
Wenn ein Stadtviertel zu trendig wird, kommen die Investoren. Die alte Bevölkerung wird verdrängt, stattdessen ziehen Souvenirläden und Touristen-Apartments ein. So geht es auch im alten Viertel El Raval in Barcelona zu. Dem familiengeführten Restaurant „Can Mosques“ droht kurz nach dem 100-jährigen Jubiläum das Aus: Das Haus, in dem es sich befindet, wurde verkauft, die alten Mieter sollen weichen. Doch Alex, der Sohn des Besitzers, will das nicht hinnehmen. Sein Widerstand ist erfinderisch und nicht ganz legal.
Sehr schön beschreibt die Serie RAVALEAR: NOT FOR SALE, wie sich die Familie zunächst gutgläubig um den Kauf des Restaurants bewirbt, von einem vermeintlich „guten alten Freund“ hinters Licht geführt wird, und dann nach neuen, ungewöhnlichen Strategien fürs Überleben sucht. Erstaunliche neue Allianzen werden geschmiedet: mit der Haubesetzer-Szene, mit illegalen Migranten. Denn wenn das Mietshaus erst bis unters Dach mit Hausbesetzern gefüllt ist, so die Kalkulation, wird der Investor schnell das Interesse an diesem „toxischen“ Objekt verlieren. Ganz nebenbei verbünden sich die letzten alteingesessenen Mieter mit den Neuankömmlingen.
Doch natürlich geht das Unterfangen nicht ohne Reibungen vonstatten. Innerhalb der Familie ist man sich uneins, ob die Hausbesetzung wirklich der richtige Weg ist. Und auch die Hausbesetzer-Szene ist alles andere als selbstlos. Zudem formiert sich auf Seiten der Investoren Widerstand, man schreckt nicht vor unschönen Mitteln der Vertreibung zurück.
Pol Rodríguez (Idee, Regie) und Isaki Lacuesta (Regie) haben mit RAVALEAR ein sehr wirklichkeitsgetreues Stück Seriengeschichte geschrieben. Aktuell, drängend – und dennoch nicht ohne Humor. Auf der Berlinale wurden nur die ersten beiden von sechs Folgen gezeigt. Und man will unbedingt erfahren, wie es weitergeht. In Spanien und Portugal läuft die Serie im Frühjahr auf HBO an, eine Forma vertritt bereits die internationalen Filmrechte. Ich drücke die Daumen, dass RAVALEAR auch bald bei uns zu sehen sein wird.