Berlinale 2026: EUNYEOGA DORAON NAL (The Day She Returns) von Hong Sang-soo

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© Jeonwonsa Film

Auf festivalblog berichten wir nun bereits seit 20 Jahren von der Berlinale. Da wiederholt man sich zwangsläufig. Aber wenn es wahr ist, kann man es auch wieder und wieder sagen: Es ist einzigartig, gleich nach der Vorstellung eines Films der Filmemacher:in zuzuhören und Fragen stellen zu können. Hong Sang-soo ist einer der ganz Großen des Gegenwartskinos, der mit wenigen Mitteln viel erzählt. Die Q&A nach der Weltpremiere seines neuesten Films gehört für mich zu den Highlights der diesjährigen Berlinale.

Hong Sang-soo

Gerade weil er wenig über die Entstehungsgeschichte seines Films sagt, sich geradezu verweigert. Es langweile ihn, bekennt Sang-soo, wenn Regisseure diese EINE Idee haben, mit der sie dann einen Film realisieren. Der ganze Prozess von der Ideenfindung über das Drehbuchschreiben und dem, was sonst noch dazu gehört, sei für ihn viel zu anstrengend und langwierig. Es fange bei ihm immer mit der Film-Location an. So sei klar gewesen, dass er in einem Restaurant bei ihm um die Ecke drehen wollte. Dieses Restaurant besuche er ein- bis zweimal pro Monat. Dann rufe er Schauspieler:innen an, ob sie Lust hätten, in seinem Film mitzuspielen. Je nachdem, wer zusage, schreibe er dann ein Skript, meist noch während des Drehs. Es sei für ihn nicht aufrichtig, sagt Sang-soo fast entrüstet, etwas aufzuschreiben und erst viel später daraus einen Film zu machen. Für ihn gehe es um den Moment. Sein Ziel sei es, eine mehrdimensionale Sphäre zu schaffen, in der sich jeder etwas anderes herausgreifen kann, denn jeden berühre etwas anderes. Es sei wie, wenn zwei Menschen die gleiche Person treffen würden. Dann würden sie diese nach dem Treffen ganz unterschiedlich beschreiben. So etwas wünsche er sich auch für seine Filme.

Es ist einer der besten und zugänglichsten Sang-soo-Filme der letzten Berlinale-Jahre, denke ich, als ich den Zoopalast verlasse, insbesondere weil er so reduziert ist.

EUNYEOGA DORAON NAL besteht praktisch nur aus Dialogen. Die Schauspielerin Song Sunmi (Bae Jeongsu) hat nach langer Zeit wieder einen Film gedreht. In den ersten drei Akten des Films wird sie von drei jungen Frauen interviewt. Im vierten und fünften Akt spielt Sunmi im Rahmen einer Schaulspielklasse diese Interviews später nach.

Die Subtilität, mit der sich die Gespräche entwickeln, ist grandios. Themen und Fragen wiederholen sich in den drei Interviews und man ist als Zuschauer jedes Mal gespannt, wie Song Sunmi dieses Mal antworten wird. Beiläufig lenkt sie zwischendurch im Gespräch auch auf die persönliche Lebenssituation der Interviewerinnen und versucht, der Situation etwas Persönliches zu geben. Der ganze Film ist in Schwarzweiß gehalten. Warum? Er habe einfach das Gefühl gehabt, dass Schwarzweiß am besten zu der Geschichte passe, antwortet Hong Sang-soo auf meine Frage.

Obwohl Sang-soos Film ähnlich dialoglastig ist wie Schanelecs am Tag davor, wird Sang-soo in Berlin gefeiert. Er hat hier eine Fanbase. Umgekehrt wird Schanelec in Frankreich sehr geschätzt und hat es in Deutschland eher schwer. Die Berlinale zeigt, dass das Sprichwort mit dem Dichter auch für den Film zu gelten scheint.

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