CROSSING EUROPE 2026: KDYBY SE HOLUBI PROM?NILI VE ZLATO (If Pigeons Turned to Gold) von Pepa Lubojacki

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Dokumentarfilme bieten ihren Macher:innen immer auch die Chance, sich den eigenen Dämonen zu stellen. In einem Akt der Selbstüberwindung kann das, wovor man tagtäglich wegläuft, ins Zentrum gerückt werden. Für Pepa Lubojacki ist es die Alkohol- und Drogenabhängigkeit in ihrer Familie. Ihr Vater wurde tot in einem Park gefunden. Er hatte eine Wodkaflasche neben sich. Ihr Bruder David, zu dem sie als Kind immer aufgeschaut hat, ist auch Alkoholiker und lebt auf der Straße. Der Film dokumentiert Lubojackis verzweifelten Versuch, ihren Bruder in ein aus ihrer Sicht normales Leben zurückzuführen.

picture from director at screening with dog
Pepa Lubojacki mit Hund bei der Vorstellung auf der Crossing Europe

Pepa Lubojacki ist Autodidaktin. Sie hat sich das Schneiden ihres Films über YouTube-Erklärvideos selbst beigebracht. Das Ergebnis ist furios - IF PIGEONS TURNED TO GOLD ist getragen von einer verzweifelten Energie. Mit Social-Media-artigen Texteinblendungen und insbesondere mit animierten Kindheitsfotos von sich und Ihrem Bruder findet Lubojacki künstlerisch eigenwillige wie passende Mittel, die scheinbare Vorbestimmtheit des familiären Schicksals zu reflektieren. Durch die Animation erweckt sie Fotos zum Leben und lässt die Dargestellten aussprechen, was sie selbst als Fragen und Gedanken mit sich herumträgt.

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IF PIGEONS TURNED TO GOLD ist schonungslos in der Darstellung von Alkoholkrankheit und Obdachlosigkeit. Der Film weckt gleichzeitig Verständnis und verdeutlicht die Hürden für die Betroffenen, sich selbst aus der Situation zu befreien. Am Ende werden aber die Liebe von Lubojacki zur Familie, ihre Weigerung, sich dem Schicksal zu ergeben, und ihr erfolgreicher Kampf, selbst an der Oberfläche zu bleiben, in Erinnerung bleiben.


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