Der Räuber von Benjamin Heisenberg

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Rettenberger läuft, im Kreis, im Gefängnishof. Mit dieser Sequenz beginnt die Geschichte, aber für den ehemaligen Bankräuber ändert sich nicht viel, nachdem er das Gefängnis verlassen hat. Er bleibt ein Hamster in seinem Laufrad. In monotoner Folge trainiert er, gewinnt einen Marathon und raubt Banken aus. Weder für das Laufen noch für das Bankausrauben hat sich Rettenberger entschieden. Sie sind sein Instinkt.

Auf die Frage, warum er weitermache mit dem Banküberfällen, obwohl er doch schon genug Geld beisammen habe, antwortet Rettenberger in einer Schlüsselszene des Films: "Das hat mit dem, was du Leben nennst, gar nichts zu tun". Während andere Auto, Haus und Familie als Ziel haben, hat er seine. Er hinterfragt sie nicht. Ihm geht es dabei nicht um das Geld. Das Rauben ist für ihn wie ein Leistungssport. Die Versuche seiner Freundin Erika Rettenberger ins "normale" Leben zurückzuholen, scheitern genauso wie die seines Bewährungshelfers. Er läuft immer weiter selbst, wenn die Lage völlig ausweglos erscheint und gleicht dabei mehr einem gehetztem Tier als einem Menschen.

Der Räuber ist kein Mitfühl-Film, bei dem man sich mit den Hauptfiguren identifizieren kann. Er ist vielmehr eine Studie. Benjamin Heisenberg beobachtet Rettenberger wie einen Fahrer bei der Tour de France. Er heftet sich mit seiner Kamera und einer temporeichen Musik an die Fersen des laufenden Rettenbergers. Der Räuber ist der zweite Film von Benjamin Heisenberg und sowohl ein Porträt eines Laufstils als auch das eines Menschentyps. Der Film überzeugt in beidem. Man ist versucht Rettenberger als eine Parabel auf unsere heutige Zeit zu verstehen, wo man läuft und läuft, obwohl es längst keine vertretbaren Gründe mehr dafür gibt, solange bis gar nichts mehr geht.

Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit. In den 80er Jahren hielt Johann Kastenberger als Pumpgun Ronny die österreichische Gesellschaft in Atem. Kastenberger ist bis heute der Rekordhalter des Kainacher Bergmarathons.

Kommentare ( 4 )

Klingt gut. Den schau ich mir mal an.

grandios der schluss, wie nur noch die scheibenwischer wischen, die autobahn rauscht und der gehetzte Mann (endlich?) zur Ruhe kommt. Spröde und ganz unpsychologisch (Kindheit, Traumata, Angst blabla) dieser Film. Aber sehenswert.

Hm. So ganz mag ich Euer Lob nicht teilen. Der Film reisst da mit, wo es um eher klassische Verfolgungsszenen geht. Der Mann, der rennt, bleibt aber so gewollt kryptisch, dass es nervt. Da ist zu viel Stummsein als Stilmittel. Die Schlussszene hat mich wieder versöhnlich gestimmt.

Beschreibung hat mich neugierig gemacht.

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Titel

Orignaltitel

Der Räuber

Deutscher Titel

The Robber

Credits

Regisseur

Benjamin Heisenberg

Schauspieler

Andreas Lust

Franziska Weisz

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Flagge ÖsterreichÖsterreich

Jahr

2009

Dauer

96 min.

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