
SCHAU!!! – MICH!!! – AN!!! Das lese ich in den Augen der sehr gut gelaunten Frau jenseits der 50, die Body-Builder-Posen vor ihrer eigenen Kamera macht. Sie ist nackt. So beginnt BARBARA FOREVER, Brydie O’Connors Dokumentarfilm über Barbara Hammer. Barbara Hammer „Queer Icon“, „Lesbian Pioneer“ ohne diese Begriffe kommt kein Artikel über sie aus – besser aber trifft es SUPERDYKE, um einfach einen Titel der rund 100 Filme zu nehmen, die die Regisseurin gemacht hat. Dabei nahm sie erst mit 27 eine Kamera in die Hand, weil ihr damaliger Ehemann und seine Künstlerfreunde sie nervten und für „die Frau“ nur die Tätigkeit des Kaffeekochens vorgesehen hatten. Der wurde zum Ex-Mann als Barbara Hammer mit 30 die Lesbe in sich entdeckte – das war 1969. Danach dokumentierte sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2019 ihr Leben und widmete sich drei Dingen, die für sie zusammengehörten: dem Feminismus, lesbischer Liebe und der Filmkunst.
Brydie O’Connor nutzt das reichhaltige Film- und Interviewmaterial von Barbara Hammer für ein differenziertes Portrait, dass die unfassbare Energie und die Unerschrockenheit der Künstlerin in ihrem Kampf für lesbische Sichtbarkeit interessant und unterhaltsam auf die Leinwand bringt. Dabei wird deutlich, wie konsequent Hammer Privates und Gesellschaftliches miteinander verzahnt: Das gilt von der frühen Phase ihres Filmaktivismus für queere Rechte bis zu ihrem Tod: 2006 wurde bei Barbara Hammer eine Krebserkrankung entdeckt. Bis zu ihrem Tod zwölf Jahre später lebte sie mit Chemotherapie. Auch in dieser Phase ihres Lebens dokumentierte sie filmisch sich und ihren Körper. Auch da galt die Devise SCHAU – MICH – AN, wenn auch etwas leiser. Ein Ergebnis davon ist der 30-Minüter A HORSE IS NOT A METAPHOR, der auf der Berlinale 2009 den Teddy Award für den besten Kurzfilm. In diesem Film und späteren Videoinstallationen zeigte Hammer nicht nur, dass sie auch für einen kranken Körper Repräsentanz in der Kunst fordert, sie wurde auch zur Aktivistin für selbstbestimmtes Sterben.
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