LOLLIPOP MONSTER von Ziska Riemann

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Düster und wild, diese Attribute treffen beim Teenager-Musik-Drama Lollipop Monster sowohl in inhaltlicher als auch in formaler Hinsicht zu. In diesem grellen Stil-Mix aus Comic-Strips, Underground-Musik-Videos, Fantasy-Elementen und Spielfilm wird deutlich, dass Erwachsenwerden kein schöner Spaziergang sondern eher eine wilde Achterbahnfahrt ist, die immer mehr an Geschwindigkeit aufnimmt und bei der man auch aus der Bahn geworfen werden kann.

Schon die Eingangssequenz, die aus einem düsteren Muiskclip der Gothicband Tier besteht, lässt vermuten, dass die nun folgende Handlung nicht unbedingt in der Sphäre unschuldiger Kleinmädchenträume angesiedelt sein dürfte. Und richtig, die beiden Hauptfiguren, die 15jährige Oona und die gleichaltrige Ari haben es zu Hause in ihren Familien alles andere als leicht. Während Ari darunter leidet, wie ihr Bruder durch eine perfide Mischung aus eingebildeten Krankheiten und plötzlich hervorbrechender Brutalität das Familienleben dominiert, muss Oona mit dem Selbstmord ihres Vaters fertig werden, an dem sie sich mitschuldig fühlt. Hinzu kommen dann noch die ganz normalen Teenagerprobleme. Beide Mädchen fühlen sich unwohl in ihrer Haut, unverstanden und isoliert zu Hause und wollen um jeden Preis etwas erleben. Während Oona ihren Schmerz durch Selbstverletzungen und finstere Zeichnungen auslebt, sucht die frühreife Ari nach der Bestätigung älterer Männer. Durch ihre gemeinsame Begeisterung für die Gothicband Tier freunden sich Oona und Ari trotz aller Unterschiedlichkeit an und geben sich gegenseitig Halt. Die neu gewonnene Freundschaft wird allerdings durch eine Affäre von Ari auf eine harte Probe gestellt.

Lollipop Monster nimmt seine Figuren trotz der wilden Stilmischung des Films ernst und die hilflosen Versuche der Mädchen, die eigene Machtlosigkeit nicht mehr spüren zu müssen, sind schmerzhaft und gleichzeitig auch sehr berührend. So verschönert sich Ari ihre an sich sehr unschöne reale Entjungferung durch die Flucht in eine Phantasieshowwelt, in der sie trotz aller Elendigkeit der Wirklichkeit die Heldin ist und ein bisschen Glamour erleben kann. Der ständige Wechsel der Filmhandlung zwischen Drama, überdrehter Komödie, Kitschelementen und düsterer Gruftiästhetik spiegelt auch auf formaler Ebene gekonnt die extremen Gefühlsschwankungen der Teenagerzeit.

Auch wenn ich den wilden Wendungen des Films insgesamt begeistert gefolgt bin, das splattermäßige Finale hätte für meinen Geschmack nicht sein müssen. Schon während der Vorstellung leerten sich die Reihen merklich, es scheint also so, als könne man diesen Film nur lieben oder hassen.

Kommentare ( 1 )

Dieser Film war für mich eine 96-minütige Qual. Nur die Musik und die visuelle Aufbereitung fand ich gelungen.
Mich hat es angeekelt, wie Drehbuch und Regie mit Themen wie Selbstmord, Selbstverletzung oder Rache umgehen - und damit meine ich nicht die Splatter-Elemente am Schluss. Für mich ist das ein Film, der die beiden Hauptfiguren verrät, weil er ihre Probleme überhaupt nicht ernst nimmt, sondern des Effekts wegen missbraucht.
In dem Sinn ist er für mich genauso gefühllos und stumpf wie ein Rambo-Film.

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Titel

Orignaltitel

Lollipop Monster

Credits

Regisseur

Ziska Riemann

Schauspieler

Jella Haase

Sarah Horváth

Nicolette Krebitz

Thomas Wodianka

Drehbuch

Produzent

Wolfgang Cimera

Andi Wecker

Bettina Wente

Kamera

Hannes Hubach

Musik

Ingo Ludwig Frenzel

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Jahr

2011

Dauer

96 min.

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