Berlinale 2026: MASAYUME von Nao Yoshigai

Foto aus dem Cubix auf den Alexanderplatz

"Jede Schneeflocke hat ihren Platz und fällt genau an die richtige Stelle." Diese Aussage eines buddhistischen Mönchs könnte auch insgesamt für den Debütfilm von Nao Yoshigai stehen und ist zugleich sehr passend zur Kinovorstellung an einem Wintermorgen im schneeumwehten Cubix. Weiterhin, erzählt uns der Mönch aus dem Off, ist das Leben nur ein Traum – ein guter oder ein schlechter Traum, je nachdem, was einem passiere. Die Regisseurin selbst sieht ihren Film, wie sie in der Q&A nach dem Film erläutert, als einen Traum über diesen Traum. Wir als Zuschauer erleben dann MASYUME – „etwas im Traum Gesehenes geschieht im wirklichen Leben“.

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Yoshigai hat Rituale während eines einwöchigen Zen-Retreats in einem buddhistischen Tempel gefilmt. Es ist eine Rückkehr. Vor einigen Jahren war sie in einer seelisch instabilen Lage. Damals war ihre Mutter gestorben. Der Aufenthalt im Retreat war eine "Wiederlebenserfahrung" für sie. Dieses Mal filmt sie sich und die Teilnehmer:innen, wie sie rituell essen, danach Sutra-Verse aufsagen oder auf dem Klostergelände aus dem Bodenlaub die gelben Blätter aussortieren. Manche der Teilnehmenden kommen auch zu Wort. Dazwischen schneidet Yoshigai in schneller Folge Fotos, die sie in der schwierigen persönlichen Phase mit ihrer Kamera täglich als Rettungsanker ausgeworfen hat, oder Animationen, die ihre Gedanken zum Thema Körper illustrieren (tatsächlich war der Film ein Auftrag des Aichi Arts Center in Japan zum Thema Körper). Indem Nao Yoshigai so verschiedene Stilmittel miteinander kombiniert, schafft sie eine neue Form.

Nao Yoshigai
Regisseurin Nao Yoshigai bei der Q&A

Ob der Film gelungen ist oder nicht, lässt sich, wie bei vielen Berlinale-Filmen, nicht sagen. Zu individuell wären die Antworten. Mich entlässt der Film jedenfalls sehr grundentspannt.


Beim Mittagessen lese ich dann noch ein schönes Statement der Regisseurin zu ihrem Film: „Ich hoffe, dass dieser Film für jemanden außer mir selbst eine Form der Heilung ist und dass er am Ende die Erde heilen wird, zumindest ein wenig.“

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