Berlinale 2016: CONTINUITY von Omer Fast

Was ist, was war und was möglich ist

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Ein Ehepaar fährt im Auto, um seinen Sohn abzuholen. Was war da im Wald? War da was im Wald – ein Tier? Der Sohn wartet irgendwo an der Bundesstraße bei einer Bushaltestelle. Er trägt die Uniform der ISAF, der International Security Assistance Force in Afghanistan. Er war im Einsatz. War er im Einsatz und ist er der Sohn des Paares? Omer Fast (Interview mit Omer Fast) hat seinen Film von der documenta (13) erweitert: Genauer gesagt hat er ihn durch neu gedrehte Szenen von 41 auf 85 Minuten verlängert. Alle Szenen aus der 1. Version sind noch da, aber CONTINUITY 2016 ist ein völlig neuer Film im Vergleich zu CONTINUITY 2012. (Video der 40 Min-Version) Die Frage was im Film real und was innerhalb des Films bewusste Inszenierung der Eltern ist, stellt sich völlig neu. Und für diejenigen, die beide Versionen miteinander vergleichen können, eröffnet Fasts Fortschreibung des Films neue Möglichkeiten, die Regeln des Erzählens an sich neu zu interpretieren.

CONTINUITY eröffnet zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten, die vor allem damit zusammenhängen, welche Teile der Erzählung der Betrachter als real ansieht, wieviel Realitätsebenen er innerhalb des Films definiert und welchen Einfluss er dem Elternpaar auf den Lauf der Handlung zugesteht. Das klingt jetzt fürchterlich intellektuell, aber Omer Fasts Film ist mehr als ein Gedankenexperiment oder ein bloßes Spiel mit den Möglichkeiten von Erzählung und Inszenierung. Der Film ist deshalb mehr, weil er beim Zuschauen beklemmend und berührend ist. Der Film ist intelligent, emotional und experimentell – so einen Film gibt es nicht häufig zu sehen.

Von welchen Zufällen hängt das Leben ab und inwieweit können wir angesichts dieser Zufälle unser Leben überhaupt steuern? Anders gefragt, wie nahe sind wir an der Selbstverleugnung (oder vielleicht sogar am Irrsinn), wenn wir uns weigern, Geschehenes zu akzeptieren oder zumindest versuchen, Geschehenes radikal umzuinterptetieren? CONTINUITY stellt solche und andere Fragen, die Antworten dürfen oder müssen wir als Zuschauer selbst finden. Das macht den Film so interessant.

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Titel

Orignaltitel

Continuity

Credits

Regisseur

Omer Fast

Schauspieler

Bruno Alexander

Iris Böhm

André M. Hennicke

Constantin von Jascheroff

Ketel Weber

Drehbuch

Jahr

2016

Dauer

85 min.

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