Berlinale 2016: AUF EINMAL von Asli Özge

Der Prinz aus Altena

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Ein Psychothriller aus dem für Nervenkitzel nicht gerade bekannten Sauerland, dass das tatsächlich zusammenpasst, zeigt Regisseurin Asli Özge mit ihrem Film AUF EINMAL

Über die Hauptfigur Karsten (Sebastian Hülk) hätte es in einem Märchen wohl geheißen, dass sie schon mit einem goldenen Löffel im Munde geboren wurde. Als Spross eines einflussreichen Geschäftsmanns ist Karsten in der sauerländischen Kleinstadt Altena mit allen Privilegien der besseren Kreise aufgewachsen. Jetzt als junger Mann hat er einen guten Job in der örtlichen Bank und wohnt mit seiner attraktiven Frau (Julia Jentsch) in einer schicken Wohnung. Alles läuft nach Plan und Karsten hat den für ihn vorgesehenen Platz als Thronfolger seines Vaters in der kleinstädtischen Ordnung eingenommen. Diese Idylle bekommt Risse, als bei einer Party in seiner Wohnung die junge Anna unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt. Der Verdacht fällt auf Karsten, der in der Todesnacht als Letzter mit Anna zusammen war.

Getreu der Maxime, dass sich der wahre Charakter eines Menschen vor allem in krisenhaften Ausnahmesituationen zeigt, wird die Hauptfigur immer tiefer in den Sog der Geschehnisse gerissen. Karsten muss erleben, wie fragil seine vermeintlich sicheren Strukturen eigentlich sind und es gibt für ihn bald keine Gewissheiten mehr. AUF EINMAL erzählt seine Geschichte in sorgfältig arrangierten und ausgeleuchteten Bildern, die erst nach und nach ihre Dynamik entfalten. Dabei bildet die sauerländische Kleinstadt Altena, die in einem Talkessel komplett von Bergen eingeschlossen wird, eine perfekte Kulisse für dieses sich langsam entwickelnde zwischenmenschliche Drama. Hier benutzt und manipuliert jeder jeden und die Charaktere machen es durch ihre Ambivalenz schwer, sich mit ihnen zu identifizieren. Besonderen Wert legt der Film auf seine Dialoge, in denen die Spannung, so wie auch im echten Leben, nicht aus dem entsteht, was tatsächlich gesagt wird, sondern vor allem aus dem, was sich die Figuren verschweigen. Wie bei einem Schachspiel führt ein Zug unweigerlich zum nächsten und man weiß nie genau, ob man die Akteure bemitleiden oder doch eher fürchten sollte. Ein ästhetisch beeindruckender und zugleich extrem spannender Film, dem ein großes Publikum zu wünschen ist.

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Titel

Orignaltitel

Auf einmal

Englischer Titel

All of a sudden

Credits

Regisseur

Asli Özge

Schauspieler

Sebastian Hülk

Julia Jentsch

Hans Zischler

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Flagge FrankreichFrankreich

Flagge NiederlandeNiederlande

Jahr

2016

Dauer

112 min.

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