CORIOLANUS von Ralph Fiennes

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Eine wütende Menschenmenge fordert in einer sauber einstudierten Choreographie „Brot!“ von den bewaffneten Militärs, die eine Brotfabrik bewachen. Ein Trupp Soldaten mit schwerem Geschütz und Tarnuniformen stürmt eine Neubausiedlung und spricht dabei in Jamben. Shakespeare meets Balkankrieg – Ralph Fiennes Regiedebut CORIOLANUS transportiert das Elisabethanische Drama in die Jetztzeit und liegt damit goldrichtig. Wuchtig, gewalttätig und blutig ist dieser Film – und dabei subtil und psychologisch fein ausgearbeitet; nicht zuletzt dank der wunderbaren Sprache von William Shakespeare.

Fiennes, der den Coriolanus hervorragend und sehr nuancenreich selbst spielt, und vor allem Vanessa Redgrave als die Mutter des Titelhelden wissen diese Sprache besonders virtuos zu bedienen – aber auch die Nebenfiguren sind sehr solide besetzt. Wie lebendig diese Zeilen wirken, welche Kraft und Magie in den Jahrhunderte alten Redewendungen liegt, wenn nur die richtigen Personen sie interpretieren! In der Vergangenheit haben so manche Regisseure Shakespeare in die heutige Zeit transportiert – und meist war das Ergebnis zumindest interessant. Fiennes hat mit CORIOLANUS einen richtig großen Wurf gelandet.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Die Römer führen Krieg gegen die Volsker – der römische Befehlshaber Coriolanus erringt einen blutigen Sieg und soll zum Dank dafür Konsul werden. Leider hat dieser Mann des Krieges wenig ziviles Feingespür, das einfache Volk ist ihm zuwider. So erhebt sich bald Widerstand gegen seine Ernennung und Coriolanus muss ins Exil. Hier verbündet er sich mit dem einstigen Todfeind, dem Chef der Volsker, und zieht mit ihm gemeinsam gegen Rom.

Der Irrsinn des Krieges und die Unfähigkeit eines Militärs, im Frieden zu bestehen, bilden die tragischen Pfeiler dieses Dramas. Aber auch die Dialektik von Hass und Bewunderung bis zu homoerotischen Untertönen zwischen den beiden Antagonisten sorgt für eine weitere Spannungsebene – ein Aspekt, den Fiennes ganz bewusst herausgearbeitet hat, wie er sagt. Ein wuchtiges und kluges Regiedebüt, das zu Recht seinen Platz im Wettbewerb einnimmt.

Kommentare ( 1 )

Vanessa Redgrave war grandios, Ralph Fiennes hat mich eher genervt - da wollte er wohl allzu gerne mal Macker sein. Und dass er auch noch sein eigener Regisseur ist, der sich selbst zu häufig scheinbar das Go für "eindrückliche Nahaufnahme" gegeben hat, das alles hat mich gestört und zu einer großen Distanz zur Geschichte geführt.

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