Filmfest München 2026: Filmgespräch Tony Servillo

tony servillo auf der bühne mit zigarre

Nach der Verleihung des CineMerit Awards beim Filmfest München stellte sich der italienische Schauspieler Tony Servillo am darauffolgenden Tag einem Publikumsgespräch im Amerikahaus – und überraschte dabei weniger als Filmstar denn als reflektierter Künstler.

Schon sein Auftritt hatte etwas Eigenwilliges: Mit Strohhut und kalter Zigarre in der Hand betrat er die Bühne. Während des Gesprächs nahm er die Zigarre immer wieder in den Mund, ohne sie anzuzünden. Es wirkte wie eine vertraute Geste, ein Teil seines persönlichen Habitus. Anders als einst bei Helmut Schmidt musste die Zigarre auf der Bühne allerdings kalt bleiben.

Wer Servillo nur aus seinen Filmrollen kennt, hätte ihn auf den ersten Blick kaum wiedererkannt. Auf der Leinwand verkörperte er eindrucksvoll Figuren wie Giulio Andreotti in IL DIVO, Silvio Berlusconi in LORO oder zuletzt den italienischen Präsidenten in LA GRAZIA. Im Gespräch zeigte er sich als ein ruhiger, nachdenklicher Mensch, der sich Zeit für seine Antworten nahm und das Publikum an seinen Überlegungen teilhaben ließ.

Dabei machte Servillo deutlich, dass solche Filmgespräche für ihn weit mehr sind als ein Pflichttermin im Rahmen eines Festivals. Sie seien, wie er sagte, eine Gelegenheit, selbst über seine Arbeit und über das Schauspiel nachzudenken.

Besonders interessant war seine Beschreibung des Unterschieds zwischen Theater und Film. Servillo steht nach wie vor jede Spielzeit auf der Theaterbühne und dreht zusätzlich Filme. Im Theater, so Servillo, existiert der Moment nur ein einziges Mal: Er entsteht vor dem Publikum und vergeht unwiederbringlich. Im Film hingegen werde dieser Moment festgehalten – allerdings nicht vom Schauspieler selbst.

Mit einem schönen Bild beschrieb Servillo das Verhältnis zwischen Schauspiel und Regie: Der Schauspieler schenke dem Regisseur den Augenblick. Dieser nehme ihn später gewissermaßen an sich, fast wie ein Dieb. Die endgültige Form einer Filmszene entstehe erst im Schneideraum. Dort würden Rhythmus, Perspektive und Wirkung festgelegt – auf diesen Prozess habe der Schauspieler keinen Einfluss mehr.

Natürlich kam auch die langjährige Zusammenarbeit mit Regisseur Paolo Sorrentino zur Sprache. Gemeinsam schufen sie mit IL DIVO und LORO eindrucksvolle Filmporträts politischer Macht. Servillo sprach außerdem über den Film LA GRAZIA, in dem er einen italienischen Präsidenten verkörpert. Die Figur verkörpere einen Politiker, wie man ihn sich wünsche: nachdenklich, moralisch und seiner Verantwortung bewusst. Bei den Vorführungen des Films in Los Angeles und New York habe das Publikum sofort verstanden, dass diese Präsidentenfigur in deutlichem Kontrast zur politischen Realität der USA stehe.

Servillo antwortete ausführlich und mit großer Gelassenheit. Unterstützt wurde er von einer hervorragenden Übersetzerin, die selbst längere Passagen souverän und präzise ins Deutsche übertrug. Mehrmals fragte Servillo höflich nach, ob seine Antworten nicht zu lang würden. Die Übersetzerin lächelte und ermunterte ihn jedes Mal, ruhig weiterzusprechen.

Das Filmgespräch wurde dadurch weniger zu einer klassischen Fragerunde als zu einer kleinen Reflexion über Schauspiel, Zeit und den flüchtigen Augenblick.

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