„Teenage Angst“ von Thomas Stuber

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Das sind Nihilisten, die wollen nur foltern

Jugendliche mit dem Y-Chromosom neigen als Teenager zu Männlichkeitswahn und zur Gewalt. Thomas Stuber schafft in „Teenage Angst“ eine Konstellation, in der vier Internatsschüler eine Art nihilistische Variante des „Clubs der toten Dichter“ durchspielen. Das Streben nach den hehren Idealen der Poesie ersetzen sie durch eine möglichst totale Absage an Werte und Moral.

Ein Eliteinternat irgendwo in einem romantischen Schloss in Deutschland: Dyrbusch (Niklas Kohrt) hat das, was man Neudeutsch „leadership potential“ nennt: Er ist ein arroganter Wichtigtuer, der verquastes, pseudointellektuelles Zeug von sich gibt, aber er hat unbegrenztes Selbstbewusstsein. Für Bogatsch (Michael Ginsburg) ist er damit unwiderstehlich. Bogatsch ist zwar nicht der Hellste, aber er strahlt eine Aggressivität aus, die von der ersten Sekunde an beunruhigt. Dyrbusch ist der Kopf, der den Plan ausheckt: Mit diesem ganzen Unsinn von Moral, Ethik und sozialer Verantwortung, den sich die Verwahranstalt für Kinder reicher Eltern auf die edle Fahne geschrieben hat, soll jetzt Schluss sein. Er will saufen, die Sau rauslassen und dabei einige Experimente in Sachen Nihilismus und Erniedrigung betreiben. Um Macht geht es, gibt er Bogatsch zu verstehen und sonst gar nichts. Den hochintelligenten Internatssonderling Leibnitz (Janusz Kocaj) haben Dyrbusch und sein Kettenhund schon rekrutiert, als Konstantin (Franz Dinda) von einer Beerdigung ins Internat zurückkommt. Nachdem Konstantin den Initiationsritus des Pimmelzeigens durchlaufen hat, kann Dyrbusch mit der Durchführung seines Plans beginnen.

Die Vier hauen nachts regelmäßig ab und besaufen sich in einer Laube, die Dyrbusch auf dem Campingplatz am See aufgetrieben hat. Eines Abends sind Dyrbusch und Bogatsch kurz davor eine junge Frau zu vergewaltigen, die ihnen beim Baden im See über den Weg läuft. Konstantin ist wie erstarrt, aber Leibnitz geht dazwischen. Damit ist die Konstellation klar: Leibnitz hat sich gegen die Gruppe gestellt, obwohl Drybusch in schon als Schwächsten identifiziert hat. Jetzt wird er das Ziel aller weiteren Spiele, die schnell in Folter ausarten. Konstantin ist der Einzige, der die katastrophale Entwicklung erkennt und aufhalten könnte. Aber er traut sich nicht. Als Konstantin endlich seinen Mut zusammennimmt und zum Mentor (Michael Schweighöfer) geht, hört dieser ihm nicht zu. Am Ende drückt Bogatsch Leibnitz’ Kopf solange in eine Wassertonne, bis der fast stirbt. Er überlebt, aber bricht psychisch zusammen. Als Leibnitz sich vom Mentor unter Druck gesetzt fühlt, verletzt er den Lehrer in einem Panikanfall schwer..

Der Film ist genauso nihilistisch wie seine Hauptfigur Drybusch. Der Film widert einen an - mit den Folterszenen, der holzschnittartigen Gruppendynamik, der Figur des Mentors, die nur ein lebloses Abziehbild ist und mit den unerträglich romantisierenden Bildern, die Stuber immer wieder vom Schloss und seiner Umgebung inszeniert. Holger Jäckle führt mit seinem Drehbuch eine Versuchsanordnung durch, nichts weiter. Und wo er es braucht, liefert er die nötige Küchenpsychologie gleich mit. „Er will dazugehören, weil seine Eltern die Reichsten hier sind“, erklärt Drybusch, als Konstantin den gequälten Leibnitz dazu bringen will, endlich etwas gegen seine Peiniger zu unternehmen.

Wenn dieser Film einen Beitrag zum Thema Jugendgewalt liefern will oder darüber wie die Erziehung von Eliten versagt, ist das gründlich misslungen. „Teenage Angst“ führt nur ein Experiment vor, das den Zuschauer abstößt, erzählt aber keine Geschichte, die den Zuschauer berührt und zum Nachdenken bringt.

Kommentare ( 8 )

..bemerke, dass das Motiv zumindest unter anderem auf Musils Novelle 'Die Verwirrungen des Zoeglings Toerless' zurueckzugehen scheint, auch wenn dort die homoerotische Komponente deutlicher ist, alles in allem tut man hier offenbar -wie meist- gut daran, die literarische Vorlage heranzuziehen.

„Teenage Angst“ führt nur ein Experiment vor, das den Zuschauer abstößt, erzählt aber keine Geschichte, die den Zuschauer berührt und zum Nachdenken bringt.

Mit Verlaub, Herr Wagner, sie haben den Film offensichtlich nicht geschaut. Teenage Angst ist endlich mal wieder ein Licht am Ende des Kinotunnels!

Da geb ich Roman recht. Super Film. Echter Hammer, hat mich sehr berührt und begeistert.

danke thomas stuber.
"Der Film widert einen an - mit den Folterszenen, der holzschnittartigen Gruppendynamik, der Figur des Mentors, die nur ein lebloses Abziehbild ist und mit den unerträglich romantisierenden Bildern, die Stuber immer wieder vom Schloss und seiner Umgebung inszeniert. Holger Jäckle führt mit seinem Drehbuch eine Versuchsanordnung durch, nichts weiter. Und wo er es braucht, liefert er die nötige Küchenpsychologie gleich mit."

Ja! Genau! und alles so bitterernst. betroffenheitskino für schulklassen.

es ist schon traurig, dass der großteil der gesellschaft eine solche genialität, wie sie in tennage angst zur geltung kommt, nicht versteht. wer bei dieser gesellschaftskritischen leistung nicht zum nachdenken angeregt wird, sollte vielleicht mal die augen auf machen und die welt um sich herum beobachten und wenigstens versuchen sie zu verstehen. dann sollte man auf jene Erkenntnis stoßen, dass dieser film präzisest durchdacht und alles andere als ein ,,Experiement, das den Zuschauer abstößt,''
ist. Aber leider gehen die meisten Menschen mit geschlossenen Augen durchs leben!!!

"Wenn dieser Film einen Beitrag zum Thema Jugendgewalt liefern will oder darüber wie die Erziehung von Eliten versagt, ist das gründlich misslungen. „Teenage Angst“ führt nur ein Experiment vor, das den Zuschauer abstößt, erzählt aber keine Geschichte, die den Zuschauer berührt und zum Nachdenken bringt."

Ich fand den Film auch ziemlich scheiße. Von Anfang bis Ende.

Wer diesen Film verurteilt, hat ihn ganz einfach nicht verstanden. Radikal und bis ins kleinste Detail deutlich werden hier Motive des Klassikers "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" verbildlicht. Natürlich gilt dieses Kunstwerk nicht als Verfilmung, da es hier eben nicht um sexuelle Sehnsüchte und die Erklärung des Irrationalen geht, doch werden Beineberg und Reiting in Dyrbusch und Bogatsch dermaßen deutlich dargestellt, dass ich selbst Stunden später noch sehr begeistert war. Jede Farbe, jeder Schnitt, jede Szene, jedes Wort ist so passend, so trefflich, dass in unglaublicher Art und Weise der Wahn einiger Jugendlicher deutlich wird, die sich für eine Elite halten, Ideologien verkörpern und vor der Würde eines jeden Menschens noch nie etwas gehört haben. Großartiges Werk.

Schockierender, aber auch unglaubwürdiger Streifen. Diese Ansammlung an psychisch labilen Jugendlichen auf einem Eliteinternat halte ich nicht für realitätsnah, zu viele Geisteskranke auf einem Haufen...

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Titel

Orignaltitel

Teenage Angst

Credits

Regisseur

Thomas Stuber

Schauspieler

Franz Dinda

Michael Ginsburg

Janusz Kocaj

Niklas Kohrt

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Jahr

2008

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