durchgängig die Spannung zwischen einer realen und einer erträumten Geschichte. Diese Spannung ist Szene für Szene durchgespielt, hergezeigt, verschoben, und wieder versteckt. Diese Spannung eröffnet einen Diskurs, die den Film zu etwas Besonderem macht. Dabei bildet das Moment der Spiegelung und das Moment des Zufalls die Flächen, auf denen die Wirklichkeit mit der Einfachheit der Wünsche, und der Absurdität einer Vorstellung der Bedingungen eines möglichen Überlebens kollidiert. Eine große Genauigkeit und ein feiner Humor ziehen sich durch alle Szenen, insbesondere durch die Dialoge, die eine große Stärke von Christian Petzold sind.
Der Film hat mich bis in den Schlaf verfolgt. Immer neue Deutungen und Folgerungen spuken durch mein Hirn. Immer wieder schießt eine Geste in mein Bewusstsein, wendet sich und deutet sich neu. Das größte Vergnügen dieses Filmes lag für mich in diesem Nachdenken und Nachfühlen nach dem Film.

Mit dem Setting von Traum und Vorstellung lässt sich auch begründen, warum die Charaktere so knapp an (Kino-)Klischees vorbeischrammen. Ich kenne solche Frauen nur aus dem Kino: sie sind wunderschön, aber sie haben keine Freunde; sie besitzen diese Art zu schweigen, die das Gegenüber zu erstaunlichen Antworten herausfordert, und das Leben in Bewegung bringt, und wenn sie sprechen, dann sind ihre knappen Sätze treffsicher. Auch die Männerfiguren heben sich nur in kKleinigkeiten wirkungsvoll von einem Prototyp ab. Genauso ist mir die dargestellte Welt des Hotellebens, der Büroarchitektur und der Finanzverhandlung als Kampfspiel eher als Kolorit guter Filme bekannt als aus dem richtigen Leben. Hier wird in der kleinen Differenz zum Klischee etwas sichtbar. Die Kühle dieser Darstellung mag nötig sein, um die Folie des Traums und des Wunsches so genau ausdifferenzieren zu können, doch sie erzeugt gleichzeitig eine Fremde, die den Film weit von mir wegschiebt. Ein feiner Film, der sein Wagnis auf voller Linie gewinnt.

Kommentare ( 1 )

seufz....

Kommentiere den Film oder den Eintrag

Titel

Orignaltitel

Yella

Credits

Regisseur

Christian Petzold

Schauspieler

Nina Hoss

Hinnerk Schönemann

Devid Striesow

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Jahr

2007

Related

Christian Petzold (Regisseur)

BERLINALE 2018

Transit (Regisseur)

BERLINALE 2012

Barbara (Regisseur)

BERLINALE 2011

Dreileben: Etwas Besseres als den Tod (Regisseur)

Nina Hoss (Schauspieler)

BERLINALE 2017

Return to Montauk (Schauspieler)

BERLINALE 2013

Gold (Schauspieler)

BERLINALE 2012

Barbara (Schauspieler)

BERLINALE 2006

Elementarteilchen (Schauspieler)

Hinnerk Schönemann (Schauspieler)

BERLINALE 2006

Komm näher (Schauspieler)

Devid Striesow (Schauspieler)

BERLINALE 2014

Zeit der Kannibalen (Schauspieler)

BERLINALE 2001

Mein langsames Leben (Schauspieler)

Impressum