"Sleep Dealer" von Alex Rivera

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Plug in, turn on, drop out!

Es klang wie nach einem Film, gemacht für uns Internet-Arbeiter, uns W-Lan Junkies und Blogger, Online-Angestellte, digitale Boheme oder was auch immer. Mexiko in der nahen Zukunft, Amerika hat seine Grenze geschlossen, die dritte Welt, überhaupt die ganze Welt arbeitet online. W-Lan ist jetzt Körper Plug In.
Der Norden bekämpft außerdem noch immer Terroristen. Das sind jetzt Leute, die das von den USA rationierte Wasser haben wollen. Bei einer Antiterror Aktion mit Dronen, kommt der Vater des Computerfricklers Memo um. Memo haut ab und will als Online-Arbeiter in Tijuana anheuern.

Um für den Norden zu arbeiten, um überhaupt arbeiten zu können, lässt man sich an verschiedenen Punkten seines Körpers für teuer Geld Buchsen stechen und plugt sich dann ein, ins WWW, kann teilhaben an der Weltökonomie. Da arbeitet man dann verkabelt und mit Spezialbrillen mit hunderten anderen stehend in einer Art X-box/Play Station 5000 und steuert Roboter irgendwo auf de Welt: als Bürofachkraft, Bauarbeiter, Putzfrau etc.
Memo (der Name erinnert nicht von ungefähr an Matrixen‘s Neo) trifft auf seinem Weg nach Tijuana die Bloggerin Luz (!) kennen, die mit ihren Buchsen an Armen und im Nacken ihren Blog bestückt und Erinnerungen von Begegnungen zu kleinen Filmen macht und im Netz verkauft. So weit so schräg.

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Die ockerfarbene Dichte in den Aufnahmen von Mexiko erinnern stark an „Traffic“ und bei den WWW, Plug In-Fantasien an Matrix (Plug in and do), Brazil (totalitärer Staat, Überwachung) und als ganzes an ambitionierten Studenten SciFi.

Etwas klapprig werden nun Konflikte gebastelt: Luz verkauft Memos Geschichte (Toter Vater, Flucht nach Tijuana etc.) als Story auf ihrem Blog, er findets doof, aber beim Sex, wo man sich nicht nur mit den natürlich vorhanden Plug-In-Körperteilen verbindet, sondern gleich noch alle anderen Öffnungen miteinander verkabelt, um auch „Innen“ alles sehen zu können, wird er versöhnt.
Ein Soldat aus Amiland, der den Papa von Memo auf dem Gewissen hat, findet Luzs Geschichte über Memo im Netz, trifft Memo wegen seines schlechten Gewissens und zusammen schaffen sie es, dass der US-Staudamm, der den Mexikanern das Wasser nimmt gesprengt wird.
Wo Luz am Ende geblieben ist, hab ich verpasst, weil ich 10 Minuten eingepennt bin. Sorry. Spielt aber auch nicht so ein Rolle, denn unser Held Memo und sein Ex-US Soldat, der seine mexikanischen Wurzeln wiederentdeckt, ziehen danach allein in den Sonnenuntergang ihrer nun ganz irdischen, analogen Existenz.

Seltsames Ding, eine reel wirkende Zukunftsvision, die Spezialeffekt angemessen Lo-Fi, aber klapprige Story und Dramaturgie. Memo als Mischung von Luke Skywalker und dem Landei in der Stadt ist ganz lustig, und Luz als verdorbene Großstadtkünstlerin ganz moderner Art auch irgendwie. Aber der reumütige Soldat aus Amiland und dann die große Wasserbefreiung und Rückkehr zu den Wurzeln wirken dann doch ein wenig bemüht.

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Titel

Orignaltitel

Sleep Dealer

Credits

Regisseur

Alex Rivera

Schauspieler

Metztli Adamina

Tenoch Huerta

Luis Fernando Peña

Leonor Varela

Jacob Vargas

Land

Flagge MexikoMexiko

Flagge Vereinigte StaatenVereinigte Staaten

Jahr

2008

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