Berlinale 2026: MEINE FRAU WEINT von Angela Schanlec

Filmstill
© Blue Monticola Film

„Eigentlich warten wir doch genau auf diese Filme!“, möchte ich meinen Kolleg:innen zurufen, die noch während der Vorstellung der Frau, die weint, den Rücken zukehren. „Wir warten doch auf Filme, bei denen wir nicht wissen, was als Nächstes passiert, und wo wir nicht den nächsten Ton bereits mitsummen können.“ MEINE FRAU WEINT ist so ein Film, auf den es sich zu warten lohnt: erfrischend unerwartet und zugleich eine Komposition, in der alles seinen Platz hat und nichts überflüssig ist.

Angela Schanelec reduziert Bilder und Sätze auf das Nötigste und sie werden dadurch so schön, dass ich mir Filmszenen als Still in die Wohnung hängen würde. Dialoge möchte ich auswendig lernen, um sie dann rezitieren zu können. Gerade ihre Alltäglichkeit gibt ihnen Tiefe.

Thomas und Clara verhandeln ihre Zweisamkeit – wie gehen wir mit der Ambivalenz von Liebe und Zuneigung um? Die Geschichte transportiert die Essenz – sie hier zusammenzufassen, würde wenig aussagen. Es sind Situationen, z.B. wie sich Ordnung auflöst. Eine Blaskapelle spielt in einem Park, als ein Platzregen hereinbricht. Nach und nach verlassen die Musikerinnen ihren Platz und suchen Schutz unter den Bäumen, nur der Kapellmeister bleibt noch auf seinem erhöhten Podest, während ein Schirm über ihm gehalten wird. Eine Ordnung zerbricht auch für Thomas, als Clara ihm atem- wie schonungslos von der Annäherung zwischen ihr und ihrem Tanzpartner in dem Tanzkurs erzählt, den Thomas nicht mit seiner Frau machen wollte.

Überhaupt werden die großen und tragischen Ereignisse im Rückblick erzählt, nicht gezeigt. MEINE FRAU WEINT beginnt dort, wo andere Filme enden. In den Nacherzählungen wird die flehentliche Hoffnung spürbar, das die Vergangenheit im Jetzt Sinn ergibt.

Teil von Schanelecs Film ist auch eine widerspenstige Müdigkeit. Das Gefühl von Erschöpfung, das alles zu viel ist, und wir nicht mehr weiterkönnen und dann trotzdem weitermachen.

Zum Schluss macht die Geschichte doch noch einen Sprung nach vorne, aber es scheint eine erträumte Bewegung. Dann entlässt uns ein schöner Abspann mit Indie-Musik in die eigene Wirklichkeit.

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