Berlinale 2026 - BLACK LIONS - ROMAN WOLVES von Haile Gerima

Filmstill
© Negod Gwad Productions

Auf der Berlinale gab es schon immer diese Mammutvorstellungen, die einen ganzen Tag dauerten. Oft sind diese in der Sektion FORUM im Kino Delphi zu sehen, so auch BLACK LIONS – ROMAN WOLVES von Haile Gerima.

Als die Leiterin des Forums Barbara Wurm den Film einführte, war sie sehr stolz, die Weltpremiere des Films auf der Berlinale zeigen zu können. Eine eher nüchterne Sicht hatte der Regisseur, der zu Beginn der Vorstellung auch kurz auf die Bühne trat. Natürlich freue er sich, wenn die Leute den Film mögen. Wenn sie ihn aber nicht mögen, sei es ihm auch egal. Es ist offensichtlich, dass Haile Gerima seine 10-Stunden-Dokumentation nicht für das große Publikum gemacht hat. Er möchte die Geschichte der italienischen Aggression aus äthiopischer Sicht erzählen.

Natürlich gibt es über den brutalen Eroberungskrieg, den das faschistische Italien gegen Äthiopien geführt hat, viel zu lernen. Im Geschichtsunterricht wird diese Episode, in der Äthiopien auch von vielen anderen europäischen Ländern im Stich gelassen wurde, eher weniger behandelt.

Haile Gerima montiert Archivmaterial, interviewt Zeitzeugen und Gelehrte. Etwas verwunderlich aus meiner Sicht: Es gibt keine Schrifteinblendungen, die ersichtlich machen, wer gerade spricht. So lässt sich das Gesagte nur schwer einordnen und man wird nicht umhinkommen, sich auch nach der Dokumentation mit der Thematik tiefer zu befassen. Etwas anderes irritiert mich ebenfalls: der patriotische Unterton. Der ist zwar angesichts der Enttäuschung über die internationale Gemeinschaft mehr als verständlich, stellt aber (zumindest für mich) gleich eine Distanz zu den gezeigten Bildern her.

Das Werk ist im Berlinale-Programm in 5 Teile aufgeteilt. Leider kann ich nur Teil 1 ansehen, denn alles zu sehen hieße, auf viele andere Berlinale-Filme zu verzichten. Ansonsten wäre mein Interesse groß gewesen, alles zu sehen, allein wegen des Archivmaterials, das auch viele Massenszenen umfasst, die auf der großen Leinwand noch einmal ganz anders wirken als auf einem kleinen Bildschirm. So bleibt zunächst nur ein 20%-Eindruck, der neugierig macht.

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