"Bam Gua Nat" (Night and Day) von Hong Songsee

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Ein Koreaner in Paris

Erstaunlich, was man auf der Berlinale alles so über ferne Länder lernt: Zum Beispiel, dass man in Südkorea fürs Marihuana-Rauchen in ernsthafte Schwierigkeiten kommen kann. So geschieht es Kim Sung-nam, der gar nicht erst wissen will, was ihm für eine Strafe droht, sondern Hals über Kopf in den nächsten Flieger nach Paris steigt – um dort dann ziemlich bedröppelt durchs Leben zu tapsen.

Regisseur Hong Sangsoo nimmt sich sehr sehr sehr (!) lange Zeit, um dieses hilflose in der Fremde Zurechtfinden zu erzählen: Geschlagene 145 Minuten plätschert der Film dahin. Und obwohl er eigentlich ganz rund erzählt ist, wünscht man sich doch, er wäre um eine gute Stunde gekürzt worden. Aber so folgen wir – von hübschen Datumsangaben auf Reispapier unterteilt – dem Helden Tag und Nacht auf seinen unsicheren Schritten durch die Seine-Metropole. Ganz dörflich wirkt dieses Paris, mit kleinen engen Straßen und niedlichen Cafés, und ohnehin bewegt sich Sung-nam ausschließlich in einer sehr überschaubaren koreanischen Exilgemeinde. Er wohnt in einem ausschließlich von Koreanern bewohnten Gästehaus, seine Bekannten sind ebenfalls Landsmänner und -frauen. Die einzigen Franzosen, mit denen er in Berührung kommt, ist ein Schnorrer am Flughafen und die Frau im Tabakladen, die ihm seine Kippen verkauft.

Sehr eindrücklich vermittelt sich in der Chronologie leerer Tage die Einsamkeit dieses Mannes, der nicht so recht weiß, was er in Paris eigentlich mit sich anfangen soll. Er ist Maler, soviel bekommen wir mit, und er malt mit Vorliebe Wolken. In Paris, der Stadt der Maler, sehen wir ihn aber kein einziges Mal einen Pinsel in die Hand nehmen. Stattdessen übt er sich fleißig im Armdrücken und hat seltsame Begegnungen mit kleinen, aus dem Nest gefallenen Vögeln – in einer seltsamen Analogie wird er zum koreanischen Franz von Assisi stilisiert. Was das genau soll, hat sich mir freilich nicht erschlossen.

Es kommt, wie es kommen muss, und der junge Mann verliebt sich in eine junge Frau. Das Umeinander-Herum-Tänzeln zieht sich jedoch erheblich in die Länge, und bis zum ersten Liebeswochenende am Meer vergehen geschlagene zwei Filmstunden. Schließlich greift die in Seoul verbliebene Ehefrau dank ihres weiblichen siebten Sinnes aus der Ferne in das Geschehen ein und holt ihren Gatten mittels einer vorgetäuschten Schwangerschaft wieder heim ins Nest. Am Schluss haben wir also eine ausgedehnte Fremdheits-Erfahrung eines Koreaners in Paris miterlebt, haben uns an schönen Bildern und einer ruhigen, flüssigen Erzählweise erfreut, wissen aber hinterher nicht wirklich, was das nun gewesen sein soll.

Vom Filmland Korea ist man in den letzten Jahren eigentlich radikalere, auch formell wagemutigere Filme gewohnt. Insofern ist "Bam Gua Nat" oder „Night and Day“ leider alles andere als eine Offenbarung.

Kommentare ( 1 )

ooooch, ich dachte, das ist so ein Paris Flaneur Film. Klingt ja richtig übel. Und wieder ein Film, wo man sich all die HD Video Filmerei zum Himmel wünscht. Denn wenn die alle auf echtem Film drehen würden, hätten wir nicht soviele zu lange Filme gesehen. Ich plädiere für die Einhaltung von 90 Minuten, Ausnahmen nur für Könner oder Experimentalfilmer!!

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Titel

Orignaltitel

Bam gua Nat

Englischer Titel

Night And Day

Credits

Regisseur

Hong Sangsoo

Schauspieler

Park Eunhye

Hwang Soojung

Kim Youngho

Land

Flagge Republik KoreaRepublik Korea

Jahr

2008

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