CAPTIVE von Brillante Mendoza

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Die Philippinen, eine Ferieninsel, Nacht. Plötzlich dringen bewaffnete Männer in die Hotelzimmer ein und entführen eine Gruppe einheimischer und ausländischer Touristen. Was folgt sind zwei Stunden Geiseldrama, über das Meer, durch den Dschungel, verschanzt in einem Krankenhaus, immer verfolgt von Regierungstruppen. Es gibt Verhandlungen über Telefon, es gibt viele, viele Schusswechsel, es gibt Gewalt, Geiseln werden ermordet, andere sterben vor Überanstrengung. Und es gibt einzelne Annäherungen zwischen den Entführern und den Geiseln auf ihrer monatelangen Flucht.

Das Ganze ist gedreht wie ein Dokumentarfilm, was angesichts der wahren Geschichte, auf der dieser Film basiert, erst mal einleuchtet. Die Umsetzung ist allerdings gründlich misslungen, in leider fast jeder Hinsicht. Da ist zu viel Dschungelcamp in den Bildern, die trotz des Leids seltsam unberührt lassen. Da sind zu viele pseudo-improvisierte Dialoge, in denen gerade auch Isabelle Huppert als französische Entwicklungshelferin und gute Seele unter den Geiseln nicht überzeugt. Da ist ein störend dominanter Anspruch auf „Authentizität“, der sich vor allem in sehr viel Geballer und sehr viel Geschrei und sehr viel drastischen Einstellungen ausdrückt. Es wird keine Geschichte erzählt, die Personen bleiben Stellvertreter. Bezeichnenderweise stöhnt das Publikum am lautesten, als man große schwarze Skorpione an der Feuerstelle kriechen sieht. Womit wir wieder beim Dschungelcamp wären. Sehr schade, dass dieser spannende und politisch hoch aktuelle Stoff auf eine Art Reality-TV reduziert wurde.

Kommentare ( 2 )

Stimmt. "Reality TV" ist sicher etwas pointiert formuliert, aber es kommt der Sache nahe. Es passiert ständig was, ohne dass etwas in der Geschichte passierte, etwas beleuchtet oder vertieft würde. Herz und Verstand bekommen kaum Futter, es spinnt sich nichts in einem, in das man den Stress auf der Leinwand einbauen könnte. Das ist quälend und in eigenartiger Weise langweilig. Nach knapp zwei Stunden bekommt man noch ein paar andere Facetten offenbar improvisiert hingeworfen, aber dann ist der Film mehr zum Glück als leider schon zu Ende.

Höhepunkt des Grauens ist die Szene mit dem Papagei im Urwald....spätestens da wäre ich als Isabelle Huppert (!) in den Streik gegangen.

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Titel

Orignaltitel

Captive

Englischer Titel

Captured

Credits

Regisseur

Brillante Mendoza

Schauspieler

Isabelle Huppert

Katherine Mulville

Joel Torre

Marc Zanetta

Musik

Teresa Barrozo

Land

Flagge FrankreichFrankreich

Flagge PhilippinenPhilippinen

Jahr

2011

Dauer

120 min.

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