"Loos ornamental" von Heinz Emigholz

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Nur Häuser, leider

Klingt ein bisschen wie James Benning, nur mit Häusern. Also einfach nackte Stativaufnahmen, in diesem Fall von Häusern und Räumen des Architekten Adolph Loos (1870-1933), ohne Erklärung, ohne Interviews, ja meist ganz ohne Menschen. Doch der Film verfehlt in doppelter Hinsicht sein Ziel: Nicht nur weil er seinem Titel nicht gerecht wird und Loos als "ornamentalen Architekten" enttarnt, sondern auch weil er sich „Architektur als Biographie“ nennt, aber in keiner Weise (außer chronologisch Loos‘ Gebäude zu zeigen) versucht, die Person Loos mit seinen Gebäuden, sein Leben oder sein Denken mit seinen Projekten in Zusammenhang zu bringen. Aber selbst wenn man diese Defizite beiseite lässt, ist dieser Film nur in seltenen Momenten in der Lage, einen Gesamteindruck der Gebäude und damit die architektonischen Eigenheiten der Gebäude und Räume zu geben. Wofür dann einen Architekturfilm machen?

Loos hat 1910 einen Text geschrieben mit dem Titel „Ornament und Verbrechen“, in dem er sich plakativ gegen vor allem gegen die überbordende Ornamentik des Jugendstils wendete. Der Regisseur will durch diesen Film zeigen, dass auch Loos Ornamente in seinen Projekten verwendete. Aber das ist, bei aller Aufregung, die damals um den Aufsatz gemacht wurde, in gewisser Weise selbstverständlich. Denn auch wenn man keine Putten unter die Decke hängt wie im Barock, die Wände mit Feen und Blumen und Tieren bemalt oder Treppengeländer in Schleifen und Schwüngen verziert, so besteht Architektur, wenn sie nicht einfach ein Kiste mit Löchern drin ist, aus Mauern und Applikationen am und im Gebäude. Diese sind entweder eher üppig, rund, raumgreifend oder eben reduziert, geradlinig und zurückhaltend. Letzteres gilt für Loos‘ Gebäude. Allerdings nicht für alle, soviel zeigt der Film dann doch. Auch Loos hat Häuser entworfen, in denen es reich verzierte Stuckdecken gibt, Marmormaserung sich über die Wände ganzer Räume ziehen und es Schleifen satt gerade Streben im Treppengeländer gibt.

Der Film zeigt chronologisch die von Loos realisierten Objekte, teils große Bankgebäude, Läden, Cafes, Privathäuser, Wohnungen und Landhäuser. Loos Stil waren in mehreren Ebenen verschachtelte Räume, er hat die Stockwerkeinteilung aufgebrochen und sie ineinander verschoben. Treppenaufgänge, Durchreichen und Öffnungen zu den Nebenräumen tauchen häufig auf. Die Wände sind meist holzvertäfelt, die Räume funktional, Einbauschränke und Regale, Sitzecken und gerade Linien.

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„Ich will den Fluss der Oberfläche abbilden und nicht eine blöde Idee“, sagt der Regisseur. Ein bisschen mehr Idee hätte dem Film aber sicher geholfen. Selbst eine blöde. Denn ohne irgendein erkennbares Konzept werden die Gebäude abgefilmt, mal nur von Außen 30 Sekunden, mal von Außen in 28 Blickachsen und Innen nur der Eingangsbereich, manchmal drinnen 14 Einstellungen auf den identischen Treppenaufgang und von Außen eine Fassade oder ein Ecke des Hauses, wo der Putz abfällt. Weder in der Länge der Einstellungen, den Blickachsen, den ausgewählten Räumen (Wohn-, Schlafraum Küche, Eingang Treppenhäuser) ist irgendeine Linie zu erkennen. Immer andere Räume, andere Dauer, andere Einstellungen, andere Kameraperspektiven. Manchmal steht die Kamera absichtlich schief ohne erkennbaren Mehrwert, manchmal gibt es von der Distanz einen Blick aufs Gebäude, dann sich nähernde Schnitte auf ein Detail. Mal wird die Umgebung des Gebäudes gezeigt, mal nicht, mal gibt es einen Blick aus dem Gebäude in die Umgebung, manchmal nicht. Zerfasert wirkt das alles, launisch, so als wenn der Regisseur gerade so lange fimte, wie er Lust hatte.

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Die interessantesten Gebäude, z.B. das Haus Tristan Tzaras in Paris oder die Werkbundhäuser in Wien sehen wir nur von außen. Von zwei Steinquadern, von Loos entworfene „Denkmale“, kriegen wir mehrere Seiten zu sehen, von einem anderen Haus dagegen die offenbar komplett erhaltene Inneneinrichtung inklusive alter Heizungen, Badarmaturen etc.. Und von einem anderen dann nur Garderobe und Eingang. Wie soll man sich da ein Bild von der Veränderung seines Bauens und seiner Ideen machen?
In manchen Räumen stellt sich auch die Frage, was noch orginal erhalten, was umgebaut ist, was neu gestrichen und verändert.
Mit diesen uneinheitlichen, erratischen, unzusammenhängenden Bildern ist es unmöglich, auf die Ideenwelt des Architekten, oder Einflüsse zu einer bestimmten Zeit Rückschlüsse zu machen. Also Architektur als Biographie ist durch diesen Film schlicht unmöglich.

Nun hat der Regisseur vielleicht nicht zu allen Gebäuden Zugang bekommen, aber dann kann man so einen Film eben nicht machen oder darf ihn nicht Biographie nennen. Überflüssiger Film. Aber zum Glück nicht auch noch zu lang. Vielleicht deswegen, weil er auf 35mm gefilmt wurde. Was meine These stützt, dass die ganze Videofilmerei viel zu viele, viel zu lange Filme hervorbringt, wie wir auf dieser Berlinale schon mehrfach feststellen mussten.

Kommentare ( 3 )

Wow!
Das hört sich groß an. Ich schätze, der abgeblätterte Putz war ein dramaturgischer Höhepunkt! Aber nur 72 Minuten? Schade.

Tja, was soll man zu so einer Rezension sagen...
Der Verfasser ist leider eine Pfeife, er hat vorher nichts gewusst und hinterher nichts verstanden. Da kann man nichts machen; schön, dass es das Internet gibt als Blitzableiter der Ignoranz.
Ich wünsche weiterhin gute Ruhe!

Tja was soll man zu so einem Kommentar sagen? Der Verfasser hat etwas anderes erwartet, als er lesen musste, das Geschriebene vielleicht nicht richtig verstanden und war dann bös.
Ignoranz ist übrigens die Unfähigkeit, sich in Gedanken anderer hineinzuversetzen. Das nur als Hinweis.
Wäre hilfreich gewesen, aber leider hat A. keinen einzigen inhaltlichen Punkt aufgeführt und stattdessen die Kommentarfunktion als Blitzableiter benutzt. Weiter immer Recht haben lieber A. - so wird es Ihnen gelingen.

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Titel

Orignaltitel

Loos ornamental

Credits

Regisseur

Heinz Emigholz

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Flagge ÖsterreichÖsterreich

Jahr

2008

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