
Sehr überzeugend und voller Elan präsentierte gestern der dänische Regisseur Karl Friis Forchhammer seinen Dokumentarfilm CHRISTIANIA beim Crossing Europe Filmfestival 2026 in Linz. Für alle, die in den 70er- und 80er-Jahren aufgewachsen sind, hatte die unabhängige Kopenhagener Freetown Community Christiania stets etwas Geheimnisvolles und reizvoll Verbotenes. Forchhammers Film unterstreicht die Einzigartigkeit dieses Ortes.

Auf die Frage, ob ein solches Experiment heute noch Aussicht auf Erfolg hätte, reagiert der Regisseur mit ungläubigem Lachen. Der Sozialstaat habe sich damals in Dänemark noch im Aufbau befunden, und auch die Politik sei von großem Idealismus geprägt gewesen. Es sei heute kaum vorstellbar, dass mehrere hundert Menschen eine Kaserne besetzen und Politiker anschließend mit ihnen bei einer Tasse Kaffee darüber verhandeln, ob sie nicht zumindest Strom und Wasser bezahlen könnten.
Sowohl im Film als auch im anschließenden Publikumsgespräch macht Forchhammer die unterschiedlichen Perspektiven deutlich. CHRISTIANIA ist keine unkritische Hymne auf die Kopenhagener Community. Insbesondere der Drogenhandel wird differenziert beleuchtet, und es wird sichtbar, wie schwierig es war, im Rahmen des Konsensprinzips der Freistadt die sogenannte „Pusher Street“ zu schließen.
Bewusst verzichtet der Regisseur auf das, was er selbst als „HBO-Style“ bezeichnet. Nostalgische Rückblicke älterer Bewohner, die in Erinnerungen schwelgen, wollte er vermeiden. Stattdessen setzt er stark auf umfangreiches Archivmaterial, um den Zuschauern eine eigene Meinungsbildung zu ermöglichen. Diese Montage ist stellenweise amüsant und aufschlussreich, wirkt jedoch gegen Ende etwas ermüdend. Ein klarer dramaturgischer Faden fehlt an einigen Stellen. Dennoch bleibt der Film für alle sehenswert, die einen Blick hinter den Mythos Christiania werfen möchten.