DOMANGCHIN YEOJA (THE WOMAN WHO RAN) von Hong Sangsoo

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Den ersten Szenenapplaus des Berlinale-Wettbewerbs bekommt eine dicke Katze. Für den neuen Nachbarn ist sie eine „Räuberkatze“, die man tunlichst nicht füttern sollte. Für die beiden Frauen in der Wohnung gegenüber ist sie „wie ein Kind“: Es ist ganz selbstverständlich, dass sie liebevoll versorgt wird, und dabei wird es auch bleiben. Während des Gesprächs vor der Haustür sitzt die dicke Katze daneben und schaut milde interessiert von einem zum anderen. In der sicheren Gelassenheit, so scheint es, dass ihre Unterstützerin sich mit ihrer ruhigen Beharrlichkeit durchsetzen wird. In Hong Sangsoos wunderbar beiläufig erzähltem Film THE WOMAN WHO RAN geht es immer wieder um Frauen, die miteinander reden und dabei von Männern gestört werden.

Eine junge Frau, die ansonsten jeden Tag mit ihrem Mann verbringt, hat ein paar Tage „ehefrei“ und nutzt die Zeit, um ein paar Freundinnen zu besuchen und mit ihnen über das Leben und die Liebe zu plaudern. Dabei wird gegessen, getrunken, die Wohnung und die Aussicht bewundert, und es werden die jeweiligen Vorstellungen von Liebe und Partnerschaft erkundet. Recht förmlich und sehr höflich gehen die Frauen miteinander um, und doch spürt man, dass sie einander nahe sind. Die von Kim Minhee gespielte Hauptfigur (Silberne Bären Gewinnerin 2017 für ihre Rolle in ON THE BEACH AT NIGHT ALONE) erscheint dabei wie eine Erkunderin verschiedener Lebensentwürfe von Frauen im modernen Korea.

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Was all diese Frauen suchen, und teilweise auch schon gefunden haben, ist ein Leben, das sie zufrieden macht. Alle müssen sie dafür verschiedene Wege erkunden und falsche Abzweigungen vermeiden. Hong Sangsoo bietet ein ruhig dahinfließendes Erzählkino, mit Zeit für Pausen und Stille und Reflektion. Auffallend ist, dass die Männer, die das jeweilige Gespräch der Frauen unterbrechen, eindeutig als Störfaktor bezeichnet werden müssen. Einer formuliert eine übergriffige Aufforderung an eine neue Nachbarin (siehe Katze, siehe oben), einer ist ein Stalker, der sich nicht von einer gemeinsam verbrachten Nacht verabschieden will, und ein dritter ist ein Schriftsteller, der mittlerweile zu viel redet.

Die Hauptfigur indes sucht und findet schließlich Ruhe in einem Film ganz ohne Worte – ein Meeresstrand, an dem die Wellen gleichmäßig ans Ufer rollen. Falls sie die Frau ist, die rannte, hält sie nun erst einmal inne.

© Jeonwonsa Film Co. Production

Kommentare ( 2 )

Mann Tiz, ich liiiiiebe inzwischen deine Texte. Jeder macht Bock zu lesen und Bock auf den Film ohne zu viel zu verraten. 15 (?) Jahre festivalblog Weisheit strahlen einen an!

Na, danke!
Aber Deine tollen Texte würde ich hier auch gerne mal wieder lesen;-)) Vielleicht klappt's ja bald mal wieder. Tanti saluti da Berlino, Signore!

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Titel

Orignaltitel

Domangchin yeoja

Englischer Titel

The Woman Who Ran

Credits

Regisseur

Hong Sangsoo

Schauspieler

Lee Eunmi

Kwon Haehyo

Kim Minhee

Kim Saebyuk

Shin Seokho

Ha Seongguk

Song Seonmi

Seo Younghwa

Land

Flagge Republik KoreaRepublik Korea

Jahr

2019

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